{"id":1243,"date":"2016-06-11T10:21:27","date_gmt":"2016-06-11T08:21:27","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1243"},"modified":"2016-06-11T10:21:27","modified_gmt":"2016-06-11T08:21:27","slug":"das-patriarchale-mandat-wird-mit-blut-geschrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1243","title":{"rendered":"Das patriarchale Mandat wird mit Blut geschrieben"},"content":{"rendered":"<p><strong>In den letzten Jahrzehnten wurden vielen Frauen weltweit neue Rechte zugestanden. Gleichzeitig erreicht die Integration weiblicher Arbeitskraft in den internationalen Markt nie dagewesene Ausma\u00dfe. Doch die strukturelle Gewalt gegen Frauen besteht weiter. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Andrea D&#8217;Atri<\/em>. Noch vor weniger als 150 Jahren galt es als unvorstellbare Utopie, dass Frauen zur Pr\u00e4sidentin, Abgeordneten und Ministerin gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen; Zugang zur h\u00f6heren Bildung haben und die Mehrheit der universit\u00e4ren Studierenden sind; den Ehemann um Erlaubnis nicht fragen zu m\u00fcssen, um au\u00dferhalb des Heims arbeiten zu d\u00fcrfen, etc.<\/p>\n<p>Diese Rechte wurden nicht in einer linearen und immer fortschreitenden Weise errungen. Viele sind das Ergebnis von K\u00e4mpfen, die in Perioden sozialer und politischer Radikalisierung gef\u00fchrt wurden, andere sind das Ergebnis gewisser Zugest\u00e4ndnisse der herrschenden Klassen mit dem Ziel, ihre Anf\u00fchrerinnen zu integrieren und ihre kritischsten und anti-systemischsten Aspekte einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Alle diese Rechte sind im Rahmen der immer abgenutzteren b\u00fcrgerlichen Demokratien nat\u00fcrlich begrenzt \u2013 vollst\u00e4ndig k\u00f6nnen sie nur von einigen Frauen, f\u00fcr eine gewisse Zeit und in bestimmten L\u00e4ndern ausge\u00fcbt werden. Diese Rechte k\u00f6nnen auch bedroht und zur\u00fcckgeschraubt werden, wenn es wirtschaftliche, politische und soziale Krisen gibt.<\/p>\n<p>Aber das wirklich Beunruhigende ist, wie die Fahne der Geschlechtergleichheit sich zwar fast schon in einen weithin akzeptierten <em>common sense<\/em> und in \u00f6ffentliche Politik der verschiedensten Bereiche verwandelt hat, aber gleichzeitig weiterhin ein sehr hohes Niveau von Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen existiert. Warum bestehen die patriarchalen Mandate \u2013 wenn auch in neuem Gewand \u2013 weiter und konstruieren eine Geschlechterhierarchie? <a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p><strong><em>Die abscheuliche Regelm\u00e4\u00dfigkeit von Morden an Frauen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Zahl der Morde an Frauen ist sehr hoch. 2013 gab es in Argentinien 295 Frauenmorde, d.h. einmal alle 30 Stunden <a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>. Bis heute nennt die Boulevardpresse sie \u201eVerbrechen aus Leidenschaft\u201c. Und trotz des Geflechts patriarchaler Bedeutungen, die in dieser Benennung (welche wir ablehnen) stecken, enth\u00fcllt sie doch einen Aspekt der Statistiken: Bei 63 Prozent der Frauenmorde, die 2013 begangen wurden, waren die T\u00e4ter Ehem\u00e4nner, Partner, Freunde oder Liebhaber, aktuelle oder vergangene <a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft erschreckt sich, wenn diese Verbrechen ans Licht kommen. Und leicht verbinden die Medien diese Verbrechen mit der Monstrosit\u00e4t des Verbrechers. Doch dem W\u00f6rterbuch nach ist ein Monster ein \u201eGesch\u00f6pf au\u00dferhalb der normalen Ordnung der Natur\u201c, d.h. etwas au\u00dfergew\u00f6hnliches, eine Seltenheit, die mit dem Erwartbaren, Allt\u00e4glichen und Bekannten bricht. Leider aber zeigt die Tatsache, dass alle 30 Stunden ein Frauenmord geschieht, dass es sich nicht um eine Ausnahme handelt, sondern fast um eine Regel: eine abscheuliche Regelm\u00e4\u00dfigkeit macht uns darauf aufmerksam, dass jeden Tag eine von uns ermordet werden wird.<\/p>\n<p>Zuweilen rechtfertigen die T\u00e4ter selbst ihre Handlung mit einem pl\u00f6tzlichen Verlust der Selbstkontrolle oder der Kontrolle \u00fcber die Situation. Jedoch ist die Gewalt gegen Frauen ein Beweis f\u00fcr den h\u00f6chsten Grad der Kontrolle, den man \u00fcber jemanden aus\u00fcben kann. Tats\u00e4chlich ist es so, dass die Gewalt der Frauenmorde sich in den meisten F\u00e4llen vorhersehen l\u00e4sst, und zwar, weil sie das Resultat einer Eskalation von bel\u00e4stigendem\/bedrohendem Verhalten ist, das normalerweise nicht ernst genommen wird, weil die Kontrolle und Herrschaft der M\u00e4nner \u00fcber die Frauen naturalisiert sind.<\/p>\n<p>Jedes Mal, wenn eine Frau vergewaltigt, geschlagen oder ermordet wird, lernen Millionen Frauen, die \u00fcberlebt haben, eine Lektion, die \u2013 unmerklich \u2013 ihre Subjektivit\u00e4t formt. Auch wenn in den Nachrichten der Frauenmord die Namen und Gesichter von einer einzelnen Frau und einem einzelnen Mann tr\u00e4gt, handelt es sich deshalb auch um ein Zahnrad in einer riesigen Maschine der Gewalt gegen Frauen, deren Ziel nicht nur der Tod der Opfer ist, sondern die Disziplinierung der K\u00f6rper, der Begehren und des Verhaltens der \u00dcberlebenden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend andere Formen der sozialen Gewalt den <em>status quo<\/em> destabilisieren (wie zum Beispiel Angriffe auf das Privateigentum), tr\u00e4gt die Gewalt gegen Frauen dazu bei, ihn zu erhalten. Im Unterschied zu anderen Formen der sozialen Gewalt, ist sie strukturell, weil sie aus den etablierten soziokulturellen Normen entspringt, wie Frauen sich verhalten sollten, und sich als \u201elegitime Bestrafung\u201c f\u00fcr diejenigen institutionalisiert, die sich diesen patriarchalen Mandaten nicht unterwerfen. Aus diesem Blickwinkel wehren wir uns dagegen, sie als \u201eh\u00e4usliche Gewalt\u201c zu bezeichnen, weil dieser Begriff verschleiert, dass es sich nicht um eine pathologische individuelle und spezifische Handlung im privaten Bereich handelt, sondern um ein weiteres Glied in der Kette der strukturierenden Gewalt der Klassengesellschaften gegen Frauen vom Altertum bis heute. Eine Gewalt, die \u2013 auch wenn sie naturalisiert und verschleiert wird \u2013 im \u00f6ffentlichen Bereich entsteht, aufrechterhalten, gerechtfertigt und reproduziert wird. Durch die herrschenden Klassen, ihren Staat und seine Institutionen, ihre Repressivkr\u00e4fte, die Schule, die Kirche und die Medien.<\/p>\n<p>Diese Kette der Gewalt beinhaltet das L\u00e4cherlichmachen, den Verdacht und die Kontrolle, die Einsch\u00fcchterung, die Verurteilung der Sexualit\u00e4t und der Verhaltensweisen, die sich nicht der heterosexuellen Norm anpassen, die Abwertung der K\u00f6rper, die nicht den Sch\u00f6nheitsmodellen entsprechen etc.. Aber sie beinhaltet auch das Verbot von Seiten des Staates, dass die Frauen ihr Recht auf die Kontrolle ihres eigenen K\u00f6rpers und ihrer reproduktiven F\u00e4higkeiten aus\u00fcben \u2013 die Quelle der meisten Frauenmorde, die unsichtbar f\u00fcr die Statistiken ist, n\u00e4mlich der Tod aufgrund heimlicher Abtreibungen. Und es geht auch um die skandal\u00f6se Verantwortung des Staates \u2013 durch seine politischen Funktion\u00e4re, Juristen und Repressivkr\u00e4fte, entweder durch unterlassene Hilfeleistung und Straflosigkeit oder durch direkte Teilnahme als Kunden oder Zuh\u00e4lter \u2013 f\u00fcr das Funktionieren der Menschenhandelsnetzwerke und Prostitution, die tausende junge Frauen entf\u00fchren und sexuell ausbeuten.<\/p>\n<p>Und diese extreme Gewalt gegen die Frauen in den letzten Jahrzehnten geschieht vor dem Hintergrund der wachsenden Feminisierung der Armut und der Arbeit, die gepaart ist mit dem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Anstieg der Prekarisierung der Arbeit.<\/p>\n<p><strong><em>Enteignung der sexuellen Autonomie und Zur-Ware-Machen der Frauen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Warum ist es so, dass zwar in so vielen L\u00e4ndern \u2013 inklusive Argentinien \u2013 der Anteil der Bev\u00f6lkerung mehrheitlich ist oder jeden Tag steigt, der Abtreibung f\u00fcr ungewollte Schwangerschaften guthei\u00dft, aber dennoch die Versuche der Legalisierung scheitern? Seit den 70er Jahren wurde in vielen L\u00e4ndern das Recht auf Abtreibung erk\u00e4mpft \u2013 f\u00fcr 74 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung ist sie legal. Dennoch sterben jedes Jahr weiterhin 500.000 Frauen aufgrund von Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt und 500 Frauen sterben jeden Tag auf der ganzen Welt durch die Folgen heimlicher Abtreibungen. Es handelt sich um einen haarstr\u00e4ubenden Frauenmord, der durch den Staat durchgef\u00fchrt wird, auf weltweiter Ebene, und der vollst\u00e4ndig vermeidbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Illegalit\u00e4t liegt nicht blo\u00df an einer Lobby mit wirtschaftlichen Interessen, auch wenn die Pharmakonzerne aus dem Gesch\u00e4ft von heimlichen Abtreibungen Profite ziehen. Es handelt sich um die Macht der Kirche \u2013 besonders in Lateinamerika \u2013 und anderer Fundamentalismen, die ein Interesse daran haben, ihren Einfluss im und \u00fcber den Staat zu markieren, um altert\u00fcmliche Mandate zu reproduzieren, die auf den weiblichen K\u00f6rpern lasten: die Mutterschaft als einzige m\u00f6gliche Verwirklichung einer \u201ewahrhaftigen\u201c Weiblichkeit; die Reproduktion als ausschlie\u00dfendes Ziel der heterosexuellen Partnerschaft als Grundlage der patriarchalen Familie.<\/p>\n<p>Wenn sie sich diesen Mandaten widersetzen, werden den Frauen, die abtreiben, abwertende Klassifizierungen zugeteilt, die eine verwerfliche Identit\u00e4t konstituieren: m\u00f6rderisch, l\u00fcstern, ignorant, unnat\u00fcrlich etc. <a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>. Die Abtreibung ist deshalb etwas mehr als eine Technologie zur Nicht-Reproduktion: Weil der Prozess der biologischen Reproduktion unterbrochen wird, konfrontiert, hinterfragt und unterbricht die Abtreibung den Prozess der kulturellen Reproduktion dieser Formen der patriarchalen und heteronormativen Macht, die auf die K\u00f6rper der Frauen ausge\u00fcbt werden <a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a>.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend den Frauen ihre sexuelle und reproduktive Autonomie enteignet wird, obwohl der wissenschaftliche und technologische Fortschritt einen nie dagewesenen Grad der Autonomie erlauben w\u00fcrde, steigt gleichzeitig auf ungeheuerliche Weise die Verdinglichung und das Zur-Ware-Werden ihrer K\u00f6rper <a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a>.<\/p>\n<p>Die Naturalisierung der jahrtausendealten Institution der Prostitution verhindert es, die Dimension der Gewalt wahrzunehmen, die gegen Frauen durch ihre sexuelle Ausbeutung ausge\u00fcbt wird; besonders im Rahmen der erzwungenen oder erlogenen Rekrutierung in Menschenhandelsnetzwerken. Wie die Spanierin Ana de Miguel anmerkt, m\u00fcsste man das fragen, was nicht hinterfragt wird, weil es offensichtlich scheint: <em>\u201eWarum akzeptieren so viele M\u00e4nner als Normalit\u00e4t, dass K\u00f6rper von Frauen beobachtet, bewertet und bezahlt werden, um \u00fcber sie zu verf\u00fcgen?\u201c<\/em> <a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> Vielleicht repr\u00e4sentiert die Prostitution wie keine andere Beziehung zwischen M\u00e4nnern und Frauen die m\u00e4nnliche Lust, die nicht mehr nur durch den Koitus zustande kommt, sondern durch eine sexuelle Beziehung, die durch die Macht des Mannes \u00fcber die Frau und durch die fehlende Gegenseitigkeit definiert ist.<\/p>\n<p>Die Prostitution \u2013 als Gegenst\u00fcck des Zwangs zur Treue, dem die Ehefrau in der patriarchalen Familie unterliegt \u2013 ist auch eine Institution, die die sozialen Rollen der Frauen in einer Klassengesellschaft reguliert und legitimiert: Ehefrauen und M\u00fctter, die gezwungen werden, den Zugang zu ihrem K\u00f6rper durch die (ungleiche) Durchsetzung der Monogamie zu begrenzen; eingeschr\u00e4nkt in ihrer sexuellen Autonomie und enteignet nicht nur von ihrem Begehren und ihrer Lust, sondern auch von ihrer reproduktiven F\u00e4higkeit; und auf der anderen Seite die Frauen, die sich prostituieren, deren Zug\u00e4nglichkeit \u00f6ffentlich ist und deshalb alle (Un)Werte verk\u00f6rpern, die f\u00fcr die \u201eprivaten Frauen\u201c unangemessen sind.<\/p>\n<p>Auch wenn die Prostitution zu Beginn der Zivilisation entsteht \u2013 gemeinsam mit der Familie, dem Privateigentum und dem Staat \u2013, hat sie sich erst in den letzten Jahrzehnten in eine Industrie gro\u00dfen Ausma\u00dfes und enormer Profitabilit\u00e4t auf weltweiter Ebene verwandelt. Und w\u00e4hrend diese Industrie immer legaler wird \u2013 mit Unternehmern, die Steuern zahlen, gewerkschaftlicher Organisierung der ausgebeuteten Frauen und Normen, die die Gestaltung der Etablissements festsetzen \u2013, treibt ihre Ausbeutung parallel dazu auch die illegalen Netzwerke des Frauenhandels voran, die ihren Grundstoff bilden <a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a>.<\/p>\n<p>Laut der UNO \u2013 eine Organisation, von der nebenbei gesagt 63 Prozent ihrer multinationalen Einsatzkr\u00e4fte angeklagt werden, mit Sexualdelikten, Misshandlungen, Vergewaltigungen etc. in Verbindung zu stehen, und von denen ein Drittel dieser Anschuldigungen sich auf Prostitution beziehen \u2013 werden jedes Jahr vier Millionen Frauen und zwei Millionen M\u00e4dchen in die Prostitution verkauft, als Sklavinnen oder in angeblicher \u201eHeirat\u201c. Die Ausbeutung dieser Frauen und M\u00e4dchen produziert saftige Profite, die f\u00fcr die Zuh\u00e4lter etwa 32 Milliarden Dollar j\u00e4hrlich ausmachen.<\/p>\n<p><strong><em>Feminisierung der Armut und Prekarisierung der Arbeit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten fand ein gigantischer Prozess der Umwandlung der Arbeit statt. Der Grad der Prekarisierung stieg an, die Arbeit wurde flexibilisiert, ein neuer Produktionsrhythmus entstand, neue Arbeitskraft wurde in den Weltmarkt integriert und die nicht-industrialisierten L\u00e4nder wurden zu Investitionsobjekten des Kapitals. Dieser Prozess stie\u00df Millionen von Frauen auf den Arbeitsmarkt und f\u00fchrte dazu, dass die Zahl der st\u00e4dtischen lohnabh\u00e4ngigen Frauen die der Frauen auf dem Land \u00fcbertrifft. W\u00e4hrenddessen l\u00e4sst sich eine steigende Tendenz der Feminisierung der Armut und der Arbeitskraft beobachten.<\/p>\n<p>Aber das Fortdauern der patriarchalen Geschlechterrollen, welche den Frauen die Verantwortung f\u00fcr die Aufgaben der Reproduktion zuteilen, pr\u00e4gt die Art und Weise ihrer Eingliederung in den produktiven Bereich: Pflegerinnen, Erzieherinnen, Putzfrauen. Die Frauen wenden sich den Dienstleistungssektoren zu, f\u00fcr die das Leben \u2013 und ein Jahrtausende langer soziohistorischer Prozess \u2013 sie durch die Aus\u00fcbung der t\u00e4glichen Hausarbeiten ausgebildet hat. Ihre F\u00e4higkeiten und Ausbildungen werden w\u00e4hrenddessen missachtet, so wie die eigentliche Hausarbeit, die nicht entlohnt wird. Dadurch werden sie immer auf der untersten Stufe der Lohnskala angeordnet.<\/p>\n<p>Die Erfindung von Maschinen, die die Hausarbeit einfach und schneller machen, hat nicht dazu gef\u00fchrt, dass dieser andere, unbezahlte Arbeitstag, den vor allem Frauen und M\u00e4dchen leisten, abgeschafft wird. W\u00e4hrend in den zentralen L\u00e4ndern die Zeit, die f\u00fcr Hausarbeit aufgewendet wird, sinkt, bleiben die Frauen in den abh\u00e4ngigen L\u00e4ndern gefangen in dieser uralten \u00dcberausbeutung. Einige von ihnen ziehen sogar in die Metropolen, um sich dort als Haushaltsarbeiterinnen zu verdingen. Der Kapitalismus muss den Preis der Ware Arbeitskraft herabsenken und das Patriarchat garantiert dies zum Teil, unter anderem in dem es die Hausarbeit romantisiert.<\/p>\n<p>Heute sind von den 2,5 Milliarden \u00c4rmsten 70 Prozent Frauen und M\u00e4dchen. Allein die weltweite Wirtschaftskrise trieb 20 Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit und 200 Millionen in die extreme Armut. Aber die Wirkung dieser Krise ist nicht gleichm\u00e4\u00dfig: Die Mehrheit dieser Menschen sind Frauen. Ihre Situation f\u00fchrt dazu, dass sie immer h\u00e4ufiger sterben und krank werden. Sie werden zu Opfern unsicherer Abtreibungen, von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung und allen m\u00f6glichen Formen sexualisierter Gewalt.<\/p>\n<p><strong><em>Das Recht auf ein \u201eLeben frei von Gewalt\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dies ist eine der meist wiederholten Forderungen der Frauenbewegungen. In den letzten Jahrzehnten wurden Forderungen gegen Gewalt in Form von Rechten formuliert. Dies hat zu Reformen des Strafrechts gef\u00fchrt und zu rechtlichen Regelungen, die der Gewalt gegen\u00fcber Frauen entgegenwirken, sie begrenzen und bestrafen sollen. Dies erlaubt die Unterordnung, die Verdinglichung und die Misshandlung, die der patriarchale Kapitalismus der H\u00e4lfte der Menschheit bereith\u00e4lt, sichtbar zu machen. Es ist das Teilergebnis eines gewonnenen Kampfes der Frauen. Der kapitalistische Staat muss sich selbst legitimieren und deshalb, zum Teil, die Diskriminierung, die seine eigenen Strukturen reproduzieren, anerkennen.<\/p>\n<p>Aber die Gewalt reproduziert sich immer wieder weiter, als ob all die Strafen nicht ausreichende Lehrbeispiele daf\u00fcr w\u00e4ren, dass die T\u00e4ter von ihren t\u00f6dlichen Vorhaben ablassen. Der strukturelle Charakter der Gewalt an Frauen erscheint immer wieder, durch ein verrottetes soziales Regime, welches uns formal anerkennt, aber uns weiterhin zu \u201eB\u00fcrgerinnen zweiter Klasse\u201c verurteilt.<\/p>\n<p>Die Frauenunterdr\u00fcckung, die aus dem alten patriarchalen Modus der Reproduktion entstand, ist Quelle aller Formen dieser strukturellen geschlechtlichen Gewalt. Sie besteht weiter, auch wenn ihre Formen sich mehr oder weniger wahrnehmbar ver\u00e4ndert haben. Denn das Patriarchat normalisiert diejenigen sozialen Beziehungen der Reproduktion, die unabdingbar daf\u00fcr sind, dass die sozialen Beziehungen der kapitalistischen Produktion sich nicht \u00e4ndern m\u00fcssen. Damit garantiert, reproduziert und legitimiert es die Ausbeutung von Millionen Menschen durch eine parasit\u00e4re Minderheit, Besitzerin der Produktionsmittel. Diese unersch\u00fctterliche Allianz zwischen dem Kapitalismus und dem Patriarchat zu zerst\u00f6ren, ist der einzige realistische Weg, um mit allen Formen der Gewalt Schluss zu machen. Dies ben\u00f6tigt die Forderung nach legitimen Rechten, aber geht weit und radikal dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/das-patriarchale-mandat-wird-mit-blut-geschrieben\/\">www.klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 11. Juni 2016 mit leichten sprachlichen Korrekturen durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> F\u00fcr mehr \u00fcber das Paradox, das sich in den Jahrzehnten des Neoliberalismus er\u00f6ffnet hat, w\u00e4hrenddessen mehr Rechte Hand in Hand gingen mit einem monumentalen Wachstum von Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fcr breite Massen von Frauen, siehe Andrea D\u2018Atri und Laura Lif: \u201eDie Emanzipation der Frauen in Zeiten der weltweiten Krise\u201c, Klasse Gegen Klasse Nr. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Informe de Investigaci\u00f3n de Femicidios en Argentina, 1\u00ba de Enero al 31 de Diciembre de 2013, La Casa del Encuentro, Bs. As., 2014.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Vor kurzem wurde in Argentinien das Konzept des \u201egekoppelten Frauenmordes\u201c eingef\u00fchrt, welches sich auf F\u00e4lle bezieht, in denen die Kinder oder andere mit der Frau verbundene Personen die t\u00f6dlichen Opfer dieser Gewalt sind. Ihr Ziel besteht darin, der Frau einen Schaden zuzuf\u00fcgen, sie zu bestrafen und psychisch zu verst\u00f6ren, die der T\u00e4ter als sein Eigentum begreift. Damit werden auch Morde an Personen bezeichnet, die versucht haben, den Frauenmord zu verhindern oder in die \u201eSchusslinie\u201c des T\u00e4ters geraten sind.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Siehe Rosenberg, Martha (2013). \u201c\u00bfQui\u00e9nes son esas mujeres? II\u201d en Otra historia es posible. El aborto como derecho de las mujeres, Ruth Zurbriggen und Claudia Anzorena (compiladoras), Herramienta, Buenos Aires.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Siehe Mor\u00e1n Fa\u00fandes, Jos\u00e9 Manuel (2013). \u201c\u00bfProVida? \u00bfCu\u00e1l vida? Hacia una descripci\u00f3n cr\u00edtica del concepto de \u2018vida\u2019 defendido por la jerarqu\u00eda cat\u00f3lica\u201d Zurbriggen und Anzorena, op.cit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Siehe D\u2019Atri, Andrea (2014) \u201cPecados &amp; Capitales\u201d, Ideas de Izquierda 7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Von Miguel \u00c1lvarez, Ana (2012). \u201cLa prostituci\u00f3n de mujeres, una escuela de desigualdad humana\u201d in Revista Europea de Derechos Fundamentales 19, 1er semestre, Universidad Rey Juan Carlos, Madrid.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Siehe Jeffreys, Sheila (2011). La industria de la vagina. La econom\u00eda pol\u00edtica de la comercializaci\u00f3n global del sexo, Paid\u00f3s, Buenos Aires.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahrzehnten wurden vielen Frauen weltweit neue Rechte zugestanden. Gleichzeitig erreicht die Integration weiblicher Arbeitskraft in den internationalen Markt nie dagewesene Ausma\u00dfe. 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