{"id":12662,"date":"2023-02-22T16:18:22","date_gmt":"2023-02-22T14:18:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12662"},"modified":"2023-02-22T16:18:24","modified_gmt":"2023-02-22T14:18:24","slug":"das-schwein-e-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12662","title":{"rendered":"<strong>Das Schwein-e-System<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Wolf Wetzel<\/em><strong>.Wenn der \u201eKampf gegen den Antisemitismus\u201c genau das macht, was den Kern Antisemitismus ausmacht: von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen abzulenken und sie zu besch\u00fctzen.<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Documenta 15 in Kassel wurde unter anderem die indonesische K\u00fcnstlergruppe Ruangrupa <!--more-->eingeladen. Sie stellte ein gro\u00dfes Wandgem\u00e4lde aus, mit Dutzenden von Motiven in street-art oder agitprop-style. Eigentlich h\u00e4tte man sich mit dieser Einladung br\u00fcsten k\u00f6nnen und sollen. Seht her, wie offen und diskursiv wir mit der kolonialen Vergangenheit umgehen. Doch dann stieg man in die H\u00f6lle der Details und fand Motive, die zu viel Gegenwart transportierten: Das eine zeigt mehrere soldaten-\u00e4hnliche Wesen in Uniform. Hinter ihnen stehen oder fliegen Atomraketen. Die drei Soldaten tragen Helme und haben eine schweins\u00e4hnliche Nase. Die Soldaten verk\u00f6rpern ganz offensichtlich die Einmischungen vom Ausland, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine blutige Diktatur im Lande. Der erste Soldat tr\u00e4gt als Inschrift \u201e<em>Asia<\/em>\u201c, der zweite wird mit \u201e<em>Mossad<\/em>\u201c markiert und tr\u00e4gt ein Halstuch mit einem Davidstern darauf. Der dritte Soldat hat als Namenschild \u201e<em>Intel<\/em>\u201c, ziemlich leicht als Symbol f\u00fcr die wirtschaftliche Einmischung der USA zu dechiffrieren.<\/p>\n<p>Man h\u00e4tte die K\u00fcnstlergruppe selbst zu Wort kommen lassen. Sie hatte sich klar zu dem Banner erkl\u00e4rt und zur Bedeutung von Bildsprache ge\u00e4u\u00dfert:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Banner-Installation People\u2019s Justice (2002) ist Teil einer Kampagne gegen Militarismus und die Gewalt, die wir w\u00e4hrend der 32-j\u00e4hrigen Milit\u00e4rdiktatur Suhartos in Indonesien erlebt haben und deren Erbe, das sich bis heute auswirkt. Die Darstellung von Milit\u00e4rfiguren auf dem Banner ist Ausdruck dieser Erfahrungen. Alle auf dem Banner abgebildeten Figuren nehmen Bezug auf eine im politischen Kontext Indonesiens verbreitete Symbolik, z. B. f\u00fcr die korrupte Verwaltung, die milit\u00e4rischen Gener\u00e4le und ihre Soldaten, die als Schwein, Hund und Ratte symbolisiert werden, um ein ausbeuterisches kapitalistisches System und milit\u00e4rische Gewalt zu kritisieren (\u2026)<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Statt sich damit auseinanderzusetzen, switschte man in den post-kolonialen Modus: Erst deckte man das Wandgem\u00e4lde zu, dann lie\u00df man es entfernen. Unter sich und mit sich im reinen erkl\u00e4rten sie sinnfrei das Wandbild f\u00fcr entart \u2026 sorry, f\u00fcr einen ganz schlimmen Ausdruck von Antisemitismus.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich verlor man in diesem heldenhaften Kampf gegen den Antisemitismus kein Wort \u00fcber die \u00dcberschrift dieses Wandbildes:<\/p>\n<p><em>\u201eThe expansion of \u201amulticultural\u2018 state hegemony.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Kann es sein, dass genau dieser Titel die Fassade der Multikulturellen in Deutschland so richtig ange\u00e4tzt hat? \u201eMultikulturalit\u00e4t\u201c als Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr unentwegte westliche Dominanz und Hegemonieanspr\u00fcche? Im Namen all jener, die heute mehr denn je, mehr <em>Diversit\u00e4t im Ich-Sein<\/em> mit ganz viel <em>Krieg f\u00fcrs Wir-Sein<\/em> zusammenbringen.<\/p>\n<p><strong>Das fliegende Ballon-Schwein<\/strong><\/p>\n<p>Der Pink-Floyd-Mitbegr\u00fcnders Roger Waters will am 28. Mai 2023 ein Konzert in der Festhalle auf dem Frankfurter Messegel\u00e4nde geben. Eigentlich m\u00f6gen alle Pink Floyd. Diese Band geh\u00f6rt schon fast zum Weltkulturerbe. W\u00e4re da nicht das rosa Schwein. Nun ziehen Aufrufe zu Konzertverboten durchs ganze Land.<\/p>\n<p>Worum geht es?<\/p>\n<p>Nun, wie so oft gibt es einen Aufh\u00e4nger.<\/p>\n<p><em>1977 zeigt das Album \u201eanimals\u201c von Pink Floyd ein rosa Schwein, das zwischen zwei Fabrikschornsteinen schwebt. Roger Waters hat dieses Ballonschwein seit vielen Jahren in Gro\u00dfveranstaltungen eingesetzt. Es wird wie eine Wand (The Wall) eingesetzt und vor den Konzerten immer wieder neu mit Graphities bemalt. <\/em><em>\u00dcber die Jahre wurde es mit diversen Symbolen und Slogans bemalt: \u201estay human\u201c, \u201eMenschlich bleiben\u201c, \u201eignorant lying racist sexist pig\u201c, \u201eTrump and his wall\u201c, \u201eTogether we stand, devided we fall\u201c, \u201eTrust Us (mit Hammer und Sichel und mit gekreuzten H\u00e4mmern)\u201c, der Merzedesstern, \u201eFuck the police\u201c, ein trauriges Smiley, ein Sarg mit Kreuz, \u201eDon\u2019t be led to the slaughter\u201c, \u201etorture\u201c, \u201etorture shames us all\u201c, \u201ereligions devide\u201c, \u201eall religions divide\u201c, \u201ehey killers leave our kids alone\u201c, \u201esteal from the poor, give to the rich\u201c, \u201ewelcome to the machine\u201c, Trump der schreit: \u201eI won\u201c, \u201edrink kalashnikov vodka\u201c, Dollarzeichen, \u201etodos peruanos somos iguales\u201c, \u201eno a la discriminacion\u201c, \u201esean humanos\u201c, \u201erestiamo umani\u201c, \u201efear builds walls\u201c, ein peacezeichen, \u201ekafka rules\u201c, like-zeichen, Stacheldraht, \u201emy idea right or wrong\u201c, \u201eACAB\u201c, \u201eelbit systems\u201c, das Shell-Logo, \u201ewhat\u2019s wrong with people?\u201c, ein Davidstern usw usw. <\/em><em>(Blickwinckel161)<\/em><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte also als Stein des Ansto\u00dfes auch die Parole: \u201e<em>steal from the poor, give to the rich<\/em>\u201c oder \u201e<em>torture shames us all<\/em>\u201c, also: Folter besch\u00e4mt uns alle \u2026 nehmen. Aber nein, dar\u00fcber wollen die Profi-Emp\u00f6rten nicht reden.<\/p>\n<p>Ihnen reicht der Davidstern auf einem rosa Plastikschwein. Das nennt man auch Affekt-Politik. Wenn man damit lange genug B\u00fcrgerInnen aufgezogen hat, dann ist allen klar: Ein David-Stern auf einem Schwein kann nur purer Antisemitismus sein. Bravo. Setzen. Wer ganz fortgeschritten ist, spricht dann auch ganz gescheit vom eliminatorischen, vom sekund\u00e4ren bis terti\u00e4ren Antisemitismus (Antisemitismus ohne Antisemitismus).<\/p>\n<p><strong>Das Ballon-Schwein als Luftnummer<\/strong><\/p>\n<p>Was verbirgt sich hinter dieser Luftnummer. Man kann sagen, dass es um recht viel geht, n\u00e4mlich um das politische Engagement des Pink-Floyd-Mitbegr\u00fcnders Roger Waters. F\u00fcr gew\u00f6hnlich sind solche Superstars reich (geworden) und wollen in Ruhe ihr luxuri\u00f6sen Leben genie\u00dfen. Also kein Streit, der das vorgezeichnete Diskursfeld \u00fcberschreitet. Im weltb\u00fcrgerlichen kulturellen Establishment darf man f\u00fcr oder gegen Trump, f\u00fcr oder gegen Rassismus, f\u00fcr Krieg oder gegen den (laufenden und kommenden) Krieg sein. Aber in diesem Diskurskorridor gibt es keinen prominenten Platz f\u00fcr Kritik gegen die Staatspolitik in Israel, also eine Kritik, die \u00fcber das Beklagen von Missst\u00e4nden hinausgeht.<\/p>\n<p>Obgleich die Kampagne \u201e<em>Boycott, Divestment and Sanctions<\/em>\u201c (BDS) an der politischen Linie des Staates Israels nichts ver\u00e4ndert hat, ist diese Kampagne dennoch ein moralisches Damoklesschwert. Denn diese Kampagne bringt drei eminent wichtige Umst\u00e4nde zur Sprache:<\/p>\n<p>Seit \u00fcber 50 Jahren verst\u00f6\u00dft der Staat Israel gegen UN-Konventionen und UN-Resolutionen und \u2026 es ist okay. Es gibt keine Sanktionen, es gibt keinen politischen Druck, die UN-Resolutionen umzusetzen. Im Gegenteil: es existiert eine m\u00e4chtige Allianz, die den Bruch internationalen Rechts deckt.<\/p>\n<p>Die illegale Besetzung fremder Territorien, die de facto Verstaatlichung von geraubtem Boden, das Besatzungsregime, das seit Jahrzehnten ausge\u00fcbt wird, erlaubt den unter der Besatzung Lebenden ein Widerstandrecht. Sie haben also alles Recht dieser Welt, sich auch bewaffnet gegen die Besetzung zur Wehr zu setzen. Dieser zweite Aspekt wird regelm\u00e4\u00dfig und mit aller Macht gerade von jenen unterdr\u00fcckt, die ansonsten, also wenn es passt, die Verletzung von internationalem (V\u00f6lker-)Recht anprangern und damit Kriege begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Der besagte Boykott-Aufruf ist also das \u201ezivilste\u201c Mittel, um gegen die Besatzung zu opponieren. Sich dar\u00fcber zu emp\u00f6ren ist geradezu infam, wenn dieselben das V\u00f6lkerrecht wie eine Panzerwaffe benutzen, um Kriege zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Um es ganz deutlich zu formulieren: Dieser Boykott-Aufruf ist selbst dann legitim, wenn er von antisemitischen Politiken benutzt wird.<\/p>\n<p>Dann w\u00e4re erst recht eine wichtige Debatte, eine \u00f6ffentliche Debatte notwendig: Was hat das mit dem Aufruf zu tun? Ist der Boykott-Aufruf ein Grundrecht auf Widerstand gegen die Besatzung?<\/p>\n<p>Genau diese Debatte soll und darf nicht gef\u00fchrt werden. Denn sie w\u00fcrde offenbaren, dass es nicht darum geht, sich gemeinsam zu \u00fcberlegen, wie man jahrzehntelanges Unrecht beseitigt, wer diesen kontinuierlichen V\u00f6lkerrechtsbruch m\u00f6glich macht. Der Vorwurf, diese Boykott-Kampagne sei antisemitisch folgt dem gut einge\u00fcbten Prinzip der T\u00e4terumkehr. Nicht diejenigen, die jahrzehntelang internationales Recht brechen und dies decken, stehen am Pranger, sondern ausgerechnet jene, die sich dagegen wehren.<\/p>\n<p>Und es gibt einen sehr wichtigen dritten Punkt, der weit \u00fcber den Boykott-Aufruf und den \u201eNahost-Konflikt\u201c hinausragt: Man m\u00fcsste in aller \u00d6ffentlichkeit einmal begr\u00fcnden, in der Diskussion, im Widerspruch, was genau an diesem Boykott-Aufruf antisemitisch sein soll. Damit w\u00e4re man endlich an dem Punkt, \u00f6ffentlich zu erkl\u00e4ren, was man (alles) unter Antisemitismus verstehen will.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber kann man sich sicherlich bis an Ende der Tage streiten. Aber es reicht doch, an ein Grundaxiom des Antisemitismus zu erinnern:<\/p>\n<p><strong>Im Antisemitismus wird nicht die Herrschaft bek\u00e4mpft, sondern von ihr abgelenkt<\/strong><\/p>\n<p>Der (religi\u00f6se und politische) Antisemitismus imaginiert einen omnipotenten Feind, der \u00fcberm\u00e4chtig ist, der alles in der Hand hat, die Wirtschaft, die Wissenschaft, das Leben \u2026 Es sind die Juden, die die Welt regieren, sich also an den Schalthebeln \u00f6konomischer und politischer Macht befinden. Die Wirksamkeit und M\u00e4chtigkeit dieser antisemitischen Theoreme setzt analog voraus, dass sie tats\u00e4chlich auf ein lang stigmatisiertes und vor allem wehrloses Opfer treffen. Der Antisemitismus bek\u00e4mpft nicht einen wirklichen Feind, sondern einen selbst erzeugten Avatar, der tats\u00e4chlich machtlos ist.<\/p>\n<p>Der Antisemitismus und seine Wirkm\u00e4chtigkeit besteht also in der T\u00e4uschung \u00fcber die wahren \u00f6konomischen und politischen Machtverh\u00e4ltnisse. Er verortet die Macht dort, wo sie nicht ist. Der Antisemitismus ist das Gegenteil von Erkenntnis: Er verblendet, verschleiert Herrschaftsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Wenn man diese Grundbedingungen des Antisemitismus vor Augen hat, dann ist der Vorwurf, die Kritik an der Politik des Staates Israels sei ein \u201eversteckter\u201c Antisemitismus, zu aller erst ein plumper Versuch, die eigene Beteiligung an v\u00f6lkerrechtswidrigen Handlungen zu verschleiern. Wenn sich irgendetwas \u201eversteckt\u201c, dann ist es diese Bereitschaft, unertr\u00e4glichen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen zu dienen.<\/p>\n<p><strong>Another brick in the wall<\/strong><\/p>\n<p>Die liberale Frankfurter Rundschau (FR) wusste, was jetzt zu tun ist: Man muss alles zusammenkratzen, was ein Konzertverbot m\u00f6glich machen w\u00fcrde. Dazu geh\u00f6rt zu aller erst: keine Diskussion mit dem \u201eAngeklagten\u201c! Man h\u00e4tte ein Interview mit ihm f\u00fchren k\u00f6nnen, was er \u00fcber das Schwein denkt, wie er zur Boykottkampagne steht. Aber genau das w\u00fcrde die Denunziationsmaschine nur ins Stocken bringen. Stattdessen kratzte die FR alle Stimmen f\u00fcr den \u201eheftigen Gegenwind\u201c zusammen, die echt emp\u00f6rt und entt\u00e4uscht sind:<\/p>\n<p><em>\u201eHeftigen Gegenwind erhielt Waters zuletzt auch von David Gilmour (76), seinem einstigen Bandkollegen bei Pink Floyd (\u201eThe Wall\u201c). Gilmours Frau, die Songwriterin Polly Samson (60), schrieb in einem Tweet an Waters gerichtet: \u201eLeider bist du antisemitisch bis ins Mark.\u201c Waters sei ein Putin-Apologet und ein \u201el\u00fcgender, diebischer, heuchlerischer, steuervermeidender, Playback singender, frauenfeindlicher, neidzerfressener Gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger\u201c. Gilmour teilte den Post und schrieb: \u201eJedes Wort nachweislich wahr.\u201c Waters antwortete auf Twitter und sprach von \u201eaufr\u00fchrerischen und v\u00f6llig unzutreffenden Kommentaren\u201c, die er zur\u00fcckweise. (FR vom 10.02.2023)<\/em><\/p>\n<p>Damit war klar: Wenn selbst Bandmitglieder Waters f\u00fcr irre halten, dann d\u00fcrfen wir das auch \u2013 selbstverst\u00e4ndlich blind.<\/p>\n<p>Auf diesen Beitrag antwortete ein \u201eBlickwinckel161\u201c in der Kommentarleiste:<\/p>\n<p><em>1977 zeigt das Album \u201eanimals\u201c von Pink Floyd ein rosa Schwein, das zwischen zwei Fabrikschornsteinen schwebt. Roger Waters hat dieses Ballonschwein seit vielen Jahren in Gro\u00dfveranstaltungen eingesetzt. Es wird wie eine Wand (The Wall) eingesetzt und vor den Konzerten immer wieder neu mit Graphities bemalt. \u00dcber die Jahre wurde es mit diversen Symbolen und Slogans bemalt (\u2026) Wer unter Ausblendung all dieser Tatsachen den Eindruck von Schweinek\u00f6pfe auf j\u00fcdische Friedh\u00f6fe schmei\u00dfenden Nazis zu erwecken versucht, indem mit massivem Tunnelblick nur die Worte \u201eSchwein\u201c und \u201eDavidstern\u201c wiederholt werden, hat offensichtlich kein Interesse an einem umfassenden Blick auf die Sachlage oder einer darauf basierenden Einordnung. Worauf sonst st\u00fctzt sich der Vorwurf des \u201eaggressiven Antisemitismus\u201c? Roger Waters unverbl\u00fcmtes Engagement f\u00fcr Menschenrechte auch in den von Israel unter Verletzung von zahlreichen einschl\u00e4gigen UN-Resolutionen und unter Verletzung der Genfer Vertr\u00e4ge besetzten Gebieten in Pal\u00e4stina r\u00fcckt dabei ins Zentrum. Eine N\u00e4he zur Initiative \u201eBoycott, Divestment and Sanctions\u201c wird als Beweis angef\u00fchrt. Boykott- und Sanktionsaufrufe sind in der Geschichte von Solidarit\u00e4tsbewegungen immer dann diskutiert worden, wenn alle politischen M\u00f6glichkeiten auf Ungerechtigkeit hinzuweisen, ausgesch\u00f6pft waren oder unterdr\u00fcckt wurden. Diese Situationen gab es im Kampf der schwarzen Bev\u00f6lkerung gegen das burische Apartheitsregime in S\u00fcdafrika und gibt es noch heute im Kampf der KurdInnen um Anerkennung gegen die AKP-T\u00fcrkei. Festzustellen bleibt hier, wer solche Aufrufe startet, sucht immer noch nach Mitteln jenseits des bewaffneten Kampfes. Eigentlich w\u00e4re politisch die Hilflosigkeit zu diskutieren, die in derartigen Aufrufen steckt, anstatt auch diese noch zu kriminalisieren zu versuchen. Der zynische Vergleich des BDS-Ansatzes mit der SA-Kampagne \u201eKauft nicht bei Juden\u201c, der von der NSDAP-Regierung gegen einen Teil der deutschen Gesellschaft mit dem Ziel der sozialen Liquidierung geplant und durchgef\u00fchrt wurde, kann daher auf keinen Fall eine Gleichsetzung zum Ergebnis haben. Den b\u00fcrgerlich juristischen Blickwinkel vertritt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anl\u00e4sslich des Verbots einer Veranstaltung mit Bezug zu BDS. Hierzu hei\u00dft es in der Presseerkl\u00e4rung zum Urteil vom 20.01.2022:<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eArt. 5 Abs. 1 Satz 1 GG gew\u00e4hrleistet jedermann das Recht, seine Meinung frei zu \u00e4u\u00dfern und zu verbreiten. Der Stadtratsbeschluss greift in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit ein, weil er eine nachteilige Rechtsfolge \u2013 den Ausschluss von der Benutzung \u00f6ffentlicher Einrichtungen \u2013 an die zu erwartende Kundgabe von Meinungen zur BDS-Kampagne oder zu deren Inhalten, Zielen und Themen kn\u00fcpft. Die darin liegende Beschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit ist verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt. Das Grundrecht der Meinungsfreiheit unterliegt den Grenzen der allgemeinen Gesetze (Art. 5 Abs. 2 GG). Der Stadtratsbeschluss ist schon kein Rechtssatz. Er trifft auch keine in diesem Sinne allgemeine Regelung. Der Beschluss ist nicht meinungsneutral. Er ist auch nicht mit dem Schutz von Rechtsg\u00fctern zu rechtfertigen, die schlechthin ohne R\u00fccksicht auf eine bestimmte Meinung zu sch\u00fctzen sind. Das ist der Fall, wenn Meinungs\u00e4u\u00dferungen die geistige Sph\u00e4re des F\u00fcr-richtig-Haltens verlassen und in Rechtsgutverletzungen oder erkennbar in Gef\u00e4hrdungslagen umschlagen, weil sie die Friedlichkeit der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung gef\u00e4hrden und so den \u00dcbergang zu Aggression und Rechtsbruch markieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Schwerer als die juristische Argumentation wiegt aber die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vorw\u00fcrfen. Die Behauptung der BILD-Zeitung: \u201e<em>Waters nutzt in den vergangenen Jahren seine Konzerte immer wieder zu Israel-Hass. U.a. lie\u00df er ein Kunststoffschwein mit einem Davidstern aufsteigen (BILD berichtete) \u2013 Antisemitismus pur.<\/em>\u201c ist unbegr\u00fcndet. Die \u00c4u\u00dferung von Uwe Becker: \u201e<em>Waters ist ein schlimmes Beispiel f\u00fcr aggressiven, israelbezogenen Antisemitismus und er sollte daher in Hessen keine k\u00fcnstlerische Plattform erhalten<\/em>\u201c kann so nicht stehenbleiben. Diese falschen Aussagen vergiften selbst die Auseinandersetzung und geraten in den Verdacht, es aus egoistischem politischen Kalk\u00fcl nicht so genau mit der Wahrheit nehmen zu wollen. Es bleibt zu beobachten, ob der billige Ausweg \u00fcber die juristische Unm\u00f6glichkeit der Verhinderung gew\u00e4hlt wird, um gesichtswahrend aus der selbstverschuldeten argumentativen Sackgasse zu kommen!<\/p>\n<p>Dieser Kommentar schaffte es nicht zur \u201eFreigabe\u201c: <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/musik\/streit-um-roger-waters-auftritte-verbote-gehen-zu-weit-zr-92079314.html\">https:\/\/www.fr.de\/kultur\/musik\/streit-um-roger-waters-auftritte-verbote-gehen-zu-weit-zr-92079314.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Diskussion deaktiviert<\/strong><\/p>\n<p>Denn die Zensoren r\u00e4umten auf und ab. Jetzt findet man nur noch den piepsigen Hinweis, dass die Kommentarfunktion \u201ef\u00fcr diese Diskussion deaktiviert\u201c wurde. Man ist aber dreist genug zwei Kommentare stehen zu lassen:<\/p>\n<p><em>\u201eAntisemitismus ist keine politische Meinung, und hat auch Nichts mit der Kunstfreiheit zu tun.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAntisemitismus ist h\u00e4ufig auch links.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ein kl\u00e4gliches Bild \u00fcber eine \u201eliberale\u201c Tageszeitung kann man nicht abgeben.<\/p>\n<p>Was sind das doch f\u00fcr Feiglinge! Ist das der Kampf gegen Antisemitismus? Man \u201edeaktiviert\u201c die Diskussion und l\u00e4sst ganz zuf\u00e4llig zwei Kommentare stehen, die selbstgef\u00e4lliger kaum ausfallen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was macht also den Zensoren so viel Angst, dass sie nicht mit diesem Einwand besch\u00e4ftigen wollen? Mehr noch: Wenn sie nur halbwegs souver\u00e4n wirken wollten, h\u00e4tte sie den gel\u00f6schten Kommentar einfach ausgesessen und ignoriert. Aber, und da haben sie vollkommen recht: Sie wissen, wie haltlos ihr Vorgehen ist und sie f\u00fcrchten noch mehr, dass ihr angeblicher Kampf gegen den Antisemitimus eine extrem d\u00fcnne Sch\u00fcrze ist, um Herrschaftspolitik zu verteidigen, um reaktion\u00e4re und staatsterroristische Handlungen zu decken \u2013 ob diese in Israel, in Afghanistan oder im Irak begangen werden.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen den Antisemitismus <em>als Regierungsformat<\/em> bek\u00e4mpft nicht den Judenhass, sondern sch\u00fctzt imperiale und postkoloniale Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p><strong>Schweinisches Nachspiel (in der Dauerschleife): <em>Macht kaputt, was euch kaputt macht<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Hinter vorgehaltener Hand wei\u00df man, dass ein Prozess, der den \u201eaggressiven Antisemitismus\u201c beweisen soll, eine peinliche Sache werden kann. Also verlegt man sich jetzt mit allen Krieger*innen darauf, Privatjustiz zu betreiben: \u201eStaatsanw\u00e4lte\u201c ohne Beruf und Robe, aber mit kulturellem Kapital werden nun in Stellung gebracht. Sie sprie\u00dfen nur so aus dem Boden:<\/p>\n<p><em>Der <\/em><a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/polly-samson-genug-mit-dem-bloedsinn-frau-von-david-gilmour-schiesst-scharf-gegen-rogers-waters-2552505\/\"><em>\u201eRolling Stone\u201c<\/em><\/a><em> berichtet \u00fcber die Tirade der Frau des Ex-Band-Kollegen David Gilmour gegen Waters, die ihn als \u201eantisemitisch bis ins Mark\u201c bezeichnet. Die <\/em><a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/kultur\/judenhass-auf-tour\/\"><em>\u201eJ\u00fcdische Allgemeine\u201c<\/em><\/a><em> nennt Waters einen \u201eHassbarden\u201c, seine Konzerte seien \u201eJudenhass auf Tour\u201c. Die <\/em><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/roger-waters-russland-antisemitismus\/a-64654891\"><em>\u201eDeutsche Welle\u201c<\/em><\/a><em> fragt, ob Waters nicht als \u201ePropaganda-Instrument f\u00fcr Moskau\u201c zu bezeichnen w\u00e4re. Die <\/em><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/roger-waters-pink-floyd-un-ukrainekrieg-david-gilmour-1.5749010\"><em>\u201eS\u00fcddeutsche Zeitung\u201c<\/em><\/a><em> attestiert Waters, \u201eein perfider Mann\u201c zu sein, der \u201emit einem Wahnwitz wie aus dem Petersburger Troll-Handbuch\u201c argumentieren w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p><em>(Tobias Riegel, NDS vom 15. Februar 2023)<\/em><\/p>\n<p>Ich bin mir ganz sicher, dass das Schwein, um das es irgendwann einmal ging, ein russisch-chinesischer Spionage-Ballon (als Schwein verkleidet) ist. Das wird man doch noch rausbekommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Aufruf zum staatsdevoten Boykott<\/strong><\/p>\n<p>Nun hat sich auch die Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Gr\u00fcne) in Stellung gebracht: Zuerst vergie\u00dft sie eine Tr\u00e4ne \u00fcber vergangene wilde Zeiten, als sie als Managerin von <em>Ton Steine Scherben<\/em> den Refrain noch mitgesungen hatte: <em>Und die rote und die schwarze Front sind wir.<\/em> Damit waren sozialistische und anarchistische Ideen gemeint.<\/p>\n<p>Ja, verdammt lange her. Nachdenken \u00fcber ihren eigenen Frontwechsel ist nicht in ihrem Portfolio.<\/p>\n<p><em>Ich bedauere au\u00dferordentlich die Entwicklung eines Musikers, der mit der Gruppe Pink Floyd f\u00fcr viele eine gro\u00dfe Bedeutung hatte\u201c, sagte die Gr\u00fcnen-Politikerin der Zeitung J\u00fcdische Allgemeine.<\/em><\/p>\n<p><em>(Berliner Zeitung vom 8. Februar 2023)<\/em><\/p>\n<p>Schnief und Schluss mit diesen R\u00fchrseligkeiten. Wenn es nach ihr ginge, m\u00fcsste das Konzert verboten werden, aber \u2026 das geht noch nicht:<\/p>\n<p><em>Die Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat sich zu den umstrittenen Auftritten von Roger Waters in Deutschland ge\u00e4u\u00dfert und deutlich gemacht, dass sie in ihrer Funktion seine Konzerte nicht verbieten kann und will.<\/em><\/p>\n<p><em>(s.o.)<\/em><\/p>\n<p>Dann muss man es eben anders machen. Also etwas von oben nach Mitte unten delegieren, und den Gerufenen freies Geleit anbieten. Das hat in Deutschland \u00dcbung. Die Brandspur hat sie gelegt:<\/p>\n<p><em>Waters sei mittlerweile \u201eoffenkundig zu einem aktiven BDS-Unterst\u00fctzer und dar\u00fcber hinaus -Verschw\u00f6rungstheoretiker geworden\u201c. BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) ist eine israelkritische Boykottbewegung, der unter anderem laut Bundestagsbeschluss antisemitische Tendenzen nachgesagt werden. Roth sieht im Kampf gegen Antisemitismus eine \u201egesamtgesellschaftliche Aufgabe\u201c und w\u00fcnscht sich deshalb, dass Veranstalter auf Konzerte mit Roger Waters verzichten, \u201eund wenn sie dennoch stattfinden sollten, dass er vor leeren Hallen spielt\u201c. Sie w\u00fcnscht sich also einen Boykott.<\/em><\/p>\n<p><em>(s.o.)<\/em><\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir ein ausverkauftes Konzert.<\/p>\n<p><strong><u>Quellen und Hinweise:<\/u><\/strong><\/p>\n<p><em>Streit um Roger-Waters-Auftritte: \u201eVerbote gehen zu weit\u201c<\/em>, FR vom 10.2.2023: <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/musik\/streit-um-roger-waters-auftritte-verbote-gehen-zu-weit-zr-92079314.html\">https:\/\/www.fr.de\/kultur\/musik\/streit-um-roger-waters-auftritte-verbote-gehen-zu-weit-zr-92079314.html<\/a><\/p>\n<p><em>Der Proteststurm gegen die Documenta 15 \u2013 Ein Dokument \u201eprogressiven\u201c Herrenmenschentums<\/em>, Magazin Overton vom 20.7.2022: <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/kolumnen\/kohlhaas-unchained\/der-proteststurm-gegen-die-documenta-15-ein-dokument-progressiven-herrenmenschentums\/\">https:\/\/overton-magazin.de\/kolumnen\/kohlhaas-unchained\/der-proteststurm-gegen-die-documenta-15-ein-dokument-progressiven-herrenmenschentums\/<\/a><\/p>\n<p><em>50 Jahre israelische Besatzung in Pal\u00e4stina \u2013 Was ist daran Kritik und was Antisemitismus?<\/em> Wolf Wetzel: <a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2017\/06\/07\/50-jahre-israelische-besatzung-in-palaestina-was-ist-daran-kritik-und-was-antisemitismus\/\">https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2017\/06\/07\/50-jahre-israelische-besatzung-in-palaestina-was-ist-daran-kritik-und-was-antisemitismus\/<\/a><\/p>\n<p><em>Claudia Roth und der Boykott: Cancel Culture legt (nochmals) zu<\/em>, Tobias Riegel, NDS vom 15. Februar 2023: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93811#more-93811\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93811#more-93811<\/a><\/p>\n<p><em>Claudia Roth w\u00fcnscht sich Boykott von Roger-Waters-Konzerten<\/em>, Berliner Zeitung vom 8. Februar 2023: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/debatte\/antisemitismus-claudia-roth-wuenscht-sich-boykott-von-roger-waters-konzerten-li.315625\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/debatte\/antisemitismus-claudia-roth-wuenscht-sich-boykott-von-roger-waters-konzerten-li.315625<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/kolumnen\/kohlhaas-unchained\/das-schwein-e-system\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. Februar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolf Wetzel.Wenn der \u201eKampf gegen den Antisemitismus\u201c genau das macht, was den Kern Antisemitismus ausmacht: von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen abzulenken und sie zu besch\u00fctzen.<br \/>\nAuf die Documenta 15 in Kassel wurde unter anderem die indonesische K\u00fcnstlergruppe Ruangrupa <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12663,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[39,18,151,113,49,27,33],"class_list":["post-12662","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-deutschland","tag-imperialismus","tag-indonesien","tag-kultur","tag-repression","tag-russland","tag-zionismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12662"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12664,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12662\/revisions\/12664"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}