{"id":13779,"date":"2023-10-21T11:39:22","date_gmt":"2023-10-21T09:39:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13779"},"modified":"2023-10-21T11:39:23","modified_gmt":"2023-10-21T09:39:23","slug":"deutschland-1923-die-verpasste-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13779","title":{"rendered":"<strong>Deutschland 1923: Die verpasste Revolution<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em>1923 ersch\u00fctterte eine tiefe wirtschaftliche und politische Krise die deutsche Gesellschaft in ihren Grundfesten. Zum hundertj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um sind ein halbes Dutzend neue B\u00fccher \u00fcber dieses \u201eJahr am Abgrund\u201c erschienen, verfasst von bekannten Historikern und Journalisten wie Volker Ullrich und Peter Longerich. Offensichtlich sind die damaligen Ereignisse<!--more--> angesichts hoher Inflation, heftiger Klassenauseinandersetzungen und eskalierender Kriege wieder von brennender Aktualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die neuen B\u00fccher folgen alle demselben Narrativ: Als Folge von Hyperinflation, Verelendung und Radikalisierung sei die demokratische Republik durch Umsturzversuche von links und rechts in Gefahr geraten und schlie\u00dflich durch das beherzte Eingreifen der politisch und milit\u00e4risch Verantwortlichen gerettet worden.<\/p>\n<p>Studiert man die Ereignisse genauer \u2013 und dazu findet sich in den B\u00fcchern teilweise gutes Material \u2013, ergibt sich ein v\u00f6llig anderes Bild. Die soziale Krise zerfetzte die demokratische Fassade der Weimarer Republik und zeigte, was sie wirklich war: ein Deckmantel f\u00fcr die fortgesetzte Diktatur der alten Eliten des Kaiserreichs \u2013 der Gro\u00dfindustriellen, Gro\u00dfgrundbesitzer und Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p>Reichspr\u00e4sident Friedrich Ebert, ein Sozialdemokrat, \u201erettete\u201c die Republik, indem er die Reichswehr gegen aufst\u00e4ndische Arbeiter hetzte, die linken sozialdemokratischen Regierungen in Th\u00fcringen und Sachsen gewaltsam des Amtes enthob und die Exekutivgewalt im Reich an den Oberbefehlshaber der Reichswehr, General von Seeckt, \u00fcbertrug, also faktisch eine Milit\u00e4rdiktatur errichtete. Die Errichtung einer solchen Diktatur war auch das Ziel, das Hitler und General Ludendorff im November 1923 mit ihrem Putsch in M\u00fcnchen verfolgten.<\/p>\n<p>Nachdem es der Regierung Gustav Stresemanns Ende des Jahres gelungen war, die Inflation durch eine W\u00e4hrungsreform unter Kontrolle zu bringen, und sich die Wirtschaft dank amerikanischer Hilfe etwas erholt hatte, gab von Seeckt die Exekutivgewalt an die zivile Regierung zur\u00fcck. Doch das war nur ein Zwischenspiel. Als mit dem Wall-Street-Crash von 1929 die n\u00e4chste gro\u00dfe Krise Deutschland \u00fcberrollte, brach die demokratische Fassade endg\u00fcltig zusammen.<\/p>\n<p>Zwei Jahre lang regierte der Zentrumspolitiker Br\u00fcning mit Notverordnungen, die vom Reichspr\u00e4sidenten absegnet wurden. Als die Krise weiter eskalierte, begn\u00fcgte sich die herrschende Klasse nicht mehr mit einer vor\u00fcbergehenden \u00dcbertragung der Exekutivgewalt ans Milit\u00e4r, sondern berief Adolf Hitler zum Kanzler und erm\u00e4chtigte ihn zum Diktator. 1923 erwies sich als Vorspiel f\u00fcr die Errichtung der Nazi-Diktatur im Jahr 1933.<\/p>\n<p>Es gab eine Alternative. H\u00e4tte 1923 die Arbeiterklasse die Macht erobert und die alten Eliten entmachtet und enteignet, h\u00e4tten die deutsche und die Weltgeschichte einen anderen Verlauf genommen. Die M\u00f6glichkeit dazu bestand. Die Hyperinflation \u2013 auf dem H\u00f6hepunkt lag der Dollarkurs bei sechs Billionen Mark \u2013 polarisierte die Gesellschaft und radikalisierte die Arbeiterklasse und die Mittelschichten. Sie stie\u00df Arbeiter in bittere Armut und vernichtete die Ersparnisse der Kleinb\u00fcrger, w\u00e4hrend Krisengewinnler, wie der Gro\u00dfindustrielle Hugo Stinnes, gewaltige Verm\u00f6gen zusammenrafften.<\/p>\n<p>Die Stimmung war revolution\u00e4r. Die Kommunistische Partei wuchs auf Kosten der SPD. Ihre Mitgliederzahl stieg auf 300.000 und sie hatte die Mehrheit der sozialistisch gesinnten Arbeiter hinter sich. Doch ihre F\u00fchrung zeigte sich ihren Aufgaben nicht gewachsen. Sie passte sich zeitweise nationalistischen Stimmungen an und brauchte lange, bis sie die revolution\u00e4re Lage begriff. Erst im Sommer, als ein Generalstreik die Regierung Cuno zum R\u00fccktritt zwang, begann sie in enger Absprache mit der Kommunistischen Internationale in Moskau einen Aufstand zu planen.<\/p>\n<p>Doch als sich am 21. Oktober linke Sozialdemokraten auf einem Betriebsr\u00e4tekongress in Chemnitz gegen den vorbereiteten Aufstand aussprachen, sagte ihn die KPD in letzter Minute ab. Er brach nur in Hamburg aus, wo er innerhalb von drei Tagen niedergeschlagen wurde.<\/p>\n<p>Die Folgen des Scheiterns des sozialistischen Aufstands, des \u201edeutschen Oktobers\u201c, gingen weit \u00fcber Deutschland hinaus. In der Sowjetunion, wo die Arbeiterklasse den Fortschritt der deutschen Revolution hoffnungsvoll verfolgt hatte, st\u00e4rkte ihr Scheitern die konservative B\u00fcrokratie. Im selben Monat wurde die <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/18\/joul-o18.html\">Linke Opposition<\/a> gegr\u00fcndet, die den Kampf gegen die B\u00fcrokratie aufnahm.<\/p>\n<p>Die \u201eLehren des Oktobers\u201c spielten eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung zwischen B\u00fcrokratie und Opposition. Als Trotzki in einer Brosch\u00fcre dieses Titels die Lehren aus der deutschen Niederlage zog, wurde er von Stalin und seinen Verb\u00fcndeten heftig angegriffen. Zehn Jahre sp\u00e4ter sollte die katastrophale Politik, die Stalin der KPD <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/08\/25\/port-a25.html\">aufzwang<\/a>, Hitler den Weg an die Macht bahnen.<\/p>\n<p>Die neuen B\u00fccher \u00fcber das Jahr 1923 blenden die Bedeutung des \u201edeutschen Oktobers\u201c und seines Scheiterns weitgehend aus. Sie tun ihn mit wenigen Zeilen ab oder stellen ihn als aussichtlosen Putschversuch einer kleinen Gruppe dar, die keinen R\u00fcckhalt unter den Massen hatte.<\/p>\n<p>Auch Volker Ullrich, der dem \u201edeutschen Oktober\u201c in seinem ansonsten lesenswerten Buch \u201eDeutschland 1923. Das Jahr am Abgrund\u201c ein ganzes Kapitel widmet, gelangt zum Schluss, mit der Ablehnung der Aufstandspl\u00e4ne durch Vertreter der SPD in Chemnitz sei \u201eklar zutage getreten, dass sowohl die Komintern als auch die deutschen Kommunisten die Stimmung in der Arbeiterschaft falsch eingesch\u00e4tzt hatten\u201c. Die Zentrale der KPD habe darauf \u201edie einzig m\u00f6gliche Konsequenz\u201c gezogen und den Aufstandsplan aufgegeben.<\/p>\n<p>Der folgende Artikel, der auf einem im Sommer 2007 gehaltenen Vortrag beruht, und erstmals am 22. Oktober 2008 auf der WSWS ver\u00f6ffentlicht wurde, zeigt, dass dies nicht stimmt. Der \u201edeutsche Oktober\u201c scheiterte nicht an der \u201eStimmung der Massen\u201c, die in jeder Hinsicht revolution\u00e4r war, sondern an den politischen Fehlern und dem Z\u00f6gern der KPD und der Kommunistischen Internationale unter F\u00fchrung von Sinowjew, der damals eng mit Stalin verb\u00fcndet war.<\/p>\n<p>Der Artikel zeigt, dass f\u00fcr eine erfolgreiche sozialistische Revolution zwei Voraussetzungen erf\u00fcllt sein m\u00fcssen: Eine objektiv revolution\u00e4re Situation, die der Arbeiterklasse keinen anderen Ausweg mehr l\u00e4sst als den Sturz des Kapitalismus, und eine revolution\u00e4re F\u00fchrung, die in der Arbeiterklasse verankert und ihren Aufgaben gewachsen ist.<\/p>\n<p><strong>* * *<\/strong><\/p>\n<p>1923 entwickelte sich in Deutschland eine \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstige revolution\u00e4re Gelegenheit. Die Kommunistische Partei (KPD) bereitete in enger Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Internationale einen Aufstand vor \u2013 und sagte ihn am 21. Oktober in letzter Minute ab. Trotzki sprach sp\u00e4ter von einem klassischen Beispiel, \u201ewie man eine ganz au\u00dfergew\u00f6hnliche revolution\u00e4re Situation von welthistorischer Bedeutung verpassen kann\u201c.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die deutsche Niederlage von 1923 hatte weitreichende Folgen: Sie erm\u00f6glichte es der Bourgeoisie, ihre Herrschaft in Deutschland zu festigen und die Lage etwa sechs Jahre lang stabil zu halten. Als 1929 die n\u00e4chste gro\u00dfe kapitalistische Krise ausbrach, war die Arbeiterklasse durch die stalinistische F\u00fchrung der KPD gr\u00fcndlich desorientiert. Das f\u00fchrte zu den fatalen Ereignissen, die in der Machtergreifung Hitler gipfelten. Auf internationaler Ebene verl\u00e4ngerte die Niederlage des deutschen Oktobers die Isolation der Sowjetunion und trug so als wichtiger psychologischer und materieller Faktor zum Aufstieg der stalinistischen B\u00fcrokratie bei.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen die strategischen und taktischen Lehren aus dem deutschen Oktober, Lehren, die sich rasch zu einem heftigen Streitpunkt in der Auseinandersetzung zwischen der Linken Opposition und der Troika Stalin, Sinowjew und Kamenew entwickelten. Um diese Lehren zu verstehen, ist es notwendig, einleitend die Ereignisse des Jahres 1923 kurz zusammenzufassen.<\/p>\n<p><strong>Deutschland 1923<\/strong><\/p>\n<p>Alle grundlegenden Fragen, die den deutschen Imperialismus 1914 in den Ersten Weltkrieg getrieben hatten \u2013 der Zugang zu M\u00e4rkten und Rohstoffen f\u00fcr seine dynamische Industrie, die Reorganisation Europas unter seiner Vorherrschaft \u2013 blieben 1923 ungel\u00f6st. Deutschland hatte nicht nur den Krieg verloren und hohe Verluste an Menschenleben und materiellen Ressourcen erlitten, es war durch den Versailler Vertrag auch verpflichtet worden, hohe Reparationszahlungen an seinen Hauptrivalen Frankreich und andere imperialistische M\u00e4chte zu leisten.<\/p>\n<p>Die unmittelbaren Nachkriegsjahre 1918 bis 1921 waren durch eine Reihe von Aufst\u00e4nden gepr\u00e4gt, die durch die vereinten Anstrengungen der Sozialdemokratie und rechter paramilit\u00e4rischer Kr\u00e4fte niedergeschlagen wurden. Am 11. Januar 1923 besetzten franz\u00f6sische und belgische Truppen das Ruhrgebiet und heizten damit die politische und soziale Krise in Deutschland erneut an.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Regierung begr\u00fcndete die milit\u00e4rische Besetzung des Zentrums der deutschen Stahl- und Kohleindustrie damit, dass Deutschland seinen Reparationsverpflichtungen nicht nachgekommen sei. Die deutsche Reichsregierung \u2013 eine rechte Regierung unter dem Gro\u00dfindustriellen Wilhelm Cuno, die von der SPD toleriert wurde \u2013 rief zum \u201epassiven Widerstand\u201c auf. In der Praxis bedeutete dies, dass die deutsche Verwaltung und die Industrie des Ruhrgebiets die Besatzungsm\u00e4chte boykottierten. Die Reichsregierung zahlte die Geh\u00e4lter der Verwaltung weiter und kam f\u00fcr die Verluste der Kohlen- und Stahlbarone auf.<\/p>\n<p>Als Folge dieser gewaltigen Ausgaben und des Ausbleibens der dringend ben\u00f6tigten Kohle und des Stahls aus dem Ruhrgebiet st\u00fcrzte der ohnehin defizit\u00e4re Staatshaushalt v\u00f6llig ab. Die Inflation stieg ins Unermessliche. Zu Beginn des Jahres stand der Au\u00dfenwert der inflation\u00e4ren deutschen W\u00e4hrung bei 21.000 Mark pro US-Dollar. Ende des Jahres, auf dem H\u00f6hepunkt der Inflation, war ein US-Dollar fast sechs Billionen Mark wert \u2013 eine Zahl mit zw\u00f6lf Nullen!<\/p>\n<p>Die Hyperinflation hatte explosive soziale und politische Folgen. Sie polarisierte die Gesellschaft wie nie zuvor. F\u00fcr Arbeiter war sie existenzbedrohend. Wenn sie am Ende der Woche ihren Lohn erhielten, war er kam noch das Papier wert, auf das die hohen Summen gedruckt wurden. Die Frauen warteten am Abend vor dem Werkstor, um mit dem Gehalt zum n\u00e4chsten Gesch\u00e4ft zu rennen, bevor das Geld am folgenden Morgen wertlos war.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Ein Ei, das am 3. Februar noch f\u00fcr 300 Mark zu haben war, kostete am 5. August 12.000 Mark und drei Tage sp\u00e4ter bereits 30.000 Mark. Obwohl die L\u00f6hne an die Inflation angepasst wurden, fiel der Durchschnittslohn in Dollar gemessen im Lauf von sechs Monaten um 50 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen rasant an: Von unter hunderttausend zu Beginn des Jahres auf 3,5 Millionen Arbeitslose und 2,3 Millionen Kurzarbeiter am Ende des Jahres.<\/p>\n<p>Die Arbeiter waren aber nicht die einzigen, die durch die Inflation ruiniert wurden. Wer eine Rente bezog oder sich etwas erspart hatte, war \u00fcber Nacht mittellos. Viele mussten ihr Haus, ihren Schmuck, oder was sie sonst im Lauf ihres Lebens erarbeitet hatten, verkaufen, um zu \u00fcberleben \u2013 nur um dann festzustellen, dass der erzielte Erl\u00f6s nach wenigen Tagen nichts mehr wert war. Arthur Rosenberg, Autor der ersten ma\u00dfgeblichen Geschichte der Weimarer Republik, schreibt dazu: \u201eDie systematische Enteignung des deutschen Mittelstandes, nicht etwa durch eine sozialistische Regierung, sondern in einem b\u00fcrgerlichen Staat, der den Schutz des Privateigentums auf seine Banner geschrieben hatte, ist ein beispielloses Ereignis. Es war eine der gr\u00f6\u00dften R\u00e4ubereien der Weltgeschichte.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite gab es eine Gruppe von Spekulanten, Schiebern und Industriellen, die sich an der Inflation hemmungslos bereicherten. Wer Zugang zu Devisen oder Gold hatte und deutsche Waren ins Ausland exportierte, konnte aufgrund der niedrigen L\u00f6hne fabelhafte Profite einstreichen. Wertgegenst\u00e4nde, H\u00e4user, ganze Fabriken wechselten f\u00fcr ein Taschengeld den Besitzer. Diese Schichten standen hinter der Regierung Cuno. Der Bekannteste unter ihnen war der Industrielle Hugo Stinnes, der in dieser Zeit 1.300 Unternehmen aufkaufte und Milliarden verdiente. Er geh\u00f6rte auch zu den wichtigsten politischen Drahtziehern.<\/p>\n<p>Die Versch\u00e4rfung der sozialen Gegens\u00e4tze und der Zerfall des Mittelstandes hatten eine scharfe politische Polarisierung zur Folge.<\/p>\n<p>Die Sozialdemokratie verlor rasch an Einfluss und Mitgliedern und durchlief einen inneren Zersetzungsprozess. Die SPD war seit dem Sturz des Kaiserregimes durch die Novemberrevolution 1918 die wichtigste St\u00fctze der b\u00fcrgerlichen Herrschaft in Deutschland gewesen. 1918 hatte sie sich mit den Spitzen der Reichswehr und paramilit\u00e4rischen Freikorps verb\u00fcndet, um die proletarische Revolution zu ersticken und deren bekanntesten F\u00fchrer \u2013 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht \u2013 zu ermorden. Die SPD verteidigte als einzige Partei in Deutschland bedingungslos die Weimarer Republik. Alle anderen b\u00fcrgerlichen Parteien h\u00e4tten eine mehr autorit\u00e4re Herrschaftsform vorgezogen. Mit Friedrich Ebert stellte die SPD den ersten Reichspr\u00e4sidenten der Weimarer Republik. Ebert hatte dieses Amt bis zu seinem Tod im Februar 1925 inne \u2013 also auch w\u00e4hrend der gesamten Zeit, mit der sich dieser Vortrag befasst.<\/p>\n<p>Die konterrevolution\u00e4re Politik der SPD hatte viele Arbeiter abgesto\u00dfen und zur KPD gebracht. Die Gewerkschaften und mit ihnen eine Schicht konservativer Arbeiter unterst\u00fctzten aber bis 1923 immer noch die SPD. Mit der Inflation \u00e4nderte sich das.<\/p>\n<p>Der Historiker Arthur Rosenberg (er war 1923 f\u00fchrendes KPD-Mitglied und wechselte sp\u00e4ter zur SPD) schreibt: \u201eIm Verlauf des Jahres 1923 nahm die Kraft der SPD st\u00e4ndig ab. &#8230; Vor allem die Gewerkschaften, die stets die Hauptst\u00fctze des sozialdemokratischen Einflusses gewesen waren, befanden sich in voller Aufl\u00f6sung. &#8230; Millionen von deutschen Arbeitern wollten von der alten Gewerkschaftstaktik nichts mehr wissen und verlie\u00dfen die Verb\u00e4nde. Die Zersetzung der Gewerkschaften war zugleich eine Lahmlegung der SPD.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Gewerkschaften zerfielen, achteten sozialdemokratische Arbeiter sorgf\u00e4ltig auf die Aussagen der Kommunisten. Innerhalb der SPD entwickelte sich ein linker Fl\u00fcgel, der zur Zusammenarbeit mit der KPD bereit war. Wie wir noch sehen werden, kam es im Oktober sowohl in Sachsen wie in Th\u00fcringen kurzfristig zu Koalitionsregierungen von SPD und KPD. Den Mitgliederverlusten und dem sinkenden Einfluss der SPD stand ein entsprechendes Wachstum der KPD gegen\u00fcber. Deren Mitgliederzahl erh\u00f6hte sich innerhalb eines Jahres von 225.000 auf 295.000.<\/p>\n<p>Da zwischen 1920 und 1924 keine Reichtagswahlen stattfanden, lassen sich \u00fcber den Einfluss der KPD nur schwer repr\u00e4sentative Zahlen finden. Einen Hinweis geben die Wahlen in dem kleinen, l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Freistaat Mecklenburg-Strelitz: 1920 hatte die SPD dort 23.000 und die USPD (deren Mehrheit sich sp\u00e4ter der KPD anschloss) 2.000 Stimmen erhalten; die KPD war gar nicht angetreten. Im Sommer 1923 lagen SPD und KPD mit jeweils rund 11.000 Stimmen fast gleichauf. Im Saarland &#8211; einer urspr\u00fcnglich katholisch gepr\u00e4gten Bergbauregion &#8211; erh\u00f6hte die KPD ihre W\u00e4hlerstimmen zwischen 1922 und 1924 von 14.000 auf 39.000.<\/p>\n<p>Innerhalb der Gewerkschaften wuchs der Einfluss der Kommunisten auf Kosten der SPD ebenfalls. So gewann die KPD im Sommer 1923 bei den Delegiertenwahlen zum Kongress des Deutschen Metallarbeiterverbands in Berlin 54.000 Stimmen, die SPD 22.000 und damit noch nicht einmal halb so viele. Laut Aussage eines KPD-F\u00fchrers verf\u00fcgte die Partei im Juni \u00fcber 500 organisierte Gruppen in der 1,6 Millionen Mitglieder z\u00e4hlenden Gewerkschaft; 720.000 Metallarbeiter unterst\u00fctzten die Kommunisten. Der Historiker Hermann Weber schreibt in seinem Buch \u00fcber die Geschichte der KPD: \u201eDas Jahr 1923 brachte &#8230; einen stetig wachsenden Einfluss der KPD, der es vermutlich zeitweise gelang, die Mehrheit der sozialistisch orientierten Arbeiter auf ihre Seite zu ziehen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Die KPD vor 1923<\/strong><\/p>\n<p>Bevor wir auf die weiteren Ereignisse des Jahres 1923 eingehen, ist ein kurzer R\u00fcckblick auf die Entstehung der KPD erforderlich. Sie war 1923 alles andere als eine einheitliche, gefestigte Partei. Sie war zwar erst vier Jahre alt, hatte aber bereits gro\u00dfe Ereignisse erlebt und mehrere F\u00fchrungswechsel, Spaltungen und Zusammenschl\u00fcsse durchgemacht. Sie war von scharfen inneren Spannungen gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die herausragende theoretische und politische F\u00fchrungsfigur der KPD war zweifellos Rosa Luxemburg gewesen, die nur zwei Wochen nach dem Gr\u00fcndungskongress ermordet wurde \u2013 ein unersetzlicher Verlust. Luxemburg war eine Revolution\u00e4rin von au\u00dferordentlichem Mut und hoher Integrit\u00e4t. Ihre Schriften \u00fcber den Revisionismus und ihr Kampf gegen die Rechtsentwicklung der SPD \u2013 die sie fr\u00fcher und deutlicher als Lenin erkannt hatte \u2013, geh\u00f6ren zum Besten, was in der marxistischen Literatur geschrieben wurde.<\/p>\n<p>Aber \u00e4hnlich wie Trotzki \u2013 und l\u00e4nger als dieser \u2013 hatte Luxemburg aus dem Verst\u00e4ndnis des Revisionismus nicht derart konsequente organisatorische Schlussfolgerungen gezogen wie Lenin. Selbst als sie nach dem 4. August 1914 die Gruppe Internationale, den sp\u00e4teren Spartakusbund gr\u00fcndete, brach sie nicht formal mit der SPD. Nicht die Partei verlassen, sondern den Kurs der Partei \u00e4ndern, lautete ihre Devise.<\/p>\n<p>Auf der Zimmerwalder Konferenz von 1915 wies der Spartakusbund Lenins Aufruf f\u00fcr eine neue Internationale zur\u00fcck, und noch im M\u00e4rz 1919, auf dem ersten Kongress der Dritten Internationale, enthielt sich der KPD-Delegierte Hugo Eberlein bei der Abstimmung \u00fcber die Gr\u00fcndung der neuen Internationale. Er war von der KPD beauftragt worden, die Gr\u00fcndung abzulehnen, wurde in Moskau aber vom Gegenteil \u00fcberzeugt und enthielt sich deshalb der Stimme.<\/p>\n<p>1917 gr\u00fcndeten Reichtagsabgeordnete, die wegen ihrer Weigerung, weiterhin f\u00fcr die Kriegskredite zu stimmen, aus der SPD ausgeschlossen worden waren, die Unabh\u00e4ngige SPD. Der Spartakusbund schloss sich dieser zentristischen Organisation als Fraktion an, obwohl zu den bekanntesten F\u00fchrern der USPD neben Karl Kautsky auch Eduard Bernstein geh\u00f6rte, der theoretische Kopf des deutschen Revisionismus. Luxemburg rechtfertigte den Beitritt mit dem Argument, der Spartakusbund habe sich der USPD nicht angeschlossen, um in einer r\u00fcckgratlosen Opposition zu versinken. \u201eSie ist der neuen Partei beigetreten, um \u2013 im Vertrauen auf zunehmende Versch\u00e4rfung der allgemeinen sozialen Lage und im bewussten Hinarbeiten auf sie \u2013 die neue Partei vorw\u00e4rts zu dr\u00e4ngen, ihr mahnendes Gewissen zu sein und [&#8230;] die wirkliche F\u00fchrerschaft der Partei zu \u00fcbernehmen\u201c, schrieb sie.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Spartakusbund weigerte sich die von Karl Radek und Paul Fr\u00f6lich, Luxemburgs sp\u00e4terem Biografen, gef\u00fchrte Bremer Linke, der USPD beizutreten. Sie bezeichnete dies als Zeitverschwendung. Luxemburg griff sie deshalb scharf an. Sie brandmarkte ihr Eintreten f\u00fcr eine Unabh\u00e4ngige Partei als \u201eKleink\u00fcchensystem\u201c und schrieb: \u201eSchade, dass dieses einzig richtige Kleink\u00fcchensystem die Hauptsache vergisst, n\u00e4mlich die objektiven historischen Verh\u00e4ltnisse, die letzten Endes f\u00fcr das Verhalten der Massen ausschlaggebend sind und sein werden. [&#8230;] Es gen\u00fcgt nicht, dass eine Handvoll Leute das beste Rezept in der Tasche hat und schon wei\u00df, wie man die Massen f\u00fchren soll. Diese Massen m\u00fcssen geistig den Traditionen der 50j\u00e4hrigen Vergangenheit entrissen, von ihnen befreit werden. Und das k\u00f6nnen sie nur im gro\u00dfen Prozess st\u00e4ndiger sch\u00e4rfster innerer Selbstkritik der Bewegung im ganzen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Erst im Dezember 1918, einen Monat nachdem drei USPD-F\u00fchrer in eine provisorische Regierung unter den SPD-F\u00fchrern Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann eingetreten waren, brach der Spartakusbund mit der USPD. Die Regierung Ebert wurde zum Henker der Novemberrevolution. Sie verb\u00fcndete sich bald mit der milit\u00e4rischen F\u00fchrung. Die USPD hatte ihre Aufgabe erf\u00fcllt und wurde nicht l\u00e4nger ben\u00f6tigt. Am Ende des Jahres, inmitten heftiger revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe, gr\u00fcndeten der Spartakusbund, die Bremer Linke und einige weitere linke Organisationen dann schlie\u00dflich die KPD.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4te Gr\u00fcndung einer wirklich revolution\u00e4ren, von den Sozialdemokraten und Zentristen unabh\u00e4ngigen Partei erkl\u00e4rt zum Teil, weshalb es in Deutschland zu Beginn der zwanziger Jahre so viele ultralinke Str\u00f6mungen gab. Der Verrat der SPD \u2013 erst 1914 mit der Unterst\u00fctzung des Weltkriegs und dann 1918 mit der blutigen Niederschlagung der Revolution \u2013 l\u00f6ste eine scharfe Reaktion unter Arbeitern aus, die sich in Ermangelung einer entschlossenen, den Bolschewiki vergleichbaren Organisation verschiedenen Formen des Linksradikalismus oder sogar des Anarchismus zuwandten. Dieses Problem sollte die KPD noch lange qu\u00e4len.<\/p>\n<p>Auf dem Gr\u00fcndungsparteitag befand sich Luxemburg in der Frage der Teilnahme an den Wahlen in der Minderheit. Die Mehrheit lehnte jede parlamentarische Arbeit ab. Und au\u00dferhalb der Partei gab es viele weitere ultralinke Tendenzen. Im April 1920 brach der linke Fl\u00fcgel nach einem bewaffneten Arbeiteraufstand an der Ruhr von der Partei und bildete die KAPD, die ultralinke, antiparlamentarische und anarchistische Vorstellungen vertrat. Die KAPD nahm einen betr\u00e4chtlichen Teil der Mitgliedschaft mit \u2013 einigen Quellen zufolge sogar die Mehrheit. Sie zerfiel allerdings rasch, da sie \u00fcber kein schl\u00fcssiges Programm verf\u00fcgte. Die Komintern bem\u00fchte sich erfolgreich darum, die gesunden Teile der KAPD zur\u00fcck zu gewinnen, und lud sie sogar zu einem ihrer Kongresse ein.<\/p>\n<p>Am meisten profitierte 1919 allerdings die USPD von der Linksentwicklung der Arbeiterklasse. 1920 gewann sie bei den Reichtagswahlen 5 Millionen Stimmen. Die SPD erhielt mit 6 Millionen Stimmen nur wenig mehr, die KPD lediglich 600.000.<\/p>\n<p>Die USPD war eine klassische zentristische Partei. Die F\u00fchrung bewegte sich nach rechts und traf sich dabei mit Arbeitern, die sich nach links bewegten. Viele USPD-Anh\u00e4nger bewunderten die Sowjetunion, und die rechten F\u00fchrer der USPD waren zunehmend isoliert. Mit seinen 21 Beitrittsbedingungen vertiefte der Zweite Kongress der Komintern die Gegens\u00e4tze innerhalb der USPD. Im Dezember 1920 schloss sich die Mehrheit schlie\u00dflich der KPD an \u2013 oder der Vereinigten KPD, wie sie nun f\u00fcr einige Zeit hie\u00df. Die Minderheit ging sp\u00e4ter in die SPD zur\u00fcck. Der Zusammenschluss mit der USPD erh\u00f6hte die Mitgliederzahl der KPD um ein F\u00fcnffaches und verwandelte sie in eine Massenpartei. Aber die neuen Mitglieder brachten auch viele Probleme der Vergangenheit und die zentristischen Traditionen der USPD mit sich.<\/p>\n<p>1921 rief ein gescheiterter Aufstand in Mitteldeutschland &#8211; die sogenannte M\u00e4rzaktion \u2013 in der KPD eine neue Krise hervor. Weil die Reichsregierung Polizeieinheiten zur Entwaffnung der Arbeiter in die Fabriken geschickt hatte, riefen KPD und KAPD zum Generalstreik und zum Sturz der Reichsregierung auf. Der Aufstand war eindeutig verfr\u00fcht. Er endete mit einer blutigen Niederlage. In den K\u00e4mpfen und der anschlie\u00dfenden blutigen Repression fanden ungef\u00e4hr 2.000 Arbeiter den Tod. Paul Levi, eine enger Freund Rosa Luxemburgs und wichtiger F\u00fchrer der Partei, der \u2013 richtigerweise \u2013 von Anfang an gegen den Aufstand eingetreten war, reagierte, indem er die Partei \u00f6ffentlich angriff. Er wurde schlie\u00dflich ausgeschlossen und fand seinen Weg zur\u00fcck in die Sozialdemokratie.<\/p>\n<p>Die deutschen M\u00e4rzereignisse standen im Mittelpunkt der Debatte des Dritten Kominternkongresses, der vom 22. Juni bis zum 21. Juli 1921 in Moskau stattfand. Trotzki bezeichnete den Kongress sp\u00e4ter als \u201eWegweiser\u201c und fasste seine Bedeutung mit den Worten zusammen: \u201eEr stellte fest, dass die Mittel der Kommunistischen Parteien, politisch wie auch organisatorisch, f\u00fcr eine Eroberung der Macht nicht ausreichten. Er stellte die Parole auf: \u201aHeran an die Massen\u2018, d.h. an die Eroberung der Macht durch die <em>vorhergehende Eroberung der Massen<\/em> in ihrem t\u00e4glichen Leben und Kampf. Denn die Masse lebt auch in einer revolution\u00e4ren Epoche ihr Alltagsleben, wenn auch auf etwas andere Art und Weise.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der Dritte Kongress trat f\u00fcr \u00dcbergangsforderungen, die Taktik der Einheitsfront und die Forderung nach einer Arbeiterregierung ein, um das Vertrauen von Arbeitern zu gewinnen, die weiterhin die Sozialdemokraten unterst\u00fctzten. Er beharrte auf der Notwendigkeit, innerhalb der Gewerkschaften zu arbeiten. Das stie\u00df auf den erbitterten Widerstand von linken und ultralinken Str\u00f6mungen innerhalb der KPD, die f\u00fcr die sogenannte \u201eOffensivtheorie\u201c eintraten und jede Form von Kompromiss, von parlamentarischer und von Gewerkschaftsarbeit ablehnten. Sie wurden von Bucharin unterst\u00fctzt, dem sp\u00e4teren F\u00fchrer der rechten Opposition, der f\u00fcr eine \u201eununterbrochene revolution\u00e4re Offensive\u201c eintrat. In Antwort auf diese Str\u00f6mungen verfasste Lenin seine Schrift \u201eDer \u201alinke Radikalismus\u2018, die Kinderkrankheit im Kommunismus\u201c.<\/p>\n<p>Studiert man die damaligen Auseinandersetzungen, f\u00e4llt auf, dass Lenin und Trotzki extrem geduldig mit den unterschiedlichen Str\u00f6mungen der KPD umgingen. Sie bem\u00fchten sich, zu erziehen, zu erkl\u00e4ren, zu konsolidieren und verfr\u00fchte Spaltungen zu vermeiden. Sie z\u00fcgelten Hei\u00dfsporne auf der Linken und auf der Rechten, die ihre Gegner ausschlie\u00dfen wollten. Sie versuchten Levi in der Partei zu halten, bis sein provokatives Benehmen dies unm\u00f6glich machte. W\u00e4hrend des Dritten Kongresses diskutierten sie stundenlang im kleinen Kreis mit den verschiedenen KPD-Fraktionen. Sie blieben unnachgiebig gegen\u00fcber den Linksradikalen, waren sich aber auch eines konservativen Elements in der Parteif\u00fchrung bewusst, auf das diese Linken reagierten. Anders gesagt: Lenin und Trotzki waren bem\u00fcht, eine ausgeglichene, erfahrene F\u00fchrung zu entwickeln, die mit Widerspr\u00fcchen umgehen und rasch auf ver\u00e4nderte Umst\u00e4nde reagieren konnte. Sie standen damit in deutlichem Gegensatz zu den Methoden, welche die Komintern sp\u00e4ter unter Stalin entwickeln sollte.<\/p>\n<p><strong>Der Ruhrkampf<\/strong><\/p>\n<p>Eineinhalb Jahre nach dem Dritten Kominternkongress waren die Konflikte innerhalb der KPD nicht wirklich gel\u00f6st. Als franz\u00f6sische Truppen die Ruhr besetzten, entbrannte der Streit zwischen der F\u00fchrungsmehrheit und der linken Opposition wieder mit voller Kraft. Es gab Differenzen \u00fcber den Kurs, der im besetzten Ruhrgebiet verfolgt werden sollte, und \u00fcber die Frage, ob die KPD eine linke SPD-Regierung in Sachsen unterst\u00fctzen solle.<\/p>\n<p>An der Spitze der KPD stand nun Heinrich Brandler, ein Gr\u00fcndungsmitglied des Spartakusbunds. W\u00e4hrend viele fr\u00fchere Linke scharf nach rechts geschwenkt waren, hatte sich unter der F\u00fchrung von Ruth Fischer, Arkadi Maslow und \u2013 in geringerem Ma\u00dfe \u2013 Ernst Th\u00e4lmann ein neuer linker Fl\u00fcgel herausgebildet. Fischer und Maslow waren junge Intellektuelle, die der Bewegung erst nach dem Krieg beigetreten waren. Hinter ihnen stand die Mehrheit der einflussreichen Berliner Organisation. Th\u00e4lmann war Arbeiter und durch die USPD zur KPD gesto\u00dfen. Er f\u00fchrte die Partei in Hamburg.<\/p>\n<p>Am 10. Januar fiel die SPD-Regierung in Sachsen und die KPD warb f\u00fcr eine Einheitsfront und eine Arbeiterregierung. W\u00e4hrend die Mehrheit der SPD eine Koalition mit b\u00fcrgerlichen Parteien bevorzugte, trat eine linke Minderheit f\u00fcr ein B\u00fcndnis mit der KPD ein. Die KPD f\u00fchrte eine energische Kampagne f\u00fcr ein \u201eArbeiterprogramm\u201c, das neben anderen die folgenden Forderungen enthielt: Beschlagnahmung des Eigentums der fr\u00fcheren k\u00f6niglichen Familie, Bewaffnung der Arbeiter, S\u00e4uberung der Justiz, der Polizei und der Verwaltung, Einberufung eines Betriebsr\u00e4tekongresses und Kontrolle der Preise durch gew\u00e4hlte Komitees.<\/p>\n<p>Dieses Programm fand in der SPD Unterst\u00fctzung, wo der linke Parteifl\u00fcgel schlie\u00dflich die Mehrheit gewann. Die SPD akzeptierte das \u201eArbeiterprogramm\u201c mit einer Ausnahme: der Aufl\u00f6sung des Parlaments und der Einberufung eines Betriebsr\u00e4tekongresses. Auf dieser Grundlage bildete die SPD eine Regierung, die von der KPD unterst\u00fctzt wurde.<\/p>\n<p>Die KPD-F\u00fchrung und Radek, der mittlerweile eine F\u00fchrungsfunktion in der Komintern aus\u00fcbte, unterst\u00fctzten diesen Schritt. Die KPD-Linke lehnte ihn dagegen entschieden ab. In ihren Augen war die Unterst\u00fctzung der s\u00e4chsischen Regierung kein zeitweiliger taktischer Schritt, um sozialdemokratische Arbeiter zu gewinnen, sondern eine politische Anpassung an die linken Sozialdemokraten, die sie als ebenso verr\u00e4terisch wie die rechten einsch\u00e4tzten. Ihr Misstrauen war nicht unbegr\u00fcndet, wie die sp\u00e4teren Ereignisse zeigen sollten: Am 21. Oktober blies Brandler den vorbereiteten Aufstand ab, weil ihn die linken Sozialdemokraten nicht unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>An der Ruhr, wo sich die SPD uneingeschr\u00e4nkt hinter die Kampagne des \u201epassiven Widerstands\u201c der Cuno-Regierung stellte, distanzierte sich die KPD hingegen deutlich von ihr. Die Cuno-Regierung ihrerseits arbeitete mit paramilit\u00e4rischen, heimlich von der Reichswehr unterst\u00fctzten Gruppen und mit faschistischen Banden zusammen, die sie zu Sabotageakten gegen die franz\u00f6sischen Besatzer ermutigte. Aus ganz Deutschland str\u00f6mten rechte und faschistische Kr\u00e4fte an die Ruhr, mit denen sich die SPD in einer faktischen Allianz wieder fand.<\/p>\n<p>Die KPD wandte sich gegen den Nationalismus der SPD und verurteilte ihn scharf. Sie sah darin eine Wiederholung ihrer Haltung im Jahr 1914, als die SPD die Kriegskredite f\u00fcr den Ersten Weltkrieg unterst\u00fctzt hatte. Die KPD rief zum Kampf gegen die franz\u00f6sischen Besatzer <em>und<\/em> die Berliner Regierung auf. Eine Schlagzeile der <em>Roten Fahne<\/em> lautete: \u201eSchlagt Poincar\u00e9 an der Ruhr und Cuno an der Spree\u201c. Diese Linie fand ihre Best\u00e4tigung, als Arbeiter gegen die unertr\u00e4glichen sozialen Zust\u00e4nde rebellierten und gegen die Besatzer, die \u00f6rtlichen Unternehmer und die Berliner Regierung gleicherma\u00dfen protestierten.<\/p>\n<p>Doch bald mischten sich die F\u00fchrer der KPD-Linken ein und agitierten auf Parteiversammlungen an der Ruhr. Ruth Fischer verlangte, die KPD solle die Arbeiter zur \u00dcbernahme der Betriebe und Bergwerke, zur Ergreifung der politischen Macht und zur Errichtung einer Arbeiterrepublik an der Ruhr aufrufen. Diese Arbeiterrepublik werde dann \u201edie Basis sein, von der aus eine Arbeiterarmee nach Mitteldeutschland marschieren, die Macht in Berlin ergreifen und ein- f\u00fcr allemal die nationalistische Gegenrevolution erledigen sollte\u201c.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das war ein abenteuerlicher Kurs, vergleichbar mit der M\u00e4rzaktion von 1921. Ein Aufstand an der Ruhr w\u00e4re isoliert geblieben, da es im \u00fcbrigen Deutschland keine Vorbereitungen zu seiner Unterst\u00fctzung gab. Au\u00dferdem wimmelte es im Ruhrgebiet von paramilit\u00e4rischen und faschistischen Kr\u00e4ften und die franz\u00f6sische Besatzungsarmee h\u00e4tte einem proletarischen Aufstand kaum ruhig zugesehen. Die franz\u00f6sischen Besatzer verfolgten zwar die Streiks mit einer gewissen Sympathie, solange sie sich gegen die deutsche Regierung richteten, aber ein proletarischer Aufstandsversuch w\u00e4re eine v\u00f6llig andere Sache gewesen.<\/p>\n<p>Als die Fraktionsk\u00e4mpfe innerhalb der KPD immer bitterer wurden, lud Sinowjew, der Sekret\u00e4r der Komintern, beide Seiten nach Moskau ein, wo ein Kompromiss erzielt wurde. Die Komintern erkl\u00e4rte sich mit der Unterst\u00fctzung der s\u00e4chsischen SPD-Regierung durch die KPD einverstanden, kritisierte aber Formulierungen, die andeuteten, es handle sich um mehr als um eine zeitweilige Taktik. Fischers Pl\u00e4ne f\u00fcr die Ruhr wies sie zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die einstimmig verabschiedet Kompromissresolution enth\u00e4lt keinerlei Hinweise, dass sich die Kominternf\u00fchrung \u00fcber das wachsende Tempo der Ereignisse in Deutschland bewusst war und Schlussfolgerungen daraus zog. Es hei\u00dft darin im Gegenteil: \u201eDie Differenzen in der Partei haben zur Grundlage den langsamen Gang der revolution\u00e4ren Entwicklung in Deutschland und die durch ihn erzeugten objektiven Schwierigkeiten, die aus der Partei rechte wie linke Abweichungen erzeugen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Schlageterkurs<\/strong><\/p>\n<p>Im Juni f\u00fchrte Radek einen neuen Schwenk ein, der die ohnehin verwirrte KPD noch weiter desorientierte \u2013 den Schlageterkurs.<\/p>\n<p>Die KPD hatte sich seit einiger Zeit Sorgen \u00fcber das Anwachsen des Faschismus in Deutschland gemacht. Im Oktober 1922 hatte Mussolini in Italien die Macht \u00fcbernommen, nachdem seine bewaffneten Sto\u00dftrupps, die Fasci, eine Terrorkampagne gegen Arbeiterorganisationen und militante Arbeiter gef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p>In Deutschland war die extreme Rechte bisher auf \u00dcberreste der kaiserlichen Armee und kleine antisemitische Parteien beschr\u00e4nkt geblieben. Doch 1923 begann sie zu wachsen und ihre soziale Basis zu verbreitern, allerdings noch nicht in dem Ausma\u00df wie sp\u00e4ter in den drei\u00dfiger Jahren. Die Agitation gegen die \u201eNovemberverbrecher\u201c, gegen Juden und Ausl\u00e4nder fand Resonanz unter deklassierten kleinb\u00fcrgerlichen Elementen und einigen verarmten Arbeitern, die unter den Auswirkungen der Inflation litten. Insbesondere Bayern mit seinen weiten l\u00e4ndlichen Gebieten entwickelte sich zur Hochburg der extremen Rechten. Nach der blutigen Unterdr\u00fcckung der M\u00fcnchner R\u00e4terepublik 1919 hatte es sich zu einer Brutst\u00e4tte nationalistischer, faschistischer und paramilit\u00e4rischer Organisationen verwandelt.<\/p>\n<p>An der Ruhr stellten sich Mitglieder der extremen Rechten als heroische K\u00e4mpfer gegen die franz\u00f6sische Besatzung dar. Am 7. April verhaftete die franz\u00f6sische Armee in D\u00fcsseldorf Albert Schlageter, ein Mitglied der Freikorps, weil er sich an einem Bombenanschlag auf eine Eisenbahnlinie beteiligt hatte. Er wurde von einem Milit\u00e4rgericht zum Tode verurteilt und am 26. Mai hingerichtet. Die Rechten machten aus ihm sofort einen M\u00e4rtyrer.<\/p>\n<p>Im Juni schlug Radek auf einer Sitzung der Exekutive der Komintern (EKKI) vor, die KPD solle sich dieser Kampagne anschlie\u00dfen und sich an den Nationalismus der Faschisten anpassen, um von ihnen verf\u00fchrte Arbeiter und kleinb\u00fcrgerliche Elemente auf ihre Seite zu gewinnen. Die kleinb\u00fcrgerlichen Massen, Intellektuellen und Techniker, die eine gro\u00dfe Rolle in der Revolution spielen w\u00fcrden, bef\u00e4nden sich im nationalen Gegensatz zum Kapitalismus, behauptete Radek. Um als Arbeiterpartei den Kampf um die Macht zu f\u00fchren, m\u00fcsse man Zugang zu diesen Massen finden. Die KPD d\u00fcrfe dieser Verantwortung nicht ausweichen, sondern m\u00fcsse deutlich machen, dass nur die Arbeiterklasse die Nation retten kann.<\/p>\n<p>Im sp\u00e4teren Verlauf des Treffens pries Radek Schlageter dann als \u201emutigen Soldaten der Konterrevolution\u201c, der es verdiene, \u201evon uns Soldaten der Revolution m\u00e4nnlich-ehrlich gew\u00fcrdigt zu werden\u201c. \u201eDie Geschicke dieses M\u00e4rtyrers des deutschen Nationalismus sollen nicht verschwiegen, nicht mit einer abwerfenden Phrase erledigt werden\u201c, rief Radek. \u201eWir werden alles tun, dass M\u00e4nner wie Schlageter, die bereit waren, f\u00fcr eine allgemeine Sache in den Tod zu gehen, nicht Wanderer ins Nichts, sondern Wanderer in eine bessere Zukunft der gesamten Menschheit werden.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der Schlageterkurs wurde von der <em>Roten Fahne<\/em> aufgegriffen und war wochenlang das beherrschende Thema. Sie verwirrte die einfachen Parteimitglieder, die dem nationalistischen Druck bisher widerstanden hatten. Dagegen gibt es keinerlei Hinweise, dass er die Reihen der Faschisten geschw\u00e4cht h\u00e4tte \u2013 abgesehen von einigen nationalbolschewistischen Wirrk\u00f6pfen, die sich der KPD anschlossen und ihr eine Menge \u00c4rger bereiteten, bevor sie sie wieder los wurde. Die Schlageter-Kampagne lieferte der SPD Munition f\u00fcr eine antikommunistische Kampagne und erschwerte es der franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei, unter den franz\u00f6sischen Soldaten im Ruhrgebiet Solidarit\u00e4t mit den deutschen Arbeitern zu organisieren.<\/p>\n<p><strong>Die Cuno-Streiks<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Radek den Schlageterkurs entwickelte, versch\u00e4rfte sich der Klassenkampf in Deutschland. Im Juni und Juli brachen im ganzen Land Unruhen und Streiks gegen die hohen Preise aus. Oft beteiligten sich Hunderttausende daran, darunter viele Arbeiter, die noch nie zuvor an einem Arbeitskampf teilgenommen hatten. So traten Anfang Juni 100.000 schlesische Landarbeiter und 10.000 brandenburgische Tagel\u00f6hner in den Ausstand.<\/p>\n<p>Am 8. August forderte Kanzler Cuno vor dem Reichstag weitere Opfer und Einsparungen und stellte die Vertrauensfrage. Die SPD versuchte, ihm die n\u00f6tige Mehrheit zu verschaffen, indem sie sich der Stimme enthielt. Doch ausgehend von Berlin entwickelte sich eine spontane Welle von Streiks, die den R\u00fccktritt der Regierung Cuno forderte.<\/p>\n<p>Am 10. August lehnte eine Versammlung f\u00fchrender Gewerkschafter unter dem Druck der SPD einen Generalstreik ab. Nun ergriff ein von der KPD eilig zusammengerufener Betriebsr\u00e4tekongress die Initiative und rief zum Generalstreik auf. Rund 3,5 Millionen Arbeiter befolgten den Aufruf. In mehreren St\u00e4dten kam es zu blutigen K\u00e4mpfen mit der Polizei mit mehreren Dutzend Toten. Am folgenden Tag trat die Regierung Cuno zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die b\u00fcrgerliche Herrschaft hing in der Luft. \u201eEs hat nie in der neueren deutschen Geschichte einen Zeitabschnitt gegeben, der f\u00fcr eine sozialistische Revolution so g\u00fcnstig gewesen w\u00e4re wie der Sommer 1923,\u201c schreibt Rosenberg.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Vorerst rettete die SPD die b\u00fcrgerliche Herrschaft. Gegen erheblichen Widerstand in den eigenen Reihen trat sie einer Koalitionsregierung unter Gustav Stresemann von der gro\u00dfkapitalistischen Deutschen Volkspartei (DVP) bei.<\/p>\n<p><strong>Vorbereitung der Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Erst nach den Cuno-Streiks vom August wurde der KPD und der Komintern klar, welch revolution\u00e4re Gelegenheit sich in Deutschland entwickelte. Nun \u00e4nderten sie ihren Kurs. Am 21. August \u2013 exakt zwei Monate bevor Brandler den Aufstand absagen sollte \u2013 entschied das Politb\u00fcro der russischen Kommunistischen Partei, eine Revolution in Deutschland vorzubereiten. Es bildete eine \u201eKommission f\u00fcr internationale Angelegenheiten\u201c, die sich mit der Arbeit in Deutschland befasste. Sie bestand aus Sinowjew, Kamenew, Radek, Stalin, Trotzki und Tschitscherin. Sp\u00e4ter kamen noch Dscherschinski, Piatakow und Sokolnikow hinzu.<\/p>\n<p>W\u00e4hren der n\u00e4chsten Tage und Wochen ab es zahlreiche Diskussionen und eine st\u00e4ndige Korrespondenz mit den F\u00fchrern der KPD, die h\u00e4ufig nach Moskau reisten. Es gab finanzielle, logistische und milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung zur Bewaffnung der proletarischen Hundertschaften, die in den vorangegangenen Monaten gebildet worden waren. Im Oktober wurden Radek, Piatakow und Sokolnikow nach Deutschland gesandt, um den Aufstand zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Vor allem Trotzki bem\u00fchte sich unerm\u00fcdlich, den Fatalismus und die Selbstzufriedenheit zu \u00fcberwinden, die sowohl in der deutschen Sektion wie in der russischen Partei grassierten. Stalin hatte noch am 7. August \u2013 einen Tag vor Ausbruch der Cuno-Streiks \u2013 an Sinowjew geschrieben: \u201e&#8230; f\u00fcr uns ist es von Vorteil, wenn sie [die Faschisten] als erste angreifen. &#8230; Meiner Meinung nach muss man die Deutschen zur\u00fcckhalten und nicht ermuntern.\u201c Trotzki dagegen bestand darauf, dass der Aufstand im Laufe weniger Wochen, und nicht Monaten, vorbereitet und ein Zeitpunkt daf\u00fcr festgelegt werden m\u00fcsse.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Was auf den ersten Blick wie ein organisatorischer Vorschlag aussah \u2013 die Festlegung eines Zeitpunkts f\u00fcr den Aufstand \u2013, war in Wirklichkeit eine hochpolitische Frage. Nach Trotzkis Auffassung bestand nun die wichtigste Aufgabe darin, die gesamte Energie und Aufmerksamkeit der Partei auf die praktische Vorbereitung der Revolution zu konzentrieren. Von einer eher allgemeinen, propagandistischen Vorbereitung musste sie zur praktischen Vorbereitung des Aufstands \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Am 21. August argumentierte er auf einem Treffen des Politb\u00fcros der russischen Partei: \u201eWas die Stimmung der revolution\u00e4ren Massen Deutschlands betrifft, das Gef\u00fchl, dass sie sich auf dem Weg zur Macht befinden \u2013 eine solche Stimmung gibt es. Hier stellt sich aber die Frage der Vorbereitung. Das revolution\u00e4re Chaos darf nicht abgesegnet werden. Die Frage lautet \u2013 entweder die Revolution entfachen oder sie organisieren.\u201c Trotzki warnte vor der Gefahr, dass die hervorragend organisierten faschistischen Banden unkoordinierte Aktionen der Arbeiter zerschlagen k\u00f6nnten, und forderte: \u201eDie KPD muss eine Frist setzen, in der man sich vorbereitet, in milit\u00e4rischer Hinsicht und \u2013 in entsprechendem Tempo \u2013 in der politischen Agitation.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dem widersetzte sich am heftigsten Stalin. Er lehnte einen Zeitplan ab und behauptete, \u201edie Arbeiter glauben noch an die Sozialdemokratie\u201c und die Regierung halte noch acht Monate durch.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auch Brandler setzte sich in einem Brief an die Exekutive der Komintern vom 28. August f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Vorbereitungszeitraum ein. \u201eDie Lebensdauer der Stresemannregierung wird nicht allzu gro\u00df sein\u201c, schrieb er. \u201eTrotzdem glaube ich nicht daran, dass die n\u00e4chste Welle, die bereits im Anzug ist, schon die Machtfrage entscheidet. &#8230; wir versuchen, unsere Kr\u00e4fte so zusammenzurei\u00dfen, dass wir, wenn wir nicht ausweichen k\u00f6nnen, in 6 Wochen den Kampf aufnehmen k\u00f6nnen, gleichzeitig stellen wir uns aber so ein, dass wir mit solider Arbeit in einem Zeitraum von f\u00fcnf Monaten fertig sind.\u201c Er f\u00fcgte hinzu, dass er eine Frist von sechs bis acht Monaten f\u00fcr wahrscheinlich halte.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Einen Monat sp\u00e4ter kam Trotzki in einer weiteren Diskussion zwischen der russischen Kommission und der deutschen F\u00fchrung auf die Frage des Zeitplans zur\u00fcck. Er unterbrach eine Diskussion \u00fcber die Ruhrfrage und sagte, er verstehe nicht, warum man sie so oft ber\u00fchre. \u201eEs gilt jetzt, die Macht in Deutschland zu ergreifen. Das ist die Aufgabe, alles andere wird sich daraus ergeben.\u201c<\/p>\n<p>Er ging dann auf Bedenken ein, die deutsche Arbeiterklasse sei nur bereit, f\u00fcr \u00f6konomische, nicht aber f\u00fcr politische Ziele zu k\u00e4mpfen. \u201eDie politischen Hemmungsprozesse sind nichts anderes als gewisse Zweifel, durch Niederlagen geschaffen, im Gehirn der Massen hinterlassen\u201c, sagte er. \u201eAber die deutsche Arbeiterklasse f\u00fcr den entscheidenden revolution\u00e4ren Kampf bekommen \u2013 und die Situation ist jetzt da \u2013, kann die Partei nur, glaube ich, in dem Falle, wenn sie gro\u00dfe Schichten der Arbeiterklasse, ihre f\u00fchrenden Schichten, \u00fcberzeugt, dass sie auch organisatorisch f\u00e4hig ist, im konkretesten Sinne des Wortes sie zum Sieg zu f\u00fchren. &#8230; Wenn die Partei in einer solchen Situation fatalistische Tendenzen bemerken l\u00e4sst, so ist es die gr\u00f6\u00dfte Gefahr.\u201c<\/p>\n<p>Trotzki erl\u00e4uterte dann, dass der Fatalismus verschiedene Formen annehmen k\u00f6nne: Erstens k\u00f6nne man sagen, die Situation sei revolution\u00e4r, und das von Tag zu Tag wiederholen. \u201eMan gew\u00f6hnt sich daran, und die Politik besteht darin, dass man auf die Revolution wartet.\u201c Dann bewaffne man die Arbeiter und sage, es m\u00fcsse zum Konflikt kommen. Doch dies sei \u201ebewaffneter Fatalismus\u201c.<\/p>\n<p>Aus den Informationen, die er von den deutschen Genossen erhalten hatte, schloss Trotzki, dass sie die Aufgabe viel zu leicht auffassten. \u201eAber wenn die Sache so ist, dass die Revolution nicht eine konfuse Perspektive sein soll, sondern die Hauptaufgabe ist\u201c, sagte er, \u201eso muss man sie zur praktischen organisatorischen Aufgabe machen. &#8230; dann hei\u00dft es, die Frist fixieren, vorbereiten und schlagen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Am 23. September ver\u00f6ffentlichte Trotzki sogar einen Artikel in der Prawda, der die \u00dcberschrift trug: \u201eKann man eine Konterrevolution oder eine Revolution auf einen bestimmten Tag ansetzen?\u201c Trotzki diskutiert die Frage allgemein, ohne Deutschland zu erw\u00e4hnen, da der Aufruf eines F\u00fchrungsmitglieds der Sowjetunion, einen Zeitpunkt f\u00fcr die deutsche Revolution festzusetzen, eine internationale Krise oder sogar einen Krieg ausgel\u00f6st h\u00e4tte. Dennoch ist der Artikel ein Beitrag zur Diskussion \u00fcber Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Die verpasste Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurde ein Aufstandstermin f\u00fcr den 9. November ins Auge gefasst. Doch nun beschleunigten sich die Ereignisse.<\/p>\n<p>Am 26. September verk\u00fcndete Kanzler Stresemann das Ende des passiven Widerstands gegen die franz\u00f6sische Ruhrbesetzung. Anders, so die Begr\u00fcndung, sei die rasende Inflation nicht unter Kontrolle zu bringen. Das provozierte die Wut der Ultrarechten. Die bayrische Regierung verh\u00e4ngte noch am selben Tag den Ausnahmezustand und errichtete eine offene Diktatur unter Ritter von Kahr. Von Kahr arbeitete mit Hitlers Nationalsozialisten zusammen und plante \u2013 nach dem Vorbild von Mussolinis Marsch auf Rom \u2013 einen Marsch auf Berlin, um eine Diktatur in ganz Deutschland zu errichten. Kahr wurde vom Kommandanten der in Bayern stationierten Reichswehrtruppen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Berliner Regierung reagierte, indem sie ihrerseits eine Art Diktatur errichtete. Sie \u00fcbertrug die Exekutivgewalt im ganzen Reich dem Reichwehrminister, der sie an den Oberbefehlshaber der Reichswehr, General von Seeckt, delegierte. Seeckt sympathisierte mit der \u00e4u\u00dfersten Rechten und weigerte sich, die bayrischen Kommandeure zur Ordnung zu rufen. F\u00fchrende Industrielle, wie Hugo Stinnes, unterst\u00fctzten deren Forderung nach einer nationalen Diktatur, wobei ihnen Seeckt selbst als Diktator vorschwebte.<\/p>\n<p>Am 13. Oktober verabschiedete der Reichstag mit den Stimmen der Sozialdemokraten nach tagelangen Auseinandersetzungen ein Erm\u00e4chtigungsgesetz, das die Regierung bevollm\u00e4chtigte, die sozialen Errungenschaften der Novemberrevolution von 1918 (insbesondere den gesetzlichen Acht-Stunden-Tag) abzuschaffen. W\u00e4hrend also die Gefahr eines Staatsstreichs \u00fcber Berlin hing, der die sozialdemokratischen Minister und Abgeordneten das Leben kosten konnte, beschlossen diese weitere Angriffe auf die Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>Sachsen und Th\u00fcringen bildeten das Zentrum des Arbeiterwiderstands gegen diese konterrevolution\u00e4ren Machenschaften. Dort trat die KPD am 10., bzw. am 16. Oktober in linke SPD-Regierungen ein. Die Regierungsbeteiligung war Teil des in Moskau ausgearbeiteten Revolutionsplans. Sie sollte der KPD einen St\u00fctzpunkt und Zugang zu Waffen verschaffen.<\/p>\n<p>Obwohl beide Regierungen v\u00f6llig legal gebildet worden waren und \u00fcber eine parlamentarische Mehrheit verf\u00fcgten, weigerte sich der Reichswehrbefehlshaber in Sachsen, General M\u00fcller, ihre Autorit\u00e4t anzuerkennen. In Absprache mit der Berliner Regierung unterstellte er die s\u00e4chsische Polizei seiner Befehlsgewalt.<\/p>\n<p>Angesichts der Bedrohung aus Bayern, das s\u00fcdlich an Sachsen und Th\u00fcringen angrenzt, und aus Berlin, das n\u00f6rdlich der beiden L\u00e4nder liegt, zog die KPD ihren urspr\u00fcnglich f\u00fcr den November terminierten Aufstandsplan vor. F\u00fcr den 21. Oktober berief sie einen Betriebsr\u00e4tekongress nach Chemnitz, der zum Generalstreik aufrufen und damit das Signal zum deutschlandweiten Aufstand gegen sollte.<\/p>\n<p>Doch als sich die linken Sozialdemokraten widersetzten, trat der KPD-Vorsitzende Brandler den R\u00fcckzug an und sagte den Aufstand ab. Die Mehrheit der Delegierten h\u00e4tte den Generalstreikaufruf unterst\u00fctzt, wie Brandler in einem privaten Brief an Clara Zetkin, eine enge Vertraute, berichtete. Aber er wollte nicht ohne die Unterst\u00fctzung der linken Sozialdemokraten handeln.<\/p>\n<p>\u201eDennoch erkannte ich im Verlaufe der Chemnitzer Konferenz, dass wir den Entscheidungskampf unter keinen Umst\u00e4nden aufnehmen konnten, nachdem wir die linke VSPD nicht zur Unterschrift f\u00fcr den Generalstreikbeschluss bekommen konnten\u201c, schrieb Brandler. \u201eIch habe gegen gro\u00dfe Widerst\u00e4nde den Karren herumgerissen und verhindert, dass wir als Kommunisten allein den Kampf aufgenommen haben. <em>Nat\u00fcrlich h\u00e4tten wir auf der Chemnitzer Konferenz eine Zweidrittelmehrheit f\u00fcr den Generalstreik zustande gebracht.<\/em> Aber die VSPD h\u00e4tte teilweise die Konferenz verlassen und die Verwirrungsparolen, dass die angek\u00fcndigte Reichsintervention gegen Sachsen nur eine Verschleierung der Reichsexekutive gegen Bayern darstellen sollte, h\u00e4tte unserer Kampfstimmung das Genick gebrochen. Ich habe bewusst auf &#8230; diesen faulen Kompromiss hingearbeitet.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Entscheidung, die Revolution abzusagen, erreichte Hamburg nicht rechtzeitig. Hier fand ein Aufstand statt. Aber er blieb isoliert und wurde innerhalb von drei Tagen besiegt.<\/p>\n<p>Noch w\u00e4hrend der Betriebsr\u00e4tekongress tagte, begann die Reichswehr Sachsen zu besetzen. Es kam zu Schie\u00dfereien mit Arbeitern, die mehrere Tote forderten. Am 28. Oktober ordnete Reichspr\u00e4sident Ebert, ein Sozialdemokrat, die Reichsexekution an: Er lie\u00df die s\u00e4chsische Regierung unter Erich Zeigner, ebenfalls ein Sozialdemokrat, gewaltsam durch die Reichswehr absetzen. Die Emp\u00f6rung dar\u00fcber war so gro\u00df, dass sich die SPD schlie\u00dflich aus der Gro\u00dfen Koalition in Berlin zur\u00fcckziehen musste. Kurz danach r\u00fcckte die Reichswehr auch in Th\u00fcringen ein und erzwang den R\u00fccktritt der dortigen Regierung.<\/p>\n<p>Das Vorgehen Eberts und Seeckts gegen die linken Regierungen in Sachsen und Th\u00fcringen ermutigte die extreme Rechte in Bayern. Am 8. November rief Adolf Hitler in M\u00fcnchen die \u201enationale Revolution\u201c aus. Ziel seines Putschversuchs war es, Diktator Kahr zu einem Marsch auf Berlin zu bewegen. General Ludendorff, ein ranghoher General aus dem Ersten Weltkrieg, der Hitler unterst\u00fctzte, sollte die F\u00fchrung \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Der Putsch brach schnell zusammen, da Berlin inzwischen so weit nach rechts ger\u00fcckt war, dass sich die bayrischen Konservativen nicht mehr einer windigen Gestalt wie Hitler zu bedienen brauchten. Pr\u00e4sident Ebert kam ihnen entgegen, indem er General von Seeckt von sich aus zum Diktator ernannte. In der Nacht nach dem Putsch \u00fcbertrug er ihm den Oberbefehl \u00fcber alle Streitkr\u00e4fte und die Aus\u00fcbung der vollziehenden Gewalt. Obwohl die Institutionen der Weimarer Republik nach wie vor existierten, gab es in Deutschland bis zum M\u00e4rz 1924 faktisch eine Milit\u00e4rdiktatur.<\/p>\n<p><strong>Warum die KPD die Revolution verpasste<\/strong><\/p>\n<p>Warum verpasste die KPD die Revolution?<\/p>\n<p>Die einfachste Antwort besteht darin, die gesamte Verantwortung auf Brandler abzuschieben. So reagierten Sinowjew und Stalin, die Brandler zum S\u00fcndenbock machten. Gleichzeitig warfen sie der KPD vor, sie habe falsche Informationen \u00fcber die Lage in Deutschland geliefert und die revolution\u00e4ren M\u00f6glichkeiten \u00fcbersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Damit stellten Sinowjew und Stalin die gesamte Einsch\u00e4tzung in Frage, auf der der Plan f\u00fcr einen revolution\u00e4ren Aufstand beruht hatte. Keine drei Wochen nach Abbruch des Aufstands begannen sie damit, die deutschen Ereignisse neu zu interpretieren. Sie vertuschten damit ihre eigene Verantwortung und verfolgten fraktionelle Ziele in der Auseinandersetzung mit der Linken Opposition, die in Russland nun voll entbrannt war. Am 15. Oktober war \u201eDie Erkl\u00e4rung der 46\u201c, das erste grundlegende Dokument der Linken Opposition, ver\u00f6ffentlicht worden, und Ende November schrieb Trotzki \u201eDer Neue Kurs\u201c.<\/p>\n<p>Trotzki lehnte die leichtfertige Haltung Sinowjews und Stalins ab. Er war nicht mit Brandlers Entscheidung einverstanden, den Aufstand abzublasen. Aber er betrachtete sie nicht als isolierte Tat. Schlie\u00dflich hatten Radek, der als Vertreter der Komintern in Chemnitz zugegen war, und die deutsche Zentrale, das f\u00fchrende Parteigremium, Brandlers Entscheidung zugestimmt.<\/p>\n<p>Mit der Auffassung, dass die Revolution scheitern und die Kommunisten isoliert bleiben w\u00fcrden, wenn sie ohne Unterst\u00fctzung der linken Sozialdemokraten einen Aufstand beg\u00e4nnen, kn\u00fcpfte Brandler an fr\u00fchere Fehler an, die nicht nur er, sondern auch die Komintern zu verantworten hatten.<\/p>\n<p>Sowohl die von Sinowjew gef\u00fchrte Komintern wie die F\u00fchrung der KPD (Mehrheit wie linke Minderheit) hatten lange Zeit eine passive, \u201ezentristische\u201c Haltung zu den deutschen Ereignissen eingenommen. Obwohl sich die soziale und politische Lage nach der franz\u00f6sischen Ruhrbesetzung im Januar dramatisch ver\u00e4ndert hatte, arbeiteten sie weiter mit politischen Methoden, die in einem fr\u00fcheren Stadium entwickelt worden waren, als die Revolution nicht unmittelbar auf der Tagesordnung stand. Erst sehr sp\u00e4t, Mitte August, vollzogen sie einen Kurswechsel und begannen, den Aufstand vorzubereiten. Das gab ihnen nur zwei Monate Vorbereitungszeit, und die Vorbereitung war unkoordiniert, z\u00f6gerlich und ungen\u00fcgend.<\/p>\n<p>Trotzki ging in einer Rede, die er im Juni 1924 vor dem f\u00fcnften Allunionskongress der Heil- und Sanit\u00e4tsarbeiter hielt, auf die Gr\u00fcnde f\u00fcr die deutsche Niederlage ein. \u201eWas war die wichtigste Ursache f\u00fcr die Niederlage der deutschen Kommunistischen Partei?\u201c, fragte er.<\/p>\n<p><em>Sie verstand nicht rechtzeitig, dass mit Beginn der Ruhrbesetzung und vor allem mit dem Abbruch des passiven Widerstands (Januar bis Juni 1923) eine revolution\u00e4re Krise entstand. Sie verpasste den entscheidenden Moment [&#8230;] Sie setzte nach dem Ausbruch der Ruhrkrise ihre agitatorische und propagandistische Arbeit auf der Grundlage der Einheitsfrontlosung fort \u2013 im selben Tempo und in den selben Formen wie vor der Krise. Inzwischen war diese Taktik aber v\u00f6llig unzureichend. Der Einfluss der Partei wuchs von selbst. Eine abrupte taktische Wende war notwendig.<\/em><\/p>\n<p><em>Man musste den Massen und vor allem der Partei selbst zeigen, dass es diesmal um die unmittelbare Vorbereitung der Machtergreifung ging. Es war notwendig, den wachsenden Einfluss der Partei organisatorisch zu festigen und St\u00fctzpunkte f\u00fcr einen direkten Angriff auf den Staat zu schaffen. Es war notwendig, die gesamte Parteiorganisation auf die Grundlage von Betriebszellen zu stellen. Es war notwendig, Zellen bei der Eisenbahn aufzubauen. Es war notwendig, in aller Sch\u00e4rfe die Frage der Arbeit in der Armee aufzuwerfen. Es war notwendig, besonders notwendig, die Einheitsfronttaktik voll und ausschlie\u00dflich auf diese Aufgaben auszurichten, ihr ein entschiedeneres und festeres Tempo und einen ausgepr\u00e4gten revolution\u00e4ren Charakter zu verleihen. Auf dieser Grundlage h\u00e4tte die milit\u00e4risch-technische Arbeit entwickelt werden m\u00fcssen [&#8230;]<\/em><\/p>\n<p><em>Die wichtigste Aufgabe aber bestand darin, rechtzeitig f\u00fcr die entscheidende taktische Wende in Richtung Machteroberung zu sorgen. Das wurde vers\u00e4umt. Darin bestand das ma\u00dfgebliche und verh\u00e4ngnisvolle Vers\u00e4umnis. Daraus ergab sich der grundlegende Widerspruch. Einerseits erwartete die Partei eine Revolution, andererseits wich sie, weil sie sich bei den M\u00e4rzereignissen [von 1921] die Finger verbrannt hatte, bis in die letzten Monate des Jahres 1923 dem Gedanken aus, eine Revolution zu organisieren, d.h. einen Aufstand vorzubereiten. W\u00e4hrend die entscheidenden Fragen der L\u00f6sung zudr\u00e4ngten, entwickelte sich die politische T\u00e4tigkeit der Partei im Friedenstempo. Der Zeitpunkt f\u00fcr den Aufstand wurde festgelegt, als der Feind die von der Partei verlorene Zeit bereits genutzt und seine Stellung gest\u00e4rkt hatte. Die milit\u00e4risch-technische Vorbereitung der Partei, begonnen in fieberhaftem Tempo, fand getrennt von der politischen Aktivit\u00e4t der Partei statt, die sich im bisherigen Friedenstempo weiter entwickelte. Die Massen verstanden die Partei nicht und hielten nicht Schritt mit ihr. Die Partei merkte, dass sie von den Massen getrennt war, und reagierte gel\u00e4hmt. Daraus ergab sich der pl\u00f6tzliche, kampflose R\u00fcckzug aus einer erstklassigen Stellung \u2013 die schlimmste aller Niederlagen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn18\"><em><sup>[18]<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4re es im Oktober 1923 \u00fcberhaupt m\u00f6glich gewesen, einen erfolgreichen revolution\u00e4ren Aufstand durchzuf\u00fchren?<\/p>\n<p>Es gibt mehrere Berichte von f\u00fchrenden deutschen Kommunisten und in Deutschland anwesenden Kominternf\u00fchrern und Milit\u00e4rexperten, die auf einen sehr schlechten Vorbereitungsstand hinweisen. Kampfabteilungen \u2013 die so genannten \u201eRevolution\u00e4ren Hundertschaften\u201c \u2013 waren zwar organisiert und ausgebildet worden, aber sie verf\u00fcgten kaum \u00fcber Waffen. Der Propagandaapparat der KPD war durch Verbote und Unterdr\u00fcckung geschw\u00e4cht und befand sich in einem trostlosen Zustand. Die Verbindung und Zusammenarbeit zwischen den Parteiregionen funktionierte sehr schlecht.<\/p>\n<p>Andererseits legten die in Hamburg k\u00e4mpfenden Arbeiter ein au\u00dferordentliches Ma\u00df an Mut, Disziplin und Wirksamkeit an den Tag. Auf den Barrikaden k\u00e4mpften nur 300 Arbeiter, aber sie fanden eine breite, positive, wenn auch weitgehend passive Resonanz unter breiten Bev\u00f6lkerungsschichten.<\/p>\n<p>In seiner Rede vor den Heil- und Sanit\u00e4tsarbeitern betonte Trotzki, dass man die Dynamik der Revolution mit ber\u00fccksichtigen m\u00fcsse. \u201eStand die Mehrheit der arbeitenden Massen hinter den Kommunisten?\u201c, fragte er. \u201eDiese Frage kann nicht mithilfe von Statistiken beantwortet werden. Es ist eine Frage, die durch die Dynamik der Revolution entschieden wird.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWaren die Massen kampfbereit?\u201c fuhr Trotzki fort. \u201eDie gesamte Geschichte des Jahres 1923 l\u00e4sst in dieser Hinsicht keinen Zweifel.\u201c Er schloss: \u201eUnter diesen Umst\u00e4nden h\u00e4tten die Massen nur vorw\u00e4rts gehen k\u00f6nnen, wenn es eine feste, selbstbewusste F\u00fchrung und Vertrauen der Massen in diese F\u00fchrung gegeben h\u00e4tte. Debatten dar\u00fcber, ob die Massen kampfbereit waren oder nicht, sind \u00e4u\u00dferst subjektiv und bringen in erster Linie das mangelnde Selbstvertrauen der Parteif\u00fchrer zum Ausdruck.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Lehren des Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Die kampflose Kapitulation war das denkbar schlechteste Ergebnis der deutschen Ereignisse. Sie demoralisierte und desorganisierte die KPD und verschaffte der herrschenden Elite und dem Milit\u00e4r die M\u00f6glichkeit, in die Offensive zu gehen und ihre Herrschaft zu konsolidieren. Trotzki beharrte deshalb darauf, die Lehren aus der deutschen Niederlage r\u00fccksichtslos zu ziehen. Er war strikt dagegen, die Verantwortung auf einzelne S\u00fcndenb\u00f6cke abzuladen \u2013 denn das war nur eine andere Art, den grundlegenden politischen Fragen auszuweichen. Die Lehren dienten nicht nur dazu, die deutsche F\u00fchrung auf zuk\u00fcnftige revolution\u00e4re Gelegenheiten vorzubereiten, die sich unweigerlich ergeben w\u00fcrden. Sie waren auch f\u00fcr alle anderen Sektionen der Komintern von gro\u00dfer Bedeutung, die vor \u00e4hnlichen Herausforderungen und Problemen stehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Trotzki machte darauf aufmerksam, dass die Lehren aus der russischen Oktoberrevolution \u2013 der einzigen erfolgreichen proletarischen Revolution in der Weltgeschichte \u2013 noch nie gr\u00fcndlich gezogen worden waren. Im Sommer 1924 ver\u00f6ffentlichte er die Schrift \u201eLehren des Oktober\u201c, die im Lichte der deutschen Niederlage auf den erfolgreichen russischen Oktober eingeht.<\/p>\n<p>Trotzki betonte, dass es n\u00f6tig sei, die \u201eGesetze und Methoden der proletarischen Revolution\u201c zu studieren. Es gebe Fragen, vor denen jede revolution\u00e4re Partei stehe, wenn sie in eine revolution\u00e4re Periode eintrete: \u201eDie Krisen innerhalb der Partei treten im allgemeinen bei jedem ernsten Wendepunkt der Entwicklung der Partei als Vorbote oder Folgeerscheinung derselben auf. Das erkl\u00e4rt sich daraus, dass jede Entwicklungsperiode der Partei ihre eigenen charakteristischen Z\u00fcge tr\u00e4gt und die Arbeit nach bestimmten Methoden und Gepflogenheiten geleistet wird. Eine taktische Neuorientierung bedeutet immer einen Bruch mit den bisherigen Methoden und Gepflogenheiten. Hier liegt die n\u00e4chste und unmittelbarste Ursache zu allen innerparteilichen Reibungen und Krisen.\u201c<\/p>\n<p>Trotzki zitierte Lenin, der im Juli 1917 geschrieben hatte: \u201eZu oft ist es vorgekommen, dass bei j\u00e4hen geschichtlichen Ereignissen selbst die fortgeschrittensten Parteien l\u00e4ngere Zeit gebraucht haben, sich in die neue Lage hineinzufinden, alte Losungen wiederholt haben, die gestern richtig waren, aber heute jeden Sinn verloren und zwar so \u201aj\u00e4h\u2018 verloren haben, wie die geschichtliche Wendung \u201aj\u00e4h\u2018 eintraf.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHierdurch erw\u00e4chst die Gefahr,\u201c folgerte Trotzki,<\/p>\n<p><em>kommt der Umsturz sehr pl\u00f6tzlich und hat die vorhergehende Periode viele konservative Elemente in den f\u00fchrenden Organen der Partei angesammelt, so wird sie sich im entscheidenden Moment als unf\u00e4hig erweisen, ihre F\u00fchrerrolle zu erf\u00fcllen, zu der sie sich im Laufe vieler Jahre und Jahrzehnte vorbereitet hat. Die Partei wird von Krisen zersetzt, die Bewegung geht an ihr vor\u00fcber \u2013 zur Niederlage. [&#8230;]<\/em><\/p>\n<p><em>Die gewaltigste Umstellung ist aber die, wenn die proletarische Partei von der Vorbereitung, der Propaganda, der Organisation, der Agitation \u00fcbergeht zum unmittelbaren Kampf um die Macht, zum bewaffneten Aufstand gegen die Bourgeoisie. Alles, was in der Partei vorhanden ist an unentschlossenen, skeptischen, opportunistischen, menschewistischen Elementen, erhebt sich gegen den Aufstand, sucht f\u00fcr seine Opposition nach theoretischen Formeln und findet sie \u2013 bei den gestrigen Feinden \u2013 den Opportunisten. Diese Erscheinung werden wir noch \u00f6fter beobachten k\u00f6nnen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn20\"><em><sup>[20]<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Sinowjew und Stalin lehnten Trotzkis Einsch\u00e4tzung ab. Motiviert durch fraktionelle und subjektive Motive verf\u00e4lschten sie die deutschen Ereignisse, verwischten sie ihre eigenen Spuren und machten Brandler zum S\u00fcndenbock f\u00fcr alles, was schief gelaufen war. Die Folgen waren katastrophal. Die F\u00fchrung der KPD wurde zum f\u00fcnften Mal in f\u00fcnf Jahren ausgewechselt, ohne dass irgendwelche Lehren gezogen wurden.<\/p>\n<p>Wie Radek w\u00e4hrend einer heftigen Auseinandersetzung mit Stalin auf einer Plenarsitzung des russischen Zentralkomitees im Januar 1924 hervorhob, wurde ein erfahrener marxistischer Kader durch Leute ersetzt, deren Hintergrund entweder die zentristische USPD war oder die \u00fcberhaupt keine revolution\u00e4re Erfahrung hatten. Brandler, ein Gr\u00fcndungsmitglied des Spartakusbunds mit einer 25-j\u00e4hrigen Geschichte in der Bewegung, wurde durch Ruth Fischer und Arkadi Maslow ersetzt, zwei junge Intellektuelle aus reichem, b\u00fcrgerlichen Elternhaus ohne jegliche revolution\u00e4re Vergangenheit. Die Mittelgruppe, die jetzt die Mehrheit der F\u00fchrung bildete, war der KPD erst im Dezember 1920 beigetreten, als sich die linke Mehrheit der zentristischen USPD mit der KPD zusammenschloss.<\/p>\n<p>Stalins Verbindung mit Fischer und Maslow war besonders zynisch, da er w\u00e4hrend der Ereignisse stets die rechtesten Standpunkte vertreten hatte. Stalin gewann Maslows Unterst\u00fctzung \u2013 gegen den eine Untersuchung lief, weil er 1921 w\u00e4hrend der M\u00e4rzaktion angeblich Informationen an die Polizei gegeben hatte \u2013, indem er daf\u00fcr sorgte, dass die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden.<\/p>\n<p>Das Auswechseln der F\u00fchrung sowie weitere S\u00e4uberungen und Abl\u00f6sungen in den folgenden Jahren sollten schlie\u00dflich zur vollst\u00e4ndigen Unterordnung der KPD unter das Diktat Stalins f\u00fchren. Das hatte katastrophale Folgen, als die verheerende Linie der KPD Hitler zehn Jahre sp\u00e4ter den Weg an die Macht ebnete. Die damals vorherrschende Theorie des Sozialfaschismus, die Sozialdemokratie und Faschisten gleichsetzt, war zum ersten Mal in einem Dokument \u00fcber die deutschen Ereignisse von 1923 aufgetaucht, das von Sinowjew verfasst und gegen den Widerstand der Linken Opposition im Januar 1924 von der EKKI verabschiedet wurde. Darin hei\u00dft es: \u201eDie leitenden Schichten der deutschen Sozialdemokratie sind im gegenw\u00e4rtigen Moment nichts anderes als eine Fraktion des deutschen Faschismus unter sozialistischer Maske.\u201c<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nachdem es die Partei vers\u00e4umt hatte, rechtzeitig von der Einheitsfrontaktik zum Kampf um die Macht \u00fcberzugehen, lehnten Sinowjew und Stalin die Einheitsfronttaktik insgesamt ab. Die Theorie des Sozialfaschismus, die jede Form der Einheitsfront mit der SPD gegen die Nazis ablehnte, wurde 1929 neu belebt und entwaffnete die Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus.<\/p>\n<p>Zum Abschluss seien die wichtigsten Lehren aus dem Deutschen Oktober in Trotzkis Worten noch einmal zusammengefasst. In \u201eDie Dritte Internationale nach Lenin\u201c schrieb er:<\/p>\n<p><em>Die Rolle des subjektiven Faktors kann in einer Periode der langsamen organischen Entwicklung eine durchaus untergeordnete bleiben. Dann entstehen solche lauen Sprichw\u00f6rter, wie: \u201eWer langsam f\u00e4hrt, kommt auch zum Ziel\u201c und \u201eMan kann mit dem Kopf nicht durch die Wand rennen\u201c usw., welche sozusagen die ganze taktische Weisheit einer organischen Epoche zusammenfassen, die kein \u201e\u00dcberspringen einer Etappe\u201c vertr\u00e4gt. Sobald aber die objektiven Voraussetzungen herangereift sind, wird der Schl\u00fcssel zu dem ganzen historischen Prozess in die Hand des subjektiven Faktors, d.h. der Partei gelegt. Der Opportunismus, der bewusst oder unbewusst im Geiste der Vergangenheit lebt, neigt immer dazu, die Rolle des subjektiven Faktors, d.h. die Bedeutung der Partei und der revolution\u00e4ren F\u00fchrung zu untersch\u00e4tzen. Das alles trat in den Diskussionen \u00fcber die Lehren des deutschen Oktober, des anglo-russischen Komitees und der chinesischen Revolution klar zutage. In allen diesen, wie auch anderen, weniger bedeutsamen F\u00e4llen \u00e4u\u00dferte sich die opportunistische Tendenz darin, dass sie sich lediglich auf die \u201eMassen\u201c verlie\u00df und die Frage der \u201eSpitze\u201c, der revolution\u00e4ren F\u00fchrung v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigte. Eine solche Einstellung, die \u00fcberhaupt falsch ist, wirkt sich in der imperialistischen Epoche direkt vernichtend aus.<\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#fn22\"><em><sup>[22]<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r1\">[1]\u00a0<\/a>Leo Trotzki, <em>Lehren des Oktober<\/em>, Dortmund 1978, S.14<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r2\">[2]<\/a>\u00a0Arthur Rosenberg, <em>Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik,<\/em> Frankfurt am Main: Athen\u00e4um 1988, S. 395<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r3\">[3]<\/a>\u00a0ebd. S.402<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r4\">[4]\u00a0<\/a>Hermann Weber, <em>Die Wandlung des deutschen Kommunismus<\/em>, Band 1, Frankfurt 1969, S.43<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r5\">[5] <\/a>Rosa Luxemburg, <em>R\u00fcckblick auf die Gothaer Konferenz<\/em>, in <em>Gesammelte Werke<\/em> Band 4, Berlin 1974, S.273<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r6\">[6]\u00a0<\/a>Ebend. S.274<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r7\">[7<\/a>\u00a0Leo Trotzki, <em>Die Dritte Internationale nach Lenin<\/em>, Essen 1993, S.100<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r8\">[8]<\/a>\u00a0Ruth Fischer, &#8218;Stalin und der deutsche Kommunismus&#8216;, Frankfurt am Main, S. 310<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r9\">[9]<\/a>\u00a0&#8218;Resolution zu den Differenzen in der KPD&#8216;, in &#8218;Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung&#8216;, Reihe II, Band 7\/2, Teil 2, S. 302 (9)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r10\">[10]<\/a><em>\u00a0Die Rote Fahne<\/em>, 26. Juni 1923<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r11\">[11]<\/a>\u00a0Arthur Rosenberg, op.cit., S. 401<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r12\">[12]<\/a>\u00a0Bernhard H. Bayerlein u.a. Hsg., &#8218;Deutscher Oktober 1923. Ein Revolutionsplan und sein Scheitern&#8216;, Berlin 2003, S. 100<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r13\">[13]<\/a>\u00a0ebd. S. 122<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r14\">[14]<\/a>\u00a0ebd. S. 124<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r15\">[15]<\/a>\u00a0ebd. S. 135-136<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r16\">[16]<\/a>ebd. S. 165-167<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r17\">[17]\u00a0<\/a>ebd. S. 359-360 (unsere Hervorhebung)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r18\">[18]<\/a>\u00a0Leon Trotsky, <em>Through What Stage Are We Passing<\/em>, in\u00a0<em>The Challenge of the Left Opposition (1923-25)<\/em>, Pathfinder Press 1975, p. 170-171 (aus dem Englischen)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r19\">[19]<\/a>\u00a0ebend. S.169<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r20\">[20]<\/a>\u00a0Leo Trotzki, &#8218;Lehren des Oktober&#8216;, <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1924\/lehren\/einleit.htm\">http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1924\/lehren\/einleit.htm<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r21\">[21]<\/a>\u00a0Bernhard H. Bayerlein u.a. Hsg., ibid., S. 464<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html#r22\">[22]<\/a>\u00a0Leo Trotzki, &#8218;Die Dritte Internationale nach Lenin&#8216;, Essen 1993, S. 96-97<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Reichsexekution gegen Sachsen, die Reichswehr geht in Freiberg gegen KPD-Mitglieder vor [Photo by Bundesarchiv, Bild 102-00189 \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\">CC BY-SA 3.0<\/a>]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/10\/20\/okto-o20.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 21. Oktober 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. 1923 ersch\u00fctterte eine tiefe wirtschaftliche und politische Krise die deutsche Gesellschaft in ihren Grundfesten. 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