{"id":14004,"date":"2023-12-04T13:14:16","date_gmt":"2023-12-04T11:14:16","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14004"},"modified":"2023-12-04T13:14:17","modified_gmt":"2023-12-04T11:14:17","slug":"cop28-klimagipfel-regierungen-zynisch-gegenueber-galoppierender-erderwaermung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14004","title":{"rendered":"<strong>COP28-Klimagipfel: Regierungen zynisch gegen\u00fcber galoppierender Erderw\u00e4rmung<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Bryan Dyne.\u00a0 <\/em>Am 30. November wurde die 28. Klimakonferenz der Vereinten Nationen vor dem Hintergrund eines rapiden Anstiegs globaler Temperaturen und einer wachsenden Zahl von extremen Wetterereignissen er\u00f6ffnet. Diese Folgen des Klimawandels haben schon jetzt zu Hunderttausenden von vermeidbaren Todesf\u00e4llen und zur Vertreibung von Millionen von Menschen gef\u00fchrt.<!--more--><\/p>\n<p>Zuletzt meldete der Copernicus Climate Service, dass der 17. November der w\u00e4rmste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen war und mit 2,07 \u00b0C \u00fcber dem globalen Durchschnitt von 1850-1900 lag.<\/p>\n<p>Beim gegenw\u00e4rtigen Tempo der Entwicklung wird 2023 das w\u00e4rmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen sein und 2024 wird voraussichtlich noch hei\u00dfer werden. Etwa ein Drittel der Tage im Jahr 2023 lagen mindestens 1,5 Grad Celsius \u00fcber dem vorindustriellen Durchschnitt \u2013 einer der kritischen Grenzwerte f\u00fcr das Erdklima. Nie zuvor wurden so viele Tage \u00fcber dem Grenzwert in einem einzigen Jahr gemessen.<\/p>\n<p>In ihrem \u201eEmissions Gap Report\u201c f\u00fcr 2023 warnen die Vereinten Nationen:<\/p>\n<p><em>Selbst im optimistischsten Szenario, das in diesem Bericht betrachtet wird, betr\u00e4gt die Chance, die globale Erw\u00e4rmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, nur 14 Prozent, und die verschiedenen Szenarien zeigen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die globale Erw\u00e4rmung 2 Grad Celsius oder sogar 3 Grad Celsius \u00fcbersteigt.<\/em><\/p>\n<p>Jeder einzelne Aspekt des diesj\u00e4hrigen COP28-Gipfel ist ein Ausdruck der totalen Gleichg\u00fcltigkeit der kapitalistischen Regierungen gegen\u00fcber der sich beschleunigenden Klimakatastrophe. Gastgeber der Konferenz sind die Vereinigten Arabischen Emirate, ein Land, dessen Bruttoinlandsprodukt zu einem Drittel aus dem Verkauf fossiler Brennstoffe stammt. Zum Pr\u00e4sidenten des Gipfels wurde Sultan al-Jaber ernannt, CEO der staatlichen Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC). Angesichts dessen beschrieben Kommentatoren den Gipfel als eine \u201eHandelsmesse\u201c f\u00fcr die fossile Brennstoffindustrie.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2020 appellierte US-Pr\u00e4sident Joe Biden an die W\u00e4hler, insbesondere an junge Menschen, mit der Behauptung, er nehme den Klimawandel ernst. Anders als sein Vorg\u00e4nger Donald Trump inszenierte er seine Teilnahme an den Klimagipfeln 2021 und 2022. In diesem Jahr k\u00fcndigte das Wei\u00dfe Haus jedoch an, dass Biden nicht am Gipfel teilnehmen und stattdessen Vizepr\u00e4sidentin Kamala Harris schicken w\u00fcrde, die einzig dadurch hervorsticht, dass sie es irgendwie schafft, eine noch niedrigere Zustimmungsrate als der Pr\u00e4sident zu erhalten.<\/p>\n<p>Seit der Entstehung des Kapitalismus wird Energie haupts\u00e4chlich durch die Verbrennung von Kohle, Erd\u00f6l und Erdgas erzeugt, wodurch das Treibhausgas Kohlendioxid in die Atmosph\u00e4re gelangt. Infolgedessen ist die globale Durchschnittstemperatur in weniger als 200 Jahren um 1,2 Grad Celsius (2,2 Grad Fahrenheit) gestiegen.<\/p>\n<p>Die H\u00e4ufigkeit extremer Wetterrekorde im Jahr 2023 verdeutlicht die Gefahren der Krise. Der vergangene Juli war der hei\u00dfeste Monat in der Geschichte der Aufzeichnungen und wurde von einer Hitzewelle begleitet, die in Nordamerika, Europa und Asien Tausende von Todesopfern forderte. Bei Sturzfluten im September kamen in Libyen mehr als 4.000 Menschen ums Leben und zwischen 10.000 und 100.000 werden vermisst. Ein Nebenfluss des Amazonas erreichte den niedrigsten Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1902. Dadurch sind das Leben und die Lebensgrundlage von 481.000 Menschen in Manaus, Brasilien, akut bedroht. Bei den in der Stadt lebenden Kindern f\u00fchrte das Niedrigwasser in der Folge zu Durchfall, Erbrechen und Infektionen.<\/p>\n<p>Solche Ereignisse sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den zahlreichen F\u00e4llen von anhaltenden D\u00fcrren, sintflutartigen \u00dcberschwemmungen, sengenden Hitzewellen und katastrophalen Wirbelst\u00fcrme, die in den letzten 15 Jahren zum Alltag geworden sind. Extreme Wetterereignisse, die einst alle 100, 200 oder sogar 500 Jahre prognostiziert wurden, treten heute alle zehn Jahre auf und sind auf dem besten Weg, zu j\u00e4hrlichen Katastrophen zu werden.<\/p>\n<p>Je st\u00e4rker sich die Erde erw\u00e4rmt, desto katastrophaler werden die langfristigen Folgen sein. Mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten, sch\u00e4tzungsweise 3 Millionen verschiedene Arten von Flora und Fauna, werden bis zum Jahr 2050 aussterben, und die anhaltende \u00f6kologische Katastrophe wird als \u201esechstes Massenaussterben\u201c bezeichnet. Mehr als 70 Prozent aller Arten werden bis zum Jahr 2100 aussterben, wenn die derzeitigen Treibhausgasemissionen nicht sofort und drastisch reduziert werden. Die zunehmende Versauerung der Ozeane bedroht das Phytoplankton der Welt. Im extremsten Szenario, bei dem das Phytoplankton vollst\u00e4ndig abget\u00f6tet wird, w\u00fcrde dies die Basis der weltweiten Nahrungskette abschneiden und die Sauerstoffproduktion der Erde um die H\u00e4lfte reduzieren.<\/p>\n<p>Im Vorfeld des diesj\u00e4hrigen Klimagipfels richteten mehr als 200 Fachzeitschriften f\u00fcr Medizin und Gesundheit einen Aufruf an die Vereinten Nationen, in dem sie warnten: \u201eDiese allgemeine Umweltkrise ist inzwischen so schwerwiegend, dass sie einen globalen Gesundheitsnotstand darstellt.\u201c Sie stellten fest, dass \u201eder Klimawandel die Entwaldung und andere Eingriffe zur Landnutzung als Hauptursache f\u00fcr den Verlust der Natur demn\u00e4chst \u00fcberholen wird\u201c. Sie f\u00fcgten hinzu: \u201eVer\u00e4nderungen in der Landnutzung haben Zehntausende von Arten in engeren Kontakt gezwungen, was die \u00dcbertragung von Krankheitserregern und das Auftreten neuer Krankheiten und Pandemien beg\u00fcnstigt.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt noch weitere existenzielle Bedrohungen. Der Meeresspiegel ist im letzten Jahrhundert bereits um mehr als 25 Zentimeter angestiegen, was zu weiteren t\u00f6dlichen Sturmfluten gef\u00fchrt hat. Durch die Gletscherschmelze droht der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts um das F\u00fcnf- oder sogar Zehnfache zu steigen. Mehr als 821 Millionen Menschen m\u00fcssen hungern oder verhungern, weil das Land, auf das sie f\u00fcr ihre Ern\u00e4hrung angewiesen sind, nicht mehr bewirtschaftet werden kann. Mindestens 3,2 Milliarden Menschen leben in Gebieten, die in den kommenden Jahrzehnten aufgrund von \u00dcberschwemmungen, Waldbr\u00e4nden oder Wirbelst\u00fcrmen unbewohnbar werden.<\/p>\n<p>Diese Gefahren sind nicht neu. Das wissenschaftliche Verst\u00e4ndnis der Wechselwirkung zwischen Treibhausgasen und dem Klima der Erde ist seit mehr als einem Jahrhundert gegeben und die spezifischen Auswirkungen auf Wettermuster, Landwirtschaft und Artenvielfalt sind seit Jahrzehnten bekannt. Wissenschaftler haben Berichte ver\u00f6ffentlicht, Konferenzen abgehalten, bei parlamentarischen Anh\u00f6rungen ausgesagt und alle m\u00f6glichen anderen Alarmglocken gel\u00e4utet, um die Regierungen zum Handeln zu bewegen.<\/p>\n<p>Es ist jedoch vollkommen klar geworden, dass es den kapitalistischen Regierungen schlichtweg egal ist, dass Millionen, m\u00f6glicherweise Milliarden, infolge ihrer Handlungen sterben k\u00f6nnten. Der Fokus der imperialistischen M\u00e4chte, vor allem der USA, liegt auf Krieg. In der Ukraine stellen die USA und die NATO dem rechtsextremen Selenskyj-Regime und den Neonazi-Gruppen, die mit ihm verb\u00fcndet sind, Hunderte von Milliarden Dollar zur Verf\u00fcgung, um einen Krieg zu f\u00fchren, der Russland destabilisieren und einen Regimewechsel herbeif\u00fchren soll. In Gaza unterst\u00fctzt und finanziert Biden ausdr\u00fccklich Israels anhaltenden V\u00f6lkermord an der Bev\u00f6lkerung des Gazastreifens, bei dem bisher 20.000 Menschen get\u00f6tet wurden und dessen Ziel darin besteht, alle 2,3 Millionen Bewohner des Gazastreifens in die W\u00fcste Sinai zu vertreiben. Nicht die Umwelt, sondern Blut und \u00d6l sind f\u00fcr den Kapitalismus das Gebot der Stunde.<\/p>\n<p>Dass jeder Appell an die M\u00e4chtigen zum Kampf gegen den Klimawandel auf taube Ohren st\u00f6\u00dft, wurde durch die j\u00fcngsten Angriffe auf die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg unterstrichen, nachdem sie den V\u00f6lkermord in Gaza verurteilt hatte. Thunberg, die zuvor von den US-Medien als \u201e<em>Time<\/em> Person of the Year\u201c und als eine der \u201e<em>Forbes<\/em> 100 Most Powerful Women\u201c gefeiert worden war, wird nun als \u201eTerrorunterst\u00fctzerin\u201c diffamiert.<\/p>\n<p>So wie die Regierungen verlangt haben, dass die Weltbev\u00f6lkerung mit st\u00e4ndigen Masseninfektionen, Schw\u00e4chung und Tod durch Covid-19 \u201eleben\u201c soll, verlangen sie nun, dass die Bev\u00f6lkerung eine vermeidbare Klimakatastrophe einfach akzeptiert.<\/p>\n<p>Die wirkliche L\u00f6sung f\u00fcr den Klimawandel liegt in einer umfassenden Neuordnung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens auf globaler Ebene. Die Energieerzeugung, die Logistik und die Landwirtschaft m\u00fcssen vollst\u00e4ndig umgestellt werden, um zu erneuerbaren Energien \u00fcberzugehen und die Atmosph\u00e4re von Treibhausgasen zu befreien. Dies wiederum erfordert internationale Anstrengungen zum Aufbau neuer Infrastrukturen und zur Erforschung neuer Technologien. Banken und Konzerne m\u00fcssen enteignet und ihr gehorteter Reichtum zur Finanzierung dieser Anstrengungen verwendet werden, anstatt Billionen f\u00fcr v\u00f6lkerm\u00f6rderische Kriege und die Bereicherung der Wall Street und der \u00d6lscheicht\u00fcmer zu verschwenden.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung des Klimawandels ist im Kern eine Klassenfrage. Nicht \u201edie Menschheit\u201c hat den Klimawandel verursacht, sondern eine ganz bestimmte sozio\u00f6konomische Ordnung: der Kapitalismus. Umso dringlicher ist die politische Aufgabe, die sich der Arbeiterklasse stellt: der Sturz des Kapitalismus. Dasselbe System, das Kriege, Pandemien und soziale Ungleichheit hervorbringt, wird auch den Planeten f\u00fcr Profite in Flammen aufgehen lassen. Die einzige L\u00f6sung ist ein revolution\u00e4rer Kampf der Arbeiterklasse f\u00fcr den Sozialismus.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: COP28-Pr\u00e4sident Sultan al-Jaber auf dem Weg durch den Veranstaltungsort des COP28-Klimagipfels der UN am Mittwoch, 29. November 2023, in Dubai. (AP Photo\/Peter Dejong) [AP Photo]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/11\/30\/xfby-n30.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 4. Dezember 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bryan Dyne.\u00a0 Am 30. November wurde die 28. Klimakonferenz der Vereinten Nationen vor dem Hintergrund eines rapiden Anstiegs globaler Temperaturen und einer wachsenden Zahl von extremen Wetterereignissen er\u00f6ffnet. 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