{"id":13273,"date":"2023-06-29T11:19:38","date_gmt":"2023-06-29T09:19:38","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13273"},"modified":"2023-06-29T11:19:39","modified_gmt":"2023-06-29T09:19:39","slug":"wie-sich-eine-neue-klasse-mit-moral-tarnt-und-die-solidaritaet-verraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13273","title":{"rendered":"<strong>Wie sich eine neue Klasse mit Moral tarnt und die Solidarit\u00e4t verr\u00e4t<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die deutschen Eliten m\u00f6gen weltoffen sein, aber sie machen sich offen \u00fcber die deutsche Arbeiterklasse lustig und schauen auf sie herab.<\/strong><\/p>\n<p><em>Tugendhaft im Dienst des Neoliberalismus: Gleicherma\u00dfen scharf wie analytisch brillant zeigt Catherine Liu in ihrem vieldiskutierten Bestseller, der nun auf Deutsch unter<\/em><!--more--> <em>dem Titel <\/em><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/die-tugendpaechter.html\"><em>\u00bbDie Tugendp\u00e4chter\u00ab<\/em><\/a><em> erscheint, wie die sogenannte \u00bbProfessional Managerial Class\u00ab (PMC), die linksliberale Mittelklasse der USA, fest im Dienst des Neoliberalismus steht. War sie in den 1970er Jahren noch getragen von den kreativen Freiheitsidealen der Hippies, hat sich die PMC sukzessive mit der Ideologie der Yuppies arrangiert und ist heute die wichtigste St\u00fctze f\u00fcr einen sich progressiv w\u00e4hnenden, globalisierten Kapitalismus. Lius linke (Selbst-)Kritik der Linken l\u00e4sst sich nicht nur ohne Umwege auf die urbanen Mittelklassen Europas \u00fcbertragen, sondern sie formuliert auch eine Hoffnung: Dass die PMC die universellen Prinzipien von Gerechtigkeit, W\u00fcrde, Emanzipation und Solidarit\u00e4t wiederentdeckt und einfordert.<\/em><\/p>\n<p>Als ich in den 1990er Jahren durchs Rheinland reiste, sah ich einmal ein bescheiden aussehendes Kleidergesch\u00e4ft f\u00fcr Frauen einer gewissen Altersgruppe, welches \u00bbKetch\u2019up\u00ab hie\u00df. Es war sonderbar, ein Modegesch\u00e4ft mit ordentlichen Schuhen und Blumenkleidern zu sehen, das nach einer US-amerikanischen Tomatensauce benannt war, die daf\u00fcr bekannt ist, schwer auswaschbare Flecken auf pastellfarbenen Blusen zu hinterlassen. Durch das Hinzuf\u00fcgen des Apostrophs und dadurch, dass \u00bbKetch\u00ab und \u00bbup\u00ab getrennt geschrieben wurden, verwandelte der Besitzer des Gesch\u00e4fts die Tomatensauce in ein trennbares Verb, wie es im Deutschen \u00fcblich ist.<\/p>\n<p>\u00bbKetch\u2019up\u00ab ist eine Version von \u00bbcatch up\u00ab, einem Spiel, das sich Deutschland gezwungen sah zu spielen, um mit den fortgeschrittensten kapitalistischen Systemen Schritt halten zu k\u00f6nnen. Max Weber, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Siegfried \u00adKracauer zufolge hat sich das deutschsprachige Volk schwer\u00adgetan, das protestantische Ethos mit seiner eifrigen Rationalisierung der Produktionskr\u00e4fte anzunehmen. Horkheimer und Adorno hielten Nationalsozialismus wie Antisemitismus f\u00fcr Reaktionen der Deutschen auf die von der Moderne und dem Kapitalismus geforderte Rationalisierung des Alltags.<\/p>\n<p><strong>PMC verdr\u00e4ngt Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe \u00bbDie Tugendp\u00e4chter\u00ab w\u00e4hrend der Tumulte um die Trump-Pr\u00e4sidentschaft geschrieben: In den Vereinigten Staaten spielte sich ein politisches Drama ab, inklusive eines erbitterten Kampfes zwischen einer technokratischen Klasse von angeblich Liberalen und einem w\u00fctenden Zusammenschluss all jener, die sich gegen alle demokratischen Normen auflehnten. Die amerikanische Rechte hie\u00df Irrationalit\u00e4t als eine Form der politischen Agitation und Mobilisierung willkommen und lie\u00df sie nicht mehr los. F\u00fcr diejenigen von uns, die die Kandidatur von Bernie Sanders 2016 und 2020 unterst\u00fctzten, war es offensichtlich, dass der sorgf\u00e4ltig inszenierte kulturelle Liberalismus der Technokraten und der \u00bbProfessional Managerial Class\u00ab, deutsch: \u00bbProfessionelle Managerklasse\u00ab, kurz \u00bbPMC\u00ab die wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen verhindern wollte, die notwendig gewesen w\u00e4ren, um den amerikanischen Liberalismus von seiner elit\u00e4ren, identit\u00e4tsbesessenen Politik und der rechtsextremen Ablehnung demokratischer Normen zu retten.<\/p>\n<p>Die Vorherrschaft der US-amerikanischen PMC verschleiert ihre Allgegenw\u00e4rtigkeit. Der Begriff \u00bbProfessional Managerial Class\u00ab wurde 1977 von Barbara und John Ehrenreich gepr\u00e4gt, um ein neues Segment zu beschreiben, das im klassischen marxistischen Denken als \u00bbKleinb\u00fcrgertum\u00ab bezeichnet wurde. Diese Klasse besteht aus beruflich qualifizierten Angestellten, die keine Rentiers oder Kapitalisten sind\u00a0\u2013 sie m\u00fcssen arbeiten, also ihre Arbeitskraft verkaufen, aber sie unterscheiden sich sehr von der Arbeiterklasse, deren K\u00f6rper w\u00e4hrend des Arbeitstages Schaden nimmt. Sie sind Fachleute, weil sie eine spezielle Ausbildung in Bereichen absolvieren m\u00fcssen, die von Berufsverb\u00e4nden geregelt werden. Sie sind insofern Manager, als sie die in der Arbeitshierarchie unter ihnen stehenden Personen motivieren und f\u00fchren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Klasse in den Vereinigten Staaten immer st\u00e4rker, da die Wirtschaft immer komplexer wurde. Professionelle Eliten gewannen an Macht durch den Ausbau der Universit\u00e4ten wie durch den Sicherheitsstaat des Kalten Krieges. Zu Beginn des 20.\u2005Jahrhunderts machte diese Klasse nur einen kleinen Teil der US-amerikanischen Erwerbsbev\u00f6lkerung aus. Heute machen Angestellte und Fachkr\u00e4fte etwa ein Viertel der US-amerikanischen Erwerbsbev\u00f6lkerung aus. Die Ehrenreichs wiesen 1977 darauf hin, dass die Werte und Weltanschauungen der PMC zunehmend die Politik des linken Fl\u00fcgels dominieren und die Priorit\u00e4ten der Arbeiterklasse in der Demokratischen Partei verdr\u00e4ngen. Obwohl es sich bei ihnen um Arbeiter handelt und einige j\u00fcngere Kritiker der PMC-These sagen, dass sie ein Teil der Arbeiterklasse sind\u00a0\u2013 was im technischen Sinne stimmt\u00a0\u2013, sind sie in einzigartiger Weise unf\u00e4hig, sich mit den K\u00e4mpfen der Mehrheit der Menschen in der ganzen Welt zu solidarisieren.<\/p>\n<p><strong>Krakauers \u00bbDie Angestellten\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Diese Klasse exportiert ihre Vision der Welt mithilfe der US-amerikanischen Kulturindustrie und offenbart sich dabei als grausamer Besch\u00fctzer ihrer eigenen materiellen Interessen\u00a0\u2013 und zwar gegen\u00fcber der Arbeiterklasse und den Nicht-Hochschulabsolventen, die deren Sprache des Fortschritts, ihre \u00bbHilfe\u00ab oder ihre leere Empathie nicht akzeptieren. Die liberale PMC-Elite betrachtet die Arbeiterklasse als hoffnungslos r\u00fcckst\u00e4ndig und reaktion\u00e4r und sch\u00fcttelt entsetzt den Kopf, wenn die Massen nicht \u00bbaufholen\u00ab\u2013 Ketch\u2019up\u00a0\u2013 wollen. Meine Analyse dieser Klasse verdankt Kracauer sehr viel. Im Berlin der 1920er Jahre machte er sich daran, eine neue Klasse von Deutschen zu erforschen: Angestellte in gro\u00dfen Unternehmen.<\/p>\n<p>Diese neuen Arbeiter waren angetrieben von Anspr\u00fcchen und \u00c4ngsten, die vollst\u00e4ndig bestimmt waren durch den Druck, innerhalb der kapitalistischen Unternehmen zu \u00fcberleben, die Verlockungen der st\u00e4dtischen Kulturindustrie und die nackte Angst vor der Arbeitslosigkeit. In \u00bbDie Angestellten\u00ab (1930) beschreibt Kracauer die K\u00e4mpfe der Arbeiter als mangelhafte Versuche, in einer zunehmend rationalisierten Welt Gl\u00fcck und W\u00fcrde zu finden. Seiner Ansicht nach versuchten die Angestellten verzweifelt, sich vom Proletariat zu unterscheiden. Sie litten unter dem eisernen Joch der Arbeitsdisziplin, die durch B\u00fcrokratie und Standardisierung gepr\u00e4gt war. Kracauers soziologische Analyse der Arbeiter in Berlin hatte einen starken Einfluss auf die Arbeit von C. Wright Mills, seinem Kollegen an der Columbia University. Mills wiederum spielte eine entscheidende Rolle f\u00fcr John und Barbara Ehrenreichs Formulierung der PMC, von der \u00bbDie Tugendp\u00e4chter\u00ab das kritische Konzept der Klassenpolitik nach 1968 \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>In \u00bbDie Angestellten\u00ab finden wir anschaulich gezeichnete Portr\u00e4ts von Verk\u00e4ufern und B\u00fcroangestellten: Kracauer sympathisiert hier mit den Gespr\u00e4chstaktiken einer \u00bbkleinb\u00fcrgerlichen Sekret\u00e4rin [\u2026], die dadurch einige Versiertheit vorzut\u00e4uschen sucht, da\u00df sie immer ein \u203aWell\u2039 in ihre Rede einflicht\u00ab. Sie hat geh\u00f6rt, wie erfolgreiche Leute den englischen Ausdruck verwenden, und kopiert deren Sprechweise: Ihr \u00bbbescheidener Posten\u00ab zwingt sie jedoch dazu, \u00bbihre Natur aus[zu]treiben\u00ab. Als Gegensatz zu dieser Frau beschreibt Kracauer einen \u00e4u\u00dferst charmanten Zigarettenverk\u00e4ufer aus der Arbeiterklasse. Er ist ein Naturtalent in seinem Beruf. Er ist entspannt im Umgang mit Menschen aller Klassen: Nach ein paar Drinks l\u00e4sst er alle in der von ihm besuchten Arbeiterkneipe an seinem Gesang teilhaben, von Lohengrin bis La Traviata. In diesen Momenten erh\u00e4lt jeder, der ihm zuh\u00f6rt, einen Einblick in \u00bbein sch\u00f6nere[s] Leben\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Die PMC-Deutschen machen sich \u00fcber die Arbeiterklasse lustig<\/strong><\/p>\n<p>Das neue Berlin des wiedervereinigten Deutschlands entledigt sich in aller Stille solcher Arbeiterkneipen. Es ist eine globale Stadt, eine der Start-ups, Streber und Hipster. In diesem neuen Deutschland f\u00fchlen sich die Angestelltenklassen mehr oder weniger vollkommen heimisch in einem englischsprachigen Milieu. Die milliardenschweren Samwer-Br\u00fcder, Gr\u00fcnder von Rocket Internet, Deutschlands erfolgreichstem und umstrittenstem Start-up-Inkubator, haben die neueste Phase der Nachahmung des US-amerikanischen Kapitalismus durch die deutsche PMC eingeleitet. Trotz der Kontroverse und Kritik an ihren nachgeahmten Start-up-Unternehmen (die deutschen Firmen Alando, Zalando und Wimdu sind jeweils Ebay, Zappos und Airbnb nachempfunden), konnten die Br\u00fcder ein Verm\u00f6gen anh\u00e4ufen, dem keine noch so scharfe Kritik an ihrer vermeintlichen Originalit\u00e4t etwas anhaben kann.<\/p>\n<p>Sie gingen in den 1990er Jahren in die USA, machten Praktika im Silicon Valley und an der Wall Street und kehrten nach Deutschland zur\u00fcck, um deutsche Versionen US-amerikanischer Unternehmen zu gr\u00fcnden. Die US-Firmen kauften dann wiederum die Klonfirmen auf und die Br\u00fcder wurden reich dabei. Im Gegensatz zu den deutschen Kapitalisten des vorigen Jahrhunderts, die ihren Reichtum in der Schwerindustrie und im Bergbau erwirtschaftet hatten, entsprachen die Samwers dem Profil der informationsbasierten, kosmopolitischen Eliten der PMC. Die Hardware, von der ihre Anwendungen abh\u00e4ngen, wird in den USA entwickelt und in Asien hergestellt. Die Software, die sie entwickelt haben, basiert auf US-amerikanischen Codes. Ihre Investoren kommen aus Japan, Singapur und China.<\/p>\n<p>Die deutschen Eliten m\u00f6gen weltoffen sein, aber die PMC-Deutschen machen sich offen \u00fcber die deutsche Arbeiterklasse lustig und schauen auf sie herab. Denken Sie an das Schicksal der deutschen Kevins (und ihrer weiblichen Gegenst\u00fccke, der Chantals). Deutsche aus der Arbeiterklasse, die ihren Kindern \u00bbexotische\u00ab englische und franz\u00f6sische Namen gaben, haben das kulturelle Ph\u00e4nomen des \u00bbKevinismus\u00ab hervorgebracht. Sprachwissenschaftler m\u00f6gen sich \u00fcber die empirischen Auswirkungen der Vorurteile gegen\u00fcber deutschen Kevins nicht einig sein, aber der Name und seine Tr\u00e4ger rufen eine unangenehme klassenbezogene Verachtung hervor. [\u2026]<\/p>\n<p>In einer aufschlussreichen Szene in der deutschen Erfolgsserie \u00bb4 Blocks\u00ab (2017\u20132019) \u00fcber den Berliner Stadtteil Neuk\u00f6lln verliert Abbas Hamady, ein Mitglied des kriminellen Hamady-Clans, die Beherrschung, als er in einem neuen Caf\u00e9 in der Nachbarschaft mit einem englischsprachigen Barista konfrontiert wird. Um die Spannungen der Gentrifizierung in Berlin zu dramatisieren, attackiert Hamady, gespielt von dem Rapper Veysel Gelin, den US-amerikanischen Caf\u00e9-Besitzer, der ihn l\u00e4ssig auf Englisch gr\u00fc\u00dft. \u00bbSprich Deutsch!!!\u00ab, schreit Abbas. Die Hamadys m\u00f6gen in den vier Blocks von Neuk\u00f6lln wie K\u00f6nige herrschen, aber sobald sie ihre Enklave verlassen, sind sie der Polizei, anderen Gangs und dem deutschen Rassismus ausgeliefert. Sie haben zwar Geld, aber keine deutschen P\u00e4sse. Sie k\u00f6nnen nicht an der erleichterten Mobilit\u00e4t partizipieren, die den Menschen durch die Globalisierung garantiert werden soll. In \u00bb4 Blocks\u00ab ist es der Einwanderer, der die deutsche Sprache verteidigt und am lautesten gegen die Umwandlung seines Arbeiterviertels in den komfortablen Satellitencampus eines US-amerikanischen Auslandsstudiums protestiert.<\/p>\n<p><strong>Deutsche Hochschulen: Ein semifeudales Belohnungssystem<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist niedrig, aber eine wachsende Zahl deutscher Arbeitnehmer ist in \u00bbatypischen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen\u00ab t\u00e4tig oder hat einen Teilzeitjob, eine freiberufliche T\u00e4tigkeit, einen Niedriglohnjob oder einen Job ohne jegliche Sozialleistungen. Im Jahr 2019 kontrollierten die reichsten 10\u00a0Prozent der deutschen Haushalte 65\u00a0Prozent des deutschen Verm\u00f6gens, w\u00e4hrend es im Jahr 1970 noch 44\u00a0Prozent waren. Die wachsende Ungleichheit ist ein weiterer Bereich, in dem Deutschland die Vereinigten Staaten nachahmt. Allerdings ist die deutsche Hochschulbesuchsquote eine der h\u00f6chsten unter den OECD-L\u00e4ndern. Mit ihren soliden Berufsausbildungen sollten die deutschen technischen Universit\u00e4ten die Industrie mit gut ausgebildeten Arbeitskr\u00e4ften versorgen. In den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften \u00fcbernehmen die deutschen Universit\u00e4ten jedoch zunehmend US-amerikanische und anglophone Vorlieben. In den B\u00fcros eines universit\u00e4ren Forschungsinstituts im ehemaligen Osten sah ich ein Paar Toiletten, auf denen Regenb\u00f6gen pupsende Einh\u00f6rner abgebildet waren, die f\u00fcr die Genderneutralit\u00e4t innerhalb der Einrichtungen warben. Die Samwers und ihresgleichen sind auch auf der Suche nach Einh\u00f6rnern, aber solchen, die Str\u00f6me von Gold anstatt Regenb\u00f6gen produzieren. Es war \u00fcberraschend, diese Toilettenaufkleber in einer Gegend zu sehen, in der Salzproduktion und Tourismus die Entv\u00f6lkerung kaum aufzuhalten imstande sind.<\/p>\n<p>Aus der Sicht einer Au\u00dfenstehenden leidet die deutsche geistes- und sozialwissenschaftliche Hochschulforschung unter einem semifeudalen Belohnungssystem, das einigen wenigen m\u00e4chtigen Professoren die M\u00f6glichkeit gibt, \u00fcber die Forschungskarriere von Doktoranden zu entscheiden. Der Versuch, US-amerikanische Rankingsysteme zu imitieren, hat der Regierung einen Vorwand geliefert, um die\u00a0 Budgets von Einrichtungen zu k\u00fcrzen, die mit den neuen Exzellenzstandards nicht mithalten k\u00f6nnen. Ein h\u00f6heres Wettbewerbsniveau f\u00fchrt nicht zu besseren Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr junge Wissenschaftler, die ihren Lebensunterhalt bis weit in ihre vierziger und f\u00fcnfziger Jahre hinein mit einer Reihe von befristeten Stellen bestreiten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn deutsche Universit\u00e4ten einfach die kulturellen und politischen Strategien ihrer US-amerikanischen Pendants kopieren, indem sie sich als Boutique-Trainingsgel\u00e4nde f\u00fcr die Start-up-Kultur und\/oder den Identit\u00e4tspluralismus der amerikanischen PMC anbieten, dann wird es Deutschland tats\u00e4chlich gelingen, sich in einen f\u00fcgsamen 51. Staat der USA zu verwandeln, entzweit durch eine Politik des Pseudo-Fortschritts, die die brutalen wirtschaftlichen und sozialen Realit\u00e4ten verschleiert. Parteien wie die AfD k\u00f6nnten nicht gedeihen, wenn es keine abgehobene deutsche PMC g\u00e4be, die sich US-amerikanische Streamingdienste ansieht, vom n\u00e4chsten Einhorn tr\u00e4umt, zudem bereit ist, den US-Imperialismus im In- und Ausland zu unterst\u00fctzen und die Sorgen der Arbeiterklasse zu ignorieren oder gar zu verachten. \u00bbKevinismus\u00ab ist eine relativ harmlose und sozial stigmatisierte Form kultureller Nachahmung: Die PMC-Liebe der Vereinigten Staaten ist sehr viel gef\u00e4hrlicher\u00a0\u2013 sowohl f\u00fcr die Deutschen als auch f\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n<p><em>Catherine Liu besuchte k\u00fcrzlich den Westend Verlag. Marvin Baudisch hat mit ihr gesprochen. <\/em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4g2ulbR9F8w\"><em>Hier zu sehen.<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>#Titelbild: : <\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Christopher_Street_Day_Karlsruhe_03_June_2023_-_040.jpg\"><em>Markus M\u00fcller<\/em><\/a><em>, CC0, via Wikimedia Commons <\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/buchempfehlungen\/wie-sich-eine-neue-klasse-mit-moral-tarnt-und-solidaritaet-verraet\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 29. Juni 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Eliten m\u00f6gen weltoffen sein, aber sie machen sich offen \u00fcber die deutsche Arbeiterklasse lustig und schauen auf sie herab.<br \/>\nTugendhaft im Dienst des Neoliberalismus: Gleicherma\u00dfen scharf wie analytisch brillant zeigt Catherine Liu in ihrem &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13274,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7,3],"tags":[87,39,139,45,22,46],"class_list":["post-13273","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-international","category-schweiz","tag-arbeitswelt","tag-deutschland","tag-gruene","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13273"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13275,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13273\/revisions\/13275"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}