{"id":13403,"date":"2023-07-31T09:43:24","date_gmt":"2023-07-31T07:43:24","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13403"},"modified":"2023-07-31T09:43:26","modified_gmt":"2023-07-31T07:43:26","slug":"die-initiative-no-war-but-the-class-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13403","title":{"rendered":"Die Initiative No War But The Class War"},"content":{"rendered":"<p>Das folgende Dokument wurde vom Internationalen B\u00fcro der IKT am 21. Mai verabschiedet. Nichts kann die wirkliche Klassenbasis eines politischen Systems klarer bestimmen als ein imperialistischer Krieg und die Invasion in der Ukraine hat dies sicherlich getan. Die Reaktion der kapitalistischen Linken (Stalinisten, Maoisten, Trotzkisten usw.) bestand entweder in der unverhohlenen Unterst\u00fctzung<!--more--> eines der imperialistischen Bl\u00f6cke (NATO oder Russland) oder in einem scheinheiligen Pazifismus, hinter dem sich die gleichen Positionen verbergen. Das anarchistische Spektrum wurde durch den Krieg in wirkliche sich mit den materiellen Interessen der ArbeiterInnenklasse identifizierende InternationalistInnen und moralistische Verteidiger der \u201e<em>Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine<\/em>\u201c gespalten. Die pro-ukrainischen AnarchistInnen \u00fcbersehen, dass dieser Krieg eben nicht nur in der Ukraine stattfindet, sondern sich global und letztlich zulasten der ArbeiterInnenklasse vollzieht. F\u00fcr sie ersch\u00f6pft sich der Gehalt des Kriegs in dem Umstand, dass ein starker Aggressor \u00fcber einen kleineren Staat herf\u00e4llt, w\u00e4hrend es sich in Wirklichkeit um die j\u00fcngste Etappe eines sich versch\u00e4rfenden globalen Konflikts in einem krisengesch\u00fcttelten Systems handelt, der nicht nur die derzeitigen Akteure, sondern die ganze Welt zu verschlingen droht, wenn sich der eigentliche Kampf um die Hegemonie zwischen China und den USA versch\u00e4rft. Das Elend in der Ukraine folgt der Dynamik \u00e4hnlicher Konflikte in anderen Teilen der Welt und zeigt, dass es keine einfache \u00f6konomische L\u00f6sung f\u00fcr die Stagnation des Systems gibt und sich die Handlungsoptionen f\u00fcr den globalen Kapitalismus zunehmend verengen.<\/p>\n<p>Die Kommunistische Linke in der ganzen Welt hat sich fest hinter die internationalen Interessen der Arbeiterklasse gestellt und diesen Krieg als das verurteilt, was er ist. Die IKT hat ihrerseits die internationalistische Position einen Schritt weiter gef\u00fchrt, indem sie mit gleichgesinnten InternationalistInnen zusammenarbeitet, die ebenfalls die Gefahren f\u00fcr die weltweite ArbeiterInnenklasse sehen, sollte diese sich nicht organisieren. Deshalb haben wir die Initiative ergriffen, weltweit Komitees auf lokaler Ebene aufzubauen, um eine Antwort auf das zu organisieren, was der Kapitalismus f\u00fcr die ArbeiterInnen \u00fcberall bereith\u00e4lt. Wir stehen erst am Anfang dieser Arbeit und noch l\u00e4ngst nicht alle InternationalistInnen haben sich dieser Initiative angeschlossen. Viele haben nicht verstanden, was auf dem Spiel steht, und einige haben nicht begriffen, dass wir den Weg zu einer praktischen Organisation jetzt ebnen m\u00fcssen, solange wir noch k\u00f6nnen und bevor es zu sp\u00e4t ist. Das folgende Dokument ist nicht nur eine Bilanz dessen, was wir nach einem Jahr \u201e<em>No War But The Class War<\/em>\u201c (<em>NWBCW<\/em>) erlebt haben, sondern versucht (noch einmal) klarzustellen, worum es hierbei geht und wird hoffentlich dazu beitragen, Zweifel und Missverst\u00e4ndnisse zu beseitigen.<\/p>\n<p><strong>NWBCW &#8211; Was es ist und was es nicht ist<\/strong><\/p>\n<p>Bereits vor Kriegsbeginn haben wir auf die Zunahme neuer imperialistische Spannungen in der ganzen Welt hingewiesen.<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn1\"><sup>(1)<\/sup><\/a> Zwei Monate sp\u00e4ter begann die russische Invasion der Ukraine und best\u00e4tigte mit allem was bisher geschehen ist unsere urspr\u00fcngliche Analyse, nach der es nicht nur um die Ukraine geht, sondern die Gefahr eines allgemeinen Krieges droht. F\u00fcnfzehn Monate sp\u00e4ter hat der gegenw\u00e4rtige Krieg die Verwerfungen in der globalen kapitalistischen Ordnung nur noch weiter vertieft.<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn2\"><sup>(2)<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Insgesamt hat dies zu einem nunmehr offenen Konflikt zwischen den USA und ihren Verb\u00fcndeten und Russland gef\u00fchrt. Nachdem die USA die Ukraine ab 2014 als Reaktion auf die russische Inbesitznahme der Krim und die Errichtung prorussischer \u201e<em>Volksrepubliken<\/em>\u201c in Luhansk und Donezk die Ukraine aufger\u00fcstet hatten, stellte dies eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr die separatistischen Provinzen dar und hatte die russische Invasion zur Folge. Die daraufhin zur St\u00e4rkung des Widertands in die Ukraine str\u00f6menden westlichen R\u00fcstungsg\u00fcter und Waffensysteme befeuerten ein neuerliches internationales Wettr\u00fcsten das weit \u00fcber den ukrainischen Kriegsschauplatz hinausgeht, wie von uns bereits beschrieben.<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn3\"><sup>(3)<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die USA haben keine Gelegenheit ausgelassen, die Ambitionen Chinas zu verurteilen, und beide Seiten haben ihre aggressiven Milit\u00e4rman\u00f6ver im S\u00fcdchinesischen Meer verst\u00e4rkt. W\u00e4hrend Putin den Westen derzeit unter dem Banner der NATO geeint hat, lie\u00df das Sanktionsregime die Staatsf\u00fchrungen Russlands, Chinas und den Iran wiederum enger zusammenr\u00fccken.<\/p>\n<p>Der Krieg in der Ukraine ist somit zu einem f\u00fcr die Menschheit entscheidenden Moment geworden, der nun kritisch zu werden droht. In Anbetracht der Tatsache, dass die ArbeiterInnenklasse die einzige Klasse ist die \u00fcber die globale Pr\u00e4senz und die ultimative Macht verf\u00fcgt um die rasante Fahrt des Kapitalismus in den Abgrund zu stoppen, ist es an der Zeit, zu versuchen das politische Bewusstsein der ArbeiterInnen \u00fcberall daf\u00fcr zu sch\u00e4rfen was auf dem Spiel steht. Der gesunkene Lebensstandard heute ist nur das Vorspiel f\u00fcr den schwereren Schlag eines umfassenden imperialistischen Krieges morgen. Die ArbeiterInnenklasse hat in den letzten vier Jahrzehnten das historische Geschehen passiv hingenommen. Nun muss sie sich vom Objekt der kapitalistischen R\u00e4nkespiele in das Subjekt des Kampfes f\u00fcr eine neue Gesellschaft verwandeln. Aus diesem Grund hat die IKT im April letzten Jahres einen Aufruf<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn4\"><sup>(4)<\/sup><\/a> an alle wirklichen InternationalistInnen (\u2026) ver\u00f6ffentlicht, lokale Komitees unter der Losung \u201e<em>No War but the Class War<\/em>\u201c zu bilden. Das erste lokale Komitee, das sich aus CWO-Mitgliedern und anderen InternationalistInnen anderer Organisationen und Unorganisierten, zusammensetzte, wurde bereits im M\u00e4rz letzten Jahres in Liverpool<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn5\"><sup>(5)<\/sup><\/a> auf der Grundlage der folgenden f\u00fcnf Eckpunkte gebildet:<\/p>\n<ul>\n<li>Gegen Kapitalismus, Imperialismus und jeden Nationalismus! Keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr irgendwelche nationalen Bourgeoisien , \u201e<em>kleinere \u00dcbel<\/em>\u201c oder sich formierende Staaten!<\/li>\n<li>F\u00fcr eine Gesellschaft, in der Staaten, Lohnarbeit, Privateigentum, Geld und Profitproduktion durch eine Welt der frei assoziierten ProduzentInnen ersetzt werden!<\/li>\n<li>Gegen die wirtschaftlichen und politischen Angriffe, die der gegenw\u00e4rtige und die kommenden Kriege auf die ArbeiterInnenklasse ausf\u00fchren werden!<\/li>\n<li>F\u00fcr den selbstorganisierten Kampf der ArbeiterInnenklasse, f\u00fcr die Bildung von unabh\u00e4ngigen Streikkomitees, Massenversammlungen und ArbeiterInnenr\u00e4ten!<\/li>\n<li>Gegen Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung, f\u00fcr die Einheit der ArbeiterInnenklasse und den Zusammenschluss von wirklichen InternationalistInnen!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Seitdem wurde eine Reihe von Komitees auf \u00e4hnlicher Grundlage an verschiedenen Orten der Welt gebildet, darunter Glasgow, Paris, Montreal, Toronto, Chicago, Miami, San Francisco, die T\u00fcrkei und S\u00fcdkorea, einige mit Beteiligung von IKT-Mitgliedern, andere ohne. Es war sehr ermutigend zu sehen, dass so viele so schnell entstanden sind, aber wir machen uns keine Illusionen dar\u00fcber, dass alles, was wir hier aufbauen, mehr als nur ein Rahmen f\u00fcr eine internationale Intervention sein kann. Wie wir in unserem urspr\u00fcnglichen Aufruf schrieben, verfolgen wir eine langfristige Perspektive:<\/p>\n<p><em>Es ist unvermeidlich, dass in diesem Prozess einige ArbeiterInnen die Sackgasse des kapitalistischen Systems fr\u00fcher und schneller erkennen werden als andere. Es ist zwingend erforderlich, dass sich diese auf internationaler Ebene politisch organisieren, um einen klaren Weg nach vorne zu zeigen. Das wird nicht sofort gelingen, vor allem nicht nach Jahrzehnten des R\u00fcckgangs der ArbeiterInnenk\u00e4mpfe angesichts der kapitalistischen Offensive. Die heutige Situation in der Ukraine ist jedoch eine Warnung vor all dem, was die Regierungen f\u00fcr die ArbeiterInnen \u00fcberall bereithalten, und wir m\u00fcssen reagieren, nicht nur auf die t\u00e4gliche Ausbeutung, sondern auch auf die politischen Pl\u00e4ne &#8222;unserer&#8220; Herrschenden. In der gegenw\u00e4rtigen katastrophalen humanit\u00e4ren Situation haben wir keine Illusionen, dass eine Bewegung der Klasse bald entstehen kann, auch wenn die Geschichte jetzt eine neue und verzweifelte Wendung genommen hat. Wir m\u00fcssen gemeinsam etwas aufbauen, das sich sowohl gegen die Ausbeutung als auch gegen den Krieg richtet. Selbst wenn die gegenw\u00e4rtige Krise in der Ukraine mit einem Waffenstillstand endet, wird dies nur die Saat f\u00fcr die n\u00e4chste Runde des imperialistischen Konflikts legen.<\/em><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn6\"><em><sup>(6)<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Wir waren uns auch bewusst, dass jede neue Initiative auf neue Probleme sto\u00dfen w\u00fcrde und dass R\u00fcckschl\u00e4ge unvermeidlich sein w\u00fcrden. Das erste Problem war der \u201e<em>Fake-Internationalismus<\/em>\u201c verschiedener Opportunisten der kapitalistischen Linken (Stalinisten, Maoisten, Trotzkisten usw.), die ihre Publikationen mit NWBCW-Logos oder Slogans schm\u00fccken, gleichzeitig aber jeglichen internationalistischen Inhalts entleert sind.<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn7\"><sup>(7)<\/sup><\/a> Sie segeln \u201e<em>unter falscher Flagge&#8220;<\/em> (n\u00e4mlich unserer!), k\u00f6nnen dies aber nur tun, indem sie ihre wahre Politik verbergen, welche darin besteht, den \u201e<em>Underdog-Imperialismus<\/em>\u201c der \u201e<em>unterdr\u00fcckten V\u00f6lker<\/em>\u201c (kurz gesagt, nationalistische K\u00e4mpfe) oder jeden Staat zu unterst\u00fctzen, der sich den USA widersetzt. Es gibt keine Nation oder keinen nationalen Kampf, den die Arbeiterklasse heute unterst\u00fctzen kann!<\/p>\n<p>Das zweite Problem waren diejenigen, die sich der NWBCW-Initiative anschlossen, ohne zu verstehen, worum es wirklich ging, oder die sie vielmehr als Erweiterung ihrer fr\u00fcheren radikal-reformistischen Aktivit\u00e4ten betrachteten. Dies geschah sowohl in Portland als auch in Rom<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn8\"><sup>(8)<\/sup><\/a>, wo bestimmte Elemente in NWBCW etwas sahen, was eine Klasse sofort mobilisieren k\u00f6nnte, die sich noch immer von vier Jahrzehnten des R\u00fcckzugs erholte und die gerade erst begann, im Kampf gegen die Inflation Fu\u00df zu fassen. Ihre unmittelbare und ultra-aktivistische Perspektive f\u00fchrte nur zum Niedergang der jeweiligen Komitees.<\/p>\n<p>Die NWBCW ist auch nicht mit der urspr\u00fcnglichen Konzeption der Fabrikgruppen der <em>Partito Comunista Internazionalista (PCInt)<\/em> in den 1940er Jahren in Italien zu vergleichen. Diese waren (und sind) Organisationen, die sich aus Mitgliedern und engen Sympathisanten der <em>PCInt<\/em> zusammensetzen. Urspr\u00fcnglich hie\u00dfen sie \u201e<em>gewerkschaftliche Betriebsgruppen<\/em>\u201c, weil sie darauf ausgerichtet waren den politischen Kampf innerhalb der Gewerkschaften zu f\u00fchren, die zu diesem Zeitpunkt bereits in den Staatsapparat integriert waren, um den Lohnkampf zu institutionalisieren und ihn in den Grenzen der kapitalistischen Legalit\u00e4t zu halten. Die Gewerkschaften waren zu diesem Zeitpunkt schon lange keine \u201e<em>Schulen des Sozialismus<\/em>\u201c(Marx) mehr, sondern wurden zu Managern der Verhandlungen mit den Ausbeutern, immer innerhalb der gesetzlichen Grenzen, die der Staat nutzte, um jede Streikbewegung zu unterbinden. Jede dauerhafte wirtschaftliche Organisation der Klasse war (und ist) daher dazu verdammt, nur ein weiterer Arm des bestehenden Status quo zu werden (weshalb auch die Gewerkschaften am Ende den gleichen Weg einschlugen). Allerdings waren Millionen von ArbeiterInnen in ihnen organisiert, was nicht ignoriert werden konnte. Die L\u00f6sung bestand darin, ihnen in den Betrieben mit diesen Gruppen politisch und organisatorisch entgegenzutreten. So wurden sie zu Waffen der PCInt in diesem Kampf.<\/p>\n<p>Es handelte sich dabei nicht um Versuche, die Klasse zu organisieren, sondern um Versuche, KommunistInnen in der Klasse im Widerstand gegen den Konformismus der Gewerkschaften zu organisieren. In den 1980er Jahren f\u00fchrten die Umstrukturierung der Industrie und die neue Zusammensetzung der Klasse zu der Idee, dass sich ArbeiterInnen an verschiedenen Arbeitspl\u00e4tzen in \u201e<em>territorialen<\/em>\u201c Gruppen zusammenschlie\u00dfen sollten, wo die M\u00f6glichkeiten der Organisierung gr\u00f6\u00dfer waren.<\/p>\n<p>Aber diese waren und sind Werkzeuge der PCInt (und damit auch der IKT). Die NWBCW-Initiative f\u00e4llt nicht in dieselbe Kategorie, da sie nicht auf IKT-Mitglieder beschr\u00e4nkt ist, sondern versucht, Internationalisten aus verschiedenen Traditionen zusammenzubringen, um ein internationales Netzwerk von Komitees aufzubauen, die sich gegen die Auswirkungen der kapitalistischen Krise in all ihren Aspekten organisieren und propagieren. Ihre Aufgabe ist es also, den heutigen Kampf gegen den R\u00fcckgang des Lebensstandards mit der zuk\u00fcnftigen Bedrohung durch einen allgemeineren Krieg zu verbinden. Die NWBCW wird mit praktischen Problemen konfrontiert werden (und wie wir festgestellt haben, stellten sich diese bereits an einigen Orten), und Gruppen werden aufsteigen und wieder verschwinden, aber unser Engagement als InternationalistInnen f\u00fcr sie als langfristige Perspektive wird sich nicht \u00e4ndern. Wie wir schon oft gesagt haben, wird NWBCW nur als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Klassenbewegung eine wirkliche Form annehmen.<\/p>\n<p>Die NWBCW-Komitees sind auch keine einfachen Kampfgruppen, da diese aus bestimmten K\u00e4mpfen am Arbeitsplatz hervorgehen. Letztere sind Organe, die im Kampf f\u00fcr den Kampf geschaffen wurden und f\u00fcr alle offen sind. Sie werden nicht von oben geschaffen, sie haben keine Mitgliedskarten, keine Plattform und nicht einmal eine Liste mit grundlegenden politischen Eckpunkten (wie die NWBCW-Komitees). Sie sind offen f\u00fcr alle ArbeiterInnen und diejenigen, die sich am Kampf beteiligen wollen. Sie agieren wie andere Einheitsorgane der Klasse, wie bspw. Massenversammlungen, Streikkomitees, Arbeiterr\u00e4te usw.. Sie sind Organe, in denen diejenigen, die das kapitalistische System entlarven wollen, k\u00e4mpfen m\u00fcssen, um die Basis des Kampfes zu verbreitern.<\/p>\n<p>Eines der Probleme der gegenw\u00e4rtigen ArbeiterInnenk\u00e4mpfe besteht darin, dass sie episodisch sind (ein Kampf hier, ein Kampf dort), und wenn der Kampf in einem bestimmten Bereich nachl\u00e4sst, verschwinden sie. Die NWBCW-Initiative kann ein l\u00e4ngerfristiges Ziel bieten, indem sie sich auf das gr\u00f6\u00dfere Bild konzentriert, in das der Kapitalismus uns f\u00fchrt. NWBCW ist ein Versuch, eine breitere Initiative aufzubauen (solange wir noch die Freiheit haben, dies zu tun), in dem Sinne, dass sie sich an andere Internationalisten wendet, um ein Netzwerk in Erwartung breiterer K\u00e4mpfe aufzubauen (und es wird nicht wirklich losgehen, solange und bis diese sich nicht entwickeln).<\/p>\n<p>Die NWBCW ist also offen politisch, und einige GenossInnen haben sie mit dem Antikriegs- und antikapitalistischen Geist der Zimmerwalder Linken von 1915 verglichen. Dies geschah im Gegensatz zum Zimmerwalder Manifest, in dem nicht erw\u00e4hnt wurde, dass der Kampf gegen den Krieg auch ein Kampf gegen das System ist welches imperialistische Kriege hervorbringt. Wir k\u00f6nnen also sagen, dass NWBCW diesen Aspekt mit der Zimmerwalder Linken teilt (die sp\u00e4ter, 1919, die Grundlage f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Dritten Internationale werden sollte). Wir sollten diesen historischen Vergleich jedoch nicht zu weit treiben, da der Kontext, in dem wir agieren, sich stark von dem unserer Vorfahren in Zimmerwald vor \u00fcber einem Jahrhundert unterscheidet.<\/p>\n<p>Damals war der Erste Weltkrieg schon fast ein Jahr lang im Gange, als sich die SozialistInnen in Zimmerwald trafen. Sie versuchten, den Schaden zu reparieren, der durch den Verrat der F\u00fchrung der sozialdemokratischen Parteien der Zweiten Internationale entstanden war, die gr\u00f6\u00dftenteils ihre \u201e<em>eigenen<\/em>\u201c Regierungen unterst\u00fctzt hatten (nur die russischen, polnischen, bulgarischen und serbischen Parteien hatten zu einer revolution\u00e4ren Opposition gegen den Krieg aufgerufen). Dieser Verrat war umso schwerwiegender, als die Zweite Internationale damals Millionen von ArbeiterInnen auf der ganzen Welt vereinte und eine Resolution nach der anderen verabschiedete, die besagte, dass sie den imperialistischen Krieg verhindern w\u00fcrde, indem sie \u00fcberall gegen ihn in den Streik treten w\u00fcrde. Heute ist es unsere Aufgabe, nicht zu versuchen, einer erlahmenden Bewegung eine neue F\u00fchrung zu geben, sondern eine alte und bew\u00e4hrte Antikriegsposition der ArbeiterInnenklasse in jede neue entstehende Bewegung einzubringen.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass noch nicht alle InternationalistInnen die Ernsthaftigkeit des gegenw\u00e4rtigen Weges, den der Kapitalismus eingeschlagen hat, verstehen und in der Polemik der Vergangenheit steckengeblieben sind. Infolgedessen haben sie zutiefst missverstanden, wof\u00fcr NWBCW steht. Wir zweifeln nicht an ihrer Aufrichtigkeit als InternationalistInnen und werden daher nicht auf ihre Polemik eingehen, die die gleiche ist, die wir schon so oft geh\u00f6rt haben. Es gibt einige Themen, bei denen wir uns darauf verst\u00e4ndigen m\u00fcssen unterschiedlicher Meinung zu sein, wenn wir eine echte antikapitalistische Bewegung f\u00fcr die Zukunft entwickeln und auf die materielle Realit\u00e4t vertrauen wollen, die Revolution\u00e4rInnen zusammenbringt, w\u00e4hrend wir einem zunehmend krisenhaften System gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist die NWBCW-Initiative kein Umgruppierungsprojekt, da sie keine vollst\u00e4ndige politische \u00dcbereinstimmung fordert, sondern nur eine internationalistische Position gem\u00e4\u00df den f\u00fcnf oben genannten Punkten (die anerkennen, dass KEIN Staat irgendwo unterst\u00fctzt werden kann, egal ob es sich um eine imperialistische Gro\u00dfmacht oder ein imperialistisches M\u00f6chtegern-Underdog-Land handelt &#8211; sie alle k\u00e4mpfen um einen nationalen Anteil an der globalen kapitalistischen Ordnung). Nat\u00fcrlich verstehen wir, dass die Teilnahme an einer positiven Bewegung mit einem klaren Ziel die politische Diskussion anregen und den Austausch f\u00f6rdern wird, der die Bewegung vergr\u00f6\u00dfert und vertieft, aber die Frage der politischen Umgruppierung in einer zuk\u00fcnftigen Internationale wird sich erst stellen, wenn eine wirkliche Klassenbewegung begonnen hat, und dies steht nicht in unserer Macht. Nur eine breitere Klassenbewegung wird die Revolution\u00e4rInnen vor neue Herausforderungen stellen und die Differenzen der Vergangenheit obsolet machen &#8211; dies wird dann m\u00f6glicherweise den Weg f\u00fcr einen fruchtbareren politischen Prozess ebnen, in dem die InternationalistInnen auf die Schaffung einer koh\u00e4renten internationalen Organisation hinarbeiten, welche in der Lage sein wird, eine programmatische F\u00fchrung im Klassenkampf gegen ein historisch l\u00e4ngst \u00fcberkommenes System zu bieten. Es handelt sich also nicht nur um eine Initiative f\u00fcr das Hier und Jetzt, sondern um eine Orientierung f\u00fcr die gesamte kommende Periode.<\/p>\n<p>F\u00fcr die IKT ist NWBCW jedoch in einem gewissen Sinne Teil unserer Tradition. Sie steht im Einklang mit dem Aufruf f\u00fcr eine vereinte proletarische Front, den die PCInt 1944 ver\u00f6ffentlichte.<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#fn9\"><sup>(9)<\/sup><\/a> Er stand allen \u201e<em>proletarischen und \u00fcberparteilichen politischen Formationen<\/em>\u201c offen, die die internationalistische Position der Gegnerschaft zu beiden Seiten des Zweiten Weltkriegs akzeptierten. Es schloss mit zwei grundlegenden organisatorischen Bestimmungen:<\/p>\n<p><em>Auf der Grundlage dieser Positionen sollten die ArbeiterInnen (welches politische Etikett sie verwenden, spielt keine Rolle) den Aufruf unserer Partei verbreiten und, nachdem sie die Ideen, die ihm zugrunde liegen, diskutiert, gekl\u00e4rt und akzeptiert haben und selbst die Initiatoren der ersten Kontakte und der ersten organischen Gruppierungen in den Betrieben werden. Schlie\u00dflich haben die ArbeiterInnen eindeutig bewiesen, dass sie heute MeisterInnen in der Kunst sind, sich gegen die Bosse und ihre faschistischen Diener zu organisieren. Die vereinte Front der ArbeiterInnen b\u00fcndelt und festigt die Kr\u00e4fte, die dazu bestimmt sind, auf den Klassenbarrikaden gegen den Krieg und seine f\u00fchrenden politischen Kr\u00e4fte, sowohl die faschistischen als auch die demokratischen, zu k\u00e4mpfen. Ihre gr\u00f6\u00dfte und dringlichste Aufgabe ist es, zu verhindern, dass die ArbeiterInnen von der Kriegspropaganda heimgesucht werden, dass die als Revolution\u00e4re getarnten imperialistischen Agenten entlarvt werden und dass der Kampf- und Opfergeist, der das Proletariat beseelt, f\u00fcr die Ziele des Krieges und seiner Fortsetzung, selbst unter dem Banner der demokratischen Freiheit, ausgenutzt wird<\/em>.<\/p>\n<p>Heute richtet <em>No War But The Class War<\/em> den gleichen Appell an alle wirklichen InternationalistInnen, die die f\u00fcnf grundlegenden Positionen oben in diesem Artikel akzeptieren k\u00f6nnen, eigene Komitees zu gr\u00fcnden oder sich bestehenden anzuschlie\u00dfen, damit wir einen Kampf gegen all die Bedrohungen aufbauen k\u00f6nnen, die die Entwicklung des Kapitalismus f\u00fcr unser Leben darstellt.<\/p>\n<p>Internationales B\u00fcro der Internationalistischen Kommunistischen Tendenz<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref1\">(1)<\/a> <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2022-02-06\/ukraine-and-taiwan-flashpoints-in-an-uncertain-imperialist-world\">leftcom.org<\/a> sowie: <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2022-02-12\/war-games-die-ukraine-im-fokus-der-imperialistischen-konflikte\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref2\">(2)<\/a> Siehe dazu u.a. unser Statement zum 1. Mai: <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-04-28\/es-gibt-keine-%E2%80%9Erichtige-seite%E2%80%9C-im-imperialistischen-krieg-no-war-but-the-class\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref3\">(3)<\/a> Siehe dazu: <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-02-26\/ein-jahr-nach-dem-einmarsch-in-die-ukraine-auf-dem-weg-in-den-dritten-weltkrieg\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref4\">(4)<\/a> Siehe unseren urspr\u00fcnglichen Aufruf: <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2022-04-07\/no-war-but-the-class-war-ein-aufruf-zur-aktion\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref5\">(5)<\/a> <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2022-05-02\/no-war-but-the-class-war-statement-from-nwbcw-liverpool\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref6\">(6)<\/a> <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2022-04-07\/no-war-but-the-class-war-ein-aufruf-zur-aktion\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref7\">(7)<\/a> Zu den vielf\u00e4ltigen Verwirrungen der \u201eLinken\u201c hinsichtlich des Ukrainekrieges siehe: <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-02-21\/der-krieg-in-der-ukraine-die-arbeiterinnenklasse-und-die-zuk%C3%BCnftige\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref8\">(8)<\/a> Eine ausf\u00fchrliche Auswertung der Erfahrungen des Komitees in Rom ist hier zu finden: <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/it\/articles\/2023-01-03\/sul-comitato-di-roma-nwbcw-un-intervista\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war#ref9\">(9)<\/a> Siehe dazu: <a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2022-10-31\/1944-appeal-of-the-internationalist-communist-party-for-the-creation-of-a-united\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2023-07-30\/die-initiative-no-war-but-the-class-war\"><em>leftcom.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 31. Juli 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das folgende Dokument wurde vom Internationalen B\u00fcro der IKT am 21. Mai verabschiedet. Nichts kann die wirkliche Klassenbasis eines politischen Systems klarer bestimmen als ein imperialistischer Krieg und die Invasion in der Ukraine hat dies &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13404,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,5],"tags":[25,18,4,19],"class_list":["post-13403","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-international","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-imperialismus","tag-strategie","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13403","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13403"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13403\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13405,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13403\/revisions\/13405"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13404"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}