{"id":1336,"date":"2016-07-13T15:00:56","date_gmt":"2016-07-13T13:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1336"},"modified":"2018-01-19T19:22:23","modified_gmt":"2018-01-19T17:22:23","slug":"fluechtlinge-als-konkurrenz-am-arbeitsmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1336","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge als \u201eKonkurrenz am Arbeitsmarkt\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Das neue Integrationsgesetz schafft 1-Euro-Jobs f\u00fcr Gefl\u00fcchtete. Interview mit Annelie Buntenbach, Mitglied des Bundesvorstands des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), \u00fcber den Sinn und die Problematik des Programms.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Frau Buntenbach, die Bundesregierung will <\/strong><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Integrationsgesetz-beschlossen\/!5320396\/\"><strong>100.000 1-Euro-Jobs f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge schaffen<\/strong><\/a><strong>. Ist das jetzt die Mindestlohn-Ausnahme durch die Hintert\u00fcr? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Annelie Buntenbach:<\/strong> Das nicht, aber trotzdem halten wir dieses Programm f\u00fcr hoch problematisch. Stundenweise ausge\u00fcbte Ein-Euro-Jobs in Aufnahmeeinrichtungen k\u00f6nnen allenfalls in der Anfangsphase sinnvoll sein. Aber das Programm bietet auch Privatunternehmen, die in den Einrichtungen t\u00e4tig sind, die M\u00f6glichkeit, auf diese Form von Besch\u00e4ftigung zuzugreifen. Das kann schnell auch zu Konkurrenz am lokalen Arbeitsmarkt f\u00fchren. Wenn man so etwas \u00fcberhaupt macht, sollten wenigstens die Verwaltungsaussch\u00fcsse, die Sozialpartner vor Ort, einbezogen werden.<\/p>\n<p>Ein-Euro-Jobs f\u00fchren in aller Regel nicht in den ersten Arbeitsmarkt, sondern sind eine Sackgasse. F\u00fcr eine stabile Integration in den Arbeitsmarkt braucht es regul\u00e4re Arbeitspl\u00e4tze und ausreichende Qualifizierungsm\u00f6glichkeiten, auch parallel zu einer Teilzeitbesch\u00e4ftigung. Doch daf\u00fcr stellt die Bundesregierung immer noch nicht genug Geld zur Verf\u00fcgung. Gerade im Hartz-IV-System sind die Mittel f\u00fcr Arbeitsmarktf\u00f6rderung in den letzten Jahren viel zu sehr runtergefahren worden.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet das f\u00fcr GeringverdienerInnen insgesamt? Best\u00e4tigt das die, die Fl\u00fcchtlinge als Gefahr f\u00fcr einheimische Besch\u00e4ftigte darstellen, wenn AsylbewerberInnen jetzt doch offiziell zu Billigarbeitskr\u00e4ften gemacht werden? <\/strong><\/p>\n<p>Dass die Ein-Euro-Jobs f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge nur 80 Cent wert sind, weil bei ihnen ein geringerer Aufwand unterstellt wird, ist ein fatales Signal. Auch Gefl\u00fcchtete brauchen zum Beispiel Arbeitskleidung und haben keinen geringeren Aufwand als andere Menschen. Hier und erst recht bei Mindestlohn und Tarifvertr\u00e4gen muss gelten: Anerkannte Gefl\u00fcchtete sind \u2013 wie andere Arbeitnehmer mit und ohne Migrationsgeschichte \u2013 beim Zugang zu Besch\u00e4ftigung gleich zu behandeln. Jede Schlechterstellung lehnen wir ab, sie d\u00fcrfen nicht in Dumping-Bedingungen abgedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde zu gesellschaftlicher Spaltung und Konkurrenz f\u00fchren, die niemand wollen kann, wir jedenfalls nicht. Gefl\u00fcchtete brauchen mehr gezielte Unterst\u00fctzung, damit sie in gute Arbeit und Ausbildung integriert werden k\u00f6nnen \u2013 bei der Ausbildung, Kompetenzfeststellung, Qualifizierung. Ebenso setzen wir uns f\u00fcr die Unterst\u00fctzung anderer Gruppen ein, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben, insbesondere Langzeitarbeitslose und junge Leute, die eine zweite Chance f\u00fcr einen guten Berufsabschluss brauchen. F\u00fcr all diese Gruppen m\u00fcssen die n\u00f6tigen Mittel aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt werden. Wir werden als Gewerkschaften nicht zusehen, wie diese Gruppen gegeneinander ausgespielt werden.<\/p>\n<p><strong>Die Bundesregierung nennt die 1-Euro-Jobs einen \u201eersten Schritt auf den Arbeitsmarkt\u201c f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Stimmt das nicht? <\/strong><\/p>\n<p>Das versprochene Arbeitsmarktprogramm steht noch aus, und es ist dringend n\u00f6tig: Es gibt weiter gro\u00dfen Handlungsbedarf in Sachen Investition in Qualifizierung, in Integrationskurse, in gute Arbeit und Ausbildung.<\/p>\n<p><strong>In dieser Woche hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung herausgefunden, dass die 30 gr\u00f6\u00dften Dax-Konzerne zusammen insgesamt gerade 54 Fl\u00fcchtlinge eingestellt haben. Haben die ganzen Selbstverpflichtungen und Besch\u00e4ftigungspakte aus dem letzten Jahr am Ende nichts als ein paar Praktika f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge gebracht? <\/strong><\/p>\n<p>Betriebe d\u00fcrfen nicht warten, bis sie passgenau einsetzbare Gefl\u00fcchtete vermittelt bekommen. Sie m\u00fcssen mehr tun, um Gefl\u00fcchteten eine Chance f\u00fcr den Einstieg zu geben. Daf\u00fcr gibt es gen\u00fcgend Programme der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, sie m\u00fcssen nur genutzt werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Gewerkschafterin-ueber-Fluechtlingsjobs\/!5317157\/\"><em>taz.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. Juli 2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Integrationsgesetz schafft 1-Euro-Jobs f\u00fcr Gefl\u00fcchtete. 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