{"id":1402,"date":"2016-08-07T09:54:17","date_gmt":"2016-08-07T07:54:17","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1402"},"modified":"2016-08-07T09:54:17","modified_gmt":"2016-08-07T07:54:17","slug":"syrien-kampf-um-aleppo-geht-in-die-endphase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1402","title":{"rendered":"Syrien &#8211; Kampf um Aleppo geht in die Endphase"},"content":{"rendered":"<p><em>Schattenblick.<\/em> In Syrien geht der Kampf um die einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo, die heute einer Ruinenlandschaft gleicht, in die Endphase. Mit Hilfe der russischen Luftwaffe, von Hisb-Allah-K\u00e4mpfern aus dem Libanon und dem Irak<!--more--> sowie iranischen Milit\u00e4rberatern hat die Syrische Arabische Armee (SAA) Ende Juli die Kontrolle \u00fcber die letzte Ausfallstra\u00dfe aus Aleppo erk\u00e4mpft und die von der Bev\u00f6lkerungszahl her zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt Syriens umzingelt. Der Ostteil Aleppos, wo sich rund 5000 Aufst\u00e4ndische und rund eine Viertelmillion Zivilisten aufhalten, ist von der Au\u00dfenwelt v\u00f6llig ab-geschnitten. Den Gegnern des &#8222;Regimes&#8220; von Baschar Al Assad steht ihre schwerste und vielleicht entscheidenste milit\u00e4rische Niederlage bevor. Um eine solche Entwicklung doch noch zu verhindern, rufen die nicht so heimlichen Unterst\u00fctzer des seit f\u00fcnf Jahren w\u00e4hrenden Aufstands, die Regierungen des Westens sowie am Persischen Golf, Moskau und Damaskus dazu auf, die Offensive bei Aleppo einzustellen, um &#8222;die Zivilbev\u00f6lkerung zu schonen&#8220;.<\/p>\n<p>Durch die Zurschaustellung vermeintlicher Sorge um die Nicht-Kombattanten in Aleppo hat die Heuchelei westlicher Politik und Medien einen neuen traurigen Tiefpunkt erreicht. Seit Ende Mai fliegt die amerikanische und franz\u00f6sische Luftwaffe verst\u00e4rkt Bomben- und Raketenangriffe auf die Stadt Manbij im Norden des Gouvernements Aleppo, um einer Gro\u00dfoffensive der vom Pentagon unterst\u00fctzen Syrischen Demokratischen Kr\u00e4fte (SDK) gegen die &#8222;Terrormiliz&#8220; Islamischer Staat (IS) zum Durchbruch zu verhelfen. Seit Mitte Juni ist Manbij ebenfalls umzingelt. In den letzten Wochen schie\u00dft die Zahl der dort bei Luftangriffen get\u00f6teten Zivilisten in die H\u00f6he. Am 19. Juli kamen im Dorf Tokhar bis zu 200 Zivilisten, die vor den K\u00e4mpfen in Manbij flohen, bei einem gemeinsamen amerikanisch-franz\u00f6sischen Luftangriff ums Leben. Es soll sich bei diesem Vorfall um die h\u00f6chste Opferzahl unter Zivilisten bei einer einzigen Milit\u00e4roperation im gesamten Syrienkrieg handeln.<\/p>\n<p>Die eigenen Fehltritte hindern die Vertreter Washingtons nicht im geringsten daran, \u00fcber die Bem\u00fchungen der russischen und syrischen Streitkr\u00e4fte um R\u00fccksichtnahme auf die Zivilbev\u00f6lkerung abf\u00e4llige Urteile zu treffen. Am 28. Juli hat die SAA mehrere &#8222;humanit\u00e4re Korridore&#8220; eingerichtet, mittels derer Zivilisten Ostaleppo verlassen k\u00f6nnen, und die Regierung in Damaskus eine Amnestie f\u00fcr Rebellen, die sich ergeben, verk\u00fcndet. Aus syrischen Hubschraubern wurden Flugbl\u00e4tter mit den entsprechenden Informationen \u00fcber dem Osten Aleppos verteilt. Ungeachtet der Tatsache, da\u00df die Streitkr\u00e4fte der USA und des Iraks in den letzten Monaten eine \u00e4hnliche Vorgehensweise bei der Vertreibung des IS und der R\u00fcckeroberung der St\u00e4dte Ramadi und Falludscha verfolgt haben, hat Samantha Power, Barack Obamas Botschafterin bei den Vereinten Nationen, das Angebot aus Damaskus an die Eingeschlossenen im Osten Aleppos als &#8222;be\u00e4ngstigende&#8220; Drohung bezeichnet. US-Au\u00dfenminister John Kerry nannte den Vorsto\u00df eine &#8222;List&#8220;, mittels derer Moskau und Damaskus lediglich die vollst\u00e4ndige Einnahme Aleppos erreichen wollten.<\/p>\n<p>Inzwischen werden SAA und russische Luftwaffe bezichtigt, gezielteAngriffe auf Krankenh\u00e4user im Osten Aleppos durchgef\u00fchrt sowie im Krieg mit Chlorgas gef\u00fcllte Granaten eingesetzt zu haben. Der Chemiewaffenvorfall soll am 2. August bei Sarakeb im Gouvernement Idlib, unweit von Aleppo, passiert sein. Am Tag davor waren in derselben Gegend f\u00fcnf russische Milit\u00e4rs ums Leben gekommen, als ihr Hubschrauber von Rebellen abgeschossen wurde. Ihrerseits behaupten die Russen, die von der CIA unterst\u00fctzte Rebellengruppe Nureddin Al Zenki h\u00e4tte ebenfalls am 2. August durch den Gebrauch eines &#8222;giftigen Kampfstoffs&#8220; sieben Menschen in dem von der Regierung kontrollierten Stadtteil Salaheddin in Aleppo get\u00f6tet. Mitte Juli hatten K\u00e4mpfer der Nureddin Al Zenki durch die Ver\u00f6ffentlichung eines schockierenden Videos, auf dem zu sehen war, wie sie nahe Aleppo zur eigenen Belustigung mit einem Messer einem zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jungen den Kopf abschnitten, die Legende von den &#8222;gem\u00e4\u00dfigten&#8220; islamistischen Rebellen in Syrien schwer ersch\u00fcttert.<\/p>\n<p>Der aktuelle Versuch der Al-Nusra-Front, der schlagkr\u00e4ftigsten Rebellenarmee im Syrienkrieg, die Bezeichnung &#8222;terroristisch&#8220; von sich abzusch\u00fctteln, wirft viele Fragen auf. Durch die Umbenennung in Dschabat Fatah Scham und die formelle Trennung von Al Kaida will die bis zu 20.000 Mann starke Formation zu den &#8222;gem\u00e4\u00dfigten&#8220; Gruppen gez\u00e4hlt werden, um weiterhin finanzielle und milit\u00e4rische Hilfe der sunnitischen Petromonarchien am Persischen Golf zu erhalten. Wie der legend\u00e4re englische Nahost-Korrespondent Robert Fisk am 1. August in der Londoner Zeitung Independent berichtet, stand Emir Tamim bin Hamad Al Thani, der Alleinherrscher Katars, der Scheinabkehr der Jabhat Al Nusra vom globalen Kampf des Al-Kaida-&#8222;Netzwerks&#8220; Pate. Laut Fisk k\u00f6nnen Al Thani, die Saudis und letztendlich die USA nicht auf die M\u00e4nner um Abu Mohammad Al Golani verzichten, wollen sie den von ihnen seit f\u00fcnf Jahren angestrebten &#8222;Regimewechsel&#8220; in Damaskus doch noch realisieren. Jedenfalls scheinen die wochenlangen Gespr\u00e4che zwischen Ru\u00dfland und den USA \u00fcber einen gemeinsamen Kampf gegen die &#8222;Terroristen&#8220; in Syrien beide Seiten nicht n\u00e4her gebracht zu haben. F\u00fcr Moskau ist der Preis, um sich an der Anti-IS-Koalition Washingtons beteiligen zu d\u00fcrfen, n\u00e4mlich Assad fallen zu lassen, offenbar zu hoch.<\/p>\n<p>Die fehlende Einigung findet deutlichen Ausdruck in der Russophobie, die den Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf in den USA seit Ende Juli kennzeichnet. Die demokratische Kandidatin Hillary Clinton bezichtigt den republikanischen Bewerber Donald Trump, der f\u00fcr bessere Beziehungen zu Moskau eintritt, \u00f6ffentlich, eine Marionette Wladimir Putins zu sein, die auf Amerikas F\u00fchrungsrolle auf der internationalen B\u00fchne zu verzichten bereit ist. Aus dem Clinton-Lager wird schon jetzt gemeldet, da\u00df nach der eventuellen R\u00fcckkehr der ehemaligen First Lady ins Wei\u00dfe Haus Ende kommenden Januars mit einer deutlich aggressiveren Syrien-Politik der USA zu rechnen sei. Hierzu pa\u00dft der Gastkommentar, mit dem am 3. Juli in der New York Times Dennis Ross und Andrew Tabler, beide vom israel-nahen Washington Institute for Near East Policy (WINEP), Stimmung f\u00fcr &#8222;The Case for (Finally) Bombing Assad&#8220; gemacht haben.<\/p>\n<p>Die voraussichtliche \u00c4ra Hillary Clintons vorwegnehmend machte Obama bei einem seltenen Auftritt im Pentagon am 4. Juli Assad und Putin quasi zu den Alleinverantwortlichen f\u00fcr das Chaos in Syrien. Syriens Pr\u00e4sident h\u00e4tte &#8222;sein Land zerst\u00f6rt, nur um an der Macht zu kleben&#8220;, w\u00e4hrend Ru\u00dfland &#8222;bereit gewesen&#8220; sei, &#8222;ein m\u00f6rderisches Regime zu unterst\u00fctzen&#8220;, so Obama. Wie man wei\u00df, verst\u00e4rken die USA ihre Bem\u00fchungen um die Einnahme von Manbij, damit die von ihnen abh\u00e4ngigen SDK noch vor der SAA die IS-Hochburg Rakka im Osten Syriens angreifen und eventuell einnehmen k\u00f6nnen. Auch wenn demn\u00e4chst Aleppo tats\u00e4chlich an die SAA fallen sollte, kann der Krieg in Syrien wegen der anhaltenden Rivalit\u00e4t zwischen Ru\u00dfland und dem schiitischen Iran auf der einen Seite und den USA, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Saudi-Arabien, Katar, Jordanien und Israel auf der anderen noch lange dauern.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.schattenblick.de\/infopool\/politik\/redakt\/nhst1469.html\"><em>schattenblick.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. August 2016<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schattenblick. In Syrien geht der Kampf um die einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo, die heute einer Ruinenlandschaft gleicht, in die Endphase. 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