{"id":12368,"date":"2022-12-21T12:27:02","date_gmt":"2022-12-21T10:27:02","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12368"},"modified":"2022-12-21T12:27:03","modified_gmt":"2022-12-21T10:27:03","slug":"der-zusammenbruch-der-npa-in-frankreich-eine-erste-bilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12368","title":{"rendered":"Der Zusammenbruch der NPA in Frankreich, eine erste Bilanz"},"content":{"rendered":"<p><em>R\u00e9volution permanente.<\/em> Nach einem ereignisreichen Wochenende f\u00fcr die franz\u00f6sische Linke kam es zu einer Spaltung innerhalb der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich. Da wir die ersten waren, die vor anderthalb Jahren nach mehr als zw\u00f6lf Jahren in dieser Partei hinausgedr\u00e4ngt wurden, m\u00f6chten wir hier einige Hintergrundinformationen zu diesem wichtigen Ereignis<!--more--> innerhalb der radikalen Linken liefern.<\/p>\n<p>Eine Partei, die zwischen zwei praktisch gleich gro\u00dfen Str\u00f6mungen gespalten ist, die sich in der Mitte ihres Kongresses trennen und ihn in getrennten R\u00e4umen beenden, konkurrierende Erkl\u00e4rungen und Pressekonferenzen abhielten, die jeweils von ihrer Seite die Legitimit\u00e4t der \u201eFortsetzung der NPA\u201c verk\u00fcndeten: Das Szenario mag ein wenig grotesk erscheinen. Aber es stellt das Ende eines langen Prozesses dar.<\/p>\n<p><strong>Eine Partei mit \u201eunvollendeten\u201c Abgrenzungen: R\u00fcckblick auf die Geschichte der NPA<\/strong><\/p>\n<p>Die 2009 gegr\u00fcndete NPA hatte bei ihrer Gr\u00fcndung den Anspruch, eine breite antikapitalistische Partei aufzubauen, die die Barrieren zwischen der revolution\u00e4ren Linken und dem linken Fl\u00fcgel der gesellschaftlichen Linken beseitigen sollte. Das Ziel: den Raum einzunehmen, der links der Sozialistischen Partei (PS) geblieben war, die sich gerade in Lionel Jospins Experiment einer \u201cpluralistischen Linken\u201d kompromittiert und einen Teil ihrer Verb\u00fcndeten wie die Kommunistische Partei Frankreichs (PCF) mitgerissen hatte. Wodurch ein Platz f\u00fcr die linke Str\u00f6mung geschaffen wurde, die von dem jungen Postbeamten Olivier Besancenot verk\u00f6rpert wurde, der bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2002 und 2007 zweimal ein recht gutes Ergebnis erzielt hatte.<\/p>\n<p>Um sich zu vergr\u00f6\u00dfern, verzichtete die F\u00fchrung der NPA auf einen betr\u00e4chtlichen Teil der strategischen Abgrenzungen und ideologischen Bez\u00fcge, die die LCR (Ligue communiste r\u00e9volutionnaire, trotzkistische Partei, die 2009 in die NPA \u00fcberging) einst hatte, und gr\u00fcndete eine Partei auf bewusst unklaren Grundlagen. Diese Abgrenzungen wurden damals von einigen als \u201eunvollendet\u201c dargestellt, wobei man in Kauf nahm, \u201ean Substanz zu verlieren, um an Oberfl\u00e4che zu gewinnen\u201c, wie Daniel Bensa\u00efd es formulierte.<\/p>\n<p>Dieses Projekt, das eine starke Abnahme der Bedeutung, die der Intervention in den Klassenkampf und der Zentralit\u00e4t der Arbeiterklasse beigemessen wurde, mit sich brachte, wurde sehr schnell von der Gr\u00fcndung der Parti de Gauche (Linkspartei) und sp\u00e4ter der Front de gauche (Linksfront) durchkreuzt. Diese Organisationen stellten sich zwischen die NPA und einen gro\u00dfen Teil des von der PS entt\u00e4uschten \u201elinken Volkes\u201c, an das sie sich urspr\u00fcnglich hatte wenden wollen. Die Mitgliederzahl der NPA schmolz daraufhin wie Schnee in der Sonne und bereits 2012 spaltete sich die H\u00e4lfte der F\u00fchrung der ehemaligen LCR ab, um sich dem B\u00fcndnis um den Linkspopulisten Jean-Luc M\u00e9lenchon anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Seitdem weigert sich die NPA-F\u00fchrung, eine Bilanz dieses Misserfolgs zu ziehen, und versucht um jeden Preis, die Kontrolle \u00fcber eine geschw\u00e4chte und zersplitterte Organisation zu behalten. Ohne eine kollektive Bilanz des urspr\u00fcnglichen Projekts zu ziehen und in Ermangelung einer Neugr\u00fcndung der NPA, neigten die internen Meinungsverschiedenheiten dazu, sich zu versch\u00e4rfen und sogar zunehmend eigene politische Experimente hervorzubringen, wodurch die NPA in ihrer internen Uneinigkeit und durch die Koexistenz mehrerer Projekte innerhalb der Partei gel\u00e4hmt wurde.<\/p>\n<p>Da es der ehemaligen F\u00fchrung der LCR seit fast einem Jahrzehnt nicht gelungen ist, auf den NPA-Kongressen eine absolute Mehrheit f\u00fcr eine ihrer Plattformen zu erreichen, wurde das Ziel, die Partei im Griff zu behalten, mit zunehmend b\u00fcrokratischen Methoden erreicht. Nach 2018 gelang es ihr beispielsweise, eine \u201eArbeitsmehrheit\u201c im Exekutivkomitee zu erreichen, die nicht mit ihren Ergebnissen auf dem Kongress \u00fcbereinstimmte und somit das Votum der Aktivist*innen missachtete. Dies war leider nur dank der Unterst\u00fctzung der Genoss*innen von l\u2019\u00c9tincelle (dt. \u201cder Funke\u201d, franz\u00f6sische Schwesterorganisation der deutschen RSO und Str\u00f6mung in der NPA) m\u00f6glich, die sich in diesem Punkt von der ehemaligen F\u00fchrung erpressen lie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Die beschleunigte Krise der Partei in den letzten zwei Jahren<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Krisenprozess hat sich in der vergangenen Zeit beschleunigt, als ein Teil der F\u00fchrung sich auf eine Reihe von politischen Kompromissen mit La France insoumise einlie\u00df, insbesondere bei den Regionalwahlen. In zwei Regionen, in Nouvelle-Aquitaine und Okzitanien, stellten Mitglieder der F\u00fchrung n\u00e4mlich gemeinsame Listen auf, die auf einem Programm des offenen Klassenkompromisses basierten.<\/p>\n<p>In diesem Kontext fand 2021 die Debatte \u00fcber den Kandidaten der NPA f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt. Die historische F\u00fchrung war damals gespalten zwischen der Entscheidung, nicht anzutreten, um den Erfolg von M\u00e9lenchons Kandidatur nicht zu gef\u00e4hrden, und der Entscheidung, eine*n der beiden Genoss*innen aufzustellen, die diese Listen angef\u00fchrt hatten, n\u00e4mlich Philippe Poutou und Pauline Salingue. Dem setzten wir den Kandidatenvorschlag von Anasse Kazib entgegen. In einem Brief an die linken Str\u00f6mungen in der Partei sagten wir damals:<\/p>\n<p>\u201eEs ist offensichtlich, dass die Tatsache, dass eine*r der Genoss*innen, die Sprecher*innen der gemeinsamen Listen mit La France Insoumise (LFI) waren, zu den Pr\u00e4sidentschaftswahlen antritt, bereits zu einem gro\u00dfen Teil eine Entscheidung \u00fcber die Ausrichtung und das Profil der Partei f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre bedeutet. Umso mehr, als die einseitige Entscheidung der ehemaligen Mehrheit, der Partei diese Listen aufzuzwingen, eine Politik der Kompromisse mit der institutionellen Linken darstellt, die sogar die bereits unzureichenden Abgrenzungen in Frage stellt, die die NPA bei ihrer Gr\u00fcndung hatte, n\u00e4mlich eine feste Unabh\u00e4ngigkeit von der sogenannten sozialliberalen Linken, d. h. der Sozialistischen Partei (PS) und Europe Ecologie \u2013 Les Verts (EELV). Die alte Mehrheit hat eine gro\u00dfe politische Wende eingeschlagen, die wahrscheinlich nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden kann.\u201c<\/p>\n<p>Die Ereignisse bei den Parlamentswahlen, bei denen die NPA die Pr\u00e4senz der PS und der EELV im Wahlb\u00fcndnis \u201cNupes\u201d (dt.: \u201cNeue \u00f6kologsiche und soziale Volksunion\u201d, Wahlb\u00fcndnis u.a. zwischen La France Insoumise, PCF, PS und EELV zur Parlamentswahl 2022) nie zu einem Hindernis f\u00fcr den Eintritt in diese Koalition gemacht hatte, nur um ihr dann letztlich nicht beizutreten aufgrund der Weigerung seitens La France Insoumise, ihr die von ihr geforderten Wahlkreise anzubieten, haben uns ebenso Recht gegeben haben wie die j\u00fcngste \u201cExplosion\u201d der NPA. Denn wie die Sprecher*innen der aus Plattform B hervorgegangenen NPA (Olivier Besancenot, Philippe Poutou, Christine Poupin und Pauline Salingue) in ihrer Pressekonferenz am Sonntag sehr deutlich zum Ausdruck brachten, besteht das zentrale Ziel dessen, was sie euphemistisch eine \u201eTrennung\u201c nennen, darin, sich gegen\u00fcber der Nupes und insbesondere gegen\u00fcber LFI \u201everf\u00fcgbar\u201c zu machen.<\/p>\n<p><strong>Das Scheitern der Plattform B, eine Mehrheit zu erreichen, f\u00fchrt zu einem traurigen Spektakel<\/strong><\/p>\n<p>Die Brutalit\u00e4t dieser\u00a0\u201eTrennung\u201c\u00a0erkl\u00e4rt sich durch das Scheitern ihrer Str\u00f6mung auf dem Kongress. Nachdem sie die Aktivist*innen von\u00a0R\u00e9volution\u00a0Permanente ausgeschlossen hatten, war es ihr Plan, diesen Termin zu nutzen, um alle anderen oppositionellen Str\u00f6mungen auszuschlie\u00dfen. Es gelang ihnen jedoch nicht, die absolute Mehrheit zu erringen, die es ihnen erm\u00f6glicht h\u00e4tte, diese Politik durch eine Abstimmung durchzusetzen. Sie erhielten nur 48,5 % der Stimmen, obwohl sie auf sehr viele Bevollm\u00e4chtigte zur\u00fcckgriffen.<\/p>\n<p>Aus dem Scheitern erkl\u00e4rt sich die Notwendigkeit eines\u00a0theaterreifen\u00a0Coups. Zun\u00e4chst bedienten sie sich der Medien und insbesondere eines Interviews von Philippe\u00a0Poutou\u00a0auf BFM TV am Freitagabend, um den Kongress kurzzuschlie\u00dfen. Danach verlie\u00dfen sie am Samstagnachmittag den Saal, bevor eine Abstimmung stattfinden konnte, um sie in einem anderen Saal zu beenden, wobei sie sich selbst zu den einzigen legitimen Aktivist*innen erkl\u00e4rten, die eine Fortsetzung der\u00a0NPA\u00a0verk\u00f6rpern, und sie eigneten sich den Gro\u00dfteil der gemeinsamen Ressourcen der Partei an (Zeitung, Website, soziale Netzwerke), um zu versuchen, ihre Darstellung der Ereignisse durchzusetzen. Der Zynismus der Sprecher*innen, die dieses Man\u00f6ver in einer Pressekonferenz mit einem kleinen L\u00e4cheln auf den Lippen im Namen des\u00a0\u201eRechts auf Trennung f\u00fcr jedes menschliche Wesen\u201e\u00a0rechtfertigten oder\u00a0\u201epsychologische Gr\u00fcnde\u201c\u00a0anf\u00fchrten, macht die Sache nur noch schlimmer.<\/p>\n<p>Es handelt sich um einen echten, inakzeptablen Gewaltstreich, und wir k\u00f6nnen in dieser Hinsicht nur solidarisch\u00a0mit allen Aktivist*innenen\u00a0sein, die f\u00fcr die Plattform C gestimmt haben, um zu versuchen, die Liquidierung der\u00a0NPA\u00a0zugunsten von B\u00fcndnissen mit dem Neoreformismus zu verhindern. Ein Projekt, das darauf abzielt, den Schwerpunkt der\u00a0NPA\u00a0immer mehr in Richtung der Institutionen zu verschieben, auf Kosten der Intervention in den Klassenkampf. Da diese Spaltung nun jedoch unumkehrbar ist, m\u00f6chten wir gleichzeitig mit diesen Genoss*innen einen Dialog \u00fcber die Notwendigkeit aufnehmen, eine echte Bilanz aus der Erfahrung der\u00a0NPA\u00a0zu ziehen, und \u00fcber die Grenzen der Politik, die von der F\u00fchrung der Hauptstr\u00f6mungen vorgegeben wird, die diese Plattform vorangetrieben haben\u00a0\u2013\u00a0L\u2018\u00c9tincelle\u00a0und\u00a0Anticapitalisme\u00a0et\u00a0R\u00e9volution.<\/p>\n<p><strong>Der Bruch der\u00a0NPA\u00a0markiert den Zeitpunkt f\u00fcr eine Bilanz<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal hoffen wir aufrichtig, dass die Genoss*innen\u00a0\u2013\u00a0wenn auch erst nach schwierigen Erfahrungen\u00a0\u2013\u00a0verstanden haben, dass es mehrere Arten und Weisen gibt, Str\u00f6mungen auszuschlie\u00dfen, und dies nicht zuzugeben. Dies ist wichtig, wenn man bedenkt, wie sehr dieselben ausschlie\u00dfenden Genoss*innen den Rauswurf von\u00a0R\u00e9volution\u00a0Permanente relativiert oder sogar geleugnet haben, weil sie\u00a0glaubten, sich individuell retten zu k\u00f6nnen, indem sie sich von\u00a0\u201eder b\u00f6sesten aller Str\u00f6mungen\u201efernhielten.<\/p>\n<p>In dem oben zitierten Brief sagten wir diesbez\u00fcglich kurz vor unserem\u00a0Ausschluss:<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen nur bedauern, (\u2026) dass ihr euch weigert, in einigen Aussch\u00fcssen auch nur minimale Antr\u00e4ge gegen unseren Ausschluss anzunehmen. Aus unserer Sicht zeugt dies von einer Anpassung an den Druck, den die ehemalige Mehrheit auszu\u00fcben versucht, um uns zu \u00e4chten oder gar auszuschlie\u00dfen, sowie vom Versuch, sich als eine Art \u201eBlock der Mitte\u201c zu positionieren, der faktisch gleich weit entfernt ist von den \u201ezwei D\u00e4monen\u201c, die die ehemalige Mehrheit und\u00a0R\u00e9volution\u00a0Permanente\u00a0angeblich darstellen.\u00a0Selbst \u00fcber die Tatsache hinaus, dass nach unserem Ausscheiden euer eigener Ausschluss nur eine Frage der Zeit w\u00e4re, scheint es uns so, dass wir vor der M\u00f6glichkeit stehen, gemeinsam und trotz unserer Differenzen einen Block zu bilden, um die Ausrichtung gem\u00e4\u00df der ehemaligen Mehrheit r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und eine revolution\u00e4re und klassenk\u00e4mpferische Kandidatur bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen durchzusetzen.\u201e<\/p>\n<p>Auch hier hat uns die Zeit\u00a0Recht\u00a0gegeben, nicht nur in Bezug auf die Tatsache, dass unser Ausschluss den Ausschluss anderer linker Str\u00f6mungen vorbereitete, sondern auch in Bezug auf die Tatsache, dass kein Zugest\u00e4ndnis gegen\u00fcber der F\u00fchrung ausreichen w\u00fcrde, um den Lauf der Dinge umzukehren. Trotz der Entscheidung der Initiatoren der Plattform C und insbesondere von l\u2019\u00c9tincelle, sich nicht entschlossen gegen unseren Ausschluss zu stellen und dann die von Philippe\u00a0Poutou\u00a0angef\u00fchrte Kandidatur zu unterst\u00fctzen, sind sie heute Gegenstand desselben Angriffes wie zuvor\u00a0R\u00e9volution\u00a0Permanente.<\/p>\n<p>Wir haben unsererseits alles getan, um dieses Szenario zu verhindern, und sogar vorgeschlagen, die Kandidatur von\u00a0Anasse\u00a0zugunsten einer einheitlichen Kandidatur der linken Str\u00f6mungen der Partei zur\u00fcckzuziehen. In demselben Brief sagten wir unter anderem:<\/p>\n<p>\u201eW\u00e4hrend wir davon \u00fcberzeugt sind, dass\u00a0Anasse\u00a0als k\u00e4mpferischer und\u00a0rassifizierter\u00a0junger Arbeiter und eine der wichtigsten \u00f6ffentlichen Pers\u00f6nlichkeiten, die in den letzten Jahren aus den Klassenk\u00e4mpfen hervorgegangen sind, wahrscheinlich der beste Genosse ist, um diese Ausrichtung zu verk\u00f6rpern, bleiben wir offen, \u00fcber jeden anderen Vorschlag eines Genossen mit einem \u00e4hnlichen oder vergleichbaren Profil zu diskutieren und dann diese Kandidatur zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Dies w\u00fcrde jedoch eurerseits die Anerkennung der Tatsache voraussetzen, dass es keine gemeinsame Kandidatur der gesamten\u00a0NPA\u00a0geben kann. Die alte Mehrheit wurde bereits teilweise gezwungen zu behaupten, dass sie eine*n Kandidat*in der\u00a0NPA\u00a0will (was ein Teil ihrer Aktivist*innen und F\u00fchrer*innen nicht will), aber sie wird niemals eine*n Kandidat*in akzeptieren, der*die nicht aus ihren eigenen Reihen kommt. In Wirklichkeit sind ihre m\u00f6glichen Kandidat*innen de facto bereits festgelegt. Sie sind gerade in Okzitanien und\u00a0Nouvelle-Aquitaine\u00a0im Wahlkampf und hei\u00dfen Philippe\u00a0Poutou\u00a0und Pauline\u00a0Salingue. Das bedeutet, dass unabh\u00e4ngig von den Diskussionen und den vor dem Sommer verabschiedeten Texten diese das Zeichen der Ann\u00e4herung (einer \u201e\u00d6ffnung\u201c, wie die Genossen der ehemaligen Mehrheit sagen w\u00fcrden) gegen\u00fcber La\u00a0France\u00a0Insoumise\u00a0und eines Bruchs von rechts mit den\u00a0\u2013\u00a0wenn auch unzureichenden\u00a0\u2013\u00a0Abgrenzungen der\u00a0NPA\u00a0gegen\u00fcber der institutionellen Linken tragen wird, falls eine dieser Kandidaturen angenommen wird. Eine solche Kandidatur, die nicht zuf\u00e4llig von Genoss*innen verk\u00f6rpert w\u00fcrde, die zu den gr\u00f6\u00dften Spalter*innen der\u00a0NPA\u00a0geh\u00f6ren, w\u00e4re ein Instrument f\u00fcr den Aufbau von etwas anderem als der\u00a0NPA, zumindest nach ihrer derzeitigen Bestimmung. Diese ist die wirkliche Bedrohung f\u00fcr die Zukunft der\u00a0NPA\u00a0im Gegensatz zur m\u00f6glichen Kandidatur von\u00a0Anasse.\u201d<\/p>\n<p>Sich vorzumachen, dass die Politik der Parlamentswahlen ein Bruch mit der\u00a0Poutou-Kampagne\u00a0bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl war, oder diese sogar zu einer Art gemeinsamem Sockel f\u00fcr die gesamte\u00a0NPA\u00a0zu machen, der zeigen w\u00fcrde, dass es keine Unstimmigkeiten gibt, die eine Spaltung rechtfertigen w\u00fcrden, bedeutet schlichtweg, seine Augen vor den Tatsachen zu verschlie\u00dfen. Hier sto\u00dfen wir jedoch auf eine ernsthafte Grenze der Politik der F\u00fchrung der Plattform C: die Weigerung, auch nur die geringste Bilanz zu ziehen, indem sie jegliches Scheitern des\u00a0NPA-Projekts\u00a0leugnet und den Inhalt der\u00a0Poutou-Kampagne\u00a0besch\u00f6nigt.<\/p>\n<p><strong>\u201eDie\u00a0NPAweiterf\u00fchren?\u201c Wirklich?<\/strong><\/p>\n<p>Hier ber\u00fchren wir das zentrale Problem der Plattform C, dessen Gefahr wir bereits zum Zeitpunkt unserer Losl\u00f6sung sahen: die Versuchung, im Namen der Verteidigung der\u00a0NPA\u00a0als Werkzeug gegen diejenigen, die sie liquidieren wollen, zu einer Verteidigung des Status quo \u00fcberzugehen. Oder anders ausgedr\u00fcckt, eine Verschiebung von der Linken zur Mitte zu vollziehen, indem der Kampf gegen die Politik der historischen F\u00fchrung immer mehr auf die Idee reduziert wird,\u00a0\u201cdie\u00a0NPA\u00a0weiterzuf\u00fchren\u201e, so wie sie ist, womit wir den Titel des Antrags aufgreifen, der der Generalversammlung der Kongresse zur Abstimmung vorgelegt wurde.<\/p>\n<p>Eine solche Ausrichtung f\u00fchrt nicht nur dazu, dass jede ernsthafte Bilanzierung der\u00a0NPA\u00a0abgelehnt wird, sondern auch dazu, dass die Meinungsverschiedenheiten mit der Plattform B heruntergespielt werden, bis hin zu Behauptungen wie der von\u00a0Ga\u00ebl\u00a0Quirante\u00a0auf den sozialen Netzwerken, dass die Spaltung\u00a0\u201ekeine politische Grundlage hat\u201e. Doch auch wenn die Methoden schrecklich sind, hat die Spaltung sehr wohl eine politische Grundlage, n\u00e4mlich die, gegen\u00fcber der\u00a0LFI\u00a0\u201everf\u00fcgbar zu bleiben\u201e,\u00a0d. h.\u00a0mit der Politik des Aufbaus einer revolution\u00e4ren, von der institutionellen Linken abgegrenzten Organisation, die sich darauf vorbereitet, in die wichtigsten Ereignisse des Klassenkampfes und die kommenden politischen Auseinandersetzungen einzugreifen, zu brechen.\u00a0Und das angesichts der Ereignisse, die die letzten Jahre \u00fcber Frankreich gepr\u00e4gt haben, von den Streiks und Mobilisierungen gegen das Arbeitsgesetz 2016 bis zum gro\u00dfen Streik gegen die Rentenreform 2019, der Gelbwestenbewegung oder den antirassistischen, feministischen und \u00f6kologischen Mobilisierungen, die einen erheblichen Teil der Jugend mobilisiert haben.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund haben Revolution\u00e4r*innen kein Interesse daran, die strategischen Meinungsverschiedenheiten, die die\u00a0NPA\u00a0seit Jahren durchziehen, unter den Teppich zu kehren. Anstatt die\u00a0NPA\u00a0fortzuf\u00fchren, sollte es heute darum gehen, sie im Rahmen eines umfassenderen Kampfes f\u00fcr die Neugr\u00fcndung einer revolution\u00e4ren radikalen Linken zu \u00fcberwinden, die den Herausforderungen der politischen Situation und des Klassenkampfes gewachsen ist und eine echte Alternative zum Neo-Reformismus von La\u00a0France\u00a0Insoumise\u00a0und der durch die\u00a0Nupes\u00a0erm\u00f6glichten Neuzusammensetzung der institutionellen Linken darstellen kann.<\/p>\n<p>In unserem kleinen Rahmen versuchen wir, einen kleinen Stein zu diesem Geb\u00e4ude beizutragen, und zwar durch die Gr\u00fcndung einer neuen revolution\u00e4ren Organisation rund um\u00a0R\u00e9volution\u00a0Permanente. Eine Organisation, von der wir hoffen, dass sie vielen Genoss*innen einen Rahmen f\u00fcr ihre K\u00e4mpfe bieten kann, und die weiterhin f\u00fcr Debatten und praktische Zusammenarbeit mit den Str\u00f6mungen und Aktivist*innen der Plattform C der\u00a0NPA\u00a0zur Verf\u00fcgung stehen wird.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-zusammenbruch-der-npa-in-frankreich-eine-erste-bilanz\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 21. Dezember 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00e9volution permanente. Nach einem ereignisreichen Wochenende f\u00fcr die franz\u00f6sische Linke kam es zu einer Spaltung innerhalb der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich. 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