{"id":12422,"date":"2023-01-05T21:03:46","date_gmt":"2023-01-05T19:03:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12422"},"modified":"2023-01-05T21:03:48","modified_gmt":"2023-01-05T19:03:48","slug":"die-ukraine-als-ein-klondike-fuer-us-investmentfonds","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12422","title":{"rendered":"<strong>Die Ukraine als ein Klondike f\u00fcr US-Investmentfonds<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><i>Irina Alksnis<\/i>. <b>Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Weltfrieden geht nicht einmal von den Falken im Wei\u00dfen Haus oder im Pentagon aus, sondern von m\u00e4chtigen Investmentfonds, die auf ein Weiterlodern des Konfliktes zwischen den Atomm\u00e4chten gesetzt haben. Ihre Spuren in der Ukraine-Krise sind kaum zu \u00fcbersehen. <\/b><!--more--><\/p>\n<p>Ende letzten Jahres f\u00fchrten der ukrainische Pr\u00e4sident Wladimir Selenskij und Larry Fink \u2013 der CEO der Investmentgesellschaft BlackRock \u2013 ein Gespr\u00e4ch per Videokonferenz. Das Gespr\u00e4ch war eine Fortsetzung der seit einigen Monaten sehr aktiven Zusammenarbeit zwischen der F\u00fchrung in Kiew und BlackRock im Bereich der sogenannten &#8222;Koordinierung von Investitionen f\u00fcr den Wiederaufbau der Ukraine&#8220;.<\/p>\n<p>Die Nachricht sorgte vor allem in den ukrainischen Medien f\u00fcr Aufsehen und blieb dennoch au\u00dferhalb des Landes nahezu unbemerkt. Die einzige Ausnahme bildeten allerdings rechtsgerichtete US-amerikanische Medien, die die Situation von ihrem Beobachtungsturm aus betrachteten. Und was sie dort sahen, gefiel ihnen nicht.<\/p>\n<p>Die Quintessenz ist einfach: Die Ukraine ist ein finanzieller und wirtschaftlicher Leichnam, dessen Vort\u00e4uschen von Lebendigkeit nur durch westliche (vor allem US-amerikanische) Dauerinfusion aufrechterhalten wird, wobei BlackRock dabei ein wirklich gro\u00dfer Akteur auf dem Investmentmarkt ist, der \u00fcber Verm\u00f6genswerte im Wert von etwa acht Billionen Dollar verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, woher die Mittel f\u00fcr die Entwicklung all dieser &#8222;Fahrpl\u00e4ne f\u00fcr den Wiederaufbau&#8220; und die weitere &#8222;Arbeit&#8220; der Investment-Gesellschaft in der Ukraine kommen sollen. Und die Mittel m\u00fcssen in einer H\u00f6he zur Verf\u00fcgung stehen, die das ganze Projekt f\u00fcr einen Giganten der Branche wie BlackRock attraktiv machen. Die Antwort liegt jedoch auf der Hand: Die Mittel werden dort entnommen, wo sie bisher entnommen wurden \u2013 aus dem Haushalt der USA.<\/p>\n<p>Daraus l\u00e4sst sich eine einfache Schlussfolgerung ziehen: Die US-amerikanische, in Wirklichkeit aber die transnationale Investmentgesellschaft BlackRock ist an der Fortsetzung der milit\u00e4rischen Operationen in der Ukraine sehr interessiert, um mit diesem Krieg weiter Geld verdienen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich nichts Sensationelles. Mitte Dezember kam es in Washington, D.C. zu einem weiteren Mini-Skandal, als vier gro\u00dfe Konzerne des milit\u00e4risch-industriellen Komplexes der USA \u2013 Northrop Grumman, Raytheon, Pratt &amp; Whitney und Lockheed Martin \u2013 einen Empfang in der ukrainischen Botschaft anl\u00e4sslich des Jahrestages der Ukrainischen Streitkr\u00e4fte sponserten. Der Hype darum entstand nicht, weil die Waffenhersteller Geld spendeten, sondern weil die Organisatoren diese Tatsache des Sponsoring so prominent wie m\u00f6glich herausstellten, unter anderem durch die Platzierung ihrer Logos auf den Einladungen. Lokale Kommentatoren bemerkten damals: Es ist nicht gut, es ist nicht anst\u00e4ndig, so unverhohlen darauf hinzuweisen, dass das US-Milit\u00e4rgesch\u00e4ft von diesem Konflikt in der Ukraine stark profitiert.<\/p>\n<p>In dieser Situation w\u00e4re es am einfachsten, eine w\u00fctende Anklage gegen das transnationale Kapital und die H\u00e4ndler des Todes zu erheben, die sich an der Zerst\u00f6rung der Ukraine die H\u00e4nde w\u00e4rmen und ein Interesse daran haben, den Konflikt so lange wie m\u00f6glich aufrechtzuerhalten. Es gibt jedoch auch eine weniger offensichtliche, aber weitaus bemerkenswertere Seite dieser Angelegenheit.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten hat sich die Behauptung eingeb\u00fcrgert, dass die Globalisierung und die transnationalen Unternehmen auf die Zerst\u00f6rung der Nationalstaaten, auf deren Unterwerfung abzielen. Dies galt auch f\u00fcr die westliche Welt, und man ging davon aus, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und das alte Europa aufgrund ihres jahrhundertealten Status als geopolitische, wirtschaftliche, technologische und sonstige F\u00fchrungsm\u00e4chte auf dem Planeten auch in jedem neuen System eine privilegierte Stellung einnehmen w\u00fcrden. Genauso wie gew\u00f6hnliche Europ\u00e4er und Amerikaner von dem Neokolonialismus profitiert haben (zum Beispiel in Form eines entwickelten Sozialsystems), den ihre Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere nach dem Zusammenbruch der UdSSR aufgebaut haben.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass die Entwicklungen eine ganz andere Richtung eingeschlagen haben als es die Theoretiker des Weltwirtschaftsforums in Davos geplant hatten: Die nichtwestliche Welt hat begonnen, sich immer aktiver gegen das Auferlegen der ihr zugedachten Rolle zu wehren. Das gilt nicht nur f\u00fcr die gro\u00dfen Zivilisationsm\u00e4chte wie Russland, China oder Indien, von denen man so etwas noch h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen. Nein, auch L\u00e4nder, die der Westen jahrzehntelang (in einigen F\u00e4llen sogar jahrhundertelang) als seine Marionetten zu betrachten gewohnt war, haben begonnen, eine eigenst\u00e4ndige Politik und eine immer konsequentere Durchsetzung ihrer nationalen Interessen an den Tag zu legen. Von Jahr zu Jahr gibt es immer mehr solcher Staaten \u2013 im Nahen Osten, in Lateinamerika und in Afrika. Das ist \u00fcbrigens auch der Grund, warum die Welt mit einer gewissen Verwunderung auf die Ukraine blickt: Wie kann man das eigene Land auf dem Altar der westlichen Hegemonie opfern? Und das noch im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts!<\/p>\n<p>Der Westen bem\u00fcht sich, die weiteren Ereignisse in eine von ihm gew\u00fcnschte Richtung zu lenken, doch die Erfolge sind nicht beeindruckend. Angesichts der sich versch\u00e4rfenden Krise und der zunehmenden Ressourcenknappheit schlug er den einzigen Weg ein, der ihm blieb \u2013 er begann, sich selbst zu kannibalisieren. Dies ist der Grund f\u00fcr den zunehmenden Groll selbst zwischen engsten Verb\u00fcndeten wie Deutschland und Frankreich oder den Vereinigten Staaten und Gro\u00dfbritannien. Das ist auch der Grund, warum die USA jetzt Europa das Genick gebrochen haben. Deshalb wird die Sozialhilfe eingeschr\u00e4nkt, die Bev\u00f6lkerung zur K\u00e4ltetherapie gezwungen und mit zunehmender Grausamkeit einer Gehirnw\u00e4sche durch Ideologien wie die des LGBT, der Euthanasie und anderer Ideen eines Transhumanismus unterzogen.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch die Konzerne, die sich \u00fcberhaupt nicht um das \u00f6ffentliche Interesse k\u00fcmmern, da ihr einziges Interesse der eigene Profit ihrer Investoren ist. Nun werden den westlichen Konzernen ganze L\u00e4nder und Regionen vor der Nase weggeschnappt, die sie bisher als ihre Lehen betrachteten, so dass sie ihre Anstrengungen dorthin lenken, wo sich noch die M\u00f6glichkeit bietet, Geld zu verdienen. Und das ist in erster Linie der Westen selbst. Schlie\u00dflich dient selbst die Ukraine, mit der unsere Analyse begann, nur als Durchgangsland und Waschmaschine f\u00fcr die Finanzstr\u00f6me, die auf beiden Seiten des Atlantiks ihren Ursprung haben.<\/p>\n<p>Normalerweise sorgt der Staat daf\u00fcr, dass Unternehmen bei ihrem Streben nach Gewinn nicht an Bodenhaftung verlieren. Die Frage ist nur, inwieweit die westlichen Staatsapparate in ihrem derzeitigen Zustand in der Lage sind, diese Funktion noch zu erf\u00fcllen. Das gebrochene R\u00fcckgrat Europas wurde bereits erw\u00e4hnt. Das britische Chaos unter den kurzlebigen Premierministern hat der Welt die schwerste Regierungskrise auf der Insel vor Augen gef\u00fchrt. Vor diesem Hintergrund sehen die USA gut aus, aber im Grunde sind die Dinge auch dort sehr kompliziert \u2013 die tiefe soziale und politische Spaltung spiegelt sich auch in der Aufteilung der Bundesstaaten in &#8222;rot&#8220; und &#8222;blau&#8220; wider, also in solche, die von &#8222;konservativen Republikanern&#8220; beziehungsweise &#8222;liberalen Demokraten&#8220; dominiert werden.<\/p>\n<p>Es ist nur nat\u00fcrlich, dass die Wirtschaft in einem geschw\u00e4chten Regierungssystem zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten hat, Einfluss zu nehmen, indem sie die von ihr gew\u00fcnschten politischen Ma\u00dfnahmen durchsetzt. BlackRock ist zum Beispiel eine der treibenden Kr\u00e4fte, die den Immobilienmarkt in den USA ver\u00e4ndern, wof\u00fcr das Unternehmen von vielen Amerikanern gehasst wird.<\/p>\n<p>Der Plan ist so einfach wie eine Brechstange: Investmentfonds kaufen mit ihrem riesigen Kapital massenhaft Wohnimmobilien im ganzen Land auf. Infolgedessen schie\u00dfen die Immobilienpreise in die H\u00f6he \u2013 immer mehr Amerikaner verlieren die M\u00f6glichkeit, Wohneigentum zu erwerben, und sind gezwungen, f\u00fcr den Rest ihres Lebens in Mietobjekten zu leben. Und da die Unternehmen immer mehr Mietwohnungen und Mietsh\u00e4user im Land besitzen, k\u00f6nnen sie die Mietpreise nach eigenem Gutd\u00fcnken in die H\u00f6he treiben, w\u00e4hrend die einzige Alternative (des selbst genutzten Wohneigentums &#8211; d.Red.) verschwindet. Das hei\u00dft, die Investmentbanker zerst\u00f6ren nicht nur den amerikanischen Traum vom eigenen Haus, sondern sie f\u00fchren die Menschen auch in eine finanzielle Sklaverei, aus der dann ein Ausbrechen fast unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Situation von au\u00dfen, k\u00f6nnte man sagen, dass der Westen erntet, was er seit jeher s\u00e4t. Das Problem ist, dass er \u00fcber enorme M\u00f6glichkeiten verf\u00fcgt, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Schaden zuzuf\u00fcgen. Unternehmen, die die Schw\u00e4chung des Staatsapparates f\u00fcr ihre eigenen Interessen nutzen, k\u00f6nnen nicht nur die Innen-, sondern auch die Au\u00dfenpolitik des Landes beeinflussen. Gro\u00dfkonzerne aus verschiedenen Bereichen haben ein Interesse daran, die Ukraine so lange und so gro\u00df wie m\u00f6glich am Brennen zu halten, die Konfrontation zwischen dem Westen und Russland wird dadurch immer h\u00e4rter und brenzliger. Es besteht kein Zweifel daran, dass das Gro\u00dfkapital alle ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Hebel einsetzen wird, um dieses Ziel zu erreichen. Und diese Hebel werden \u2013 aufgrund der fortschreitenden Zersetzung im Westen \u2013 immer m\u00e4chtiger und wirksamer.<\/p>\n<p>Es muss also damit gerechnet werden, dass Fragen von Krieg und Frieden von Gesch\u00e4ftsleuten beeinflusst werden, die nur daran interessiert sind, ihre Konten mit ein paar weiteren Milliarden zu f\u00fcllen. Diese Bedrohung f\u00fcr die Welt ist gef\u00e4hrlicher als es die Falken im Wei\u00dfen Haus und im Pentagon ohnehin schon sind.<\/p>\n<p><i>#Bild: Protestierende im Hauptquartier von BlackRock am 26. Oktober 2022; Quelle: Gettyimages.ru \u00a9 Spencer Platt\/Getty Images<\/i><\/p>\n<p><i>Quelle: <\/i><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/wirtschaft\/158956-ukraine-hat-sich-zu-klondike-entwickelt\/\"><i>de.rt.com&#8230;<\/i><\/a><i> vom 5. Januar 2023 <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irina Alksnis. 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