{"id":14009,"date":"2023-12-06T10:10:28","date_gmt":"2023-12-06T08:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14009"},"modified":"2023-12-06T10:10:29","modified_gmt":"2023-12-06T08:10:29","slug":"hamas-ueberfall-lange-vorwarnzeit-fuer-regierung-oeffentlichkeit-und-militaer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14009","title":{"rendered":"<strong>Hamas-\u00dcberfall: Lange Vorwarnzeit f\u00fcr Regierung, \u00d6ffentlichkeit und Milit\u00e4r<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Florian R\u00f6tzer. <\/em><strong>\u00dcberraschend war der 7. Oktober nicht gekommen, wof\u00fcr es immer mehr Beweise gibt. Warum lie\u00df man es geschehen oder schaute weg?<\/strong><\/p>\n<p>Es wird immer deutlicher, woran auch die israelischen Medien <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/hamas-ended-exercise-in-mock-israeli-town-we-have-killed-everyone-on-the-kibbutz\/\">arbeiten<\/a>, dass der gro\u00df angelegte Angriff auf Israel aus dem Gazastreifen am 7. Oktober keineswegs \u00fcberraschend<!--more--> gekommen ist. Schon vor einem Jahr war den israelischen Sicherheitskr\u00e4ften ein 40seitiges Dokument bekannt geworden, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2023\/12\/04\/podcasts\/the-daily\/israel-hamas.html\">berichtete<\/a> die New York Times, in dem detailliert unter dem Titel Jericho Wall beschrieben wurde, wie Militante nach Ausschaltung des Sicherheitszauns nach Israel eindringen wollten.<\/p>\n<p>Angeblich wurde das von der israelischen Regierung nicht ernst genommen. Man sah die Pal\u00e4stinenser angeblich nicht in der Lage, eine solch gro\u00dfe und komplizierte Aktion auszuf\u00fchren. Das l\u00e4sst vermuten, dass man rassistisch die Pal\u00e4stinenser f\u00fcr zu bl\u00f6d hielt und\/oder dass man andere Pr\u00e4ferenzen hatte, d.h. das Westjordanland weiter zu besiedeln und die Pal\u00e4stinenser dort einzusch\u00fcchtern und zu vertreiben, weswegen von der Netanjahu-Regierung dorthin auch Einheiten des Milit\u00e4rs von der Grenze zum Gazastreifen verlegt wurden.<\/p>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eVfMkKltBrk\">BBC-Sendung<\/a> hat darauf aufmerksam gemacht, dass Hamas und andere militante Gruppen f\u00fcr den Angriff schon seit drei Jahren ge\u00fcbt haben. Das geschah auch gar nicht heimlich, Fotos und Bilder wurden in Sozialen Netzwerken verbreitet. Auf Videos ist zu sehen, dass Hamas-K\u00e4mpfer in nachgebauten israelischen Siedlungen \u00fcben, in sie eindringen, \u00a0von Raum zu Raum gehen und Menschen t\u00f6ten sowie Zivilisten und Soldaten verschleppen. Eine dieser Siedlungen war ganz im Norden an der Grenze zu Israel, gerade mal einen Kilometer vom Grenz\u00fcbergang Erez entfernt. Hier gab es auch einen \u00dcbungspanzer.<\/p>\n<p>Gerade kamen wieder <a href=\"https:\/\/www.mako.co.il\/news-military\/6361323ddea5a810\/Article-17845750ce53c81027.htm?partner=lobby\">neue Informationen im israelischen Sender Channel 12<\/a> auf, die belegen, dass Warnungen nicht zur Kenntnis genommen wurden, geschweige denn, dass darauf reagiert wurde. Der Fernsehsender wies \u00fcberdies darauf hin, dass es in einem auf Informationen gest\u00fctzten <a href=\"https:\/\/www.mako.co.il\/news-military\/6361323ddea5a810\/Article-e3dc645eb563c81027.htm\">Bericht<\/a> vor einem Jahr um eine von Hamas geplante Invasion und Entf\u00fchrungen ging. Im Juli 2022 hat danach, wie Times of Israel <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/liveblog_entry\/tv-report-finds-more-pre-oct-7-info-on-hamas-plans-idf-chiefs-consults-hours-before-assault\/\">berichten<\/a>, der Geheimdienstoffizier der Gaza-Divison eine Pr\u00e4sentation \u00fcber den \u201eHamas-Plan einer massenhafte Invasion\u201c vorbereitet. 20 Hamas-Einheiten, die von Ingenieur-Einheiten begleitet werden, um den Sicherheitszaun an mehreren Orten zu zerst\u00f6ren, w\u00fcrden in S\u00fcdisrael eindringen. Das sei die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung, mit der die israelische Armee konfrontiert sei.<\/p>\n<p>Drei Monate vor dem 7. Oktober wurde auf einer Diskussion des Milit\u00e4rgeheimdienstes noch dar\u00fcber gesprochen. Brigadegeneral Peh sagte damals: \u201eWir k\u00f6nnen nicht sagen, wie (Hamas-Chef) Sinwar handeln wird, daher sollten die Kommandeure im Feld die notwendigen Sicherheitsma\u00dfnahmen ergreifen.\u201c Der Kommandeur der Gaza-Division hatte noch am 1. Oktober einen Lagebericht angefordert, in dem es hie\u00df, dass es\u00a0 einen \u201estarken Anstieg der \u00dcbungen bei den Nukba-Streitkr\u00e4ften\u201c gebe. Es w\u00fcrden sechs Hamas-Bataillone in Nordgaza und Khan Younis ein- oder zweimal die Woche \u00fcben. Der Geheimdienstoffizier der Division hat aber abgewiegelt, im Moment laufe es auf ein Arrangement und eine Beruhigung der Unruhen zu. In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober, sei, so Channel 12, eine allerdings wenig konkrete Email von einem St\u00fctzpunkt an der Gaza-Grenze geschickt worden, dass \u201ebestimmte Hinweise aus Gaza\u201c k\u00e4men. Auch der Geheimdienst Shin Bet erkannte Hinweise, dass sich etwas zusammenbraut.<\/p>\n<p>Und noch vor dem Beginn des Angriffs sei der Stabschef\u00a0 um 3:30 Uhr am morgen aufgeweckt worden, um \u00fcber diese Hinweise informiert zu werden. Der Stabschef berief 90 Minuten sp\u00e4ter eine Telefonkonferenz ein, auf der die Hinweise auf einen m\u00f6glicherweise bevorstehenden Angriff diskutiert worden seien. Zuvor war er noch von General Basiuk informiert worden, der erkl\u00e4rte, es gebe noch keine \u201ezufriedenstellenden Erkl\u00e4rungen\u201c f\u00fcr die Hinweise. Der Stabschef befahl nicht die Einleitung von Vorbereitungen, sondern lediglich, dass die Informationen noch einmal gepr\u00fcft werden sollten. An der Lagebesprechung am Telefon hatte seltsamerweise der Milit\u00e4rgeheimdienstchef Halevi, der sich im Urlaub befand, nicht teilgenommen. \u201eSelbst wenn ich an der Beratung mit dem Stabschef teilgenommen h\u00e4tte\u201c, erkl\u00e4rte er sp\u00e4ter, \u201eh\u00e4tte es schlie\u00dflich nichts ge\u00e4ndert: Ich h\u00e4tte gesagt, dass es wahrscheinlich eine \u00dcbung war, dass die Hinweise schwach waren und wir den Morgen abwarten sollen. Am Endergebnis h\u00e4tte es \u00fcberhaupt nichts ge\u00e4ndert.\u201c Zumindest h\u00e4tte man <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2023-12-05\/ty-article\/.premium\/despite-intel-warnings-about-a-hamas-attack-the-army-didnt-evacuate-the-nova-festival\/0000018c-3993-dc03-a9ec-3dfb2cda0000\">die Veranstalter der Rave-Veranstaltung an der Grenze zum Gazastreifen warnen k\u00f6nnen<\/a>. Hier hatten die Angreifer, nachdem sie zuf\u00e4llig davon erfuhren, ein Massaker angerichtet.<\/p>\n<p>Am 6. Juli <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/hamas-ended-exercise-in-mock-israeli-town-we-have-killed-everyone-on-the-kibbutz\/\">warnte<\/a> auch eine Offizierin in einer Email \u201eTod im Kibbuz zu jedem Preis\u201c ihre Vorgesetzten. Hamas habe \u00dcbungen abgehalten, u.a. in einem Trainingskibbuz, aber auch f\u00fcr die Einnahme eines IDF-St\u00fctzpunkts. Ein hoher Geheimdienstoffizier nahm es nicht ernst: Das beschriebene Szenario sei eine \u201ekomplette Fantasie\u201c, man m\u00fcsse \u201eunterscheiden, was Hamas zum Angeben und zur Show mache und was real ist\u201c.<\/p>\n<p>Milit\u00e4r und Geheimdienste waren mithin nicht in Unkenntnis \u00fcber den Angriff, sie wiegten sich angeblich nur in Sicherheit. Aber auch die Politik und die \u00d6ffentlichkeit sollten Kenntnis gehabt haben. Waren alle abgelenkt durch die gro\u00dfen Proteste gegen die \u201eJustizreform\u201c der Netanjahu-Regierung bzw. wegen der Zerrissenheit der Gesellschaft? War es nur Geringsch\u00e4tzung der F\u00e4higkeiten der Pal\u00e4stinenser oder der Glaube, durch den teuren Sicherheitszaum um Gaza vor \u00dcberraschungen gesch\u00fctzt zu sein?<\/p>\n<p>War man aufgrund der neuen Netanjahu-Regierung, die den Siedlungsbau im Westjordanland vorantreiben und Pal\u00e4stinenser dort vertreiben wollte, abgelenkt, zumal sich hier gegen die zunehmenden \u00dcbergriffe eine neue militante Widerstandsbewegung entwickelte hatte? IDF-Einheiten wurden jedenfalls von der Gaza-Grenze ins Westjordanland versetzt. Probleme mit Gaza h\u00e4tten vielleicht nur gest\u00f6rt. Oder wurde gar ein \u00dcberfall von Hamas in Kauf genommen, der wegen des Sicherheitszauns vielleicht nur als geringf\u00fcgig eingesch\u00e4tzt wurde, um einen Anlass zu haben, versch\u00e4rft gegen die Pal\u00e4stinenser vorzugehen oder eine Notlage auszurufen, mit der man auch die Proteste h\u00e4tte unterbinden k\u00f6nnen? Auch im Schatten des Gaza-Krieges wurden bereits im Westjordanland tausende Pal\u00e4stinenser, angeblich alles gesuchte Terroristen und Hamas-Anh\u00e4nger, festgenommen und \u00fcber 230 erschossen, darunter auch Kinder.<\/p>\n<p>Netanjahu versucht, die Schuld auf die Protestbewegung und auf das Milit\u00e4r und die Geheimdienste abzuw\u00e4lzen. F\u00fcr eine Aufkl\u00e4rung sei jetzt keine Zeit. Das sagen auch IDF und Geheimdienste. Da kommt der Krieg also nicht ungelegen, auch nicht, wenn er l\u00e4nger dauern sollte. In Israel scheint weniger das Problem zu sein, dass im Gazastreifen Tausende von Pal\u00e4stinensern, meist Frauen und Kinder, bei der versuchten Ausl\u00f6schung von Hamas sterben m\u00fcssen. Da spielt sicher Angst und Rache wegen der brutalen Abschlachtung von Kindern, Alten und Frauen, von denen viele vor ihrem Tod <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2023-12-05\/ty-article\/.premium\/israeli-and-jewish-women-implore-a-reticent-un-to-confront-hamas-sexual-violence\/0000018c-369b-dc03-a9ec-3efbfcb90000\">vergewaltigt <\/a>wurden, eine verst\u00e4ndliche Rolle. Aber wenn Netanjahu und das Kriegskabinett die Geiseln nicht retten, sondern sie als Kollateralschaden bei der Vernichtung der Hamas wie die Pal\u00e4stinenser im Bombardement oder in den Tunneln sterben lassen, d\u00fcrfte das zu massiven Protesten und Aufruhr f\u00fchren.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Die Pr\u00e4sentation des Gaza-Divisionskommandanten \u00fcber die geplante Invasion der Hamas. <\/em><a href=\"https:\/\/www.mako.co.il\/news-military\/6361323ddea5a810\/Article-17845750ce53c81027.htm\"><em>Bild<\/em><\/a><em>: Channel 12<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/hamas-ueberfall-militaer-geheimdienste-und-auch-oeffentlichkeit-waren-lange-vorgewarnt-gewesen\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Dezember 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian R\u00f6tzer. \u00dcberraschend war der 7. Oktober nicht gekommen, wof\u00fcr es immer mehr Beweise gibt. 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