{"id":12565,"date":"2023-02-06T16:28:00","date_gmt":"2023-02-06T14:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12565"},"modified":"2023-02-06T16:29:06","modified_gmt":"2023-02-06T14:29:06","slug":"frankreich-es-wird-ernst-um-die-rentenreform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12565","title":{"rendered":"<strong>Frankreich: Es wird ernst um die Renten\u201ereform\u201c<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernard Schmid.<strong> Beginn der Parlamentsdebatte am heutigen Montag&nbsp;; 108 Stimmen fehlen bislang aufgrund von Widerspr\u00fcchen innerhalb des B\u00fcrgerblocks \u2013 Premierministerin Elisabeth Borne setzt auf das B\u00fcndnis mit der konservativen Oppositionsfraktion LR (Les R\u00e9publicains), die jedoch zerfasert auftritt \u2013 Rechtsextreme Parlamentsopposition <\/strong><strong>versucht<\/strong><\/em><!--more--> <em><strong>sich dank der Zauberformel \u201eVolksabstimmung!\u201c in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu hieven \u2013 Neue Gewerkschaftliche Aktionstage am Dienstag und Samstag dieser Woche, 07. und 11. Februar 23 \u2013 Die Frage nach einer Ausweitung von Streikaktivit\u00e4ten steht im Raum. Vier Branchenverb\u00e4nde der CGT k\u00fcndigen eine Koordinierung dazu an<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Am heutigen Montag, den 06. Februar f\u00e4ngt in Paris die Parlamentsdebatte \u2013 in der Nationalversammlung, also dem Unterhaus, das im Konfliktfalle gegen\u00fcber der zweiten Kammer (dem konservativ dominierten Senat) das letzte Wort beh\u00e4lt \u2013 zur geplanten Renten\u201ereform\u201c an. Vorige Woche hatten, beginnend ab dem 30. Januar, bereits Ausschusssitzungen etwa im Sozial- sowie im Gesetzesausschuss der Nationalversammlung dazu stattgefunden. Heute geht es nun im <strong><em>h\u00e9micycle<\/em><\/strong>, also im Plenarsaal dazu los.<\/p>\n<p>Die absolute Mehrheit an Sitzen liegt bei 289. Am Montag fr\u00fch verf\u00fcgte das Regierungslager jedoch laut Z\u00e4hlung der Privatfernsehsender BFM TV und RMC erst \u00fbber 181 \u201egesicherte\u201c Stimmen, es fehlten ihm also noch 108 sichere Stimmen. Zwar verf\u00fcgt das Macron-Lager ohnehin seit den Parlamentswahlen vom 12. und 19. Juni 2022 nur noch \u00fcber eine relative Mehrheit (von rund 230 Mandaten f\u00fcr die unmittelbar die Regierung unterst\u00fctzenden wirtschaftsliberalen Parteien wie Renaissance \u2013 ehemals LREM, La R\u00e9publique en marche -, Horizons, MoDem\/Mouvement d\u00e9mocrate und Agir) und nicht l\u00e4nger eine absolute Mehrheit. Doch versch\u00e4rft sich die parlamentarische Situation f\u00fcr das Regierungslager dadurch, dass auch einige Abgeordnete aus dem Regierungslager jedenfalls bislang Anstalten zeigen, der Rentenreform nicht zuzustimmen oder jedenfalls nicht, ohne \u00c4nderungsantr\u00e4ge durchzubringen, die weitere Ausnahmen von der Anhebung des Renten-Mindestalters vorsehen. Dies gilt f\u00fcr mehrere Abgeordnete der Kleinparti MoDem von Fran\u00e7ois Bayrou, die aus der fr\u00fcheren christdemokratischen Komponente (Force d\u00e9mocrate) des vormaligen Parteienb\u00fcndnisses UDF in den 1970 bis 2000er Jahren hervorging.<\/p>\n<p>Preministerministerin Elisabeth Borne k\u00f6nnen zwar einerseits auf die Zustimmung der konservativen Oppositionspartei Les R\u00e9publicains (LR) bauen \u2013 vergleichbar mit dem, was in Deutschland eine stark geschw\u00e4chte CDU\/CSU w\u00e4re, die sowohl durch eine aufstebende FDP (das Macron-Lager) als auch eine sozialdemagogisch-nationalistisch auftretende AfD (also den Rassemblement national, RN) \u00fcberfl\u00fcgelt worden w\u00e4re -; rechnerisch w\u00fcrden 38 von insgesamt circa 60 Stimmen der Oppositionsfraktion LR gen\u00fcgen. Jedenfalls wenn alle Abgeordneten der Regierungsfraktionen ebenfalls zustimmen. Andererseits kann das Regierungslager auch die autorit\u00e4ren Instrumente der geltenden franz\u00f6sischen Verfassung einsetzen wie den mittlerweile ber\u00fchmten Artikel 49-3, welcher es erlaubt, die Parlamentsdebatte abzuw\u00fcrgen: Wenn die Regierung die Vertrauensfrage stellt und dar\u00fcber nicht abgew\u00e4hlt wird, gilt ein Text dann als verabschiedet. Doch die erheblich geschw\u00e4chte Partei LR befindet sich in einem chaotischen Zustand, weist mehrere konkurrierende Linien gleichzeitig auf und bildet derzeit die schw\u00e4chste Flanke des B\u00fcrgerblocks (vgl. <a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/gewerkschaften-frankreich\/frankreich-am-31-januar-riesig-aber-nun-wie-weiter\/\">https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/gewerkschaften-frankreich\/frankreich-am-31-januar-riesig-aber-nun-wie-weiter\/<\/a>) Und ein Einsetzen des Artikels 49-3 bei einem so umstrittenen Vorhaben wie der derzeit debattierten Renten\u201ereform\u201c droht eine manifeste politische und soziale Krise auszul\u00f6sen, oder die bestehende auszuweiten, da das Legitimit\u00e4tsdefizit des Regierungshandels allzu manifest w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zu den Legitimit\u00e4tsl\u00fccken des Regierungsvorhabens kommt hinzu:<\/p>\n<ul>\n<li>dass Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron sich zwar darauf beruft, vor seiner Wiederwahl im April 2022 reinen Wein eingeschenkt und die Rentenreformpl\u00e4ne angek\u00fcndigt zu haben, dass es ihm jedoch aus vielen Ecken entgegen gehalten wird, mehrheitlich h\u00e4tten seine Stichwahl-W\u00e4hler\/innen ja nur f\u00fcr ihn gestimmt, um Marine Le Pen im Pr\u00e4sidialpalast zu verhindern;<\/li>\n<li>dass die \u201eReform\u201c auch laut Auffassung b\u00fcrgerlicher Kreise zum denkbar ung\u00fcnstigen Zeitpunkt kommt, also inmitten wachsender Inflations- respektive Preissteigerungs-Angst und sonstiger Krisenlasten;<\/li>\n<li>und dass zumindest im derzeitigen Zustand die Rentenkassen kein Defizit aufweisen wie bspw. bei der ersten massv umk\u00e4mpften Renten\u201ereform\u201c im Herbst 1995 (im Nachklang der Rezessionsjahre 1992 und 93) oder der letzten massiv umk\u00e4mpften, der \u201eReform\u201c unter Nicolas Sarkozy im Herbst 2010, im Nachklang der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008\/09. Jedenfalls derzeit weist die franz\u00f6sische Rentenkasse sogar \u00dcbersch\u00fcsse auf.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Umstritten ist hingegen, ob dies so bleiben wird. Die Regierung behauptet, dass \u201enein\u201c, und dass deswegen dringend Einschnitte geboten seien. Der rentenpolitische Sachverst\u00e4ndigenrat COR (<em>Conseil d\u2019orientation des retraites<\/em>) sieht zwar mit der Verrentung geburtenstarker Jahrg\u00e4nge des Babyboom-Zeitalters ein Defizit bis zu zehn Milliarden j\u00e4hrlich \u2013 bei einem Gesamtbudget von 350 Milliarden Euro pro Jahr ein relativ vernachl\u00e4ssigbarer Beitrag, der durch Steuerungsinstrumente im Sozialabgabenbereich leicht hereinzuholen w\u00e4re \u2013 bis 2030 vor; danach im Laufe des Jahrzehnts allerdings auch wieder eine Erholung. Und dies auch nur in einem von vier Szenarien, dem pessimistischen. Der Vorsitzende des COR, Pierre-Louis Bras, wies in einer Sitzung des Sozialausschusses vorige Woche selbst darauf hin, im Gegensatz zu interessierten Unterstellungen von b\u00fcrgerlicher gebe es keine \u201eau\u00dfer Kontrolle geratenden\u201c Kosten oder Defizite der Rentenversicherung. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.lindependant.fr\/2023\/01\/21\/reforme-des-retraites-le-monsieur-retraites-met-il-vraiment-a-mal-la-position-du-gouvernement-sur-la-necessite-de-la-reforme-10942243.php\">https:\/\/www.lindependant.fr\/2023\/01\/21\/reforme-des-retraites-le-monsieur-retraites-met-il-vraiment-a-mal-la-position-du-gouvernement-sur-la-necessite-de-la-reforme-10942243.php<\/a>) Und wenn das Regierungslager ein in seiner Darstellung problematisches \u201eAuseinanderklaffen von steigender Lebenserwartung und sinkender Bev\u00f6lkerungszahl\u201c bis\u2026 2070 hochrechnet, dann st\u00f6\u00dft das auf massive Kritik etwa des Demographen Herv\u00e9 Le Bras in der Pariser Abendzeitung <em>Le Monde<\/em>: Es sei unseri\u00f6s, derart langfristige Prognosen zu treffen, ohne darauf hinzuweisen, dass Faktoren wie die Entwicklung der Arbeitsproduktivit\u00e4t oder eventuelles Bev\u00f6lkerungswachstum (auch durch Einwanderung) statt -r\u00fcckgangs in einer solchen Zeitperspektive nicht klar voraussagbar seien.&nbsp; [Von Weltsozialismus oder Weltkrieg spricht der Mann dabei gar nicht erst\u2026] Und wenn die Regierung eine rapide Erh\u00f6hung der Lebenserwartung prognostiziere, so sei zu konstatieren, dass diese zwar in den sp\u00e4ten 1970er und in den 1980er durch medizinische Erfolge rasant wuchs, derzeit jedoch eher stagniert. ( <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/politique\/article\/2023\/02\/04\/herve-le-bras-les-scenarios-du-conseil-d-orientation-des-retraites-sont-irrealistes-en-matiere-de-mortalite_6160507_823448.html\">https:\/\/www.lemonde.fr\/politique\/article\/2023\/02\/04\/herve-le-bras-les-scenarios-du-conseil-d-orientation-des-retraites-sont-irrealistes-en-matiere-de-mortalite_6160507_823448.html<\/a>)<\/p>\n<p>Hinzuzuf\u00fcgen w\u00e4re, dass unter anderem aufgrund steigender Lebensarbeitszeit und regressiver Renten\u201ereformen\u201c sogar mit ihrem R\u00fcckgang gerechnet werden kann\u2026<\/p>\n<p>Aus all diesen Gr\u00fcnden sehen selbst relativ b\u00fcrgerliche Kreise derzeit keinen \u201eBedarf\u201c an einer neuerlichen regressiven Rentenreform in Frankreich, nach jenen von 1993 und (nachdem jene 1995 geplante verhindert werden konnte) 2003 sowie 2010 und 2014.<\/p>\n<p>Auf diesen Unmut auch bis tief in b\u00fcrgerliche Kreise hinein reagiert derzeit vor allem die Oppositionsfraktion von LR, indem sie ihre Anforderungen f\u00fcr einen politischen Kompromiss mit dem Regierungslager hochschreibt. Dabei ergibt sich die paradox wirkende Situation, dass just die Partei LR \u2013 die in ihrem Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf von 2022 (jener endete mit einem mageren Ergebnis von nur 4,7 Prozent f\u00fcr die fr\u00fchere Regierungspartei) u.a. eine Anhebung des Rentenmindesteintrittsalters von 62 auf 65 sowie die Anhebung der Beitragsjahre von derzeit 42 auf 45 im Wahlprogramm stehen hatte, also h\u00e4rtere Beschl\u00fcsse als die derzeit geplanten \u2013 vom Regierungslager soziale Zugest\u00e4ndnisse bei der \u201eReform\u201c einfordert. Sei es, um sich (auch gegen\u00fcber ihrer eigenen W\u00e4hler\/inne\/n) g\u00fcnstig zu profilieren, oder sei es, um Macrons Reformpl\u00e4ne zu kippen und dann selbst 2027 anzutreten, um \u201eendlich die notwendige Reform anzupacken\u201c\u2026<\/p>\n<p>Als Kompromisslinie zwischen dem Macron-Lager und der Oppositionsfraktion LR deutet sich derzeit an, dass Premierministerin Borne noch zus\u00e4tzliche Ausnahmen f\u00fcr jene einbaut, die in fr\u00fcheren Jahrzehnten in sehr jungem Alter zu arbeiten anfingen. Bislang waren drei abgestufte Regelungen vorgesehen, die einen Abgang in j\u00fcngerem Alter als 64 erlauben sollten: f\u00fcr jene, die vor dem Alter von 16 schon arbeiteten (mindestens f\u00fcnf Quartale); jene, die zwischen 16 und 18 zu arbeiten anfingen; und jene, die ab 18 doch vor 20 bereits lohnabh\u00e4ngig arbeiteten. Dies war eine Stufe mehr als zur Zeit der Sarkozy-Renten\u201ereform\u201c von 2010, die zwei Ausnahmeregeln und damit fr\u00fchere Renteneintrittsstufen statt nunmehr drei vorsah. Nunmehr fordern LR-Abgeordnete eine vierte Stufe f\u00fcr jene, die im zwanzigsten Lebensjahr, also zwischen 20 und 21 arbeiteten und zugleich volle 43 Beitragsjahre zusammenhaben. Diese sollen ab fr\u00fchestens 63 in Rente gehen d\u00fcrfen. LR-Abgeordnete (unter ihnen Julien Aubert, er z\u00e4hlt grunds\u00e4tzlich eher zum rechten Hardlinerfl\u00fcgel) forderten am Wochenende eine solche Ausnahme bereits ab einem eingezahlten Quartal&nbsp; \u2013 in die Rentenkasse einbezahlt \u2013 \u201evor 21\u201c. LR-Fraktionsvorsitzender Olivier Marleix haute hingegen auf den Tisch und erkl\u00e4rte, dies sei ein Unding, dann gen\u00fcge ja bereits \u201eein Ferienjob\u201c, um schon mit 63 statt mindestens 64 den Abgang machen zu d\u00fcrfen..<\/p>\n<p>Ob wirklich alle sechzig Abgeordneten von LR oder ein Gro\u00dfteil am Ende auf eine einheitliche Linie kommen werden, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p>Unterdessen brachte die Linksopposition in Gestalt des aus vier Fraktionen bestehenden \u00fcberparteilichen B\u00fcndnisses NUPES (franz\u00f6sische KP, linkspopulistische Wahlplattform LFI, Rest-Sozialdemokratie, Gr\u00fcne) rund 20.000 \u00c4nderungsantr\u00e4ge zum Text an. Darunter befinden sich sowohl inhaltliche Antr\u00e4ge als auch solche, die darauf hinauslaufen, eine Zahlenschreibung durch ein Ausschreiben in Worten zu ersetzen usw. Durchaus in dem Ansinnen, dabei gerne auch einen parlamentarischen St\u00f6rfaktor darzustellen.<\/p>\n<p>Dagegen stellt die rechtsextreme Parlamentsopposition in Gestalt des RN \u2013 die sich nun anders positionieren muss \u2013 die Behauptung, die Linksfraktionen machten sich bewusst zu \u201en\u00fctzlichen Idioten\u201c des Macron-Lagers. Seri\u00f6se Gegenwehr liefere nur man selbst. Der RN reichte rund 200 \u00c4nderungsantr\u00e4ge an, von denen einige allerdings identisch sind und Kopien benachbarter Antr\u00e4ge, nur mit der Unterschrift eines jeweils anderen Abgeordneten, darstellen. Der rechtsextreme Abgeordnete (und fr\u00fchere konservative Transportminister der Sarkozy-Jahre, w\u00e4hrend der Renten\u201ereform\u201c von 2010 als Minister im Amt) Thierry Mariani rechtfertigte dies am sp\u00e4ten Sonntag Abend im 23 Uhr-Interview beim Sender BFM TV: Es sei durchaus normal, dass 25 Abgeordnete denselben Antrag stellen, denn dies erlaube es 25 Abgeordneten, Rederecht zur Begr\u00fcndung ihres Antrags zu erhalten. Der RN k\u00e4mpft (symbolisch und verbal, im Parlament) vor allem gegen den Artikel 7, welcher das gesetzliche Mindestalter f\u00fcr einen Abgang in Rente auf 64 (ab dem Jahr 2030) festschreiben soll.<\/p>\n<p>Zum Rest sagt die Rechtsopposition nicht so sehr viel, abgesehen davon, dass er eine Zauberformel anbietet: \u201eVolksabstimmung \u00fcber die Reform\u201c. (Eine fragw\u00fcrdige L\u00f6sung, zumal ja dann die Frage aufgeworfen w\u00fcrde, welche Version einer \u201eReform\u201c genau dem Stimmvolk vorgelegt wird \u2013 und ob ein Votum die Regierenden auch dann bindet, wenn die Inhalte abgewandelt werden. Allerdings hatte auch Linkspopulist Jean-Luc M\u00e9lenchon von der Wahlplattform LFI 2019\/2020, beim gescheiterten letzten Regierungsanlauf zu einer Renten\u201ereform\u201c, zeitweilig lautstark eine \u201eReferendums\u201c-L\u00f6sung propagiert. Derzeit steht diese Forderung bei ihm nicht so sehr im Mittelpunkt, jedoch noch immer im Programm von LFI.)<\/p>\n<p>Da es mehrere \u00e4hnlich lautende Antr\u00e4ge zum Beginn der Parlamentsdebatte gegeben hatte, wurde per Los gezogen, welche zur Befassung in das Plenum gegeben werden \u2013 Macron-Regierungslager und rechtsextreme Opposition stimmten gemeinsam diesem Verfahren zu. Und so wurde ausgelost, dass das Linksb\u00fcndnis NUPES einen Nichtbefassungsantrag verteidigt, jedoch der RN publikumswirksam seine \u201eVolksabstimmungs\u201cformel im Parlamentsplenum verteidigen wird. Und sich dar\u00fcber also profilieren kann.<\/p>\n<p>Bei den Demonstrationen und Streiks ist die extreme Rechte jedoch abwesend, auch wenn Mariani in seinem Sonntagabends-Interview behauptete, die eigenen Leute seien dort \u201ezahlreich\u201c dabei, auch wenn sie sich nicht sonderlich zu kennen g\u00e4ben. Dass rechtsextreme Prominenz dort nicht auftaucht, begr\u00fcndete er damit, Gewerkschaftsvorsitzende \u2013 er nannte CGT-Chef Philippe Martinez explizit \u2013 wollten dies ja nicht. (Tats\u00e4chlich hatte sich Martinez seit dem 10. Januar 23, dem Tag des Bekanntwerdens der Konturen der Renten\u201ereform\u201c, explizit gegen eine RN-Beteiligung ausgesprochen. Aus guten Gr\u00fcnden.) Um den demagogischen Schwenker hinzulegen, diese Gewerkschaftsfunktion\u00e4re \u2013 so fuhr Mariani fort \u2013 h\u00e4tten ja bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl 2002 zur Wahl Emmanuel Macrons aufgerufen. Dies h\u00e4tten sie nun davon. (Auch wenn ihre Position in Wirklichkeit lautete: \u201eKeine Stimme f\u00fcr Marine Le Pen!\u201c, was zwischen einer Wahl des Liberalen Macron, Stimmenthaltung und Ung\u00fcltigstimmen mehrere Optionen offen hielt.)<\/p>\n<p>Jedenfalls d\u00fcrfte fest stehen, dass in dem Falle, dass Gewerkschaften und Linke in dieser Auseinandersetzung unterliegen sollten, die rechtsextreme Pseudo-Alternative bereit stehen wird, laut zu krakeelen\u2026 Obwohl diese ihre 2010-12 kurzzeitig vertretene Position \u201eRente ab 60\u201c (\u00fcbernommen u.a. von der CGT) l\u00e4ngst aufgegeben hat. Der RN verteidigt lediglich eine Rente ab 42 Beitragsjahre, die f\u00fcr manche Lohnabh\u00e4ngige vor 64, f\u00fcr sehr viele jedoch sp\u00e4ter ab 64 erfolgen w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p>Unterdessen stellt sich die Frage, wann Quantit\u00e4t (sehr massive Protestz\u00fcge) auch, bei einem Nicht-Nachgeben der Regierung an zentralen Konfliktpunkten, in Qualit\u00e4t in Gestalt von auch unbefristeten Arbeitsk\u00e4mpfen umschlagen k\u00f6nnte. (Vgl. auch <a href=\"https:\/\/rapportsdeforce.fr\/classes-en-lutte\/mobilisation-retraites-le-7-et-11-fevrier-la-strategie-de-lintersyndicale-decryptee-013116324\">https:\/\/rapportsdeforce.fr\/classes-en-lutte\/mobilisation-retraites-le-7-et-11-fevrier-la-strategie-de-lintersyndicale-decryptee-013116324<\/a>)<\/p>\n<p>Wir erw\u00e4hnten an dieser Stelle am vorigen Freitag, den 03. Februar 23, zwei von mehreren Gewerkschaften bei der franz\u00f6sischen Bahngesellschaft SNCF h\u00e4tten bereits f\u00fcr diese Woche einen unbefristeten Streik im Transportsektor favorisiert, die Mehrzahl der Branchenverb\u00e4nde jedoch nicht. Bei den beiden handelt es sich um die CGT Cheminots (\u201eCGT Eisenbahner\u201c sowie SUD Rail (\u201eSUD Schienenverkehr\u201c).<\/p>\n<p>Diese beiden linkeren Bahngewerkschaften rufen unterdessen dazu auf, am Dienstag, den 07. Februar, aber auch zumindest am Mittwoch, den 08. Februar zu streiken, also ein wenig \u00fcber den allgemeinen Aktionstag hinaus \u2013 wohl auch, um die Kampfkraft der Basis zu testen.<\/p>\n<p>Seitens von SUD Rail betonte jedenfalls Eric Meyer, einer ihrer Sprecher, die Frage eines unbefristeten Streiks sei f\u00fcr seinen Verband eher eine Frage des \u201eWann\u201c denn des \u201eOb\u201c. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/greves\/sud-rail-et-la-cgt-cheminots-appellent-les-cheminots-a-debrayer-le-7-et-le-8-fevrier_VN-202301310692.html\">https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/greves\/sud-rail-et-la-cgt-cheminots-appellent-les-cheminots-a-debrayer-le-7-et-le-8-fevrier_VN-202301310692.html<\/a>)<\/p>\n<p>Bei der CGT wollen sich unterdessen vier Branchenverb\u00e4nde, unter anderem in den Raffinerien und bei der Bahngesellschaft SNCF, bez\u00fcglich weiteren Streikvorgehens koordinieren. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Reconductible-les-federations-CGT-energie-petrochimie-cheminots-et-ports-veulent-se-coordonner\">https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Reconductible-les-federations-CGT-energie-petrochimie-cheminots-et-ports-veulent-se-coordonner<\/a> )<\/p>\n<p>Siehe zuletzt: <strong>Frankreich am 31. Januar: Riesig\u2026 Aber nun, wie weiter? <\/strong><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=208496\">Artikel von Bernard Schmid vom 3.2.2023<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Und mehr Informationen\/Hintergr\u00fcnde\/Aufrufe im Dossier: <a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=204343\">Frankreichs Pr\u00e4sident Macron will \u00bbRentenreform\u00ab jetzt aber doch durchboxen \u2013 Gewerkschaften k\u00fcndigen Widerstand an<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/gewerkschaften-frankreich\/frankreich-es-wird-ernst-um-die-rentenreform\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Februar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. 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