{"id":12766,"date":"2023-03-15T09:50:52","date_gmt":"2023-03-15T07:50:52","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12766"},"modified":"2023-03-15T09:50:54","modified_gmt":"2023-03-15T07:50:54","slug":"geschichtsrevisionismus-er-ist-wieder-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12766","title":{"rendered":"<strong>Geschichtsrevisionismus: Er ist wieder da<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Wolf Wetzel. <\/em><strong>Die Relativierung des deutschen Faschismus war jahrzehnlang ein Anliegen von Alt-Faschisten, Ewiggestrigen und Neonazis. Heute ist es ein Anliegen des woken Imperialismus.<\/strong><\/p>\n<p>In den 1980er Jahren gab es Versuche, den deutschen Faschismus zu relativieren,<!--more--> indem man ihn entweder mit dem Sowjetkommunismus\/Stalinismus gleichsetzte oder gar zu behaupten versuchte, dass das faschistische Dritte Reich nur eine (Abwehr-)Reaktion auf den \u201esowjetischen Totalitarismus\u201c gewesen sei. Mit diesem Versuch ist namentlich sehr stark der Historiker Ernst Nolte verbunden.<\/p>\n<p>Aus dem wissenschaftlichen Diskurs entlassen, bedeutete dies f\u00fcr die Politik, dass der CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl 1985 \u2013 mit dem US-Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan zusammen \u2013 die Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte Bitburg-Kolmesh\u00f6he in Bitburg sowie die Gedenkst\u00e4tte des KZ Bergen-Belsen in einem Aufwasch besuchte. Damit sollte bildtr\u00e4chtig alliierten Soldaten und Mitgliedern der Waffen-SS gleicherma\u00dfen gedacht werden. Damals blieb der wissenschaftliche Diskus a la Nolte in der Minderheit und die politische Umsetzung dieser Relativierung feierte keinen Durchbruch.<\/p>\n<p>Nun scheint der Geschichtsrevisionismus auf breiter Front auf dem Vormarsch und ganz in der Mitte angekommen zu sein. Denn neben der \u201eFreiheit\u201c der Ukraine geht es eben auch um die \u201aBefreiung\u2018 von der eigenen faschistischen Vergangenheit, mit der man nie gebrochen hat und deren gr\u00f6\u00dfter Fehler war, nicht gesiegt zu haben.<\/p>\n<p>Jetzt kann man auch f\u00fcr den \u201e<em>totalen Sieg<\/em>\u201c sein, in dem sehr klaren Wissen, mit welchem Vokabular, mit welcher Geschichte und Assoziationskette man hier \u201aspielt\u2018, wie man sie <em>bluewashed<\/em>.<\/p>\n<p>Was fr\u00fcher in der <em>Nationalzeitung<\/em> zu finden war, nimmt nun breiten Platz in der liberalen ZEIT ein. Diese widmete sich in ihrer Wochenendausgabe vom 18. Februar 2023 mit zahlreichen Gastkommentaren dem Ukraine-Krieg. Nat\u00fcrlich geh\u00f6rt noch ein klein wenig Ausgewogenheit dazu. Man wei\u00df ja nie, wie das Ganze ausgeht! Dann kann man belegen, dass man einfach nur verschiedene Meinungen publiziert hat. Deshalb darf auch Alexander Kluge, ein kongenialer Filmemacher, zu Wort kommen.<\/p>\n<p>Aber die echte Leoparden-Meinung hat man Eva Illouz, Professorin f\u00fcr Soziologie an der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t in Jerusalem \u00fcberlassen. Reiner Zufall, sicherlich. Und sie, die nun wirklich Geschichte aus dem Effeff kennt und um jede Art sekund\u00e4rer Wirkungen und Affekte wei\u00df, kommt in ihrem Gastkommentar gleich zur Sache:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2023\/08\/ukraine-krieg-ende-russland-niederlage\"><em>\u201eIch w\u00fcnsche mir einen totalen Sieg\u201c<\/em><\/a><\/p>\n<p>Dazu f\u00fchrt sie aus:<\/p>\n<p><em>\u201eWelches Ende w\u00fcnsche ich mir, und welches f\u00fcrchte ich? Ich w\u00fcnsche mir einen totalen und vernichtenden Sieg f\u00fcr die Ukraine, und zwar aus mehreren Gr\u00fcnden: Unter Putin wird Russland nicht verhandeln. Seine Worte k\u00f6nnten blo\u00dfes Machogehabe sein, doch hat er mehrfach angedeutet, dass er einen totalen (das hei\u00dft atomaren) Krieg jeder Verhandlungsl\u00f6sung vorzieht. Ich w\u00fcnsche mir einen totalen und vernichtenden Sieg f\u00fcr die Ukraine, weil die Russen t\u00e4glich Verbrechen gegen die Menschlichkeit ver\u00fcben, die nicht unges\u00fchnt bleiben d\u00fcrfen. Nicht zuletzt w\u00fcnsche ich mir, dass Russland vernichtend geschlagen wird, weil Putin die ideellen Werte Europas bedroht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>(ZEIT vom 18. Februar 2023)<\/em><\/p>\n<p>Sie wei\u00df mit der Geschichte und mit Worten sehr gekonnt und bewusst umzugehen. Sie wei\u00df, dass der Topos vom \u201etotalen Krieg\u201c der Inbegriff f\u00fcr den faschistischen Endsieg gegen die Sowjetunion war, der nicht nur die Kommunisten, sondern alles, was man f\u00fcr j\u00fcdisch hielt, vernichten, ausl\u00f6schen sollte. Wer also mit dem Topos vom \u201etotalen Sieg\u201c hantiert, erkl\u00e4rt nicht die Geschichte, sondern l\u00f6scht sie aus.<\/p>\n<p>Aber auch aus einem weiteren Grund sind diese Worte schwer auszuhalten. Die Professorin f\u00fcr Soziologie versteht etwas von Geschichte. Sie versteht sicherlich auch etwas von einem exklusiven Geschichtsverst\u00e4ndnis. W\u00fcrde sie auch den \u201etotalen Sieg\u201c jenen w\u00fcnschen, die seit Jahrzehnten in besetzten Gebieten leben, ganz egal, wo sich diese befinden? W\u00fcrden sie all jenen eine vernichtende Niederlage w\u00fcnschen, die ein Besatzungsregime unterhalten?<\/p>\n<p><strong>Vom <em>totalen Sieg<\/em> bis zum <em>Vernichtungskrieg<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Mit dem willk\u00fcrlichen Geschichts- und Rechtsverst\u00e4ndnis ist sie nicht alleine. In der ganz honorigen Mitte dieser Gesellschaft sind erschreckend viele dabei, die faschistische \u201aTopografie\u2018 einzuebnen, und das nicht aus Versehen oder Unwissenheit, sondern im Wissen um die Affekte.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt ganz sicher die Firma \u201e<em>Zentrum Liberale Moderne<\/em>\u201c (LIB Moderne). Man k\u00f6nnte es f\u00fcr eine Monty Python Simulation halten, doch diese Erleichterung g\u00f6nnt man uns nicht. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hei\u00dft Ralf F\u00fccks, war mal strammer Maoist, also KBW-Mitglied und k\u00e4mpft nun ganz vorne und vorbildlich f\u00fcr das, was er damals mit Waffengewalt st\u00fcrzen wollte. Ihm beigestellt ist seine Ehefrau, die es in dem Familienbetrieb immerhin bis zum \u201eSenior Fellow\u201c geschafft hat. Wer sagt, dass Emanzipation nicht erfolgreich sein kann, kann es hier live erleben. Marieluise Beck bringt als Soft-Kapital ihre langj\u00e4hriges Bundestagsabgeordneten-Dasein als GR\u00dcNE ein.<\/p>\n<p>Sie machen sich verdient, mit dem, was ganz oben gebraucht und honoriert wird. Authentische Entt\u00e4uschung \u00fcber die eigene politische Vergangenheit und einen enthemmten Hass auf jene, die ihrem Kotau nicht folgen wollen und werden. Also generieren so etwas wie einen privatkapitalistischen Verfassungsschutz und erstellen \u201e<em>Gegneranalysen<\/em>\u201c. Dazu z\u00e4hlt auch das Onlinemagazin \u201eNachDenkSeiten\u201c. Man kann ihre (innere und lukrative) Aufgabe auch so zusammenfassen: Sie m\u00fcssen und wollen alles aus dem Weg r\u00e4umen, was sie mit ihren Lebensl\u00fcgen, mit ihren unterw\u00fcrfigen Staatsdiensten in Verbindung bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>All das m\u00fcssen sie nicht nur in Friedenszeiten, sondern jetzt erst recht in Kriegszeiten beweisen. In dem Aufruf <em>Das Ungeheuerliche nicht hinnehmen<\/em> rechnet Ralf F\u00fccks mit den Z\u00f6gerlichen und Zaudernden in der Bundesregierung ab:<\/p>\n<p><em>Russlands Vernichtungsfeldzug gegen die Ukraine zwingt uns zu entschiedenem Handeln \u2013 doch die deutsche \u201eZeitenwende\u201c ist auf halbem Weg steckengeblieben. Die deutsche Russland- und Ukraine-Politik muss ihre strategische Zweideutigkeit aufgeben.<\/em><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den Weicheiern macht er einen auf dicke Hose:<\/p>\n<p><em>Nur (die Niederlage) kann die Ausn\u00fcchterung von der Wahnidee eines gro\u00dfrussischen Reichs in Gang bringen. Solange Russland seiner imperialen Obsession folgt, gibt es weder einen stabilen Frieden in Europa noch die Chance auf eine demokratische Wende im Land.<\/em><\/p>\n<p>Kein Wort verliert der Ex-Maoist \u00fcber den allt\u00e4glichen Imperialismus der alten Superm\u00e4chte. Dass Russland etwas macht, was eine imperiale Selbstverst\u00e4ndlichkeit im Westen ist, f\u00e4llt unter den Tisch. Dass fast alle internationalen Vertr\u00e4ge vom Westen gebrochen werden, dass die westlichen Superm\u00e4chte ganz selbstverst\u00e4ndlich <em>Einflusszonen und Sicherheitsinteressen<\/em> \u00fcber alle internationalen Gesetze hinweg bestimmen und gewaltsam aufrechterhalten, ist dem Chef vom \u201eZentrum Liberale Moderne\u201c einfach entfallen.<\/p>\n<p>Stattdessen l\u00e4sst es der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ralf F\u00fccks so richtig krachen:<\/p>\n<p><em>Der Krieg gegen die Ukraine zieht sich nun schon ein qu\u00e4lend langes Jahr. Vor unseren Augen spielt sich ein Vernichtungskrieg ab, wie ihn Europa seit dem 2.Weltkrieg nicht mehr gesehen hat. <\/em><\/p>\n<p>Und dann will er sich als richtiger Heimkrieger beweisen, einer, der wei\u00df, dass man sich von Drohungen nicht einsch\u00fcchtern lassen darf.<\/p>\n<p><em>Unsere Furcht vor Putins Drohung, den Krieg zu eskalieren, gibt ihm freie Hand, die Gewalt gegen die Ukraine immer mehr zu steigern. Wir du\u0308rfen nicht zusehen, wie ein europ\u00e4isches Land, das fu\u0308r seine Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit k\u00e4mpft, vernichtet wird. Das ist nicht nur eine Frage der Solidarit\u00e4t mit der Ukraine, sondern unserer eigenen Sicherheit, unserer Werte und unserer Selbstachtung.<\/em><\/p>\n<p>Soviel billigen Fusel habe ich schon lange nicht mehr \u201agenossen\u2018. Was besonders unertr\u00e4glich ist, dass ausgerechnet er an einem Geschichtsrevisionismus mitarbeitet, der nicht auf Ahnungslosigkeit und Dummheit basiert, sondern auf Kalk\u00fcl. Dass dies auf eine breite Mitte st\u00f6\u00dft, belegen die UnterzeichnerInnen dieses Bekennerschreibens, die sich nicht mit Bildungsferne entschuldigen k\u00f6nnen: Das reicht von Gerhart Baum, Dany Cohn-Bendit, Joschka Fischer, Michel Friedman, Wolfgang Niedecken, bis zu Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Michael Wolffsohn.<\/p>\n<p><strong>Vernichtungskrieg: Nachgerechnet mit dem Taschenrechner<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wei\u00df Ralf F\u00fccks sehr genau, wenn er von einem \u201e<em>Vernichtungskrieg<\/em>\u201c Russlands gegen die Ukraine und gegen den Rest der Welt spricht. Wenn Deutschland gerade dabei ist, eine \u201eF\u00fchrungsmacht\u201c im Krieg gegen Russland zu werden, vom inszenierten \u201eZ\u00f6gerer\u201c zum Antreiber, dann muss man die Erinnerung an den Vernichtungskrieg des deutschen Faschismus relativieren.<\/p>\n<p>Markus Mohr hat sich die M\u00fche gemacht, hinter das Blendfeuer zu schauen:<\/p>\n<p><em>Der Begriff \u201eVernichtungskrieg\u201c ist den UnterzeichnerInnen doch wohl hoffentlich nicht einfach so aus dem Maul gerutscht, er ist doch historisch fixiert. Ja, kann es denn sein? Der Aufruf ist doch auch von dem Alt-Maoisten Karl Schl\u00f6gel, seines Zeichens Professor f\u00fcr Geschichte unterzeichnet worden. Was mag den Historiker Schl\u00f6gel eigentlich nur daran gehindert haben, hier einfach einmal eine Quellenkritik mit dem Taschenrechner zu probieren? Also: Die Sowjetunion hatte in dem explizit rasseideologisch motivierten Vernichtungskrieg des Deutschen Reiches gegen Slawen und Juden, d.h. in nationalsozialistischer Terminologie: \u201eUntermenschen\u201c, in der Zeit zwischen dem 22. Juni 1941 bis zum 8. Mai 1945 nach unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen zwischen 24 bis 28 Millionen Tote zu beklagen. Legen wir hier die Totenbilanz pro Tag zugrunde, sprich: Der von Nazi-Deutschland gegen die Sowjetunion gef\u00fchrte Krieg dauerte 1414 Tage und teilt man das durch 27.000 Millionen Tote Sowjetb\u00fcrgerInnen dann ergibt sich eine Totenzahl von etwa 19.100 Toten pro Tag. Zweifellos: Das ist ein gigantischer Leichenberg und eben das ist das Ergebnis, so der hier zielf\u00fchrende Begriff, von Vernichtungskrieg. Nehmen wir nun die Totenzahlen im aktuellen Krieg zwischen der Ukraine und der russischen F\u00f6deration so sind nach 365 Tagen Krieg nach groben, und aktuell ohnehin nicht ganz zufriedenstellend zu verifizierenden, Sch\u00e4tzungen, etwa 250.000 Tote, sprich Soldaten und Zivilisten, auf allen Seiten zu beklagen. Teilt man diese Totenzahl durch alle Kalendertage eines Jahres, so sind hier etwa 865 Tote pro Tag zu beklagen. Nun wei\u00df man immerhin so viel: Die Zahl von 865 Toten pro Tag reicht auch im Entferntesten nicht an die Zahl von 19.100 Toten pro Tag heran.<\/em><\/p>\n<p><em>(Gegen die, die schon wieder mit den Schweinsteufeln und Schlangengeistern tanzen!)<\/em><\/p>\n<p>Allein mithilfe eines deutschen Taschenrechner (Made in China) kommt man zu dem Schluss:<\/p>\n<p><em>Die Unterzeichnenden wollen mit der politisch falsch gespielten Assoziationskette \u201eZweiter Weltkrieg \u2013 Nazi-Deutschland \u2013 Angriffskrieg \u2013 Russische F\u00f6deration\u201c in einer Weise Stimmung machen, wie das schon einmal in der Bundesrepublik w\u00e4hrend des Angriffskrieges gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Fr\u00fchjahr 1999 der Fall war. Es war Bundesau\u00dfenminister Fischer pers\u00f6nlich, der hier mit seinem \u201eAuschwitz! Auschwitz! Auschwitz!\u201c \u2013 Gebl\u00f6ke den Ton vorgab.<\/em><\/p>\n<p><em>(s.o.)<\/em><\/p>\n<p>Dankenswerter Weise erinnert Jan Korte (Erster Parlamentarischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Linksfraktion im Bundestag) ebenfalls an diesen grassierenden Geschichtsrelativismus:<\/p>\n<p><em>Wenn (\u2026) heute von f\u00fchrenden Politikern der Koalition und in gr\u00f6\u00dferen Teilen der Medien der Begriff des Vernichtungskrieges auf die russische Kriegsf\u00fchrung angewandt wird, dann ist das schlicht eine Form der Geschichtsrelativierung im Dienste der inneren Mobilmachung.<\/em><\/p>\n<p><em>(ND vom 13.02.2023)<\/em><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich wei\u00df Herr F\u00fccks, das er Kriegspropaganda betreibt. Denn auch ohne (chinesische) Taschenrechner kann man sehr schnell das billige Outsourcing deutscher Kriegsverbrechen kl\u00e4ren:<\/p>\n<p>Wie lange br\u00e4uchte die russische Milit\u00e4rf\u00fchrung, um das Regierungsviertel in Kiew in Schutt und Asche zu legen? Also das Regierungsviertel, das regelm\u00e4\u00dfig von Kriegskoalition\u00e4ren der Ukraine besucht wird, wo sie so empfangen werden, dass es ihnen an nichts fehlt. Selbst die Sirenen, die man beim Dreh im Hintergrund h\u00f6ren darf, haben nichts mit einer Gefahr zu tun, sondern geh\u00f6ren zur Atmo.<\/p>\n<p>Oder ein anderer ganz schlichter Beweis, wie dreist der Vorwurf ist, Russland w\u00fcrde einen Vernichtungskrieg f\u00fchren: Es w\u00e4ren ein leichtes, die Zuglinien zu bombardieren, die regelm\u00e4\u00dfig von den Kriegskoalition\u00e4ren an der Seite der Ukraine benutzt werden, um komfortabel in die Hauptstadt zu gelangen. Sie sind intakt und zudem holt man sich vom v\u00f6llig unberechenbaren \u201ePutin\u201c auch noch eine Sicherheitsgarantie.<\/p>\n<p>Und ein Letztes, denn Herr F\u00fccks wei\u00df um diese Details sehr genau: Was wurde im Angriffskrieg gegen die ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien 1999 gleich von Anfang an bombardiert? Zivile Ziele (wie Br\u00fccken, Staud\u00e4mme, Kraftwerke, lebenswichtige Infrastruktur usw.) und \u2026 der staatliche Fernsehsender in Belgrad? Erinnern Sie sich, Herr F\u00fccks!<\/p>\n<p><strong>Das Comeback der Dolchsto\u00dflegende<\/strong><\/p>\n<p>Ganz zentral f\u00fcr eine reaktion\u00e4re und revisionistische Geschichtsschreibung ist die \u201eDolchsto\u00dflegende\u201c. Die <em>Dolchsto\u00dflegende<\/em> wurde mit dem Ende des Ersten Weltkrieges geschmiedet, als die deutsche Reichswehr kapitulieren musste. In dieser Erz\u00e4hlung wurde der Krieg nicht an der Front verloren, sondern aufgrund der vielen Weicheier zuhause. Kriegsm\u00fcde Menschen bis hin zu Politiker an der Heimatfront h\u00e4tten die tapferen Soldaten an der Front verraten.<\/p>\n<p>Diese in das heutige Kriegsgeschehen einzubauen, ist das Verdienst des Journalisten Gabor Steingart, der in der Zeitschrift <em>Focus<\/em> seinen \u201e<em>Dolchsto\u00df<\/em>\u201c auspacken durfte. In seinem Gastbeitrag <em>Mein Widerspruch zum Wagenknecht-Schwarzer-Manifest<\/em> lehnt er das Anliegen, den Krieg auf dem Territorium der Ukraine mit sofortigen Verhandlungen zu beenden, kategorisch ab:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Frage, wie lange soll gek\u00e4mpft und gestorben werden, kann nur jenes Volk beantworten, dessen Menschen im Moment k\u00e4mpfen und sterben. Alles andere w\u00e4re ein Dolchsto\u00df, der auch dann ein Dolchsto\u00df bleibt, wenn er aus edlen Motiven und vom deutschen Sofa aus durchgef\u00fchrt wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Damit imaginiert er ein Kriegsgeschehen, das alles leugnet, was zu einem Schlachtfeld f\u00fchrt und was eben nicht auf dem Schlachtfeld entschieden wird. Die Vorstellung, der Krieg k\u00f6nnen nur von den entschieden werden, die \u201e<em>im Moment k\u00e4mpfen und sterben<\/em>\u201c k\u00f6nnte Ernst J\u00fcngers Roman <em>In Stahlgewittern<\/em> entnommen sein. Er l\u00e4sst ausdr\u00fccklich und vors\u00e4tzlich jene K\u00f6nige (Feldherren)auf dem Schlachtfeld verschwinden, die die Bauern (Soldaten) in der Schlacht verheizen.<\/p>\n<p>Mit der Aktivierung der Dolchsto\u00dflegende wird nicht nur ein Kriegsverbrechen umgeschrieben und Kriegsherren in Sicherheit gebracht. Ihre Wiederverwendung weist auch auf den n\u00e4chsten (Welt-)Krieg hin, den man auf keinen Fall zuhause verlieren darf. Diese Lehre hat der Irokesen-Kolumnist des Magazins \u201eDer Spiegel\u201c Sascha Lobo gezogen und \u201e<em>Lumpenpazifisten<\/em>\u201c ausgemacht, die der Strategieberater Sascha Lobo vorauseilend auf sein publizistisches Schafott schleppt.<\/p>\n<p><strong><u>Quellen und Hinweise:<\/u><\/strong><\/p>\n<p><em>Das Ungeheuerliche nicht hinnehmen, <\/em>Ralf F\u00fccks, 4. Januar 2023: <a href=\"https:\/\/libmod.de\/krieg-in-der-ukraine-das-ungeheuerliche-nicht-hinnehmen\/\">https:\/\/libmod.de\/krieg-in-der-ukraine-das-ungeheuerliche-nicht-hinnehmen\/<\/a><\/p>\n<p><em>Die innere Mobilmachung, <\/em>Jan Korte, ND vom 13.2.2023: <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1170945.aufruestung-der-bundeswehr-die-innere-mobilmachung.html?sstr=bundeswehr\">https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1170945.aufruestung-der-bundeswehr-die-innere-mobilmachung.html?sstr=bundeswehr<\/a><\/p>\n<p><em>Mein Widerspruch zum Wagenknecht-Schwarzer-Manifest<\/em>, Gabor Steingart, Focus vom 15.2.2023: <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/gastbeitrag-von-gabor-steingart-wagenknecht-schwarzer-mein-widerspruch-zu-ihrem-manifest_id_185874972.html\">https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/gastbeitrag-von-gabor-steingart-wagenknecht-schwarzer-mein-widerspruch-zu-ihrem-manifest_id_185874972.html<\/a><\/p>\n<p><em>Gegen die, die schon wieder mit den Schweinsteufeln und Schlangengeistern tanzen! Markus Mohr<\/em>:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2023\/02\/19\/gegen-die-die-schon-wieder-mit-den-schweinsteufeln-und-schlangengeistern-tanzen-markus-mohr\/\">https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2023\/02\/19\/gegen-die-die-schon-wieder-mit-den-schweinsteufeln-und-schlangengeistern-tanzen-markus-mohr\/<\/a><\/p>\n<p><em>Es ist nicht von Belang, wer den ersten Schuss abgegeben hat \u2026<\/em> Wolf Wetzel: <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/kolumnen\/kohlhaas-unchained\/es-ist-nicht-von-belang-wer-den-ersten-schuss-abgegeben-hat\/\">https:\/\/overton-magazin.de\/kolumnen\/kohlhaas-unchained\/es-ist-nicht-von-belang-wer-den-ersten-schuss-abgegeben-hat\/<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/kolumnen\/kohlhaas-unchained\/geschichtsrevisionismus-er-ist-wieder-da\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. M\u00e4rz 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolf Wetzel. Die Relativierung des deutschen Faschismus war jahrzehnlang ein Anliegen von Alt-Faschisten, Ewiggestrigen und Neonazis. Heute ist es ein Anliegen des woken Imperialismus.<br \/>\nIn den 1980er Jahren gab es Versuche, den deutschen Faschismus zu relativieren,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12767,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[39,142,34,18,14,19,118],"class_list":["post-12766","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-deutschland","tag-dritter-weltkrieg","tag-faschismus","tag-imperialismus","tag-postmodernismus","tag-ukraine","tag-zweiter-weltkrieg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12766"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12766\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12768,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12766\/revisions\/12768"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}