{"id":12494,"date":"2023-01-26T11:51:00","date_gmt":"2023-01-26T09:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12494"},"modified":"2023-01-26T12:56:04","modified_gmt":"2023-01-26T10:56:04","slug":"die-ukraine-ein-land-das-solche-helden-verehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12494","title":{"rendered":"<strong>Die Ukraine, ein Land, das solche \u201eHelden\u201c verehrt<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Rupert Koppold. <\/em><strong>In der Ukraine hat das neue Jahr wieder mit Ehrungen des Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera begonnen. Dies wird auch gar nicht verheimlicht, es ist Teil eines staatlich verordneten Heroenkults. Die bellizistisch gewordenen Medien im Westen tolerieren das, indem sie lieber wegschauen. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Oberkommandeur der ukrainischen Streitkr\u00e4fte verehrt Nazi-Kollaborateur und Antisemiten<\/strong><\/p>\n<p>Gl\u00fcckwunsch mit Leichen: F\u00fcr den 1. Januar, an dem in der Ukraine nicht nur das neue Jahr, sondern auch der Geburtstag des zum Nationalhelden erkorenen Stepan Bandera gefeiert wird, hat sich dessen Fan-Gemeinde etwas Besonderes ausgedacht. Sie marschiert diesmal nicht nur durch die Stra\u00dfen, sie stellt auch \u2013 mit Hilfe eines Computer-Bots \u2013 ein aus K\u00f6rpern toter russischer Soldaten arrangiertes Portr\u00e4t des Antisemiten, Rassisten, Faschisten und Nazi-Kollaborateurs Bandera ins Netz. Andere Gl\u00fcckw\u00fcnsche sind weniger makaber, daf\u00fcr aber offiziell: \u201eAlles Gute zum Geburtstag. Ruhm der Nation\u201c, so twittert etwa der Armeeoffizier Anatoli Stefan auf einem Foto, das den Oberkommandeur der ukrainischen Streitkr\u00e4fte, Walerij Saluschnyi, vor einem gemalten Bandera-Portr\u00e4t zeigt. Das Foto sei echt, stellen die ukrainefreundlichen Fact-Finder von Correctiv z\u00e4hneknirschend fest.<\/p>\n<p>Das Bandera-Erbe sei als Handlungsanweisung zu verstehen, so zitiert am 2. Januar die israelische Zeitung \u201eHaaretz\u201c (und warum eigentlich sonst kaum jemand?) aus dem Twitter-Account des ukrainischen Parlaments. Der Oberkommandeur Saluschnyi sei sich dessen sehr bewusst. Dieses Parlament erkl\u00e4rt auch, dass \u201eder komplette und totale Sieg des ukrainischen Nationalismus\u201c dann feststehe, \u201ewenn das russische Reich aufgeh\u00f6rt hat zu existieren\u201c. Haaretz erinnert allerdings an Israels fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Reuven Rivlin und an den jetzigen Isaac Herzog, die davor warnen, Antisemiten und Nazikollaborateure zu \u201eglorifizieren\u201c, es sei an der Zeit, dass die Ukraine sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetze.<\/p>\n<p><strong>Deutsche Jungliberale mit Fascho-Gru\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Und weiter hinein ins neue Jahr: Beim Dreik\u00f6nigstreffen der FDP am 6. Januar posieren die Jungen Liberalen mit d\u00fcmmlich-stolzem Konfirmandenl\u00e4cheln vor der Stuttgarter Oper und halten ukrainische Flaggen hoch. Auf denen steht, als h\u00e4tte sich die Jungschar von Orwells \u201e1984\u201c und dessen Doublespeak-Slogans (\u201eKrieg ist Frieden\u201c) inspirieren lassen: \u201eKrieg beenden, Panzer senden!\u201c Alternativ steht auf den Fahnen der sendungsbewussten Jungliberalen \u201eSlawa Ukrajini\u201c, ein inzwischen nicht nur von ukrainischen Ultranationalisten, sondern auch von deutschen Politikern benutzter Gru\u00df, zu dem der Journalist Denis Trubetskoy schon 2018 konstatiert:<\/p>\n<p><em>\u201eZwar stammt ,Ruhm der Ukraine\u2018 schon aus der Zeit des Unabh\u00e4ngigkeitskampfes 1917\/18. Besonders assoziiert wird die Formel, besonders in der Variante mit der ,Helden\u2018-Antwort, aber mit der ,Organisation Ukrainischer Nationalisten\u2018, kurz OUN um Stepan Bandera.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Deutscher Regierungsdiskurs: Ukraine verteidigt unsere Freiheit und Demokratie\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In der heutigen Ukraine jedoch werden laut Baerbock, Habeck, Hofreiter, von der Leyen, Strack-Zimmermann und Co. Freiheit und Demokratie verteidigt. Es werden dort also keine Faschisten als Vorbilder und Nationalhelden gepriesen, auch keine Oppositionsparteien verboten, auch nicht deren Chefs verhaftet, auch keine Gewerkschaftsrechte beschnitten, auch keine Minderheiten drangsaliert, auch keine Medien zensiert oder verboten? Und schon gar nicht gibt es dort eine mit dem ukrainischen Innenministerium und dem Geheimdienst im Bund stehende Internet-Denunziationsseite namens \u201eMirotworez\u201c, die Namen und Adressen von Oppositionellen und angeblichen Russenfreunden ver\u00f6ffentlicht? Dass der in Gro\u00dfbritannien erstellte \u201eDemocracy Index\u201c die Ukraine nicht als Demokratie einstuft, sondern als \u201eHybrides Regime\u201c, muss also ein Irrtum sein. Denn hybride Regime sind definiert durch Wahlf\u00e4lschungen, durch Regierungen, die Druck auf die Opposition aus\u00fcben, die keine unabh\u00e4ngige Justiz haben, die weitgehend korrupt sind, die die Medien bedr\u00e4ngen \u2013 und so weiter und so fort.<\/p>\n<p><strong>Ethnische S\u00e4uberung als Grundverst\u00e4ndnis der OUN<\/strong><\/p>\n<p>Kleiner Einschub zur Erinnerung an die Untaten Banderas und seiner OUN, von denen bei uns kaum jemand wei\u00df oder wissen will: Der Historiker Grzegorz Rossoli\u0144ski-Liebe etwa schreibt: \u201eAllen OUN-Mitgliedern war seit Mitte der 1930er Jahre klar, dass die F\u00fchrung von ihnen erwartet, bei einer passenden Begebenheit \u2013 wie zum Beispiel einem Krieg \u2013 die Ukraine ethnisch zu s\u00e4ubern. Als Methoden wurden Vertreibung und Massenmord verstanden und viele Nationalisten waren bereit, entsprechend zu handeln \u2026 die Zusammenarbeit im Holocaust funktionierte einwandfrei. OUN-Mitglieder schlossen sich der ukrainischen Polizei im Distrikt Galizien und Wolhynien an. Sie und ebenso viele ,gew\u00f6hnliche\u2018 Ukrainer halfen den deutschen Besatzern, 800.000 Juden in der Westukraine zu ermorden. Der OUN kam das entgegen, weil es ein Teil ihres Plans war, die Ukraine in ein ethnisch-homogenes Land zu verwandeln\u2026 Auf diese Weise wurde die Westukraine Ende 1944 zu einem \u00fcberwiegend ethnisch-homogenen Gebiet. Die meisten Juden waren ermordet und Polen entweder ermordet oder vertrieben\u2026\u201c In der Ukraine steht Kritik an Bandera und der OUN seit 2015 unter Strafe.<\/p>\n<p>Es ist geradezu obsz\u00f6n, wenn die heutige Ukraine sich wegen russischer Angriffe so besorgt um die Gedenkst\u00e4tte Babi Jar zeigt, sich selber bei der Judenvernichtung \u201enur\u201c als Opfer sieht \u2013 und gleichzeitig die Mitt\u00e4ter feiert. Der schwedische Historiker Per Anders Ruding formuliert es 2017 in einem Interview noch moderat:<\/p>\n<p><em>\u201eEs ist auch ein politisches Thema, wenn zum Beispiel das ukrainische Erinnerungsinstitut (,memory institute\u201c) beschlie\u00dft, ein die OUN glorifizierendes Denkmal am Ort des gr\u00f6\u00dften Holocaust-Einzelmassakers zu errichten, an dem, in aller Wahrscheinlichkeit, OUN-Paramilit\u00e4rs unter den T\u00e4tern dieser Grausamkeiten waren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In der Ukraine aber werden OUN-\u201eHelden\u201c schon lange geehrt, vor allem nat\u00fcrlich Stepan Bandera, nach dem Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze umbenannt und f\u00fcr den Statuen aufgestellt werden. Die Statue in Lviv respektive Lemberg, Hochburg des \u201eHelden\u201c-Kults und Banderas Geburtsstadt \u2013 in deren Zitadelle die Nazis 140.000 russische Kriegsgefangene verhungern lie\u00dfen \u2013 diese Statue ist sieben Meter hoch. Im vergangenen Jahr beteiligte sich die Ukraine an der Venedig Kunst-Biennale mit einer durch Sands\u00e4cke gesch\u00fctzten Statue. Ob sich unter dieser H\u00fclle auch Stepan Bandera verbarg?<\/p>\n<p><strong>Der B\u00f6se ist immer der Russe<\/strong><\/p>\n<p>In deutschen Medien sind Bandera-Statuen kaum zu sehen. Aber an der Lemberger Benennung einer Bandera-Stra\u00dfe haben sich, so schreibt Telepolis am 28.2.2019, auch deutsche St\u00e4dte solidarisch beteiligt. Die Stadt Leipzig etwa, so hei\u00dft es da, \u201ewill in der dortigen ,B\u00fcrgerbeteiligung\u2018 zur Bandera-Stra\u00dfe sogar eine ,wesentliche Qualit\u00e4t demokratisch verfasster Gesellschaft erkennen\u201c. Telepolis zufolge sieht der St\u00e4dtepartner Freiburg im Breisgau \u201edie laut Oberb\u00fcrgermeister Martin Horn ,hin und wieder negativen Entwicklungen\u2018 in Lemberg entsprechend gelassen\u201c. Er kann immer noch gelassen sein, weil \u00fcber b\u00f6se ukrainische Sachen bei uns selten berichtet wird. Der B\u00f6se ist immer der Russe. Glenn Greenwald, ma\u00dfgeblich an der Ver\u00f6ffentlichung der Snowden-Enth\u00fcllungen zur NSA beteiligter Journalist, konstatiert im April 2022 in Bezug auf die westliche Ukraine-Berichterstattung:<\/p>\n<p><em>\u201eMan kann so viele L\u00fcgen und so viel Desinformation verbreiten, wie man will, vorausgesetzt, sie sind dazu da, die Nato-Agenda f\u00fcr die Ukraine voranzubringen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Exkurs<\/strong><\/p>\n<p>Die Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung ver\u00f6ffentlichte am 20.2.2014, also an jenem Tag, an dem auf dem Majdan in Kiew Dutzende von Menschen von Scharfsch\u00fctzen ermordet wurden (und nur drei Tage vor dem Machtwechsel!), den Aufruf einer \u201eGruppe von Sozial- und Geisteswissenschaftlern\u201c, die sich nach Selbstaussage \u201emit ukrainischer nationaler Identit\u00e4t befassen\u201c. Die Unterzeichner erweisen sich tats\u00e4chlich als Ukraine-Lobbyisten, sie wissen wohl, dass das rechte Lager die Proteste dominiert und am besetzten Rathaus Bandera-Portr\u00e4ts prangen. Aber gerade deshalb wollen sie westliche Medien darauf einschw\u00f6ren, nicht mehr Journalismus, sondern Propaganda zu betreiben. Sie raten also \u201eKommentatoren, etwa solche aus dem linken Spektrum, bei ihrer berechtigten Kritik des radikal ethnonationalistischen Lagers im EuroMaidan vorsichtig zu sein, da entsprechende Texte leicht von Moskaus ,Polittechnologen\u2018 instrumentalisiert werden k\u00f6nnen, um Putins geopolitische Projekte umzusetzen\u201c. Die Unterzeichner haben auch schon im Voraus Verst\u00e4ndnis f\u00fcr m\u00f6rderische Mittel: \u201eAngesichts der angewachsenen Regierungsgewalt, welche als Staatsterror gegen die ukrainische Bev\u00f6lkerung bezeichnet werden kann, halten mehr und mehr einfache Ukrainer wie auch Kiewer Intellektuelle friedlichen Widerstand f\u00fcr inzwischen wirkungslos\u2026\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die mehr als hundert Erschossenen macht die neue Regierung damals sofort die alte verantwortlich und erkl\u00e4rt sie zu \u201eM\u00e4rtyrern\u201c. In einer 2015 erstellten und immer wieder erg\u00e4nzten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/8776021\/The_Snipers_Massacre_on_the_Maidan_in_Ukraine\">Studie zu den Majdan-Vorg\u00e4ngen<\/a>\u00a0jedoch \u2013 es geht unter anderem um Schusswinkel, Eintrittswunden und Munition \u2013 verwirft Ivan Katchanovski von der Universit\u00e4t Ottawa diese Behauptung und kommt zu dem Schluss, \u201e\u2026dass das Massaker eine ,false flag\u2018-Operation\u201c war, dass die M\u00f6rder \u00fcberwiegend dem rechten Sektor angeh\u00f6rten und dass alles \u201erational geplant wurde und ausgef\u00fchrt mit dem Ziel, die Regierung zu st\u00fcrzen und die Macht zu \u00fcbernehmen\u201c. (Siehe dazu auch das Interview mit dem gefl\u00fcchteten ukrainischen Staatspr\u00e4sidenten Nikolai Asarow, das Stefan Korinth 2016\u00a0<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Ohne-Hilfe-der-USA-haette-es-keinen-Staatsstreich-gegeben-3492309.html\">f\u00fcr Telepolis f\u00fchrte<\/a>.)<\/p>\n<p>Das Putschregime entfesselt bald einen Krieg in der russischsprachigen Ostukraine, die diese neue Regierung nicht als solche anerkennen will, und dieses Regime tut dies mit Hilfe von Neo-Nazis und Bandera-Verehrern wie etwa der Asow-Gruppe. \u00dcber deren terroristische Aktivit\u00e4ten (\u201ea white supremacist militia\u201c) hat das Time-Magazin noch im Jahr 2021 ausf\u00fchrlich berichtet. Jetzt aber, und bei uns in Deutschland, betreiben so genannte Ukraine-Experten wie Andreas Umland oder Anton Schechowzow die Reinwaschung von Asow. Schechowzow schreibt in der \u00abZeit\u00bb (5.5.2022): \u201eDas Asow-Regiment ist keine extremistische Organisation\u201c. Er spricht von einer \u201eHeldengeschichte\u201c. Umland und Schechowzow sind Unterzeichner des oben erw\u00e4hnten Aufrufs, sie praktizieren in unseren Medien also genau jene Ukraine-Propaganda, die sie auch von anderen erwarten.<\/p>\n<p><strong>Holocaust-Vergleich kein Tabu mehr f\u00fcr deutsche Leitmedien<\/strong><\/p>\n<p>In Israel reagieren Medien und Politik manchmal noch empfindlich, wenn etwa der ukrainische Pr\u00e4sident Selenski bei seinem Videoauftritt im Parlament den jetzigen Krieg mit dem Holocaust vergleicht. In Deutschland aber wird auch dieses Tabu gebrochen, wird also die sonst immer wieder angef\u00fchrte Singularit\u00e4t des Holocaust aufgehoben. Putin sei wie Hitler oder wie Hitler und Stalin zugleich, so flott und ma\u00dflos wird in unseren Medien fabuliert. Carolin Emcke etwa berichtet in der SZ vom 9.4.2022 nach einem Besuch in Lemberg\/Lviv, von einem \u201erussischen Vernichtungsrausch\u201c (von dem sie allerdings nur geh\u00f6rt hat), und sogar die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>\u201eSt\u00e4dte wie Mariupol oder Charkiw und deren Umgebung erleben nicht zum ersten Mal einen Vernichtungskrieg. Vor 80 Jahren verw\u00fcstete die Wehrmacht das Land und t\u00f6tete rund ein Viertel der Bev\u00f6lkerung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Begriff \u201eVernichtungskrieg\u201c wurde bisher fast nur f\u00fcr den von einem ungeheuren Ausl\u00f6schungstrieb gepr\u00e4gten Nazikrieg im Osten verwendet. Die inflation\u00e4re Gleichsetzung dieses Nazi-Kriegs mit dem jetzigen Ukrainekrieg ist nicht nur fahrl\u00e4ssig, sie ist bewusste Geschichtsklitterung. Wer auf russischer Seite das absolut B\u00f6se verortet, der will nicht verhandeln.<\/p>\n<p>Einer, der beim tats\u00e4chlichen Nazi-Vernichtungskrieg als Generalmajor der Abteilung \u201eDeutsche Heere Ost\u201c beteiligt war, hei\u00dft Reinhard Gehlen. In dem gerade ausgestrahlten und in seiner kompromisslosen Sch\u00e4rfe fast schon erstaunlichen ARD-Sechsteiler \u201eAlte Freunde, neue Feinde\u201c (auch in der Mediathek) ist zu sehen, wie dieser Mann im Jahr 1954 mit Unterst\u00fctzung der Bundesregierung und der US-Dienste die naziverseuchte \u201eOrganisation Gehlen\u201c aufgebaut hat. Diese sabotiert dann alle Bem\u00fchungen des Verfassungsschutz-Konkurrenten Otto John, der zum Stauffenberg-Kreis geh\u00f6rte, deutsche Nazi- und Kriegsverbrecher aufzusp\u00fcren. Die \u201eOrganisation Gehlen\u201c, 1956 zum Bundesnachrichtendienst \u201ebef\u00f6rdert\u201c, spielt eine Schl\u00fcsselrolle im Kalten Krieg und im Kampf des Westens und seiner Geheimdienste gegen den Kommunismus. (Inzwischen bedienen sich deutsche Medien ungeniert bei Verlautbarungen vor allem des britischen Geheimdiensts \u2013 so als w\u00e4re ein Geheimdienst eine seri\u00f6se Nachrichtenagentur.)<\/p>\n<p><strong>Bandera, Gehlen und der Bundesnachrichtendienst<\/strong><\/p>\n<p>Und wieder kommt Stepan Bandera ins Spiel, der von 1941 bis 1944 komfortabel als Nazi-Ehrenh\u00e4ftling in Sachsenhausen untergebracht war (ein Disput unter Faschisten) und nach dem Krieg, so wie zahlreiche seiner OUN-Kumpane, im Verbund mit westlichen Geheimdiensten gegen den Sowjet-Kommunismus k\u00e4mpft. \u201eIn Deutschland unterst\u00fctzte der Bundesnachrichtendienst, in dem zahllose ehemalige Nazis aktiv waren, die im Exil lebenden Nationalisten bei ihren antisowjetischen Aktionen\u201c, so schreiben Konrad Kreft und Clara Weiss auf der World Socialist Website. Und sie fahren fort: \u201eIn M\u00fcnchen, dem Sitz des BND, entstand nach dem Krieg ein ukrainisches Emigrationszentrum, das Propagandaliteratur verbreitete. Auch Bandera und Stezko (RKo: Jaroslaw Stezko war Banderas Stellvertreter), die beiden wichtigsten OUN-B-F\u00fchrer (RKo: das B steht f\u00fcr Bandera), lebten dort unter falschem Namen. Im Oktober 1959 wurde Bandera vom sowjetischen Geheimdienst KGB in M\u00fcnchen aufgesp\u00fcrt und ermordet. Stezko lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1986 als Exilf\u00fchrer der OUN-B in der s\u00fcddeutschen Stadt.\u201c<\/p>\n<p>Am Grab Banderas in M\u00fcnchen versammeln sich seit langem ukrainische Ultranationalisten und Neonazis. Unter ihnen Andreij Melnyk, bis zum Oktober 2022 ukrainischer Botschafter in Deutschland, der in einem Interview erkl\u00e4rte, es g\u00e4be keine Beweise f\u00fcr die Beteiligung der OUN am Massenmord an Juden und Polen, auch habe Bandera nicht mit den Nazis zusammengearbeitet. Das ukrainische Au\u00dfenministerium distanzierte sich danach ein bisschen und zog Melnyk aus Deutschland ab, inzwischen ist er zum Vizeau\u00dfenminister der Ukraine bef\u00f6rdert worden und in Deutschland immer noch ein begehrter Interviewpartner. Im September 2022 twittert dieser Faschistenfreund:<\/p>\n<p><em>\u201eWir brauchen dringend Leoparden, Marder, F\u00fcchse, Dingos &amp; Fenneks, um Russlands Horden in die H\u00f6lle zu schicken.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und im Dezember darf Melnyk in der Stuttgarter Zeitung seine Weihnachtsw\u00fcnsche ver\u00f6ffentlichen:<\/p>\n<p><em>\u201eEs m\u00fcssen noch sehr viele Tabus gebrochen werden. Wir brauchen dringend westliche Panzer, Kampfjets, Kriegsschiffe, Mehrfachraketenwerfer. Munition. Das ist mein einziger Wunsch an das Christkind.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eDen Erzfeind besiegen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Womit wir wieder im neuen Jahr sind: Am 7. Januar publiziert Newsweek ein Interview mit dem ukrainischen UK-Botschafter Vadym Prystaiko. Er besteht auf der R\u00fcckeroberung des gesamten Territoriums, inklusive der Krim. \u201eDer Westen hat jetzt eine einzigartige Chance\u201c, so Prystaiko, und er sondert einen Satz ab, auf den auch Melnyk und Bandera stolz sein k\u00f6nnten:<\/p>\n<p><em>\u201eEs gibt nicht viele Nationen in der Welt, die sich erlauben w\u00fcrden, so viele Leben zu opfern, so viel Land und so viele Jahrzehnte der Entwicklung, um den Erzfeind zu besiegen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Am 15. Januar sekundiert ihm auf t-online der sich sonst so kindlich-naiv gebende Wladimir Kaminer, er lobt die ukrainische Bev\u00f6lkerung, die bereit sei, f\u00fcr das Land ihr Leben zu riskieren, lobt auch das Milit\u00e4r und stellt begeistert fest: \u201eDiese Armee hat bereits Blut geleckt\u2026\u201c<\/p>\n<p><strong>Kindgerecht erkl\u00e4rt: Was sind eigentlich Sch\u00fctzenpanzer?<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch in diesen Zeiten, in denen jeder Anflug von Pazifismus (der nur im Frieden erlaubt zu sein scheint!) brachial abgeschossen wird, in diesen Zeiten, in denen der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an einen ukrainischen Schriftsteller nicht trotz, sondern eher wegen dessen Bezeichnung aller Russen als \u201eAbschaum\u201c und \u201eUnrat\u201c vergeben wird, auch in diesen Zeiten m\u00fcssen die ganz jungen Menschen, damit sie eigene Kriegserkl\u00e4rungen in die Welt setzen k\u00f6nnen, von unseren Medien erst \u00fcber die relevanten Handwerkszeuge aufgekl\u00e4rt werden. Die Stuttgarter Zeitung marschiert am 13. Januar auf ihrer Kinderseite mit gutem Beispiel voran. Der Pinguin-Reporter Paul beantwortet unter der in kunterbunten Buchstaben gedruckten Rubrik \u201ekinderleicht\u201c die Frage: \u201eWas sind eigentlich Sch\u00fctzenpanzer?\u201c Die n\u00e4chsten \u201ekinderleichten\u201c Fragen k\u00f6nnten lauten: Was ist eigentlich ein Kampfpanzer? Und schlie\u00dflich: Was ist eigentlich ein Atomsprengkopf?<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/die-ukraine-ein-land-das-solche-helden-verehrt\/\"><em>globalbridge.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. Januar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rupert Koppold. In der Ukraine hat das neue Jahr wieder mit Ehrungen des Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera begonnen. Dies wird auch gar nicht verheimlicht, es ist Teil eines staatlich verordneten Heroenkults. 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