{"id":13155,"date":"2023-06-07T09:17:01","date_gmt":"2023-06-07T07:17:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13155"},"modified":"2023-06-07T09:17:02","modified_gmt":"2023-06-07T07:17:02","slug":"warum-die-hetze-gegen-roger-waters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13155","title":{"rendered":"<strong>Warum die Hetze gegen Roger Waters?<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em>Der Rock-Musiker Roger Waters beendete am 28. Mai mit einem Konzert in Frankfurt seine erfolgreiche Deutschlandtournee. W\u00e4hrend ihm zehntausende Fans zujubelten, organisierten Politik und Medien eine beispiellose Hetzkampagne. Alle im Bundestag vertretenen Parteien, von der Linken bis zur AfD, und die Mehrzahl der Medien beteiligten sich daran. Keine Verleumdung war<!--more--> zu abwegig, keine L\u00fcge zu absurd, um gegen den 79-j\u00e4hrigen Mitgr\u00fcnder der Band Pink Floyd geschleudert zu werden.<\/p>\n<p>Waters, der sich nicht nur als genialer Musiker, sondern auch als unbeugsamer K\u00e4mpfer gegen Ungerechtigkeit, Unterdr\u00fcckung, Krieg und Faschismus einen Namen gemacht hat, wurde als \u201eJudenhasser\u201c, sein Konzert als \u201eZivilisationsbruch\u201c (der Frankfurter Oberb\u00fcrgermeister Mike Josef, SPD) denunziert. Als \u201eZivilisationsbruch\u201c hatte man bisher in Deutschland den Holocaust bezeichnete. Der israelische UN-Botschafter Danny Danon beschimpfte Waters als \u201eeinen der gr\u00f6\u00dften Judenhasser unserer Zeit\u201c.<\/p>\n<p>Waters konnte noch so oft beteuern, dass er kein Antisemit, sondern ein Gegner jeder Form von Rassismus und Unterdr\u00fcckung sei, die Angriffe gegen ihn wurden lauter. Auch ein <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/05\/03\/ingt-m03.html\">Gerichtsurteil<\/a>, das er in Frankfurt erstritt, nachdem Stadt- und Landesregierung versucht hatten, sein Konzert zu verhindern, beeindruckte seine Gegner nicht.<\/p>\n<p>Die L\u00fcgen und Verdrehungen nahmen kafkaeske Z\u00fcge an. So ver\u00f6ffentlichte der <em>Deutschlandfunk<\/em> einen Kommentar von Sebastian Engelbrecht: \u201eEntschl\u00fcsselung eines antisemitischen Weltbildes\u201c. Er entlarvt den Aufruf \u201eWidersteht dem Kapitalismus! Widersteht dem Faschismus! Widersteht dem Krieg!\u201c, der w\u00e4hrend <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/05\/25\/roge-m25.html\">Waters Show<\/a> eingeblendet wird, als \u201efaschistische Demagogie\u201c. Beweis: \u201eWaters bietet gr\u00f6bste Vereinfachungen, wie wir sie von Rechtspopulisten kennen.\u201c Nach dieser bestechenden Logik kann man auch wei\u00df als schwarz und schwarz als wei\u00df \u201eentschl\u00fcsseln\u201c.<\/p>\n<p>Die Berliner Polizei nahm sogar offiziell Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Waters auf, was von den Medien gierig ausgeschlachtet wurde. Waters B\u00fchnenkleidung, so der Verdacht der Polizei, verletze die W\u00fcrde von Opfern des Nationalsozialismus und verherrliche die Nazi-Herrschaft.<\/p>\n<p>Der \u201eVerdacht\u201c der Polizei bezieht sich auf den Ledermantel, den Waters w\u00e4hrend des Songs \u201eIn the Flesh\u201c tr\u00e4gt, in dem er einen durchgeknallten faschistischen Demagogen darstellt. Waters f\u00fchrt diesen Song seit 43 Jahren auf. Er stammt aus der Rockoper \u201eThe Wall\u201c von Pink Floyd. Im Film \u201eThe Wall\u201c \u00fcbernahm der Musiker Bob Geldof \u2013 inzwischen Sir Bob Geldof \u2013 die Rolle. In diesen 43 Jahren war nie jemand auf die Idee gekommen, der Song, der sich gegen jede Form von Faschismus, Ungerechtigkeit und Bigotterie richtet, verherrliche die Nazis, statt sie zu denunzieren. Darauf kamen erst die Berliner Polizei und ihre politischen Auftraggeber.<\/p>\n<p>Auch Waters Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Bewegung BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) ist kein Ausdruck von Antisemitismus. BDS richtet sich gegen die Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser und orientiert sich dabei an den Methoden der s\u00fcdafrikanischen Antiapartheidbewegung. In Wirklichkeit geht es Waters Gegnern darum, jede Kritik an der israelischen Regierung zu unterdr\u00fccken, in der inzwischen offene Rassisten und Rechtsextreme, wie Polizeiminister Itamar Ben-Gvir, den Ton angeben.<\/p>\n<p>Weshalb wird Waters so erbittert bek\u00e4mpft und angegriffen? Offensichtlich geht es dabei nicht nur um seine Person. Geschlagen wird Waters, gemeint ist die weitverbreitete Opposition gegen Krieg, Faschismus und soziale Ungleichheit.<\/p>\n<p>Die Meinungsmacher in den Ministerien, den Parteizentralen und den Redaktionen haben mit Schrecken verfolgt, wie in Frankreich wochenlang Millionen gegen das Rentendiktat von Pr\u00e4sident Macron rebellierten. Sie wissen, dass die milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung und die Eskalation des Ukrainekriegs durch die Nato trotz 24-st\u00fcndiger Dauerpropaganda auf Skepsis und Ablehnung sto\u00dfen. Und sie f\u00fcrchten, dass der Widerstand gegen die massiven, inflationsbedingten Reallohnsenkungen der Kontrolle der Gewerkschaften entgleitet. Sie f\u00fcrchten einen sozialen Aufstand.<\/p>\n<p>Deshalb soll an Waters ein Exempel statuiert werden. Dass der bald 80-J\u00e4hrige den rebellischen Geist seiner Jugend bewahrt hat und \u2013 im Gegensatz zu vielen anderen seiner Generation, die Karriere gemacht und reich geworden sind \u2013 nicht bereit ist, mit den W\u00f6lfen zu heulen, stachelt ihre Wut an.<\/p>\n<p>Die Verleumdung Waters soll jeden einsch\u00fcchtern, der es wagt, aufzumucken oder eine andere Meinung zu vertreten \u2013 insbesondere im Kultur- und Wissenschaftsbetrieb und in den Medien, den wichtigsten ideologischen St\u00fctzen der kapitalistischen Herrschaft. Deshalb ist ihm hoch anzurechnen, dass er nicht nachgibt.<\/p>\n<p>Als Zweites zielt die Kampagne gegen Waters darauf ab, die historischen Verbrechen der Nazis zu verharmlosen und so neue Verbrechen vorzubereiten. Die Aufr\u00fcstung Deutschlands und seine R\u00fcckkehr zu einer militaristischen Gro\u00dfmachtpolitik erfordert eine Neuinterpretation der Geschichte und eine Umwertung aller Werte. Grunds\u00e4tze wie \u201eNie wieder Krieg, nie wieder Faschismus\u201c, die seit den 1970er Jahren eine Art gesellschaftlichen Grundkonsens bildeten, k\u00f6nnen nicht l\u00e4nger toleriert werden.<\/p>\n<p>Deshalb werden Begriffe wie Zivilisationsbruch und Antisemitismus, die in Deutschland mit den schlimmsten historischen Verbrechen verkn\u00fcpft sind, vollst\u00e4ndig entkernt. Nicht die Nazis der AfD, die den Holocaust als Fliegenschiss verharmlosen, sind demnach Antisemiten, sondern deren Gegner. Der Antifaschist Waters wird zum Antisemiten gestempelt, w\u00e4hrend wirkliche Antisemiten und Faschisten rehabilitiert werden.<\/p>\n<p>Am deutlichsten zeigt sich das in der Ukraine, wo die Bundesregierung eng mit dem Selenskyj-Regime zusammenarbeitet, das Denkm\u00e4ler f\u00fcr Nazi-Kollaborateure und Massenm\u00f6rder wie Stepan Bandera errichtet und zahlreiche Stra\u00dfen nach ihnen benennt. Rechtsradikale Einheiten wie das Asow-Bataillon, das sich mit SS-Symbolen schm\u00fcckt, werden aufger\u00fcstet und als Freiheitsk\u00e4mpfer verherrlicht.<\/p>\n<p>In Estland ist die deutsche Botschaft Mitorganisatorin einer Sommerschule des Estonian Institute of Historical Memory, die das Ziel verfolgt, F\u00fchrer der Roten Armee, die Europa unter uns\u00e4glichen Opfern von der Terrorherrschaft der Nazis befreite, als Kriegsverbrecher zu verurteilen.<\/p>\n<p>Die Sozialistische Gleichheitspartei k\u00e4mpft seit vielen Jahren gegen die Rehabilitierung und die R\u00fcckkehr des Faschismus. Wir empfehlen unseren Lesern das Buch \u201e<a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/warum-sind-sie-wieder-da\/00.html\">Warum sind sie wieder da? Geschichtsf\u00e4lschung, politische Verschw\u00f6rung und die Wiederkehr des Faschismus in Deutschland<\/a>\u201c des SGP-Vorsitzenden Christoph Vandreier, das diese Entwicklung detailliert nachzeichnet. Es erschien im Oktober 2018 im Mehring Verlag und bietet eine wichtige Grundlage, um die heutigen Ereignisse zu verstehen.<\/p>\n<p>Es ist bezeichnend, dass sich in den Medien und im kleinb\u00fcrgerlichen Milieu kaum jemand findet, der bereit w\u00e4re, Waters zu verteidigen oder auch nur objektiv darzustellen. Die <em>taz<\/em>, das Hausblatt der Gr\u00fcnen, denunziert ihn als \u201ePutins britischer Nachtwolf\u201c.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen selbst, aus dem antifaschistischen und pazifistischen Milieu hervorgegangen, haben sich zu den \u00fcbelsten Kriegstreibern entwickelt. Sie vertreten st\u00e4dtische Mittelschichten, die sich am Aktien- und Immobilienboom und an der neoliberalen Wirtschaftspolitik bereichert haben, w\u00e4hrend der Lebensstandard der breiten Massen sank. Sie haben ihr Schicksal untrennbar mit den r\u00e4uberischen Zielen des deutschen Imperialismus verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr von Militarismus, Krieg und Faschismus kann nur durch eine internationale Bewegung der Arbeiterklasse gestoppt werden, die f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus k\u00e4mpft.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Roger Waters auf der B\u00fchne (Foto: Vala Jeyhani)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/05\/31\/wate-m31.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 7. Juni 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. Der Rock-Musiker Roger Waters beendete am 28. Mai mit einem Konzert in Frankfurt seine erfolgreiche Deutschlandtournee. W\u00e4hrend ihm zehntausende Fans zujubelten, organisierten Politik und Medien eine beispiellose Hetzkampagne. 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