{"id":13962,"date":"2023-11-26T10:25:54","date_gmt":"2023-11-26T08:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13962"},"modified":"2023-11-26T10:25:55","modified_gmt":"2023-11-26T08:25:55","slug":"israels-luegen-ueber-den-ueberfall-vom-7-oktober-fallen-in-sich-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=13962","title":{"rendered":"<strong>Israels L\u00fcgen \u00fcber den \u00dcberfall vom 7. Oktober fallen in sich zusammen<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Jean Shaoul. <\/em>Israel hat den als \u201eAl-Aqsa-Flut\u201c bezeichneten \u00dcberfall am 7. Oktober als Vorwand f\u00fcr einen v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Angriff auf Gaza benutzt. Laut dem offiziellen Narrativ von Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu, das von seinen imperialistischen Hinterm\u00e4nnern getreulich wiederholt wird, hat die Hamas einen unerwarteten und beispiellos barbarischen Angriff ver\u00fcbt und<!--more--> muss daf\u00fcr um jeden Preis ausgel\u00f6scht werden.<\/p>\n<p>Dieses Narrativ verdreht die Wahrheit vollst\u00e4ndig. Wie die <em>World Socialist Web Site<\/em> wiederholt gewarnt hat, hat die Netanjahu-Regierung seit ihrem Amtsantritt Ende 2022 unabl\u00e4ssig Provokationen gegen die Pal\u00e4stinenser lanciert, um sie zu einer Vergeltungsaktion, wie sie am 7. Oktober stattfand, zu provozieren. Die \u201eAl-Aqsa-Flut\u201c lieferte den Casus Belli f\u00fcr einen im Voraus geplanten Massenmord und die ethnische S\u00e4uberung der Pal\u00e4stinenser, die im Gazastreifen beginnen und dann auf das Westjordanland und die zwei Millionen arabischen Staatsb\u00fcrger Israels ausgeweitet werden sollte.<\/p>\n<p>Israels v\u00f6lkerm\u00f6rderische Kampagne hat bereits mehr als 14.000 Todesopfer gefordert, haupts\u00e4chlich Kinder, Frauen und Alte. Krankenh\u00e4user, Schulen und Wohnbl\u00f6cke wurden zerst\u00f6rt. Da Israel sich weigert, die Versorgung des Gazastreifens mit Lebensmitteln, Treibstoff, Strom und sogar Wasser zuzulassen, werden noch viele weitere wehrlose Pal\u00e4stinenser einen schrecklichen Tod durch Verhungern, Verdursten und Krankheiten sterben.<\/p>\n<p>Doch Israels gesamtes Narrativ der Ereignisse vom 7. Oktober f\u00e4llt zunehmend auseinander, da sich die Beweise daf\u00fcr h\u00e4ufen, dass die Netanjahu-Regierung, das Milit\u00e4r und die Sicherheitsdienste von dem bevorstehenden milit\u00e4rischen \u00dcberfall wussten und dass, nachdem er begonnen hatte, eine gro\u00dfe Zahl der israelischen Todesopfer eine Folge der massiven Milit\u00e4roperationen der Israelischen Verteidigungskr\u00e4fte war.<\/p>\n<p>Diese Enth\u00fcllungen wurden von den internationalen Medien weitgehend ignoriert, die zuvor pflichtbewusst und unabl\u00e4ssig Israels Behauptungen wiederholt hatten, Hamas-K\u00e4mpfer h\u00e4tten schreckliche Gr\u00e4ueltaten begangen, denen mehr als 1.400 Menschen zum Opfer gefallen seien. Die K\u00e4mpfer h\u00e4tten Menschen mit brutaler Gewalt entf\u00fchrt, Babys gek\u00f6pft und verbrannt und Frauen vergewaltigt. Die Bewaffneten h\u00e4tten gezielt das Supernova-Musikfestival angegriffen und dabei Hunderte von jungen Menschen get\u00f6tet und auch die Bewohner von Kibbutzim abgeschlachtet, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Viele israelische Angeh\u00f6rige derjenigen, die am 7. Oktober get\u00f6tet, verwundet oder als Geiseln genommen wurden, haben eine unabh\u00e4ngige internationale Untersuchung gefordert, die von der Regierung jedoch abgelehnt wurde. Diese Forderung verdeutlicht, dass gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung der Ansicht sind, Netanjahu sei f\u00fcr die Katastrophe verantwortlich und habe nichts getan, um sie zu verhindern. Die Angeh\u00f6rigen fordern Antworten auf zwei grundlegende Fragen:<\/p>\n<p>Was wusste der israelische Milit\u00e4r- und Geheimdienstapparat im Voraus \u00fcber die Pl\u00e4ne der Hamas? Und was geschah am Wochenende vom 7. und 8. Oktober?<\/p>\n<p><strong>Was wusste Israel \u00fcber den geplanten Angriff?<\/strong><\/p>\n<p>Laut der offiziellen \u2013 und unabl\u00e4ssig wiederholten \u2013 Darstellung der Ereignisse vom 7. Oktober hat der ber\u00fcchtigte israelische Geheimdienst Mossad nicht geahnt, dass ein derartiger Gro\u00dfangriff bevorstand, der monatelange Planung, Ausbildung und die Koordination zwischen mehreren pal\u00e4stinensischen Gruppen wie der Hamas, dem Islamischen Dschihad und individuellen Pal\u00e4stinensern erfordert.<\/p>\n<p>Auch der amerikanische Milit\u00e4r- und Geheimdienstst\u00fctzpunkt in der israelischen W\u00fcste Negev, \u201eSite 512\u201c, der nur etwas mehr als drei\u00dfig Kilometer vom Gazastreifen entfernt liegt, sei \u00fcberrumpelt worden, wird behauptet.<\/p>\n<p>Die staatlichen Vertreter haben nicht erkl\u00e4rt, wie der massive elektronische Grenzzaun mit einfachsten Werkzeugen zerst\u00f6rt werden konnte, ohne dass Alarmsirenen losgegangen oder Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte alarmiert worden w\u00e4ren. Das bedeutet, dass die modernste Armee des Nahen Ostens angeblich Stunden gebraucht hat, um in einem Land, das nicht viel gr\u00f6\u00dfer ist als der US-Bundesstaat New Jersey, an den Ort des Geschehens zu kommen.<\/p>\n<p>Die Kommentare in den Medien stellten das Versagen des israelischen Sicherheitsapparats gr\u00f6\u00dftenteils als Ergebnis seiner Konzentration auf das Westjordanland dar. Die Netanjahu-Regierung hat die Gewalt der Siedler gegen die Pal\u00e4stinenser und die Provokationen von Ultraorthodoxen an der Al-Aqsa-Moschee vorangetrieben, die angeblich die Aufmerksamkeit der IDF und des Mossad in Anspruch nahmen.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit hat Netanjahu die Hamas keineswegs als Bedrohung angesehen, sondern sie vielmehr als Gegengewicht zu der von der Fatah dominierten Pal\u00e4stinenserbeh\u00f6rde (PA) gest\u00e4rkt. Israel hat darauf hin gearbeitet, Spaltungen zwischen den beiden rivalisierenden Fraktionen der Pal\u00e4stinenser zu zementieren und die Entstehung eines pal\u00e4stinensischen Ministaates aus Westjordanland und Gazastreifen zu verhindern.<\/p>\n<p>Ein anonymer israelischer Geheimdienstoffizier erkl\u00e4rte letzten Monat gegen\u00fcber der <em>Washington Post<\/em>: \u201eDas passiert, wenn man vergisst, dass alle Verteidigungslinien irgendwann durchbrochen werden k\u00f6nnen und in der Vergangenheit durchbrochen wurden. Das passiert, wenn man seinen Feind untersch\u00e4tzt.\u201c<\/p>\n<p>Netanjahu hat wiederholt dementiert, von Milit\u00e4r und Geheimdienst irgendwelche Informationen \u00fcber einen m\u00f6glichen Angriff erhalten zu haben. Am 29. Oktober twitterte er, dass \u201ePremierminister Netanjahu unter keinen Umst\u00e4nden und zu keinem Zeitpunkt vor den Absichten der Hamas, einen Krieg zu beginnen, gewarnt wurde.\u201c<\/p>\n<p>Vor einigen Tagen wurden seine L\u00fcgen widerlegt, als die Zeitung <em>Ha&#8217;aretz<\/em> Briefe des Leiters der Forschungsabteilung des Milit\u00e4rgeheimdienstes vom M\u00e4rz und Juli ver\u00f6ffentlichte. Darin warnte er Netanjahu pers\u00f6nlich, dass die gesellschaftspolitische Krise, die das Land ersch\u00fcttert, den Iran, die Hisbollah und die Hamas ermutigt, einen Angriff auf das Land zu riskieren, und zwar sogar gleichzeitig.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz schrieb Brigadegeneral Amit Sa&#8217;ar: \u201eWir sehen, dass \u00fcber die Frage debattiert wird, ob man weiterhin unt\u00e4tig bleiben soll und Israel sich weiter schw\u00e4cht, oder ob man die Initiative ergreifen soll und seine Situation verschlimmert.\u201c Er f\u00fcgte die Geheimdienstberichte bei, auf denen seine Warnungen beruhten.<\/p>\n<p>Er f\u00fcgte hinzu: \u201eNach unserem Verst\u00e4ndnis ist diese Erkenntnis die Grundlage f\u00fcr die hohe Motivation der Hamas, derzeit Angriffe aus dem Norden durchzuf\u00fchren. Sie ermutigt zudem den Iran, die Bestrebungen seiner Stellvertreter, Israel anzugreifen, zu verst\u00e4rken.\u201c<\/p>\n<p>Als Verteidigungsminister Joaw Galant darauf aufmerksam machte, wurde er von Netanjahu sofort entlassen und erst nach massiven Protesten wieder eingesetzt.<\/p>\n<p>Im Juli, kurz bevor die Knesset den Gesetzesentwurf verabschiedete, mit dem die Regierung die Befugnis erh\u00e4lt, sich \u00fcber den Obersten Gerichtshof hinwegzusetzen, schickte Sa&#8217;ar Netanjahu einen weiteren Brief, in dem er erkl\u00e4rte: \u201eDie zunehmende Krise verschlechtert Israels Ansehen, verschlimmert den Schaden f\u00fcr die israelische Abschreckung und erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation.\u201c IDF-Stabschef Herzl Halevi versuchte, Netanjahu \u00fcber die Sicherheitslage zu unterrichten, erhielt jedoch keine Audienz.<\/p>\n<p>Das sind nur die j\u00fcngsten Enth\u00fcllungen, die Netanjahus Behauptungen widerlegen, er habe nichts von dem geplanten Angriff der Hamas gewusst.<\/p>\n<p>Nur zwei Tage nach dem Angriff, am Montag, den 9. Oktober, entlarvte \u00c4gypten Netanjahus Beteuerungen, er habe im Vorfeld nichts gewusst. Ein \u00e4gyptischer Geheimdienstler erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Associated Press, Kairo habe die israelischen Beh\u00f6rden wiederholt gewarnt, dass \u201eetwas Gro\u00dfes\u201c von Gaza aus geplant sei. Er erkl\u00e4rte: \u201eWir haben sie gewarnt, dass eine Explosion der Situation bevorsteht und zwar sehr bald, und dass sie gro\u00df sein w\u00fcrde. Aber sie haben diese Warnungen untersch\u00e4tzt.\u201c Er f\u00fcgte hinzu, die israelischen Regierungsvertreter h\u00e4tten die Bedrohung aus dem Gazastreifen heruntergespielt und sich stattdessen auf das Westjordanland konzentriert. Netanjahu hat bestritten, solche Warnungen erhalten zu haben und bezeichnete den Bericht als \u201eFake News\u201c.<\/p>\n<p>Berichten zufolge sollen auch israelische Soldaten Alarm geschlagen haben, wurden jedoch ignoriert und bedroht. Am 18. November schilderten mindestens zwei Soldatinnen in einer Nachrichtensendung auf <em>Channel 12<\/em>, dass sie schon Wochen zuvor Bedenken \u00fcber ihrer Meinung nach verd\u00e4chtige Aktivit\u00e4ten an der Grenze zum Gazastreifen ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tten. Sie berichteten ihren Kommandanten von \u201eTraining, Anomalien und Vorbereitungen\u201c nahe der Grenzmauer und erkl\u00e4rten gegen\u00fcber <em>Channel 12<\/em>, sie h\u00e4tten beobachtet, dass \u201eneue Leute die Farmen entlang der Grenze besuchen\u201c.<\/p>\n<p>Die Soldatinnen erkl\u00e4rten, ihre Berichte seien nicht nur ignoriert worden, man habe ihnen auch mit Milit\u00e4rgerichtsverfahren gedroht, weil sie diese Bedenken ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tten: \u201eMan hat uns gesagt, wenn wir wegen dieser Sache weiter \u00c4rger machen, kommen wir vor Gericht.\u201c Ein Offizier erkl\u00e4rte ihnen gegen\u00fcber: \u201eDie Hamas ist ein Haufen Abschaum, die werden nichts unternehmen.\u201c<\/p>\n<p>Diese Drohungen deuten darauf hin, dass die israelischen Beh\u00f6rden von dem geplanten Angriff wussten und ihn zulie\u00dfen, auch wenn \u00fcber das volle Ausma\u00df des \u00dcberfalls der Hamas Unklarheit herrschte. Noch deutlicher gesagt, sie wollten ein Gr\u00e4uel und haben deshalb ihre Verteidigungs- und Rettungskr\u00e4fte zur\u00fcckgehalten. Zudem deutet die uneingeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung Israels durch die Biden-Regierung \u2013 einschlie\u00dflich der Entsendung von Kriegsschiffen in die Region bereits am n\u00e4chsten Tag \u2013 darauf hin, dass der 7. Oktober von US-Milit\u00e4rs und Geheimdiensten genutzt wurde, um die seit langem vorbereiteten Kriegspl\u00e4ne zu aktivieren.<\/p>\n<p><strong>Was geschah am 7. Oktober?<\/strong><\/p>\n<p>Am 7. Oktober wurden Tausende von Raketen als Ablenkung auf Israel abgefeuert, w\u00e4hrend mindestens 1.500 Pal\u00e4stinenser praktisch in einem Himmelfahrtskommando den befestigten Grenz\u00fcbergang Erez und, an mehreren weiteren Stellen, den elektronischen Zaun zwischen Gaza und Israel durchbrachen. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel war es, Israels Division an der Grenze zum Gazastreifen zu zerst\u00f6ren und Geiseln zu nehmen, die im Austausch f\u00fcr etwa 5.300 pal\u00e4stinensische Gefangene aus israelischen Gef\u00e4ngnissen freigelassen werden sollten. Von den inhaftierten Pal\u00e4stinensern werden mindestens 1.500 ohne Anklage oder Prozess auf unbefristete Zeit in Untersuchungshaft gehalten.<\/p>\n<p>Sie griffen den Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he des Grenz\u00fcbergangs Erez und mehrere Au\u00dfenposten des Milit\u00e4rs an, zerst\u00f6rten ihre technische Ausr\u00fcstung und legten ihre Kommunikationssysteme lahm, sodass die Soldaten die Angriffe nicht melden konnten. In den darauf folgenden K\u00e4mpfen t\u00f6teten pal\u00e4stinensische K\u00e4mpfer zahlreiche Soldaten, nahmen einige davon als Geiseln, bevor sie in die s\u00fcdlichen St\u00e4dte, D\u00f6rfer und Kibbuzim sowie zum Supernova-Musikfestival weiterzogen, das nur f\u00fcnf Tage zuvor um einen Tag bis zum 7. Oktober verl\u00e4ngert worden war.<\/p>\n<p>Laut Berichten der israelischen Presse wurden die IDF \u201eunvorbereitet erwischt\u201c und reagierten nur sehr langsam auf die verzweifelten Hilferufe der von den Angriffen betroffenen Menschen. Dies soll es den K\u00e4mpfern der Hamas und anderer pal\u00e4stinensischer Gruppen erm\u00f6glicht haben, etwa 1.400 Menschen zu t\u00f6ten und 240 Geiseln zu nehmen, darunter Soldaten, Zivilisten, Ausl\u00e4nder und einen pal\u00e4stinensischen B\u00fcrger Israels.<\/p>\n<p>Es dauerte zwei Wochen, bis diese Geschichte sich in nichts aufl\u00f6ste.<\/p>\n<p>Am 20. Oktober ver\u00f6ffentlichte <em>Ha&#8217;aretz<\/em> die Namen und Aufenthaltsorte von 683 Israelis, die w\u00e4hrend des pal\u00e4stinensischen Aufstands get\u00f6tet wurden, was etwa der H\u00e4lfte der gemeldeten 1.400 Todesopfer entspricht. 331 davon waren Soldaten und Polizisten, viele davon Frauen, dazu kamen 13 Angeh\u00f6rige der Rettungsdienste. (Mittlerweile ist diese Zahl auf 377 Soldaten und Polizisten und 845 Zivilisten gestiegen, so dass sich die Gesamtzahl auf 1.222 verringert hat. In der urspr\u00fcnglichen Gesamtzahl waren einige der toten Pal\u00e4stinenser enthalten.) Dass sich unter den aufgez\u00e4hlten Toten keine Kinder unter drei Jahren befanden, widerlegt die rei\u00dferischen und verlogenen Behauptungen, Babys seien massakriert, gek\u00f6pft oder, in mindestens einem Fall, sogar in einem Ofen gebraten worden. Sieben Opfer waren den Angaben zufolge zwischen vier und sieben Jahren alt, neun zwischen zehn und siebzehn.<\/p>\n<p>Dass ganze 48 Prozent der Personen auf der unvollst\u00e4ndigen Liste israelische K\u00e4mpfer sind, l\u00e4sst auf erbitterte K\u00e4mpfe zwischen den israelischen Sicherheitskr\u00e4ften und Pal\u00e4stinensern schlie\u00dfen. Berichten zufolge wurden etwa 1.500 Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet und kein einziger lebend gefangen genommen. Es dauerte drei Tage, bis die K\u00e4mpfe beendet waren und die IDF die Kontrolle wiedererlangten.<\/p>\n<p>Zahlreiche Quellen belegen, dass ein betr\u00e4chtlicher Teil israelischer Zivilisten in Feuergefechten ums Leben gekommen ist, oder eher aufgrund der ber\u00fcchtigten Hannibal-Direktive, die w\u00e4hrend Israels Besetzung des s\u00fcdlichen Libanon im Jahr 1986 eingef\u00fchrt wurde. Die Direktive soll verhindern, dass Israelis von feindlichen Kr\u00e4ften gefangengenommen werden, selbst wenn dies um den Preis ihres Lebens geschieht. Es bedeutet, dass die IDF Israelis t\u00f6ten sollten, statt zuzulassen, dass sie der Hamas in die H\u00e4nde fallen.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rkorrespondent der <em>Ha&#8217;aretz<\/em>, Amos Harel, schilderte, wie die riesige Milit\u00e4rbasis und die Einrichtung zur Koordinierung von Regierungsaktivit\u00e4ten in den [besetzten] Gebieten (COGAT) am Grenz\u00fcbergang Erez, die als Nervenzentrum der israelischen Belagerung des Gazastreifens fungiert, von pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfern attackiert wurde. Der stellvertretende Kommandant der Einheit beschrieb, wie er und seine Panzereinheit \u201emit den Panzern innerhalb des Kibbuz von Haus zu Haus k\u00e4mpften.\u201c<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte zum Schluss: \u201eWir hatten keine andere Wahl.\u201c Er erw\u00e4hnte nicht, dass IDF-Soldaten bis vor kurzem, als sie in das Westjordanland verlegt wurden, in allen Kibbuzim stationiert waren.<\/p>\n<p>Da viele Soldaten der Einheit get\u00f6tet oder verwundet wurden, sah sich der Kommandant \u201egezwungen, einen Luftangriff gegen den St\u00fctzpunkt selbst anzuordnen, um die Terroristen zur\u00fcckzuschlagen.\u201c In den n\u00e4chsten Tagen wurden mehrfach Apache-Hubschrauber der IDF eingesetzt, die nicht nur pal\u00e4stinensische K\u00e4mpfer, sondern auch israelisches Milit\u00e4rpersonal und Zivilisten t\u00f6teten. Die Hubschrauberangriffe erkl\u00e4ren den betr\u00e4chtlichen Schaden an Geb\u00e4uden, von denen viele ausbrannten, und die gro\u00dfe Zahl von ausgebrannten Autos sowie mehrere verbrannte Leichen. Die Regierung behauptete, sie seien von Pal\u00e4stinensern mit Gewehren und Handgranaten verursacht worden, obwohl solche Waffen nicht in der Lage sind, derartige Sch\u00e4den und in diesem Ausma\u00df zu verursachen.<\/p>\n<p>Die israelische Nachrichtenagentur <em>Yediot Aharonoth<\/em> erkl\u00e4rte in einem Bericht \u00fcber die Apache-Staffel: \u201eDie Piloten erkannten, dass es \u00e4u\u00dferst schwierig war, innerhalb der besetzten Au\u00dfenposten und Siedlungen zu unterscheiden, wer Terrorist, wer Soldat und wer Zivilist ist&#8230; Zuerst wurden die Tausenden von Terroristen unter enormen Beschuss genommen, erst sp\u00e4ter begannen die Piloten, die Angriffe zu verlangsamen und die Ziele sorgf\u00e4ltig auszuw\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>Die dreifache Mutter Yasmin Porat (44), deren Partner get\u00f6tet wurde, erkl\u00e4rte in einem langen Interview mit dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender Kan, das auf <em>Electronic Intifada<\/em> ver\u00f6ffentlicht wurde, wie sie nach der Flucht vom Supernova-Festival von pal\u00e4stinensischen Aufst\u00e4ndischen gefangengenommen und als Geisel im Kibbuz Be&#8217;eri festgehalten wurde. Sie sagte, sie sei gut behandelt worden, und widerlegte damit die Behauptungen Israels, die pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfer h\u00e4tten ihre Geiseln bewusst brutal misshandelt. Sie f\u00fcgte hinzu, die Entf\u00fchrer h\u00e4tten sie und andere Geiseln \u201emenschlich\u201c behandelt, in dem Glauben, sie k\u00f6nnten sicher nach Gaza zur\u00fcckkehren, da sie es mit ihren israelischen Gefangenen tun w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Allerdings schossen die IDF-Soldaten nicht nur auf die Pal\u00e4stinenser, sondern auch auf die Geiseln: \u201eSie haben alle get\u00f6tet, einschlie\u00dflich der Geiseln. Es gab sehr, sehr schweren Beschuss.\u201c Sie f\u00fcgte hinzu: \u201eNach dem wahnsinnigem Beschuss wurden zwei Panzergranaten in das Haus abgefeuert. Es ist ein kleines Kibbuz-Haus, nichts Gro\u00dfes.\u201c<\/p>\n<p>Quique Kierszenbaum, der im <em>Guardian<\/em> \u00fcber seinen Rundgang durch den Kibbuz Be&#8217;eri unter dem Schutz der Propagandaeinheit der israelischen Armee berichtete, schrieb: \u201eEin Geb\u00e4ude nach dem anderen wurde zerst\u00f6rt, entweder bei dem Hamas-Angriff oder in den darauf folgenden K\u00e4mpfen. Die B\u00e4ume in der Gegend wurden gespalten und Mauern zertr\u00fcmmert, wo israelische Panzer die Hamas-K\u00e4mpfer, die sich dahinter versteckten, in die Luft jagten. Stockwerk st\u00fcrzte auf Stockwerk. Dachbalken hingen herum wie offene Brustk\u00f6rbe.\u201c<\/p>\n<p>Zeugen erkl\u00e4rten auch gegen\u00fcber Journalisten der <em>New York Times<\/em> und des <em>Economist<\/em>, was in den Kibbuzim Be&#8217;eri und Nir Am passiert war. Diese wurden vor Jahren im Wesentlichen als Verteidigungsposten errichtet und haben ihre eigenen Verteidigungskr\u00e4fte. Sie konzentrierten sich zwar auf die Taten der Pal\u00e4stinenser, beschrieben aber auch anf\u00e4ngliche K\u00e4mpfe zwischen bewaffneten Pal\u00e4stinensern und bewaffneten Israelis, bei denen Zivilisten get\u00f6tet und andere als Geiseln genommen wurden.<\/p>\n<p>Videos zeigen Schie\u00dfereien zwischen Pal\u00e4stinensern und bewaffneten israelischen Sicherheitskr\u00e4ften, w\u00e4hrend sich unbewaffnete Israelis dazwischen in Sicherheit bringen. Andere Videos zeigen, wie K\u00e4mpfer auf H\u00e4user schie\u00dfen und Granaten in befestigte Gebiete werfen. Augenzeugen haben ausgesagt, dass Granaten in Schutzbunker geworfen wurden, wobei nicht klar ist, von wem. In der Presse wurde mehrfach von Israelis berichtet, die durch eigenes Feuer get\u00f6tet wurden, einige behaupteten auch, sie seien vom israelischen Milit\u00e4r und der Polizei beschossen worden.<\/p>\n<p>Der <em>Ha&#8217;aretz-<\/em>Journalist Nir Hasson ver\u00f6ffentlichte am 20. Oktober sein Interview mit einem Einwohner von Be&#8217;eri namens Tuval, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht im Kibbuz aufhielt, aber dessen Partnerin get\u00f6tet wurde. In dem Artikel hie\u00df es: \u201eEr erkl\u00e4rte, erst am Montagabend haben die IDF die \u00dcbernahme des Kibbuz abgeschlossen, nachdem die Kommandanten vor Ort schwierige Entscheidungen getroffen hatten \u2013 darunter den Beschuss von H\u00e4usern, in denen sich noch alle Bewohner befanden, um die Terroristen zusammen mit den Geiseln zu eliminieren. Der Preis war schrecklich: Mindestens 112 Bewohner von Be&#8217;eri wurden get\u00f6tet, weitere wurden entf\u00fchrt. Gestern, elf Tage nach dem Massaker wurden in einem der zerst\u00f6rten H\u00e4user die Leichen einer Mutter und ihres Sohnes entdeckt. Vermutlich liegen in den Tr\u00fcmmern noch weitere Leichen.\u201c<\/p>\n<p>In den letzten Tagen ergab der Bericht der israelischen Polizei \u00fcber den Angriff auf das Supernova-Festival, bei dem die meisten Menschen ums Leben kamen \u2013 364 Menschen, darunter 17 Polizeibeamte \u2013 und wo 40 Geiseln genommen wurden, dass das Festival entgegen der Behauptungen der israelischen Regierung nicht auf der Liste der Ziele der Hamas stand. Die Hamas konnte den Angriff nicht geplant haben, weil die Organisatoren des Festivals den Veranstaltungsort erst zwei Tage zuvor von S\u00fcdisrael in die westliche Negev-W\u00fcste verlegt hatten, nachdem der urspr\u00fcngliche Veranstaltungsort im S\u00fcden Israels ausgefallen war. Pal\u00e4stinensische K\u00e4mpfer fanden dies nur durch Zufall heraus, weil das Festival kurzfristig um einen Tag verl\u00e4ngert worden war. Die meisten der 4.400 Teilnehmer konnten vor dem Angriff fliehen.<\/p>\n<p>Laut <em>Ha&#8217;aretz<\/em> fanden Ermittler der Polizei heraus, dass ein Hubschrauber der IDF das Feuer auf die Angreifer er\u00f6ffnet hatte und dabei einige G\u00e4ste des Festivals traf. <em>ABC News<\/em> hatte zuvor berichtet, dass ein israelischer Panzer auf dem Weg zum Festivalgel\u00e4nde war, und auf Videos ist zu sehen, wie IDF-Truppen das Feuer auf pal\u00e4stinensische K\u00e4mpfer er\u00f6ffnen, die sich in einer Menschenmenge aus unbewaffneten Zivilisten befinden.<\/p>\n<p>Diese Augenzeugenberichte zerst\u00f6ren das ganze offizielle Narrativ Israels und zeigen, dass:<\/p>\n<ul>\n<li>die IDF sich gegen\u00fcber Pal\u00e4stinensern ebenso wie gegen\u00fcber Israelis wie brutale und schie\u00dfw\u00fctige Massenm\u00f6rder verhalten haben.<\/li>\n<li>viele israelische Gefangene am Montag, zwei Tage nach den Ereignissen vom 7. Oktober, noch am Leben waren.<\/li>\n<li>die Geiseln nicht nur in Gefechten zwischen den IDF und pal\u00e4stinensischen Milizen am Samstag get\u00f6tet wurden. Viele wurden als Folge der bewussten Entscheidung der IDF get\u00f6tet, den Kibbuz aus n\u00e4chster N\u00e4he mit Panzergranaten und anderen schweren Waffen anzugreifen, obwohl sie wussten, dass sich dort Geiseln und ihre Entf\u00fchrer befanden.<\/li>\n<li>nicht die Pal\u00e4stinenser, sondern die IDF f\u00fcr viele der zivilen israelischen Todesopfer verantwortlich sind, mit denen Israel seinen v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Krieg im Gazastreifen und die USA die Stationierung von Kriegsschiffen im Nahen Osten rechtfertigen. Auf wie viele Todesopfer dies zutrifft, kann nur durch eine Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse der Autopsie best\u00e4tigt werden, aus denen hervorgeht, welche Geschosse zum Einsatz kamen.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich erkl\u00e4rt es, warum laut Milit\u00e4rsprecher Daniel Hagari eine \u201ebetr\u00e4chtliche\u201c Zahl von Geiseln, die von der Hamas entf\u00fchrt wurden, Offiziere des Milit\u00e4rs sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Netanjahu-Regierung und die IDF haben die israelische Zivilbev\u00f6lkerung nicht gesch\u00fctzt, sondern sie als Kanonenfutter benutzt, um eine Politik des Expansionismus und des j\u00fcdischen Chauvinismus durchzusetzen.<\/p>\n<p>Netanjahu hat der kurzzeitigen \u201eoperativen Pause\u201c seines v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Angriffs auf den Gazastreifen als Gegenleistung f\u00fcr die Freilassung von 50 Hamas-Geiseln zum Teil mit der Absicht zugestimmt, um die wachsende Wut innerhalb Israels \u00fcber seine Verantwortung f\u00fcr den 7. Oktober einzud\u00e4mmen. Allerdings gibt es keinen Grund zur Annahme, dass er damit Erfolg haben wird.<\/p>\n<p>Eine politische Konfrontation mit Netanjahu und seinen faschistischen Verb\u00fcndeten steht bevor. Dies erfordert jedoch mehr als nur Abscheu \u00fcber die Ereignisse vom 7. Oktober und Sorge um das Schicksal der Geiseln. Es geht nicht darum, wie es die zionistische Opposition gegen Netanjahu in Israel formulierte, jemanden wie etwa Verteidigungsminister Galant an die Macht zu bringen, der milit\u00e4risch und politisch \u201ekompetenter\u201c ist, um Massenmord und ethnische S\u00e4uberungen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Es muss ein sofortiges Ende des V\u00f6lkermords an den Pal\u00e4stinensern gefordert, der Zionismus zur\u00fcckgewiesen und ein multinationaler Staat geschaffen werden, in dem Juden und Pal\u00e4stinenser gleichberechtigt sind. Dieser Staat muss Teil der Vereinigten Sozialistischen Staaten des Nahen Ostens sein.<\/p>\n<p>Washington, London, Paris und Berlin wiederholen die L\u00fcgen, mit denen der Massenmord und die ethnische S\u00e4uberung der Pal\u00e4stinenser sanktioniert werden, weil sie auf diese Weise die Umsetzung ihrer eigenen Pl\u00e4ne voranbringen wollen, im Rahmen eines globalen Kriegs gegen den Iran, Russland und letztlich China die Kontrolle \u00fcber den rohstoffreichen Nahen Osten zu erlangen. F\u00fcr Millionen von Arbeitern und Jugendlichen, die den Kampf gegen ihre eigenen verkommenen Regierungen wegen ihrer Zusammenarbeit mit den zionistischen Schl\u00e4chtern beginnen, bedeutet dies, den politischen Kampf gegen den Kurs des Imperialismus auf Krieg und f\u00fcr den Sozialismus aufzunehmen.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Pal\u00e4stinenser suchen nach einem Bombenangriff im Fl\u00fcchtlingslager Nusseirat nach \u00dcberlebenden, 31. Oktober 2023 [AP Photo\/Doaa AlBaz]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/11\/25\/buna-n25.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. November 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Shaoul. Israel hat den als \u201eAl-Aqsa-Flut\u201c bezeichneten \u00dcberfall am 7. Oktober als Vorwand f\u00fcr einen v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Angriff auf Gaza benutzt. Laut dem offiziellen Narrativ von Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu, das von seinen imperialistischen Hinterm\u00e4nnern getreulich &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13963,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[18,35,49,46,17,33],"class_list":["post-13962","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-imperialismus","tag-palaestina","tag-repression","tag-usa","tag-widerstand","tag-zionismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13962"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13964,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13962\/revisions\/13964"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13963"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}