{"id":13428,"date":"2023-08-07T11:17:59","date_gmt":"2023-08-07T09:17:59","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13428"},"modified":"2023-08-07T11:18:00","modified_gmt":"2023-08-07T09:18:00","slug":"chile-usa-sollen-ihre-rolle-beim-putsch-gegen-salvador-allende-offenlegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13428","title":{"rendered":"<strong>Chile: USA sollen ihre Rolle beim Putsch gegen Salvador Allende offenlegen<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Pagina12.<\/em> Kurz vor dem 50. Jahrestag des Putsches gegen die sozialistische Regierung von Salvador Allende sollen die USA neue Dokumente freigeben, die Fragen \u00fcber die Verwicklung des Wei\u00dfen Hauses kl\u00e4ren w\u00fcrden. Dies fordert Chiles Botschafter in den USA, Juan Gabriel Vald\u00e9s, von der Regierung von Pr\u00e4sident Joe Biden.<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Wir wissen immer noch nicht, was Pr\u00e4sident Richard Nixon am Morgen des Milit\u00e4rputsches auf seinem Schreibtisch liegen hatte und wie er \u00fcber den Putsch informiert wurde&#8220;, sagte er im Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE.<\/p>\n<p>Vald\u00e9s, ehemaliger Au\u00dfenminister und zweimaliger Botschafter in den USA, hat die Regierung Biden formell aufgefordert, Unterlagen aus den Jahren 1973 und 1974 dar\u00fcber freizugeben, was im Oval Office vor und nach dem Putsch gesagt wurde. &#8222;Es gibt Details, die uns interessieren. Sie sind wichtig, um unsere eigene Geschichte zu rekonstruieren&#8220;, betonte der Diplomat. Die derzeitige US-Regierung sollte auf das Gesuch reagieren, wie auch andere Regierungen zuvor, etwa die von Barack Obama.<\/p>\n<p>Dieser hatte die Deklassifizierung von CIA-Dokumenten zum Putsch in Chile angeordnet. Dazu geh\u00f6rten auch Hunderte von &#8222;President&#8217;s Daily Briefs&#8220; (PDB), mit denen der Auslandsgeheimdienst den Pr\u00e4sidenten t\u00e4glich direkt informiert. Der Abschnitt des PDB vom 11. September 1973 \u00fcber Chile wurde jedoch vollst\u00e4ndig <a href=\"https:\/\/nsarchive.gwu.edu\/document\/22017-document-01\">zensiert<\/a> ebenso wie eine ganze Seite \u00fcber Chile, die Nixon am 8. September 1973 vorgelegt wurde.<\/p>\n<p>Kurz nach dem Milit\u00e4rputsch gratulierten sich Nixon und Kissinger gegenseitig. &#8222;Zu Eisenhowers Zeiten w\u00e4ren wir wie Helden behandelt worden&#8220;, merkte Kissinger an.<\/p>\n<p>Die Abschrift dieses Gespr\u00e4chs, das jahrzehntelang unter Verschluss gehalten wurde, ist eines von mehr als 25.000 US-Dokumenten \u00fcber Chile, die dank der Arbeit des US-Historikers Peter Kornbluh zug\u00e4nglich wurden. Er gilt international als einer der Experten f\u00fcr die US-chilenischen Beziehungen und arbeitet am Washingtoner Universit\u00e4tsinstitut &#8222;Nationales Sicherheitsarchiv&#8220;, das sich auf die Erforschung ehemaliger Geheimdokumente aus den US-Archiven spezialisiert hat.<\/p>\n<p>Die Dokumente wurden 2010 dem &#8222;Museum der Erinnerung und Menschenrechte&#8220; in der chilenischen Hauptstadt Santiago ausgeh\u00e4ndigt (amerika21 <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/meldung\/2010\/11\/17046\/chile-usa-putsch\">berichtete<\/a>). Sie <a href=\"https:\/\/nsarchive2.gwu.edu\/NSAEBB\/NSAEBB437\/\">belegten<\/a> eindeutig, dass der damalige US-Au\u00dfenminister Henry Kissinger die Pl\u00e4ne Washingtons gegen die Allende-Regierung entwickelt hat, so Kornbluh. Kissinger sei auch daf\u00fcr verantwortlich gewesen, dass die USA der Diktatur (1973-1990) wirtschaftliche und milit\u00e4rische Hilfe zukommen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es gibt keine Beweise f\u00fcr eine direkte Beteiligung Nixons am Staatsstreich von General Augusto Pinochet. Tausende freigegebene Dokumente zeigen jedoch die tiefe Feindseligkeit Nixons und seiner rechten Hand Kissinger gegen\u00fcber Allende, noch bevor dieser sein Amt antrat. Bewiesen ist zudem, dass die CIA Gruppen zur Destabilisierung der Regierung Allende unterst\u00fctzte und finanzierte.<\/p>\n<p>Viele Fragen bleiben indes offen. Einige ver\u00f6ffentlichte Dokumente, die im &#8222;Museo de la Memoria&#8220; ausgestellt sind, enthalten geschw\u00e4rzte Fragmente, andere weisen offensichtliche Auslassungen auf. &#8222;Wir wollen sie sehen und lesen k\u00f6nnen, um genau zu wissen, was in den K\u00f6pfen derjenigen vorging, die damals die USA regierten&#8220;, sagte Vald\u00e9s \u00fcber die zensierten Teile der Dokumente etwa vom 11. September.<\/p>\n<p>Vald\u00e9s fordert von Washington keine Entschuldigung, sondern eine gr\u00f6\u00dfere Anerkennung seiner Rolle: &#8222;Die USA sollten so deutlich wie m\u00f6glich erkl\u00e4ren, dass sie f\u00fcr die Schw\u00e4chung der chilenischen Demokratie schon vor Allende verantwortlich waren&#8220;, betonte er.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Diplomaten war die Intervention in Chile w\u00e4hrend der \u00c4ra Nixon und Kissinger &#8222;genau geplant und zielte ganz klar darauf ab, die Wahl von Salvador Allende zum Pr\u00e4sidenten zu verhindern&#8220;. Die bisher vorliegenden Unterlagen belegten, wie die USA &#8222;den Widerstand f\u00f6rderten und die Rechten gegen Allende unterst\u00fctzten&#8220;, etwa durch die Finanzierung von Streiks und Sabotageakten.<\/p>\n<p>Vald\u00e9s hat den Terror der chilenischen Diktatur selbst erlebt: Er arbeitete f\u00fcr den ehemaligen Allende-Minister Orlando Letelier im Exil, als dieser und seine Assistentin Ronni Karpen Moffitt am 21. September 1976 vom chilenischen Geheimdienst in Washington mit einer Autobombe ermordet wurden.<\/p>\n<p>40 Jahre sp\u00e4ter kehrte er als Botschafter der Regierung von Michelle Bachelet nach Washington zur\u00fcck. Es gelang Vald\u00e9s, die USA zur Freigabe der Unterlagen \u00fcber den Bombenanschlag und die Beziehungen Washingtons zur Diktatur zu bewegen.<\/p>\n<p>Zu diesen Dokumenten, die dann an Chile \u00fcbergeben wurden, geh\u00f6rt auch die Mitschrift eines Gespr\u00e4ches zwischen Pinochet und dem Chef der Geheimdienstbeh\u00f6rde DINA, Manuel Contreras, \u00fcber die geplante Ermordung Leteliers.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Pinochet und Kissinger bei einem Treffen 1976. <\/em><em>Quelle:<\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Reuni\u00f3n_Pinochet_-_Kissinger_(2).jpg\"><em>Ministerio de Relaciones Exteriores de Chile<\/em><\/a><em> Lizenz:<\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/cl\/deed.en\"><em>CC BY 2.0 CL<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/08\/265210\/chile-usa-rolle-beim-putsch\"><em>amerika21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. August 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pagina12. Kurz vor dem 50. Jahrestag des Putsches gegen die sozialistische Regierung von Salvador Allende sollen die USA neue Dokumente freigeben, die Fragen \u00fcber die Verwicklung des Wei\u00dfen Hauses kl\u00e4ren w\u00fcrden. 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