{"id":12937,"date":"2023-04-18T11:08:43","date_gmt":"2023-04-18T09:08:43","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12937"},"modified":"2023-04-18T11:08:45","modified_gmt":"2023-04-18T09:08:45","slug":"frankreich-ein-praesident-hats-eilig-gegen-die-ueberwaeltigende-mehrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12937","title":{"rendered":"<strong>Frankreich: Ein Pr\u00e4sident hat\u2019s eilig gegen die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernard Schmid. <\/em><strong>Das Gesetz zur Renten\u201ereform\u201c wurde am Freitag Abend vom Verfassungsgericht best\u00e4tigt, und dabei noch versch\u00e4rft \u2013 Referendumsinitiative abgeschmettert \u2013 Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron unterzeichnete den Text noch am selben Abend (anders als Ger\u00fcchte behaupteten, nicht um drei Uhr in der Nacht) \u2013 Quasi im selben Atemzug<\/strong><!--more--> <strong>wollte Macron nun die franz\u00f6sischen Gewerkschaften, nach vollzogener Tat, pardon: Unterschrift, im Elys\u00e9epalast empfangen; doch diese lehnen einhellig ab \u2013 Laut ersten Umfrage sagen zwischen 60 % und 64 % der \u00f6ffentlichen Meinung den Gewerkschaften: Weitermachen! \u2013 Nun planen Letztere einen gemeinsamen 1. Mai, was insofern historisch ist, als es erst zum dritten Mal in den letzten einhundert Jahren zu einem gemeinsamen Aufruf kommt (1936, 2002 und nun 2023) \u2013 Streik der M\u00fcllabfuhr in Paris wiederaufgenommen \u2013 Am heutigen Montag Abend: TV-Ansprache von Staatspr\u00e4sident Macron<\/strong><\/p>\n<p>Es war selbstredend keine \u00fcberwiegend juristische, sondern eine \u00fcberwiegend politische Entscheidung: Am Freitag Abend gegen 18 Uhr lag das im Vorfeld mit Anspannung erwartete Urteil des franz\u00f6sischen Verfassungsgericht (<em>Conseil constitutionnel,<\/em> C.C., \u201eVerfassungsrat\u201c) zum Renten\u201ereform\u201c-Gesetz vor. Ihn hatten nacheinander sowohl das Regierungslager \u2013 um sich die Verfassungskonformit\u00e4t best\u00e4tigen zu lassen \u2013 als auch die Oppositionsfraktionen der extremen Rechten und der Linksparteien angerufen.<\/p>\n<p>Hier der Originaltext des Gesetzes: <a href=\"https:\/\/www.legifrance.gouv.fr\/jorf\/id\/JORFTEXT000047445077\">https:\/\/www.legifrance.gouv.fr\/jorf\/id\/JORFTEXT000047445077<\/a><\/p>\n<p>\u2026und jener der Entscheidung des Verfassungsgerichts: <a href=\"https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/decision\/2023\/2023849DC.htm\">https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/decision\/2023\/2023849DC.htm<\/a><\/p>\n<p>Dabei beschloss der neunk\u00f6pfige C.C., die Verfassungskonformit\u00e4t des Gesetzestextes insgesamt zu best\u00e4tigen, jedoch sechs Passagen in den insgesamt 36 Artikeln zu beanstanden und dadurch zu zensieren. (Vgl. auch im \u00dcberblick: <a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/economie\/economie-social\/social\/reforme-des-retraites-quelles-sont-les-dispositions-validees-et-celles-retoquees-par-le-conseil-constitutionnel_AP-202304140617.html\">https:\/\/www.bfmtv.com\/economie\/economie-social\/social\/reforme-des-retraites-quelles-sont-les-dispositions-validees-et-celles-retoquees-par-le-conseil-constitutionnel_AP-202304140617.html<\/a>) Durch das Kassieren dieser Einzelbestimmungen wird die \u201eReform\u201c jedoch noch versch\u00e4rft. Denn durch diesen Beschluss wird ein Teil des \u201eZuckergusses\u201c, in den Teile der \u201eReform\u201c eingekleidet worden waren, um sie ein wenig zu vers\u00fc\u00dfen, wieder entfernt. Dazu z\u00e4hlen der <em>\u201eSeniorenbesch\u00e4ftigungs-Index\u201c<\/em>, d.h. ein statistisches Messinstrument, das dazu dienen sollte, <em>\u201eSeniorendiskriminierung\u201c<\/em> auf dem so genannten Arbeitsmarkt zu messen, um auf Dauer solche Unternehmen unter Druck zu setzen, die systematisch \u00fcber 50- oder \u00fcber 55j\u00e4hrige als \u201eunproduktiv\u201c aussondern; dessen Einf\u00fchrung war im Laufe der Debatte als Zugest\u00e4ndnis an die Abgeordneten der b\u00fcrgerlichen Oppositionspartei LR (<em>Les R\u00e9publicains<\/em>) verkauft worden, um deren Zustimmung zu erzielen. Es ist nun kassiert.<\/p>\n<p>Auch aus dem Text entfernt wurde infolge der verfassungsrechtlichen Entscheidung u.a. der \u201eSenioren-Arbeitsvertrag\u201c. Bei ihm handelte es sich um eine zweischneidige Erscheinung: Dieser Sondertypus von Arbeitsvertrag sollte es Lohnabh\u00e4ngigen ab 60 Jahren dazu verhelfen, leichter aus der Arbeitslosigkeit in eine Besch\u00e4ftigung zu wechseln, wobei die Arbeitgeber allerdings dadurch motiviert werden sollten, dass ihnen (einmal mehr) ein Nachlass der in die Sozialversicherungskassen einzuzahlenden Sozialabgaben gew\u00e4hrt worden w\u00e4re. Auch dieses, sicherlich sehr ambivalent zu bewertende Steuerungsinstrument wurde nun kassiert: Es geh\u00f6re nicht in ein Haushaltsgesetz. Erinnern wir daran, dass das Gesetz zur Renten\u201ereform\u201c, infolge eines Kunstgriffs der Regierung, als Nachtrags-Haushalt f\u00fcr den im Dezember 22 verabschiedeten Jahreshaushalt (2023) der gesetzlichen Sozialversicherungssysteme deklariert worden war, was automatisch dazu f\u00fchrte, die parlamentarische Debatte auf einen Maximal-Zeitraum von f\u00fcnfzig Tagen (in beiden Kammern) einzuschr\u00e4nken, wie es f\u00fcr Sozialversicherungs-Haushaltsgesetze gilt. (Vgl. Artikel 47-1, Absatz 3: <a href=\"https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/le-bloc-de-constitutionnalite\/texte-integral-de-la-constitution-du-4-octobre-1958-en-vigueur\">https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/le-bloc-de-constitutionnalite\/texte-integral-de-la-constitution-du-4-octobre-1958-en-vigueur<\/a>)<\/p>\n<p>An diesem Kunstgriff wiederum fand das Verfassungsgericht verfahrensrechtlich nichts auszusetzen, auch wenn es in seiner Entscheidung selbst unterstrich, dieses Verfahren ebenso wie die Kombination mehrerer Verfassungsartikel zur Einschr\u00e4nkung der Beratungsrechte des Parlaments (Artikel 47-1 im Zusammenspiel mit dem mittlerweile ber\u00fchmten Artikel 49 Absatz 3 zur Aussetzung der Debatte &amp; Abstimmung bei Vertrauensfrage) seien <em>\u201eungew\u00f6hnlich\u201c.<\/em> Tja. Dann isses wohl Alles eine Gew\u00f6hnungsfrage.<\/p>\n<p>Noch eine kleine Zusatzfrage f\u00fcr unsere Quizgewinner\/innen: Wie wird das franz\u00f6sische Verfassungsgericht \u00fcberhaupt besetzt? Gute Frage? Nun: Je ein Drittel seiner Mitglieder wird durch den Parlamentspr\u00e4sidenten oder (wie derzeit) die Parlamentspr\u00e4sidentin der Nationalversammlung \u2013 oder des parlamentarischen \u201eUnterhauses\u201c -, durch den oder die Pr\u00e4sidenten\/in des Senats (\u201eOberhaus\u201c) sowie durch den Staatspr\u00e4sidenten, oder eines Tages dann vielleicht die Staatspr\u00e4sidentin, ernannt. Und dies f\u00fcr eine Dauer von neun Jahren. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/les-membres\/statut-des-membres\">https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/les-membres\/statut-des-membres<\/a>) Also kommt quasi automatisch ausschlie\u00dflich die Exekutive respektive die Regierungsmehrheit zum Zuge, denn den Parlamentspr\u00e4sidenten oder die Parlamentspr\u00e4sidentin stellt das jeweilige Regierungslager und definitiv nicht die Opposition. Zum Vergleich: In Deutschland werden die Verfassungsrichter\/innen, in diesem Falle f\u00fcr zw\u00f6lf Jahre, je zur H\u00e4lfte durch Bundestag und Bundesrat gew\u00e4hlt, je mit Zwei-Drittel-Mehrheit. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/richterwahl\">https:\/\/www.bundestag.de\/richterwahl<\/a>) Auch dieses Verfahren ist nicht wirklich optimal, was die Garantie f\u00fcr gesellschaftliche Pluralit\u00e4t betrifft, doch kommt dabei die jeweilige parlamentarische Opposition jedenfalls eher zum Zuge \u2013 ein Drittel gen\u00fcgt zur Blockade-Minderheit \u2013 als im franz\u00f6sischen Falle bei Anwendung der Verfassung der F\u00fcnften Republik. Denn dort wird etwa der Pr\u00e4sident oder die Pr\u00e4sidentin mit einfacher Mehrheit gew\u00e4hlt, in den ersten beiden Wahlg\u00e4ngen mit absoluter oder (bei Nichtzustandekommen) mit relativer Mehrheit; es gen\u00fcgt also eine relativ schmale parlamentarische Basis daf\u00fcr. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www2.assemblee-nationale.fr\/decouvrir-l-assemblee\/folder\/organisation-et-fonctionnement-de-l-assemblee\/le-president-de-l-assemblee-nationale\">https:\/\/www2.assemblee-nationale.fr\/decouvrir-l-assemblee\/folder\/organisation-et-fonctionnement-de-l-assemblee\/le-president-de-l-assemblee-nationale<\/a>)<\/p>\n<p>(Auch geh\u00f6ren ferner alle fr\u00fcheren franz\u00f6sischen Staatspr\u00e4sidenten dem Organ automatisch an. Allerdings verzichteten die noch lebenden Ex-Pr\u00e4sidenten, Nicolas Sarkozy und Fran\u00e7ois Hollande, beide auf die Aus\u00fcbung dieses Amts. Hingegen nahmen die beiden Ex-Staatspr\u00e4sidenten Jacques Chirac und Val\u00e9ry Giscard d\u2019Estaing diese Funktion wahr, doch diese beiden verstarben im September 2019 respektive im Dezember 2020.)<\/p>\n<p>Kurz, den \u00fcberwiegend politischen Charakter dieser Institution brauchen wir nicht n\u00e4her zu unterstreichen. Auch wenn der C.C. es in einem Falle \u2013 im Jahr 2018 \u2013 schaffte, positiv zu \u00fcberraschen, indem es aus der Devise der Franz\u00f6sischen Republik (\u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c) einen <em>\u201eprogrammatischen Rechtsgrundsatz der Br\u00fcderlichkeit\u201c<\/em> ableitete ( <a href=\"https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/decision\/2018\/2018717_718QPC.htm\">https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/decision\/2018\/2018717_718QPC.htm<\/a>) und dies auch auf die Bek\u00e4mpfung so genannter illegaler Immigration bezog, wovon man dann hinterher aber auch nicht so wahnsinnig viel hatte.<\/p>\n<p><strong>Referendum abgeschmettert; doch mit reichlich origineller Begr\u00fcndung<\/strong><\/p>\n<p>In einem parallel zum oben zitierten gefassten weiteren Beschluss entschied das franz\u00f6sische Verfassungsgericht, den Antrag auf ein Referendum durch Volksinitiative abzuschmettern. Dieser war, parallel zur Verfassungsklage gegen das Gesetz zur Renten\u201ereform\u201c und zum selben Thema, durch die parlamentarische Linksopposition gestellt worden.<\/p>\n<p>Seit ihrer \u00c4nderung (zwecks Modernisierung) unter Nicolas Sarkozy im Juli 2008 erlaubt die franz\u00f6sische Verfassung es, ein Referendum zu erzwingen, auch gegen den Willen der Exekutive, wenn zun\u00e4chst mindestens ein F\u00fcnftel der Parlamentsmitglieder dies beantragt und daraufhin \u2013 zum Zweiten \u2013 mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten im Land sich innerhalb einer neunmonatigen Dauer in Listen eintragen. ( <a href=\"https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/referendum-d-initiative-partagee\/referendum-d-initiative-partagee-rip-mode-d-emploi\">https:\/\/www.conseil-constitutionnel.fr\/referendum-d-initiative-partagee\/referendum-d-initiative-partagee-rip-mode-d-emploi<\/a>) Das sind \u00fcber 4,5 Millionen Menschen, die H\u00fcrde liegt also hoch; bislang wurde sie noch nicht genommen. Auch sonst wurde der Verfassungstext von 2008 laut vielen Kommentator\/inn\/en so verfasst, dass es eben nicht funktioniert, jedenfalls in aller Regel nicht. Im \u00dcbrigen sieht der Text vor, dass eine Abstimmung dann erzwungen werden kann, wenn die (derzeit rund 4,8 Millionen) Stimmberechtigten sich in Listen eintrugen und nach Abschluss der Unterschriftensammlung dann das Parlament nicht innerhalb von sechs Monaten \u00fcber den Gegenstand beraten hat; was aber, wenn das Parlament dies tat, doch sich nach Ablauf des Verfahrens zur Ablehnung des Verlangens entschied\u2026?<\/p>\n<p>Konkret wurde es einmal versucht, und zwar 2019\/2020 zur Abwendung der Privatisierung der Pariser Flugh\u00e4fen. Damals kamen zu dem Thema (das sicherlich weniger stark in den Alltag der Menschen insgesamt eingreift, als eine Rentenregelung) insgesamt 1,116 Millionen Unterschriften im fraglichen Zeitraum zusammen. Damit scheiterte das Referendum damals; die seinerzeit geplante Privatisierung der Pariser Flugh\u00e4fen kam daraufhin dann \u00fcbrigens, aus anderen Gr\u00fcnden und im Zusammenhang mit der Lage an den B\u00f6rsen, dennoch nicht. Das Verfassungsgericht zog damals, quasi in einer lichten Stunde, selbst eine kritische Bilanz des Verfahrens und merkte an, die H\u00fcrde liege sehr hoch; im \u00dcbrigen sei die \u2013 durch die Regierung eingerichtete \u2013 offizielle Webseite zur Eintragung in die Stimmlisten umst\u00e4ndlich aufzurufen und zu bedienen, Zuf\u00e4lle gibt\u2019s aber auch. Vgl.:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.vie-publique.fr\/en-bref\/273802-cloture-du-referendum-dinitiative-partagee-sur-la-privatisation-dadp\">https:\/\/www.vie-publique.fr\/en-bref\/273802-cloture-du-referendum-dinitiative-partagee-sur-la-privatisation-dadp<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lesechos.fr\/economie-france\/budget-fiscalite\/la-privatisation-dadp-seloigne-malgre-lechec-de-lappel-au-referendum-1184359\">https:\/\/www.lesechos.fr\/economie-france\/budget-fiscalite\/la-privatisation-dadp-seloigne-malgre-lechec-de-lappel-au-referendum-1184359<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ouest-france.fr\/economie\/aeronautique\/referendum-aeroports-de-paris-bilan-critique-du-conseil-constitutionnel-sur-la-procedure-6873435\">https:\/\/www.ouest-france.fr\/economie\/aeronautique\/referendum-aeroports-de-paris-bilan-critique-du-conseil-constitutionnel-sur-la-procedure-6873435<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Verfassungsgericht muss jedoch ferner die Frage, die zum Abstimmungsgegenstand gemacht werden soll, zulassen. Als Fragestellung schlug die parlamentarische Linksopposition in diesem Falle vor: Ja oder Nein zu dem Satz, dass ein Renten-Mindestalter oberhalb von 62 verboten werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Nach angeblicher juristischer Pr\u00fcfung entschied das Verfassungsgericht jedoch dahingehend, dass ein solches Referendum nicht zul\u00e4ssig sei. Nun, kann man ja machen, kann man ja machen, wenn man Verfassungsgericht hei\u00dft\u2026; doch f\u00e4llt die Begr\u00fcndung daf\u00fcr im konkret vorliegenden Falle einigerma\u00dfen witzig aus. Der C.C. beruft sich darin n\u00e4mlich darauf, laut den bestehenden Regeln (n. Artikel 11 der Verfassung auf dem Stand von 2008) m\u00fcsse ein solches Referendum eine <em>\u201eReform betreffend das \u00f6konomische, soziale oder umweltpolitische Leben der Nation\u201c<\/em> zum Gegenstand haben. Also zu einem dieser Themen irgendeine \u00c4nderung bringen. Doch sehe die Referendumsvorlage in diesem Falle ja gar keine solche \u00c4nderung vor, denn seine Urheber\/innen strebten ein Renten-Mindesteintrittsalter von maximal 62 an. Dies sei jedoch <em>\u201ezum Zeitpunkt der Anrufung des Verfassungsgericht\u201c <\/em>ja bereits Gesetzeslage, bringe also ja gar keine \u00c4nderung mit sich. Lustigerweise allerdings genehmigte dasselbe Verfassungsgericht in derselben Minute einen anderen Gesetzestext, in welchem just einer der Kerns\u00e4tze lautet: <em>\u201e\u00c4ndere &lt;&lt; Alter von 62 &gt;&gt; im Artikel L.161-17-2 des Code de la s\u00e9curit\u00e9 sociale<\/em> (Sozialversicherungs-Gesetzbuchs) <em>ab auf &lt;&lt; Alter von 64 <strong>&gt;&gt;.\u201c<\/strong><\/em> (Vgl. dazu Artikel 10, Absatz 2, a des nunmehr im Amtsblatt verk\u00fcndeten Gesetzes: <a href=\"https:\/\/www.legifrance.gouv.fr\/jorf\/id\/JORFTEXT000047445077\">https:\/\/www.legifrance.gouv.fr\/jorf\/id\/JORFTEXT000047445077<\/a>)<\/p>\n<p>Alkohol macht Birne hohl? Nein, nicht doch. Wie respektlos aber auch. Der Hintergrund ist wesentlich ernster: Das Verfassungsgericht handelte, siehe oben, offenkundig nach einer politischen Maxime. Und diese dr\u00fcckt eine Strategie der herrschenden Eliten aus \u2013 welche nicht auf Konsenssuche oder jedenfalls Einbindungsbem\u00fchungen, und sei es auch nur zur Befriedung von Konfliktpotenzialen, sondern auf Konfrontation geb\u00fcrstet zu sein scheint.<\/p>\n<p>H\u00e4tte es die Abstimmungsinitiative genehmigt, dann h\u00e4tte es lediglich den Startschuss daf\u00fcr gesetzt, dass franz\u00f6sische Gewerkschaften, Linke und manche unzufriedene B\u00fcrgerliche nun monatelang eifrig Unterschriften gesammelt h\u00e4tten \u2013 und damit w\u00e4ren sie vielleicht besch\u00e4ftigt gewesen. Wer Infost\u00e4nde aufbaut, kommt nicht zum Randalieren. Doch das Verfassungsgericht hat es nun anders bestimmt, vielleicht anders, als es eine gut durchdachte Staatsr\u00e4son gewollt h\u00e4tte; was allerdings das Restrisiko beinhaltete, dass Macrons Gesetzentwurf am Ende doch noch durchf\u00e4llt. Denn w\u00e4re es am Schluss mit ziemlich viel M\u00fchen doch noch zur Abstimmung gekommen, dann h\u00e4tte man mit mehr oder minder haushoher Ablehnung der derzeitigen Renten\u201ereform\u201c rechnen d\u00fcrfen. Aber bis dahin h\u00e4tte ja noch Einiges passieren k\u00f6nnen oder m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Denn zum Einen lag, wie erw\u00e4hnt, die H\u00fcrde relativ hoch. Zum Zweiten: H\u00e4tte die herrschende Klasse strategische Intelligenz bewiesen, h\u00e4tte sie auch darauf setzen k\u00f6nnen, dass im Ablauf der neun Monate, in diesen schnelllebigen und durch die Zapp-Zapp-Funktionsweise vieler Medien gepr\u00e4gten Zeiten, das Thema in vielen K\u00f6pfen mehr oder minder schnell in Vergessenheit ger\u00e4t. Die Leitmedien h\u00e4tten dazu ihr Ding beitragen k\u00f6nnen, denn auf Ablenkung verstehen diese sich pr\u00e4chtig. Und w\u00e4re in zwei Monaten noch ein ordentlicher Krieg irgendwo hinzugekommen\u2026 (Nein, nicht der in der Ukraine, den betrachtet das Medienpublikum ja inzwischen auch schon wieder gelangweilt.) Kurz und gut, man h\u00e4tte auch ganz gut darauf setzen k\u00f6nnen, dass man die in ein solches Referendum zu setzenden Energien sch\u00f6n verpuffen l\u00e4sst. Zugegeben, mit einem Restrisiko am Ende. Doch ein Restrisiko beinhaltet eine konfrontative Strategie wie die derzeitige ja auch.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ber\u00e4t der Verfasser dieser Zeilen jedoch nicht die franz\u00f6sische Bourgeoisie.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Der rechtsextreme Rassemblement National (RN), obwohl sonst sehr f\u00fcr Referenden offen, sehr gerne solche zur Einwanderung und zur Todesstrafe\u2026., hatte seinerseits zuletzt angek\u00fcndigt, da nicht mitspielen zu wollen, um eine solche Abstimmung vorzubereiten. ( <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pTZL6CwKBgs\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pTZL6CwKBgs<\/a>). Handele es sich doch <strong><em>\u201e<\/em><\/strong><em>um eine Ablenkung\u201c<\/em>. In Wirklichkeit ging es in seiner Sicht haupts\u00e4chlich um eine Ablenkung davon, dass er selbst angeblich die einzig wahre Opposition sei; eine Opposition, die zwar im Parlament und in TV-Talkshows manchmal laute T\u00f6ne anschlug, jedoch weitgehend inhaltslos blieb. Denn der RN sprach zwar mit einiger Wortklingelei davon, die Rentenreform sei \u201e<em>eine Kriegserkl\u00e4rung an das franz\u00f6sische Volk\u201c<\/em>, in dessen Namen man angeblich spreche, hatte jedoch im Konkreten zu Arbeitsbedingungen, Berufskrankheiten und Kaputtwerden im Arbeitsprozess schlichtweg inhaltlich nicht zu sagen. Entsprechend karg waren seine Beitr\u00e4ge im Parlament. Laut wurde er nur dann, wenn er einen symbolpolitischen Akt fordern durfte, etwa das Anberaumen einer Volksabstimmung von der Regierung verlangte \u2013 daf\u00fcr Unterschriften sammeln mochte die Partei nun jedoch nicht. Wohl auch nicht, um sich dann nicht mit Linken und Gewerkschafter\/inne\/n mischen zu m\u00fcssen, da m\u00fcsste man ja die Nase r\u00fcmpfen.<\/p>\n<p>Zum Schluss: Nun liegt dem franz\u00f6sischen Verfassungsgericht allerdings auch noch ein zweiter Entwurf der parlamentarischen Linksopposition f\u00fcr ein (anderes) Referendum vor, welcher ebenfalls bei ihm hinterlegt wurde. Dieser ist anders formulierte als der erste, am Freitag Abend vom C.C. abgelehnte. Dabei geht es dieses Mal nicht um das Rentenalter, sondern um Finanzierungsfragen: Die Vorlage h\u00e4tte die Abstimmungsfrage zum Gegenstand, ob man (oder nicht) zur Finanzierung der Rentensysteme eine h\u00f6here Besteuerung der Bestverdienenden respektive Unternehmensgewinne heranziehen k\u00f6nne. Dar\u00fcber wird das Verfassungsgericht nun <u>am 03. Mai dieses Jahres<\/u> befinden. Doch ist \u2013 h\u00e4lt man dieses Mittel f\u00fcr geeignet \u2013 Optimismus nicht unbedingt angebracht, wird doch derzeit von Kommentator\/inn\/en die Rechtsauffassung vertreten, fiskalpolitische Fragen (also steuerliche Regelungen, steuerpolitische Instrumente) k\u00f6nnten ohnehin nicht zum Gegenstand eines solches Referendums gemacht werden.<\/p>\n<p>Wir setzen da ja eher auf justizpolitische Instrumente. ( <a href=\"https:\/\/www.alamy.de\/stockfoto-guillotine-isoliert-auf-weissem-vintage-gravierten-abbildung-trousset-enzyklopadie-1886-1891-84430298.html\">https:\/\/www.alamy.de\/stockfoto-guillotine-isoliert-auf-weissem-vintage-gravierten-abbildung-trousset-enzyklopadie-1886-1891-84430298.html<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Die Uhrzeit ist nicht das Problem\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Noch am Abend der Bekanntgabe der Entscheidung des Verfassungsgerichts beeilte sich Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron, das Gesetz rapide zu unterzeichnen (<em>promulguer<\/em>) und es dadurch in Kraft zu setzen. Seine Unterschrift folgte mutma\u00dflich gegen 19.30 Uhr oder 20 Uhr am Freitag Abend. Hartn\u00e4ckig h\u00e4lt sich \u00fcbrigens seit diesem Wochenende ein Ger\u00fccht, wonach Staatspr\u00e4sident Macron in der Nacht zum Samstag (, den 15. April 23) zwischen 03 und 04 Uhr fr\u00fch unterzeichnete. Dies wurde in ersten Reaktionen als besonderer Ausdruck seiner Arroganz und seiner Selbstherrlichkeit bei Entscheidungen kritisiert, da die n\u00e4chtliche Stunde darauf hinzudeuten schien, dass Macron in Abwesenheit selbst seiner engsten Berater in einsamster Runde entschieden habe \u2013 Emmanuel Macron ist tats\u00e4chlich f\u00fcr seinen ausgesprochen geringen Schlafbedarf von zwei bis drei Stunden pro Nacht, und seine n\u00e4chtlichen SMS-Versendungen an Mitarbeiter\/innen bekannt, wobei seine medizinische Schlafbilanz nur ihn selbst angeht. Doch trifft dies insofern rein faktenm\u00e4\u00dfig insofern nicht zu, als Emmanuel Macron tats\u00e4chlich nicht zu dieser Nachtstunde unterzeichnete: 03.28 Uhr fr\u00fch ist in Wirklichkeit die Stunde der elektronischen Ver\u00f6ffentlichung des <em>Journal Officiel de la R\u00e9publique fran\u00e7aise, <\/em>JO oder JORF (Amtsblatts, Gesetzesanzeigers), in welchem das Gesetz an jenem 15. April 2023 erschien, wodurch es rechtskr\u00e4ftig wurde. Doch das JO respektive JORF, das fr\u00fcher auf Papier publiziert wurde, seit 2016 jedoch nur noch in elektronischer Form, wird immer zwischen 02 und 07 Uhr fr\u00fch verschickt. Der Versand ist dabei programmiert, mit Inhalt aufgef\u00fcllt wird es am Vorabend oder am Tag zuvor. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.liberation.fr\/checknews\/retraites-emmanuel-a-t-il-promulgue-la-loi-dans-la-nuit-de-samedi-comme-lont-dit-les-opposants-a-la-reforme-20230416_HGUYNBQ2JBCYVL6T6HAWMFAMZM\/\">https:\/\/www.liberation.fr\/checknews\/retraites-emmanuel-a-t-il-promulgue-la-loi-dans-la-nuit-de-samedi-comme-lont-dit-les-opposants-a-la-reforme-20230416_HGUYNBQ2JBCYVL6T6HAWMFAMZM\/<\/a>)<\/p>\n<p>Insofern liegt die \u201eProvokation\u201c, welche einige Beobachter\/innen bzw. politischen und gewerkschaftlichen Akteure &amp; Akteurinnen im Laufe des Samstags unterstrichen, nicht in der Uhrzeit begr\u00fcndet. Sofern Macron einsam auf einem Olymp sitzt, dann jedenfalls nicht wegen der <em>\u201eVerk\u00fcndung um 03 Uhr fr\u00fch\u201c. <\/em>Ansonsten trifft auf jeden Fall zu, dass er es verdammt eilig hatte und auf wirklich niemanden h\u00f6rte, jedenfalls nicht au\u00dferhalb des harten Kerns seiner Unterst\u00fctzer\/innen.<\/p>\n<p>Die Debatte h\u00e4tte vorgesehen, dass er das Gesetz innerhalb von f\u00fcnfzehn Tagen unterzeichnet. Die im Aktionsb\u00fcndnis <strong><em>intersyndicale<\/em><\/strong> zusammengeschlossenen franz\u00f6sischen Gewerkschaften hatten Emmanuel Macron noch im Laufe des Freitag aufgefordert, auch bei einer Absegnung der \u201eReform\u201c durch das Verfassungsgericht von einer sofortigen Verk\u00fcndung abzusehen. Zumal Macron ja am Freitag Nachmittag seinerseits die Gewerkschaften \u2013 die zu empfangen, er bis dahin seit dem Vorjahr stets abgelehnt hatte \u2013 dazu einlud, nun an diesem Dienstag, den 18. April 23 bei ihm im Elys\u00e9epalast zu erscheinen. Offenkundig sollten diese dort allerdings nach vollbrachter Durchsetzung der \u201eReform\u201c vorsprechen, um nun \u00fcber deren Folgen und die Bew\u00e4ltigung zu reden und sich m\u00f6glichst darin einbinden zu lassen.<\/p>\n<p>Zugleich k\u00fcndigte Emmanuel Macron f\u00fcr den heutigen Montag Abend eine TV-Ansprache an die Bev\u00f6lkerung an. \u2013 Labournet wird auch dar\u00fcber berichten!<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.midilibre.fr\/2023\/04\/17\/allocution-demmanuel-macron-ce-lundi-soir-que-pourrait-dire-le-president-pour-tenter-de-sortir-de-la-crise-11137848.php\">https:\/\/www.midilibre.fr\/2023\/04\/17\/allocution-demmanuel-macron-ce-lundi-soir-que-pourrait-dire-le-president-pour-tenter-de-sortir-de-la-crise-11137848.php<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.rtl.fr\/actu\/politique\/invite-rtl-allocution-d-emmanuel-macron-manuel-bompard-n-en-attend-rien-7900255791\">https:\/\/www.rtl.fr\/actu\/politique\/invite-rtl-allocution-d-emmanuel-macron-manuel-bompard-n-en-attend-rien-7900255791<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>In einer ersten Reaktion sprachen die franz\u00f6sischen Gewerkschaften ihrerseits (noch vor Bekanntwerden der vollzogenen Inkraftsetzung des \u201eReform\u201cgesetzes in der Nacht) davon, fr\u00fchestens nach dem diesj\u00e4hrigen 1. Mai f\u00fcr einen Termin bei Macron zur Verf\u00fcgung zu stehen. ( <a href=\"https:\/\/www.tf1info.fr\/politique\/reforme-des-retraites-invites-a-l-elysee-ce-18-avril-les-syndicats-cgt-cfdt-fo-refusent-toute-rencontre-avant-le-1er-mai-2254099.html\">https:\/\/www.tf1info.fr\/politique\/reforme-des-retraites-invites-a-l-elysee-ce-18-avril-les-syndicats-cgt-cfdt-fo-refusent-toute-rencontre-avant-le-1er-mai-2254099.html<\/a>) Durch die schnelle Verk\u00fcndung des Gesetzes d\u00fcrfte dies allerdings nun in weitere Ferne r\u00fccken. Die nagelneue CGT-Generalsekret\u00e4rin Sophie Binet erkl\u00e4rte, werde kein Stopper bei der Durchsetzung der <em>\u201eReform\u201c <\/em>\u2013 die nun zum 1. September 23 Anwendung finden soll \u2013 eingebaut, dann k\u00f6nnte das schwierig werden mit dem Gespr\u00e4ch, dem angeblichen Dialog.<\/p>\n<p>Allerdings sprach CFDT-Generalsekret\u00e4r Laurent Berger seinerseits davon, man solle einen <em>d\u00e9lai de d\u00e9cence<\/em>, also eine <em>\u201eAnstandsfrist\u201c<\/em> wahren, bevor man wieder miteinander ins Gespr\u00e4ch komme. Nach der altbew\u00e4hrten Maxime der Cfdt oder jedenfalls ihrer Spitze: <em>\u201eIn Gefahr und h\u00f6chster Not bringt der Mittelweg, das Brot.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In ersten Reaktionen, die durch [b\u00fcrgerliche] demoskopische Institute gemessen wurden, \u00e4u\u00dferten sich 69 % der befragten Franz\u00f6sinnen und Franzosen ablehnend zur erfolgten Verk\u00fcndung des Gesetzes im Amtsblatt. Je nach Umfrage bekunden 60 % bzw. zuletzt 64 % ( <a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/manifestations\/retraites-64-des-francais-souhaitent-poursuivre-le-mouvement-contre-la-reforme-selon-un-sondage-bfmtv_VN-202304170247.html\">https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/manifestations\/retraites-64-des-francais-souhaitent-poursuivre-le-mouvement-contre-la-reforme-selon-un-sondage-bfmtv_VN-202304170247.html<\/a>) der Befragten, die Gewerkschaften dazu aufzufordern bzw. darin zu unterst\u00fctzen, ihren Protest fortzusetzen. Ob Verfassungsgerichtsurteil oder nicht. Auch die CFDT, \u00fcbrigens, ja doch: <a href=\"https:\/\/www.liberation.fr\/economie\/social\/laurent-berger-maintient-lunite-pour-casser-la-baraque-le-1er-mai-20230416_WKM2BYJBM5DEFPO4HN5JBG2QRY\">https:\/\/www.liberation.fr\/economie\/social\/laurent-berger-maintient-lunite-pour-casser-la-baraque-le-1er-mai-20230416_WKM2BYJBM5DEFPO4HN5JBG2QRY<\/a><\/p>\n<p>Auf Seiten der Gewerkschaften rufen nun relevanten franz\u00f6sischen Verb\u00e4nde und Zusammenschl\u00fcsse dazu auf, am 1. Mai gemeinsam den fortdauernden Protest auf die Stra\u00dfe zu tragen und die Demonstrationsz\u00fcge massiv ausfallen zu lassen. Dies hat insofern eine neue Qualit\u00e4t, als es dies in den letzten einhundert Jahren erst zum dritten Mal gibt. Bekanntlich existieren in Frankreich Richtungsgewerkschaften mit unterschiedlicher Ausrichtung, sei es ideologischer oder strategischer Art; zur 1895 als erster Dachverband gegr\u00fcndeten CGT (ihr Name bedeutet so viel wie \u201eAllgemeiner Verband der Arbeit\u201c) kam in den 1900 und 1900er Jahre die teilweise rechts gepr\u00e4gte \u201egelbe Gewerkschaftsbewegung\u201c hinzu \u2013 diese verschwand daraufhin wieder, niemand beruft sich heute positiv auf diese -, und ab 1919 als dauerhafter Faktor die christliche Gewerkschaftsbewegung (in Gestalt der CFTC, von ihr spaltete sich 1964 die CFDT ab).<\/p>\n<p>Vor allem spaltete sich die CGT in den fr\u00fchen 1920er Jahren, nachdem sich die Mehrheitsfraktion der franz\u00f6sischen Sozialdemokratie (SFIO) auf einem Parteitag in Tours in die Franz\u00f6sische kommunistische Partei (SFIC, sp\u00e4ter PCF) umgewandelt, eine Rest-SFIO sich jedoch von ihr abgespalten hatte, in eine sozialdemokratisch und eine (partei)kommunistisch beeinflusste Teilorganisation: die CGT und CGT-U.<\/p>\n<p>Erst 1936, mit dem urspr\u00fcnglich aus einer antifaschistischen Abwehrbewegung gegen die erstarkende extreme Rechte stammenden <em>Front populaire<\/em>-B\u00fcndnis (im Deutschen sehr vergr\u00f6bernd \u00fcbersetzt mit \u201eVolksfront\u201c (vgl. dazu: <a href=\"https:\/\/archiv.labournet.de\/diskussion\/geschichte\/bs_frontpopulaire.html\">https:\/\/archiv.labournet.de\/diskussion\/geschichte\/bs_frontpopulaire.html<\/a>), fanden die unterschiedlich orientierten Gewerkschaften zum damaligen 1. Mai zusammen. Im \u00dcbrigen fusionierte die CGT und die CGT-U im Zusammenhang mit dem, als Regierungsb\u00fcndnis ziemlich kurzlebigen,<em> Front populaire<\/em> (\u201eFront der sozialen Unterklassen\u201c).<\/p>\n<p>Zum zweiten Mal kam es im Jahr 2002 zu einem gemeinsamen 1. Mai aller relevanten franz\u00f6sischen Gewerkschaften, damals im Zusammenhang mit dem \u2013 seinerzeit unerwarteten \u2013 Einzug des Alt- und Neofaschisten Jean-Marie Le Pen in die Stichwahl der franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentschaftswahl. Dies rief damals massive spontane Reaktionen hervor; heute weckt die Pr\u00e4senz seiner Tochter Marine Le Pen in der Stichwahl bei Vielen eher ein m\u00fcdes G\u00e4hnen\u2026 Doch damals stand der Autor dieser Zeilen sechs Stunden lang mit einem Riesenstapel Flugbl\u00e4tter zwischen Menschenmengen, die aufgrund ihrer schlichten Dimension weder vor noch zur\u00fcck konnten\u2026 (Vgl.: <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2002\/19\/waehlen-mit-waescheklammern\">https:\/\/jungle.world\/artikel\/2002\/19\/waehlen-mit-waescheklammern<\/a>)<\/p>\n<p>Dieses Jahr nun also zum dritten Mal in einem Jahrhundert \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Und sonst so?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>In Paris nimmt die M\u00fcllabfuhr derzeit ihren, zwischendurch (vor gut zwei Wochen; <a href=\"https:\/\/actu.fr\/ile-de-france\/paris_75056\/fin-de-la-greve-des-eboueurs-a-paris-la-collecte-des-dechets-reste-degradee_58521593.html\">https:\/\/actu.fr\/ile-de-france\/paris_75056\/fin-de-la-greve-des-eboueurs-a-paris-la-collecte-des-dechets-reste-degradee_58521593.html<\/a>) abgebrochenen, Streik wieder auf\u2026: <a href=\"https:\/\/www.francebleu.fr\/infos\/societe\/retraites-la-cgt-depose-un-preavis-de-greve-reconductible-pour-les-eboueurs-parisiens-a-partir-du-13-avril-5108468\">https:\/\/www.francebleu.fr\/infos\/societe\/retraites-la-cgt-depose-un-preavis-de-greve-reconductible-pour-les-eboueurs-parisiens-a-partir-du-13-avril-<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.francebleu.fr\/infos\/societe\/retraites-la-cgt-depose-un-preavis-de-greve-reconductible-pour-les-eboueurs-parisiens-a-partir-du-13-avril-5108468\">5108468<\/a><\/p>\n<p>und <a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/paris-reprise-de-la-greve-des-eboueurs-a-partir-de-jeudi_VN-202304120449.html\">https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/paris-reprise-de-la-greve-des-eboueurs-a-partir-de-jeudi_VN-202304120449.html<\/a><\/p>\n<p>und zur R\u00fcckkehr der Abfallberge: <a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/greves\/greve-des-eboueurs-le-retour-des-tas-de-poubelles-non-recoltees-a-paris_VN-202304160056.html\">https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/greves\/greve-des-eboueurs-le-retour-des-tas-de-poubelles-non-recoltees-a-paris_VN-202304160056.html<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Ansonsten noch ein paar Hinweise zur anhaltenden Diskusion um Polizeigewalt usw.:<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.leprogres.fr\/social\/2023\/04\/15\/testicules-amputes-eborgnement-les-blesses-graves-depuis-le-debut-de-la-mobilisation\">https:\/\/www.leprogres.fr\/social\/2023\/04\/15\/testicules-amputes-eborgnement-les-blesses-graves-depuis-le-debut-de-la-mobilisation<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nicematin.com\/politique\/xxx-841158\">https:\/\/www.nicematin.com\/politique\/xxx-841158<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/police-justice\/retraites-le-depute-lfi-antoine-leaument-denonce-des-coups-de-matraque-recus-jeudi-soir_AD-202304140361.html\">https:\/\/www.bfmtv.com\/police-justice\/retraites-le-depute-lfi-antoine-leaument-denonce-des-coups-de-matraque-recus-jeudi-soir_AD-202304140361.html<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.rtl.fr\/actu\/politique\/retraites-le-depute-lfi-antoine-leaument-denonce-des-coups-de-matraque-recus-le-13-avril-7900255370\">https:\/\/www.rtl.fr\/actu\/politique\/retraites-le-depute-lfi-antoine-leaument-denonce-des-coups-de-matraque-recus-le-13-avril-7900255370<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ouest-france.fr\/economie\/retraites\/reforme-des-retraites-un-depute-lfi-denonce-des-coups-de-matraque-recus-jeudi-soir-f4bb8dd8-dabf-11ed-b1ec-c97a4aa9228c\">https:\/\/www.ouest-france.fr\/economie\/retraites\/reforme-des-retraites-un-depute-lfi-denonce-des-coups-de-matraque-recus-jeudi-<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ouest-france.fr\/economie\/retraites\/reforme-des-retraites-un-depute-lfi-denonce-des-coups-de-matraque-recus-jeudi-soir-f4bb8dd8-dabf-11ed-b1ec-c97a4aa9228c\">s<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ouest-france.fr\/economie\/retraites\/reforme-des-retraites-un-depute-lfi-denonce-des-coups-de-matraque-recus-jeudi-soir-f4bb8dd8-dabf-11ed-b1ec-c97a4aa9228c\">oir-f4bb8dd8-dabf-11ed-b1ec-c97a4aa9228c<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/gewerkschaften-frankreich\/frankreich-ein-praesident-hats-eilig-gewerkschaften-bleiben-sich-in-ablehnung-und-fortfuehrung-der-proteste-einig\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. April 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. Das Gesetz zur Renten\u201ereform\u201c wurde am Freitag Abend vom Verfassungsgericht best\u00e4tigt, und dabei noch versch\u00e4rft \u2013 Referendumsinitiative abgeschmettert \u2013 Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron unterzeichnete den Text noch am selben Abend (anders als Ger\u00fcchte behaupteten, &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12921,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,5],"tags":[8,25,87,61,26,45,22,49,37,17],"class_list":["post-12937","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-kampagnen","tag-altersvorsorge","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitswelt","tag-frankreich","tag-gewerkschaften","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie","tag-repression","tag-service-public","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12937"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12937\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12938,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12937\/revisions\/12938"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12921"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12937"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}