{"id":13080,"date":"2023-05-12T10:08:33","date_gmt":"2023-05-12T08:08:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13080"},"modified":"2023-05-12T10:08:34","modified_gmt":"2023-05-12T08:08:34","slug":"legende-vom-unprovozierten-krieg-in-der-ukraine-zerbroeselt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13080","title":{"rendered":"<strong>Legende vom \u201eunprovozierten Krieg\u201c in der Ukraine zerbr\u00f6selt<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Andre Damon. <\/em>Seit Beginn des Krieges in der Ukraine am 24. Februar 2022 verbreiten die westlichen Regierungen und die Medien unaufh\u00f6rlich, der Konflikt sei ohne jeden Anlass von Wladimir Putin als allein Schuldigem losgetreten worden.<!--more--><\/p>\n<p>Das Wort \u201eunprovoziert\u201c zur Beschreibung des Krieges ist in den US-Medien allgegenw\u00e4rtig. <em>Die Washington Post<\/em>, die <em>New York Times<\/em> und die Nachrichtensender haben den Ausdruck hunderte Male verwendet.<\/p>\n<p>Thomas Friedman von der <em>New York Times, <\/em>der darauf spezialisiert ist, CIA-Briefings zu Zeitungsartikeln zu verarbeiten, schrieb am Mittwoch: \u201eVon Beginn dieses Krieges an gab es nur einen einzigen Ort, an dem man seinen Zeitpunkt und seine Sto\u00dfrichtung verstehen konnte, und das war der Kopf von Wladimir Putin\u2026 Dort und nirgendwo sonst nahm dieser Krieg seinen Ausgang.\u201c<\/p>\n<p>Das Mantra vom \u201eunprovozierten Krieg\u201c spielt im Fall der Ukraine dieselbe Rolle wie die \u201eMassenvernichtungswaffen\u201c im Irakkrieg. Nach dem Motto \u201eJe gr\u00f6\u00dfer die L\u00fcge, desto eher wird sie geglaubt\u201c, wird es unaufh\u00f6rlich wiederholt. Die \u00d6ffentlichkeit soll glauben, dass dies der erste Krieg in der Geschichte ist, der keine Vorgeschichte oder wirtschaftlichen Motive hat und nur auf die Psychologie eines einzelnen Mannes zur\u00fcckgeht.<\/p>\n<p>Doch am Dienstag brachte die <em>Washington Post<\/em> ein Interview mit Nato-Generalsekret\u00e4r Jens Stoltenberg, der erkl\u00e4rte, dass der Krieg in der Ukraine \u201enicht im Jahr 2022 begann. Der Krieg begann 2014.\u201c<\/p>\n<p>Stoltenberg fuhr fort: \u201eUnd seitdem hat die Nato die gr\u00f6\u00dfte Verst\u00e4rkung unserer kollektiven Verteidigung seit dem Ende des Kalten Krieges durchgef\u00fchrt\u2026 Bis 2014 hatten die Nato-Verb\u00fcndeten ihre Verteidigungsbudgets reduziert. Seit 2014 haben alle Verb\u00fcndeten in Europa und Kanada ihre Verteidigungsausgaben deutlich erh\u00f6ht. &#8230; Das ist eine gro\u00dfe Umgestaltung der Nato, die 2014 eingesetzt hat.\u201c<\/p>\n<p>Laut Stoltenberg begann der Krieg also nicht im Februar 2022 mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine, sondern bereits 2014, also acht Jahre zuvor.<\/p>\n<p>Dieses Eingest\u00e4ndnis best\u00e4tigt zwei Punkte, auf die die <em>World Socialist Web Site<\/em> seit Ausbruch des Krieges wiederholt hingewiesen hat. Erstens, der Konflikt hat einen historischen Hintergrund. Zweitens, die Invasion im Jahr 2022 war eine verzweifelte Reaktion auf die Bem\u00fchungen der Nato, die Ukraine in ihren Orbit zu bringen.<\/p>\n<p>Stoltenberg gibt an, dass der Krieg 2014 begonnen hat, schweigt sich aber dar\u00fcber aus, was wirklich passiert ist. Das Jahr 2014 begann mit dem von den USA unterst\u00fctzten Regimewechsel in der Ukraine, bei dem die Regierung von Pr\u00e4sident Wiktor Janukowytsch gest\u00fcrzt wurde. Janukowytsch hatte das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU gebremst, das als Vorbereitung auf die Integration in die Nato konzipiert war.<\/p>\n<p>Der Staatsstreich wurde von den USA mit \u201e\u00fcber 5 Milliarden Dollar\u201c finanziert, wie sich die stellvertretenden US-Au\u00dfenministerin Victoria Nuland br\u00fcstete.<\/p>\n<p>Der Sturz der Regierung Janukowytsch wurde von faschistischen und extrem antirussischen Organisationen wie dem Rechten Sektor und der Swoboda-Partei angef\u00fchrt. In den folgenden Jahren ging die nach dem Putsch eingesetzte Regierung von Petro Poroschenko mit Gewalt und Repression gegen die russischsprachige Bev\u00f6lkerung in der Ostukraine vor. Das kostete von 2014 bis 2022 mehr als 14 000 Menschen das Leben.<\/p>\n<p>Die von den USA und der NATO unterst\u00fctzte Regimewechseloperation zielte darauf ab, wie die <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2014\/03\/08\/udss-m08.html\">WSWS 2014 feststellte<\/a>, \u201eeine Konfrontation mit Russland zu provozieren\u201c.<\/p>\n<p>Der Kreml reagierte entsprechend, denn ihm war klar, dass die Nato die Kontrolle \u00fcber die Halbinsel Krim anstrebte, auf der die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. Auf diese Weise k\u00f6nnten die Vereinigten Staaten eine eigene Flotte im Hafen von Sewastopol stationieren und sich die milit\u00e4rische Vorherrschaft \u00fcber das Schwarze Meer verschaffen.<\/p>\n<p>Daraufhin annektierte Russland die Krim im Anschluss an ein Referendum, bei dem sich die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der dortigen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Austritt aus der Ukraine aussprach.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Nato-M\u00e4chte \u00f6ffentlich vorgaben, einen Waffenstillstand im Rahmen des \u201eMinsker Abkommens\u201c zu unterst\u00fctzen, schleusten sie systematisch Waffen im Wert von Milliarden Dollar in die Ukraine, um einen Krieg zur R\u00fcckeroberung der Ostukraine und der Krim vorzubereiten.<\/p>\n<p>Im Jahr 2021 billigte die ukrainische Regierung eine Strategie f\u00fcr die milit\u00e4rische R\u00fcckeroberung der Halbinsel, die dann mit der strategischen Partnerschaft zwischen den USA und der Ukraine vom November 2021 de facto kodifiziert wurde.<\/p>\n<p>Als Putin vor Ausbruch des Krieges Zusicherungen verlangte, dass die Ukraine nicht der Nato beitreten w\u00fcrde, f\u00fchrte er zur Begr\u00fcndung an, dass in diesem Fall das gesamte Nato-B\u00fcndnis verpflichtet w\u00e4re, die Ukraine in einem Krieg zur R\u00fcckeroberung der Krim zu unterst\u00fctzen, was zu einem Atomkrieg zwischen der Nato und Russland f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Mit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 versuchte die Putin-Regierung, die eine Fraktion der russischen Oligarchie vertritt, ihre Interessen zu verteidigen, w\u00e4hrend sie gleichzeitig auf irgendeine Einigung mit den imperialistischen M\u00e4chten hoffte.<\/p>\n<p>Doch die USA und die Nato sind entschlossen, mit dem Krieg die Ziele zu erreichen, die bereits hinter dem Putsch von 2014 standen. Und so erkl\u00e4rte Stoltenberg im weiteren Verlauf des Interviews mit der <em>Washington Post<\/em>, dass \u201esich alle Nato-Verb\u00fcndeten dar\u00fcber einig sind, dass die Ukraine Mitglied des B\u00fcndnisses werden wird\u201c, und widersprach damit den Behauptungen der US-Medien und des Establishments, dass die Bedenken der russischen Regierung gegen einen Nato-Beitritt der Ukraine v\u00f6llig aus der Luft gegriffen seien.<\/p>\n<p>Stoltenbergs Erkl\u00e4rung l\u00e4uft auf die Ank\u00fcndigung hinaus, die Nato in einen direkten Konflikt mit Russland zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Die L\u00fcge vom \u201eunprovozierten Krieg\u201c wurde nicht nur vom politischen Establishment und den staatlich gesteuerten Medien in den USA akzeptiert und gef\u00f6rdert, sondern zu ihrer Schande auch von der gro\u00dfen Mehrheit der Wissenschaftler. Abgesehen von den Versammlungen der International Youth and Students for Social Equality hat es an den Universit\u00e4ten keinen ernsthaften Versuch gegeben, die Hintergr\u00fcnde und Ursachen des Krieges zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Von besonderer Bedeutung ist die vehemente Unterst\u00fctzung des Krieges und des Imperialismus vonseiten nominell \u201esozialistischer\u201c Organisationen, die in Wirklichkeit privilegierte Teile der oberen Mittelschicht vertreten und sich die offizielle Propaganda vollst\u00e4ndig zu eigen gemacht haben.<\/p>\n<p>Die CIA-nahe Publikation <em>International Viewpoint<\/em>, die von Pablisten herausgegeben wird, ver\u00f6ffentlichte beispielsweise am 1. Mai eine Erkl\u00e4rung der \u201eRussischen Sozialistischen Bewegung\u201c, in der \u201ehalbherzige Solidarit\u00e4t und falscher Pazifismus\u201c angeprangert werden, da dadurch \u201ejede Form der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die milit\u00e4rischen Vorbereitungen der eigenen Regierung als moralisch fragw\u00fcrdig hingestellt wird\u201c.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Es ist die Aufgabe der \u201eLinken\u201c, das milit\u00e4rische Vorgehen der USA und der Nato-M\u00e4chte zu unterst\u00fctzen, denn andernfalls w\u00fcrde man sich zum \u201eInstrument des Aggressors\u201c \u2013 Russland \u2013 machen. Die Erkl\u00e4rung endet mit einem Aufruf zu \u201everst\u00e4rkten Waffenlieferungen an die Ukraine, die es ihr erm\u00f6glichen, ihre annektierten Gebiete zur\u00fcckzuholen\u201c. <em>International Viewpoint<\/em> gibt in allen Punkten getreulich die Aussagen von Stoltenberg wieder.<\/p>\n<p>Doch alle gesellschaftlichen Kr\u00e4fte, die die Propagandadarstellung Washingtons verteidigt haben, werden durch den Kriegsverlauf blo\u00dfgestellt. Die Vereinigten Staaten sind weit davon entfernt, \u201edefensive\u201c Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um das Leben der Ukrainer vor russischen Angriffen zu retten. Sie sind entschlossen, bis zum letzten Ukrainer zu k\u00e4mpfen, um die Krim zur\u00fcckzuerobern und Russland eine strategische Niederlage zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger der Krieg andauert und sich ausweitet, desto unverhohlener tritt sein imperialistischer Charakter zutage. Es wird immer deutlicher, dass sich der amerikanische Imperialismus mit der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion nicht zufrieden gibt, sondern die milit\u00e4rische Niederlage, Zerschlagung und Eroberung Russlands anstrebt \u2013 als Vorstufe zur geplanten milit\u00e4rischen Unterwerfung Chinas.<\/p>\n<p><em>#Bild: Nato-Generalsekret\u00e4r Jens Stoltenberg auf einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in Tallinn am 1. M\u00e4rz 2022 [AP Photo\/Leon Neal]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/05\/11\/pers-m11.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. Mai 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andre Damon. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine am 24. 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