{"id":14020,"date":"2023-12-11T10:10:43","date_gmt":"2023-12-11T08:10:43","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14020"},"modified":"2023-12-11T10:10:44","modified_gmt":"2023-12-11T08:10:44","slug":"guernica-gedenken-an-die-faschistischen-bombardierungen-und-den-voelkermord-in-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14020","title":{"rendered":"Guernica: Gedenken an die faschistischen Bombardierungen und den V\u00f6lkermord in Gaza"},"content":{"rendered":"<p><em>David Walsh. <\/em>Mit jedem Tag tritt der sadistische, psychopathische Charakter von Netanjahus und Bidens Massenvernichtungskampagne im Gazastreifen deutlicher und grausamer zutage. Trotz der Emp\u00f6rung von hunderten Millionen Menschen \u00fcbertreffen sich die M\u00f6rder immer wieder selbst. Es gibt kein Verbrechen, zu dem diese Kr\u00e4fte nicht imstande sind.<!--more--><\/p>\n<p>Die weltweite soziale <em>und moralische<\/em> Kluft zwischen den herrschenden Klassen auf der einen, und der Masse der Bev\u00f6lkerung auf der anderen Seite ist absolut un\u00fcberbr\u00fcckbar geworden. Rosa Luxemburgs Losung \u201eSozialismus oder Barbarei\u201c war noch nie so dringlich und unwiderlegbar.<\/p>\n<p>Am Freitag bildeten im nordspanischen Guernica mehrere tausend Menschen mit ihren K\u00f6rpern ein riesiges Mosaik, das \u2013 wie ein Kommentator erkl\u00e4rte \u2013 \u201eden Schmerz der Opfer der israelischen Angriffe auf Gaza und die pal\u00e4stinensische Flagge\u201c darstellte. Diese Darstellung und das Poster, das f\u00fcr die Veranstaltung warb, nahmen Bezug auf Pablo Picassos ber\u00fchmtes Antikriegsgem\u00e4lde <em>Guernica<\/em>.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung wurde von der Guernica-Pal\u00e4stina-B\u00fcrgerinitiative organisiert, der Gewerkschaften und verschiedene politische Organisationen angeh\u00f6ren. Veranstaltungsort war der Marktplatz der baskischen Stadt, wo im April 1937 Flugzeuge von Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien Zivilisten bombardierten und hunderte Menschen t\u00f6teten, um General Franco und seine faschistischen Kr\u00e4fte im Spanischen B\u00fcrgerkrieg zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Der Angriff gilt als der erste gro\u00df angelegte milit\u00e4rische Luftangriff auf wehrlose Zivilisten und schockierte die Welt\u00f6ffentlichkeit. Ein Kommentator schrieb: \u201eNiemals zuvor in der modernen Kriegsf\u00fchrung wurden Nichtkombattanten in solcher Zahl und mit solchen Mitteln abgeschlachtet.\u201c<\/p>\n<p>Picassos Werk war nur eine von zahlreichen k\u00fcnstlerischen Reaktionen auf ein Ereignis, das der Welt einen Hinweis auf die bevorstehenden Gr\u00e4uel gab.<\/p>\n<p>Im Jahr 2003 sorgten UN-Funktion\u00e4re f\u00fcr Aufsehen, indem sie w\u00e4hrend Colin Powells Pr\u00e4sentation der amerikanischen Argumente f\u00fcr einen Krieg gegen den Irak am 5. November eine Wandteppich-Reproduktion von <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2003\/02\/guer-f08.html\">Picassos Werk verh\u00fcllten<\/a>, die im Vorraum zum Sitzungssaal des Sicherheitsrats im UN-Hauptquartier in New York hing.<\/p>\n<p>Powells Intervention, von der er sp\u00e4ter zugab, dass sie nichts weiter als ein Haufen L\u00fcgen war, diente als Rechtfertigung f\u00fcr die sp\u00e4tere blutige neokoloniale Invasion und Besetzung des Landes im Nahen Osten. Wir kommentierten damals: \u201eW\u00e4hrend sich der Sicherheitsrat am Mittwoch versammelte, um Powells Rede zu h\u00f6ren, brachten Arbeiter einen blauen Vorhang und die Flaggen der Mitgliedsl\u00e4nder des Sicherheitsrats vor dem Wandteppich an.\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eAbgesehen davon, dass es ganz allgemein Antikriegsstimmung hervorruft\u201c, erl\u00e4uterte die WSWS,<\/em><\/p>\n<p><em>drohte Picassos Gem\u00e4lde auch, auf die historischen Parallelen hinzuweisen, von denen die Bush-Regierung und die UN-Funktion\u00e4re nicht wollten, dass die Medien oder die \u00d6ffentlichkeit sie ziehen. Die Bombardierung Guernicas und Picassos Interpretation des Ereignisses verdeutlichte f\u00fcr eine ganze Generation die Barbarei des Faschismus und die weit verbreitete Entschlossenheit, sich seiner Gewalt und Brutalit\u00e4t entgegenzustellen.<\/em><\/p>\n<p>Die Guernica-Pal\u00e4stina-Initiative erkl\u00e4rte in ihrer Stellungnahme zum menschlichen Mosaik am 8. Dezember: \u201eDie Welt und die Geschichte d\u00fcrfen kein neues Guernica akzeptieren&#8230; Israel begeht einen V\u00f6lkermord am pal\u00e4stinensischen Volk.\u201c Die Initiative rief die internationale Gemeinschaft auf, das Leid der Pal\u00e4stinenser bekannt zu machen und das Massaker zu beenden.<\/p>\n<p>Im Jahr 1937 schrieb der britische Journalist George Steer f\u00fcr die <em>Times<\/em> folgenden Bericht \u00fcber die Bombardierung Guernicas:<\/p>\n<p><em>Guernica, die \u00e4lteste Stadt der Basken und das Zentrum ihrer kulturellen Tradition, wurde gestern Nachmittag durch einen Luftangriff der Aufst\u00e4ndischen vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt. Die Bombardierung dieser offenen Stadt, die sich weit hinter den besetzten Linien befand, dauerte genau drei Stunden und 15 Minuten, in denen eine m\u00e4chtige Flotte von Flugzeugen, bestehend aus drei deutschen Typen, Junkers- und Heinkel-Bombern und Heinkel-J\u00e4gern, nicht aufh\u00f6rte, Bomben mit einem Gewicht von 1.000 Pfund und mehr als 3.000 Zweipf\u00fcnder-Aluminium-Brandgeschosse auf die Stadt abzuladen. Die Kampfflugzeuge st\u00fcrzten sich derweil aus gro\u00dfer H\u00f6he \u00fcber dem Stadtzentrum in die Tiefe und schossen mit Maschinengewehren auf die Zivilisten, die sich auf die Felder gefl\u00fcchtet hatten&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Steer fuhr fort:<\/p>\n<p><em>Als ich heute um 2 Uhr nachts die Stadt besuchte, bot sich mir ein schrecklicher Anblick: Br\u00e4nde w\u00fcteten von einem Ende der Stadt zum anderen. Der Widerschein der Flammen war noch in den Rauchwolken \u00fcber den Bergen in 16 Kilometern Entfernung zu sehen. Die ganze Nacht \u00fcber st\u00fcrzten H\u00e4user ein, bis die Stra\u00dfen zu langen roten, undurchdringlichen Tr\u00fcmmerhaufen wurden.<\/em><\/p>\n<p>Der Journalist f\u00fcgte diese Details \u00fcber die Bombardierung hinzu:<\/p>\n<p><em>Am Montag fand in Guernica, wie \u00fcblich, der Markttag f\u00fcr das Umland statt. Um 16:30 Uhr, als der Markt voll war und noch immer Bauern eintrafen, l\u00e4uteten die Kirchenglocken Alarm, um herannahende Flugzeuge anzuk\u00fcndigen&#8230; <\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter tauchte ein einzelner deutscher Bomber auf, kreiste in niedriger H\u00f6he \u00fcber der Stadt und warf dann sechs schwere Bomben ab, die offenbar auf den Bahnhof abzielten. Die Bomben fielen mit einem Schauer Granaten auf ein ehemaliges Institut und die umliegenden H\u00e4user und Stra\u00dfen. Dann flog das Flugzeug davon. Nach weiteren f\u00fcnf Minuten erschien ein zweiter Bomber, der genauso viele Bomben mitten in der Stadt abwarf. Etwa eine Viertelstunde sp\u00e4ter erschienen drei Junkers, um das Zerst\u00f6rungswerk fortzusetzen. Von da an nahm das Bombardement an Intensit\u00e4t zu, dauerte an und h\u00f6rte erst mit Einbruch der D\u00e4mmerung um 19:45 Uhr auf. Die gesamte Stadt mit 7.000 Einwohnern und 3.000 Fl\u00fcchtlingen wurde langsam und systematisch in Schutt und Asche gelegt&#8230;<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber die Taktik der Bomber schrieb Steer:<\/p>\n<p><em>&#8230;[Die Taktik] k\u00f6nnte f\u00fcr Studenten der neuen milit\u00e4rischen Wissenschaft von Interesse sein&#8230; Zuerst warfen kleine Gruppen von Flugzeugen \u00fcber der ganzen Stadt schwere Bomben und Handgranaten ab, wobei sie ein Gebiet nach dem anderen aussuchten, und zwar in geordneter Weise. Als n\u00e4chstes kamen die Jagdflugzeuge, die im Tiefflug mit Maschinengewehren auf diejenigen schossen, die in Panik aus Unterst\u00e4nden fl\u00fcchteten. Einige davon waren bereits von den 1.000-Pfund-Bomben durchschlagen worden, die 7,6 Meter tiefe L\u00f6cher hinterlassen. Viele dieser Menschen wurden auf der Flucht get\u00f6tet&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8230;als n\u00e4chstes erschienen bis zu zw\u00f6lf Bomber gleichzeitig, die schwere Bomben und Brandbomben auf die Ruinen warfen. Der Rhythmus dieser Bombenangriffe auf eine offene Stadt folgte einer Logik: zuerst Handgranaten und schwere Bomben, um die Bev\u00f6lkerung in Panik zu versetzen, dann Maschinengewehrfeuer, um sie in die H\u00e4user zu treiben, dann schwere Bomben und Brandbomben, um die H\u00e4user zu zerst\u00f6ren und sie \u00fcber ihren Opfern niederzubrennen.<\/em><\/p>\n<p>Wenn man die notwendigen \u00c4nderungen vornimmt, einschlie\u00dflich des viel t\u00f6dlicheren Charakters der israelischen Massenvernichtungswaffen, die von den USA und anderen \u201edemokratischen\u201c M\u00e4chten geliefert werden, k\u00f6nnten diese Worte auch den Massenmord in Gaza beschreiben.<\/p>\n<p>Guernica ist einer der Ortsnamen, die einen schrecklichen historischen Nachhall haben, neben Orten wie Lidice, Babyn Jar, das Warschauer Ghetto, My Lai, Sabra und Shatila und, in j\u00fcngerer Vergangenheit, Falludschah und Mossul. Der Gazastreifen muss dieser Liste nun hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/12\/10\/qyit-d10.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. Dezember 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>David Walsh. Mit jedem Tag tritt der sadistische, psychopathische Charakter von Netanjahus und Bidens Massenvernichtungskampagne im Gazastreifen deutlicher und grausamer zutage. 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