{"id":12965,"date":"2023-04-24T14:35:24","date_gmt":"2023-04-24T12:35:24","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12965"},"modified":"2023-04-24T14:35:25","modified_gmt":"2023-04-24T12:35:25","slug":"75-jahre-nakba-erinnern-heisst-kaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12965","title":{"rendered":"<strong>75 Jahre Nakba: Erinnern hei\u00dft K\u00e4mpfen!<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Ramsis Kilani. <\/em><strong>Auch dieses Jahr erinnern Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser weltweit an ihre Vertreibung. Die Geschichte dahinter reicht bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p>Am 15. Mai 2023 j\u00e4hrt sich die <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/68-jahre-nakba-zeit-das-schweigen-zu-brechen\/\">Nakba<\/a>, zu Deutsch Katastrophe, zum 75. Mal. Gemeint ist die Vertreibung von \u00fcber 750.000 Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenserzwischen<!--more--> 1947 und 1949 im Zuge der Staatsgr\u00fcndung Israels durch Massaker, Vergewaltigungen und Pl\u00fcnderungen. Mehr als 11.000 PPal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser kamen ums Leben. \u00dcber 500 St\u00e4dte, D\u00f6rfer und Stadtteile wurden zerst\u00f6rt. Insgesamt wurde etwa die H\u00e4lfte aller damals dort lebenden Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser vertrieben.<\/p>\n<p><strong>Die Verdr\u00e4ngung dauert bis heute an<\/strong><\/p>\n<p>Dieses kollektive Trauma hinterlie\u00df eine entwurzelte und in ihren Grundfesten ersch\u00fctterte pal\u00e4stinensische Gesellschaft. Bis heute wird den Gefl\u00fcchteten und ihren Familien das Recht auf Entsch\u00e4digung und R\u00fcckkehr verwehrt.<\/p>\n<p>Doch auch dar\u00fcber hinaus ist die Nakba f\u00fcr die Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser kein abgeschlossener Prozess. An der fortlaufenden Verdr\u00e4ngung in Jerusalem und dem Westjordanland wird deutlich, dass die Vertreibung der Pal\u00e4stinenser bis heute vom Staat Israel weitergef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Mit der Nakba erreichte das den Pal\u00e4stinens\u00e4iserinnen und Pal\u00e4stinenser angetane Unrecht neue Dimensionen, aber ihre Verdr\u00e4ngung begann schon fr\u00fcher. Denn das Ziel des Zionismus \u2013 der j\u00fcdischen National- und Kolonialbewegung \u2013 bestand darin, auf einem mehrheitlich nicht-j\u00fcdisch bev\u00f6lkerten Gebiet einen mehrheitlich j\u00fcdisch bev\u00f6lkerten Staat zu errichten. Diese Bewegung entstand als Reaktion auf europ\u00e4ischen Nationalismus und Antisemitismus. Gleichzeitig war sie ein Kind dieser Zeit und ihrer Ideen. F\u00fcr die j\u00fcdische Einwanderung in Pal\u00e4stina wurde der Mythos etabliert, \u00bbein Land ohne Volk einem Volk ohne Land\u00ab zu \u00fcbergeben. Doch Pal\u00e4stina war zu diesem Zeitpunkt bereits eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Mittelmeerregion.<\/p>\n<p>Der zionistischen F\u00fchrung war die Notwendigkeit einer Verdr\u00e4ngung bewusst, wie beispielsweise aus Theodor Herzls Tagebuch hervorgeht (beispielsweise Tagebucheintrag 12. VI.). Als erster schriftlicher Beleg der Vertreibung gilt der israelischen Tageszeitung Ha\u2019aretz zufolge (Nir Hasson, 4. November 2012) ein Klagebrief aus dem Jahr 1890, den ein Beduinenstamm im Gebiet des sp\u00e4teren Rehovot an den osmanischen Sultan verfasste.<\/p>\n<p><strong>Ein Nordirland am Mittelmeer<\/strong><\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/was-hat-israel-mit-kolonialismus-zu-tun\/\">Balfour<\/a>-Erkl\u00e4rung von 1917 bef\u00fcrwortete das britische Empire die \u201eEtablierung einer nationalen Heimst\u00e4tte f\u00fcr das j\u00fcdische Volk\u201c in Pal\u00e4stina, das im Ersten Weltkrieg unter britische Kontrolle geriet. Milit\u00e4rgouverneur Ronald Storrs beschrieb die zionistische Kolonisierung als Schaffung eines ergebenen \u201ej\u00fcdischen Ulsters\u201c in einer feindlichen Region \u2013 also eine britische Kolonie wie in Nordirland.<\/p>\n<p>Die Entfernung der ans\u00e4ssigen Bewohnerinnen und Bewohner erfolgte unter dem gezielten Ausschluss nichtj\u00fcdischer Menschen aus Produktion, Gewerkschaft, neuen Siedlungen und schlie\u00dflich dem Land selbst. Die Vertreibung erfolgte zun\u00e4chst durch den \u201eR\u00fcckkauf\u201c von L\u00e4ndereien von Gro\u00dfgrundbesitzern, die oft selbst gar nicht in Pal\u00e4stina lebten. Daf\u00fcr wurden besondere Organe gegr\u00fcndet, wie der J\u00fcdische Nationalfonds oder die American Zion Commonwealth. Letztere erwarb 1921-22 die fruchtbare Jesreel-Ebene und entschied, dass die 8.000 pal\u00e4stinensischen P\u00e4chter, die in 21 umliegenden D\u00f6rfern wohnten, gehen m\u00fcssen. Diejenigen, die sich dagegen gewehrt haben, wurden von der britischen Kolonialpolizei vertrieben.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eNoch bevor der erste Soldat aus arabischen Anrainerstaaten Pal\u00e4stina betrat, waren 300.000 Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser vertrieben<\/em><\/strong>\u201e<\/p>\n<p>In der Masseneinwanderung von j\u00fcdischen Menschen nach Pal\u00e4stina infolge des Holocaust sah die zionistische F\u00fchrung eine M\u00f6glichkeit. Im Jahr 1947 beschlossen die Vereinten Nationen unter dem Eindruck der Nachkriegssituation die Teilung Pal\u00e4stinas. Der Gro\u00dfteil der Fl\u00e4che wurde einem j\u00fcdischen Staat zugesprochen, dem nur eine Minderheit der Bev\u00f6lkerung angeh\u00f6rte. Zionistische Milizen begannen, eine fl\u00e4chendeckende <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/zunaechst-baut-man-die-rassistischen-kolonialistischen-institutionen-ab-im-gespraech-mit-ilan-pappe\/\">ethnische S\u00e4uberung<\/a> umzusetzen und schlussendlich die Grenzen \u00fcber die des Teilungsplanes hinaus auszudehnen: Die pal\u00e4stinensische Nakba hatte begonnen. Noch bevor der erste Soldat aus arabischen Anrainerstaaten Pal\u00e4stina betrat, waren knapp 300.000 Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser vertrieben worden. Der Krieg <em>nach<\/em> Beginn der lang geplanten S\u00e4uberung wurde hinterher als vermeintlicher Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Vertreibungen vorgeschoben.<\/p>\n<p>Dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit bleibt wenig bekannt, wird teilweise gar geleugnet, weil es der israelischen, aber auch der deutschen Geschichtsschreibung und ihren Interessen bis heute widerstrebt. Im Jahr 2022 wurde sogar ein Nakba-Gedenkverbot in Berlin erlassen. Zum 75. Jahrestag gilt es, die Kriminalisierung des Erinnerns zu durchbrechen. Dazu ruft die Kampagne #Nakba75 auf und informiert auf der Website <a href=\"https:\/\/www.nakba-ban.org\/de\/\">https:\/\/www.nakba-ban.org\/de\/<\/a>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst in der critica Nr. 30. Du erh\u00e4ltst sie beim SDS in deiner Stadt oder kannst sie <\/em><a href=\"https:\/\/critica-zeitung.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/web_criticaSoSe23.pdf\"><em>hier online lesen<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/75-jahre-nakba-erinnern-heisst-kaempfen\/\">diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/a> vom 24. April 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ramsis Kilani. Auch dieses Jahr erinnern Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser weltweit an ihre Vertreibung. Die Geschichte dahinter reicht bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcck.<br \/>\nAm 15. 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