{"id":12503,"date":"2023-01-27T10:17:33","date_gmt":"2023-01-27T08:17:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12503"},"modified":"2023-01-27T10:17:35","modified_gmt":"2023-01-27T08:17:35","slug":"nato-panzer-in-der-ukraine-krieg-zwischen-den-usa-und-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12503","title":{"rendered":"<strong>Nato-Panzer in der Ukraine: Krieg zwischen den USA und Russland<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Andre Damon. <\/em>Am Mittwoch gab US-Pr\u00e4sident Joe Biden bekannt, dass die Vereinigten Staaten 31 schwere Abrams-Panzer in die Ukraine schicken werden. Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz erkl\u00e4rt, dass Deutschland im Rahmen der Lieferung von \u00fcber 100 Kampfpanzern aus Nato-L\u00e4ndern 14 Leopard-2-Panzer liefern wird.<!--more--><\/p>\n<p>Mit der Entsendung von Kampfpanzern soll eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt werden, die es der Nato schlie\u00dflich erm\u00f6glicht, eine immer st\u00e4rkere Beteiligung ihrer Truppen und Flugzeuge bis hin zu einem offenen Krieg mit Russland zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Die Bedeutung der Lieferung liegt weniger in der Wirkung der Panzer auf dem Schlachtfeld als in den Folgen ihres Einsatzes. F\u00fcr die Abrams-Panzer, die per Gasturbine angetrieben werden, ist ein umfangreiches logistisches Netz in der Ukraine erforderlich, an dem eine gro\u00dfe Zahl spezialisierter Unternehmen aus den USA mitwirkt. Angriffe auf dieses Versorgungsnetz und auf amerikanisches Personal, das die Panzer wartet, k\u00f6nnen genutzt werden, um die Einrichtung einer Flugverbotszone und die Entsendung von US- und Nato-Truppen in die Ukraine zu fordern.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach Bidens Ank\u00fcndigung machte der pensionierte Vier-Sterne-General Barry McCaffrey gegen\u00fcber dem Nachrichtensender <em>MSNBC<\/em> eine beil\u00e4ufige Bemerkung, die den wahren Inhalt der Panzerpl\u00e4ne verriet.<\/p>\n<p>McCaffrey widersprach dem Argument von Milit\u00e4rs, der Abrams sei zu komplex, um ihn in die Ukraine zu schicken: \u201eNat\u00fcrlich k\u00f6nnen die Ukrainer diese Abrams mit der Unterst\u00fctzung ziviler Auftragnehmer warten.\u201c<\/p>\n<p>Wer sind diese \u201ezivilen Auftragnehmer\u201c im Gegensatz zu \u201eUkrainern\u201c? Diese Frage wurde McCaffrey nicht gestellt.<\/p>\n<p>Amerikas riesige Flotte von M1-Abrams-Panzern wird auf Armeest\u00fctzpunkten rund um die Welt von zivilen Dienstleistern gewartet. Dabei handelt es sich in der Regel um Amerikaner mit entsprechenden Fachkenntnissen, darunter direkte Mitarbeiter von General Dynamics und anderen gro\u00dfen Waffenherstellern. F\u00fcr den Abrams, das komplexeste Fahrzeug der US-Armee, sind pro Betriebsstunde etwa acht Wartungsstunden erforderlich.<\/p>\n<p>Zur Erkl\u00e4rung, weshalb das US-Milit\u00e4r im letzten Jahr z\u00f6gerte, den Abrams-Panzer zu schicken, f\u00fchrte die <em>Washington Post<\/em> an: \u201eLaut Aussage eines hochrangigen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums ist es f\u00fcr die Vereinigten Staaten schwierig, die Abrams-Panzer mit ihrem komplizierten Turbinenmotor zu warten \u2026 F\u00fcr die Ukrainer w\u00e4re es unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p>Unm\u00f6glich \u2013 es sei denn, man w\u00fcrde, wie McCaffrey andeutet, zusammen mit den Panzern auch gleich eine gro\u00dfe Zahl ziviler Dienstleister schicken, die bereits am Abrams ausgebildet wurden.<\/p>\n<p>Es ist abzusehen, dass Tausende Techniker aus Nato-L\u00e4ndern in die Ukraine entsandt werden. Um das Kriegsger\u00e4t betriebsf\u00e4hig zu halten, m\u00fcssen au\u00dferdem ausgedehnte Lieferketten f\u00fcr Hightech-Pr\u00e4zisionsteile geschaffen werden, die sich von US-St\u00fctzpunkten in Deutschland \u00fcber Polen bis hin zur Ostfront des Kriegs in der Ukraine erstrecken.<\/p>\n<p>Es ist wahrscheinlich dass solche Nachschublinien und das amerikanische Personal zur Zielscheibe russischer Angriffe werden, mit denen verhindert werden soll, dass die Waffensysteme in die Ukraine gelangen. Die zu Beginn des Krieges erstmals erhobene Forderung, \u201eden Luftraum zu schlie\u00dfen\u201c und eine Flugverbotszone einzurichten, d\u00fcrfte in K\u00fcrze von allen US-Medien erhoben werden, um den in der Ukraine eingesetzten Amerikanern \u201edas Leben zu retten\u201c.<\/p>\n<p>Wie bestellt wurden zeitgleich mit der Panzer-Ank\u00fcndigung am Mittwoch in der Presse Forderungen laut, nun m\u00fcssten die F-16 und andere Nato-Kampfflugzeuge der vierten Generation entsendet werden.<\/p>\n<p>\u201ePanzer werden nicht ausreichen: Die Ukraine braucht F-16-Jets, um zu siegen\u201c, schrieb der ehemalige britische Kommandeur Greg Bagwell im <em>Telegraph<\/em>. \u201eEs ist ein milit\u00e4risches Axiom, dass nur Armeen Bodengewinne machen und halten k\u00f6nnen. Ebenso wahr ist, dass Armeen ohne Luftunterst\u00fctzung keine Bodengewinne machen oder sie nicht lange halten k\u00f6nnen.\u201c Der ehemalige Kommandeur der britischen Luftwaffe gab zu verstehen, dass die USA, wenn sie Panzer schicken, auch F-16 schicken m\u00fcssten.<\/p>\n<p>\u201eDie n\u00e4chste gro\u00dfe H\u00fcrde werden nun die Kampfflieger sein\u201c, erkl\u00e4rte auch Jurij Sak, ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministers Oleksij Resnikow, gegen\u00fcber der Nachrichtenagentur Reuters. \u201eSie wollten uns erst keine schwere Artillerie geben, und dann taten sie es doch. Sie wollten uns die Himars-Systeme nicht geben, und dann haben sie es doch getan. Sie wollten uns keine Panzer geben, jetzt geben sie uns Panzer. Abgesehen von den Atomwaffen gibt es nichts mehr, was wir nicht bekommen werden.\u201c<\/p>\n<p>Pl\u00e4ne f\u00fcr die Lieferung von Kampfflugzeugen der Nato sind bereits im Gange. Die <em>Financial Times<\/em> berichtete, dass Lockheed Martin die Produktion der F-16 erh\u00f6ht hat, um den L\u00e4ndern Nachschub zu liefern, die dieses Modell in die Ukraine schicken wollen. Das Unternehmen wird \u201edie Produktion von F-16 in Greenville (South Carolina) so stark hochfahren, dass wir in der Lage sein werden, die Kapazit\u00e4ten ziemlich gut aufzuf\u00fcllen\u201c, sagte Frank St. John, CEO von Lockheed Martin.<\/p>\n<p>Die Entsendung klarer Offensivwaffen in die Ukraine widerlegt ein f\u00fcr alle Mal die Behauptung des Wei\u00dfen Hauses, es handele sich um einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine, an dem die Nato nicht beteiligt sei.<\/p>\n<p>Diese elementare Wahrheit wurde von der deutschen Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock best\u00e4tigt, die am Dienstag vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Stra\u00dfburg erkl\u00e4rte: \u201eWir k\u00e4mpfen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander.\u201c<\/p>\n<p>Es ist nicht verwunderlich, dass der Nato-Krieg gegen Russland in der Ukraine gef\u00fchrt wird, ohne dass Deutschland oder die USA eine Kriegserkl\u00e4rung abgegeben haben. Es f\u00fcgt sich in das Muster ein, nach dem die Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg jeden ihrer Kriege gef\u00fchrt haben. Die Kriege in Korea, Vietnam, Irak und Afghanistan wurden alle ohne Kriegserkl\u00e4rung des Kongresses begonnen.<\/p>\n<p>Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine zielt jedes \u00f6ffentliche Statement aus dem Wei\u00dfen Haus darauf ab, die Pl\u00e4ne der Regierung zur massiven Eskalation des Kriegs gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung zu verschleiern.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz versprach Biden der \u00d6ffentlichkeit, dass die USA keine \u201eAngriffswaffen\u201c und \u201ePanzer\u201c in die Ukraine schicken w\u00fcrden, da dies den \u201eDritten Weltkrieg\u201c bedeuten w\u00fcrde. Wenn man ihn beim Wort nimmt, ist folglich die Entscheidung, Panzer in die Ukraine zu schicken, gleichbedeutend mit der Entscheidung f\u00fcr den \u201eDritten Weltkrieg\u201c.<\/p>\n<p>Die Nato-M\u00e4chte haben beschlossen, auf Krieg zu setzen, um durch die milit\u00e4rische Niederwerfung, Eroberung, Zerschlagung und Ausbeutung Russlands die unz\u00e4hligen Krisen zu l\u00f6sen, von denen die kapitalistischen Oligarchien gebeutelt werden.<\/p>\n<p>Zwar m\u00f6gen sich Teile des politischen Establishments der USA einbilden, der Kreml werde nicht auf den Einsatz von Panzern reagieren, doch der Konflikt hat seine eigene Logik. Die Putin-Regierung, die Teile der russischen Oligarchie vertritt, hatte urspr\u00fcnglich gehofft, dass sie die imperialistischen M\u00e4chte mit dem Einmarsch in die Ukraine zu gewissen Zugest\u00e4ndnissen zwingen k\u00f6nne. Sie steckt in einer innenpolitischen Krise und ist damit konfrontiert, dass Teile der russischen herrschenden Klasse eine starke Eskalation fordern.<\/p>\n<p>Das Risiko, dass sich der Krieg zu einem nuklearen Schlagabtausch entwickelt \u2013 was Biden selbst als \u201eArmageddon\u201c bezeichnete \u2013, wird an jedem Punkt der Eskalation auf eine h\u00f6here Stufe gehoben.<\/p>\n<p>Parallel zu ihrer Kriegspolitik sind die USA und die Nato-M\u00e4chte nach Kr\u00e4ften bem\u00fcht, die Folgen ihres Handelns vor der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung zu verheimlichen. So k\u00fcndigte Biden in seiner zehnmin\u00fctigen oberfl\u00e4chlichen Ansprache am Mittwoch mitten am Tag eine neue Etappe des Kriegs an, ohne dass die Medien auch nur pro forma Fragen dazu stellen.<\/p>\n<p>Die Regierung Biden wei\u00df, dass es keine breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg gibt bzw. dass sich diese auf die republikanischen und demokratischen Politiker, die herrschende Elite und betuchte Teile der oberen Mittelschicht beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Gefahr, die der heutigen Situation innewohnt, besteht darin, dass der Widerstand der Bev\u00f6lkerung gegen den Krieg nicht politisch organisiert ist. Es ist dringend notwendig, die K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse, die nun \u00fcberall auf der Welt ausbrechen, mit dem Kampf gegen den Krieg zusammenzubringen und sie mit Programm des Sozialismus zu bewaffnen, das darauf abzielt, das kapitalistische System und damit die Hauptursache f\u00fcr Krieg abzuschaffen.<\/p>\n<p><em>#Bild: In Anwesenheit von mindestens zehn zivilen Auftragnehmern wird in Kuwait ein 30 Tonnen schwerer Gesch\u00fctzturm auf einen Abrams-Panzer gesetzt [Photo: US Department of Defense]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/26\/per1-j26.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. Januar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andre Damon. Am Mittwoch gab US-Pr\u00e4sident Joe Biden bekannt, dass die Vereinigten Staaten 31 schwere Abrams-Panzer in die Ukraine schicken werden. 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