{"id":13635,"date":"2023-09-27T16:39:09","date_gmt":"2023-09-27T14:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13635"},"modified":"2023-09-27T16:39:10","modified_gmt":"2023-09-27T14:39:10","slug":"das-kanadische-parlament-huldigt-einem-ukrainischen-ss-veteranen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13635","title":{"rendered":"<strong>Das kanadische Parlament huldigt einem ukrainischen SS-Veteranen<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Keith Jones. <\/em>Am vergangenen Freitag hat das gesamte kanadische Parlament \u2013 angef\u00fchrt von Premierminister Justin Trudeau und seinem Ehrengast, dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj \u2013 einem 98-j\u00e4hrigen ukrainischen Veteranen der Waffen-SS Adolf Hitlers, Jaroslaw Hunka, stehende Ovationen gezollt. Die Waffen-SS spielte eine f\u00fchrende Rolle<!--more--> bei der Vernichtung der europ\u00e4ischen Juden zwischen 1941 und 1945.<\/p>\n<p>Als dies \u00f6ffentlich verurteilt wurde, hat sich das politische Establishment Kanadas auf eine Geschichte verst\u00e4ndigt, die sie entschuldigen soll. Die Ehrung von Hunka, so hei\u00dft es jetzt, sei ein Lapsus gewesen, f\u00fcr den allein der Sprecher des Unterhauses, Anthony Rota, verantwortlich sei.<\/p>\n<p>\u201eIch habe im Nachhinein mehr Informationen erhalten, die mich veranlassen, meine Entscheidung zu bedauern\u201c, sagte Rota.<\/p>\n<p>\u201eNiemand\u201c, f\u00fcgte er hinzu, \u201eeinschlie\u00dflich der anderen Parlamentarier und der ukrainischen Delegation, kannte meine Absicht oder meine Rede\u201c \u2013 in der er Hunka als ukrainischen und kanadischen \u201eHelden\u201c begr\u00fc\u00dft hatte \u2013\u201ebevor ich sie hielt\u201c.<\/p>\n<p>Die Behauptung, Rota und Trudeau seien nicht \u00fcber Hunkas Vergangenheit informiert gewesen, ist absurd. Die Einberufung einer Sondersitzung des Parlaments, um eine Rede von Selenskyj zu h\u00f6ren, war ein wichtiges politisches Ereignis, das sorgf\u00e4ltig geplant wurde. Diejenigen, die eingeladen waren, um Selenskyjs Rede zu h\u00f6ren, wurden eingehend \u00fcberpr\u00fcft, und dies gilt auch f\u00fcr das gesamte Verfahren der Ehrung.<\/p>\n<p>Die stehenden Ovationen des kanadischen Parlaments f\u00fcr einen Nazi-Kriegsverbrecher waren eine bewusste Provokation. Sie stand am Ende einer Woche, in der Selenskyj mit US-Pr\u00e4sident Biden und anderen hochrangigen US-Beamten konferiert hatte, und in der Biden, Selenskyj und der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz vor den Vereinten Nationen kriegerische Reden gehalten hatten.<\/p>\n<p>Die Ereignisse vom Freitag waren das unr\u00fchmliche Ergebnis der Entscheidungen, die Washington und seine Nato-Verb\u00fcndeten jetzt getroffen haben: Der Krieg wird eskaliert als Reaktion auf das offensichtliche Scheitern der viel gepriesenen ukrainischen Fr\u00fchjahrs- und Sommeroffensive.<\/p>\n<p>Biden, Trudeau und die F\u00fchrer der anderen imperialistischen Nato-M\u00e4chte sprechen jetzt \u00f6ffentlich von einem \u201elangwierigen Krieg\u201c, den sie so lange f\u00fchren werden, \u201ewie es n\u00f6tig ist\u201c. Um Russland eine, wie sie es nennen, \u201estrategische Niederlage\u201c zuzuf\u00fcgen \u2013 d. h. einen Regimewechsel in Moskau und die Unterwerfung Russlands in einen halbkolonialen Status zu erreichen \u2013 m\u00fcssen sie rasch Nato-Truppen in die Ukraine einmarschieren lassen und einen direkten Konflikt mit Russland ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die stehenden Ovationen f\u00fcr den ukrainischen SS-Veteranen Hunka sollten der russischen Regierung die Botschaft \u00fcbermitteln, dass es \u201ekeine Grenzen\u201c gibt, die die Nato-M\u00e4chte nicht zu \u00fcberschreiten bereit sind.<\/p>\n<p>Dieses Ereignis ist der H\u00f6hepunkt einer Allianz zwischen dem kanadischen Staat und der ukrainischen extremen Rechten, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zementiert wurde, als Kanada Zehntausenden von ukrainischen Nazi-Kollaborateuren seine T\u00fcren \u00f6ffnete. Dazu geh\u00f6rten Veteranen wie Hunka von der eigens geschaffenen rein ukrainischen 14. Division der Waffen-SS und Anh\u00e4nger beider Fl\u00fcgel der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN).<\/p>\n<p>Die kanadische Regierung nutzte die ukrainischen Faschisten in <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2022\/05\/16\/vxen-m16.html\">Zusammenarbeit mit dem Ukrainisch-Kanadischen Kongress (UCC)<\/a>, der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auf Gehei\u00df der Regierung gegr\u00fcndet worden war, als Instrument seiner Politik im Kalten Krieg.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten, als die kanadische Regierung zusammen mit Washington und ihren Nato-Partnern immer aggressiver darauf hinarbeitete, die Ukraine in die Nato und in die Europ\u00e4ische Union einzubinden, wurde das B\u00fcndnis mit dem UCC und der ukrainischen extremen Rechten f\u00fcr die kanadische Au\u00dfenpolitik immer wichtiger. Niemand verk\u00f6rpert dies besser als Chrystia Freeland, die stellvertretende kanandische Premierministerin und Finanzministerin. Freeland, die f\u00fchrende Kriegsfanatikerin in der Regierung, ist seit ihrer Jugend mit dem UCC verbunden. Ihr Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits war der Herausgeber von <em>Krakivski Visti<\/em>, der einzigen ukrainischen Zeitung, die unter der Nazi-Besatzung erscheinen durfte. Die Publikaton setzte sich f\u00fcr die Gr\u00fcndung der 14. Division der Waffen-SS in Galizien ein.<\/p>\n<p>Der Beifall des kanadischen Parlaments f\u00fcr Hunka ist nur das ungeheuerlichste Beispiel f\u00fcr die Tatsache, dass die Eskalation des Krieges von einem systematischen Versuch begleitet wird, den ukrainischen Faschismus zu rehabilitieren.<\/p>\n<p>Am 29. Juni bot die <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/07\/23\/fuku-j23.html\">Universit\u00e4t Stanford<\/a> dem neonazistischen ukrainischen Asow-Bataillon in einer von der Abteilung f\u00fcr slawische Sprachen und Literatur und der ukrainischen Studentenvereinigung organisierten Veranstaltung eine B\u00fchne. Mit faschistischen Insignien wie dem offiziellen Logo des Asowschen Bataillons, das bewusst dem Wolfsangel-Symbol der Nazis nachempfunden ist, wurde auf dem Campus f\u00fcr die Veranstaltung geworben.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr trafen sich f\u00fchrende Mitglieder der beiden wichtigsten Parteien des US-Imperialismus mit hochrangigen Soldaten des Asow-Bataillons im Kapitol in Washington D.C.<\/p>\n<p>Die Rehabilitierung des Faschismus im Zusammenhang mit dem Ausbruch des imperialistischen Militarismus ist in Deutschland besonders weit fortgeschritten. Seit 2014 haben f\u00fchrende Historiker mit Unterst\u00fctzung der politischen Elite und des Medienestablishments eine Kampagne zur Verharmlosung der monstr\u00f6sen Verbrechen des deutschen Imperialismus in den beiden Weltkriegen gestartet, darunter die Vernichtung von sechs Millionen Juden und der \u201eVernichtungskrieg\u201c gegen die Sowjetunion.<\/p>\n<p>Die Relativierung der Verbrechen des deutschen Imperialismus war von Anfang an von dem Bestreben beseelt, eine aggressive deutsche \u201eWeltpolitik\u201c wiederzubeleben. Mit dem Ukraine-Krieg zeigt Berlin einmal mehr seine Z\u00e4hne. Die Milit\u00e4rausgaben sind explodiert, da der deutsche Imperialismus eine f\u00fchrende Rolle bei der Unterwerfung Russlands und der Auspl\u00fcnderung der nat\u00fcrlichen Ressourcen dieses riesigen Landes beansprucht \u2013 ein Ziel, das Berlin in etwas mehr als einem Jahrhundert bereits zweimal erfolglos in Angriff nahm.<\/p>\n<p>Dieselben kapitalistischen Widerspr\u00fcche, welche die herrschenden Eliten der imperialistischen M\u00e4chte bei der Verfolgung ihrer r\u00e4uberischen Ambitionen dazu treiben, faschistische Massenm\u00f6rder wie Hunka zu umarmen, treiben auch die einzige gesellschaftliche Kraft, die diesem Wahnsinn Einhalt gebieten kann, in den revolution\u00e4ren Kampf: die internationale Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>Arbeiter in allen L\u00e4ndern rebellieren gegen die Entschlossenheit der herrschenden Eliten, sie f\u00fcr den Krieg und die Bereicherung der Finanzoligarchie zahlen zu lassen. Dies hat zu den gr\u00f6\u00dften Streiks und Massenprotesten seit Jahrzehnten gef\u00fchrt. Die dringende Aufgabe besteht darin, diese sozialen K\u00e4mpfe mit dem Kampf f\u00fcr den Aufbau einer globalen Antikriegsbewegung auf der Grundlage eines sozialistischen und internationalistischen Programms zu verbinden. Nur so ist dem imperialistischen Krieg und der Bedrohung durch den Faschismus sowie dem kapitalistischen System, das sie hervorbringt, ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Jaroslaw Hunka (vorne in der Mitte) unter den Soldaten der galizischen SS [Photo: Ivan Katchanovski\/Twitter or X]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/09\/26\/pers-s26.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. September 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keith Jones. 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