{"id":12713,"date":"2023-02-26T11:01:52","date_gmt":"2023-02-26T09:01:52","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12713"},"modified":"2023-02-26T11:01:53","modified_gmt":"2023-02-26T09:01:53","slug":"ein-jahr-ukraine-krieg-abweichende-bemerkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12713","title":{"rendered":"<strong>Ein Jahr Ukraine-Krieg: Abweichende Bemerkungen<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Renate Dillmann. <\/em><strong>Seit dem 24.2.2022 f\u00fchrt Russland Krieg in der Ukraine. Seitdem sind viele Menschen ums Leben gekommen \u2013 Menschen mit russischer oder mit ukrainischer Staatsangeh\u00f6rigkeit, Zivilisten und vor allem Soldaten. Warum gibt es diesen Krieg? Wof\u00fcr sind diese Menschen gestorben? Eine Kriegs-Erkl\u00e4rung<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Vermutlich wird am Jahrestag des Kriegsbeginns in den Mainstream-Medien erneut mit ausgestrecktem Zeigefinger auf \u201ePutin\u201c als den alleinigen Verantwortlichen gedeutet. Einen Schuldigen zu benennen ist allerdings alles andere, als eine Erkl\u00e4rung zu liefern.<\/p>\n<p>Das soll im Folgenden versucht werden. Dazu sind einige grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen zur modernen Staatenkonkurrenz n\u00f6tig \u2013 ebenso wie eine Betrachtung des konkreten Falls.<\/p>\n<p><strong>Kapitalismus, Staatenkonkurrenz und Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Moderne Staaten leben nicht davon, fremde Territorien zu erobern, sondern davon, ein m\u00f6glichst gro\u00dfes Wirtschaftswachstum zustande zu bringen. Ihre Au\u00dfen- und Geopolitik bezieht sich deshalb im Prinzip gleich auf die gesamte Welt. Insbesondere f\u00fcr die erfolgreichen und wichtigen Staaten gilt: Kein St\u00fcckchen Erde ist f\u00fcr sie uninteressant, keine Insel, keine Schifffahrtspassage, kein Punkt im erdnahen Weltraum wird au\u00dfer Acht gelassen \u2013 einen Standpunkt des \u201eGeht uns nichts an\u201c gibt es in ihrer Au\u00dfenpolitik einfach nicht.<\/p>\n<p>Seit 1990 kann man von einer weltweit g\u00fcltigen Gesch\u00e4ftsordnung sprechen: Im Prinzip herrscht freier Austausch von Waren und Kapital auf dem gesamten Globus und in ihrer Souver\u00e4nit\u00e4t anerkannte Nationalstaaten konkurrieren untereinander um den Nutzen aus diesem globalen Gesch\u00e4ft. Im V\u00f6lkerrecht haben sie sich dazu verpflichtet, ihre \u201einternationalen Streitigkeiten\u201c (von deren Fortexistenz also ausgegangen wird) nach M\u00f6glichkeit friedlich auszutragen bzw. die Vereinten Nationen \u00fcber die erforderlichen Ma\u00dfnahmen entscheiden zu lassen.<\/p>\n<p>Diese \u201eOrdnung\u201c der Welt im Geist weltweit freier kapitalistischer Konkurrenz ist einerseits das Resultat der Entkolonialisierung, die die USA noch zusammen mit der Sowjetunion gegen\u00fcber den ehemaligen Kolonialstaaten, insbesondere England und Frankreich, durchgesetzt haben. Und sie ist das Resultat des Kalten Kriegs, an dessen Ende sich der \u201etotger\u00fcstete\u201c kommunistische Ostblock selbst aufgel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Das Ende des Kalten Kriegs \u2013 den westlichen Bev\u00f6lkerungen wurde stets die Existenz des kommunistischen St\u00f6renfrieds als Grund f\u00fcr den Unfrieden auf der Welt genannt \u2013 hat allerdings nicht f\u00fcr ein Ende des weltweiten Aufr\u00fcstens gesorgt, schon gar nicht bei den Nato-Staaten, die ihr Milit\u00e4rb\u00fcndnis nach der Aufl\u00f6sung des Warschauer Pakts keineswegs ad acta gelegt haben. Das ist auch kein Wunder. Die nun \u201eendlich\u201c weltweit geltende Gesch\u00e4ftsordnung, die ihrerseits Resultat gewaltsamer Auseinandersetzungen ist, bringt aus sich heraus permanent harte Gegens\u00e4tze zwischen den Staaten zustande und ist kein Verh\u00e4ltnis wechselseitigen Vorteils, keine win-win-Situation, wie gerne behauptet wird.<\/p>\n<p>Handel und Kapitalverkehr zwischen kapitalistischen Nationen dienen schlie\u00dflich dazu, dass sich <em>aneinander bereichert<\/em> wird. Auch wenn es Phasen gibt, in denen davon geschw\u00e4rmt wird, dass Handels- und Investitionsvertr\u00e4ge allen Beteiligten von Nutzen sind und es f\u00fcr alle aufw\u00e4rts geht \u2013 letztendlich werden die Erfolge eines Landes auf Kosten eines anderen errungen; das zeigt sich sp\u00e4testens auf der Ebene der Konkurrenz der W\u00e4hrungen.<\/p>\n<p>Die Klagen westlicher Politiker und Journalisten dar\u00fcber, dass China einen ungeheuren Aufstieg als Wirtschaftsnation hinlegt, bieten \u00fcbrigens ein gutes Beispiel. W\u00e4hrend ja ansonsten gerne lauthals betont wird, dass die Entwicklungsl\u00e4nder sich durch Teilnahme am Weltmarkt aus ihrer Lage herausarbeiten sollen, um so Hunger und Unterentwicklung hinter sich zu lassen, ist de facto kein westliches Land froh dar\u00fcber, dass China \u2013 fr\u00fcher einmal das \u201egr\u00f6\u00dfte Entwicklungsland der Welt\u201c \u2013 genau das geschafft hat und zu den f\u00fchrenden Staaten dieser Erde aufsteigt. Die Bef\u00fcrchtungen \u00fcber die weiteren Konsequenzen von Chinas neuen F\u00e4higkeiten, die jede Woche lauter werden, zeigen ziemlich deutlich: Deren Erfolg nimmt \u201euns\u201c (der BRD, den USA usw.) etwas weg, geht auf \u201eunsere\u201c Kosten.<\/p>\n<p><strong>Geostrategische Konkurrenz: ohne absichernde Gewalt kein erfolgreiches Gesch\u00e4ft<\/strong><\/p>\n<p>Schon an den internationalen Absprachen, die dem Handeln der Unternehmer vorausgehen, ist ersichtlich, dass das l\u00e4nder\u00fcbergreifende und weltumspannende Gesch\u00e4ft nicht ohne Gewalt auskommt. Staatliche Souver\u00e4ne zwingen sich wechselweise zur Anerkennung ihrer Existenz und handeln \u2013 unter Einsatz aller ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Erpressungsmittel \u2013 die Bedingungen des globalen Geldverdienens aus: Das ist die sch\u00f6ne \u201eregelbasierte Weltordnung\u201c, die nach Ansicht der USA unbedingt gegen Angriffe gesch\u00fctzt werden muss, so der US-Verteidigungsminister <a href=\"https:\/\/de.usembassy.gov\/de\/mark-t-esper-bei-der-muenchner-si-%20cherheitskonferenz\/\">Esper<\/a> auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz 2020. Wenn auf dieser Basis \u201efriedlich\u201c gehandelt wird, macht das das Schie\u00dfen nat\u00fcrlich keineswegs \u00fcberfl\u00fcssig. Der ehemalige Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler hat diesen Zusammenhang im Mai 2010 in einem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ruecktritt-von-koehler-das-umstrittene-interview-im-wortlaut-1.952332\">Interview<\/a> mit dem Deutschlandradio ausgesprochen:<\/p>\n<p>\u201eMeine Einsch\u00e4tzung ist aber, dass wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Gr\u00f6\u00dfe mit dieser Au\u00dfenhandelsorientierung und damit auch Au\u00dfenhandelsabh\u00e4ngigkeit wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch milit\u00e4rischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilit\u00e4ten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zur\u00fcckschlagen negativ durch Handel, Arbeitspl\u00e4tze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg. [\u2026] Es wird wieder Todesf\u00e4lle geben. [\u2026] Man muss auch um diesen Preis am Ende seine Interessen wahren. [\u2026]\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Horst K\u00f6hler f\u00fcr seine Bemerkungen im Jahr 2010 als Bundespr\u00e4sident noch zur\u00fccktreten musste, sind seine Gedanken inzwischen (wenn vielleicht auch noch nicht ganz in \u201eder Breite der Gesellschaft\u201c, so doch) an ihrer Spitze angekommen. Die Verantwortlichen f\u00fcr die deutsche Sicherheitspolitik sprachen die Verkn\u00fcpfung von au\u00dfenwirtschaftlichen Interessen der Nation und milit\u00e4rischen Sicherheitsfragen schon lange vor der <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Was-die-Zeitenwende-von-Bundeskanzler-Scholz-bedeutet-6665130.html\">\u201eZeitenwende\u201c<\/a> von Olaf Scholz offen aus.<\/p>\n<p>\u201eWohlstand und Volkseinkommen sind in Deutschland in hohem Ma\u00dfe abh\u00e4ngig von funktionierenden Rahmenbedingungen \u2013 in Europa und in der Welt. Deutschland ist eng in internationale Handels- und Investitionsstr\u00f6me eingebunden. Unser Land ist in besonderem Ma\u00dfe auf gesicherte Versorgungswege, stabile M\u00e4rkte sowie funktionierende Informations- und Kommunikationssysteme angewiesen. Diese Abh\u00e4ngigkeit wird weiter zunehmen.\u201c (\u201e<a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/themen\/dossiers\/weissbuch\">Wei\u00dfbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr<\/a>\u201c 2016)<\/p>\n<p>Das deutsche Staatswesen und seine wirtschaftlichen Interessen brauchen eine Armee, die \u00fcberall auf der Welt die \u201eVerantwortung\u201c f\u00fcr funktionierende Rahmenbedingungen \u00fcbernehmen muss. Dass das \u201eWei\u00dfbuch\u201c Deutschlands weltweite Gewinninteressen dabei als \u201eAbh\u00e4ngigkeiten\u201c fasst, mag logisch etwas zweifelhaft sein, ist aber die durchaus \u00fcbliche Selbstdarstellung auf dem Feld der internationalen Politik. Die hat gleichzeitig den \u00fcberaus sch\u00f6nen Effekt, dass die \u201eAbh\u00e4ngigkeiten\u201c eines Landes und damit die Notwendigkeiten, zu intervenieren und zu \u201everteidigen\u201c umso mehr wachsen, je erfolgreicher seine Wirtschaftsunternehmen auf dieser Erde t\u00e4tig sind und andere Nationen von sich abh\u00e4ngig gemacht.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, dass sich die USA, die wirtschaftsm\u00e4chtigste Nation der heutigen Welt, die mit Abstand teuerste Armee leisten, \u00fcberall St\u00fctzpunkte (an die 1000 weltweit) unterhalten und meist mehrere Kriege gleichzeitig f\u00fchren, w\u00e4hrend andere \u201eF\u00e4lle\u201c schon (bzw. noch) mit Wirtschaftskriegen, in denen man s\u00e4mtliche Wirtschaftsbeziehungen nun als Waffen nutzen kann, zur \u201eVernunft\u201c gebracht werden.<\/p>\n<p>Die ganze Gewaltt\u00e4tigkeit und Aggressivit\u00e4t der heutigen Weltordnung ist eben nicht \u2013 wie es in der Presse oft dargestellt wird \u2013 Ausdruck egomanischer, durchgeknallter Politiker. Sie ist vielmehr Ausdruck dessen, in welchem Umfang unvers\u00f6hnliche Gegens\u00e4tze die Wirtschaftsinteressen kapitalistischer Staaten bestimmen \u2013 also von Akteuren, die alle <em>dasselbe<\/em> wollen, n\u00e4mlich Geld aneinander verdienen und sich dabei mit ihren Interessen unvermeidlich in die Quere kommen.<\/p>\n<p><strong>Die \u201eregelbasierte Weltordnung\u201c und ihre St\u00f6renfriede<\/strong><\/p>\n<p>Dass eine solche Welt st\u00e4ndig \u201egeordnet\u201c werden muss, ist also kein Wunder. Und ebenso wenig, dass die st\u00e4ndige (Wieder-)Herstellung dieser Ordnung das Werk der Macht ist, die erstens von der weltweiten Konkurrenz \u00f6konomisch am meisten profitiert, weil sie mit ihrem Dollar bei fast jedem Gesch\u00e4ft mit-verdient und die zweitens dank ihrer \u00fcberlegenen Milit\u00e4rmacht in der Lage ist, die Durchsetzung der Gleichung von Recht und US-amerikanischem Nutzen zu erzwingen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die USA, die sich diese globale Gesch\u00e4ftsordnung in zwei Weltkriegen und einem Kalten Krieg erk\u00e4mpft hat, stellen St\u00f6rungen der f\u00fcr sie sinnreich eingerichteten Ordnung ein absolutes \u00c4rgernis dar.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein solcher St\u00f6rfall liegt vor, wenn ein Rohstoff-reiches Land seine Bodensch\u00e4tze dem Zugriff US-amerikanischer kapitalkr\u00e4ftiger Konzerne entrei\u00dft und unter nationale Regie stellt, um mehr beim Verkauf zu verdienen und davon nationale Entwicklungsprojekte zu f\u00f6rdern. Die Liste der deshalb von Wirtschaftskriegen, Putschs oder regelrechten Kriegen betroffenen L\u00e4nder ist lang (Iran 1953, Guatemala 1954, Chile 1973, Irak 2003, Libyen 2011); dazu kommen einige gescheiterte oder noch nicht beendete Versuche in Venezuela, Bolivien, schon wieder der Iran \u2026<\/li>\n<li>Dass Staaten der Konkurrenz auf dem Weltmarkt nicht gewachsen sind und dar\u00fcber ruiniert werden, kann vom Standpunkt der Weltmacht weitere Eingriffe n\u00f6tig machen. Negative, zerst\u00f6rerische Resultate \u2013 das Verhungern des Volks, seine massenhafte Flucht, der Zusammenbruch von W\u00e4hrung und Staatsgewalt \u2013 sind vor Ort hinzunehmen, ohne dass sich dagegen gewehrt werden soll. Das zu erzwingen, geh\u00f6rt zur \u201eVerantwortung\u201c, die die f\u00fchrenden kapitalistischen Nationen f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsordnung \u00fcbernehmen, die ihnen nutzt.<\/li>\n<li>In Afghanistan, einem f\u00fcr das weltweite Gesch\u00e4ft eher unbedeutenden Land, haben die USA mit ihrem \u201ewar on terror\u201c exemplarisch gezeigt, was passiert, wenn man Feinde der USA und ihrer Weltordnung unterst\u00fctzt (Feinde, die sie \u00fcbrigens selbst als Mittel im Kampf gegen die Sowjetunion ausger\u00fcstet hatten).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die wichtigste Art von St\u00f6rf\u00e4llen, zumindest aus US-amerikanischer Sicht, ist allerdings anderer Natur. Es sind selbstverst\u00e4ndlich die Staaten, denen es als Teilnehmer in dieser Weltordnung gelungen ist, zu ernsthaften Konkurrenten der amerikanischen Hegemonie zu werden.<\/p>\n<p><strong>Deutscheuropa, Russland und China<\/strong><\/p>\n<p>Da ist erstens das EU-Projekt. Dessen \u00f6konomische F\u00fchrungsmacht Deutschland hat ihren wirtschaftlichen (Wieder-)Aufstieg nach dem 2. Weltkrieg zwar bisher im B\u00fcndnis mit und untergeordnet unter die USA vollzogen. F\u00fcr die USA waren die europ\u00e4ischen Nato-Partner und die BRD als Frontstaat unverzichtbar beim Niederringen der UdSSR, von dem Deutschland mit dem Zugewinn an Volk, Territorium und Macht in besonderer Weise profitiert hat. Mit ihrem Binnenmarkt, einer Gemeinschaftsw\u00e4hrung, die dem Dollar Konkurrenz macht, und ihrer Ausdehnung ist die EU allerdings inzwischen zu einem Staatenb\u00fcndnis geworden, dessen Entwicklung in Washington mit wachsendem Misstrauen betrachtet wird. Die amerikanischen Think-tanks haben praktisch in den letzten Jahren einiges initiiert, um das Euro\/EU-Projekt zu st\u00f6ren \u2013 von den US-h\u00f6rigen Osteurop\u00e4ern bis zur F\u00f6rderung des englischen Brexits.<\/p>\n<p>Da ist zweitens Russland, dessen aus westlicher Sicht wunderbarer \u00f6konomischer Ausverkauf und staatlicher Zerfallsprozess unter Jelzin von seinem Nachfolger Putin gestoppt wurde. Unter dessen Pr\u00e4sidentschaft hat sich das Land \u00f6konomisch und politisch konsolidiert \u2013 wenn es im Au\u00dfenhandel auch vor allem vom Verkauf seiner Rohstoffe und Waffen lebt. Auch wenn Russland damit kein ernsthafter \u00f6konomischer Konkurrent der USA ist, betreibt es heute (erneut) eine aktive Au\u00dfenpolitik, die den westlichen Interessen an einigen Stellen der Welt in die Quere kommt \u2013 in Zentralasien (den Ex-Sowjetrepubliken), in Syrien, in Libyen, in Mali. Vor allem aber st\u00f6\u00dft den USA unangenehm auf, dass das Land aus Sowjetzeiten \u00fcber eine Atomstreitmacht verf\u00fcgt, die ihrer eigenen gewachsen ist, und das in diesem Sinne tats\u00e4chlich souver\u00e4n (= milit\u00e4risch nicht ohne weiteres erpressbar) ist.<\/p>\n<p>Da ist drittens und vor allem das kapitalistisch gewendete <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Der-Feind-in-Asien-6052304.html\">China<\/a> als neu aufsteigende \u00f6konomische wie politische Gro\u00dfmacht. Dieses Land wird aufgrund von Gr\u00f6\u00dfe und Bev\u00f6lkerungszahl die USA in absehbarer Zeit als wichtigste kapitalistische Macht auf dem Globus abl\u00f6sen. Und es bezieht mit seinen au\u00dfenwirtschaftlichen Initiativen in Asien, Afrika und S\u00fcdamerika, inzwischen auch in Zentralasien und S\u00fcdeuropa (Stichwort: <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/schwer-zu-stoppen\">Neue Seidenstra\u00dfe<\/a>), viele Staaten mit Gesch\u00e4fts- und Kreditangeboten auf sich und arbeitet damit aktiv an einer \u201emultipolaren Weltordnung\u201c. Das setzt allerdings voraus, dass seine Entwicklung zur kapitalistischen Gro\u00dfmacht ungest\u00f6rt weiter verl\u00e4uft, was die USA deshalb mit allen ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln bek\u00e4mpfen, \u00f6konomisch wie <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/China-und-Taiwan-Wer-ist-gut-wer-boese-6232729.html\">politisch<\/a>.<\/p>\n<p>Gegen diese Rivalen verteidigen die USA zurzeit ihre bisherige <em>Sonderstellung<\/em> als Welt- und Weltordnungsmacht: Eine zweite Macht auf Augenh\u00f6he dulden sie in ihrer Weltordnung, die sie schlie\u00dflich zu ihrem Nutzen eingerichtet haben, erkl\u00e4rterma\u00dfen schlicht nicht. Nebenbemerkung: Man kann hier erneut sehen, ein wie anspruchsvolles (um nicht zu sagen \u201eaggressives\u201c) Ziel \u201eVerteidigung\u201c ist\u2026<\/p>\n<p>Die Mittel, die sie daf\u00fcr einsetzen, reichen von \u00f6konomischen bis zu politisch-milit\u00e4rischen. Sie greifen zentrale Momente an, aus denen diesen Staaten ihre Macht beziehen: den chinesischen Warenhandel, den russischen Rohstoffexport, die deutsch-russischen Energie- und sonstigen Gesch\u00e4fte \u2013 und sie z\u00f6gern nicht, daf\u00fcr wesentliche Momente ihres \u201efreien Welthandels\u201c zu instrumentalisieren oder au\u00dfer Kraft zu setzen (aggressive Schutzzollpolitik, Kampf gegen wichtige ausl\u00e4ndische Unternehmen wie VW und Huawei). Sie bedrohen Russland und China mit ihren Allianzen (Nato, Aukus) und sie versuchen, sich das deutsche Europa dauerhaft unterzuordnen bzw. es durch die neuen Nato- und EU-Staaten Osteuropas zu spalten.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass sie dabei auf Widerstand treffen \u2013 auch ihre Konkurrenten \u201everteidigen\u201c sich dabei selbstverst\u00e4ndlich nur: ihre besonderen \u00f6konomischen Interessen wie ihren Willen zum Aufstieg n\u00e4mlich.<\/p>\n<p><strong>Nicht nur Russland will den Ukraine-Krieg <\/strong><\/p>\n<p><em>Russland<\/em> wehrt sich mit dem Krieg in der Ukraine, der \u00fcbrigens ebenso v\u00f6lkerrechtswidrig ist wie der Nato-Krieg in Jugoslawien, der Afghanistan- und der Irak-Krieg, gegen eine weitere Ost-Ausdehnung der Nato. Putin hatte zuvor in <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Warum-die-USA-selbst-die-Ukraine-nicht-als-rote-Linie-akzeptierten-7519491.html\">unz\u00e4hligen diplomatischen Initiativen<\/a> Respekt f\u00fcr die russischen Sicherheitsinteressen verlangt, die ein weiteres Heranr\u00fccken westlicher Armeen und Raketenbasen und ein Infragestellung der russischen Schwarzmeer-Flotte nicht erlauben \u2013 ein Verlangen, dessen Berechtigung von einigen westlichen Milit\u00e4rs durchaus begriffen wird, wie die Stellungnahmen von <a href=\"https:\/\/zeitgeschehen-im-fokus.ch\/de\/newspaper-ausgabe\/nr-1-vom-18-januar-2023.html\">Harald Kujat<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.emma.de\/artikel\/erich-vad-was-sind-die-kriegsziele-340045\">Erich Vad<\/a> und <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/deutschland-zahlt-den-preis-fuer-den-von-den-amerikanern-gegen-russland-gefuehrten-krieg\/\">Jacques Baud<\/a> belegen.<\/p>\n<p>Nachdem die westlichen Staaten darauf nicht eingegangen sind und eine Nato-Mitgliedschaft der seit 2014 massiv mit westlichen Waffen aufger\u00fcsteten Ukraine kurz bevorstand, hat Putin den laufenden Krieg begonnen \u2013 als \u201emilit\u00e4rische Spezialoperation\u201c, d.h. mit angek\u00fcndigt begrenzter Reichweite und Dauer. Heute besteht das unmittelbare russische Kriegsziel wohl in der Sicherung der Donbass-Republiken sowie der Krim und der dort stationierten Schwarzmeer-Flotte.<\/p>\n<p>Wenn Russland sich damit durchsetzen k\u00f6nnte, w\u00e4re das allerdings \u2013 auf einer h\u00f6heren Ebene \u2013 gleichzeitig ein Durchbrechen des Weltgewaltmonopols, wie es die USA f\u00fcr sich in Anspruch nehmen: Nur sie d\u00fcrfen ungestraft Krieg f\u00fchren auf der Welt und nur sie erlauben anderen Staaten, so etwas ungestraft zu tun. Nur sie d\u00fcrfen Grenzen verschieben, Separatisten ins Recht setzen oder verbieten.<\/p>\n<p>Insofern stellt dieser Krieg in der Tat einen Anschlag auf die geltende <em>unipolare Weltordnung<\/em> dar \u2013 ein Grund daf\u00fcr, dass ihn viele L\u00e4nder insbesondere aus dem globalen S\u00fcden keineswegs verurteilen und sich auch nicht an den geforderten Wirtschaftssanktionen beteiligen, die ihre miserable Lage in der Weltmarktkonkurrenz noch weiter verschlechtern w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die <em>USA<\/em> nutzen diesen Krieg gleich mehrfach. Sie sch\u00e4digen Russland durch einen Stellvertreterkrieg auf dem Territorium der Ukraine und \u201ebis zum letzten Ukrainer\u201c milit\u00e4risch massiv. Durch den parallel gef\u00fchrten (und ebenfalls <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/442322.kriegsmittel-keine-zivile-alternative.html\">v\u00f6lkerrechtswidrigen<\/a>) Wirtschaftskrieg versuchen sie, die \u00f6konomischen Grundlagen Russlands zu attackieren \u2013 den Handel mit \u00d6l, Gas und Waffen.<\/p>\n<p>Sie schlagen ihrem guten \u201eFreund und Alliierten\u201c Deutschland seine bislang vorteilhafte Energie-Versorgung mittels russischem \u00d6l und Gas aus der Hand, schrecken dabei auch vor <a href=\"https:\/\/seymourhersh.substack.com\/p\/how-america-took-out-the-nord-stream\">staatsterroristischen Akten<\/a> nicht zur\u00fcck und verderben ihm \u2013 aus ihrer Sicht m\u00f6glichst dauerhaft \u2013 sein Russland-Gesch\u00e4ft sowie seine (zeitweise) guten diplomatischen Beziehungen zu Moskau, die ihm auch eine gewisse Distanz zur verlangten Unterordnung unter die US-Politik erlaubt haben.<\/p>\n<p>Sie stellen ihren Hauptrivalen China vor die Gretchenfrage, ob es dem neuen \u201eParia\u201c der Weltordnung weiter die Stange halten will und daf\u00fcr erneut \u00f6konomische Boykott-Ma\u00dfnahmen riskiert. Das in den letzten Jahren zustande gekommene B\u00fcndnis zwischen China, dem wichtigsten \u00f6konomischen Rivalen, und Russland, dem wichtigsten milit\u00e4rischen, war n\u00e4mlich aus US-Sicht untragbar \u2013 ebenso \u00fcbrigens, wie es ein \u201eeurasischer Wirtschaftsraum\u201c gewesen w\u00e4re, in dem die EU und Russland <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/wirtschaft\/politik\/usa-treiben-keil-zwischen-deutschland-und-russland\/\">friedlich-produktive Beziehungen<\/a> entwickelt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die einzige Einschr\u00e4nkung dieser Kriegspolitik, die zurzeit scheinbar ohne jede Furcht vor einer nuklearen Eskalation eine \u201erote Linie\u201c nach der anderen \u00fcberschreitet, stellt bei US-Milit\u00e4rs und -Medien die Frage dar, ob die an und f\u00fcr sich n\u00fctzliche Sch\u00e4digung Russlands nicht <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2022\/05\/19\/opinion\/america-ukraine-war-support.html\">zu viele Mittel bindet<\/a>. Eigentlich werden die ja f\u00fcr Wichtigeres gebraucht und China soll nicht schon wieder Nutznie\u00dfer einer weiteren Krise sein.<\/p>\n<p><em>Gro\u00dfbritannien<\/em> nimmt den Ukraine-Krieg als Chance, sich durch seine forsche milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der Kiewer Regierung (die auch die Verhinderung eines \u201ezu fr\u00fchen\u201c Friedensschlusses mit den Russen durch Boris Johnson einschloss)\u00a0 als die wirkliche europ\u00e4ische F\u00fchrungsmacht <em>jenseits<\/em> der EU in Szene zu setzen \u2013 so etwa nach dem Motto: Ein potentes Milit\u00e4r hat das alte Empire immer noch und kann durch diese Machtentfaltung das \u201edeutsche Europa\u201c, mit dem London seit dem Brexit in einer neuen Konkurrenz steht, m\u00f6glicherweise im seinem Sinne neu ordnen. Kein Wunder, dass dabei erneut die alten B\u00fcndnislinien (mit Polen gegen Deutschland) zum Zug kommen.<\/p>\n<p>Die aufstrebende Gro\u00dfmacht <em>EU<\/em> und ihre <em>deutsche F\u00fchrungsmacht<\/em> wollen nicht hinnehmen, dass Russland sich seiner weiteren Einkreisung entgegenstellt und sich herausnimmt, daf\u00fcr Gewaltmittel einzusetzen. Das ist der Kern von Baerbocks Behauptung, man sei in einer \u201eneuen Welt\u201c aufgewacht, in der wieder Krieg in Europa gef\u00fchrt werde. \u201eKrieg in Europa\u201c gab es selbstverst\u00e4ndlich auch schon vorher wieder \u2013 ob in <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Krieg-in-Europa-und-ein-Deja-vu-7449344.html\">Nordirland oder Jugoslawien<\/a>, nur wurde er da von den \u201erichtigen\u201c M\u00e4chten gef\u00fchrt. Russland dagegen soll das nicht erlaubt sein; ihm steht das Recht auf Kriegf\u00fchren auf diesem Kontinent nicht zu. Deshalb \u201emuss\u201c das Land in seine Schranken gewiesen werden.<\/p>\n<p>Insofern <em>will die EU, will Deutschland <\/em>diesen Krieg \u2013 als erfolgreiche Verteidigung der Ukraine gegen Russland, an deren Ende ein russisches Staatswesen stehen soll, das nicht mehr in der Lage ist, Krieg zu f\u00fchren und das dann idealiter in seine Einzelteile zerf\u00e4llt. Zugleich ist das ein \u2013 weiterer \u2013 Versuch der EU wie Deutschlands, sich im Rahmen der Kriegsbeteiligung zu profilieren und von den USA zu emanzipieren.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird innerhalb der EU die sowieso schon immer vorhandene <em>Konkurrenz<\/em> darum, wer in ihr das Sagen hat, an einem neuen Gegenstand ausgetragen: Wer macht Russland am entschiedensten, forschesten und r\u00fccksichtslosesten fertig? lautet der neue innereurop\u00e4ische Wettbewerb. (Nebenbemerkung: Es ist doch aufschlussreich, was eine <em>\u201eF\u00fchrungsmacht\u201c<\/em> in der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten EU ausmacht!)<\/p>\n<p>Das hat Folgen. Wie schon gesagt, schaden die Wirtschaftssanktionen Deutschland am meisten, weil es die profitabelsten Beziehungen zu Russland unterhielt (s.o.). Es musste im Zuge der westlichen Wirtschaftssanktionen den Zugriff auf die g\u00fcnstigen russischen Energielieferungen ebenso aufgeben wie einen Gro\u00dfteil seines Russland-Gesch\u00e4fts. Dass es sich die Sprengung der Nordstream-Pipeline durch seine Verb\u00fcndeten bieten lassen muss, sorgt sicher nicht nur in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93089\">Washington<\/a> f\u00fcr Freude, sondern auch bei den EU-Partnern, vor allem in Warschau, das diese Pipeline immer aufs Sch\u00e4rfste bek\u00e4mpft hatte.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch liefert Deutschland massiv \u2013 und gleichzeitig steht die deutsche Regierung angesichts der stetigen Forderungen der osteurop\u00e4ischen Staaten als ewiger <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/medien-kampagne-fuer-leos\/\">\u201eZauderer\u201c<\/a> da, der an \u201eF\u00fchrungskraft\u201c verliert. Aktuell versucht die deutsche Politik zwar, diesen Eindruck wieder umzudrehen angesichts dessen, dass nach dem vorherigen lauten Get\u00f6se inzwischen nur noch Deutschland Panzer zu liefern scheint. Es scheint allerdings fraglich, was damit aus der deutschen Kalkulation, sich keineswegs auf \u201egef\u00e4hrliche Alleing\u00e4nge\u201c einzulassen, geworden ist.<\/p>\n<p>Polen jedenfalls sieht sich, wie die Tagesschau best\u00fcrzt feststellt, inzwischen als das neue <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/polen-eu-deutschland-nato-101.html\">\u201eGravitationszentrum\u201c<\/a> Europas, das gemeinsam mit den Balten die Eskalation gegen Russland vorantreibt. Und selbstverst\u00e4ndlich ist sich auch Frankreich wieder schuldig, als st\u00e4rkste Milit\u00e4rmacht der EU aufzutreten, an die eigene atomare Streitmacht zu erinnern und Selensky mit franz\u00f6sischem Milit\u00e4rger\u00e4t zu beliefern\u2026<\/p>\n<p>Nicht zuletzt will die <em>Ukraine<\/em> selbst diesen Krieg. Zwar wird von diesem Land und seinen Bewohnern vermutlich nicht viel \u00fcbrig bleiben, wenn es so weitergeht. Das hindert seine politische F\u00fchrung allerdings \u00fcberhaupt nicht, immer weitere \u201eschwere Waffen\u201c zu fordern und Verhandlungen vor einem \u201eSiegfrieden\u201c auszuschlie\u00dfen, der, Stand heute, auch die R\u00fcckeroberung der Krim beinhalten soll (womit Russlands Schwarzmeerflotte und sein Zugang zum Mittelmeer attackiert wird).<\/p>\n<p>Dieses Land f\u00fchrt hier eine Art versp\u00e4teten Staatsgr\u00fcndungskrieg gegen Russland \u2013 und daf\u00fcr ist offenbar kein Opfer zu hoch. Das Leben der eigenen Bev\u00f6lkerung ist jedenfalls nicht der Ma\u00dfstab, an dem Selensky seine Kriegsstrategie ausrichtet \u2013 und das russischer Soldaten und B\u00fcrger sowieso nicht, denn Russen hat \u201eunser Held\u201c in Kiew l\u00e4ngst zu einer Art von Untermenschen erkl\u00e4rt. Nat\u00fcrlich ist damit auch ein hartes Ausgrenzungs- oder Unterordnungsprogramm gegen\u00fcber den 30 Prozent ethnischer Russen in der ukrainischen Bev\u00f6lkerung auf der Tagesordnung. Russische Sprache, russische Literatur und Musik wurden im letzten Jahr als kulturelle Waffen des Feindes ebenso verboten wie elf Oppositionsparteien (die Kommunistische Partei hatte es schon 2015 erwischt). Die Medien sind gleichgeschaltet; viele Kritiker der Regierung und des Maidan-Putsches von 2014 verhaftet.<\/p>\n<p>Dass fast die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung die \u201eukrainische Heimat\u201c inzwischen verlassen hat, st\u00f6rt nicht, auch wenn nach der inzwischen siebten Mobilisierung (M\u00e4nner bis 60 Jahre) das menschliche Material knapp wird. Denn die Mittel f\u00fcr diesen Krieg bezieht das ukrainische Milit\u00e4r aus der westlichen Waffenhilfe. Die eigene Bev\u00f6lkerung und die eigene Wirtschaft sind als Basis der staatlichen Anspr\u00fcche wesentlich weniger ertragreich. Also muss sich die Ukraine mit ihrem Krieg vor allem weiterhin f\u00fcr die westlichen Staaten interessant machen: So viel Milliarden Dollar und so viel weltweite Aufmerksamkeit w\u00fcrde sie ohne den <em>Gegner Russland<\/em> jedenfalls nie bekommen.<\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><\/p>\n<p>Der jetzt seit einem Jahr laufende Krieg in der Ukraine ist kein singul\u00e4rer russischer Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht, wie er von Seiten westlicher Regierungen und der Mainstream-Medien behauptet wird. V\u00f6lkerrechtsverst\u00f6\u00dfe dieser Art haben \u201ewestliche Staaten\u201c und ihre Verb\u00fcndeten in den letzten drei\u00dfig Jahren in gro\u00dfer Zahl begangen. Er ist auch kein Anschlag auf ein Prinzip namens Weltfrieden, das angeblich allen Staaten dieser Welt am Herzen liegt. Und er ist, wenn es noch zur Eskalation oder gar zum Nuklearkrieg kommt, auch kein tragischer Prozess, in den die Beteiligten wieder einmal \u201eschlafgewandelt\u201c sind.<\/p>\n<p>Nein, die Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Krieg, die beteiligten Staaten und die Strategien ihrer Regierungen liegen in der von den USA nach dem 2. Weltkrieg durchgesetzten <em>\u201eregelbasierten Weltordnung\u201c<\/em> selbst.<\/p>\n<p>Die Regel dieser Ordnung besteht darin, dass auf der ganzen Welt freier Handel und Kapitalverkehr zwischen souver\u00e4nen Staaten stattfindet. Diese Konkurrenz um den Nutzen aus dem weltweit stattfindenden Gesch\u00e4ft enth\u00e4lt in sich notwendig die harten <em>Gegens\u00e4tze<\/em>, die s\u00e4mtliche Staaten dazu veranlassen, ihre \u00f6konomische Konkurrenz bereits im Frieden (!) durch eine geostrategische zu erg\u00e4nzen und daf\u00fcr prophylaktisch nach Kr\u00e4ften aufzur\u00fcsten.<\/p>\n<p>Im laufenden Krieg k\u00e4mpfen Russland, die USA, Gro\u00dfbritannien, das deutsche Europa mit all seinen inneren Widerspr\u00fcchen und die Ukraine selbst um ihre Stellung in der internationalen Konkurrenz der Staaten \u2013 so etwas geht letzten Endes nicht anders als mit Krieg.<\/p>\n<p><em>Daf\u00fcr<\/em> sterben die ukrainischen Soldaten, die russischen Soldaten und die betroffenen Zivilisten in der Ukraine. Und daf\u00fcr werden die Menschen in allen beteiligten Kriegsparteien in Haftung genommen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/ein-jahr-ukraine-krieg-abweichende-bemerkungen\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. Februar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Renate Dillmann. Seit dem 24.2.2022 f\u00fchrt Russland Krieg in der Ukraine. Seitdem sind viele Menschen ums Leben gekommen \u2013 Menschen mit russischer oder mit ukrainischer Staatsangeh\u00f6rigkeit, Zivilisten und vor allem Soldaten. 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