{"id":12811,"date":"2023-03-22T16:56:33","date_gmt":"2023-03-22T14:56:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12811"},"modified":"2023-03-22T16:56:35","modified_gmt":"2023-03-22T14:56:35","slug":"vor-20-jahren-der-krieg-gegen-saddam-hussein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12811","title":{"rendered":"<strong>Vor 20 Jahren: Der Krieg gegen Saddam Hussein<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Norman Paech. <\/em>Als Pr\u00e4sident George W. Bush am 20. M\u00e4rz 2003 den Befehl zum Angriff auf Bagdad gab, war das Land schon durch zwei Kriege und andauernde Wirtschaftssanktionen schwer gezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Desert Storm, 1991<\/strong><\/p>\n<p>Saddam Hussein hatte im Sommer 1990 seinen Nachbarstaat Kuweit \u00fcberfallen. <!--more-->Der UN-Sicherheitsrat hatte sofort mit seinen Resolutionen 661 und 665 reagiert und ein totales Wirtschaftsembargo verf\u00fcgt. Von diesem Embargo waren praktisch nur medizinische Artikel sowie Lebensmittel ausgenommen, wenn aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden erforderlich. Doch die USA erh\u00f6hten den milit\u00e4rischen Druck und erreichten vom UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 678 die erste ausdr\u00fcckliche Erm\u00e4chtigung zu milit\u00e4rischen Sanktionen seit dem Koreakrieg. Dabei verzichtete er jedoch auf Druck der USA auf jegliche Aufsicht und Kontrolle der unter US-Kommando stehenden Milit\u00e4rallianz. \u00dcberliefert ist der Satz des damaligen Generalsekret\u00e4rs Perez de Cuellar, den er am ersten Tag der Luftangriffe auf Bagdad \u00e4u\u00dferte: \u201eDies ist eine Niederlage der Vereinten Nationen\u201c [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_1\">1<\/a>]. Die Zerst\u00f6rungen und Opfer der anschlie\u00dfenden Bombardierungen \u00fcber 42 Tage und die sp\u00e4ter dokumentierten Kriegsverbrechen der US-amerikanischen Truppen sollten ihm recht geben.<\/p>\n<p>Der milit\u00e4rische Einsatz war zwar erfolgreich, die irakischen Truppen mussten sich zur\u00fcckziehen. Aber die vorher schon in den USA entwickelten Pl\u00e4ne zur Beherrschung der zentralen \u00d6lregion erforderten weitergehende Ma\u00dfnahmen. So verwandelte sich die Resolution 687 vom April 1991, mit der die Einstellung der K\u00e4mpfe verk\u00fcndet wurde, in einen Hebel und ein Druckinstrument f\u00fcr einen festen Zugriff auf das Land. Jede Einfuhr lebenswichtiger Lebensmittel und Medikamente, aber auch jedes Ersatzteil f\u00fcr die Wasser- und Stromversorgung oder das Transportsystem hing seitdem von der Zustimmung des Sanktionskomitees (United Nations Special Committee \u2013 UNSCOM) ab. Dieses verhinderte mit seinen Verweigerungen nicht nur den Wiederaufbau der Wirtschaft, sondern sch\u00e4digte auch nachhaltig das einstmals hoch entwickelte und leistungsf\u00e4hige medizinische System.<\/p>\n<p>Das konnte auch nicht durch das sogenannte \u201eOil for Food\u201c-Programm vom August 1991 aufgefangen werden, sodass die fortschreitende Verelendung und Mangelwirtschaft das Ausma\u00df einer auch von der UNO festgestellten humanit\u00e4ren Katastrophe annahm. Die beiden Koordinatoren des Programms, Denis Halliday und Hans-Christof von Sponeck, traten nacheinander zur\u00fcck. Halliday begr\u00fcndete seinen R\u00fccktritt 1998 sp\u00e4ter mit der Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<p><em>\u201eIch wurde zum R\u00fccktritt getrieben, weil ich mich weigerte, die Anordnungen des Sicherheitsrates zu befolgen, der gleiche Sicherheitsrat, der die v\u00f6lkermordverursachenden Sanktionen eingerichtet hat und diese aufrechterh\u00e4lt, die die Unschuldigen im Irak treffen. Ich wollte nicht zum Komplizen werden, ich wollte frei und \u00f6ffentlich gegen dieses Verbrechen sprechen. Der wichtigste Grund ist, dass mein angeborenes Gerechtigkeitsempfinden entr\u00fcstet war und ist \u00fcber die Gewaltt\u00e4tigkeit der Auswirkungen, die die UN-Sanktionen auf das Leben von Kindern, Familien hatte und hat. Es gibt keine Rechtfertigung f\u00fcr das T\u00f6ten der jungen, der alten, der kranken, der armen Bev\u00f6lkerung des Irak.\u201c [<\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_2\"><em>2<\/em><\/a><em>]<\/em><\/p>\n<p>Von Sponeck verlie\u00df 2000 aus den gleichen Gr\u00fcnden seinen Posten. Er hatte die Luftangriffe dokumentiert, die die USA auch nach dem Krieg ohne Mandat des Sicherheitsrats gegen den Irak flogen, also v\u00f6lkerrechtswidrig waren, und viele zivile Opfer verursachten. Sie waren nicht die einzigen, die ihre Arbeit niederlegten. So auch die Leiterin des Weltern\u00e4hrungsprogramms im Irak, Jutta Burghardt, mit der bitteren Erkenntnis: \u201eDas humanit\u00e4re Programm (\u00d6l f\u00fcr Lebensmittel) ist sachlich ausgeh\u00f6hlt und dient der Verschleierung der wirklichen Auswirkungen der Sanktionen.\u201c Die Zahl der Toten ist nie richtig festgestellt worden und schwankt um die eine Million. \u00dcberliefert ist aber die zynische Antwort der damaligen UN-Botschafterin der USA, Madeleine Albright, aus dem Jahr 1996 auf die Frage, ob 500.000 tote Kinder als Folge der Sanktionen nicht ein zu hoher Preis gewesen seien: \u201eIch denke, das ist eine sehr harte Wahl, aber der Preis, denke ich, der Preis war es wert.\u201c [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_3\">3<\/a>]<\/p>\n<p>Unter diesen Bedingungen konnte sich die Regierung in Bagdad auch nicht dagegen wehren, dass der UN-Sicherheitsrat im April 1991 mit seiner Resolution 688 die Souver\u00e4nit\u00e4t des Irak im Norden drastisch beschr\u00e4nkte, um den gef\u00e4hrdeten Kurden einen sog. save haven (sicheren Hafen) einzurichten, der nur f\u00fcr Hilfsorganisationen zug\u00e4nglich seine sollte, die von der UNO autorisiert sind. So begr\u00fc\u00dfenswert es war, dass der Sicherheitsrat zum ersten Mal eine \u00bbHumanit\u00e4re Intervention\u00ab als Reaktion auf innere Unruhen und B\u00fcrgerkrieg zum Schutze eines Volkes praktizierte, so war sie doch auch ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Herrschaft \u00fcber die strategisch und \u00f6konomisch wichtige Region. Denn nicht nur \u00fcberschritt die T\u00fcrkei in den Folgejahren wiederholt die Grenze und installierte sich seit 1997 milit\u00e4risch dort fest, um die Kurden zu bek\u00e4mpfen. Auch die USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich errichteten Flugverbotszonen zum Schutz der Kurden im Norden und der Schiiten im S\u00fcden. Alle Ma\u00dfnahmen waren weder von der Resolution 678 noch 687 gedeckt und offen v\u00f6lkerrechtswidrige Eingriffe in die Souver\u00e4nit\u00e4t und territorialen Integrit\u00e4t des Irak.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcstenfuchs, 1998<\/strong><\/p>\n<p>Als dann 1998 der ehemalige Leiter von UNSCOM Rolf Ekeus den Inspektionen Spionage und die Weitergabe von Informationen an den israelischen Mossad vorwarf, eskalierten die Auseinandersetzungen mit Bagdad. Im Dezember 1998 forderte die USA die Inspekteure auf, das Land zu verlassen und starteten ihre \u00bbOperation W\u00fcstenfuchs\u00ab, ein viert\u00e4giges Bombardement Bagdads mit ca. 1.600 Toten. Es gab keine Reaktion des Sicherheitsrats, es fand sich auch keine Mehrheit von Staaten, die die Operation als das verurteilten, was sie war: v\u00f6lkerrechtswidrig. Damit war dem Sicherheitsrat endg\u00fcltig die Kontrolle \u00fcber den Irakkonflikt entglitten, der sich nun als das darstellte, was er von Anfang an war, als Konfrontation der USA mit dem Regime Saddam Husseins.<\/p>\n<p>Betrachten wir die US-amerikanische Strategie auf einer globalen Stufe, so geht es ihr damals wie heute um die zweite Kolonialisierung des Mittleren Ostens. Die Aufl\u00f6sung der direkten kolonialen Herrschaft nach dem zweiten Weltkrieg mit der Errichtung der UNO und der Gr\u00fcndung des Staates Israel war zwar politisch erfolgreich und sp\u00e4testens mit dem gemeinsamen Suezabenteuer von Briten, Franzosen und Israelis 1956 abgeschlossen. Eine echte \u00f6konomische und soziale Unabh\u00e4ngigkeit hat aber kaum einer der postkolonialen Staaten erringen k\u00f6nnen. Die daraus resultierende Instabilit\u00e4t der ganzen Region entlud sich immer wieder in Unruhen und Kriegen (Erd\u00f6lkrieg 1973\/74, 1. Golfkrieg 1980\/88, 2. Golfkrieg 1990\/91, 3. Golfkrieg 2003), die das R\u00fcckgrat der westlichen Prosperit\u00e4t zu einer der sensibelsten Zonen mit hoher Anf\u00e4lligkeit machte.<\/p>\n<p>Dem Ganzen liegt das Konzept unilateraler Beherrschung der Welt mittels absoluter milit\u00e4rischer \u00dcberlegenheit zugrunde, ein imperiales Hegemoniekonzept, das auch von den sogenannten Tauben in der US-Administration bis heute vertreten wird. Daran hatte Au\u00dfenminister Powell schon 1992 keinen Zweifel gelassen: \u00bbDie USA ben\u00f6tigen milit\u00e4rische Machtmittel, um jede konkurrierende Macht abzuschrecken, jemals davon zu tr\u00e4umen, dass man uns auf der globalen Ebene herausfordern k\u00f6nnte.\u00ab[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_4\">4<\/a>] Pr\u00e4sident Bush wiederholte diesen Suprematieanspruch in seiner Westpoint-Rede vom Juni des gleichen Jahres: \u00bbOberstes Ziel der US-Strategie nach dem Ende des Kalten Krieges muss es sein, zu verhindern, dass irgendwo auf der Welt irgendeine Macht zum ebenb\u00fcrtigen Konkurrenten wird.\u00ab[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_5\">5<\/a>] Er lie\u00df ihn dann in der Nationalen Sicherheitsstrategie vom 20. September 2002 noch einmal betonen: \u00bbEs ist die Zeit gekommen, wieder die wesentliche Rolle amerikanischer Milit\u00e4rmacht zu betonen \u2026. Wir werden Streitkr\u00e4fte unterhalten, die zur Erf\u00fcllung unserer Verpflichtung f\u00e4hig sind und die Freiheit verteidigen. Unsere Streitkr\u00e4fte werden stark genug sein, potenzielle Gegner von ihren Aufr\u00fcstungsvorhaben abzubringen, die sie in der Hoffnung auf \u00dcberlegenheit oder Gleichstellung im Hinblick auf die Macht der Vereinigten Staaten betreiben.\u00ab[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_6\">6<\/a>] Diese Drohung war schon damals nicht auf den Mittleren Osten begrenzt, sondern richtete sich global ebenso gegen Russland wie gegen China und ist auch heute noch aktuell.<\/p>\n<p>Das letzte Kapitel im Kampf um den Irak begann am 9. November 2002 mit der Resolution 1441 des UN-Sicherheitsrats, die nach monatelangem Ringen einen Weg suchte, um den offensichtlich schon im Fr\u00fchjahr 2002 definitiv beschlossenen Krieg gegen den Irak noch zu vermeiden. Sie verlangte von der Regierung in Bagdad, alle Resolutionen des Sicherheitsrats bedingungslos zu akzeptieren, ihren Verpflichtungen zur Kontrolle und Vernichtung ihrer Massenvernichtungswaffen und den UN-Sicherheitsinspekteuren sowie der Internationalen Atomenergieorganisation uneingeschr\u00e4nkt und bedingungslos Zugang zu allen Anlagen zu verschaffen. Aus dem Wortlaut der Resolution ist eindeutig keine Erm\u00e4chtigung f\u00fcr einen Krieg herauszulesen, so sehr sich die USA auch bei den Beratungen darum bem\u00fchten. Die Weigerung der Franzosen und Russen war ausschlaggebend daf\u00fcr, dass es keinen Automatismus f\u00fcr eine Kriegserm\u00e4chtigung in der Resolution gab.<\/p>\n<p><strong>Operation Iraqi Freedom, 2003<\/strong><\/p>\n<p>So nahmen die USA nach zwei Monaten erneut einen Anlauf, um ihrem beschlossenen Feldzug gegen Saddam Hussein ein legales Gewand zu geben. Sie hatten sich drei fundamentale L\u00fcgen ersonnen, um den Sicherheitsrat zu einem Votum zu bringen, das ihren Krieg legalisieren w\u00fcrde.<\/p>\n<ol>\n<li><em> F\u00fcr die Sicherheitsratssitzung am 5. Februar 2003 hatte US-Au\u00dfenminister Colin Powell Luftaufnahmen eines angeblich mobilen Giftgaslabors mitgebracht, die ein UN-Inspektionsteam schon vorher als Wassertankwagen identifiziert hatte. Er pr\u00e4sentierte au\u00dferdem Bilder von gro\u00dfen Aluminiumr\u00f6hren, die angeblich eine Spezialanfertigung f\u00fcr den Bau von Atomwaffen seien \u2013 allerdings daf\u00fcr vollkommen ungeeignet. Er st\u00fctzte sich zudem auf eine Aussage des britischen Premiers Anthony Blair: \u00bbWir wissen, der Irak hat chemische und biologische Waffen. Er stellt sie nach wie vor her und will sie auch einsetzen. Saddam kann diese Waffen innerhalb 45 Minuten aktivieren.\u00ab[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_7\">7<\/a>] Die Carnegie Endowment for International Peace erkl\u00e4rte Ende 2003 in einer Studie, dass die Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen systematisch aufgebauscht worden sei und Vize-Au\u00dfenminister Paul Wolfowitz musste im Mai 2003 nach Beendigung des Krieges zugeben: \u00bbAus b\u00fcrokratischen Gr\u00fcnden setzten wir auf das Thema Massenvernichtungswaffen, weil es der einzige Grund war, bei dem jeder zustimmen konnte.\u00ab Noch zwei Tage vor Beginn der Bombardierung Bagdads, am 18. M\u00e4rz 2003, behauptete US-Pr\u00e4sident Bush, \u00bbGeheimdienstinformationen unserer und befreundeter Regierungen lassen keine Zweifel, dass das irakische Regime einige der trefflichsten Waffen besitzt und versteckt, die jemals entworfen wurden.\u00ab<\/em><\/li>\n<li><em>Kampf gegen den Terror: Da die Massenvernichtungswaffen im Sicherheitsrat niemand richtig \u00fcberzeugen konnten, war schon fr\u00fch der Kampf gegen den Terror eine weitere Rechtfertigung f\u00fcr die geplante Invasion. Bei der Verk\u00fcndung des Sieges \u00fcber den Irak am 1. Mai erkl\u00e4rte Bush: \u00bbDie Schlacht im Irak war ein Sieg im Kampf gegen den Terrorismus, der am 11. September begonnen hat. Die Befreiung des Irak war ein Sieg im Kampf gegen den Terror. Wir haben einen Verb\u00fcndeten von Al Qaida beseitigt. Und eine Finanzierung des internationalen Terrorismus trockengelegt.\u00ab Dies war offensichtlich falsch. Der ehemalige Geheimdienstchef Greg Thielman sagte schon damals: \u00bbIch kenne wirklich keinen einzigen Terrorismusexperten in der US-Administration, der Osama bin Laden als einen Alliierten von Saddam betrachten w\u00fcrde.\u00ab Und auch ein Kommissionsbericht aus dem US-Senat best\u00e4tigte, dass jegliche Verbindung von Saddam Hussein mit dem internationalen Terrornetzwerk erfunden sei. Doch Bush hielt an seiner falschen Propaganda fest.<\/em><\/li>\n<li><em>Geplanter Regimewechsel: Die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge war jedoch, dass es bei dem Angriff auf Bagdad gar nicht um die Bedrohung durch Massenvernichtungsmittel ging. Der Krieg gegen den Irak war bereits seit Mitte der neunziger Jahre in der Planung gewesen. Die Sicherung des unangefochtenen Zugangs zum \u00d6l war bereits in der Clinton-Administration die vorrangige Aufgabe. Vor den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2000 hatten Paul Wolfowitz, Donald Rumsfeld und Dick Cheney beim \u00bbProject for a new American Century\u00ab eine Studie in Auftrag gegeben, die den \u00bbWiederaufbau der amerikanischen Verteidigung\u00ab zum Gegenstand hatte. In ihr wurden die aktuellen US-amerikanischen geostrategischen Aufgaben formuliert. Das Dokument empfahl u.a. \u00bbdie direkte Errichtung von \u203aVorw\u00e4rtsbasen\u2039 der USA in ganz Mittelasien und dem Nahen Osten \u2026, die der Sicherung der wirtschaftlichen Vorherrschaft der USA in der Welt und der Strangulierung aller potentieller \u203aRivalen\u2039 oder sonstiger lebensf\u00e4higer Alternativen zu Amerikas Vision einer freien Marktwirtschaft dienen sollen.\u00ab Acht Monate vor dem Terroranschlag vom 11. 9. 2001, am 30. Januar 2001, fand die erste Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats statt, auf dessen Tagesordnung ganz oben der Irak stand. \u00bbVon Anfang an\u00ab, berichtete der ehemalige Finanzminister Paul O\u2019Neill, \u00bbherrschte die \u00dcberzeugung, dass Saddam Hussein weg m\u00fcsse. Vom ersten Moment an ging es um den Irak. Diese Dinge wurden am ersten Tag besiegelt.\u00ab<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>So zynisch es klingen mag, der Terroranschlag vom 11.9. war der willkommene Anlass, die strategischen Pl\u00e4ne nun umzusetzen. Die Bedrohungsl\u00fcgen waren das wirksamste Mittel und der glaubw\u00fcrdigste Vorwand, die Welt in einen Ausnahmezustand zu versetzen, in dem die allgemeinen Garantien demokratischer Verfahren und v\u00f6lkerrechtlicher Prinzipien au\u00dfer Kraft gesetzt werden konnten. Die gigantischen Demonstrationen, die gr\u00f6\u00dften nach dem 2. Weltkrieg, die sch\u00e4tzungsweise 36 Mio. Menschen am 15. Februar 2003 in \u00fcber 3.000 Demonstrationen gegen den drohenden Krieg weltweit auf die Stra\u00dfen trieb, konnte ihn dennoch nicht verhindern. Es gibt nur die Erinnerung, einen Film des iranischen Regisseur Amit Amirani \u00bbWe are many\u00ab, der ein faszinierendes Dokument dieses Aufstands gegen die L\u00fcgen und f\u00fcr den Frieden in der ganzen Welt \u2013 bis in die Antarktis \u2013 in neunj\u00e4hriger Arbeit erstellt hat. Bisher fand er allerdings keinen Verleih.<\/p>\n<p>Die Opfer dieses Krieges waren katastrophal. Wurden die Auswirkungen des \u00bbDesert Storm\u00ab von 1991 z.B. von Denis Halliday und vielen anderen schon als V\u00f6lkermord bezeichnet, so haben die Toten, Verwundeten, Vertriebenen und Zerst\u00f6rungen von der \u00bbOperation Iraqi Freedom\u00ab 2003 die Opferzahlen in Dimensionen getrieben, \u00fcber die auch heute noch keine endg\u00fcltigen Zahlen vorliegen. Selbst wenn man davon ausgehen muss, dass bis zum Abzug der US-Truppen im Jahr 2011 weit \u00fcber 1 Millionen Menschen ihr Leben lie\u00dfen und 9 Millionen vertrieben wurden, l\u00e4sst das nur erahnen, in welchem Ausma\u00df dieser Krieg, der im Grunde nur einen unliebsamen Herrscher mit seinem widerspenstigen Baath-Regime aus dem Wege r\u00e4umen sollte, die ganze Gesellschaft des Irak aufgerissen, die sozialen Strukturen zerst\u00f6rt und fremder Herrschaft unterworfen hat. Der Terror, der nach den Worten Bushs beseitigt werden sollte, bl\u00fchte danach erst richtig auf und verw\u00fcstete mit dem IS den Nachbarstaat Syrien.<\/p>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Besatzung, die acht Jahre dauern und dem Umbau des Staates in eine Demokratie mit den westlichen Werten der Marktfreiheit dienen sollte, wurde der koloniale Charakter der Eroberung deutlich. Ein Vasallenstaat, in dem ein r\u00fccksichtsloser Paul Bremer mit seinem abh\u00e4ngigen irakischen Dienstpersonal radikale S\u00e4uberungen unternahm, einen speziellen Polizei- und Repressionsapparat aufbaute und die Besatzungstruppen zu brutalen Eins\u00e4tzen gegen den Widerstand in sunnitischen Gebieten schickte. Dieses Regime hatte weniger mit dem Aufbau von Demokratie, sondern vor allem mit der Zurichtung des Staates f\u00fcr das internationale Kapital im Sinn.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend ein Volk unter Besatzung, Gewalt, Embargo, Diskriminierung und Korruption um seine physische Existenz und kulturelle Identit\u00e4t k\u00e4mpft, haben sich die Verantwortlichen f\u00fcr dieses Desaster bereits anderer L\u00e4nder bem\u00e4chtigt (Libyen, Syrien), um dort f\u00fcr Freiheit und Demokratie zu sorgen. Sie werden wie in Afghanistan und Irak auch dort das gleiche Elend hinterlassen und f\u00fcr nichts zur Rechenschaft gezogen. Weder f\u00fcr die Toten, Verletzten, die zerst\u00f6rten H\u00e4user, Stra\u00dfen, Br\u00fccken, Fabriken und Werkst\u00e4tten, noch f\u00fcr die Folterungen in Abu Ghraib oder die Massaker in Fallujah[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#foot_8\">8<\/a>], die Pl\u00fcnderung der Rohstoffe und Reicht\u00fcmer \u2013 alles schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. F\u00fcr solche Verbrechen haben die Staaten ein Strafgesetzbuch entwickelt, es wird Zeit, dass ihre Verbrecher die Strafen, die sie f\u00fcr den russischen Pr\u00e4sidenten Putin fordern, auch gegen sich selbst gelten lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Hamburg, 20. M\u00e4rz 2023 <\/em><\/p>\n<p><em>#Bild: Misshandlung von Gefangenen in Abu Ghraib: Foto eines mit einer Kapuze vermummten Gefangenen, der von US-Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen gezwungen wurde, auf einer Kiste zu stehen, w\u00e4hrend er an Dr\u00e4hten befestigt war. Dem Gefangenen wurde vorgegaukelt, dass ein Verlassen des Kastens zu einem Stromschlag f\u00fchren w\u00fcrde. Dieses Foto, das ein Stabsfeldwebel der US-Armee im November 2003 im Gef\u00e4ngnis von Abu Ghraib in der N\u00e4he von Bagdad aufnahm, wurde zu einem der bekanntesten Fotos des Irakkriegs. Die Identit\u00e4t des Gefangenen ist umstritten. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/event\/Iraq-War\">britannica.com&#8230;<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_1\">\u00ab1<\/a>] Vgl. N. Paech, Die Vereinten Nationen und ihr Krieg. Vom Umgang mit dem V\u00f6lkerrecht, in: Werner Ruf (Hrsg.), Vom Kalten Krieg zur hei\u00dfen Ordnung? Der Golfkrieg Hintergr\u00fcnde und Perspektiven, M\u00fcnster 1992, S. 62 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_2\">\u00ab2<\/a>] <a href=\"http:\/\/gandhifoundation.org\/2003\/01\/30\/2003-peace-award-denis-halliday-2\/\">gandhifoundation.org\/2003\/01\/30\/2003-peace-award-denis-halliday-2\/<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_3\">\u00ab3<\/a>] Plenarprotokoll 19\/183 \u2013 Deutscher Bundestag, S. 2358 ff., <a href=\"https:\/\/twitter.com\/renatekuenast\/status\/1506731216405418000\">twitter.com\/renatekuenast\/status\/1506731216405418000<\/a>, <a href=\"https:\/\/braunschweig-spiegel.de\/1-2-million-tote-kinder-durch-irak-sanktionen-m-albright-wir-denken-der-preis-ist-es-wert\/\">braunschweig-spiegel.de\/1-2-million-tote-kinder-durch-irak-sanktionen-m-albright-wir-denken-der-preis-ist-es-wert\/<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_4\">\u00ab4<\/a>] Zitiert nach Anatol Lieven, Leidenschaftlich gerne gro\u00df, Die Bush-Regierung, der Irakkrieg und die neue national Selbstgewissheit, in: Le Monde Diplomatique, November 2002, S. 12 f.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_5\">\u00ab5<\/a>] Vgl. Francis FitzGerald, George Bush and the World, in: New York Review of Books, 26. Sept. 2002.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_6\">\u00ab6<\/a>] National Security Strategy v. 20. September 2002, <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/nsc\/nss.pdf\">whitehouse.gov.\/nsc\/nss.pdf<\/a>. Deutsch auszugsweise in: <em>Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em>, 12\/2002, S. 1505 ff., 1511.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_7\">\u00ab7<\/a>] Vgl. <em>FAZ<\/em> v. 24. 9. 2002, Blair: Saddam will chemische und biologische Waffen einsetzen.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335#note_8\">\u00ab8<\/a>] Im April 2004 griffen US-amerikanische Soldaten Fallujah an und t\u00f6teten 736 Menschen, von denen mindestens 60 Prozent Frauen und Kinder waren. Im November \u00fcberfielen sie noch einmal den Ort und t\u00f6teten zwischen 580 und 670 Zivilisten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95335\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom22. M\u00e4rz 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Norman Paech. Als Pr\u00e4sident George W. Bush am 20. M\u00e4rz 2003 den Befehl zum Angriff auf Bagdad gab, war das Land schon durch zwei Kriege und andauernde Wirtschaftssanktionen schwer gezeichnet.<br \/>\nDesert Storm, 1991<br \/>\nSaddam Hussein hatte im &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12812,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,7],"tags":[56,18,82,53,45,22,49,15,46],"class_list":["post-12811","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-grossbritannien","tag-imperialismus","tag-irak","tag-libyen","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie","tag-repression","tag-syrien","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12811","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12811"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12811\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12813,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12811\/revisions\/12813"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12812"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}