{"id":13196,"date":"2023-06-15T16:46:52","date_gmt":"2023-06-15T14:46:52","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13196"},"modified":"2023-06-15T16:46:54","modified_gmt":"2023-06-15T14:46:54","slug":"die-leninistische-konzeption-der-partei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13196","title":{"rendered":"<strong>Die leninistische Konzeption der Partei<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Marina Garrisi.<\/em> Im Werk Lenins ist die Parteifrage entscheidend \u2013 und ebenso schwierig zu entr\u00e4tseln. Um die Parteifrage im Werk Lenins wieder aufzugreifen, gilt es, sich mit mindestens zwei interpretativen Schemata auseinanderzusetzen. Das erste \u2013 das sich leider schon lange h\u00e4lt \u2013 assoziiert den Leninismus mit Autoritarismus und die \u201eleninistische Partei\u201c mit der Diktatur einer<!--more--> selbsternannten Elite (oder Avantgarde), die den Keim einer totalit\u00e4ren Besessenheit in sich tr\u00e4gt und damit den Stalinismus vorwegnimmt. Die Hartn\u00e4ckigkeit dieser Lesart hat im Kontext der internationalen Reaktion dazu beigetragen, die leninistische Partei in der radikalen Linken zu diskreditieren, selbst in Sektoren, die historisch mit dem Leninismus verbunden sind. So ist es bei derjenigen Str\u00f6mung in der Neuen Antikapitalistischen Partei (Nouveau Parti Anticapitaliste, NPA) in Frankreich, die aus der Revolution\u00e4r-Kommunistischen Liga (Ligue Communiste R\u00e9volutionnaire, LCR), der franz\u00f6sischen Sektion des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale, hervorgegangen ist. F\u00fcr sie, ebenso wie f\u00fcr ihre internationalen Mitstreiter:innen, ist Lenin als Bezugspunkt bestenfalls eine Art kraftlose Folklore und schlimmstenfalls ein letztlich sektiererisches Konzept, das es um jeden Preis zu \u00fcberwinden gilt.<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit hat sich die Debatte um die leninistische Partei zum Teil dank der Forschung in der englischsprachigen akademischen Welt, insbesondere durch Lars Lih, ver\u00e4ndert. Seine akribische Untersuchung von Lenins \u201eWas tun?\u201c m\u00fcndete in dem beeindruckenden Buch \u201eLenin Rediscovered. What Is to Be Done? in Context\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f1\"><sup>1<\/sup><\/a> [Lenin Wiederentdeckt. \u201aWas tun?\u2018 im Kontext\u201c]. Lange Zeit galt \u201eWas tun?\u201c als \u201eHandbuch\u201c f\u00fcr die systematische Ausformulierung eines neuen Organisationskonzepts. Lih stellt hingegen die Mythen, die sich um Lenin ber\u00fchmtestes Werk ranken, radikal in Frage. Lihs Studie hat viele ergiebige Diskussionen ausgel\u00f6st,<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f2\"><sup>2<\/sup><\/a> aber seine These, dass Lenin bis zuletzt, auch nach seinem Bruch mit der Zweiten Internationale, ein \u201erussischer Sozialdemokrat\u201c geblieben sei, ist auch ernsthaft kritisiert worden. Letztlich tendiert Lihs Lesart dazu, die originellsten und politisch entscheidenden Bestandteile in Lenins Beitr\u00e4gen auszublenden. Das geht so weit, dass er bestreitet, dass man \u00fcberhaupt von einer leninistischen Parteikonzeption sprechen kann.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f3\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Lenin und der \u201eLeninismus\u201c nach dem 20. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p>Eine Diskussion des Leninismus im 21. Jahrhundert sollte damit beginnen zu sagen, was der Leninismus nicht ist. Als 2017 das einhundertj\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Russischen Revolution gefeiert wurde, ver\u00f6ffentlichte St\u00e9phane Courtois auf Franz\u00f6sisch ein Buch mit einem Titel, der die Abk\u00fcrzungen offenlegt, die von manchen liberalen Ideolog:innen propagiert werden: \u201eL\u00e9nine, l\u2019inventeur du totalitarisme\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f4\"><sup>4<\/sup><\/a> [Lenin, Erfinder des Totalitarismus]. Auf Courtois\u2018 Ende des politischen Spektrums ist es nichts Neues, Lenin zu d\u00e4monisieren. In seinem Buch \u201eLenin and the Revolutionary Party\u201c [Lenin und die revolution\u00e4re Partei] schreibt der US-amerikanische Historiker und trotzkistische Aktivist Paul LeBlanc:<\/p>\n<p><em>Seit dem Sieg der bolschewistischen Revolution bis in die Gegenwart haben liberale un<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f5\"><em><sup>5<\/sup><\/em><\/a><em>d konservative Ideolog:innen des kapitalistischen Status Quo immense Ressourcen aufgewendet, um die Idee zu verbreiten, dass Lenin und seine Werke \u2013 besonders sein Konzept der revolution\u00e4ren Partei \u2013 eine h\u00e4ssliche Gefahr f\u00fcr Recht, Ordnung, simplen menschlichen Anstand und die westliche Zivilisation darstellen.<\/em><\/p>\n<p>Die Bedeutung dieses Hasses und dieser Angst, die Lenin bei der internationalen Bourgeoisie hervorruft, kann nicht \u00fcberbetont werden. Im Wesentlichen liegt das daran, dass er dazu beigetragen hat, die sozialistische Oktoberrevolution zum Sieg zu f\u00fchren, und damit die Hoffnungen ganzer Generationen gen\u00e4hrt hat.<\/p>\n<p>Aber eine R\u00fcckkehr zu Lenin ist umso schwieriger, als es innerhalb der kommunistischen Bewegung selbst zu weiteren starken Verzerrungen gekommen ist. Wir k\u00f6nnen nicht ignorieren, dass Stalin, nach Lenins Tod Agent der b\u00fcrokratischen Konterrevolution im Arbeiter:innenstaat, sich durch systematische Bezugnahme auf Lenins Ideen zu legitimieren versucht hat. Indem er verk\u00fcrzte, aus dem Zusammenhang gerissene und zu ewigen Wahrheiten verwandelte Zitate gebraucht und missbraucht hat, entwickelte der Stalinismus unter dem Deckmantel des \u201eLeninismus\u201c einen dogmatischen und verkn\u00f6cherten Denkkanon, von dem er behauptete, er beruhe auf dessen Autorit\u00e4t.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f6\"><sup>6<\/sup><\/a> Diese gewaltige theoretische und politische Revision hat die internationale kommunistische Bewegung so tief gezeichnet, dass, wie Daniel Bensa\u00efd es ausdr\u00fcckt, \u201ewir dazu neigen, Lenins spezifischen Beitrag zur Parteikonzeption mit dem kodifizierten \u201aLeninismus\u2018 zu verwechseln, der mit der Bolschewisierung, dem Monolithismus gleichgesetzt wird.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f7\"><sup>7<\/sup><\/a> Liberale und stalinistische Beschreibungen der leninistischen Partei stimmen au\u00dferdem darin \u00fcberein, dass sie einen im Grunde autorit\u00e4ren Lenin pr\u00e4sentieren, den Architekten einer Partei mit \u201eeiserner Disziplin\u201c, die \u201evon oben auferlegt\u201c wird und \u201ekeine Kritik\u201c duldet \u2013 und so weiter. Bleiben wir bei dieser oberfl\u00e4chlichen Lesart, ergibt Le Blancs Erkl\u00e4rung Sinn: \u201eEs \u00fcberrascht nicht, dass viele revolution\u00e4r gesinnte Menschen zu dem Schluss gelangt sind, dass, wenn das der Leninismus ist, der Leninismus nichts f\u00fcr sie ist.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f8\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Doch trotz der vielen Klischees, in denen er zu pressen versucht wurde, bleibt Lenin f\u00fcr all diejenigen unverzichtbar, die heute \u00fcber den Aufbau einer revolution\u00e4ren Organisation nachdenken. Das hat einen einfachen, aber profunden Grund, wie Pierre Brou\u00e9 in seiner Geschichte der bolschewistischen Partei richtig formuliert hat:<\/p>\n<p><em>Die Partei war in den H\u00e4nden Lenins ein unvergleichliches historisches Instrument. Etwa 10.000 klandestine Aktivisten hatten sich nach den revolution\u00e4ren Tagen im Februar 1917 wieder zusammengefunden und sollten in weniger als acht Monaten eine Organisation bilden, die von den breiten Massen der Arbeiter und in geringerem Ma\u00dfe auch der Bauern als die ihre anerkannt wurde. Sie sollte sie im Kampf gegen die Provisorische Regierung anf\u00fchren, um die Macht zu erobern und sie zu behalten. Lenin und seine Genossen sollten trotz Fraktionsk\u00e4mpfen und Repression dort Erfolg haben, wo andere Sozialisten unter zun\u00e4chst g\u00fcnstigeren Bedingungen letztlich gescheitert waren; zum ersten Mal seit Bestehen sozialistischer Parteien sollte eine von ihnen gewinnen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f9\"><em><sup>9<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Weil ein solches \u201ehistorisches Instrument\u201c f\u00fcr die Auseinandersetzung mit der Gegenwart so entscheidend ist, ist es dringend notwendig, zu Lenin zur\u00fcckzukehren \u2013 zu seiner Theorie und Praxis der Organisation. Die Krise des Kapitalismus vertieft sich und wir sind Zeug:innen eines Aufschwungs des internationalen Klassenkampfes vor dem Hintergrund einer Radikalisierung auf der Linken und der Rechten sowie eines wachsenden Autoritarismus der Regierungen. Die \u201eneue\u201c radikale Linke hat es vers\u00e4umt, eine Perspektive aufzuzeigen, wie dieser Aufschwung den b\u00fcrgerlichen Staat konfrontiert und die Grenzen des Kapitalismus \u00fcberwinden kann. Schlimmer noch, \u201eneue\u201c politische Projekte wie Syriza in Griechenland und Podemos im Spanischen Staat wurden in Rekordzeit zu Erf\u00fcllungsgehilfen der neoliberalen Politik. In diesem Zusammenhang kann eine R\u00fcckkehr zu Lenin anregend sein, nicht um fertige L\u00f6sungen f\u00fcr die aktuelle Situation zu finden, sondern um dar\u00fcber nachzudenken, wie man Kampforganisationen (wieder) aufbauen kann, die die Chancen, die die Situation bietet, zu ergreifen wissen, um den Weg zur sozialistischen Revolution im 21. Jahrhundert zu er\u00f6ffnen \u2013 und so zu verhindern, dass diese Situationen den Konservatismus und letztlich den Faschismus sch\u00fcren.<\/p>\n<p>Dieser Artikel kehrt zu Lenin zur\u00fcck, indem er verschiedene Ereignisse und Debatten in der Geschichte des Bolschewismus zu seinen Lebzeiten untersucht, von der Gr\u00fcndung der Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) im Jahr 1898 bis zur Oktoberrevolution 1917. Der Artikel stellt durchgehend die Frage: Welche Bedeutung hat Lenins Beitrag zur Frage der Partei, die laut Bensa\u00efd \u201eeine Revolution innerhalb der Revolution\u201c darstellt?<\/p>\n<p>Obwohl es bei Lenin keine systematische Theorie der Partei gibt, werden wir sehen, dass es eine Koh\u00e4renz zwischen Lenins theoretischen Organisationskonzepten und seiner Praxis des Bolschewismus gibt. Diese Koh\u00e4renz deutet auf eine andere Tradition als die der damals vorherrschenden Sozialdemokratie hin. Lenin bezieht sich zwar bis 1914 auf die Sozialdemokratie, insbesondere auf deren deutsche Sektion, aber die spezifischen Bedingungen der Entwicklung der russischen Revolution und sein eigener theoretisch-politischer Werdegang veranlassten ihn, das Verh\u00e4ltnis zwischen Klasse, Partei und F\u00fchrung neu zu formulieren und der Rolle der Partei in der Dynamik der Revolution eine neue Bedeutung zu geben. So vertrat er im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts innerhalb der internationalen Sozialdemokratie Positionen, die sich gegen die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschende Auffassung richteten. Er setzte sich f\u00fcr einen neuartigen Kurs ein, der die Vereinigung zum Aufbau echter Massenparteien, insbesondere in Deutschland, in den Vordergrund stellte.<\/p>\n<p>Lenin und seine bolschewistische Str\u00f6mung (zun\u00e4chst eine Tendenz, dann eine Fraktion und ab 1912 eine unabh\u00e4ngige Partei) polemisierten innerhalb der Zweiten Internationale unweigerlich gegen die Deutschen. Diese einzigartige Position versetzte Lenin im Sommer 1914 in eine bessere Lage, als die F\u00fchrer der Zweiten Internationale ihren gro\u00dfen Verrat begingen und sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs hinter ihre eigenen Bourgeoisien stellten. Sie erm\u00f6glichte es Lenin aber auch, 1917 in Russland im revolution\u00e4ren Prozess eine entscheidende Rolle zu spielen.<\/p>\n<p>Skizzieren wir zun\u00e4chst die wichtigsten \u201eEtappen\u201c in der Entwicklung der leninistischen Organisationsauffassung und der Praxis des Bolschewismus innerhalb der russischen Sozialdemokratie.<\/p>\n<p><strong>Der 20-j\u00e4hrige Lenin: eine Zeitung f\u00fcr ganz Russland<\/strong><\/p>\n<p>Lenins Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution entspann sich unter den spezifischen und schwierigen Bedingungen der kapitalistischen Entwicklung in Russland.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f10\"><sup>10<\/sup><\/a> Die unnachgiebige Repression des zaristischen Regimes erkl\u00e4rt sowohl die Schw\u00e4che der liberalen politischen Bewegung als auch die Schwierigkeit der Arbeiter:innen- und Volksbewegung,<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f11\"><sup>11<\/sup><\/a> einen revolution\u00e4ren Pfad zu finden.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f12\"><sup>12<\/sup><\/a> In der russischen revolution\u00e4ren Bewegung der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts hatten die Narodniki (Volkst\u00fcmler) versucht, den Unmut auf dem Lande aufzugreifen. Sie wurden jedoch von der Apathie der b\u00e4uerlichen Massen rasch entmutigt und entschieden sich, auf terroristische Methoden umzusatteln. Dies spielte eine entscheidende Rolle in der politischen Differenzierung in Russland und machte einen starken Eindruck auf Lenin, besonders nachdem sein Bruder Alexander Uljanow, ein Aktivist der Narodniki, vom Regime f\u00fcr einen versuchten Mordanschlag auf Zar Alexander II. hingerichtet wurde.<\/p>\n<p>Der Marxismus entwickelte sich im Russland der 1880er Jahre vor allem gegen diese volkst\u00fcmlerische Str\u00f6mung (und sp\u00e4ter gegen die als \u201elegaler Marxismus\u201c bekannte Str\u00f6mung). Dies ging vor allem auf die Pionierarbeit von Georgi Plechanow zur\u00fcck, der die Werke von Marx und Engels ins Russische \u00fcbersetzte. 1881 gr\u00fcndete Plechanow die Befreiung der Arbeit, die erste russische Gruppe, die als marxistisch bezeichnet werden kann. Lenin schloss sich bald darauf an und machte sich daran, sie in eine echte Partei zu verwandeln. Lenins Rolle war von Beginn an entscheidend. Brou\u00e9 erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>Nach den brillanten theoretischen K\u00e4mpfen, die Plechanow gef\u00fchrt hat, stellt sich f\u00fcr seine Sch\u00fcler und Weggef\u00e4hrten das praktische Problem: Gerade wegen der immensen Hindernisse, die die Autokratie jeder Organisation, selbst auf elementarer Ebene, bereitet, bem\u00fchen sich die russischen Sozialdemokraten als konsequente Marxisten mehr als andere darum, das Werkzeug zu schaffen, das ihnen dazu dienen soll, eine Welt zu ver\u00e4ndern, die zu interpretieren ihnen als Marx\u2018 Nachfolger nicht gen\u00fcgt. Es ist der junge Uljanow \u2013 Lenin \u2013, der diese Suche am besten zum Ausdruck bringt.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f13\"><em><sup>13<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Ein erster entscheidender Schritt war der Gr\u00fcndungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) 1898. In Wirklichkeit war die Partei jedoch l\u00e4ngst nicht geeint und die lokalen Gruppen, aus denen sie sich zusammensetzte, blieben weit verstreut. Lenin schrieb: \u201eDurch diesen riesigen Schritt vorw\u00e4rts hat die russische Sozialdemokratie gleichsam f\u00fcr eine Zeitlang alle ihre Kr\u00e4fte ersch\u00f6pft und ist zu der fr\u00fcheren zersplitterten Arbeit der einzelnen lokalen Organisationen zur\u00fcckgekehrt.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f14\"><sup>14<\/sup><\/a> Es war Lenins erster gro\u00dfer Kampf: Von 1895 bis 1903 f\u00fchrte er einen Krieg gegen die, wie er es nannte, \u201ehandwerklerischen\u201c Methoden der sozialdemokratischen Bewegung und setzte alle seine Kr\u00e4fte ein, um die \u201edie Zusammenfassung [\u2026] zur Arbeit einer einzigen Partei\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f15\"><sup>15<\/sup><\/a> zu erreichen.<\/p>\n<p>Lenin hatte zwei Ziele. Das erste war, die Partei zu zentralisieren. Er war \u00fcberzeugt, dass dies notwendig w\u00e4re, wenn die Partei eine entscheidende Rolle gegen das zentralistische Monster der zaristischen Autokratie spielen sollte. Er schrieb:<\/p>\n<p><em>Nur die Verschmelzung zu einer Partei wird es erm\u00f6glichen, die Prinzipien der Arbeitsteilung und der Kr\u00e4fteerparnis systematisch durchzuf\u00fchren \u2013 dies aber m\u00fcssen wir erreichen, um die Zahl der Opfer zu vermindern und ein mehr oder minder festes Bollwerk gegen das Joch der autokratischen Regierung und ihre w\u00fctenden Verfolgungen zu schaffen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f16\"><em><sup>16<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Das zweite bestand darin, die Errungenschaften jedes einzelnen Kampfes der entstehenden Arbeiter:innenbewegung zu koordinieren und festzuhalten, um ihnen ihre \u201eBedeutung als Vorbild\u201c zu geben \u2013 die ohne eine Partei isoliert bleiben w\u00fcrde. Er fuhr fort:<\/p>\n<p><em>Infolge dieser Handwerklerei bleiben die zahlreichen F\u00e4lle, in denen die Arbeiterbewegung in Ru\u00dfland aktiv hervortritt, rein lokale Ereignisse und verlieren viel von ihrer Bedeutung als Vorbild f\u00fcr die ganze russische Sozialdemokratie, als ein Stadium der ganzen russischen Arbeiterbewegung. [\u2026] [O]hne ihre Zusammenfassung in einem Organ der ganzen Partei verlieren alle diese Formen des revolution\u00e4ren Kampfes neun Zehntel ihrer Bedeutung, f\u00fchren sie nicht zur Sammlung gemeinsamer Erfahrungen der Partei, zur Schaffung einer Parteitradition und Parteikontinuit\u00e4t.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f17\"><em><sup>17<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Die Partei erscheint somit als \u201eKatalysator\u201c, um die Kampferfahrungen der Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten zusammenzufassen und ihnen Koh\u00e4renz und Kontinuit\u00e4t zu verleihen. Das Gleiche gilt f\u00fcr den Streik, den er als eine Kriegsschule f\u00fcr die Arbeiter:innenklasse und die Revolution\u00e4r:innen betrachtet: \u201eeine Schule, in der die Arbeiter es lernen, Krieg zu f\u00fchren gegen ihre Feinde\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f18\"><sup>18<\/sup><\/a>.Um die Ambitionen Lenins und die Schwierigkeit der Aufgabe, die er sich gestellt hatte, zu ermessen, muss man sich vor Augen f\u00fchren, wie gro\u00df Russland war (etwa 30-mal gr\u00f6\u00dfer als Frankreich) und wie niedrig sein wirtschaftlicher und kultureller Entwicklungsstand zu dieser Zeit war.<\/p>\n<p>Um die sozialdemokratischen Kr\u00e4fte zu vereinen, erwies sich die Zeitung recht schnell als das wirksamste Instrument. Lenin schrieb:<\/p>\n<p><em>Nur die Schaffung eines gemeinsamen Parteiorgans kann jeden \u201aTeilarbeiter\u2018 der revolution\u00e4ren Sache mit dem Bewu\u00dftsein erf\u00fcllen, da\u00df er \u201ain Reih und Glied\u2018 marschiert, da\u00df seine Arbeit f\u00fcr die Partei unmittelbar notwendig ist, da\u00df er ein Glied jener Kette bildet, die den schlimmsten Feind des russischen Proletariats und des ganzen russisdien Volkes \u2014 die russische autokratische Regierung \u2014 erdrosseln wird.<\/em><\/p>\n<p>So hatte Lenin zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine erste Skizze seiner Auffassung von der Partei vorgelegt: Die grundlegende Aufgabe der Partei besteht darin, den Initiativen des Proletariats eine gemeinsame und organisierte Richtung zu geben. Diese Konzeption \u00e4hnelt stark derjenigen der damaligen internationalen Sozialdemokratie, vor allem der deutschen Sektion, die das fortschrittlichste Beispiel in Bezug auf die Organisation darstellte, auch wenn sie nicht identisch war.<\/p>\n<p><strong>1902 bis 1903: \u201eWas tun?\u201c und die ersten Spaltungen in der SDAPR<\/strong><\/p>\n<p>Der Zweite Kongress der SDAPR fand 1903 statt. Es wurde erwartet, dass es ein Kongress der \u201eaufrichtigen\u201c Vereinigung sein werde. Stattdessen wurde es der Kongress des urspr\u00fcnglichen Bruchs, der ersten Spaltung zwischen de Menschewiki (\u201eMinderheit\u201c) und den Bolschewiki (\u201eMehrheit\u201c, angef\u00fchrt von Lenin). Im Rahmen der vorbereitenden Debatte f\u00fcr diesen Kongress schrieb Lenin sein ber\u00fchmtes \u201eWas tun?\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f19\"><sup>19<\/sup><\/a>. Im Kern ist dieses Werk eine Polemik mit der Gruppe, die von Alexander Martynow angef\u00fchrt wurde und die Lenin \u201e\u00d6konomisten\u201c nannte. Sie enth\u00e4lt logischerweise gewisse konjunkturelle Entwicklungen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f20\"><sup>20<\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201eWas tun?\u201c hat als Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr dogmatische und \u201emystifizierende\u201c Lesarten von Lenins Organisationskonzepte gedient, vor allem in der sogenannten marxistisch-leninistischen Tradition. Nichtsdestoweniger ist es f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Lenins Organisationskonzepte unverzichtbar. Es ist unm\u00f6glich, auf jede Debatte Bezug zu nehmen, die der Text provoziert hat. Dieser Text konzentriert sich deshalb insbesondere auf zwei Ideen, die Lenin entwickelt hat: die Verbindung zur Klassenspontaneit\u00e4t und sein Beharren, dass das Proletariat und, an seiner Spitze, die Sozialdemokratie sich dem Terrain des politischen Kampfes widmen muss.<\/p>\n<p>\u00dcber das gesamte Buch hinweg setzt sich Lenin mit der Idee auseinander, dass die Arbeiter:innen \u201espontan\u201c (also nur durch die Entwicklung des Kapitalismus und seiner Krisen selbst) zu einem revolution\u00e4ren Bewusstsein gelangen k\u00f6nnten. Er charakterisiert diesen Glauben an die Allmacht der Spontaneit\u00e4t der Massen als Sackgasse und bezeichnet ihn als \u201eAnbetung der Spontaneit\u00e4t\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f21\"><sup>21<\/sup><\/a>. Die russische Sozialdemokratie halte diese davon ab, ihre organistorischen Aufgaben korrekt zu bestimmen. Durch den Spontaneismus, so Lenin, werde man zum Gefangenen der Launen des Klassenbewusstseins, das keiner geraden Linie (einer langen, progressiven und ununterbrochenen Entwicklung) folgt. Es entspricht vielmehr der Bewegung eines Pendels, mit Perioden des Auf- und Abschwungs: \u201e[D]ie Unterdr\u00fcckung der Bewu\u00dftheit durch die Spontaneit\u00e4t [ist] ebenfalls auf <em>spontanen Wege <\/em>vor sich gegangen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f22\"><sup>22<\/sup><\/a> Er erinnert uns weiterhin, dass das Klassenbewusstsein sich nicht auf einem neutralen Grund entwickelt, sondern innerhalb eines historischen bestimmten Rahmens Form annimmt, in welchem die b\u00fcrgerliche Ideologie Mittel zur Verf\u00fcgung stehen, die jenen des Proletariats tausendfach \u00fcberlegen sind:<\/p>\n<p><em>Warum aber, wird der Leser fragen, f\u00fchrt die spontane Bewegung, die Bewegung in die Richtung des geringsten Widerstands gerade zur Herrschaft der b\u00fcrgerlichen Ideologie? Aus dem einfachen Grund, weil die b\u00fcrgerliche Ideologie ihrer Herkunft nach viel \u00e4lter ist als die sozialistische, weil sie vielseitiger entwickelt ist, weil sie \u00fcber unvergleichlich mehr Mittel der Verbreitung verf\u00fcgt.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f23\"><em><sup>23<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Gegen diejenigen, die sich dem Kult des Spontanen hingaben, \u201e\u00fcberspannte er den Bogen\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f24\"><sup>24<\/sup><\/a> und ging er noch einen Schritt weiter. Er schrieb: \u201eDarum besteht unsere Aufgabe, die Aufgabe der Sozialdemokratie, im <em>Kampf gegen die Spontaneit\u00e4<\/em>t\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f25\"><sup>25<\/sup><\/a>. Wie Lih zeigt, war es entgegen mancher Interpretationen nicht so sehr ein Mangel an Vertrauen in die Spontaneit\u00e4t der Massen, die ihn antrieb, sondern die \u00dcberzeugung, dass eine Gelegenheit bevorst\u00fcnde und sich gro\u00dfe Explosionen der Arbeiter:innen und des Volks ank\u00fcndigten, sowie die Sorge, dass die Revolution\u00e4r:innen darauf nicht vorbereitet sein w\u00fcrden. Von dieser fehlenden Vorbereitung, der verz\u00f6gerten Organisierung der sozialdemokratischen Kr\u00e4fte, war Lenin besessen, nicht etwa das Misstrauen in die oder die angebliche Abschau gegen\u00fcber der Spontaneit\u00e4t der Massen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f26\"><sup>26<\/sup><\/a> Das letzte Kapitel von Lenins Buch umrei\u00dft einige praktische Schlussfolgerungen: Dort radikalisiert Lenin seine Haltung gegen handwerkliche Methoden und gibt der \u201eZentralisierung\u201c und der berufsm\u00e4\u00dfigen Militanz den Vorrang.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f27\"><sup>27<\/sup><\/a> Er skizzierte auch ein organisatorisches Schema, das aus verschiedenen Zirkeln und Organisationen bestand, wobei er darauf bestand, zwischen der Organisierung von Arbeiter:innen in Gewerkschaften und berufsst\u00e4ndischen Organisationen, die sehr breit sein mussten, und der Organisation der Revolution\u00e4r:innen zu unterscheiden \u2013 der Partei.<\/p>\n<p>Die andere auff\u00e4llige Dimension von Lenins Schrift, diesmal auf einer unmittelbar programmatischen Ebene, ist seine Polemik mit Martynow. Ihm wirft Lenin vor, die politische Agitation in Richtung der Arbeiter:innenklasse \u201eeinengen\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f28\"><sup>28<\/sup><\/a> zu wollen, indem er sie auf den \u201ekollektive[n] Kampf der Arbeiter gegen die Unternehmer f\u00fcr g\u00fcnstige Bedingungen des Verkaufs der Arbeitskraft, f\u00fcr die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter\u201c reduzieren wolle. Die \u00f6konomischen und allt\u00e4glichen K\u00e4mpfe der Arbeiter:innenklasse waren f\u00fcr Lenin eine absolute Notwendigkeit, doch waren sie von einem revolution\u00e4ren Standpunkt nichtsdestoweniger unzureichend, um das Klassenbewusstsein zu sch\u00e4rfen. Im Gegenteil ist der politische Kampf aus zwei Gr\u00fcnden absolut essentiell: 1. um die Klasse und die Revolution\u00e4r:innen zu erziehen, die die kapitalistische Gesellschaft in all ihren Ausdr\u00fccken zu verstehen lernen m\u00fcssen, um ihren zutiefst reaktion\u00e4ren Charakter begreifen zu k\u00f6nnen, und 2. um B\u00fcndnisse zu schmieden, die f\u00fcr den Sieg der proletarischen Revolution notwendig sind. So schrieb Lenin:<\/p>\n<p><em>Das politische Klassenbewu\u00dftsein kann dem Arbeiter nur von au\u00dfen gebracht werden, das hei\u00dft aus einem Bereich au\u00dferhalb des \u00f6konomischen Kampfes, au\u00dferhalb der Sph\u00e4re der Beziehungen zwischen Arbeitern und Unternehmern. Das Gebiet, aus dem allein dieses Wissen gesch\u00f6pft werden kann, sind die Beziehungen aller Klassen und Schichten zum Staat und zur Regierung, sind die Wechselbeziehungen zwischen s\u00e4mtlichen Klassen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f29\"><em><sup>29<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Weiter schreibt er,<\/p>\n<p><em>da\u00df das Ideal eines Sozialdemokraten nicht der Sekret\u00e4r einer Trade-Union, sondern der Volkstribun sein mu\u00df, der es versteht, auf alle Erscheinungen der Willk\u00fcr und Unterdr\u00fcckung zu reagieren, wo sie auch auftreten m\u00f6gen, welche Schicht oder Klasse sie auch betreffen m\u00f6gen, der es versteht, an allen diesen Erscheinungen das Gesamtbild der Polizeiwillk\u00fcr und der kapitalistischen Ausbeutung zu zeigen, der es versteht, jede Kleinigkeit zu nutzen, um vor aller Welt seine sozialistischen \u00dcberzeugungen und seine demokratischen Forderungen darzulegen, um allen und jedermann die welthistorische Bedeutung des Befreiungskampfes des Proletariats klarzumachen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f30\"><em><sup>30<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Was hier entsteht, ist im Grunde die \u00dcberzeugung, dass die Arbeiter:innenklasse, das kapitalistische System st\u00fcrzen und eine hegemoniale Position beanspruchen muss.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f31\"><sup>31<\/sup><\/a> Sie darf sich nicht auf eine \u00f6konomisch-korporatistische Position beschr\u00e4nken, sondern danach streben, B\u00fcndnisse zu schaffen, um die Forderungen aller Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten aufzunehmen.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt war \u201eWas tun?\u201c Teil der vorbereitenden Debatten f\u00fcr den Zweiten Kongress der SDAPR. Der Kongress war ein Schritt nach vorn, was das Programm anbelangte (wo die \u00d6konomist:innen bemerkenswerterweise in der Minderheit waren), doch in der Organisationsfrage traten unerwartete Divergenzen auf.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f32\"><sup>32<\/sup><\/a> Die Debatten drehten sich vor allem um den Paragraph 1 der Statuten der SDAPR, in welchem die\u00a0 Mitgliedschaftskriterien festgehalten waren. Die von Lenin vorgebrachte Version prallte auf jene von Martow Vorgelegte. Lenins Fassung bestand, anders als Martows, auf die \u201eBet\u00e4tigung\u201c der Mitglieder in den Aktivit\u00e4ten der Partei in einer der Parteiorganisationen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f33\"><sup>33<\/sup><\/a>\u00a0 Lenins Antrag wurde nicht angenommen, doch als die Wahl der Leitung der SDAPR und der <em>Iskra <\/em>an der Reihe war, errang Lenin eine Mehrheit.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f34\"><sup>34<\/sup><\/a> Unterst\u00fctzer:innen von Martows Antrag fochten die Wahl der Leitung daraufhin an, behaupteten es sei ein Unfall gewesen und benutzten dies als Vorwand, um mit Lenins Unterst\u00fctzer:innen zu brechen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f35\"><sup>35<\/sup><\/a> In den Monaten nach dem Zweiten Kongress brachten die Menschewiki weitere Vorw\u00fcrfe gegen Lenin vor und schoben die Spaltung auf seine \u201efalsche, b\u00fcrokratische, formalistische, pompadourische, nichtsozialdemokratische Auffassung des Zentralismus\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f36\"><sup>36<\/sup><\/a>. Im folgenden Jahr blickte Lenin in einer langen Schrift mit dem Titel \u201eEin Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck\u201c auf die Ereignisse des Kongresses zur\u00fcck. Darin zeigte er die \u00dcbereinstimmung zwischen den beiden Str\u00f6mungen und ihren Organisationsweisen. Gegen die Konzeption der Menschewiki und Axelrods, der Lenin zufolge Leute sich Parteimitglieder nennen lassen wollte, die \u201eder Partei so oder anders helfen\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f37\"><sup>37<\/sup><\/a>, erkl\u00e4rte Lenin:<\/p>\n<p><em>Ich bringe damit ganz klar und genau meinen Wunsch, meine Forderung zum Ausdruck, da\u00df die Partei als Vortrupp der Klasse etwas m\u00f6glichst Organisiertes darstelle, da\u00df die Partei nur solche Elemente in sich aufnehme, die wenigstens ein Mindestma\u00df an Organisiertheit erm\u00f6glichen. Hingegen vermengt mein Opponent die in der Partei organisierten Elemente mit den nichtorganisierten, diejenigen, die sich leiten lassen, mit denen, die sich nicht leiten lassen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f38\"><em><sup>38<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Er verteidigt sich zudem gegen Karikaturen, die seine Position in eine letztlich verschw\u00f6rerische oder sektiererische Konzeption verwandelt haben:<\/p>\n<p><em>Man darf doch wirklich die Partei als Vortrupp der Arbeiterklasse nicht mit der ganzen Klasse verwechseln. [\u2026] Man glaube nicht, da\u00df die Parteiorganisationen nur aus Berufsrevolution\u00e4ren bestehen d\u00fcrfen. Wir brauchen die mannigfaltigsten Organisationen aller Arten, Abstufungen und Schattierungen, angefangen von au\u00dferordentlich engen und konspirativen bis zu \u00e4u\u00dferst breiten, freien, losen Organisationen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f39\"><em><sup>39<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Hier finden wir bei Lenin ein organisatorisches Schema, das verschiedene konzentrische Kreise umfasst.<\/p>\n<p>Letztlich handelt es sich bei dem, was Lenin vorschl\u00e4gt, nicht so sehr um eine \u201eavantgardistische\u201c Parteikonzeption (oder gar eine \u201eblanquistische\u201c, wie viele Gegner:innen Lenins behauptet haben). Es geht vielmehr um eine Neudefinition des Verh\u00e4ltnisses zwischen der Partei, in der sich die Avantgarde, also die bewusstesten und entschiedensten Schichten der Klasse, zusammenfindet, und den Massen. Es ist bemerkenswert, dass seine Konzeption, obwohl sie nicht explizit gegen die internationale Sozialdemokratie gerichtet war, indirekt ein erster Bruchpunkt mit den damals vorherrschenden Konzepten war. Sie forderte auch international zahlreiche Kritiken heraus, zuerst die ber\u00fchmte von Rosa Luxemburg.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f40\"><sup>40<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auch wenn Lenin gro\u00dfen Wert darauf legte, die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Streit \u00fcber die Statuten darzulegen,<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f41\"><sup>41<\/sup><\/a> betrachtete er sie nicht als hinreichenden Grund f\u00fcr eine Spaltung der Partei. Im Gegensatz dazu, was Marxist:innen-Leninist:innen behauptet, waren es tats\u00e4chlich die Menschewiki, die die Spaltung initiierten. Wie Le Blanc darlegt, gab Lenin erst im Herbst 1904 \u201edie Idee einer echten Einheit zwischen Bolschewiki und Menschewiki\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f42\"><sup>42<\/sup><\/a> auf.<\/p>\n<p>Die Episode illustriert die Beziehung zwischen den Bolschewiki und Lenin sowie Lenins Beziehung zur Frage der Einheit der Partei. Er schlug keineswegs eine Spaltung zu jedem Preis vor (wie w\u00e4re sonst seine Entschlossenheit zur Vereinigung der russischen Sozialdemokratie oder seine unten diskutierte Position im Vorfeld des Vereinigungskongresses in Schweden erkl\u00e4rlich). Er lie\u00df jedoch ebensowenig zu, dass die Einheit der Partei vom opportunistischen Fl\u00fcgel dazu benutzt werden konnte, um von der Partei in Fragen, die ihm wichtig erschienen, politische oder programmatische Zugest\u00e4ndnisse zu erpressen. Wie der Historiker Hal Draper zusammenfasst:<\/p>\n<p><em>[Lenins] unverwechselbarer Ansatz war: Einheit ja, aber nicht um den Preis, den Sieg der Mehrheit zu hintertreiben. Einheit ja, aber auf derselben demokratischen Grundlage wie zuvor: Der rechte Fl\u00fcgel k\u00f6nnte darauf hinarbeiten, auf dem n\u00e4chsten Kongress zu gewinnen, aber politische Zugest\u00e4ndnisse als Belohnung daf\u00fcr, sich nicht abspalten, w\u00fcrde es nicht geben.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f43\"><em><sup>43<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>1905: die Revolution, die Partei und die Massen<\/strong><\/p>\n<p>Das Jahr 1905 war zweifelsohne ein entscheidender Wendepunkt in Lenins theoretisch-politischem Erbe. Wie er selbst bemerkte, war die erste russische Revolution eine Gelegenheit, um seine Konzeption und die der anderen auf die Probe zu stellen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f44\"><sup>44<\/sup><\/a> 1905 sollte folglich einen Sieg der programmatischen Thesen der Bolschewiki \u00fcber jene der Menschewiki markieren. Es w\u00fcrde au\u00dferdem zu einem Moment werden, an dem Lenin die Beziehung zwischen der Avantgarde und den Massen im revolution\u00e4ren Prozess neu untersuchen sollte.<\/p>\n<p>Zu jener Zeit befand sich die gesamte Sozialdemokratie in einer strategischen Debatte \u00fcber die kommende Revolution. Die vollst\u00e4ndigen Einzelheiten \u00fcbersteigen den Umfang dieses Artikels; es gen\u00fcgt anzumerken, dass die Mehrheit der Str\u00f6mungen der Arbeiter:innenbewegung zwar darin \u00fcbereinstimmen, dass der Inhalt der kommenden Revolution b\u00fcrgerlich sein w\u00fcrde (also demokratische und agrarische Aufgaben umfasste). Die Bolschewiki und die Menschewiki gingen jedoch dar\u00fcber auseinander, welche Rolle das Proletariat darin spielen m\u00fcsste. Die Position der Menschewiki, die mechanisch die \u201eEtappen\u201c der kapitalistischen Entwicklung in Europa nachahmten und in Russland anwandten, war, dass die Sozialdemokratie versuchen m\u00fcsse, die von den Liberalen (der Konstitutionell-Demokratischen Partei, Kadetten genannt) angef\u00fchrte Revolution zu begleiten. Nach Lenins gegenteiliger Ansicht \u2013 jener vertrat in dieser Debatte eine Zwischenposition zwischen der menschewistischen Konzeption und jener Leo Trotzkis<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f45\"><sup>45<\/sup><\/a> \u2013 m\u00fcsse die revolution\u00e4re Sozialdemokratie die Initiative ergreifen und die Wut der Massen in eine Perspektive des Aufstands lenken.<\/p>\n<p>Die Erfahrung von 1905 als eine Periode der intensiven Aktivit\u00e4t der Massen bot die Gelegenheit, jene Theorien zu erproben und die Debatte zu entscheiden. Wie Lenin in \u201eDie Revolution lehrt\u201c schrieb, hatten die \u201eNeuiskristen\u201c begonnen, menschewistische Konzepte auszudr\u00fccken:<\/p>\n<p><em>[Man] wird sogleich sehen, wie letztere begannen, unter dem Einflu\u00df der Ereignisse faktisch auf die Seite ihrer Opponenten \u00fcberzugehen, d. h. nicht gem\u00e4\u00df ihren Resolutionen, sondern gem\u00e4\u00df den Resolutionen des III.Parteitags zu handeln.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f46\"><em><sup>46<\/sup><\/em><\/a><em> Es gibt keinen besseren Kritiker einer irrigen Doktrin als den Gang der revolution\u00e4ren Ereignisse.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f47\"><em><sup>47<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Auf dieser Basis bef\u00fcrwortete Lenin \u2013 der zuversichtlich war, dass der Marsch der Revolution die Menschewiki unweigerlich nach links und damit zu den bolschewistischen Positionen f\u00fchren w\u00fcrde \u2013 erneut eine Wiedervereinigung der Partei und seiner bolschewistischen und menschewistischen Str\u00f6mung.<\/p>\n<p>Im Bem\u00fchen, den Druck von Seiten des Volkes zu vermindern, beauftragte der Zar seinen Innenminister Alexander Bulygin mit der Bildung der Duma, einer gesetzgebenden Versammlung. Diese erste Duma, deren Wahlprinzipien weitgehend unzureichend blieben, l\u00f6ste unter den Sozialdemokraten lebhafte Debatten aus. Die Bolschewiki bef\u00fcrworteten, gefolgt von der Mehrheit der sozialdemokratischen Organisationen,<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f48\"><sup>48<\/sup><\/a> einen Boykott und betrieben Propaganda und Agitation gegen konstitutionelle Illusionen. Die Menschewiki jedoch weigern sich, f\u00fcr die Resolution \u00fcber den Boykott zu stimmen. Lenin<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f49\"><sup>49<\/sup><\/a> Lenin, der zu jener Zeit au\u00dferhalb Russlands lebte, verfolgte die Streiks und Stra\u00dfenk\u00e4mpfe des russischen Proletariats, besonders in Sankt Petersburg und Moskau, eng.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f50\"><sup>50<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Neuheit, die \u201eoriginellste Sch\u00f6pfung\u201c, wie es Marcel Liebman ausdr\u00fcckte, der Revolution von 1905, war selbstverst\u00e4ndlich die Entstehung von Sowjets. Diese R\u00e4te der Arbeiter:innenmassen wurden auf der Ebene der Fabriken und daraufhin der Distrikte gew\u00e4hlt. Sie tauchten w\u00e4hrend der Revolution auf und breiteten sich \u00fcber den Sommer hinweg auf zahlreiche St\u00e4dte aus. Der bedeutendste unter ihnen war der Sowjet von Sankt Petersburg. Im Oktober 1905 gegr\u00fcndet, versammelte er Delegierte, die 250.000 Arbeiter:innen vertraten.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f51\"><sup>51<\/sup><\/a> Diese R\u00e4te erm\u00f6glichten die breite Organisierung und Koordinierung der verschiedenen Initiativen der Massen in ihrem Kampf.<\/p>\n<p>Anders als die menschewistischen Aktivist:innen, zeigten sich die Bolschewiki von den neuen Kadern zun\u00e4chst verwirrt. Brou\u00e9 notiert: \u201eTats\u00e4chlich passten sich die Bolschewiki nur langsam den neuen revolution\u00e4ren Bedingungen an: Die Verschw\u00f6rer wussten nicht von einem auf den anderen Tag, wie sie Redner werden und Menschenmengen versammeln sollten.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f52\"><sup>52<\/sup><\/a> Aus vielen historischen Quellen geht hervor, dass es unter ihnen eine Zur\u00fcckhaltung, ja fast ein Misstrauen gab. Dies ging so weit, dass die Ortsgruppe in Sankt Petersburg eine Resolution verabschiedete, in der sie erkl\u00e4rte, dass der Sowjet Gefahr laufe, das Proletariat auf einem niedrigen Entwicklungsstand zu halten. Diese Vorstellungen hatten mit denen Lenins nichts zu tun. Er z\u00f6gerte nicht, aus dem Ausland die Vorurteile seiner bolschewistischen Genoss:innen gegen\u00fcber den Sowjets zu bek\u00e4mpfen, indem er schrieb:<\/p>\n<p><em>Nun aber zur Sache. Mir scheint, Genosse Radin hat nicht recht, wenn er [\u2026] die Frage so stellt: Sowjet der Arbeiterdeputierten oder Partei? Mir scheint, man darf die Frage nicht so stellen, die Antwort mu\u00df unbedingt lauten: Sowohl Sowjet der Arbeiterdeputierten als auch Partei. Die Frage \u2013 eine \u00e4u\u00dferst wichtige Frage \u2013 besteht lediglich darin, wie die Aufgaben des Sowjets und die Aufgaben der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Ru\u00dflands voneinander abzugrenzen und miteinander zu verbinden sind.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f53\"><em><sup>53<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Die Entstehung der Sowjets war f\u00fcr Lenin der Anlass zu einer wirklichen theoretischen Bereicherung seiner Konzeption der Dialektik zwischen der Organisation (der Avantgarde) und der Massenspontaneit\u00e4t. Den bolschewistischen Kadern, die jene Organe, die aus und in den K\u00e4mpfen der revolution\u00e4ren Klasse geboren wurden, den Entscheidungen der Partei unterordnen wollten, schlug er stattdessen vor, dass sie verbreitert werden sollten: \u201eMeines Erachtens ist der Sowjet der Arbeiterdeputierten als politisch f\u00fchrendes revolution\u00e4res Zentrum keine zu breite, sondern im Gegenteil eine zu enge Organisation.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f54\"><sup>54<\/sup><\/a> Diese neue Konzeption des revolution\u00e4ren Prozesses gab Lenin nicht mehr auf. Sie deutet nicht nur seine Orientierung w\u00e4hrend der russischen Revolution von 1917 an, sondern ebenso seine sp\u00e4teren Debatten \u00fcber die Taktik der Arbeiter:inneneinheitsfront w\u00e4hrend der ersten Jahre der Kommunistischen Internationale. Sie zeugt von einer nicht-bin\u00e4ren Auffassung zwischen den beiden Termen der revolution\u00e4ren Gleichung: dem Kampf um die Einheit der Klasse in der Aktion und dem politischen Kampf um ihre revolution\u00e4re F\u00fchrung, die gegeneinander auszuspielen ein Fehler w\u00e4re.<\/p>\n<p>In seiner Bilanz der Revolution von 1905 setzte sich Lenin eine tats\u00e4chliche Reorganisation der Partei ein. Diese hatte zwei wesentliche Dimensionen. Die erste war konjunktureller Natur: Es galt, die demokratischen Fortschritte zu ber\u00fccksichtigen, die die Revolution errungen hatte, Fortschritte, die zwar sehr begrenzt, aber dennoch bedeutsam waren, weil sie die legale Arbeit erm\u00f6glichten.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f55\"><sup>55<\/sup><\/a> Die zweite war eine Demokratisierung der Partei. Lenin bek\u00e4mpfte den Konservatismus der bolschewistischen Komiteemitglieder<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f56\"><sup>56<\/sup><\/a> und pl\u00e4dierte gegen sie daf\u00fcr, die Tore der Partei zu \u00f6ffnen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f57\"><sup>57<\/sup><\/a> Dies geh\u00f6rte zu Lenins neuen Organisationsmethoden, insbesondere die Verbreiterung lokaler Zirkel und das Prinzip der W\u00e4hlbarkeit. Lenin schrieb:<\/p>\n<p><em>Die Bedingungen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit unserer Partei ver\u00e4ndern sich von Grund aus. Die Versammlungs-, Koalitions- und Pressefreiheit ist erobert. Nat\u00fcrlich sind diese Rechte in keiner Weise gesichert, und es w\u00e4re t\u00f6richt,, wenn nicht gar verbrecherisch, sich auf die jetzigen Freiheiten zu verlassen. Der entscheidende Kampf liegt noch vor uns, und die Vorbereitung auf diesen K\u00e4mpf mu\u00df an erster Stelle stehen. Der konspirative Parteiapparat mu\u00df erhalten bleiben. Zugleich aber ist es unbedingt notwendig, die jetzige, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfere Bewegungsfreiheit weitestgehend auszunutzen. Es ist unbedingt notwendig, neben dem konspirativen Apparat immer mehr neue, legale und halblegale, Parteiorganisationen (und sich an die Partei anlehnende Organisationen) zu schaffen. Ohne diese letztere Arbeit ist es undenkbar, unsere T\u00e4tigkeit den neuen Verh\u00e4ltnissen anzupassen und die neuen Aufgaben zu l\u00f6sen\u2026<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f58\"><em><sup>58<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Aus dieser Perspektive war es das Jahr 1905, das den Ansto\u00df f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Demokratie in der Partei gab. Zuvor war sie wegen der politischen Bedingungen des Landes, die sie nicht zulie\u00dfen, sehr begrenzt gewesen. Die Revolution \u00e4nderte dies, und die Bolschewiki f\u00fchrten in der Partei das Konzept des \u201edemokratischen Zentralismus\u201c ein, das es bis dahin nicht gegeben hatte. Dieser stellte die Kontinuit\u00e4t des Zentralismus dar, wie er in \u201eWas tun?\u201c entworfen wurde, mit dem Zusatz der Demokratie. Lenin wurde zu ihrem gr\u00f6\u00dften Verfechter innerhalb der Partei. In einer scharfen Reaktion auf eine Resolution des Zentralkomitees \u00fcber \u201eFreiheit der Kritik und Einheit der Aktionen\u201c formulierte Lenin den demokratischen Zentralismus wie folgt:<\/p>\n<p><em>Das Prinzip des demokratischen Zentralismus und der Autonomie der lokalen K\u00f6rperschaften bedeutet gerade die Freiheit der Kritik, vollst\u00e4ndig und allerorts, wenn dadurch die Einheit einer bestimmten Aktion nicht gest\u00f6rt wird, und die Unzul\u00e4ssigkeit jedweder Kritik, welche die Einheit einer von der Partei beschlossenen Aktion untergr\u00e4bt oder erschwert.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f59\"><em><sup>59<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Die Revolution von 1905 und das Auftreten der Sowjets waren f\u00fcr Lenin also der Anlass, um die Verbindung zwischen der Partei und den Massen in einer revolution\u00e4ren Dynamik neu auszuarbeiten. Seit dem Kongress von 1903 wurde Lenin (zu Unrecht, wie wir gesehen haben) immer wieder vorgeworfen, das \u201espontane Element\u201c unterzubewerten; 1905 beweist vielmehr, dass er es f\u00fcr entscheidend hielt. Die Verbindung zwischen Spontaneit\u00e4t (Massen) und Organisation (Avantgarde) muss von einem dialektischen Standpunkt aus betrachtet werden. Manchmal und besonders in Perioden, in denen sich die Situation rasch ver\u00e4ndert, kann das spontane Element dem organisierten Element voranschreiten. Lenin schrieb: \u201eDen Wechsel in den objektiven Bedingungen des Kampfes, der den \u00dcbergang vom Streik zum Aufstand erforderte, hat das Proletariat fr\u00fcher als seine F\u00fchrer gef\u00fchlt.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f60\"><sup>60<\/sup><\/a> Doch w\u00e4hrend Lenin seine Konzeption der Partei bereicherte, blieb dieser Aspekt grunds\u00e4tzlich derselbe wie 1903, als er sich der menschewistischen Konzeption entgegengestellt hatte: Auch in Zeiten der Revolution (und man k\u00f6nnte sagen, besonders in Zeiten der Revolution) ist die Existenz einer einheitlichen und zentralisierten Partei eine entscheidende Frage. Lenin r\u00fcckte von seiner Konzeption der Partei als Umgruppierung der Avantgarde der Arbeiter:innenklasse nicht ab. Doch die Ver\u00e4nderung der politischen Situation veranlasste ihn dazu, darauf zu bestehen, dass sich die bolschewistischen Kader den Massen \u00fcberall und jederzeit stellen sollten. Dies zeigt, dass es keine mechanische Beziehung zwischen der Klasse\/Massen und der Partei\/Avantgarde gab, sondern eine \u201eBewegung des st\u00e4ndigen Austauschs zwischen der Partei und den gesammelten Erfahrungen der Klasse\u201c, wie Bensa\u00efd es ausdr\u00fcckt. Daraus ergibt sich die gro\u00dfe Flexibilit\u00e4t der Partei in Lenins Konzeption (die in starkem Gegensatz zu der monolithischen Konzeption steht, die ihm von manchen zugeschrieben wird): die F\u00e4higkeit der Partei, die Ver\u00e4nderungen der politischen Situation aufzugreifen, um sich zu erneuern und zu vermeiden, konservativ zu werden. Die Organisation dient also nicht als Bollwerk gegen Spontaneit\u00e4t, sondern ihre Disziplin ist eine wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr, dass sie sich schnell an ver\u00e4nderte Situationen anpassen kann. Wie der ungarische marxistische Philosoph Georg Luk\u00e1cs erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>Es ist keineswegs die Aufgabe der Partei, irgendwelche abstrakt ausgekl\u00fcgelte Verhaltungsweise den Massen aufzudr\u00e4ngen. Sie hat im Gegenteil vom Kampf und von den Kampfmethoden der Massen ununterbrochen zu lernen. [\u2026] Darum ist jeder Dogmatismus in der Theorie und jede Erstarrung in der Organisation verh\u00e4ngnisvoll f\u00fcr die Partei.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f61\"><em><sup>61<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Diese Auffassung hebt sich von derjenigen der Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie ab, die die Spontaneit\u00e4t der Massen als eine Hilfskraft betrachtete, die von der Partei von Zeit zu Zeit mobilisierte werden konnte, aber im Wesentlichen ein Faktor der \u201eDesorganisation\u201c und ein Ausdruck der \u201eUnreife\u201c des Proletariats war. Dies war die Position von Karl Kautsky in der Debatte mit Rosa Luxemburg und Anton Pannekoek \u00fcber den \u201eMassenstreik\u201c 1910 bis 1913, die die Seiten der <em>Neuen Zeit<\/em> ersch\u00fctterte und die insbesondere auf einer Bewertung der russischen Revolution von 1905 beruhte. Lenin scheint diese Debatte damals nicht unmittelbar gekannt zu haben, aber es ist unbestreitbar, dass die Position, die er vertrat, derjenigen Luxemburgs viel n\u00e4herstand als derjenigen Kautskys.<\/p>\n<p>Zuletzt best\u00e4tigte und beschleunigte das Jahr 1905 auch die Ann\u00e4herung zwischen der menschewistischen und der bolschewistischen Str\u00f6mung. Die Revolution hatte das Ausma\u00df der politischen und programmatischen Differenzen zwischen den beiden Str\u00f6mungen offenbart.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f62\"><sup>62<\/sup><\/a> Doch war Lenin zuversichtlich, dass die Menschewiki unter dem Druck der Ereignisse gezwungen sein w\u00fcrden, sich der Politik der Bolschewiki anzuschlie\u00dfen. Schlie\u00dflich hatten sich Bolschewiki und Menschewiki w\u00e4hrend der Revolution auf der gleichen Seite der Barrikaden wiedergefunden.<\/p>\n<p>Galt es einen politischen Kampf auszufechten, so konnte und musste er sich f\u00fcr Lenin im Rahmen einer wiedervereinigten Partei entfalten. Er schrieb:<\/p>\n<p><em>Gegen diese Tendenzen des rechten Fl\u00fcgels unserer Sozialdemokraten m\u00fcssen wir den entschiedensten, offensten und schonungslosesten ideologischen Kampf f\u00fchren. [\u2026] Aber in einer einheitlichen Partei darf dieser ideologische Kampf die Organisationen nicht spalten, darf er die Aktionseinheit des Proletariats nicht st\u00f6ren.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f63\"><em><sup>63<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>So wurde im April 1906 in Stockholm ein Vereinigungsparteitag abgehalten. Auch dort leitete Lenin \u2013 neben seiner Analyse der neuen politischen Situation \u2013 seine \u00dcberzeugung, dass die Revolution etwas war, das entschieden vorbereitet werden musste.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f64\"><sup>64<\/sup><\/a> Er schrieb:<\/p>\n<p><em>Denkt daran, da\u00df die Ereignisse euch auf jeden Fall und unvermeidlich morgen oder \u00fcbermorgen zum Aufstand herausfordern werden! Die Frage ist nur, ob ihr dann ger\u00fcstet und vereinigt auftreten oder ob ihr verwirrt und zersplittert sein werdet.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f65\"><em><sup>65<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>1907 bis 1912: Die Jahre der Reaktion und die endg\u00fcltige Spaltung<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Vereinigungskongress, der im April 1906 in Stockholm stattfand, hatten die Menschewiki die Mehrheit: Anwesend waren 62 Delegierte, die 34.000 Menschewiki vertraten, und 46 bolschewistische Delegierte, die 14.000 Aktivist:innen repr\u00e4sentierten. Lenin und die Bolschewiki behielten ihre Fraktion bei, aber Lenin erkl\u00e4rte, dass ihr Ziel nicht darin bestehe, sich in eine neue Partei umzuwandeln, sondern lediglich darin, eine entschlossene Taktik zum Aufbau der Arbeiter:innenpartei aufzustellen. Auf dem Londoner Kongress im Mai 1907 kehrte sich das interne Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis um, und die Bolschewiki verf\u00fcgten \u00fcber eine knappe Mehrheit. Dies l\u00e4sst sich insbesondere durch die Ablehnung der aufst\u00e4ndischen Aktionen von 1905 durch die Menschewiki erkl\u00e4ren, verbunden mit dem Zusammenhalt der bolschewistischen Kader und ihren organisatorischen Bem\u00fchungen.<\/p>\n<p>Doch schon bald sah sich die SADPR mit einer neuen, wesentlich ung\u00fcnstigeren Situation konfrontiert. Ab der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 1907 und noch mehr ab dem Jahr 1908 entlud sich die Repression des Regimes gegen die sozialdemokratische Bewegung: Die Arbeiter:innenbewegung und die Anzahl der Streiks brachen ein, sozialdemokratische Komitees wurden zerschlagen, es kam zu Verhaftungen und Verbannungen. \u00dcber die Mitgliederzahl der SDAPR stellte Pierre Brou\u00e9 fest: \u201eVon mehreren Tausend in Moskau im Jahr 1907 waren es Ende 1908 nur noch 500, Ende 1909 nur noch 150: 1910 gab es keine Organisation mehr. Im ganzen Land sank die Mitgliederzahl von fast 100.000 auf weniger als 10.000.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f66\"><sup>66<\/sup><\/a> Kurzum, nach der revolution\u00e4ren Episode von 1905 bis 1906 war die Reaktion hart und der R\u00fcckzug allgemein.<\/p>\n<p>All dies trug in besonderem Ma\u00dfe zur Versch\u00e4rfung der Spannungen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der verbliebenen Partei bei. Erneut begann die Polemik, sowohl \u00fcber die Bilanz der Revolution von 1905 als auch dar\u00fcber, welche Politik in der neuen Situation zu verfolgen sei. Die Meinungsverschiedenheiten konzentrierten sich im Wesentlichen auf die Frage, welche Politik in Bezug auf die dritte Duma und die Aufrechterhaltung der illegalen Aktivit\u00e4ten der Partei verfolgt werden sollte. Sowohl unter den Menschewiki als auch unter den Bolschewiki gab es Meinungsverschiedenheiten, die zu neuen Konstellationen f\u00fchrten. Innerhalb der bolschewistischen Str\u00f6mung vertrat Lenin eine Minderheitenposition gegen\u00fcber den \u201eOtsowisten\u201c, Anh\u00e4nger:innen Bodganows, die Lenin die Perspektive einer ausschlie\u00dflich illegalen Arbeit und eines Boykotts der Duma gegen\u00fcberstellten. Lenin leitete jedoch aus der Situation die Notwendigkeit ab, dass die Revolution\u00e4r:innen alle Mittel, auch legale oder halblegale, nutzen sollten, um sich vorzubereiten, ihre Kr\u00e4fte zu sammeln und ihr Programm bekannt zu machen. Obwohl Lenin den reaktion\u00e4ren Charakter der dritten Duma erkannte und gegen Illusionen in der Verfassung k\u00e4mpfte, z\u00f6gerte er nicht, mit den Menschewiki gegen einen Boykott der Wahlen zu stimmen. Zu den Anh\u00e4nger:innen Bodganows gesellten sich die \u201eUltimatisten\u201c, eine Str\u00f6mung innerhalb der Bolschewiki, die sich gegen jede legale T\u00e4tigkeit aussprach, einschlie\u00dflich der Beteiligung an Gewerkschaften. Auf der Seite der Menschewiki entwickelte sich eine oppositionelle Tendenz, die daf\u00fcr eintrat, die klandestine T\u00e4tigkeit aufzugeben und sich grunds\u00e4tzlich nicht an illegalen Aktionen zu beteiligen. Gegen diese \u201eLiquidatoren\u201c-Tendenz versucht Lenin, eine innere Front im B\u00fcndnis mit dem Plechanow-Fl\u00fcgel der Menschewiki zu organisieren.<\/p>\n<p>Die Liquidator:innen starteten ihre Offensive auf dem Kongress im Dezember 1908. Lenin beschrieb sie als Versuch einiger Intellektueller der Partei, die bestehende illegale SDAPR zu liquidieren und \u201esie durch eine formlose legale Organisation zu ersetzen, unsere revolution\u00e4ren Losungen zu beschneiden usw.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f67\"><sup>67<\/sup><\/a><\/p>\n<p>So wurde die SDAPR von 1908 bis 1912 nicht nur zahlenm\u00e4\u00dfig geschw\u00e4cht, sondern auch von mehreren internen K\u00e4mpfen zerm\u00fcrbt. Der reaktion\u00e4re Charakter der politischen Ereignisse dr\u00e4ngte in den Reihen der Partei jedoch zur Einheit. In einem Text von 1910 mit dem Titel \u201eNotizen eines Publizisten\u201c stellte Lenin eine \u201eEinigungskrise\u201c fest, beschrieb \u201ezwei prinzipiell verschiedenen, einander grundlegend zuwiderlaufenden Anschauungen \u00fcber das Wesen und die Bedeutung unserer Parteivereinigung\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f68\"><sup>68<\/sup><\/a> und bek\u00e4mpfte die vers\u00f6hnlerischen Tendenzen, die sowohl auf bolschewistischer als auch auf menschewistischer Seite bestanden.<\/p>\n<p><em>Eine Anschauung \u00fcber die Vereinigung r\u00fcckt die \u201aVers\u00f6hnung\u2018 der \u201agegebenen Personen, Gruppen und Institutionen\u2018 in den Vordergrund. Die Einheit ihrer Anschauungen \u00fcber die Parteiarbeit, \u00fcber die Linie dieser Arbeit, ist dabei eine zweitrangige Sache. Die Meinungsverschiedenheiten sollen verschwiegen und ihre Wurzeln, ihre Bedeutung und ihre objektiven Ursachen nicht aufgedeckt werden. [\u2026] Es besteht noch eine andere Anschauung \u00fcber diese Vereinigung. Diese andere Anschauung besteht darin, da\u00df eine ganze Reihe tief verwurzelter, objektiver Ursachen [\u2026] schon l\u00e4ngst begonnen hat bzw. nach wie vor unentwegt fortf\u00e4hrt, in den zwei seit langem vorhandenen, zwei haupts\u00e4chlichen russischen Fraktionen der Sozialdemokratie solche Ver\u00e4nderungen hervorzurufen, die \u2013 manchmal gegen den Willen der einen oder anderen der \u201agegebenen Personen, Gruppen und Institutionen\u2018 und sogar unbewu\u00dft f\u00fcr sie \u2013 die ideologischen und organisatorischen Grundlagen der Vereinigung schaffen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f69\"><em><sup>69<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Mit anderen Worten: F\u00fcr Lenin konnte die Einheit und der Zusammenhalt der Partei nicht erreicht werden, ohne sich den programmatischen und politischen Diskussionen zu stellen, die die russische Sozialdemokratie durchzogen, und ohne einen \u201eKampf an zwei Fronten\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f70\"><sup>70<\/sup><\/a> gegen die beiden entgegengesetzten Bedrohungen durch den Liquidationismus (Opportunismus) und den Otsowismus (Ultralinke) zu f\u00fchren. Die Wiederaufstieg des Klassenkampfes ab 1910 und vor allem in den Jahren 1911 und 1912 sowie seine \u00dcberzeugung, dass neue revolution\u00e4re Ereignisse bevorst\u00fcnden, veranlassten Lenin, seine Vorstellungen zu radikalisieren. Revolution\u00e4r:innen m\u00fcssten sich auf den n\u00e4chsten revolution\u00e4ren Aufschwung vorbereiten \u2013 was nicht ohne eine solide strukturierte Organisation m\u00f6glich sei. Mit dieser Einsicht ausgestattet, nutzte Lenin die Prager Konferenz vom Januar 1912, um den Ausschluss der Liquidator:innen zu verk\u00fcnden und mit der Schaffung eines illegalen sozialdemokratischen Kerns zu beginnen, der von einem m\u00f6glichst gro\u00dfen Netz legaler Arbeiter:innengesellschaften umgeben war. Die Bolschewiki waren endg\u00fcltig eine unabh\u00e4ngige Partei. Le Blanc merkt an:<\/p>\n<p><em>Diese Perspektive der Spaltung bedeutete eine Abkehr vom klassischen Vorbild der deutschen Sozialdemokratie, und zwar in einer tiefgreifenden Weise als in jeder der Formulierungen in \u201aWas tun?\u2018 oder \u201aEin Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck\u2018.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f71\"><em><sup>71<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Die Entscheidung rief in der internationalen Sozialdemokratie heftige Reaktionen hervor und f\u00fchrte zu Kritik von Luxemburg und Kautsky, der den Bolschewiki vorwarf, eine Partei mit einem anderen Inhalt aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>1917: Die Partei der Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Seit seiner Gr\u00fcndung entwickelte sich der Bolschewismus innerhalb verschiedener organisatorischer Formen. Dies galt umso mehr w\u00e4hrend der ereignisreichsten acht Monaten seiner Geschichte, von Februar bis Oktober 1917.<\/p>\n<p>Anfang M\u00e4rz 1917, nach den Tagen des Aufstands, die zum Zusammenbruch des zaristischen Regimes gef\u00fchrt hatten, lie\u00df die Aufregung nicht nach. Neue Streiks brachen aus und die Provisorische Regierung war nicht in der Lage, die Situation zu kontrollieren. Von Beginn an sah sie sich mit dem Sowjet konfrontiert, der nach dem Vorbild von 1905 aufgelebt war und zu jener Zeit von den reformistischen Str\u00f6mungen der Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re angef\u00fchrt wurde. In vielerlei Hinsicht hatte der Petrograder Sowjet (und alle Sowjets, die sich im \u00fcbrigen Land entwickelten) potenziell mehr Macht, weigerte sich aber, diese auszu\u00fcben. Stattdessen beschr\u00e4nkte er sich darauf, die b\u00fcrgerliche Regierung zu beraten und unter Druck zu setzen.<\/p>\n<p>Wie die Revolution 1905 \u00fcberraschte auch die Revolution vom Februar 1917 die Revolution\u00e4r:innen. In Petrograd wurde die bolschewistische Partei von einem \u201erussischen B\u00fcro des Zentralkomitees\u201c angef\u00fchrt, das um den Metallarbeiter Alexander Schljapnikow organisiert war. Es war eine F\u00fchrung, die den Ereignissen nachlief und sich schwer tat, sich daran zu orientieren, was geschah. Als zwei Mitglieder der Zentralkomitees, Stalin und Kamenew, am 12. M\u00e4rz aus der sibirischen Verbannung zur\u00fcckkehrten, nahm die Partei eine Position der nationalen Verteidigung sowie der bedingten Unterst\u00fctzung und des \u201eDrucks\u201c auf die Provisorische Regierung an.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f72\"><sup>72<\/sup><\/a> Diese Positionen standen dem, was Lenin aus der Schweiz in seinen \u201eBriefen aus der Ferne\u201c vom 7. bis zum 12. M\u00e4rz schrieb, diametral gegen\u00fcber.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f73\"><sup>73<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Als er am 3. April nach Petrograd zur\u00fcckkehrte, nahm er sofort den Kampf gegen seine eigene \u201emenschewisierte\u201c Partei auf. Seine erste Rede hielt er, als er aus seinem \u201eplombierten Zug\u201c ausstieg. Darin stellte er fest, dass die Februarrevolution die grundlegenden Probleme des Proletariats nicht gel\u00f6st habe, dass die Dinge nicht auf halbem Wege stehen bleiben k\u00f6nnten und dass die Arbeiter:innenklasse \u2013 im B\u00fcndnis mit der Mehrheit der Soldaten \u2013 begonnen hatte, die demokratische in eine proletarisch-sozialistische Revolution zu verwandeln. Er schloss:<\/p>\n<p><em>Von einem Augenblick zum n\u00e4chsten k\u00f6nnen wir jeden Tag den Zusammenbruch des gesamten europ\u00e4ischen Imperialismus erwarten. Die russische Revolution, die ihr vollbracht habt, hat dessen Anfang markiert und den Grundstein f\u00fcr eine neue Epoche gelegt. Es lebe die sozialistische Weltrevolution!<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f74\"><em><sup>74<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Am folgenden Tag ver\u00f6ffentlichte Lenin die \u201eAprilthesen\u201c.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f75\"><sup>75<\/sup><\/a> Darin entwickelte er seine vorgeschlagene Orientierung f\u00fcr die Partei und die Revolution: keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Provisorische Regierung, sondern entschiedener Kampf gegen sie; Opposition zu jeder \u201erevolution\u00e4ren Vaterlandsverteidigung\u201c, d.h. die Fortsetzung des Kriegs im Namen der Verteidigung der Revolution; keine Ann\u00e4herung an die Menschewiki; \u201eRepublik der Sowjets\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f76\"><sup>76<\/sup><\/a>; Schaffung einer revolution\u00e4ren Regierung, die aus den Sowjets hervorgeht und das Land auf den Weg zum Sozialismus f\u00fchrt. Diese Positionen standen in Opposition zur Mehrheit des Zentralkomitees, wurden jedoch von den meisten der Kader und der k\u00e4mpfenden Basis, die von Tag zu Tag anwuchs, geteilt.<\/p>\n<p>Lenin siegte erstaunlich rasch. Seine Positionen wurden auf der ersten Petrograder Stadtkonferenz der Bolschewiki (14. bis 22. April) und dann auf der siebten Gesamtrussischen Konferenz der SDAPR(B) (24. bis 29. April) angenommen.<\/p>\n<p>Nachdem er sich auf die radikale Basis der Partei gest\u00fctzt hatte, musste Lenin den Lauf der Dinge verlangsamen und das Momentum zu kontrollieren versuchen. Die politische und soziale Krise verschlimmerte sich weiter und die Demonstrationen wurden zu Aufst\u00e4nden (zum ersten Mal in den Tagen vom 20. und 21. April). Innerhalb der Arbeiter:innenklasse und der Petrograder Garnison gab es eine bedeutsame Masse, die die Provisorische Regierung so bald wie m\u00f6glich st\u00fcrzen wollte. Die halb-aufst\u00e4ndischen Tage vom 3. bis zum 5. Juli waren der h\u00f6chste Ausdruck dieser Welle die sich entwickelte, obwohl die Situation noch nicht reif war f\u00fcr eine Machtergreifung mit hinreichender Erfolgsaussicht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Periode war die bolschewistische Partei das genaue Gegenteil des Bilds eines monolithischen Blocks mit allm\u00e4chtiger Leitung und Anf\u00fchrer. Wie die Sowjets und die Fabrikkomitees funktionierte sie hyperdemokratisch, mit rechten, linken und mittleren Tendenzen, die sich andauernd konstituierten und rekonstituierten. Gleichzeitig gab es starke Elemente des F\u00f6deralismus und der Autonomie. Lokale oder sektorale Organisationen verteidigten ihre Vorrechte und Entscheidungen, gelegentlich sogar gegen das Zentralkomitee. Die wichtigsten Entscheidungen, die in der Hauptstadt getroffen wurden, waren oftmals Ergebnis langwieriger Diskussionen und letztlich von Kompromissen zwischen der nationalen Leitung und dessen halbautonomen Strukturen.<\/p>\n<p>In Petrograd ging es um zwei Organisationen. Das Petrograder Komitee leitete die Partei und organisierte ihre t\u00e4gliche Arbeit in den Stadtvierteln und Fabriken der Hauptstadt. Die F\u00fchrung der Milit\u00e4rorganisation leitete die politische und organisatorische Arbeit in einer Garnison, die \u00fcber die Zeit hinweg und nach verschiedenen Sch\u00e4tzungen von Historiker:innen zwischen 215.000 und 300.000 Mann umfasste. Diese beiden Strukturen, insbesondere die Milit\u00e4rorganisation, waren in hohem Ma\u00dfe f\u00fcr die Initiative der Julitage verantwortlich \u2013 ein Ausdruck und eine Kombination aus massenrevolution\u00e4rer Spontaneit\u00e4t einerseits und andererseits Entscheidungen, die von revolution\u00e4ren Sektoren, haupts\u00e4chlich von Bolschewiki, teilweise gegen die Meinung von Lenin und Trotzki, getroffen wurden. Jene schalteten sich dann in die Ereignisse ein, die sie weder organisiert noch wirklich gewollt hatten.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f77\"><sup>77<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Von Februar bis Oktober durchlief die Partei zwei gleichzeitige Ver\u00e4nderungen. Erstens nahm sie zehntausende Arbeiter:innen der Avantgarde auf, die frisches Blut in die Partei brachten und sie auf gewisse Weise revolutionierten. Ihre Mitgliedschaft betrug am Vorabend der Februarrevolution nur etwa 20.000, unmittelbar vor dem Oktoberaufstand betrug sie mehr als 100.000. Zweitens fusionierte sie auf dem als Vereinigungskongress bekannten Sechsten Parteitag (26. Juli bis 3. August 1917) mit einer Reihe von Gruppen und Einzelpersonen, die aus ehemaligen bolschewistischen und menschewistischen Organisationen kamen oder von beiden unabh\u00e4ngig geblieben waren. Der wichtigste Sektor unter ihnen waren die Meschrajonzy (\u201eZwischengruppe\u201c), die rund 4.000 Mitglieder z\u00e4hlte, unter ihnen auch Leo Trotzki.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f78\"><sup>78<\/sup><\/a> Der Mann, \u00fcber den Lenin bis dahin immer wieder mit Sarkasmus gesprochen hatte, mit dem gemeinsam nach seiner wiederholten Aussage niemals etwas m\u00f6glich sein w\u00fcrde, wurde somit quasi sein Alter Ego an der Spitze der Partei und bald darauf auch der Revolution und des neugeborenen Arbeiter:innenstaats.<\/p>\n<p>F\u00fcr Lenin war das entscheidende Kriterium die Revolution: Es ging nicht abstrakt um das Programm, sondern in seiner praktischen Anwendung, inmitten des Feuers der revolution\u00e4ren Ereignisse. In dieser Hinsicht wurde oft behauptet, dass Trotzki 1917 Lenins Position zur Partei zustimmte, w\u00e4hrend Lenin die Schlussfolgerungen Trotzkis zur sozialistischen Dynamik der Revolution anerkannte. Darin liegt sicherlich eine gewisse Wahrheit, doch muss betont werden, dass die trotzkistische und die leninistische Konzeption der Revolution keineswegs so weit voneinander entfernt waren, wie es manchmal schien. Schon 1905 schrieb er: \u201e[V]on der demokratischen Revolution werden wir sofort, und zwar nach Ma\u00dfgabe unserer Kraft, der Kraft des klassenbewu\u00dften und organisierten Proletariats, den \u00dcbergang zur sozialistischen Revolution beginnen. Wir sind f\u00fcr die ununterbrodiene Revolution. Wir werden nicht auf halbem Wege stehenbleiben.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f79\"><sup>79<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auf die Julitage folgte eine Periode der Reaktion und der Repression, die die Bolschewiki in den Untergrund zwang. Diese Bedingungen jedoch schwanden nach wenigen Wochen wieder. Bis Ende August waren sie v\u00f6llig umgekehrt, als ein versuchter Putsch von General Kornilow die offiziellen Autorit\u00e4ten diskreditierte und sie gemeinsam mit ihren Unterst\u00fctzer:innen in den reformistischen Str\u00f6mungen in der Luft h\u00e4ngen lie\u00df. Kornilow war erst kurz zuvor von Kerenski, dem Pr\u00e4sidenten der Provisorischen Regierung, zum Oberbefehlshaber der Truppen gemacht worden.<\/p>\n<p>Im September war der Aufstieg der Bolschewiki bereits unaufhaltsam. Sie wurden in den Sowjets zur Mehrheit, zuerst in Petrograd, wo Trotzki den Vorsitz wiedererlangte, den er schon 1905 innegehabt hatte, dann in Moskau und in vielen weiteren Provinzen. Lenin erkannte die neue Lage und begr\u00fc\u00dfte sie freudig, w\u00e4hrend er gleichzeitig die f\u00fchrenden Bolschewiki dazu dr\u00e4ngte, umgehend Vorbereitungen f\u00fcr den Aufstand einzuleiten. Der Pfad zum Sieg der Revolution war offen und die offizielle \u00dcbernahme der Macht durch den Gesamtrussischen Sowjetkongress fand am 24. und 25. Oktober statt.<\/p>\n<p>Dies war eine allzu knappe Skizze der Ereignisse vom Februar bis zum Oktober 1917; sie verdiente eine viel umfassendere Ausarbeitung. Jene Ereignisse erlauben uns die Revolution konkret zu begreifen und sie praktisch als einen Prozess zu verstehen, der aus der Verbindung zwischen Partei und F\u00fchrung hervorgeht, die auf die Revolution und die Selbstorganisierung der Massen vorbereitet und orientiert ist \u2013 eben ganz wie in der ber\u00fchmten Metapher vom Kolben und dem Dampf.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f80\"><sup>80<\/sup><\/a> Wie Liebman schrieb:<\/p>\n<p><em>Wenn der Leninismus und die leninistische Organisation f\u00fcr einen betr\u00e4chtlichen Teil der Arbeiterbewegung zur Richtschnur, zum Ideal und zum Vorbild wurden, so ist dies zweifellos auf die Tatsache ihres Triumphes im Jahre 1917 zur\u00fcckzuf\u00fchren. Es war der Triumph des Bolschewismus, der dazu f\u00fchrte, dass er \u00fcberall in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit r\u00fcckte, sei es im Geiste des Hasses oder der Begeisterung, der Abscheu oder der Ergebenheit.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f81\"><em><sup>81<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>Lenins Partei: Eine \u201ePartei neuen Typus\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Kehren wir zur Ausgangsfrage zur\u00fcck: In welchem Ma\u00dfe ist Lenin daf\u00fcr verantwortlich, die Konzeption der revolution\u00e4ren Organisation erneuert zu haben? Dieser Artikel hat gezeigt, dass es eine systematische Theorie der \u201eleninistischen Partei\u201c ebenso wenig gibt, wie sie selbst eine monolithische Form besitzt. Im Gegenteil war Lenins Werk eine andauernde Neuausarbeitung, besonders im Kontext einer sich ver\u00e4ndernden politischen Situation. Entgegen des interpretativen Schemas, mit dem der Stalinismus \u201eWas tun?\u201c in eine abgeschlossene Anleitung f\u00fcr die leninistische Partei verwandelt hat, haben wir gesehen, dass Lenin \u00fcberhaupt erst 1914 erkl\u00e4rt hat, dass er einen \u201eneuen Typus\u201c von Partei aufbauen wollte. Selbst dann noch bezog er sich theoretisch auf die deutsche Sozialdemokratie als fortgeschrittenste Sektion der internationalen Sozialdemokratie.<\/p>\n<p>Dies hielt Lenin jedoch nicht davon ab, eine einzigartige Position zu entwickeln, die oft mit den damaligen Ansichten der breiten Mehrheit der internationalen Arbeiter:innenbewegung im Widerspruch stand (zum Verh\u00e4ltnis zwischen Klasse, Partei und F\u00fchrung; zur Spontaneit\u00e4t der Massen; zur Frage der Einheit der Partei). Ebensowenig bewahrte es seine Positionen vor scharfen Kritiken innerhalb der Zweiten Internationale, wie die oben erw\u00e4hnten von Luxemburg oder von Kautsky. Jener beklagte die Position der Bolschewiki auf der Prager Konferenz 1912, eine unabh\u00e4ngige Partei aufzubauen. Doch Lenin blieb in jenen Jahren davon \u00fcberzeugt, dass seine Orientierung mit derjenigen der internationalen Sozialdemokratie \u00fcbereinstimmte und dass seine Konzeptionen bez\u00fcglich der Organisation nicht \u00fcber den Rahmen des zaristischen Russlands hinaus zu verallgemeinern waren. Wie Bensa\u00efd richtig erkl\u00e4rt hat:<\/p>\n<p><em>Bis 1914 handelte es sich eher um einen halben Bruch mit der dominanten Orthodoxie, der auf russischen Besonderheiten beruhte, ohne die verallgemeinerbaren Elemente des Ansatzes zu entwickeln. [\u2026] Die Problematik systematisierte sich ab 1914.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f82\"><em><sup>82<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Es war der Weltkrieg, der die tiefen Widerspr\u00fcche der Zweiten Internationale offenbarte und der eine vollst\u00e4ndige Umgestaltung der internationalen Arbeiter:innenbewegung bef\u00f6rderte. Im Sommer 1914 stellte die Kriegserkl\u00e4rung der gro\u00dfen europ\u00e4ischen M\u00e4chte die Arbeiter:innenparteien vor ein brennendes Dilemma: den Burgfrieden brechen und ein Verbot und den Gang in die Klandestinit\u00e4t riskieren oder sich den Interessen der eigenen Bourgeoisie unterordnen. Mit wenigen Ausnahmen reihten sich die Anf\u00fchrer:innen der Zweiten Internationale hinter dem Banner des \u201eSozialchauvinismus\u201c ein. Sie stimmten f\u00fcr die Kriegskredite und brachen mit den Prinzipien des proletarischen Internationalismus, die 1907 auf dem Kongress in Stuttgart bekr\u00e4ftigt worden waren.<\/p>\n<p>Lenin konnte es nicht glauben, als ihn diese Neuigkeit erreichte. Er hielt es f\u00fcr eine Verleumdung, die Zwist in der revolution\u00e4ren Bewegung s\u00e4en sollte. Als es klar wurde, dass die Arbeiter:innenorganisationen und besonders ihre F\u00fchrungen die Interessen der sozialistischen Revolution und der Klassensolidarit\u00e4t verraten hatten, machte Lenin es zu seiner obersten Priorit\u00e4t, die Situation zu verstehen. Es war dringend und unbedingt geboten, die historische Bedeutung dieses Verrats zu begreifen und in praktischer und insbesondere in organisatorischer Hinsicht Schlussfolgerungen zu ziehen. Er schrieb,<\/p>\n<p><em>da\u00df sich die meisten sozialdemokratischen Parteien und an ihrer Spitze vor allem die gr\u00f6\u00dfte und einflu\u00dfreichste Partei der II. Internationale, die deutsche, auf die Seite ihres Generalstabs, ihrer Regierung und ihrer Bourgeoisie gegen das Proletariat gestellt haben. Das ist ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung, und man kann nicht umhin, bei einer m\u00f6glichst allseitigen Analyse dieses Ereignisses zu verweilen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f83\"><em><sup>83<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Diese Trag\u00f6die bot Lenin den Anlass zu einer tiefgreifenden politischen Wiederbewaffnung. Um das Ausma\u00df dieser Wiederbewaffnung auf theoretischer Ebene zu verstehen, muss erw\u00e4hnt werden, dass Lenin in den Jahren 1914\/15 auch eine detaillierte Studie und kritische Aneignung des Werks von Carl Clausewitz unternehm, dem preu\u00dfischen General und Theoretiker der Kriegskunst, sowie eine sorgf\u00e4ltige Lekt\u00fcre von Hegel und eine erneute Untersuchung seiner Dialektik.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f84\"><sup>84<\/sup><\/a> Eine der zentralen Ideen, bei denen Lenin angelangte, war, dass der imperialistische Krieg einen Bruchpunkt mit der vorangegangenen Periode der \u201efriedlichen Entwicklung\u201c markierte, der eine Neukonzeption des weltweiten historischen und strategischen Rahmens bedeutete. Dazu schrieb er:<\/p>\n<p><em>Der europ\u00e4ische Krieg bedeutet eine gewaltige historische Krise, den Beginn einer neuen Epoche. Wie jede Krise hat der Krieg die tief verborgenen Widerspr\u00fcche versch\u00e4rft und ans Tageslicht gebracht [\u2026]. Die II. Internationale, die in den 25 bis 45 Jahren ihres Bestehens (je nachdem, ob man von 1870 oder 1889 an rechnet) mit der weiten Verbreitung des Sozialismus und mit der vorbereitenden, ersten, einfachsten Organisierung seiner Kr\u00e4fte au\u00dferordentlich wichtige und n\u00fctzliche Arbeit leistete, hat ihre historische Rolle ausgespielt und ist nun tot.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f85\"><em><sup>85<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Die imperialistische Epoche und die 1914 er\u00f6ffnete Krise f\u00fchrten Lenin zu einer Neubewertung der Rolle des Opportunismus in der Arbeiter:innenbewegung. Bereits vor dem Krieg hatte sich Lenin einige Male dem Kampf gegen den Opportunismus zugewandt. Beispielsweise gab er im Vorwort zum Sammelband \u201e12 Jahre\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f86\"><sup>86<\/sup><\/a>, erschienen 1907, einen Abriss der politischen K\u00e4mpfe innerhalb der SDAPR seit ihrer Gr\u00fcndung. Es war derselbe Kampf gegen den Opportunismus, der ihn schlie\u00dflich zum Bruch mit der SDAPR und der Gr\u00fcndung einer unabh\u00e4ngigen Organisation f\u00fchrte. Lenin war zudem wohl bewusst, dass es in den verschiedenen Sektionen der Zweiten Internationale \u00e4hnliche Tendenzen gab. Mit der Trag\u00f6die von 1914 ver\u00e4nderte sich die Bedeutung dieser opportunistischen Str\u00f6mungen innerhalb der Arbeiter:innenbewegung. Er schrieb:<\/p>\n<p><em>Die durch den gro\u00dfen Krieg herbeigef\u00fchrte Krise hat alle H\u00fcllen heruntergerissen, alles Konventionelle hinweggefegt, das l\u00e4ngst ausgereifte Geschw\u00fcr aufbrechen lassen und den Opportunismus in seiner wahren Rolle als Verb\u00fcndeten der Bourgeoisie gezeigt.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f87\"><em><sup>87<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Anders gesagt hatte der Opportunismus f\u00fcr Lenin seine historisch konterrevolution\u00e4re Rolle offenbart. Die Theorie vom Opportunismus als einer, wie er schrieb, \u201e\u201aberechtigten Schattierung\u2018 der einheitlichen [\u2026] Partei\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f88\"><sup>88<\/sup><\/a>, wie sie bis dato existiert hatte, war \u00fcberkommen. Das Wesen des Kampfes gegen den Opportunismus ver\u00e4nderte sich und Lenin zog politische und organisatorische Schlussfolgerungen. Es ging nicht l\u00e4nger nur um eine Frage der Auseinandersetzung zwischen Tendenzen innerhalb derselben Organisation: \u201eDie v\u00f6llige, organisatorische Trennung dieses Elements von den Arbeiterparteien ist zur Notwendigkeit geworden.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f89\"><sup>89<\/sup><\/a> Deshalb rief Lenin ab August 1914 zu einem Bruch mit der Zweiten Internationale auf und betrieb eine internationale Umgruppierung gegen den Opportunismus (oder den \u201eSozialchauvinismus\u201c und den Klassenfrieden). Dies f\u00fchrte zu den Konferenzen von Zimmerwald (1915), Kiental (1916) und schlie\u00dflich zur Gr\u00fcndung der Dritten Internationale (1919).<\/p>\n<p>Diese neue politische Bruchlinie und die Notwendigkeit, national und international vom Opportunismus politisch und strategisch getrennte Organisationen aufzubauen, war die grundlegende Lektion, die Lenin aus dem Verrat von 1914 zog. Wer auch immer sich weigerte, dieser neuen Situation entsprechend zu handeln und dachte, man k\u00f6nnte den Kampf gegen den Sozialchauvinismus innerhalb einer gemeinsamen Partei ausfechten \u2013 wie die \u201eZentrist:innen\u201c (und besonders Kautsky, der Lenin als gr\u00f6\u00dfter \u201eRenegat\u201c galt) \u2013 wurde f\u00fcr Lenin zu einem Hindernis auf dem Pfad zum Wiederaufbau revolution\u00e4rer Organisationen. Er musste als solches bek\u00e4mpft werden. Er schrieb:<\/p>\n<p><em>[D]ie zwischen dem Opportunismus und der revolution\u00e4ren Sozialdemokratie hin und her schwankenden Elemente (wie das \u201aZentrum\u2018 in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands), die den Zusammenbruch der II. Internationale zu verschweigen oder mit diplomatischen Phrasen zu bem\u00e4nteln suchen, [erweisen] dem Proletariat den allerschlimmsten Dienst.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f90\"><em><sup>90<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Auf einer theoretischen und praktischen Ebene stellt 1914 einen vollzogenen Bruch mit dem \u201eMarxismus der Zweiten Internationale\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f91\"><sup>91<\/sup><\/a> und seiner Leitfigur Karl Kautsky dar. Dieser vertrat die Auffassung von der Revolution als einem graduellen und fast nat\u00fcrlichen Prozess, den vorbereiten oder anstiften zu wollen, in Kautskys Worten, ihm gar nicht einfalle.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f92\"><sup>92<\/sup><\/a> Dies f\u00fchrte die Sozialdemokratie zu einem \u201epassivem Radikalismus\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f93\"><sup>93<\/sup><\/a>. Diesen Ideen zufolge entsteht die Organisation nur als Ergebnis einer passiven und geduldigen Anh\u00e4ufung von Kr\u00e4ften. Lenins Rolle in der Neukonzeption durch die junge Dritte Internationale (vor ihrer B\u00fcrokratisierung) war hier theoretisch und politisch entscheidend. Er betrachtete den imperialistischen Krieg als Anzeichen, dass eine neue Epoche angebrochen war, die er imperialistische Epoche nannte. Darin gab es keine \u201ehomogene und leere Zeit\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f94\"><sup>94<\/sup><\/a> mehr, wie es Walter Benjamin auf den Begriff brachte. Sie war vielmehr von Diskontinuit\u00e4ten, Br\u00fcchen und Krisen durchzogen. (In jenen Jahren erlangte seine Vorstellung einer \u201erevolution\u00e4ren Krise\u201c, die seit 1905 herangereift war, seine volle Bedeutung an.) In dieser Epoche muss die Partei eingreifen wissen, um aus der Situation einen Vorteil zu ziehen und die Energie der Massen in die Konfrontation mit dem Staat zu lenken.<\/p>\n<p>In dieser Frage des Staates war nebenbei bemerkt Lenins Beitrag entscheidend und seine Gegnerschaft zu Kautsky unbestreitbar.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f95\"><sup>95<\/sup><\/a> In diesem Kontext ist die Partei nicht mehr einfach nur ein Ausdruck des Klassenbewusstseins, eine passive Anh\u00e4ufung von Kr\u00e4ften, sondern ein wahrhaft strategischer Operator, ein entscheidendes Element, um jedwede Situation zu bearbeiten, ein Arsenal an Taktiken zu artikulieren, ohne das strategische Ziel aus den Augen zu verlieren \u2013 die sozialistische Revolution. Auch nach 1914 bezog sich Lenin noch auf den Kautsky pr\u00e4 1914, wie Lih angemerkt hat<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f96\"><sup>96<\/sup><\/a>, was zu dem Bruch, der stattgefunden hatte, keinen Widerspruch darstellt. Ebensowenig rechtfertigt es eine \u201eWiederentdeckung\u201c der leninistischen Parteikonzeption allein anhand seiner Texte von 1902, wie Emilio Albamonte und Mat\u00edas Maiello richtigerweise schreiben:<\/p>\n<p><em>Es geht nicht um die Frage eines \u201eModells\u201c der Partei, sondern um die notwendige strategische Arbeit, um es in die Tat umzusetzen, was [\u2026] eine seine verschiedene Angelegenheit ist. Die Genese von Lenins Parteikonzeption kann nicht ohne die Schlachten und K\u00e4mpfe gegen den \u201aSozialchauvinismus\u2018 verstanden werden.<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f97\"><em><sup>97<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>***<\/strong><\/p>\n<p>Heute sind die sozialdemokratischen und stalinisierten kommunistischen Apparate in Folge ihrer Anpassung an den \u201eSozialliberalismus\u201c und des Zusammenbruchs des Stalinismus und der Sowjetunion weitgehend zur\u00fcckgedr\u00e4ngt worden. Die Verwandlung dieser Arbeiter:innenorganisationen in Werkzeuge zur Z\u00e4hmung der Arbeiter:innenbewegung durch die Handlungen ihrer zunehmen in den b\u00fcrgerlichen Staat eingebundenen F\u00fchrungen hatte dramatische Konsequenzen f\u00fcr die Arbeiter:innenbewegung. Letztere hat eine Reihe von Niederlagen hinnehmen m\u00fcssen, besonders nach der Niederlage des revolution\u00e4ren Aufschwungs von 1968 und der imperialistischen und b\u00fcrgerlichen Gegenoffensive der neoliberalen Periode. Dies hat zu einem Bruch in der revolution\u00e4ren Kontinuit\u00e4t gef\u00fchrt. All das hat langanhaltende Auswirkungen auf die F\u00e4higkeit des Proletariats, sich zu organisieren, und auf sein Klassenbewusstsein, obwohl es auf \u201eobjektiver\u201c Ebene ein beispielloses Wachstum der Weltarbeiter:innenklasse gegeben hat.<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit scheinen jedoch verschiedene Symptome auf einen Prozess der subjektiven Neuzusammensetzung innerhalb bestimmter Sektoren des Proletariats und der Massen im Allgemeinen hinzuweisen. Eine solche Hypothese ist angesichts des Aufschwungs im internationalen Klassenkampf seit 2019 m\u00f6glich. Darin verbanden sich Aufst\u00e4nde und Revolten, die manchmal zu Massenstreiks wurden, mit einem Massenradikalismus, der die Grenzen der b\u00fcrgerlichen Legalit\u00e4t herausfordert, und einer wachsenden Politisierung wichtiger Sektoren der Jugend gegen den systemischen Rassismus und die Zerst\u00f6rung des Planeten. Diese Elemente bleiben bruchst\u00fcckhaft, sind jedoch von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Sie sind ein echter Trumpf f\u00fcr all diejenigen, die die Perspektive der Revolution nicht aufgegeben haben, denn das Entstehen echter Kampforganisationen h\u00e4ngt zu einem gro\u00dfen Teil von der F\u00e4higkeit ab, sich mit solchen Avantgarde-Sektoren zusammenzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist das Aufgreifen des Leninismus zum Aufbau revolution\u00e4rer Organisationen das Gegenteil einer elit\u00e4ren Organisationskonzeption oder einer, die eine Art selbstbezogener Minderheit kultivieren w\u00fcrde. Im Gegenteil haben wir gesehen, dass die leninistische Konzeption zusammengefasst werden kann als die Umgruppierung der fortgeschrittensten und bewusstesten Sektoren des Proletariats in einer zentralisierten Partei, deren Ziel es ist, die Revolution vorzubereiten. Was die Partei tut, muss aus einer permanenten Beziehung mit der Aktivit\u00e4t der Massen im Kampf hervorgehen. Konkret beginnt dies damit, den k\u00e4mpfenden Sektoren, die sich erhoben haben, eine politische und organisatorische Perspektive zu bieten. Diese Perspektive muss unabh\u00e4ngig von den b\u00fcrokratischen F\u00fchrungen der Arbeiter:innenbewegung sein, die von Jahrzehnten der vers\u00f6hnlerischen Politik und des \u201esozialen Dialogs\u201c mit der herrschenden Klasse gefesselt ist. (Eine weitere Lektion des Leninismus k\u00f6nnte sein: Mit dem Feind sucht man nicht den Dialog; man organisiert sich, um den Feind zu bek\u00e4mpfen!)<\/p>\n<p>In Frankreich haben wir, die Aktivist:innen von R\u00e9volution Permanente, mithilfe dieses Kompasses in die vielen Klassenkampfph\u00e4nomene eingreifen versucht, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Sei es im gro\u00dfen \u201eKampf um die Schiene\u201c 2018 mit der Entwicklung von Treffen zwischen den Besch\u00e4ftigten verschiedener Bahnh\u00f6fe, in der Gelbwestenbewegung, der Bewegung gegen die Rentenreform durch die RATP-SNCF-Koordination oder im Streik von Grandpuits: \u00dcberall haben wir eingegriffen, indem wir in jeder Schlacht ein strategisches und programmatisches Arsenal zum Einsatz gebracht haben, das uns erlaubt hat, diese Erfahrungen so weit wie m\u00f6glich voranzutreiben, sie aus dem von der gewerkschaftlichen Routine vorgegebenen Rahmen zu befreien und sie Selbstorganisierung voranzutreiben. Ein solcher Kampf ist nicht widerspr\u00fcchlich, vielmehr geht es Hand in Hand mit dem Kampf darum, einer neuen Generation k\u00e4mpferischer Arbeiter:innen eine revolution\u00e4re Organisation zu geben, die ihre Energie in eine Perspektive \u00fcber den kapitalistischen Horizont hinaus lenkt. Von diesen Erfahrungen best\u00e4rkt f\u00fchren wir gemeinsam mit einigen der Aktivist:innen aus eben jenen K\u00e4mpfen heute trotz unseres Ausschlusses aus der NPA die Kampagne zum Aufbau einer revolution\u00e4ren Arbeiter:innenpartei.<\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien erstmals am 12. Juni 2021 bei <\/em><a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/La-conception-leniniste-du-parti-entre-mythes-et-realites#nh10\">RP Dimanche<\/a><em>. Die Kampagne zum Aufbau einer neuen revolution\u00e4ren Organisation in Frankreich m\u00fcndete Ende 2022 in der Neugr\u00fcndung von R\u00e9volution Permanente als Sektion der Trotzkistischen Fraktion f\u00fcr die Vierte Internationale (FT-CI). Die deutschsprachige Fassung des Artikels folgt der englischsprachigen \u00dcbersetzung von Scott Cooper, die gegen\u00fcber dem franz\u00f6sischen Original leicht gek\u00fcrzt wurde. Jene wurde am 3. Oktober 2021 im Magazin von <\/em><a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-leninist-conception-of-the-party-myths-and-realities\/\">Left Voice<\/a><em> ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f1_text\">1<\/a>. Lars Lih: Lenin Rediscovered. What Is to Be Done? in Context, Brill, Leiden 2005.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f2_text\">2<\/a>. Siehe z.B. <a href=\"https:\/\/brill.com\/view\/journals\/hima\/18\/3\/hima.18.issue-3.xml?language=en\">Historical Materialism 18\/3 (2010)<\/a> sowie Marcel Bois: Rezension zu: Lih, Lars T.: Lenin Rediscovered. What Is to Be Done? in Context. Leiden 2006, in: <a href=\"http:\/\/www.hsozkult.de\/publicationreview\/id\/reb-11024\">H-Soz-Kult, 06.05.2008.<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f3_text\">3<\/a>. Lih spricht von Lenin als einem \u201eErfurtianer\u201c, womit er sich auf den Parteitag der SPD 1891 in Erfurt und das dort beschlossene Programm bezog, das innerhalb der Zweiten Internationale als ma\u00dfgeblich galt.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f4_text\">4<\/a>. St\u00e9phane Courtois: L\u00e9nine, l\u2019inventeur du totalitarisme, Perrin, Paris 2017.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f5_text\">5<\/a>. Paul Le Blanc: Lenin and the Revolutionary Party, Haymarket Books, Chicago 2016, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f6_text\">6<\/a>. Dies geschieht unter dem Namen des \u201eMarxismus-Leninismus\u201c. Ein lehrreiches Beispiel daf\u00fcr ist Stalins Schrift \u201e\u00dcber die Grundlagen des Leninismus\u201c. Darin beschreibt Stalin neben vielen \u00e4hnlichen Aussagen \u201e[d]ie Partei als eine mit der Existenz von Fraktionen unvereinbare Einheit des Willens\u201c, und stellt fest: \u201eDie Partei wird dadurch gest\u00e4rkt, dass sie sich von opportunistischen Elementen s\u00e4ubert.\u201c J. W. Stalin: \u00dcber die Grundlagen des Leninismus. Vorlesungen an der Swerdlow-Universit\u00e4t, in: Ders.: Werke, Band 6, Dietz-Verlag, Berlin 1952, S. 39-101, hier S. 97f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f7_text\">7<\/a>. Daniel Bensa\u00efd: Strat\u00e9gie et parti, Les Prairies ordinaires, Paris 1986, eigene \u00dcbersetzung. \u201eBolschewisierung\u201c ist die Bezeichnung f\u00fcr eine Wende, die 1924 in der Kommunistischen Internationale stattfand, um Stalins Diktate durchzusetzen und das Recht auf Kritik innerhalb der Kommunistischen Parteien drastisch zu beschr\u00e4nken.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f8_text\">8<\/a>. Le Blanc: Lenin and the Revolutionary Party, S. 5, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f9_text\">9<\/a>. Pierre Brou\u00e9: Le parti bolchevique. histoire du P.C. de l\u2019U.R.S.S. [Die Bolschewistische Partei. Geschichte der KPdSU], Editions de Minuit, Paris 1963, S. 44, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f10_text\">10<\/a>. Der Platz reicht nicht aus, um auf Einzelheiten einzugehen. Es gen\u00fcgt zu sagen, dass diese Entwicklung vor allem durch das langsame Tempo gekennzeichnet war, mit dem sie auf ungleiche und kombinierte Weise einige der fortschrittlichsten Merkmale westlicher kapitalistischer Gesellschaften aufnahm, sowie durch das Fehlen selbst minimaler politischer Freiheiten unter der zaristischen Autokratie. Diese besonderen Merkmale der kapitalistischen Entwicklung in Russland sind von grundlegender Bedeutung f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Entwicklung des Leninismus und \u2013 allgemeiner \u2013 der Debatten, die die russische Sozialdemokratie durchzogen. F\u00fcr weitere Details zu diesen Fragen siehe Brou\u00e9: Le parti bolchevique; siehe auch Leo Trotzki: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/index.htm\">Geschichte der russischen Revolution (1930).<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f11_text\">11<\/a>. Die russische Bourgeoisie entwickelte sich langsam und m\u00fchsam, gefangen zwischen der antiliberalen Autokratie, den russischen Gro\u00dfgrundbesitzer:innen und den westlichen Bourgeoisien auf der einen Seite und den armen Massen der Bauernschaft und der entstehenden, aber bereits recht konzentrierten Arbeiter:innenbewegung auf der anderen Seite. Diese Angst vor einer Radikalisierung der Arbeiter:innenbewegung veranlasste die Bourgeoisie, nach Wegen zu suchen, um mit der Autokratie zu verhandeln.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f12_text\">12<\/a>. Wie Brou\u00e9 schreibt, sahen sich die Revolution\u00e4r:innen \u201emit einem Regime konfrontiert, das \u2013 wie Alexander II. sagte, und was keiner seiner Nachfolger je zu leugnen wagte \u2013 zugab, sich nur deshalb von oben her zu ver\u00e4ndern, um eine Revolution von unten zu vermeiden. Es hatte erkannt, dass es selbstm\u00f6rderisch war, irgendeine Form der Opposition zuzulassen, wie friedlich sie auch sein mochte \u2013 so jedoch blieb kein anderer Weg als die gewaltsame Revolution.\u201c Brou\u00e9: Le parti bolchevique, S. 25, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f13_text\">13<\/a>. Brou\u00e9: Le parti bolchevique, S. 28, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f14_text\">14<\/a>. W.I. Lenin: Unsere n\u00e4chste Aufgabe, in: Ders.: Werke, Band 4, Dietz-Verlag, Berlin 1955, S. 209-214, hier S. 209.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f15_text\">15<\/a>. Ebd., S. 210. Lenin weiter: \u201eDiesen Zusammenschlu\u00df zu verwirklichen, die passende Form f\u00fcr ihn auszuarbeiten, sich endg\u00fcltig von der engen lokalen Zersplitterung frei zu machen \u2014 das ist die n\u00e4chste und dringendste Aufgabe der russischen Sozialdemokraten.\u201c Ebd., S. 209. An anderer Stelle schrieb er: \u201eDie Frage besteht also darin, ob die Arbeit, die bereits geleistet wird, auf \u201ahandwerklerische\u2018 Weise fortgesetzt werden oder ob sie organisatorisch zur Arbeit einer Partei zusammengefa\u00dft und so gestaltet werden soll, da\u00df sie sich ganz in einem gemeinsamen Organ widerspiegelt.\u201c Ders.: Eine dringende Frage, in: Ders.: Werke, Band 4, S. 215-220, hier S. 215, Hervorhebung im Original.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f16_text\">16<\/a>. Ebd., S. 216.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f17_text\">17<\/a>. Lenin: Unsere n\u00e4chste Aufgabe, S. 210-213, Hervorhebung im Original.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f18_text\">18<\/a>. Ders.: <a href=\"https:\/\/www.sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/lenin\/1899\/wladimir-i-lenin-ueber-streiks\">\u00dcber Streiks<\/a>, in: Ders.: Werke, Band 4, S. 305-315, hier S. 313.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f19_text\">19<\/a>. W.I. Lenin: Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung, in: Ders.: Werke, Band 5, Dietz-Verlag, Berlin 1955, S. 355-551. Der belgische marxistische Historiker Marcel Liebman nannte das Buch \u201edie koh\u00e4rentes Darstellung der Ideen einer marxistischen Unternehmung, ein Werkzeug f\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer Revolution zu schaffen.\u201c Marcel Liebman: Leninism under Lenin, Haymarket Books, Chicago 2016, S. 29, eigene \u00dcbersetzung. Die franz\u00f6sische Erstausgabe erschien 1973.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f20_text\">20<\/a>. Lih schreibt, Lenin habe die Bezeichnung \u201e\u00d6konomismus\u201c als diskursives Mittel benutzt, um einen politischen Kampf zu f\u00fchren. \u201eDie Polemik in \u201aWas tun?\u2018 richtet sich nicht gegen den \u00d6konomismus \u2013 es ist vielmehr eine Polemik, die den \u00d6konomismus als Waffe benutzt, um damit die haupts\u00e4chlichen Rivalen in der F\u00fchrung der Iskra zu bek\u00e4mpfen (die Gruppe Rabotscheje Delo). Lenin nahm richtigerweise an, dass seine Rivalen diskreditiert sein w\u00fcrden, wenn er ihnen das Label \u201a\u00d6konomist\u2018 anh\u00e4ngen k\u00f6nnte.\u201c Lih: Lenin Rediscovered, S. 11, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f21_text\">21<\/a>. Lenin: Was tun?, S. 389.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f22_text\">22<\/a>. Ebd., S. 393, Hervorhebung im Original.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f23_text\">23<\/a>. Ebd., S. 397. Es scheint, als begegnete uns hier eine Idee, die Marx bereits in der \u201edeutschen Ideologie\u201c formuliert hat: \u201eDie Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.\u201c Karl Marx und Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repr\u00e4sentanten Feuerbach, B. Bauer und Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten, in: Dies.: Werke, Band 3, S. 9-530, Dietz-Verlag, Berlin 1958, hier S. 46.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f24_text\">24<\/a>. A.d.\u00dc.: Die Formulierung \u201eBending the Stick\u201c stammt aus Tony Cliffs \u201e<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/cliff\/works\/1975\/lenin1\/chap02.htm\">Building the Party<\/a>\u201e: \u201eAuf jeder Ebene des Kampfes suchte Lenin, was er als das entscheidende Glied in der Kette der Entwicklung betrachtete. Er betonte dann wiederholt die Bedeutung dieses Glieds, worunter alle anderen unterzuordnen waren. Hinterher sagte er dann: \u201aWir haben es \u00fcbertrieben. Wir haben den Stock zu weit gebogen\u2018, womit er aber nicht meinte, dass er damit einen Fehler gemacht h\u00e4tte.\u201c (eigene \u00dcbersetzung). Bei Lenin selbst findet sich die Formulierung \u201eden Bogen nach der andern Seite \u00fcberspannen\u201c, als er 1905 \u00fcber die praktische Verwirklichung der Wiedervereinigung der SDAPR schrieb: \u201eWir haben so lange in der Emigrantenatmosph\u00e4re \u201atheoretisiert\u2018 (manchmal, gestehen wir\u2019s nur, ins Leere hinein), da\u00df es wahrhaftig nichts schadet, wenn wir jetzt ein klein wenig, ein ganz klein bi\u00dfchen \u201aden Bogen nach der andern Seite \u00fcberspannen\u2018 und die Praxis etwas mehr in den Vordergrund r\u00fccken.\u201c W.I. Lenin: \u00dcber die Reorganisation der Partei, in: Ders.: Werke, Band 10, S. 13-23, hier S. 23.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f25_text\">25<\/a>. Lenin: Was tun?, S. 396.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f26_text\">26<\/a>. Liebman merkte an: \u201eLenins Kritik richtet sich jedoch nicht so sehr gegen die spontane Aktivit\u00e4t der Arbeiter:innenklasse als gegen sein urw\u00fcchsiges, instinktives und folgerichtig mangelhaftes Bewusstsein.\u201c Liebman: Leninism under Lenin, S. 30, eigene \u00dcbersetzung, Hervorhebung im Original.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f27_text\">27<\/a>. Lenins Konzeption eines Berufsrevolution\u00e4rs sollte nicht mit der Praxis eines Vollzeitfunktion\u00e4rs, also eines Mitglieds, das von der Partei selbst bezahlt wird. Lenin geht es vielmehr darum, Mitglieder anzuwerben und auszubilden, die es als ihren \u201eBeruf\u201c ansehen, die Revolution zu machen.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f28_text\">28<\/a>. Lenin: Was tun?, S. 415.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f29_text\">29<\/a>. Lenin: Was tun?, S. 436, Hervorhebungen im Original. Die Formulierung \u201enur von au\u00dfen\u201c, die Lenin tats\u00e4chlich Kautsky entlehnt hat, hat zu vielen Interpretationen und Debatten gef\u00fchrt (der Platz erlaubt keine detaillierte Ausf\u00fchrung). Belassen wir es bei der Bemerkung, dass Lenin Kautskys Formulierung eine andere Bedeutung gegeben hat. F\u00fcr Lenin ging es nicht darum auf die Rolle von kleinb\u00fcrgerlichen Intellektuellen innerhalb der revolution\u00e4ren Bewegung zu beharren, sondern um die Notwendigkeit eines politischen Kampfes f\u00fcr die Entwicklung des Klassenbewusstseins. Siehe Hal Draper: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/draper\/1990\/myth\/myth.htm\">The Myth of Lenin\u2019s \u2018Concept of the Party\u2019 or What They Did to What Is to Be Done?<\/a> und Daniel Bensa\u00efd: <a href=\"https:\/\/brill.com\/view\/journals\/hima\/28\/3\/article-p230_9.xml?language=en\">Strategy and Politics. From Marx to the Third International<\/a>, Historical Materialism 28\/3 (2020), S. 230-266.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f30_text\">30<\/a>. Lenin: Was tun?, S. 437, Hervorhebungen im Original.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f31_text\">31<\/a>. Gramsci entwickelte einige Jahrzehnte sp\u00e4ter diese Konzeption der Hegemonie der Arbeiter:innen weiter.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f32_text\">32<\/a>. Ironischerweise wurden beide Antr\u00e4ge von Mitgliedern derselben Tendenz der Iskra vorgebracht.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f33_text\">33<\/a>. Martows Entwurf lautet: \u201eAls zugeh\u00f6rig zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Ru\u00dflands gilt jeder, der ihr Programm anerkennt und f\u00fcr die Verwirklichung ihrer Aufgaben unter der Kontrolle und Leitung der Organe (sic!) der Partei aktiv arbeitet.\u201c Lenins Entwurf: \u201eAls Mitglied der Partei gilt jeder, der ihr Programm anerkennt und die Partei sowohl in materieller Hinsicht als auch durch die pers\u00f6nliche Bet\u00e4tigung in einer der Parteiorganisationen unterst\u00fctzt.\u201c W.I. Lenin: <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/lenin\/1904\/wladimir-i-lenin-ein-schritt-vorwaerts-zwei-schritte-zurueck\">Ein Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck (Die Krise in unserer Partei)<\/a>, in: Ders.: Werke, Band 7, Dietz-Verlag, Berlin 1956, S. 197-430, hier S. 239f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f34_text\">34<\/a>. Die zuk\u00fcnftigen Bolschewiki waren zu Beginn des Kongresses in der Minderheit und wurden am Ende des Kongresses aufgrund eines unerwarteten Ereignisses zur Mehrheit (\u201eBolschewiki\u201c). Vor Ende des Kongresses verlie\u00dfen sieben Delegierte den Kongress. Darunter befanden sich auch die f\u00fcnf Delegierten des Bundes (der Organisation der j\u00fcdischen Sozialisten), die unzufrieden dar\u00fcber waren, dass eine Mehrheit (darunter die Mehrzahl sowohl der zuk\u00fcnftigen Bolschewiki als auch der Menschewiki ) es abgelehnt hatte, ihnen im Rahmen einer \u201eF\u00f6deration\u201c mit der russischen Partei v\u00f6llige Autonomie zu gew\u00e4hren. Ihnen folgten, aus anderen Gr\u00fcnden, die beiden Vertreter der \u201e\u00d6konomisten\u201c. So wurde aus der Mehrheit zu Beginn des Kongresses eine Minderheit (Menschewiki) und umgekehrt.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f35_text\">35<\/a>. In den Wochen nach dem Zweiten Kongress weigerten sich die Menschewiki unter der F\u00fchrung von Martow trotz Lenins Vorschl\u00e4gen, mit der Iskra zusammenzuarbeiten, es sei denn, man einigte sich darauf, die Zusammensetzung der Redaktion zu \u00fcberdenken und mehr Menschewiki aufzunehmen. Plechanow, der zun\u00e4chst mit Lenin verb\u00fcndet war, gab schlie\u00dflich den W\u00fcnschen von Martows Fl\u00fcgel nach und kooptierte die alte (den Menschewiki genehme) Redaktion. Lenin beschloss, die Redaktion der Iskra zu verlassen, und schrieb mehrere \u00f6ffentliche Briefe zu diesem Thema, darunter \u201eBrief an die Redaktion der \u201aIskra&#8217;\u201c, in: W.I. Lenin: Werke, Band 7, S. 105-109, und \u201eWarum bin ich aus der Redaktion der \u201eIskra\u201c ausgetreten? Brief an die Redaktion der \u201aIskra&#8217;\u201c, in: ebd., S. 110-117.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f36_text\">36<\/a>. Mit diesen Worten beschreibt Lenin in \u201eEin Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck\u201c die Vorw\u00fcrfe gegen ihn. Lenin: Ein Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck, S. 253f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f37_text\">37<\/a>. Lenin: Ein Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck, S. 255. Lenin zitiert Axelrod: \u201eWir schaffen nat\u00fcrlich vor allem eine Organisation der aktivsten Elemente der Partei, eine Organisation von Revolution\u00e4ren, doch m\u00fcssen wir, da wir die Partei der Klasse sind, darauf bedacht sein, da\u00df nicht Leute au\u00dferhalb der Partei bleiben, die sich bewu\u00dft, wenn auch vielleicht nicht ganz aktiv, dieser Partei anschlie\u00dfen.\u201c Lenin antwortete darauf: \u201eAus welchem Grunde, kraft welcher Logik soll sich aus der Tatsache, da\u00df wir die Partei der Klasse sind, die Schlu\u00dffolgerung ergeben, da\u00df eine Unterscheidung zwischen denen, die der Partei angeh\u00f6ren, und denen, die sich der Partei anschlie\u00dfen, \u00fcberfl\u00fcssig sei? Ganz im Gegenteil: Gerade weil ein Unterschied im Grad der Bewu\u00dftheit und im Grad der Aktivit\u00e4t besteht, mu\u00df auch ein Unterschied im Grad der N\u00e4he zur Partei gemacht werden. Wir sind die Partei der Klasse, und deshalb mu\u00df fast die gesamte Klasse (und in Kriegszeiten, in der Epoche des B\u00fcrgerkriegs, restlos die gesamte Klasse) unter der Leitung unserer Partei handeln, sie mu\u00df sich unserer Partei so eng wie m\u00f6glich anschlie\u00dfen, doch w\u00e4re es<\/li>\n<\/ol>\n<p>Manilowerei und \u201aNachtrabpolitik\u2018, wollte man glauben, da\u00df irgendwann unter der Herrschaft des Kapitalismus fast die gesamte Klasse oder die gesamte Klasse imstande w\u00e4re, sich bis zu der Bewu\u00dftheit und der Aktivit\u00e4t zu erheben, auf der ihr Vortrupp, ihre sozialdemokratische Partei, steht. Kein vern\u00fcnftiger Sozialdemokrat hat je daran gezweifelt, da\u00df unter dem Kapitalismus selbst die Gewerkschaftsorganisation (die primitiver, dem Bewu\u00dftsein der unentwickelten Schichten zug\u00e4nglicher ist) au\u00dferstande ist, fast die gesamte oder die gesamte Arbeiterklasse zu erfassen. Es w\u00fcrde bedeuten, nur sich selbst zu betr\u00fcgen, die Augen vor der gewaltigen Gr\u00f6\u00dfe unserer Aufgaben zu verschlie\u00dfen, diese Aufgaben einzuengen, wollte man den Unterschied zwischen dem Vortrupp und all den Massen, die sich zu ihm hingezogen f\u00fchlen, vergessen, wollte man die st\u00e4ndige Pflicht des Vortrupps vergessen, immer breitere Schichten auf das Niveau dieses Vortrupps zu heben. Ja, es bedeutet, die Augen zu verschlie\u00dfen und all dies zu vergessen, wenn man den Unterschied verwischt zwischen denen, die der Partei angeh\u00f6ren, und denen, die sich ihr anschlie\u00dfen, zwischen den bewu\u00dften und aktiven Mitgliedern und den Helfern.\u201c Ebd., S. 257f., Hervorhebung im Original.<\/p>\n<ol start=\"38\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f38_text\">38<\/a>. Ebd., S. 254f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f39_text\">39<\/a>. Ebd., S. 257-260.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f40_text\">40<\/a>. Luxemburgs ber\u00fchmte Polemik in ihrem Artikel \u201e<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxemburg\/1904\/orgfrage\/text.htm\">Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie<\/a>\u201c forderte vonseiten Lenins eine Erwiderung heraus, die sich Kautsky in der Neuen Zeit, dem theoretischen Organ der deutschen Sozialdemokratie, zu ver\u00f6ffentlichen weigerte. Rosa Luxemburg: Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie, in: Dies: Gesammelte Werke, Band 1, 2. Halbband, Berlin 1979, S. 422\u2013446; W.I. Lenin: <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/lenin\/1904\/wladimir-i-lenin-eine-antwort-n-lenins-an-rosa-luxemburg\">Ein Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck. Eine Antwort N. Lenins an Rosa Luxemburg<\/a>, in: Ders.: Werke, Band 7, S. 480-491. F\u00fcr mehr Details \u00fcber diese Debatten siehe Daniel Gu\u00e9rin: <a href=\"https:\/\/www.anarchismus.at\/texte-anarchismus\/anarchismus-und-marxismus\/6290-guerin-anarchismus-und-marxismus\">Anarchismus und Marxismus<\/a>, Verlag Freie Gesellschaft, Frankfurt am Main 1979; sowie Le Blanc: Lenin and the Revolutionary Party.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f41_text\">41<\/a>. Lenin unternahm es auch, diese Debatte zwischen Menschewiki und Bolschewiki innerhalb der internationale Sozialdemokratie neu zu verorten. Er schrieb: \u201eEs ist h\u00f6chst interessant, festzustellen, da\u00df die von mir aufgezeigten prinzipiellen Z\u00fcge des Opportunismus in organisatorischen Fragen (Autonomismus, Edel- oder Intellektuellenanarchismus, Nachtrabpolitik und Girondismus) mutatis mutandis (mit entsprechenden \u00c4nderungen) in allen sozialdemokratischen Parteien der Welt, wo es \u00fcberhaupt eine Teilung in einen revolution\u00e4ren und einen opportunistischen Fl\u00fcgel gibt (und wo gibt es die nicht?), zu beobachten sind.\u201c Lenin: Ein Schritt vorw\u00e4rts, zwei Schritte zur\u00fcck, S. 401.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f42_text\">42<\/a>. Le Blanc: Lenin and the Revolutionary Party, S. 95, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f43_text\">43<\/a>. Hal Draper: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/draper\/1990\/myth\/myth.htm\">The Myth of Lenin\u2019s \u2018Concept of the Party\u2019 or What They Did to What Is to Be Done?<\/a>, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f44_text\">44<\/a>. Wie Lenin 1905 schrieb: \u201eDie Erfahrungen des Kampfes kl\u00e4ren rascher und gr\u00fcndlicher auf, als unter anderen Verh\u00e4ltnissen Jahre der Propaganda tun k\u00f6nnten.\u201c W.I. Lenin: <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/lenin\/1905\/wladimir-i-lenin-politischer-streik-und-strassenkampf-in-moskau\">Politischer Streik und Stra\u00dfenkampf in Moskau<\/a>, in: Ders.: Werke, Band 9, Dietz-Verlag, Berlin 1957, S. 345-353, hier S. 350.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f45_text\">45<\/a>. Nach der Revolution von 1905 blieb Lenin dabei, dass die kommende Revolution \u201enach dem Inhalt der vor sich gehenden sozial-\u00f6konomischen Umw\u00e4lzung\u201c b\u00fcrgerlich-demokratisch sein w\u00fcrde. Die Bourgeoisie sei unf\u00e4hig, diese b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, weil, so Lenin, ein v\u00f6lliger Sieg die Bourgeoisie in Gefahr br\u00e4chte. W.I. Lenin: Die Agrarfrage und die Kr\u00e4fte der Revolution, in: Ders.: Werke, Band 12, Dietz-Verlag, Berlin 1959, S. 329-333, hier S. 330f. Deshalb m\u00fcsse das Proletariat eine \u201erevolution\u00e4r-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft\u201c errichten, wie er im Sommer 1905 formulierte. Ders.: Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution, in: Ders.: Werke, Band 9, S. 1-130, hier S. 44. Er nahm damit eine Zwischenposition zwischen der Konzeption der Menschewiki und derjenigen Trotzkis, der seinerseits schon 1906 in \u201eErgebnisse und Perspektiven\u201c eine erste Version seiner Theorie der permanenten Revolution vertrat. Leo Trotzki: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/index.htm\">Ergebnisse und Perspektiven. Die treibenden Kr\u00e4fte der Revolution<\/a>. Erst Anfang 1917 und insbesondere in seinen \u201eAprilthesen\u201c bekr\u00e4ftigte Lenin, dass die Doppelherrschaft einen \u00dcbergang zwischen der ersten b\u00fcrgerlichen und der zweiten Etappe der Revolution markierte, widerspiegelt, \u201edie die Macht in die H\u00e4nde des Proletariats und der \u00e4rmsten Schichten der Bauernschaft legen mu\u00df.\u201c Fortan stimmte er mit den fr\u00fcheren Ansichten Trotzkis \u00fcberein. W.I. Lenin: \u00dcber die Aufgaben des Proletariats in der gegenw\u00e4rtigen Revolution, in: Ders.: Werke, Band 24, Dietz-Verlag, Berlin 1959, S. 1-8, hier S. 4.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f46_text\">46<\/a>. Der Dritte Kongress der SDAPR fand im April 1905 unter der alleinigen Teilnahme des bolschewistischen Fl\u00fcgels statt. Die Menschewiki versammelten sich im selben Jahr und nannten ihr Treffen eine Konferenz.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f47_text\">47<\/a>. W.I. Lenin: <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/lenin\/1905\/wladimir-i-lenin-die-revolution-lehrt\">Die Revolution lehrt<\/a>, in: Ders.: Werke, Band 9, S. 137-147, hier S. 139, Hervorhebung im Original.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f48_text\">48<\/a>. 1905 schrieb Lenin: \u201eDie Konferenz der sozialdemokratischen Parteien und Organisationen (SDAPR \u2014 ZK, \u201aBund\u2018, Lettische SDAP, Polnische SD und revolution\u00e4re Ukrainische Partei) hat hinsichtlich der Reichsduma einstimmig die Taktik des aktiven Boykotts gutgehei\u00dfen. [\u2026] Die Grundlage jener Taktik, die das ZK der SDAPR beschlo\u00df und die wir im \u201eProletari\u201c von Nr. 12 an, d. h. schon seit zweieinhalb Monaten, vertraten, ist jetzt zur Grundlage der Taktik fast der ganzen Sozialdemokratie in Ru\u00dfland geworden \u2014 mit einer einzigen traurigen Ausnahme. Diese Ausnahme bilden, wie der Leser wei\u00df, die \u201aIskra\u2018 und die \u201aMinderheit\u2018, die sich von der SDAPR abgespalten hat.\u201c W.I. Lenin: Die ersten Ergebnisse der politischen Gruppierung, in: Ders.: Werke, Band 9, S. 396-404, hier S. 396.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f49_text\">49<\/a>. Diese politische Unentschlossenheit best\u00e4tigte Lenin seine Ansicht, dass die Menschewiki der opportunistische Fl\u00fcgel der Sozialdemokratie seien.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f50_text\">50<\/a>. Lenin hob auch die Studierenden hervor. Er schrieb: \u201eDie radikale Studentenschaft, die in. Petersburg und in Moskau die Losungen der revolution\u00e4ren Sozialdemokratie aufgegriffen hat, ist die Avantgarde aller demokratischen Kr\u00e4fte\u201c. Er beschrieb sie als Teil der Kr\u00e4fte \u201edie die Niedertracht der in die Reichsduma gehenden \u201akonstitutionell-demokratischen\u2018 Reformer verabscheuen\u201c. Lenin: <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/lenin\/1905\/wladimir-i-lenin-politischer-streik-und-strassenkampf-in-moskau\">Politischer Streik und Stra\u00dfenkampf in Moskau<\/a>, S. 351.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f51_text\">51<\/a>. Trotzki, damals ein unabh\u00e4ngiger Menschewik, wurde w\u00e4hrend der Revolution von 1905 zum Pr\u00e4sident des Petersburger Sowjet gew\u00e4hlt.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f52_text\">52<\/a>. Brou\u00e9, Le parti bolchevique, S. 35, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f53_text\">53<\/a>. W.I. Lenin: Unsere Aufgaben und der Sowjet der Arbeiterdeputierten (Brief an die Redaktion), in: Ders.: Werke, Band 10, Dietz-Verlag, Berlin 1958, S. 1-12, hier S. 3, Hervorhebungen im Original. In Lenins Konzeption waren die Sowjets mit der Partei verbunden, um die Entwicklung des revolution\u00e4ren Prozesses voranzutreiben: \u201eDer Sowjet der Arbeiterdeputierten ging aus dem Generalstreik hervor, er entstand auf Grund des Streiks und f\u00fcr die Ziele des Streiks. [\u2026] Mir scheinen f\u00fcr die F\u00fchrung des politischen Kampfes gegenw\u00e4rtig sowohl der Sowjet (umgebildet in einer Richtung, \u00fcber die gleich gesprochen werden soll) als auch die Partei gleicherma\u00dfen unbedingt notwendig zu sein.\u201c Ebd., S. 4f. \u201eJe mehr sich die Volksbewegung ausbreitet, um so mehr offenbart sich die wahre Natur der verschiedenen Klassen, um so dringlicher wird die Aufgabe der <em>Partei<\/em>, die Klasse zu f\u00fchren, ihr Organisator zu sein, statt hinter den Ereignissen einherzutrotten. [\u2026] Je breiter die neuen, an Zahl st\u00e4ndig zunehmenden Str\u00f6me der gesellschaftlichen Bewegung werden, um so wichtiger wird eine starke sozialdemokratische Organisation, die es versteht, f\u00fcr diese Str\u00f6me ein neues Flu\u00dfbett zu schaffen.\u201c Ders.: Neue Aufgaben und neue Kr\u00e4fte, ebd., Band 8, S. 201-211, hier S. 206f., eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f54_text\">54<\/a>. Lenin: Unsere Aufgaben und der Sowjet der Arbeiterdeputierten, S. 7.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f55_text\">55<\/a>. Die legale Arbeit war noch f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit ein Ursprung von Debatten und Zwietracht in der russischen Sozialdemokratie.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f56_text\">56<\/a>. Lenin machte sich \u00fcber jene lustig, die Formeln auswendig gelernt hatten, um sie andauernd zu wiederholen.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f57_text\">57<\/a>. Den bolschewistischen Kadern, die \u00fcber die \u00d6ffnung der Tore der Partei besorgt waren, antwortete Lenin: \u201eNein, Genossen, wir wollen diese Gefahr nicht \u00fcbertreiben. Die Sozialdemokratie hat sich einen Namen gemacht, hat eine Richtung geschaffen, hat Kader proletarischer Sozialdemokraten geschaffen. Und im gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt, da das heroische Proletariat seine Kampfbereitschaft und seine F\u00e4higkeit, solidarisch und standhaft f\u00fcr klar erkannte Ziele zu k\u00e4mpfen, in rein sozialdemokratischem Geist zu k\u00e4mpfen, durch die Tat bewiesen hat \u2013 in einem solchen Zeitpunkt w\u00e4re es direkt l\u00e4cherlich; daran zu zweifeln, da\u00df die Arbeiter, die unserer Partei angeh\u00f6ren oder die morgen, der Aufforderung des ZK folgend, in sie eintreten werden, in 99 von 100 F\u00e4llen Sozialdemokraten sind. Die Arbeiterklasse ist instinktiv und spontan sozialdemokratisch, und die mehr als zehnj\u00e4hrige Arbeit der Sozialdemokratie hat schon sehr, sehr viel dazu beigetragen, diese spontane in eine bewu\u00dfte Einstellung zu verwandeln. Malt keine Schreckbilder an die Wand, Genossen! Verge\u00dft nicht, da\u00df es in jeder lebendigen und sich entwickelnden Partei stets unbest\u00e4ndige, wankelm\u00fctige und schwankende Elemente geben wird. Aber diese Elemente lassen sich von dem erprobten und fest zusammengeschwei\u00dften sozialdemokratischen Kern beeinflussen und werden sich weiterhin von ihm beeinflussen lassen.\u201c Lenin: \u00dcber die Reorganisation der Partei, S. 16.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f58_text\">58<\/a>. Ebd., S. 13.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f59_text\">59<\/a>. Ders.: Freiheit der Kritik und Einheit der Aktionen, in: Ders.: Werke, Band 10, S. 446-448, hier S. 447.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f60_text\">60<\/a>. W.I. Lenin: Die Lehren des Moskauer Aufstands, in: Ders.: Werke, Band 11, Dietz-Verlag, Berlin 1958, S. 157-165, hier S. 159.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f61_text\">61<\/a>. Georg Luk\u00e1cs: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lukacs\/1924\/lenin\/kap3.htm\"> Studie \u00fcber den Zusammenhang seiner Gedanken<\/a>, Arbeiterbuchhandlung, Wien 1924, Hervorhebung im Original.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f62_text\">62<\/a>. 1906 schrieb Lenin: \u201eUnser rechter Fl\u00fcgel glaubt nicht an einen vollen Sieg der gegenw\u00e4rtigen, d. h. der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution in Ru\u00dfland, er f\u00fcrchtet diesen Sieg und stellt die Losung dieses Sieges nicht entschieden und eindeutig vor dem Volke auf. Er irrt st\u00e4ndig zu dem grundfalschen und den Marxismus verflchenden Gedanken ab, da\u00df nur die Bourgeoisie die b\u00fcrgerliche Revolution selbst\u00e4ndig \u201amachen\u2018 k\u00f6nne oder da\u00df nur die Bourgeoisie berufen sei, die b\u00fcrgerliche Revolution- zu f\u00fchren. Die Rolle des Proletariats als des Vork\u00e4mpfers f\u00fcr einen vollen und entscheidenden Sieg der b\u00fcrgerlichen Revolution ist dem rechten Fl\u00fcgel der Sozialdemokratie nicht klar. [\u2026] Daher auch die (milde ausgedr\u00fcckt) skeptische Haltung unserer Sozialdemokraten des rechten Fl\u00fcgels zum Aufstand, daher das Bestreben, die Erfahrungen des Oktober und Dezember, die damals herausgebildeten Kampfformen mit einer Handbewegung abzutun. Daher ihre Unentschlossenheit und Passivit\u00e4t im Kampf gegen die konstitutionellen Illusionen \u2013 ein Kampf, den jede wirklich revolution\u00e4re Situation in den Vordergrund r\u00fcckt.\u201c W.I. Lenin: Bericht \u00fcber den Vereinigungsparteitag der SDAPR (Brief an die Petersburger Arbeiter), in: Ders.: Werke, Band 10, S. 317-386, hier S. 391f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f63_text\">63<\/a>. Ebd., S. 383f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f64_text\">64<\/a>. Lenins regelrechte Besessenheit, die Partei auf revolution\u00e4re Gelegenheiten vorzubereiten, hebt sich mit der deterministischen\/naturalistischen Interpretation des Marxismus in der Zweiten Internationale und insbesondere bei Kautsky. Dieser schrieb bekannterma\u00dfen: \u201eDie Sozialdemokratie ist eine revolution\u00e4re, nicht aber eine Revolutionen machende Partei. Wir wissen, dass unsere Ziele nur durch eine Revolution erreicht werden k\u00f6nnen, wir wissen aber auch, dass es ebensowenig in unserer Macht steht, diese Revolution zu machen, als in der unserer Gegner, sie zu verhindern. Es f\u00e4llt uns daher auch gar nicht ein, eine Revolution anstiften oder vorbereiten zu wollen. Und da die Revolution nicht von uns willk\u00fcrlich gemacht werden kann, k\u00f6nnen wir auch nicht das Mindeste dar\u00fcber sagen, wann, unter welchen Bedingungen und in welchen Formen sie eintreten wird.\u201c Karl Kautsky: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/kautsky\/1909\/macht\/5-weder.htm\">Der Weg zur Macht<\/a>, Vorw\u00e4rts, Berlin 1909, S. 44.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f65_text\">65<\/a>. W.I. Lenin: Die Lehren der Moskauer Ereignisse, in: Ders.: Werke, Band 9, S. 375-384, hier S. 384.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f66_text\">66<\/a>. Brou\u00e9: Le parti bolchevique, S. 37, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f67_text\">67<\/a>. W.I. Lenin: Zur Einheit, in: Ders.: Werke, Band 16, Dietz Verlag, Berlin 1962, S. 141-150, hier S. 142.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f68_text\">68<\/a>. Ders.: Notizen eines Publizisten, in: Ebd., S. 193-261, hier S. 214.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f69_text\">69<\/a>. Ebd., S. 210-213.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f70_text\">70<\/a>. Ebd., S. 214.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f71_text\">71<\/a>. Le Blanc: Lenin and the Revolutionary Party, S. 168, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f72_text\">72<\/a>. Siehe Alexander Rabinowitch: Prelude to Revolution. The Petrograd Bolsheviks and the July 1917 Uprising, Indiana University Press, Bloomington 1968 [Neuauflage 1991]; Brou\u00e9: Le parti bolchevique; E. H. Carr: A History of Soviet Russia, Band 1: The Bolshevik Revolution, 1917-1923, Macmillan Press, London 1950.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f73_text\">73<\/a>. W.I. Lenin: Briefe aus der Ferne, in: Ders.: Werke, Band 23, Dietz-Verlag, Berlin 1957, S. 309-357.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f74_text\">74<\/a>. zit. nach Nicolas Soukhanov: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/francais\/general\/soukhanov\/arrivee.pdf\">La R\u00e9volution russe<\/a>, \u00c9ditions Stock, Paris 1965, S. 156-172, eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f75_text\">75<\/a>. Lenin: \u00dcber die Aufgaben des Proletariats in der gegenw\u00e4rtigen Revolution, siehe Fu\u00dfnote 45.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f76_text\">76<\/a>. Ebd., S. 5.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f77_text\">77<\/a>. Siehe Trotzki: Geschichte der Russischen Revolution.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f78_text\">78<\/a>. Es waren daran aber auch weitere bolschewistische F\u00fchrungsfiguren ersten Ranges beteiligt: Moissei Urizki, Adolf Joffe, Anatoli Lunatscharski und Dawid Rjasanow.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f79_text\">79<\/a>. W.I. Lenin: Das Verh\u00e4ltnis der Sozialdemokratie zur Bauernbewegung, in: Ders.: Werke, Band 9, S. 225-234, hier S. 232.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f80_text\">80<\/a>. Wie Trotzki in \u201eGeschichte der Russischen Revolution\u201c schrieb: \u201eNur auf Grund des Studiums der politischen Prozesse in den Massen selbst kann man die Rolle der Parteien und F\u00fchrer begreifen, die zu ignorieren wir am allerwenigsten geneigt sind. Sie bilden, wenn auch kein selbst\u00e4ndiges, so doch ein sehr wichtiges Element des Prozesses. Ohne eine leitende Organisation w\u00fcrde die Energie der Massen verfliegen wie Dampf, der nicht in einem Kolbenzylinder eingeschlossen ist. Die Bewegung erzeugt indes weder der Zylinder noch der Kolben, sondern der Dampf.\u201c<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f81_text\">81<\/a>. Liebman: Leninism under Lenin, S. 147.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f82_text\">82<\/a>. Bensa\u00efd: Strat\u00e9gie et parti.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f83_text\">83<\/a>. W.I. Lenin: Der Zusammenbruch der II. Internationale, in: Ders.: Werke, Band 21, Dietz-Verlag, Berlin 1960, S. 197-256, hier S. 200.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f84_text\">84<\/a>. Siehe hierzu Emilio Albamonte und Mat\u00edas Maiello: Estrategia socialista y arte militar, Ediciones IPS, Buenos Aires 2017; auch Stathis Kouvelakis: Lenin as Reader of Hegel. Hypotheses for a Reading of Lenin\u2019s Notebooks on Hegel\u2019s <em>The Science of Logic<\/em>, in: Sebastian Budgen, Stathis Kouvelakis und Slavoj \u017di\u017eek (Hg.): Lenin Reloaded. Toward a Politic of Truth, Duke University Press, Durham, NC 2007, S. 164.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f85_text\">85<\/a>. W.I. Lenin: Der tote Chauvinismus und der lebendige Sozialismus (Wie soll die Internationale wiederhergestellt werden?), in: Ders.: Werke, Band 21, S. 83-90, hier. S. 87f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f86_text\">86<\/a>. Ders.: Vorwort zum Sammelband \u201e12 Jahre\u201c, in: Ders.: Werke, Band 13, Dietz-Verlag, Berlin 1963, S. 86-105.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f87_text\">87<\/a>. Ders.: Der Zusammenbruch der II. Internationale, S. 253.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f88_text\">88<\/a>. Ebd.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f89_text\">89<\/a>. Ebd.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f90_text\">90<\/a>. Ders.: Der Krieg und die russische Sozialdemokratie, in: Ders.: Werke, Band 21, S. 11-21, hier S. 17.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f91_text\">91<\/a>. Zur Vertiefung dieser Fragen siehe insbesondere Karl Korsch: <a href=\"https:\/\/bibliothequedumarxisme.files.wordpress.com\/2017\/10\/karl_korsch_-_marxismus_und_philosophie.pdf\">Der gegenw\u00e4rtige Stand des Problems \u201eMarxismus und Philosophie\u201c. Zugleich eine Antikritik<\/a>, Leipzig 1930, Luk\u00e1cs: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lukacs\/1924\/lenin\/kap3.htm\"> Studie \u00fcber den Zusammenhang seiner Gedanken<\/a>, Ders.: Geschichte und Klassenbewu\u00dftsein. Studien \u00fcber marxistische Dialektik, Malik-Verlag, Berlin 1923 sowie die Ausarbeitungen Antonio Gramscis.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f92_text\">92<\/a>. Kautsky: Der Weg zur Macht, S. 44.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f93_text\">93<\/a>. Unter anderem um diesen Begriff drehte sich eine Polemik zwischen Karl Kautsky und Anton Pannekoek, die von 1911 bis 1913 in den Spalten der <em>Neuen Zeit <\/em>ausgetragen wurde. Daraus u.a.: Karl Kautsky: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/kautsky\/1912\/xx\/taktik.htm#top\">Die neue Taktik<\/a>, in: Die Neue Zeit 30\/1 (1912), S. 654-664, 688-698 und 723-733; Anton Pannekoek: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/pannekoek\/1913\/xx\/taktik\/index.htm\">Marxistische Theorie und revolution\u00e4re Taktik<\/a>, in: Die Neue Zeit 31\/1 (1913), S. 272-281, 365-373 und 611-612.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f94_text\">94<\/a>. Walter Benjamin: <a href=\"https:\/\/www.textlog.de\/benjamin\/abhandlungen\/ueber-den-begriff-der-geschichte\">\u00dcber den Begriff der Geschichte<\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f95_text\">95<\/a>. Siehe W.I. Lenin: Staat und Revolution, in: Ders.: Werke, Band 25, S. 393-507 und Ders.: Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, in: ebd., Band 28, S. 225-327.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/#f96_text\">96<\/a>. Lars T. Lih: <a href=\"https:\/\/www.historicalmaterialism.org\/journal\/online-articles\/kautsky-as-marxist-data-base\/Kautsky%20Post-1914%20Data%20Base.pdf\">\u201eKautsky as Marxist\u201c Data Base<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-leninistische-konzeption-der-partei\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. Juni 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marina Garrisi. Im Werk Lenins ist die Parteifrage entscheidend \u2013 und ebenso schwierig zu entr\u00e4tseln. Um die Parteifrage im Werk Lenins wieder aufzugreifen, gilt es, sich mit mindestens zwei interpretativen Schemata auseinanderzusetzen. 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