{"id":14017,"date":"2023-12-06T15:36:46","date_gmt":"2023-12-06T13:36:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14017"},"modified":"2023-12-06T15:36:47","modified_gmt":"2023-12-06T13:36:47","slug":"arbeitskampf-in-genf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14017","title":{"rendered":"<strong>Arbeitskampf in Genf<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Florian Sieber. <\/em><strong>Die Regierungen der Kantone Genf und Fribourg wollen die L\u00f6hne trotz Teuerung nur in v\u00f6llig ungen\u00fcgendem Ausmass erh\u00f6hen. Die Arbeiter:innen und die Gewerkschaften antworten mit einem harten, solidarischen Widerstand. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Westschweizer:innen sind ja allgemein streikfreudiger als ihre deutschschweizer Kolleg:innen. Und das zeigten sie in diesem Monat in aller Deutlichkeit. Am Dienstag, 14.November, gingen die Angestellten des \u00f6ffentlichen Diensts in Genf auf die Strasse.Bei den Mobilisierungen beteiligten sich laut Fr\u00e9d\u00e9ric Nouchi, Pr\u00e4sident der Partei der Arbeit im Wallis, insgesamt 3000 Personen. In Fribourg gingen 200 auf die Strasse. Nouchi arbeitet als Tramchauffeur in Genf. \u00abDer Grund f\u00fcr die Mobilisierungen sind die unzureichenden Lohnerh\u00f6hungen, die von der Genfer Regierung beschlossen wurden\u00bb, erkl\u00e4rt er gegen\u00fcber dem vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p><strong>Absolute Notwendigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Forderungen sind klar: Die Kolleg:innen verlangen eine Lohnerh\u00f6hung von zumindest f\u00fcnf Prozent, um die Teuerung der letzten Jahre auszugleichen. Derweil sollen die L\u00f6hne des Personals des \u00d6ffentlichen Diensts in Genf aber gerade mal um ein Prozent steigen, in Fribourg um 1,4 Prozent. In einer Medienmitteilung haben die Gewerkschaften die vorgeschlagene Lohnerh\u00f6hung als \u00abv\u00f6llig ungen\u00fcgend\u00bb bezeichnet.<\/p>\n<p>Und die Lohnerh\u00f6hungen in angemessener H\u00f6he sind absolut notwendig! Die letzten Jahre brachten f\u00fcr die Werkt\u00e4tigen in der Schweiz und international vor allem h\u00f6here Preise. Wenig verwunderlich ist auch das Ergebnis der soeben ver\u00f6ffentlichten Oxfam-Studie: Das Einkommen von 99 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung sei in den letzten Jahren zur\u00fcckgegangen. Die zehn reichsten Menschen der Welt konnten in dieser Zeit ihre Verm\u00f6gen von insgesamt 700 Milliarden auf 1,3 Billionen erh\u00f6hen. F\u00fcr die Superreichen bedeutete dies in der Zeit von Februar 2019 bis Januar 2022 eine Erh\u00f6hung ihrer Verm\u00f6gen um 15000 Dollar pro Sekunde.<\/p>\n<p><strong>Lebenskosten steigen weiter an<\/strong><\/p>\n<p>Die Demonstrierenden in Genf gingen mit K\u00e4ppchen mit der Aufschrift \u00abGreve\u00bb (Streik), sowie Bannern und Schildern mit Slogans wie \u00abtouche pas a mon index\u00bb (Finger weg von meinem Index) auf die Strassen. Dass die Angestellten der \u00f6ffentlichen Dienste einen Reallohnverlust hinnehmen sollen, kam bei den Demonstrationsteilnehmenden alles andere als gut an. In ihren Schriften beziehen sich die Genfer Gewerkschaften auf die tats\u00e4chlichen Lebenshaltungskosten, wobei Preissteigerungen bei Mieten und Stromkosten auch einberechnet werden. Und mit der vorgeschlagenen Lohnerh\u00f6hung von gerade mal einem Prozent ist der Kanton Genf laut den Gewerkschaften der geizigste im Land. So k\u00f6nnen die Angestellten im \u00f6ffentlichen Bereich in Fribourg wie im Waadtland zumindest mit einer Lohnerh\u00f6hung von 1,4 Prozent rechnen. Besonders pikant dabei ist, dass ein erwartetes Defizit in H\u00f6he von 256 Millionen in Genf nun doch nur noch 99 Millionen betragen wird.<\/p>\n<p>Hingegen ist bei den Arbeiter:innen mit weiteren Einbr\u00fcchen bei der Kaufkraft zu rechnen. Die steigenden Kosten durch gierige Profiteure im Segment der Krankenkassen sind bei den Berechnungen der Gewerkschaften in der Romandie n\u00e4mlich noch gar nicht ber\u00fccksichtigt. Im kommenden Jahr werden beispielsweise im Fall einer durchschnittlichen Familie mit zwei Kindern etwa tausend Franken zus\u00e4tzlich pro Jahr f\u00fcr Pr\u00e4mien ausgegeben werden m\u00fcssen (die dazugeh\u00f6rigen Berechnungen stammen von der NZZ). Bereits heute sind Kassenpr\u00e4mien das gr\u00f6sste Verschuldungsrisiko in der Schweiz.<\/p>\n<p><strong>Gegenseitige Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem lobenswert ist die gegenseitige Solidarit\u00e4t, welche die Gewerkschaften aktuell in der Romandie in ihren Arbeitsk\u00e4mpfen an den Tag legen. So sind die Genfer Tramfahrer:innen wie Fr\u00e9d\u00e9ric Nouchi in der Gewerkschaft des Verkehrspersonal SEV organisiert, die Kolleg:innen des \u00f6ffentlichen Diensts hingegen beim VPOD. \u00abWir unterst\u00fctzen sie, sie unterst\u00fctzen uns!\u00bb erkl\u00e4rt Nouchi dieser Zeitung, als er gefragt wird, weswegen sich Tramfahrer:innen von Genf ihren Kolleg:innen vom VPOD angeschlossen und sich an den Aktionen der Schwestergewerkschaft beteiligt haben. Nouchi: \u00abEs war f\u00fcr uns wichtig, die Kolleg:innen und die Genoss:innen aus dem \u00f6ffentlichen Dienst an diesem Tag zu unterst\u00fctzen. Auch bei uns stehen Verhandlungen an.\u00bb Die Kolleg:innen in Genf haben nach ihren ersten Mobilisierungen weitere Aktionen geplant.<\/p>\n<p>Und dass die Kolleg:innen und die Genoss:innen in der Westschweiz den Kampf aufnehmen, ist von zentraler Bedeutung. So sollen erneut die Werkt\u00e4tigen die Zeche f\u00fcr bourgeoise Misswirtschaft bezahlen. Und die kommenden Jahre werden weitere Angriffe bringen. Denn klar ist: Die Versuche, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Hunderttausenden in diesem Land zugunsten irgendwelcher Patrons zu verschlechtern, k\u00f6nnen nur auf den Strassen und in den Betrieben verhindert werden. Daher ist es von zentraler Bedeutung, dass wir die K\u00e4mpfe der Kolleg:innen in anderen Landesteilen solidarisch unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Schweigen in der Deutschschweiz<\/strong><\/p>\n<p>Interessanterweise hat es der Arbeitskampf des \u00f6ffentlichen Personals in Genf und in Fribourg nicht in deutschschweizer Zeitungen geschafft. Anders als im Juni, als das Reinigungspersonal am Flughafen Genf in den Ausstand trat (was damals vom SRF, der NZZ und der 20 Minuten aufgenommen wurde), berichtet die Deutschschweizer Presse \u00fcber die aktuelle Situation in Genf und Fribourg nicht. Umso wichtiger, dass wir genau hinsehen und aus den Lektionen in der Romandie lernen. Denn die Lebenshaltungskosten steigen auch bei uns, und nur mit einer k\u00e4mpferischen Arbeiter:innenbewegung k\u00f6nnen wir zumindest einen Teil der steigenden Kosten \u00fcber bessere L\u00f6hne auffangen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.ch\/inland\/arbeitskampf-in-genf\/\"><em>vorwaerts.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6.\u00a0 Dezember 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian Sieber. Die Regierungen der Kantone Genf und Fribourg wollen die L\u00f6hne trotz Teuerung nur in v\u00f6llig ungen\u00fcgendem Ausmass erh\u00f6hen. 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