{"id":13598,"date":"2023-09-13T15:44:35","date_gmt":"2023-09-13T13:44:35","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13598"},"modified":"2023-09-13T15:44:36","modified_gmt":"2023-09-13T13:44:36","slug":"lehrerinnen-in-chile-kaempfen-gegen-historische-schuld-der-diktatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13598","title":{"rendered":"<strong>Lehrer:innen in Chile k\u00e4mpfen gegen &#8222;historische Schuld&#8220; der Diktatur<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Michael Roth. <\/em>Mit einem 48-st\u00fcndigen\u00a0Warnstreik haben Tausende Lehrer:innen in Chile auf die jahrelangen finanziellen Lohnverluste unter der Pinochet-Diktatur sowie die versprochenen Ausgleichszahlungen aufmerksam gemacht. Die Lehrergewerkschaft legte hierzu einen Forderungskatalog vor und stellte der Regierung von Gabriel Boric\u00a0unter Androhung<!--more--> einer unbefristeten und landesweiten Arbeitsniederlegung ein Ultimatum von zehn\u00a0Tagen.<\/p>\n<p>Prim\u00e4r geht es\u00a0um die &#8222;historische\u00a0Schuld&#8220;\u00a0aus Zeiten der Diktatur unter Augusto Pinochet (1973-1990). Zwischen 1980 und 1987 wurden tausende Schulen aus der staatlichen Verantwortung ausgegliedert und an Gemeinden, Stiftungen oder Privatleute \u00fcbergeben. Diese wiederum weigerten sich, einen\u00a0im Gesetzeserlass N\u00b0 3.551 verankerten staatlichen Lohnzuschuss zu bezahlen.<\/p>\n<p>Den Lehrkr\u00e4ften entstanden hierdurch \u00fcber die Jahre erhebliche Einkommensverluste und verminderte Rentenbeitragszahlungen. Nun klagt die Lehrergewerkschaft ein Wahlversprechen von Pr\u00e4sident\u00a0Boric ein, das dieser bei seinem Rechenschaftsbericht im Mai dieses Jahres bekr\u00e4ftigt hatte. Die Androhung eines landesweiten und unbefristeten Streiks sowie ein Ultimatum von zehn Tagen zur L\u00f6sungsfindung soll die Regierung weiter unter Druck setzen.<\/p>\n<p>Seit der R\u00fcckkehr zur Demokratie hat die Lehrerschaft immer wieder erfolglos die Begleichung der &#8222;historischen Schuld&#8220; angemahnt. Mit dem Warnstreik am 7. und 8. August\u00a0hat die Gewerkschaft nun einen neuen Anlauf unternommen und dem Bildungsministerium einen weitreichenden Forderungskatalog \u00fcbergeben. Da in den Schulen auch Fr\u00fchst\u00fcck und Mittagessen ausgegeben werden, blieben diese jedoch f\u00fcr die Sch\u00fclerschaft ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Weitere Forderungen betreffen die Bonuszahlung, die je nach Berufsjahren und Stellung mehr als 20.000 Euro betragen kann,\u00a0und immer dann f\u00e4llig wird,\u00a0wenn\u00a0Staatsangestellte\u00a0freiwillig in den vorzeitigen Ruhestand\u00a0gehen. Ebenso fordert der Katalog\u00a0eine Reform der Ganztagsschule, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen\u00a0sowie eine Reform der in ihren Augen\u00a0unfairen, beruflichen Beurteilung zur Gehaltseinstufung.<\/p>\n<p>Im Dezember will die Regierung eine Gesetzesvorlage f\u00fcr H\u00e4rtef\u00e4lle der &#8222;historischen Schuld&#8220;\u00a0einbringen. Die Lehrergewerkschaft signalisiert\u00a0zwar\u00a0Dialogbereitschaft, erwartet aber vom Bildungsminister konkrete Schritte, die er bis zum 17. August vorlegen soll, um den\u00a0unbefristeten Streik abzuwenden.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich sollten diese mit Hilfe der inzwischen gescheiterten Steuerreform beglichen werden. Als Konsequenz\u00a0m\u00fcssen die f\u00e4lligen Betr\u00e4ge nun aus regul\u00e4ren Mitteln des ohnehin angespannten Haushaltes bezahlt werden, was wiederum zur Folge hat, dass zun\u00e4chst die H\u00e4rtef\u00e4lle, Lehrer:innen in fortgeschrittenem Alter oder mit Gesundheitsproblemen\u00a0priorisiert werden. Die Lehrergewerkschaft w\u00e4re damit einverstanden. Ein erster Verwaltungsschritt wurde mit der Einrichtung einer Webseite get\u00e4tigt, wo sich alle Betroffenen zur \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Anspr\u00fcche registrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach Ablauf der H\u00e4lfte der zehnt\u00e4gigen Frist wartet die Lehrergewerkschaft nach wie vor auf\u00a0einen offiziellen Regierungsvorschlag.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: &#8222;20.000 Lehrer sind gestorben, w\u00e4hrend sie auf Gerechtigkeit warteten&#8220;: Demonstrierende fordern einen finanziellen Ausgleich f\u00fcr das Unrecht in der Pinochet-Diktatur. Quelle:<\/em><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=627595906137628&amp;set=pb.100066616718425.-2207520000.&amp;type=3\"><em>@Colegiodeprofesoresdechile<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/08\/265349\/lehrerstreik-chile\"><em>amerika21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. September 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Roth. Mit einem 48-st\u00fcndigen\u00a0Warnstreik haben Tausende Lehrer:innen in Chile auf die jahrelangen finanziellen Lohnverluste unter der Pinochet-Diktatur sowie die versprochenen Ausgleichszahlungen aufmerksam gemacht. 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