{"id":12405,"date":"2022-12-28T16:29:58","date_gmt":"2022-12-28T14:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12405"},"modified":"2022-12-28T16:29:59","modified_gmt":"2022-12-28T14:29:59","slug":"holodomor-die-gefaelschte-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12405","title":{"rendered":"<strong>Holodomor: Die gef\u00e4lschte Wahrheit<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Hanns Graaf. <\/em>In vielen Medien, z.B. im ZDF in Person von Marietta Slomka in der Nachrichtensendung Heute, wurde Ende November des Holodomors gedacht. Als Holodomor (dt. bittere Ernte) wird die Hungersnot von 1932\/33 in der UdSSR bezeichnet, die als bewusster Genozid an den Ukrainern interpretiert wird. Die Zahl der Opfer variiert<!--more--><!--more--> in den Darstellungen, betrug aber mindestens drei Millionen in der gesamten UdSSR. Die meisten Toten gab es damals in der Ukraine, nach Russland die gr\u00f6\u00dfte Sowjetrepublik. Als Ursache der Katastrophe wird die 1929 von Stalin angeordnete Zwangskollektivierung angesehen.<\/p>\n<p>Die These vom Holodomor wurde zuerst 1935 von US-Zeitungen des Medienmoguls Hearst verbreitet. Hearst bekannte sich als Anh\u00e4nger Hitlers und Mussolinis. Eine Neuauflage erlebte der Geschichtsmythos dann 1986 mit dem Buch \u201eHarvest of Sorrow\u201c von Robert Conquest. Trotz aller Bem\u00fchungen von Seiten reaktion\u00e4rer Kr\u00e4fte wird die These vom Holodomor aber von den meisten Historikern als unwissenschaftlich abgelehnt. Sie unterstellt, dass die Zwangskollektivierung von Stalin absichtlich dazu genutzt worden w\u00e4re, m\u00f6glichst viele Ukrainer umzubringen. Daher h\u00e4tte es sich um einen V\u00f6lkermord gehandelt. Diese These wird auch von den ab 2014 regierenden Kiewer Regimen massiv verbreitet.<\/p>\n<p><strong>Historische Fakten<\/strong><\/p>\n<p>Es ist unbestreitbar, dass die Zwangskollektivierung unter Stalin zu einem starken Absinken der agrarischen Produktion und damit zu Hunger gef\u00fchrt hat. Experten f\u00fcr die Agrargeschichte der UdSSR betonen aber, dass auch die Umweltbedingungen sehr ung\u00fcnstig waren. Weite Gebiete der UdSSR waren 1931\/32 von einer schweren D\u00fcrre, andere von Starkregen und \u00dcberflutungen betroffen, so dass gro\u00dfe Teile der Ernte vernichtet wurden. Durch die hohe Feuchtigkeit brachen Pflanzenkrankheiten aus, Sch\u00e4dlinge und Unkraut vermehrten sich massenhaft. Das f\u00fchrte dazu, dass die Getreideabgabe an den Staat 1932 von ca. 19 auf 14 Mill. Tonnen sank. Die Behauptung, dass die umfangreichen Getreideexporte die Hungerkrise noch versch\u00e4rft h\u00e4tten, stimmt nur zum Teil. Von Mitte 1931 bis Mitte 1932 waren 4,7 Mill. Tonnen Getreide exportiert worden, im Folgejahr nur noch 1,6 Mill. Tonnen. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, dass, statt angesichts periodisch vorkommender Missernten Reserven anzulegen, ein Vabanquespiel mit der Ern\u00e4hrungssicherung betrieben wurde, indem der Getreideexport exzessiv gesteigert worden war. Doch die Tatsache, dass w\u00e4hrend der Hungermonate fast 6 Mill. Tonnen an Nahrung und Saatgut in die Hungergebiete geliefert und dabei auch die Reserven und die Depots der Armee geleert wurden, zeigt, dass die F\u00fchrung sehr wohl darauf bedacht war, den Hunger zu bek\u00e4mpfen und ihn nicht absichtlich zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<p>Die Zwangskollektivierung war mit der Verhaftung, T\u00f6tung und Vertreibung von Hunderttausenden verbunden. Stalin selbst war angesichts des angerichteten Chaos gezwungen, dem Treiben der B\u00fcrokraten und der Staatssicherheit Einhalt zu gebieten. Stalins Politik zerst\u00f6rte den produktivsten Teil der Landwirtschaft und installierte ein pseudo-genossenschaftliches Kolchos-System, das nicht funktionierte und auch nicht funktionieren konnte. Die mitunter gebrauchte These, dass dadurch Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr die Industrie freigesetzt wurden, um die Industrialisierung zu erm\u00f6glichen, ist historisch kaum haltbar, da das Bev\u00f6lkerungswachstum so hoch war, dass es auch ohne das \u201eBauernlegen\u201c genug \u201e\u00fcbersch\u00fcssige\u201c Arbeitskr\u00e4fte gab.<\/p>\n<p>Trotz des Terrors war die Massent\u00f6tung von Zivilisten nie die Absicht der Staatsf\u00fchrung. Die Zwangskollektivierung hatte zwei Ziele: 1. die Schw\u00e4chung bzw. Enteignung des Einflusses der \u201eKulaken\u201c (Mittelbauern) und die breite Einf\u00fchrung des Genossenschaftssystems. Damit sollte die Produktivit\u00e4t der Landwirtschaft gesteigert werden \u2013 auch, um mit den Exporterl\u00f6sen die Industrialisierung massiv voran treiben zu k\u00f6nnen. Ziel Stalins war es also, die soziale Entwicklung des Landes zu forcieren. Letzteres gelang auch \u2013 wenn man die industriellen Wachstumsraten ab 1928, dem Beginn des 1. F\u00fcnfjahrplans und der beschleunigten Industrialisierung, betrachtet. Das Entwicklungsmodell, die Industrie mittels der Erl\u00f6se aus dem Agrarsektor aufzubauen, war jedoch nicht neu. Schon ab Ende des 19. Jahrhunderts gelang es so (in Erg\u00e4nzung zum Auslandskapital, das nach Russland floss), das Land zu modernisieren, Eisenbahnen und Fabriken zu bauen. Immerhin war Russland um die Jahrhundertwende einer der gr\u00f6\u00dften Getreideexporteure der Welt \u2013 ein Status, der unter dem Stalinismus nie und erst vor wenigen Jahren unter Putin (ohne die Ukraine) wieder erreicht wurde.<\/p>\n<p>Die Strategie Stalins entsprach also durchaus den objektiven Entwicklungsbed\u00fcrfnissen des Landes. Doch die Ergebnisse seiner Agrarpolitik standen diesem Ziel komplett entgegen. Warum? Zun\u00e4chst m\u00fcssen wir sehen, dass die Zwangskollektivierung eine doppelte Kurskorrektur darstellte. Stalin brach mit der Methode Lenins, die Kollektivierung der Landwirtschaft nur auf freiwilliger Basis und in Einklang mit den sozial-\u00f6konomischen Gegebenheiten durchzuf\u00fchren. Das Vorgehen der stalinschen B\u00fcrokratie bestand aber nur aus Druck und Gewalt. Zudem gab es kaum Ressourcen, eine genossenschaftliche Gro\u00dfproduktion einzuf\u00fchren. Es fehlte an Landtechnik, an D\u00fcnger und am Knowhow der Bauern f\u00fcr moderne Produktionsmethoden. V.a. aber wollten sie mehrheitlich keine Genossenschaften und stattdessen ihren durch die Revolution eben erst erhaltenen Boden behalten. Genossenschaften gab es auch schon vor 1929, jedoch blieben sie \u2013 mangels Nachfrage \u2013 Ausnahmen.<\/p>\n<p>Die Zwangskollektivierung stellte auch einen Bruch mit der Politik Stalins und Bucharins in den Jahren vor 1929 dar. Beide bef\u00fcrworteten damals eine langsame Industrialisierung und f\u00f6rderten das Mittelbauerntum, zugleich drohten sie ihm aber permanent \u2013 wie schon seit 1917 \u2013 mit der Enteignung. Ab 1921, mit der Neuen \u00f6konomischen Politik (N\u00d6P) Lenins, wurde dem kleinen Privateigentum wieder mehr Spielraum zugestanden, um die Wirtschaftskrise zu \u00fcberwinden. Diese Politik (von Lenin \u201etaktischer R\u00fcckzug\u201c genannt) hatte Erfolg, erzeugte aber eine neue Schicht von reichen Empork\u00f6mmlingen: die \u201eN\u00d6P-Leute\u201c. Die Politik vers\u00e4umte es jedoch, durch ein System von geeigneten Ma\u00dfnahmen, z.B. eine progressive Besteuerung, diese Entwicklung einzud\u00e4mmen und zu beherrschen. Stalin beendete die \u00f6konomisch durchaus erfolgreiche N\u00d6P dann abrupt 1927.<\/p>\n<p>Auf dem Land war die Masse der kleinen Bauern immer abh\u00e4ngiger von den Mittelbauern (Gro\u00dfbauern im westlichen Sinn gab es kaum) geworden. Da die \u201eKulaken\u201c \u2013 ein pejorativer Begriff und keine soziologische Kategorie \u2013 ihre Wirtschaften nicht vergr\u00f6\u00dfern durften, wurde die Vermietung und Verpachtung von Feldern und Ger\u00e4t zu Wucherpreisen f\u00fcr sie ein wichtiges Gesch\u00e4ftsmodell. Dazu kam, dass sie durch das Horten von Getreide die Preise hochtrieben, was erneut zu Problemen bei der Versorgung der St\u00e4dte f\u00fchrte. Verursacht wurde diese Misere aber auch durch zwei Missernten und durch zu niedrige Aufkaufpreise f\u00fcr Getreide durch den Staat sowie durch den exorbitanten Getreideexport. Auch der politische Einfluss der Kulaken auf die d\u00f6rflichen Sowjets hatte zugenommen. Dem inzwischen schon weitgehend b\u00fcrokratisierten Staatsapparat erwuchs somit eine Konkurrenz. Das Problem musste gel\u00f6st, die Kulaken sollten enteignet werden.<\/p>\n<p><strong>Aufbau des Sozialismus?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sehen, dass Stalins Politik erst selbst ein Problem geschaffen hatte, um es dann mit ungeeigneten Mitteln zu \u201el\u00f6sen\u201c. Viele Bauern wehrten sich gegen die Enteignung und die Kollektivierung \u2013 es war dieselbe Reaktion der Bauern wie schon ab 1918 bei der Zwangseintreibung von Getreide: sie verkleinerten die Anbaufl\u00e4che, schlachteten ihr Vieh und betrogen den Staat, wo es ging. Daneben gab es die sog. Scherenkrise, die darin bestand, dass es an Industriewaren als \u00c4quivalent f\u00fcr die Agrarg\u00fcter der Bauern mangelte. Zudem hatten sie eine schlechte Qualit\u00e4t und waren \u00fcberteuert. Dadurch fehlte den Bauern der Anreiz, mehr zu produzieren. Als Stalin 1928 die forcierte Industrialisierung einleitete, wurde die Relation zwischen den Investitionen in Schwerindustrie und R\u00fcstung gegen\u00fcber denen in die Leichtindustrie und in Landtechnik zu stark zugunsten ersterer verschoben. Hintergrund dieser Politik war Stalins absurde Angst vor einer kurzfristigen imperialistischen Aggression, die in den 1920ern aber v\u00f6llig irreal war. Doch die Angst vor einem Krieg war sehr gut daf\u00fcr geeignet, die Umsetzung von Terrorma\u00dfnahmen gegen \u201eSpione\u201c und \u201eSch\u00e4dlinge\u201c aller Art zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>1929\/30 wurden dann Millionen von Bauern in die Kolchosen gezwungen, v.a. arme Bauern, die wenig zu verlieren hatten, wurden Mitglied. Da sie aber weder gro\u00dfes Interesse an, noch Ahnung, noch kurzfristige Vorteile von der Genossenschaft hatten, war deren Produktivit\u00e4t gering und die Bauern \u201ezweigten ab\u201c, was sie konnten.<\/p>\n<p>Die Kollektivierung war zwar langfristig historisch alternativlos \u2013 doch nicht die Art und Weise ihrer Umsetzung. Sie \u00fcberwand die ineffiziente individuelle Kleinwirtschaft und schuf Grundlagen f\u00fcr die Modernisierung der Landwirtschaft. Doch das \u00fcberst\u00fcrzte Vorgehen und der Zwang verschlechterten die Situation in der Landwirtschaft, der Output sank. Es dauert Jahre, bis der Stand von 1914 wieder erreicht war. Der produktivste Agrarsektor, die Mittelbauern, wurde 1929\/30 liquidiert. Doch auch die Genossenschaften scheiterten. Das f\u00fchrte die B\u00fcrokratie dazu, die Vergenossenschaftlichung wieder etwas zur\u00fcckzudrehen. In vielen Gegenden, wo bis zu 100% der Bauern kollektiviert waren, durften die Bauern nun wieder aus den Kolchosen austreten \u2013 und taten dies oft massenhaft.<\/p>\n<p>Obwohl es au\u00dfer in den Kriegsjahren ab 1941 keine Nahrungskrise mehr gab, blieb die Produktivit\u00e4t der sowjetischen Landwirtschaft immer weit unter dem westlichen Niveau. Was oft \u00fcbersehen wird, ist die Tatsache, dass die Kolchosen nur pro forma Genossenschaften und eher besondere Staatsbetriebe waren. So konnten die Vorteile des Genossenschaftswesens (materielle Interessiertheit, kollektive Entscheidung usw.) kaum zur Geltung kommen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis \u2013 aber nicht die Absicht \u2013 des Stalinschen Aktionismus war ein enormer Ertragseinbruch, dessen Auswirkungen noch durch die wetterbedingte Missernte und den Getreideexport verschlimmert wurden. Doch von diesem Drama waren alle Teile der UdSSR mehr oder weniger betroffen, nicht nur die Ukraine. Es trifft zu, dass Stalin auch massenhaft Intellektuelle und (angebliche) Oppositionelle in der Ukraine liquidieren lie\u00df. Doch auch das traf nicht nur die Ukraine, sondern den gesamten Machtbereich Stalins. Auch hierbei ging es nicht um einen Genozid, wie etwa beim Holocaust der Nazis an den Juden, sondern um die Bek\u00e4mpfung jeder (vermeintlichen) Opposition und die Verbreitung von Terror als Machtinstrument.<\/p>\n<p>Die These vom Holodomor als V\u00f6lkermord an den Ukrainern ist historisch falsch. Das Problem, bestand nicht darin, dass Stalin das Land ruinieren und absichtlich Millionen umbringen wollte, sondern darin, dass er eine v\u00f6llig ungeeignete Politik umsetzte \u2013 ungeeignet nicht nur hinsichtlich der Entwicklung des Landes, sondern v.a. ungeeignet zum Aufbau des Sozialismus. Oft wird Stalins Politik deshalb als erfolgreich hingestellt, weil er die Industrialisierung voran trieb. Doch es wird dabei fast immer ausgeblendet, dass die Zwangskollektivierung damals \u00e4hnlich viel Produktivkraft vernichtete, wie in der Industrie neu entstand, was die \u201eErfolgsbilanz\u201c der b\u00fcrokratischen Gigantomanie Stalins stark relativiert. Zudem waren die Industrialisierung und die Zwangskollektivierung mit der kompletten Ausschaltung jeder M\u00f6glichkeit der Selbstbestimmung der gesellschaftlichen Entwicklung durch die Massen verbunden. Sie waren damit wirtschaftlich enteignet und politisch entmachtet. Unter Stalin war die Lage der Arbeiterklasse in den 1920ern und 30ern oft schlechter als vor 1917. Die UdSSR war ein einziges gro\u00dfes Gef\u00e4ngnis. Letztlich f\u00fchrte Stalins Entwicklungsmodell der totalen Verstaatlichung und Militarisierung der Gesellschaft nicht zum Kommunismus, sondern zum Kollaps von 1989\/90. Die UdSSR war ab 1930 staatskapitalistisch und nicht sozialistisch oder auf dem Weg zum Sozialismus. Aus Lenins Losung \u201eKommunismus = Elektrifizierung + Sowjetmacht\u201c hatte Stalin die Sowjetmacht gestrichen.<\/p>\n<p><strong>Propaganda statt Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn heute in den Medien vom Holodomor die Rede ist, geht es nat\u00fcrlich nicht um die Darlegung historischer Fakten, sondern nur darum, die anti-russische Propaganda \u201ehistorisch\u201c herzuleiten. Noch absurder wird die Sache, wenn das Kiewer Regime vom Holodomor spricht. Gerade dieses Regime ehrt den Massenm\u00f6rder, Antisemiten und Nazi Stepan Bandera und errichtet ihm Denkmale. Gerade dieses Regime l\u00e4sst Strukturen wie das Asow-Regiment unter faschistischen Symbolen agieren \u2013 als Terrortruppe gegen Linke, Oppositionelle und Gewerkschafter sowie gegen die Bev\u00f6lkerung der abtr\u00fcnnigen Donez-Republiken, die es gewagt hatten, ihr demokratisches Recht auf nationale Selbstbestimmung wahrzunehmen. Gerade dieses Regime verbietet und verfolgt jede Opposition.<\/p>\n<p>Es ist nicht neu, dass Reaktion\u00e4re und Kriegstreiber ihr Vorgehen mit demokratischen und sonstigen \u201ehumanistischen\u201c Begr\u00fcndungen bem\u00e4nteln. So hatte auch Hitler immer nur friedliche Absichten, so k\u00e4mpfen auch die USA immer nur f\u00fcr die Demokratie, so ist auch der deutsche Imperialismus weltweit (und bis vor kurzem auch noch am Hindukusch) im Einsatz \u2013 um die Demokratie zu sichern, Brunnen zu bohren und kleine M\u00e4dchen in die Schule zu bringen. Man fragt sich nur, warum die Welt nach 130 Jahren Engagement des Imperialismus immer noch so ein schlechter Ort ist \u2026<\/p>\n<p>Die Saga vom Holodomor dient auch dazu, jede Alternative zum Kapitalismus als unm\u00f6glich oder verbrecherisch darzustellen. Die These vom V\u00f6lkermord durch die Kreml-\u201cKommunisten\u201c verstellt den Blick darauf, dass die nach-revolution\u00e4re Entwicklung der UdSSR damit verbunden war, die ohnehin erst bescheidenen Ans\u00e4tze f\u00fcr eine Entwicklung zum Kommunismus auszumerzen: das Sowjetsystem und jede Form von Demokratie \u00fcberhaupt. Alle politischen Ma\u00dfnahmen der Stalin-B\u00fcrokratie \u2013 ob berechtigt oder nicht \u2013 waren nicht Ausdruck des Aufbaus des Sozialismus, sondern dienten dem Machterhalt der B\u00fcrokratie als neuer herrschender Klasse. Sie f\u00fchrte nicht zur \u00dcberwindung der Verh\u00e4ltnisse von Lohnarbeit, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung, sondern nur zu deren Modifizierung im Rahmen des Staatskapitalismus. Sie zielten nicht auf die Unterst\u00fctzung der internationalen Revolution, sondern auf einen strategischen Kompromiss mit dem Imperialismus und die Unterordnung des Proletariats unter die Bourgeoisie mittels der Volksfrontpolitik (Frankreich, Spanien usw.). Insofern darf die berechtigte Kritik an der reaktion\u00e4ren und unwissenschaftlichen These vom Holodomor nicht zur Relativierung der Irrt\u00fcmer und Verbrechen oder gar zur Verteidigung des Stalinismus f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Stalinsche Politik der Zwangskollektivierung und der Hyperindustrialisierung folgte b\u00fcrokratischen und unterdr\u00fcckerischen Methoden, sie war voluntaristisch und entbehrte einer wirklichen Analyse der Verh\u00e4ltnisse. Sie fiel von einem Extrem ins andere, was schon in den 1920ern von der Linken Opposition um Trotzki zurecht als Zickzack-Kurs kritisiert wurde. Noch extremer war die Politik des Stalinisten Mao in China davon gepr\u00e4gt. Bei aller Kritik an den b\u00fcrgerlichen L\u00fcgnern und Geschichtsf\u00e4lschern m\u00fcssen Linke v.a. die realen Erfahrungen mit politischen Konzepten wie denen Stalins verarbeiten und Schl\u00fcsse daraus ziehen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/aufruhrgebiet.de\/2022\/12\/die-falsche-wahrheit\/#more-2010\"><em>aufruhrgebiet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. Dezember 2022; Titel: Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hanns Graaf. In vielen Medien, z.B. im ZDF in Person von Marietta Slomka in der Nachrichtensendung Heute, wurde Ende November des Holodomors gedacht. 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