{"id":12506,"date":"2023-01-28T09:54:32","date_gmt":"2023-01-28T07:54:32","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12506"},"modified":"2023-01-28T09:54:33","modified_gmt":"2023-01-28T07:54:33","slug":"hoehenflug-der-aktienkurse-sturzflug-der-einkommen-und-arbeitsplaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12506","title":{"rendered":"<strong>H\u00f6henflug der Aktienkurse \u2013 Sturzflug der Einkommen und Arbeitspl\u00e4tze<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens. <\/em>Die soziale Schere klafft immer weiter auseinander. Seit Jahresbeginn steigen die Aktienkurse, w\u00e4hrend tausende Arbeitspl\u00e4tze abgebaut werden und die Reall\u00f6hne sinken. Im \u00f6ffentlichen Dienst wird das Personal doppelt und dreifach belastet, weil das Geld in die Aufr\u00fcstung flie\u00dft. Je mehr die Politik auf Kriegswirtschaft umschwenkt, desto st\u00e4rker lastet der Druck auf der Arbeiterklasse.<!--more--><\/p>\n<p>Die Bereitschaft zum Widerstand w\u00e4chst, wie die j\u00fcngsten Flughafenstreiks in Berlin und D\u00fcsseldorf zeigen. Immer h\u00e4ufiger kommt es zu Warnstreiks, Protestaktionen und auch zu unbefristeten Streiks.<\/p>\n<p>Im schw\u00e4bischen G\u00f6ppingen sind 230 Metallarbeiter schon die ganze Woche im Streik. Seit dem Sonntagabend, 22. Januar, bestreiken sie zwei Werke, die zur Kern-Liebers-Gruppe geh\u00f6ren, die Saxonia Umformtechnik und die Saxonia Textile Parts. In beiden Betrieben werden Metallteile hergestellt: in dem einen f\u00fcr die Automobilindustrie, in dem andern f\u00fcr Strickmaschinen und Textilbetriebe.<\/p>\n<p>\u201eDie Beteiligung am Arbeitskampf ist \u00fcberw\u00e4ltigend\u201c, schreibt die lokale Presse. Dem Streik hatten in einer Urabstimmung kurz zuvor 96 Prozent zugestimmt. Die Belegschaft f\u00e4hrt seit Jahren \u00dcberstunden, aber der Saxonia-Vorstand weigert sich, die Tarifl\u00f6hne zu zahlen. Dieselbe Situation k\u00f6nnte sich auch bei anderen Betrieben der Kern-Liebers-Gruppe ergeben, wo die Betriebsleitungen ebenfalls \u00fcber \u201eLieferkettenprobleme, den Ukrainekrieg und die Energiekrise\u201c klagen.<\/p>\n<p>Das Topmanagement der deutschen Unternehmen warnt vor \u201edem Verlust deutscher Standortvorteile\u201c, wie es in einem Schreiben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hei\u00dft. In einem Interview mit der <em>Welt am Sonntag<\/em> sagte Arbeitgeberpr\u00e4sident Rainer Dulger, er rechne damit, dass die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen bis 2030 um f\u00fcnf Millionen schrumpfen werde. Da der Staat dann weniger Steuer- und Beitragseinnahmen habe, m\u00fcsse er \u201edie Sozialsysteme anpassen\u201c (und zum Beispiel das Rentenalter hochsetzen). Dulger behauptete: \u201eWir werden den Wohlstand, an den wir uns in Deutschland gew\u00f6hnt haben, nicht halten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn er \u201ewir\u201c sagt, spricht der Multimillion\u00e4r und Pr\u00e4sident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverb\u00e4nde (BDA), nicht von sich und seinesgleichen, geschweige denn \u00fcber h\u00f6here Steuers\u00e4tze f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Aktion\u00e4re von Konzernen wie Porsche, Daimler, Siemens und Rheinmetall. F\u00fcr sie l\u00e4uft es gerade richtig gut. Schon seit Jahresbeginn steigen die Aktienkurse an der Frankfurter B\u00f6rse.<\/p>\n<p>Der Deutsche Aktienindex DAX, der die Kurse der 40 st\u00e4rksten deutschen Konzerne widergibt, hat allein in den ersten beiden Handelswochen fast neun Prozent zugelegt. Einer Analyse der Sparkassentochter Deka zufolge rechnen die DAX-Unternehmen im Fr\u00fchjahr 2023 mit rekordverd\u00e4chtigen Dividenden. Eine Gesamtsumme der Aussch\u00fcttungen von fast 55 Milliarden Euro wird erwartet. Mehr als ein Drittel davon entf\u00e4llt auf die Autokonzerne Mercedes, Porsche, BMW, Audi und VW, die im letzten Jahr Rekordgewinne erzielt haben.<\/p>\n<p>Von der Arbeiterklasse fordern dieselben Konzerne Zugest\u00e4ndnisse wegen der \u201eschwierigen Lage\u201c. Um dies durchzusetzen, verlassen sie sich auf die Zusammenarbeit mit den DGB-Gewerkschaften: IG Metall, Verdi und Co. haben sich schon in der Corona-Pandemie und davor als wichtige Pfeiler deutschen Unternehmensinteressen erwiesen.<\/p>\n<p>Kurz nach Beginn des Ukrainekriegs schlossen sich die Gewerkschaften in der \u201e<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2022\/07\/04\/koak-j04.html\">Konzertierte<\/a>n Aktion\u201c mit Regierung und Unternehmern zusammen. Ihr Ziel besteht darin, die horrenden Kosten der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung und die Folgen der Sanktionen gegen Russland auf die arbeitende Bev\u00f6lkerung abzuw\u00e4lzen und gleichzeitig den Widerstand dagegen aufzufangen. Seither wird \u201eumstrukturiert\u201c, was mit immer neuen Entlassungen und den gr\u00f6\u00dften Lohneinbu\u00dfen seit den 1930er Jahren verbunden ist.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen haben die Ford-Werke <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/23\/ford-j23.html\">Massenentlassungen<\/a> in K\u00f6ln-Merkenich und Aachen angek\u00fcndigt. Bei Ford-Saarlouis ist die Schlie\u00dfung bis 2025 beschlossene Sache. Zuvor hatte sich der Ford-Betriebsrat insgeheim bereiterkl\u00e4rt, die L\u00f6hne in allen Werken um <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/20\/ford-j20.html\">18 Prozent<\/a> zu senken. Andere Autowerke, wie Volvo in Gent (Belgien) und Stellantis im Werk Atessa (Italien), setzen diese Woche ihre Belegschaften mit Kurzarbeit weiter unter Druck.<\/p>\n<p>Von der Transformation in der Autoindustrie sind besonders die Zulieferer betroffen. \u201eDie Zulieferindustrie stirbt einen langsamen Tod\u201c, schreibt der <em>Spiegel<\/em> \u00fcber kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen. Die Autoren weisen auf die Lage vieler kleiner Gie\u00dfereien und Stahlproduzenten hin, die von Koks, Kohle oder Gas abh\u00e4ngig sind. Die Energiekrise hat sie stark in Mittleidenschaft gezogen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Eisengie\u00dferei Vulcast in der Eifel, die seit \u00fcber 330 Jahren existiert. Sie hat trotz gut gef\u00fcllter Auftragsb\u00fccher Insolvenz angemeldet und im Januar 119 Mitarbeiter entlassen. Als Ursache werden die enorm gestiegenen Strom- und Rohstoffpreise angegeben.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dferen Autozulieferkonzerne \u2013 Conti, Hella, ZF, Bosch und Mahle \u2013 bauen seit Jahren in enger Zusammenarbeit mit der IG Metall Arbeitspl\u00e4tze ab. Bei Bosch sind auch jetzt wieder Tausende Stellen in Gefahr. Mit der Begr\u00fcndung, die Produktion werde auf E-Mobilit\u00e4t umgestellt, hat Bosch einen weiteren drastischen Stellenabbau in Werken angek\u00fcndigt, die Bauteile und Komponenten f\u00fcr Verbrennermotoren herstellen. Bei Mahle werden ganze Betriebe stillgelegt. Mahle in Gailsdorf (300 Besch\u00e4ftigte) soll bis Ende 2023 schlie\u00dfen. Bereits Ende vergangenen Jahres wurde das Mahle-Filterwerk in \u00d6hringen (170 Besch\u00e4ftigte) stillgelegt.<\/p>\n<p>Fast jeden Tag ist ein neuer Autozulieferbetrieb betroffen. Hier eine kurze Liste von Meldungen, die in den letzten Tagen eintrafen:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Der Autozulieferer GKN Driveline schlie\u00dft sein Werk in Zwickau mit bisher noch 800 Besch\u00e4ftigten. Die Produktion von Gelenkwellen und anderen Teilen f\u00fcr VW, Audi, BMW und Mercedes wird nach Osteuropa verlagert.<\/em><\/li>\n<li><em>Der kanadisch-\u00f6sterreichische Autozulieferer Magna will insgesamt drei Werke schlie\u00dfen, davon zwei in Baden-W\u00fcrttemberg (Bopfingen mit 170 und D\u00fcrbheim\/Tuttlingen mit 110 Besch\u00e4ftigten). Ein drittes Magna-Werk im bayrischen Bad Windsheim soll ebenfalls geschlossen werden.<\/em><\/li>\n<li><em>In Radolfzell am Bodensee wird der Autoteilehersteller BCS mit \u00fcber 600 Mitarbeitern bis Ende 2024 geschlossen.<\/em><\/li>\n<li><em>Ditter Plastic in Haslach im Schwarzwald (Baden-W\u00fcrttemberg) hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb f\u00fcr Pr\u00e4zisionsentwicklung von technischen Kunststoffteilen f\u00fcr die Autoindustrie hat noch 400 Besch\u00e4ftigte.<\/em><\/li>\n<li><em>Der Mechatronik-Hersteller Marquardt baut in Baden-W\u00fcrttemberg 87 Stellen ab. Auch hier wird ein Teil der Produktion in Osteuropa weitergef\u00fchrt.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch andere Branchen sind von Massenentlassungen betroffen. Dazu z\u00e4hlt beispielsweise Galeria Karstadt Kaufhof, das dem Multimillion\u00e4r und Spekulanten Ren\u00e9 Benko geh\u00f6rt. Von den 131 noch bestehenden Filialen werden zwei Drittel geschlossen oder massiv verkleinert. Mehrere tausend Arbeitspl\u00e4tze sind akut bedroht. In der Schweiz hat am 3. Januar die Reformhauskette M\u00fcller alle 37 Filialen in 17 St\u00e4dten geschlossen. Fast 300 Verk\u00e4uferinnen haben ihren Arbeitsplatz verloren.<\/p>\n<p>Fast endlos ist die Liste der Massenentlassungen und Schlie\u00dfungen. So soll auch die Gro\u00dfdruckerei Prinovis in Ahrensburg (Schleswig-Holstein), die zu Bertelsmann (urspr\u00fcnglich zum Springer-Verlag) geh\u00f6rt, ihren Betrieb Ende Januar einstellen. 545 Besch\u00e4ftigte sind betroffen. In der Technologiebranche folgt auf <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/22\/goog-j22.html\">Google<\/a> mit 12.000 Entlassungen jetzt auch SAP mit 3000 Stellenstreichungen, davon 200 in Deutschland.<\/p>\n<p>Schon zum Ende letzten Jahres ist die Zahl der Firmenpleiten angestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Insolvenzen stiegen im November um 1,2 Prozent und im Dezember um 3,1 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vormonat. Im Jahresvergleich wurden 2022 fast 18 Prozent mehr Insolvenzen gemeldet als im Vorjahr. Siemens-Aufsichtsratschef Joe Kaeser kommentierte dies mit der Warnung: \u201eWenn die breite industrielle Basis br\u00f6ckelt, gef\u00e4hrdet das den Wohlstand und den sozialen Frieden in Deutschland.\u201c<\/p>\n<p>Die Topmanager f\u00fcrchten, dass sich in den Betrieben Widerstand regt. Es brodelt seit langem, denn auch die L\u00f6hne bleiben weit hinter der Teuerung zur\u00fcck. Laut Zahlen der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung sind die Tarifl\u00f6hne im Schnitt zuletzt zwar um 2,7 Prozent gestiegen, aber angesichts der anhaltenden Inflation habe dies zu einem durchschnittlichen Reallohnverlust von 4,7 Prozent gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Immer mehr Arbeiter sind nicht mehr bereit, dies hinzunehmen. Kommt es zu Urabstimmungen, stimmen \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheiten f\u00fcr Streik, wie das eingangs erw\u00e4hnte Beispiel Saxonia zeigt. Nur mit M\u00fche gelingt es den DGB-Gewerkschaften, die K\u00e4mpfe voneinander zu isolieren und unter Kontrolle zu halten.<\/p>\n<p>Im Luftverkehr folgte auf den ganzt\u00e4gigen Streik vom Mittwoch am <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/26\/warn-j26.html\">Berliner Flughafen BER<\/a> am gestrigen Freitag ein weiterer Streik von 700 Gep\u00e4ckabfertigern am Flughafen D\u00fcsseldorf. Sie wehren sich gegen Massenentlassungen, die mit der \u00dcbernahme durch neue Dienstleister, darunter die ber\u00fcchtigte WISAG Aviation, einhergehen. Gleichzeitig streiken Fluglotsen auf Fuerteventura, Piloten in Portugal und Flugbegleiter von Ryanair im belgischen Charleroi.<\/p>\n<p>Bei dem Windanlagenbauer Vestas sind bundesweit die Techniker im Arbeitskampf. Sie k\u00e4mpfen schon seit November mit immer neuen Aktionen f\u00fcr eine bessere Lohnregelung, die auch regelm\u00e4\u00dfige Tarifsteigerungen, Sonderzahlungen und Altersteilzeit umfassen soll.<\/p>\n<p>Im Energiesektor setzten diese Woche auch die franz\u00f6sischen Raffineriearbeiter ihre Streiks gegen die Renten-\u201eReform\u201c der Macron-Regierung fort. Am Donnerstag haben sich franz\u00f6sische Hafenarbeiter dem Streik angeschlossen. Seit einer Woche streiken bereits die Hafenarbeiter von Mulhouse im Elsass, einem wichtigen Knotenpunkt im Dreil\u00e4ndereck Frankreich\u2013Deutschland\u2013Schweiz.<\/p>\n<p>\u00dcberall \u2013 an den Flugh\u00e4fen, beim Pflegepersonal, bei der Bahn, <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/20\/post-j20.html\">bei der Post<\/a>, bei der <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/17\/bsre-j17.html\">Berliner Stadtreinigung<\/a> und nun auch im gesamten \u00f6ffentlichen Dienst \u2013 stehen Arbeitsk\u00e4mpfe an. Dabei geht es nicht nur um bessere L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen, sondern auch um die immer bedrohlichere Kriegsgefahr.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00e4mpfen nicht nur gegen den Krieg, sondern auch dagegen, dass die Arbeiter die Zeche daf\u00fcr bezahlen m\u00fcssen\u201c, <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/26\/ehcc-j26.html\">erkl\u00e4rte Endrik Bastian<\/a>, Krankenpfleger und Kandidat der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) zur Berliner Abgeordnetenhauswahl, in einem Video. Zur Katastrophe im Gesundheitswesen sagte Bastian: \u201eAllein in Deutschland fehlen 200.000 Pflegekr\u00e4fte \u2013 200.000! Und von denen, die da sind, fehlen weitere zehn Prozent wegen Krankheit und \u00dcberlastung \u2026 Um den Krieg und die Aufr\u00fcstung zu finanzieren, wird massenhaft gestrichen \u2013 im Gesundheitswesen, und auch im Bildungswesen.\u201c<\/p>\n<p>Auch in der Pflege nehmen die Arbeitsk\u00e4mpfe wieder zu. An der Uniklinik G\u00f6ttingen sind am Mittwoch rund 200 Reinigungskr\u00e4fte f\u00fcr drei Tage in den Streik getreten, weil das Service- und Reinigungspersonal der UMG (Unimedizin G\u00f6ttingen) deutlich schlechter behandelt und bezahlt wird als im Tarifvertrag der L\u00e4nder (TV-L) vorgesehen. In den \u00f6sterreichischen Privatkliniken droht ein Lohnstreik f\u00fcr rund 10.000 Besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p>Alle diese K\u00e4mpfe ben\u00f6tigen eine Perspektive! Sie d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger der Kontrolle der Gewerkschaften \u00fcberlassen werden, die sich der \u201eSozialpartnerschaft\u201c \u2013 sprich: den Wirtschafts- und Kriegsinteressen \u2013 unterordnen. Die DGB-Gewerkschaften arbeiten eng mit der Ampel-Koalition und dem Topmanagement der DAX-Konzerne zusammen.<\/p>\n<p>Davon leben sie sehr gut, wie das Beispiel der VW-Betriebsratsf\u00fcrsten zeigt. Ein Strafprozess in Braunschweig brachte die \u00fcppigen Geh\u00e4lter und Boni ans Licht, die Ex-Betriebsratschef Bernd Osterloh kassierte, der in manchen Jahren auf mehr als 700.000 Euro kam. Die jetzige Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo kassiert nach eigenen Angaben rund 100.000 Euro j\u00e4hrlich als Fixgehalt, zu dem noch Boni in f\u00fcnfstelliger H\u00f6he hinzukommen.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass die hochrangigen Gewerkschaftsfunktion\u00e4re und Betriebsr\u00e4te auch die Boni- und Dividendenzahlungen an Manager und Aktion\u00e4re verteidigen. Wie die DGB-Chefin Yasmin Fahimi Ende Dezember sagte: \u201eDas sind die normalen Mechanismen der Marktwirtschaft. Es mag ja sein, dass die einem nicht gefallen. Aber jetzt ist nicht die Zeit f\u00fcr kapitalismuskritische Grundsatzdebatten.\u201c<\/p>\n<p>Die DGB-Gewerkschaften tun alles, um eine effektive breite Streikbewegung zu verhindern. Ihre Warnstreiks dienen vor allem dazu, wie in einem Ventilsystem Druck abzubauen und die Wut unter Kontrolle zu halten \u2013 um am Ende, wie schon so oft, die Besch\u00e4ftigten mit einem Almosen abzuspeisen.<\/p>\n<p>Die Verteidigung von L\u00f6hnen, Arbeitspl\u00e4tzen und \u2013Bedingungen ist eine Klassenfrage. Die Besch\u00e4ftigten der Industrie, der Logistik, von Bahn und Post und im \u00f6ffentlichen Dienst m\u00fcssen sich bundesweit und international zusammenschlie\u00dfen. Sie m\u00fcssen sich von den Gewerkschaften emanzipieren und unabh\u00e4ngige Aktionskomitees in allen Betrieben aufbauen. Notwendig ist ein <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2022\/12\/19\/wahl-d19.html\">sozialistisches Programm<\/a>, das die Bed\u00fcrfnisse der arbeitenden Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Profitinteressen stellt und die Aufr\u00fcstung und Kriegspolitik beendet.<\/p>\n<p><em>#Bild: Frankfurter B\u00f6rse [Photo by Pythagomath \/ Wikimedia \/ <\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\"><em>CC BY-SA 4.0<\/em><\/a><em>]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/01\/27\/arbe-j27.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. Januar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens. Die soziale Schere klafft immer weiter auseinander. Seit Jahresbeginn steigen die Aktienkurse, w\u00e4hrend tausende Arbeitspl\u00e4tze abgebaut werden und die Reall\u00f6hne sinken. 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