{"id":12837,"date":"2023-03-27T11:26:08","date_gmt":"2023-03-27T09:26:08","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12837"},"modified":"2023-03-27T11:26:09","modified_gmt":"2023-03-27T09:26:09","slug":"lohnkaempfe-in-venezuela-soziale-gerechtigkeit-oder-destabilisierungsplan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12837","title":{"rendered":"<strong>Lohnk\u00e4mpfe in Venezuela: Soziale Gerechtigkeit oder Destabilisierungsplan?<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Carlos D\u00fcrich. <strong>V<\/strong><\/em><strong>erschiedene Sektoren der venezolanischen Arbeiterklasse in mehreren Bundesstaaten setzen sich f\u00fcr Lohnforderungen ein, die meisten stehen auf der staatlichen Gehaltsliste. Dies hat zu einer erneuten Belebung der Lohndebatte gef\u00fchrt, sowohl innerhalb der Regierung als auch unter den breiten Mehrheiten im Land. Die Diskussion dreht sich um<\/strong><!--more--><strong> die Verbesserung der Einkommen der Arbeiter. Eine kritische Analyse der von einem Teil der Linken vertretenen Positionen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Positionen<\/strong><\/p>\n<p>Wie zumindest seit 2020 \u00fcblich, f\u00fchrt die Debatte zu einem merkw\u00fcrdigen Ph\u00e4nomen nicht nur politischer, sondern auch ideologischer Polarisierung. Das hei\u00dft, der Streit entwickelt sich nicht unbedingt von linken oder rechten Positionen aus, sondern von orthodoxen monetaristischen und eher heterodoxen Positionen her, die jeweils beiden politischen Spektren zuzuordnen sind.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die behaupten und argumentieren, dass es zumindest vorl\u00e4ufig unm\u00f6glich ist, die so sehr ersehnte L\u00f6sung f\u00fcr die L\u00f6hne im \u00f6ffentlichen Sektor zu erreichen. Diese Auffassung verweist auf die imperialistischen Praktiken der Blockade und der Sanktionen als Hauptschuldige f\u00fcr die Mangelsituation, die den Staatseinnahmen schweren Schaden zugef\u00fcgt hat.<\/p>\n<p>Diese Apologeten der Blockade als Ursache der Wirtschaftskrise halten es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich, den G\u00fcrtel enger zu schnallen bis neue Ressourcen generiert werden, die eine angemessene Lohnpolitik erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Dieselben Verteidiger der gro\u00dfen &#8222;Mission&#8220;, mit &#8222;der Wahrheit&#8220; zu evangelisieren, warnen auch vor dem schrecklichen Fehler, den es bedeutet, dem Imperium, der Rechten, der CIA, dem Mossad und den niedertr\u00e4chtigen Gegenspielern des &#8222;S\u00faper Bigote&#8220; <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnote1_rslq4c8\">1<\/a> in die H\u00e4nde zu spielen, indem eine offene und informierte Diskussion und Debatte in den betroffenen Sektoren \u00fcber die Wirtschaftspolitik bez\u00fcglich der L\u00f6hne der venezolanischen Arbeiter gef\u00fchrt wird. Denn gem\u00e4\u00df der Philosophie der belagerten Festung ist jede gegenteilige Meinung ein unvorstellbarer Verrat.<\/p>\n<p>Wir meinen, dass wir aus Respekt vor den grundlegendsten Prinzipien der Solidarit\u00e4t mit den Arbeitern nicht in die Falle der Erpressung, der Zustimmung und der Anbiederung an offizielle Versionen tappen d\u00fcrfen. Daf\u00fcr fordern wir die R\u00fcckkehr zu den Prinzipien des Protagonismus und der demokratischen Beteiligung an der Gestaltung der Politik. Ein Prinzip, das uns die bolivarische Bewegung eingeimpft hat.<\/p>\n<p>Wir, die der Meinung sind, dass der Klassenkampf kein M\u00e4rchen ist, sondern das offensichtlichste Element unseres t\u00e4glichen Lebens, und die wir die Kosten des &#8222;\u00f6konomischen Friedens&#8220; (Pax econ\u00f3mica) kennen, weil wir ihn erleben und erleiden, sind verpflichtet, unsere Stimme zu erheben. Nicht aus demagogischen Gr\u00fcnden, wie manche behaupten, sondern aufgrund der Tatsachen selbst, oder wie einer der Verfechter der Finanzwahrheit sagt, &#8222;aufgrund der konkreten Analyse der konkreten Realit\u00e4t&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Klare Abmachungen erhalten die Freundschaft<\/strong><\/p>\n<p>Wie so oft stellen die Wahrheitsspekulanten ihre Behauptungen auf, ohne Fakten zu pr\u00e4sentieren. Sie nehmen nur technokratische und opportunistische Positionen ein. Das zeigt, wie d\u00fcnn ihre Beweise sind.<\/p>\n<p>Was uns betrifft, so wollen wir das Thema ernster nehmen. Dazu werden wir auf offizielle Daten zu einigen wirtschaftlichen Aspekten zur\u00fcckgreifen, die wir in Bezug auf die Lohndebatte f\u00fcr wichtig halten. Sei es aus dem Jahresbericht und der Bilanz, die der Pr\u00e4sident [Nicol\u00e1s Maduro] in seinem Rechenschaftsbericht 2022 in der Nationalversammlung vorgestellt hat, sowie aus einigen Statistiken der venezolanischen Zentralbank (BCV) und des venezolanischen Industriellenverbandes (Conindustria).<\/p>\n<p>Als erstes m\u00f6chten wir feststellen, dass wir den durch die Blockade verursachten Schaden f\u00fcr die Staatskasse voll und ganz anerkennen. Wir leugnen nicht die mehr als 230 Milliarden US-Dollar an Verlusten, die die Blockade f\u00fcr [den staatlichen \u00d6lkonzern] PDVSA verursacht hat, oder die mehr als 20 Milliarden Dollar an Verm\u00f6genswerten, die auf verschiedenen internationalen Konten und Fonds der Republik eingefroren sind. Deshalb setzen wir uns mit Nachdruck f\u00fcr die Forderung nach einem Ende der Blockade und die bedingungslose R\u00fcckgabe der eingefrorenen Verm\u00f6genswerte ein.<\/p>\n<p>Diese anklagende Haltung bleibt jedoch ohne ein gewisses Ma\u00df an Widerstand und Offensive wirkungslos gegen\u00fcber der Realit\u00e4t. In diesem Fall muss man zun\u00e4chst die immensen Anstrengungen anerkennen, die die Regierung unternommen hat, um die Handelsschranken f\u00fcr unser Hauptexportgut \u00d6l zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Daher muss man auch anerkennen, dass die \u00d6leinnahmen im Jahr 2022 fast sechsmal h\u00f6her waren als im Jahr 2020. In jenem Jahr tiefer Verzweiflung wurden nur 743 Millionen Dollar f\u00fcr die Vermarktung von Kohlenwasserstoffen verzeichnet. Im Jahr 2022 dagegen waren die Einnahmen mit \u00fcber 4,7 Milliarden Dollar fast genauso hoch wie im Jahr 2018<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnote2_dw7ct9y\">2<\/a>.<\/p>\n<p>Diese letzte Zahl ist wirklich bemerkenswert, denn Ende 2018 lag der Mindestlohn bei 28 Dollar und Ende 2022 bei sieben Dollar. Ob das wohl daran liegt, dass die Ressourcen auf andere Weise genutzt werden?<\/p>\n<p>Andererseits haben sich die Bem\u00fchungen des Staates um h\u00f6here Steuereinnahmen ebenfalls ausgezahlt. Im Jahr 2022 kamen die Steuereinnahmen auf 4,744 Milliarden Dollar und verdreifachten sich damit fast gegen\u00fcber dem Jahr 2020, als sie nur 1,571 Milliarden Dollar ausmachten. Merkw\u00fcrdigerweise lag der Mindestlohn im Januar 2020 bei 6,7 Dollar, jetzt sind es sieben, obwohl die Einnahmen des Staates in beiden Jahren sehr unterschiedlich ausfielen.<\/p>\n<p>Diese Daten verdienen zumindest einen Aufruf zur Aufmerksamkeit und eine Vertiefung und Untermauerung der von den Predigern der Wahrheit aufgestellten Hypothese des Mangels an Ressourcen. Hier w\u00e4re es auch angebracht, mehr Informationen \u00fcber die in die Republik eingebrachten Mittel aus dem Verkauf von Edelmetallen aus dem &#8222;Arco Minero&#8220; <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnote3_806nhn7\">3<\/a> zu verlangen, die im Rechenschaftsbericht f\u00fcr 2022 nicht eindeutig ausgewiesen sind.<\/p>\n<p>Ebenso fehlen in dem Rechenschaftsbericht Angaben zu den Ertr\u00e4gen aus den zahlreichen Vereinbarungen, die im Rahmen des &#8222;Anti-Blockade-Verfassungsgesetzes f\u00fcr die nationale Entwicklung und die Gew\u00e4hrleistung der Menschenrechte&#8220; (amerika21 <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2020\/10\/243954\/maduro-gesetz-blockade-venezuela\">berichtete<\/a>) gemacht wurden. In Artikel 18 dieses Gesetzes hei\u00dft es: &#8222;Die zus\u00e4tzlichen Einnahmen, die durch die Anwendung der Bestimmungen dieses Verfassungsgesetzes entstehen, werden nach Abzug von Kosten, Ausgaben, Investitionen und Mitteln f\u00fcr die Verwaltung von Verbindlichkeiten gesondert als Teil der liquiden Mittel der Staatskasse verbucht&#8220;.<\/p>\n<p>Dies w\u00fcrde eine besondere finanzielle Aufschl\u00fcsselung erforderlich machen. Wir betonen die Verantwortung der Exekutive, Instanzen zu schaffen, welche die Daten \u00fcber die rechtlichen Mechanismen, die in den verschiedenen von der Republik im Rahmen dieses Gesetzes unterzeichneten Vereinbarungen verwendet werden, sowie \u00fcber die Einnahmen, die der Staat dank dieser Vereinbarungen erhalten hat, offenlegen. Solche Instanzen gibt es derzeit nicht.<\/p>\n<p><strong>Einige wichtige theoretische Aspekte<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen der Ziele f\u00fcr 2023 hat der Pr\u00e4sident die Notwendigkeit betont, die wirtschaftliche Ungleichheit zu bek\u00e4mpfen. Eine Ungleichheit, die nach den Worten Maduros auch durch die Blockade und den Wirtschaftskrieg verursacht wird. Letzterer ist eng mit dem Lohnsystem und der Einkommensdynamik verbunden.<\/p>\n<p>Per Definition bedeutet die Ungleichheit im wirtschaftlichen Bereich eine ungleiche Teilhabe an der Verteilung des Profits oder des Reichtums. Damit einher geht eine ungleiche F\u00e4higkeit zur Erzielung von Rentabilit\u00e4t, die im Prozess der Zirkulation und Verwertung dem Kapital gegen\u00fcber der Arbeit zugutekommt. Kurz gesagt handelt es sich um einen Akt der Ausbeutung im produktiven Bereich, der eine st\u00e4rkere Beteiligung von konstantem (Maschinen, Kapital, Technologie usw.) als von variablem Kapital (L\u00f6hne) mit sich bringt.<\/p>\n<p>Alle oben genannten Dynamiken sind \u00fcberdeterminiert, daher k\u00f6nnen sie ihre sich wiederholende Dynamik der Erzeugung von Ungleichheit nicht aufgeben. Man kann sich nicht einfach auf den Markt, auf die Pl\u00e4ne eines versorgenden Gottes oder auf die selbstgef\u00e4llige Zustimmung einer revolution\u00e4ren Bourgeoisie verlassen, um die Ungleichheit abzubauen. Es handelt sich um Klassenkampf, und folglich kann auch nur ein Klassenkampf diese Dynamik durchbrechen.<\/p>\n<p>In diesem Rahmen gibt es zwei Handlungsm\u00f6glichkeiten. Die erste ist die Aneignung der Produktionsmittel durch das Proletariat. Die zweite ist die Nutzung der Mechanismen des b\u00fcrgerlich-liberalen Staates, um einen indirekten oder konjunkturellen Kampf gegen die Ungleichheit zu f\u00fchren. Da wir nicht als linke Spinner, radikal, desorientiert oder unpragmatisch abgestempelt werden wollen, werden wir uns nicht mit der ersten M\u00f6glichkeit aufhalten, sondern uns mit der zweiten befassen und dabei die j\u00fcngst entbrannte Liebe einiger f\u00fchrender Politiker zum b\u00fcrgerlich-liberalen oder Wohlfahrtsstaat nutzen.<\/p>\n<p>Die Staaten (einschlie\u00dflich des venezolanischen) verf\u00fcgen \u00fcber einige Instrumente zur Bek\u00e4mpfung der Ungleichheit. Die g\u00e4ngigsten sind die Steuern oder Steuer- und Abgabenpolitiken (im Makro\u00f6konomieunterricht wird dies mit dem wohlklingenden Namen &#8222;Einkommenstheorie&#8220; bezeichnet). Diese Politiken k\u00f6nnen progressiv sein. Das\u00a0bedeutet, dass der Staat durch die Besteuerung der reicheren Sektoren mehr Steuereinnahmen generiert, um sie an die am meisten benachteiligten Sektoren zu verteilen. An dieser Stelle bekr\u00e4ftigen wir den vorherigen Gedanken, dass diese Mechanismen indirekt oder konjunkturell gegen die Ungleichheit wirken, aber nicht deren strukturelle Beseitigung garantieren.<\/p>\n<p>Eine progressive Verteilung kann direkt erfolgen, durch Lohnzahlungen oder Pr\u00e4mien, oder indirekt durch soziale Investitionen in Gesundheit, Bildung, Wohnraum usw.<\/p>\n<p>Andererseits k\u00f6nnen auch regressive Ma\u00dfnahmen ergriffen werden. Das hei\u00dft, solche, die weniger oder keine Steuern von den wohlhabenderen Bev\u00f6lkerungsschichten erheben, oder solche, die die Sozialausgaben reduzieren.<\/p>\n<p>Zu bedenken ist, dass je gr\u00f6\u00dfer die Ungleichheit in einer Gesellschaft ist, eine progressive Steuerpolitik umso notwendiger wird. Nicht nur aus moralischer Verpflichtung, sondern es ist auch (Unternehmer aufgepasst!) eine strategische Wirtschaftsfrage. Eine sehr ungleiche Einkommensverteilung l\u00e4sst die progressive Angleichung der Produktivit\u00e4tsindizes der verschiedenen Wirtschaftssektoren, die eine Begleiterscheinung der wirtschaftlichen Entwicklung ist, nicht zu. Oder um es in marxistischen Begriffen auszudr\u00fccken: Der Produktionsprozess braucht den Konsum, um den Verwertungsprozess in Gang zu setzen.<\/p>\n<p>Abgesehen von der Moral also, die dem Umverteilungsprinzip innewohnt, gibt es ernsthafte strukturelle Gr\u00fcnde innerhalb der Marktwirtschaft, um eine progressive Steuerpolitik zu betreiben.<\/p>\n<p>Diese Vorbemerkung zum Problem der Ungleichheit ist durchaus verdienstvoll. Denn die Lohnkontroverse muss sich in mehr oder weniger starkem Ma\u00dfe auch auf das Problem der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums erstrecken.<\/p>\n<p>Ein Beleg f\u00fcr das regressive Problem unserer Steuerpolitik ist, dass durchschnittlich 50 Prozent der Steuereinnahmen \u00fcber die Mehrwertsteuer und weniger als 30 Prozent\u00a0\u00fcber die Einkommensteuer eingenommen werden. Hinzu kommt die gro\u00dfe Zahl von Z\u00f6llen und Steuern, die dem Privatsektor in den letzten Jahren erlassen wurden. Dies scheint \u00fcber das Lohnproblem hinauszugehen, aber ich werde im Folgenden zeigen, dass es Teil desselben ist.<\/p>\n<p>In Artikel 96 des Arbeitsgesetzes mit Verfassungsrang hei\u00dft es: &#8222;Der Reichtum ist ein soziales Produkt, das in erster Linie von den Arbeitern und Arbeiterinnen im sozialen Prozess der Arbeit geschaffen wird. Seine gerechte Verteilung muss ein menschenw\u00fcrdiges Leben mit der Familie garantieren\u00a0und die materiellen, sozialen und intellektuellen Bed\u00fcrfnisse decken&#8220;. Unter gerechter Umverteilung ist hier nicht nur der Nominallohn zu verstehen, sondern auch die vom Staat erbrachten sozialen Garantien, wie Gesundheit, Bildung und andere. Es ist wahrscheinlich, dass ein aufrichtiger Freund jetzt von seinem Stuhl aufspringt und uns vorwirft, wir seien Demagogen, weil wir soziale Garantien fordern, die nicht finanzierbar sind.<\/p>\n<p>In diesem Fall m\u00fcsste man auch den Pr\u00e4sidenten der venezolanischen Nationalversammlung, Jorge Rodr\u00edguez, der Demagogie bezichtigen, wenn er sagt, dass sich mit etwas mehr als drei Milliarden Dollar (viel weniger als die Steuereinnahmen des Jahres 2022) 2.300 Schulen im ganzen Land wiederherstellen lie\u00dfen, der gesamte Impfplan f\u00fcr all unsere Kinder im Land erf\u00fcllt w\u00fcrde und Medikamente f\u00fcr die Versorgung von 60.000 Krebs-, HIV- und Aids-Patienten zu beschaffen w\u00e4ren, dazu noch das gesamte Strahlentherapiesystem auf nationaler Ebene, elf Blutbanken, sowie alle Entbindungs- und Kinderkrankenh\u00e4user wiederhergestellt und die Erh\u00f6hung der Stromerzeugung um 465 Megawatt bewerkstelligt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Es sieht zwar wie ein Wahlkampf-Flyer aus, es geht aber um die vorgeschlagenen Ziele f\u00fcr die Investition der 3,3 Milliarden Dollar, die nach dem Dialog zwischen der Opposition und der Regierungspartei in Mexiko <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2022\/11\/261331\/vneezuela-regierung-opposition-abkommen\">wiedererlangt<\/a> werden konnten. Aber man fragt sich, wenn all dies mit 3,3 Milliarden Dollar getan werden kann, was kann man dann erst mit mehr als 4,7 Milliarden Dollar machen?<\/p>\n<p><strong>Dem Beispiel folgen, das die Unternehmer gegeben haben<\/strong><\/p>\n<p>Man w\u00fcrde erwarten, dass eine regressive Steuer- und Fiskalpolitik zu einer aktiveren Beteiligung des privaten Unternehmenssektors an der wirtschaftlichen Dynamik des Landes f\u00fchrt. Letztendlich br\u00e4uchte unsere Bourgeoisie doch nur einen kleinen Ansto\u00df vom Staat, um revolution\u00e4r und patriotisch zu werden, oder nicht?<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist, dass dies nicht der Fall ist. Nach den von Conindustria herausgegebenen Daten best\u00e4tigten Ende 2022 63 Prozent der Industrieunternehmen, dass sie ihre Ums\u00e4tze zwischen dem dritten Quartal 2021 und dem dritten Quartal 2022 gesteigert haben. Mehr als 54 Prozent der Unternehmen best\u00e4tigten jedoch auch, ihre Investitionen nicht erh\u00f6ht, und fast 23 Prozent gaben sogar zu, sie gesenkt zu haben.<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnote4_gfntmda\">4<\/a><\/p>\n<p>Au\u00dferdem gestanden 68 Prozent der Unternehmen ein, die Zahl der Besch\u00e4ftigten in ihren Produktionsbetrieben nicht erh\u00f6ht und zehn Prozent, ihre Belegschaft sogar reduziert zu haben.<\/p>\n<p>Dieser Studie zufolge verzeichnete der Privatsektor in den ersten neun Monaten des Jahres schlie\u00dflich sogar einen Preisanstieg seiner Produkte von rund 120 Prozent, w\u00e4hrend die L\u00f6hne im gleichen Zeitraum trotzdem nur um 32 Prozent stiegen.<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnote5_e31xkce\">5<\/a><\/p>\n<p>Das hei\u00dft, die venezolanischen Unternehmer wollen trotz steigender Ums\u00e4tze nicht investieren, sie schaffen trotz ihrer Gewinne keine Arbeitspl\u00e4tze, sie verteuern vielmehr ihre Produkte und zahlen real schlechtere L\u00f6hne.<\/p>\n<p>Obwohl die Einkommen des privaten Unternehmenssektors besser sind als die des Staatssektors, zeigen die Belege, dass sie bei den Produktionskosten sogar weit hinter ihrem eigenen Industriesektor zur\u00fcckbleiben. Der Industriearbeiter lieferte am Ende einen gr\u00f6\u00dferen Mehrwert als zuvor und das in vielerlei Hinsicht zu schlechteren Bedingungen.<\/p>\n<p><strong>Was also ist zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Lenin empfahl stets, zun\u00e4chst zu ermitteln, welche Dynamik der Kr\u00e4fte besteht, welche Subjekte sich mobilisieren und welche Widerspr\u00fcche sich manifestieren. Es ist offensichtlich, dass dieser neue &#8222;\u00f6konomische Frieden&#8220; durch die kontinuierliche \u00dcbergabe der Macht an die Unternehmerschaft aufrechterhalten wird, entweder durch bessere Akkumulationsbedingungen oder durch das Verschwinden jeglicher Art von Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr ihre Gesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>Auf diese Art und Weise ist es dazu gekommen, dass der Staat selbst seine eigenen Arbeitsnormen verletzt. Dies macht es\u00a0plausibel, dass die Konflikte zwischen der venezolanischen Arbeiterschaft und der neuen technokratischen Unternehmerklasse, die die Finanzen des Landes verwaltet, zunehmen.<\/p>\n<p>Das mobilisierte Subjekt ist der Arbeiter im staatlichen Sektor, aber er kann auch den Arbeiter des privaten Sektors mitrei\u00dfen, weil beide ausgebeutet werden, trotz des unterschiedlichen Einkommens. Sie k\u00f6nnen unterschiedliche L\u00f6hne verdienen, aber Elend und Ungleichheit verbinden sie miteinander.<\/p>\n<p>Viele Genossinnen und Genossen sind <a href=\"https:\/\/tatuytv.org\/venezuela-una-nueva-etapa-en-la-lucha-social\/\">besorgt<\/a> \u00fcber die sehr reale M\u00f6glichkeit, dass die Rechte Kapital schl\u00e4gt aus dem ehrlichen Kampf der Arbeiter f\u00fcr ihre Forderungen. Man k\u00f6nnte jedoch folgende Frage stellen: Was tut die Linke angesichts der Mobilisierungen? Schafft sie Politisierung oder gar eine Politik zur Kanalisierung der Unzufriedenheit? Zumindest in weiten Teilen der Regierungslinken bestand die Reaktion in vielerlei Hinsicht einfach darin, den Protest zu kriminalisieren oder den Kampf zu ignorieren.<\/p>\n<p>Wenn die Rechte aus der Unzufriedenheit der Arbeiter Kapital schl\u00e4gt, dann nicht unbedingt, weil sie eine gro\u00df angelegte Verschw\u00f6rung betreibt, sondern einfach, weil wir nicht in der Lage sind, die Forderungen des Volkes in dringenden Momenten zu begleiten.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht verstehen, was Rosa Luxemburg treffend sagte, dass angesichts von Verwirrung und Orientierungslosigkeit, politische K\u00fchnheit die einzige Antwort ist; wenn wir dieses Prinzip nicht begreifen, sind wir dazu verurteilt, von den Widerspr\u00fcchen dieser Zeit zerrissen zu werden und nicht von der Wirkungskraft der Rechten.<\/p>\n<p>Dieser Artikel hat die Absicht, Elemente der Analyse zu liefern, die im Rahmen der Lohndebatte zu reflektieren sind, von der Dynamik und Transparenz, mit der die Finanzdaten des Landes gehandhabt werden, bis hin zur Art der neuen Finanzstrategien der Exekutive. Alles im Rahmen der Revolution, immer von der notwendigen fundierten Kritik ausgehend und mit dem Gebot, den Opportunismus zu entlarven. Es besteht kein Zweifel, dass wir die Mobilisierungen und ihre Forderungen unterst\u00fctzen m\u00fcssen, immer unter der Pr\u00e4misse, die Arbeiterk\u00e4mpfe f\u00fcr die gerechte Umverteilung des Reichtums zu begleiten.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LiMJLpbY15Q&amp;list=PLYUxslawumCtiVhQHs9XaL1Xs-DGgr82F\">Kampf<\/a> f\u00fcr einen w\u00fcrdigen Lohn ist mehr als ein Kampf. Er ist die wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Modells eines Landes, eine Voraussetzung f\u00fcr den Wiederaufbau oder die Vertiefung einer echten Revolution auf demokratischen Grundlagen im wirtschaftlichen und sozialen. Wie Ch\u00e1vez selbst betonte, als er am 30. April 2012 das Dekret \u00fcber das Arbeitsgesetz (Ley Org\u00e1nica del Trabajo, los Trabajadores y las Trabajadoras, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/nachrichten\/2012\/05\/51925\/arbeitsgesetz-venezuela\">Lott<\/a>) unterzeichnete : &#8222;Keine Errungenschaft der Arbeiterinnen und Arbeiter ist ohne einen langen Prozess des Widerstands, des Kampfes und sogar des Leidens erreicht worden&#8220;.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnoteref1_rslq4c8\">1.<\/a> &#8222;Super Bigote&#8220; ist in Venezuela eine <a href=\"https:\/\/noticias.canal1.com.co\/internacional\/asi-nacio-super-bigote-la-caricatura-que-recrea-a-nicolas-maduro-como-un-superheroe\/\">Comicfigur<\/a> in einem Zeichentrickfilm, die Nicol\u00e1s Maduro darstellt. Nachdem der ecuadorianische Pr\u00e4sident Lenin Moreno 2019 behauptet hatte, Maduro sei f\u00fcr die Protestwelle in Ecuador verantwortlich, hatte dieser im Scherz gesagt: &#8222;Moreno behauptet, dass ich meine Schnurrb\u00e4rte bewege und Regierungen st\u00fcrze. Ich bin nicht Superman, ich bin Super Bigote!&#8220; (Bigote = Schnauzbart)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnoteref2_dw7ct9y\">2.<\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4GINUtSqzAU\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4GINUtSqzAU<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnoteref3_806nhn7\">3.<\/a> In der als &#8222;Arco Minero&#8220; (Minen-Bogen) bezeichneten &#8222;strategischen Entwicklungszone&#8220; im Bundesstaat Bol\u00edvar f\u00f6rdert die Regierung in Joint Ventures Bodensch\u00e4tze. Das Gebiet umfasst knapp 112.000 Quadratkilometer und ist reich an Gold, Coltan, Eisen, Bauxit und Diamanten<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnoteref4_gfntmda\">4.<\/a> <a href=\"https:\/\/www.conindustria.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Presentacion-EC-ITRI-2022-V1105.pdf\">https:\/\/www.conindustria.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Presentacion-EC-ITRI-2022-V1105.pdf<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne#footnoteref5_e31xkce\">5.<\/a> <a href=\"https:\/\/www.conindustria.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Presentacion-EC-IITRI-2022.pptx.pdf\">https:\/\/www.conindustria.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Presentacion-EC-IITRI-2022.pptx.pdf<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne\"><em>amerika21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. M\u00e4rz 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carlos D\u00fcrich. Verschiedene Sektoren der venezolanischen Arbeiterklasse in mehreren Bundesstaaten setzen sich f\u00fcr Lohnforderungen ein, die meisten stehen auf der staatlichen Gehaltsliste. 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