{"id":12648,"date":"2023-02-20T12:15:23","date_gmt":"2023-02-20T10:15:23","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12648"},"modified":"2023-02-20T12:15:24","modified_gmt":"2023-02-20T10:15:24","slug":"was-man-ueber-die-vorgeschichte-des-ukrainekriegs-nicht-wissen-darf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12648","title":{"rendered":"<strong>Was man \u00fcber die Vorgeschichte des Ukrainekriegs nicht wissen darf<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Johannes Schillo. <\/em><strong>Wer gegen die verordnete Amnesie in Sachen neue Weltkriegslage antritt, hat in der \u00d6ffentlichkeit kaum noch eine Chance<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem 24. Februar 2022, dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, soll sich die Welt komplett ver\u00e4ndert haben. Ein v\u00f6lkerrechtswidriger Angriffskrieg soll eine ganz neue au\u00dfenpolitische<!--more--> Lage geschaffen, ein brutaler Akt \u2013 eine Ausgeburt Putinscher B\u00f6sartigkeit \u2013 aus heiterem Himmel die europ\u00e4ische Friedensordnung zerst\u00f6rt haben. Die deutsche Au\u00dfenministerin teilte mit, dass sie an diesem Tag \u201ein einer anderen Welt aufgewacht\u201c sei (tagesschau.de, 24.2.23). Auch aus der Opposition, von CSU-Weber, hie\u00df es: \u201eEs ist eine neue Welt, in der wir leben\u201c (bild.de, 24.2.23).<\/p>\n<p>Der au\u00dfenpolitische CDU-Experte R\u00f6ttgen legte ein paar Wochen nach Kriegsbeginn unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/nie-wieder-hilflos-26204\">\u201eNie wieder hilflos!\u201c<\/a> gleich sein \u201eau\u00dfen- und sicherheitspolitisches Manifest\u201c vor, das eingangs feststellte: \u201eDas vor Kurzem Unvorstellbare ist geschehen: Der Krieg ist zur\u00fcckgekehrt nach Europa.\u201c Nat\u00fcrlich ist dem Mann bewusst, dass es vorher schon \u201ekriegerische Akte\u201c gegeben hat, auch in Europa. Aber das \u00e4ndert f\u00fcr ihn nichts daran, dass jetzt der Grund f\u00fcr die \u201eZeitenwende\u201c gelegt wurde, die Kanzler Scholz wenige Tage nach Kriegsbeginn ausrief \u2013 einem Sachzwang folgend, der dem angeblich \u201ev\u00f6llig \u00fcberraschten\u201c und \u201ehilflosen\u201c Deutschland keine andere Wahl lie\u00df.<\/p>\n<p><strong>Das Trio der Kriegsl\u00fcgen<\/strong><\/p>\n<p>Dass Kriege kein Novum f\u00fcr Europa sind, dass v\u00f6lkerrechtswidrige Kriege auch unter F\u00fchrung der USA und Beteiligung von NATO-Staaten, inklusive Deutschland, stattfanden, wird dabei definitiv ausgeblendet. Und die ganze Vorgeschichte des Ukrainekriegs, zu der nicht nur die massive Aufr\u00fcstung des Westens, sondern auch ein rund achtj\u00e4hriger Krieg der Kiewer Zentrale gegen abtr\u00fcnnige Volksteile im Osten des Landes geh\u00f6rte, darf nicht zur Sprache kommen.<\/p>\n<p>Die drei zentrale L\u00fcgen \u2013 die R\u00fcckkehr des Krieges, der absolute Unrechtscharakter des V\u00f6lkerrechtsversto\u00dfes und die unmotivierte bzw. unprovozierte russische Invasion \u2013 haben dabei den Charakter einer offen angesagten Amnesie, die regelrecht gegen kritische Nachfragen und Bedenken in Stellung gebracht wird. Und die von den Medien in erstaunlicher Einm\u00fctigkeit geteilt, ja zu einem Auftrag gemacht wird, auf die so banalen wie naheliegenden skeptischen Nachfragen Acht zu geben und dabei staatstreu gegen abweichende Meinungen vorzugehen (vgl. <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/was-heutzutage-wissenschaftlich-untragbar-ist\/\">\u201eWas heutzutage wissenschaftlich untragbar ist\u201c<\/a>). Die Medien k\u00f6nnen also nicht nur l\u00fcgen, wie Renate Dillmann in ihrer <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/medien-kampagne-fuer-leos\/\">Analyse der \u201eLeo-Kampagne\u201c<\/a> j\u00fcngst festhielt, sondern regelrecht als Aktivisten einer Kriegspropaganda auftreten, die den Druck einer Vierten Gewalt ins Spiel bringt und in gewisser Weise Politik macht.<\/p>\n<p>Aber die Unwahrheit zu verbreiten, bleibt in Kriegszeiten \u2013 wo bekanntlich die Wahrheit das erste Opfer der milit\u00e4rischen Handlungen darstellt \u2013 ihre vornehmste Aufgabe. Daher hier im Folgenden eine kurze \u00dcberpr\u00fcfung der g\u00e4ngigen Kriegspropaganda des Westens, d.h. keine Analyse der Kriegsgr\u00fcnde, sondern ein Aufweis der Leichtigkeit, mit der die Volksverdummung Anno Domini 2022 neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt hat.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die R\u00fcckkehr des Krieges<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Klage, dass der Krieg nach Europa zur\u00fcckgekehrt sei, ist von einer derart dreisten Verlogenheit, dass selbst eifernde Aufr\u00fcstungspropagandisten wie R\u00f6ttgen, sozusagen im Kleingedruckten, zugeben m\u00fcssen, dass man sich, wenn man wollte, nat\u00fcrlich an einschl\u00e4gige Milit\u00e4raktionen in \u201eunserer\u201c Welt erinnern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Im Blick auf einen Aktivisten der ukrainische Kriegsbereitschaft w\u00e4re hier etwa die Rolle Gro\u00dfbritanniens im Nordirland-Konflikt zu erw\u00e4hnen. Seit 100 Jahren und in der Folge auch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die britische Armee in ihrer ehemaligen Kolonie Irland Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen brutal bek\u00e4mpft, zahlreiche \u201eKollateralsch\u00e4den\u201c an der Bev\u00f6lkerung verursacht und Kriegsverbrechen begangen, die teilweise bis in die Gegenwart hinein einer Aufarbeitung harren. \u201eDer Umgang mit mutma\u00dflichen Verbrechen durch britische Milit\u00e4rangeh\u00f6rige ist eines der heikelsten Themen des nordirischen Friedensprozesses\u201c, schrieb vor gar nicht langer Zeit der Spiegel (spiegel.de, 11.5.21), als weitere Details zu Massakern an der Bev\u00f6lkerung vor 50 Jahren \u2013 neben dem ber\u00fcchtigten \u201eBloody Sunday\u201c in Derry \u2013 bekannt wurden. (Man stelle sich nur einmal vor, Putins Kriegsverbrechen w\u00fcrden auch erst ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter vor Gericht gebracht\u2026)<\/p>\n<p>Sachlich n\u00e4her liegend ist nat\u00fcrlich der Kosovokrieg von 1999, an dem sich Deutschland beteiligte, nachdem es den Separatismus im jugoslawischen Gesamtstaat \u2013 gerade auch durch ein Vorpreschen gegen\u00fcber den (zeitweise verstimmten) europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten \u2013 jahrelang befeuert und durch einen ersten Milit\u00e4reinsatz in Bosnien seine Rolle als Aufsichtsmacht zur Neuordnung des Kontinents bekr\u00e4ftigt hatte (vgl. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Krieg-in-Europa-Ein-Deja-vu-7449344.html\">\u201eKrieg in Europa\u201c \u2013 Ein D\u00e9j\u00e0-vu!<\/a>). Durch den Wegfall des Ostblocks hatten sich hier ja neue Eingriffsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, die mit diplomatischen, im Notfall aber auch milit\u00e4rischen Mitteln zum Erfolg gef\u00fchrt werden sollten.<\/p>\n<p>Diese von Deutscheuropa aus vorgenommene Neuordnung von Grenzen, Einflusszonen und Statuszuweisungen bildete auch den Ausgangspunkt f\u00fcr den Konflikt, den die Welt derzeit in der Ukraine erlebt. Adressiert (und mit massiver Aufr\u00fcstung wie NATO-Erweiterung fundamentiert) war dies an den postsowjetischen Staat, dem seine Zur\u00fcckstufung zur \u201eRegionalmacht\u201c (Obama) vorbuchstabiert werden sollte.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Der unverzeihliche Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wer den \u201ev\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg\u201c Russlands als das absolut geltende Kriterium zur Verurteilung dieser Kriegspartei nimmt, hat wohl auch \u201eden NATO-Krieg gegen Jugoslawien vergessen\u201c, schreibt Georg Auernheimer. In seiner k\u00fcrzlich erschienenen instruktiven <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/der-ukraine-konflikt.html\">\u00dcbersicht zur Genese des Ukrainekonflikts<\/a> f\u00e4hrt er im Blick auf Jugoslawien fort: \u201eDamals haben 1000 Flugzeuge, darunter deutsche, zweieinhalb Monate lang St\u00e4dte und Industrieanlagen bombardiert und nicht nur Infrastruktureinrichtungen, sondern auch Kulturinstitutionen und Wohneinheiten zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt\u201c \u2013 ein Angriff, der \u201ev\u00f6lkerrechtswidrig\u201c war, \u201eebenso wie 2003 der zweite Krieg gegen den Irak, den die USA gemeinsam mit Gro\u00dfbritannien durchf\u00fchrten\u201c.<\/p>\n<p>Zu erw\u00e4hnen ist in dem Zusammenhang auch, dass bei der Zerlegung Jugoslawiens, wie der Journalist Norbert Mappes-Niediek in seiner neuen, gro\u00df angelegten Studie <a href=\"https:\/\/www.socialnet.de\/rezensionen\/30199.php\">\u201eKrieg in Europa\u201c<\/a> vermerkt, der damalige demokratische Senator Joe <em>Biden <\/em>Kriegstreiber an vorderster Front war. Biden forderte rasches, r\u00fccksichtsloses Zuschlagen: \u201eWenn ich Pr\u00e4sident w\u00e4re, w\u00fcrde ich Milo\u0161evi\u0107 einfach bombardieren\u2026 Die NATO-Verb\u00fcndeten w\u00fcrde ich mitmachen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Von US-Seite hie\u00df es \u00fcbrigens, f\u00fcr eine Intervention sei ein Beschluss des UN-Sicherheitsrates \u201ew\u00fcnschenswert, aber nicht n\u00f6tig\u201c. F\u00fcr Au\u00dfenministerin <em>Albright<\/em> war die Zustimmung der UN aber noch nicht einmal w\u00fcnschenswert, sie schrieb sp\u00e4ter in ihren Memoiren: \u201eW\u00e4re eine Resolution im Sicherheitsrat durchgegangen, so h\u00e4tten wir einen Pr\u00e4zedenzfall geschaffen: n\u00e4mlich dass die Nato f\u00fcr ihr Einschreiten die Zustimmung des Sicherheitsrates br\u00e4uchte.\u201c<\/p>\n<p>Im Fall des Irak sei hier nur noch \u2013 exemplarisch f\u00fcr die zahlreichen V\u00f6lkerrechtsbr\u00fcche der USA \u2013 daran erinnert, dass er mit einer dreisten L\u00fcge angek\u00fcndigt wurde. Der damalige US-Au\u00dfenminister Powell lieferte 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat eine Rede ab, die voller Falschinformationen \u00fcber Iraks Massenvernichtungswaffen war und die man unschwer \u2013 siehe den damaligen Au\u00dfenminister Fischer der BRD, die sich an dem Krieg nicht beteiligte \u2013 als schlichte Rechtfertigung eines Angriffskriegs durchschauen konnte. Sp\u00e4ter \u00e4u\u00dferte Powell, dass dies \u201eder Schandfleck seiner Karriere\u201c war \u2013 <a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/2023\/02\/05\/der-us-schandfleck-wie-usa\/\">\u201emit 300.000 toten Zivilisten im Irak\u201c<\/a>. So billig ist f\u00fcr eine Supermacht ein Bruch des V\u00f6lkerrechts zu haben: bestenfalls ein paar warme Worte Jahre sp\u00e4ter\u2026<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Der unprovozierte \u201eZivilisationsbruch\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Dass der Krieg v\u00f6llig \u00fcberraschend \u00fcber einen hilflosen Westen hereinbrach, ist genau so grotesk. Der <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/krass-konkret\/der-ukrainekrieg-und-seine-vorgeschichte\/\">Ukrainekrieg und seine Vorgeschichte<\/a> sind ausf\u00fchrlich dokumentiert worden, man sehe sich etwa auf den Internetmagazinen Telepolis und Overton die Beitr\u00e4ge seit Anfang 2020 an, die vor dem herannahenden Krieg warnten und die die einzelnen Schritte der westlichen Kriegsvorbereitung \u2013 auch in mentaler und kultureller Hinsicht (so z.B. bei der <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Massenunterhaltung-fuer-Vorkriegszeiten-6303303.html\">\u201eMassenunterhaltung f\u00fcr Vorkriegszeiten\u201c<\/a>) \u2013 zum Thema machten. Der Au\u00dfenpolitik-Experte J\u00f6rg Kronauer, Redakteur von german foreign policy, hat dazu im Fr\u00fchjahr 2022 sein Buch \u201e<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/geschichte\/der-aufmarsch-vorgeschichte-zum-krieg.html?listtype=search&amp;searchparam=J\u00f6rg%20kronauer%20Der%20Aufmarsch%20-%20Vorgeschichte%20zum%20Krieg\">Der Aufmarsch \u2013 Vorgeschichte zum Krieg\u201e<\/a> vorgelegt, das redaktionell bereits vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine abgeschlossen wurde und das sich in den milit\u00e4rstrategischen Details als zuverl\u00e4ssig erwies (auch wenn der Autor noch seine Hoffnung auf eine Deeskalation setzte) .<\/p>\n<p>Auernheimer hat das jetzt mit seiner Ver\u00f6ffentlichung dar\u00fcber, wie Russlands Nachbar zum Kriegsschauplatz wurde, fortgesetzt. Der Autor bietet eine ausgezeichnete \u00dcbersicht \u00fcber die Fakten, die in der politischen \u00d6ffentlichkeit regelrecht unterschlagen werden. Die Emp\u00f6rung \u00fcber den russischen Angriffskrieg \u2013 die es in dieser Form bei den NATO-V\u00f6lkerrechtsverst\u00f6\u00dfen oder Angriffskriegen nie gegeben hat \u2013 sei leicht zu erzeugen gewesen, so der Autor, da die meisten Menschen im Westen \u201enichts von den Angriffen der Ukraine auf St\u00e4dte und D\u00f6rfer seit 2014 wussten, nichts wissen konnten, weil die Medien dar\u00fcber nie berichtet hatten. Der Anschluss der Krim an die Russische F\u00f6deration war zur Annexion erkl\u00e4rt worden, ohne dass jemals in Reportagen und Berichten die Interessenlage der dortigen Bev\u00f6lkerung gepr\u00fcft worden w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p>Den geopolitischen und geschichtlichen Kontext des Konflikts, Details zu den gigantischen Aufr\u00fcstungsma\u00dfnahmen des Westens tr\u00e4gt Auernheimer nach; er informiert \u00fcber den Putsch des Euro-Maidan und die nachfolgenden \u201eantiterroristischen\u201c Operationen, mit denen das Kiewer Regime im Grunde eine ethnische S\u00e4uberung des Landes, n\u00e4mlich seine Befreiung vom russischen bzw. russischsprachigen Einfluss und ein v\u00f6lkisch strikt abgegrenztes Nation Building durchsetzen wollte. Dazu gibt es auch R\u00fcckblicke auf die verh\u00e4ngnisvolle nationalistische Tradition der ukrainischen Staatsgr\u00fcndungsaktivisten. Eine Tradition, die im Westen meistens verharmlost wird, da sich die einstmals starken neofaschistischen Kr\u00e4fte in der Ukraine nicht mehr als eigene politische Kraft formieren, sondern in den Staats- und Milit\u00e4rapparat integriert wurden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dass bei den hiesigen Produzenten und Konsumenten der \u00f6ffentlichen Meinung das Ignorieren solcher Sachverhalte \u2013 deren Aufdeckung wahrlich keiner gro\u00dfen analytischen Anstrengung bedarf \u2013 fl\u00e4chendeckend gegriffen hat, ist ein bemerkenswerter Akt der Volksverdummung. Analoge Vorg\u00e4nge, das sei hier nur am Rande vermerkt, kann man nat\u00fcrlich auch in der \u00d6ffentlichkeit der Russischen F\u00f6deration beobachten, wo zudem staatliche Zensurma\u00dfnahmen notwendig waren, um einen (anscheinend nicht ganz linientreuen) Medienbetrieb gleichzuschalten. In Deutschland haben die Redaktionen das freiwillig erledigt\u2026<\/p>\n<p>Diese erstaunliche Geistesleistung, banale Fakten auszuklammern und damit R\u00e4tsel \u00fcber die b\u00f6sartigen oder irrsinnigen Absichten des gegnerischen Kriegsherren zu verfertigen, sollte man aber nicht auf fehlende intellektuelle Kapazit\u00e4ten zur\u00fcckf\u00fchren. Hier wird vielmehr eine Gesinnungswende praktiziert, die auf einem festen geistigen Fundament gr\u00fcndet und die eigentlich gar nicht viel an Wende und Umstellung mit sich bringt.<\/p>\n<p>Dazu abschlie\u00dfend nur ein Hinweis: Wenn die deutsche Au\u00dfenministerin Russland jetzt einen \u201eBruch der Zivilisation\u201c vorwirft und damit \u201eunmittelbar an den Begriff \u201aZivilisationsbruch\u2018 (erinnert), der oft im Zusammenhang mit dem Holocaust verwendet wird\u201c (taz.de, 29.11.22), dann kassiert die gr\u00fcne Politikerin den Ertrag einer moralischen Veranstaltung ein, die in der BRD gerade von gr\u00fcner Seite besondere Unterst\u00fctzung fand: die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung in Sachen NS. Man bew\u00e4ltigte die Nazi-Herrschaft n\u00e4mlich so, dass man gegen das absolute B\u00f6se der damaligen Staatsmacher die eigene G\u00fcte herausstellte. Indem man sich zur Singularit\u00e4t eines Menschheitsverbrechens bekannte, hatte man den singul\u00e4ren Charakter seiner nationalen L\u00e4uterung unter Beweis gestellt.<\/p>\n<p>Dank diesem Moralismus, der die landl\u00e4ufige patriotische Moral bediente und veredelte (teils auch provozierte), kann Deutschland mittlerweile mit imperialer Selbstgerechtigkeit auftrumpfen. Die Nation, die einst mit der Zivilisation brach, hat \u2013 weil sie den Fehler ihres damaligen imperialistischen Alleingangs eingesehen hat \u2013 alles Recht der Welt, andere Nationen an den Pranger zu stellen. Kurz gesagt, wie es im Overton-Magazin knapp zwei Wochen vor Kriegsbeginn hie\u00df, <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/krass-konkret\/deutschland-bleibt-sich-treu-und-der-neue-feind-der-alte-russland\/\">Deutschland bleibt sich treu und der neue Feind der alte: Russland!<\/a><\/p>\n<p><em>#Bild: 2014 nach heftigen K\u00e4mpfen zerst\u00f6rter Flugplatz von Donezk. <\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:War_damages_in_Donetsk_International_Airport#\/media\/File:Ruins_of_Donetsk_International_airport_(16).jpg\"><em>Bild<\/em><\/a><em>: DPR\/<\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\"><em>CC BY-SA-3.0<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/was-man-ueber-die-vorgeschichte-des-ukrainekriegs-nicht-wissen-darf\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. Februar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Schillo. 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