{"id":14082,"date":"2024-01-01T09:51:04","date_gmt":"2024-01-01T07:51:04","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14082"},"modified":"2024-01-01T09:51:05","modified_gmt":"2024-01-01T07:51:05","slug":"aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14082","title":{"rendered":"<strong>Aus den Archiven des Marxismus: Eine sozialistische Kritik am Zionismus<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Chaim Jakow Gelfand.<\/em> J\u00fcdische Marxist:innen lehnten den Zionismus stets ab. 1906 ver\u00f6ffentlichte ein f\u00fchrendes Mitglied des \u201eBundes\u201c diese Kritik in der <em>Neuen Zeit<\/em>, der theoretischen Zeitschrift der deutschen Sozialdemokratie.<\/p>\n<p>Oft wird behauptet, dass Zionismus und Judentum identisch seien: Seit Jahrtausenden<!--more--> sei es der selbstverst\u00e4ndliche Wunsch der j\u00fcdischen Massen, nach Jerusalem zur\u00fcckzukehren. Dabei wird ausgeblendet, dass der Zionismus eine recht neue politische Str\u00f6mung ist \u2013 ein Produkt der Zeit des b\u00fcrgerlichen Nationalismus und des Kolonialismus. Das programmatische Manifest von Theodor Herzl erschien erst 1896. Zu dem Zeitpunkt hatte es bereits seit 20 Jahren j\u00fcdische sozialistische Gruppen in London und anderen St\u00e4dten gegeben. Und schon lange bevor irgendjemand an die Kolonisation Pal\u00e4stinas dachte, hatten j\u00fcdische Revolution\u00e4r:innen f\u00fcr den Sozialismus gek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Der Zionismus war weit davon entfernt, die hegemoniale Kraft innerhalb der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung Europas zu sein. In den gr\u00f6\u00dften j\u00fcdischen Gemeinschaften, im Ansiedlungsrayon im Westen des Zarenreiches, f\u00fchlten sich deutlich mehr j\u00fcdische Menschen zum Sozialismus hingezogen. Die wichtigste Organisation des j\u00fcdischen Proletariats war der Allgemeine j\u00fcdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland, kurz \u201eBund\u201c. Dem zionistischen Programm der Auswanderung setzte der Bund ein Programm des Klassenkampfes und der \u201edoikayt\u201c, also des Hier-Seins, entgegen.<\/p>\n<p>Herzls Zionismus war b\u00fcrgerlich. Der Gr\u00fcnder des Zionismus suchte Verb\u00fcndete bei den antisemitischen Ministern des Zars, die furchtbare Pogrome veranstalteten \u2014 schlie\u00dflich hatte man ein gemeinsames Interesse daran, dass J\u00fcd:innen das Zarenreich verlassen und so von revolution\u00e4ren Organisationen ferngehalten werden. Der Aufschwung des Klassenkampfes im Zarenreich und die Radikalisierung der j\u00fcdischen Arbeiter:innen f\u00fchrte dazu, dass der Sozialismus m\u00e4chtiger wurden und sich vielf\u00e4ltige Mischformen von Sozialismus und Zionismus herausbildeten. Der \u201eSozialistische Zionismus\u201c wurde von Ber Borochov ins Leben gerufen, und seine wichtigste Organisation hie\u00df Poale Zion (Die Arbeiter Zions).<\/p>\n<p>Poale Zion hatte ein widerspr\u00fcchliches Programm: mal hie\u00df es, die Arbeiter:innen sollten sich auf die Auswanderung nach Pal\u00e4stina konzentrieren, um dort ein sozialistisches Gemeinwesen aufzubauen; mal wurde der Fokus auf den Klassenkampf vor Ort gelegt, und der Aufbau einer nationalen Heimst\u00e4tte im Heiligen Land zu einem fernen Zukunftstraum erkl\u00e4rt. Aufgrund dieser Widerspr\u00fcchlichkeit hielt Poale Zion auch nicht lange: nach der Russischen Revolution schloss sich der linke Fl\u00fcgel der Kommunistischen Internationale an, w\u00e4hrend der rechte Fl\u00fcgel zu einer reformistischen und kolonialistischen Partei wurde, die den Staat Israel gr\u00fcndete.<\/p>\n<p>In diesem Aufsatz aus dem Jahr 1906 erkl\u00e4rte Chaim Jakow Gelfand, ein f\u00fchrendes Mitglied des Bundes, warum der sozialistische Zionismus eine reaktion\u00e4re Utopie war. Sozialismus und Zionismus lie\u00dfen sich schlicht nicht kombinieren: ersterer setzte auf die politische Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter:innen, w\u00e4hrend letzterer eine langfristige Zusammenarbeit sowohl mit der j\u00fcdischen Bourgeoisie wie mit den imperialistischen Kolonialm\u00e4chten ben\u00f6tigte. Der Text erschien in der <em>Neuen Zeit<\/em>, der theoretischen Zeitschrift der deutschen Sozialdemokratie, herausgegeben von Karl Kautsky. In seinem <a href=\"https:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/bibliothek\/neuezeit\/1914_e20.pdf)\">eigenen Buch<\/a> zur j\u00fcdischen Frage aus dem Jahr 1914 hatte Kautsky ebenfalls erkl\u00e4rt, dass unterdr\u00fcckte j\u00fcdische Arbeiter:innen auf eine \u201eRevolution in Russland\u201c statt auf Auswanderung nach Pal\u00e4stina setzen sollten.<\/p>\n<p>Gelfands Aufsatz wirkt auf traurige Weise prophetisch. Auch im Jahr 1906 war klar, dass Pal\u00e4stina keineswegs unbesiedelt war, und dass der Aufbau eines ausschlie\u00dflich j\u00fcdischen Nationalstaates dort zwangsl\u00e4ufig zu Konflikten mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung f\u00fchren w\u00fcrde. Das w\u00fcrde, so konnten Marxist:innen sofort erkennen, zu neuer Unterdr\u00fcckung und auch zu neuem Hass gegen J\u00fcd:innen f\u00fchren. Gelfand machte deutlich, dass ein j\u00fcdischer Staat nur in Zusammenarbeit mit dem Imperialismus entstehen k\u00f6nnte und deswegen niemals sozialistisch w\u00e4re.<\/p>\n<p>Es ist sehr interessant zu lesen, was f\u00fcr fortschrittliche Ideen Teile der zionistischen Bewegung vor der Gr\u00fcndung des Staates Israel verteidigten. Doch die Widerspr\u00fcche des \u201esozialistischen\u201c Kolonialprojektes waren un\u00fcberwindbar. \u00dcber die Jahrzehnte haben sich zahlreiche junge j\u00fcdischen Aktivist:innen, teilweise erst nach der Ankunft in Pal\u00e4stina, vom Zionismus abgewandt und dem Trotzkismus angeschlossen.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmteste von ihnen ist zweifellos <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abraham_L%C3%A9on\">Abraham Leon<\/a>, ein Gelehrter und K\u00e4mpfer, der eine marxistische Studie zur Geschichte des j\u00fcdischen Volkes verfasste, w\u00e4hrend er im Untergrund gegen die Nazis k\u00e4mpfte, bevor er mit nur 26 Jahren im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde. Auch Berliner Linkszionist:innen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Monath\">Martin Monath<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.inprekorr.de\/414-rudi-intv.htm\">Rudolf Segall<\/a> wurden zu Trotzkist:innen \u2013 ersterer im Exil in Belgien, letzterer, nachdem er in einem Kibbuz in Pal\u00e4stina arbeitete. Beide wurden, wie zahlreiche andere junge Ex-Zionist:innen, Mitglieder der Vierten Internationale.<\/p>\n<p>Die internationalistischen Traditionen j\u00fcdischer Revolution\u00e4r:innen wird heute unsichtbar gemacht und geleugnet. Wir ver\u00f6ffentlichen diesen Text in seiner urspr\u00fcnglichen Fassung als Erinnerung daran, dass der Zionismus nur einen kleinen und sehr umstrittenen Teil der j\u00fcdischen Geschichte ausmacht. Von J\u00fcd:innen angef\u00fchrte Proteste gegen den Krieg in Gaza beleben diese internationalistischen Traditionen neu.<\/p>\n<p>\u2013 Nathaniel Flakin<\/p>\n<p>Editorische Notiz: Interpunktion und Rechtschreibung des Originals wurden beibehalten. Die Fu\u00dfnoten entstammen ebenso dem Original. Erkl\u00e4rende Anmerkungen sind in eckige Klammern gesetzt.<\/p>\n<p><strong>Der Poalei-Zionismus: Eine neue Str\u00f6mung im russischen Judentum<\/strong><\/p>\n<p>In der letzten Zeit des revolution\u00e4ren Aufschwungs in Ru\u00dfland macht sich im russischen Judentum eine neue Str\u00f6mung bemerkbar \u2013 der Poalei-Zionismus (Arbeiter-Zionismus), dessen Anh\u00e4nger sich oft auch \u201eZionistische Sozialisten\u201c nennen. Wie wir es sp\u00e4ter nachweisen werden, ist es im Grunde keine neue Str\u00f6mung, sondern unser alter bekannter Zionismus, der sich <em>nolens volens<\/em> der revolution\u00e4ren Stimmung anzupassen sucht, sich deshalb mit roten L\u00e4ppchen gar wunderlich herausputzt und sogar den Namen \u201eJ\u00fcdische Sozialdemokratische Arbeiterpartei\u201c annimmt. Da dieser Name geeignet ist, bei Genossen, die mit dem Leben der j\u00fcdischen Arbeitermassen nur wenig bekannt sind, Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse hervorzurufen, so d\u00fcrfte es von einigem Interesse sein, festzustellen, ob und wieweit die zionistischen Sozialisten auf den Namen Sozialisten Anspruch erheben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als ihr Grundprinzip, von dem sie ausgehen, stellen die zionistischen Sozialisten den historischen Materialismus auf,<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus\/#f1\"><sup>1<\/sup><\/a> und demgem\u00e4\u00df st\u00fctzen sie sich zur Begr\u00fcndung ihrer Lehre auf die \u00f6konomische Lage der j\u00fcdischen Volkes und insbesondere des j\u00fcdischen Proletariats. Sie kommen zu dem Schlusse, da\u00df die Juden \u00fcberall die Minderheit der Bev\u00f6lkerung bildeten, da\u00df in den Golus-L\u00e4ndern<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus\/#f2\"><sup>2<\/sup><\/a> die j\u00fcdische Produktion, da\u00df j\u00fcdische Kapital und dementsprechend auch das j\u00fcdische Proletariat im Vergleich mit dem nichtj\u00fcdischen klein und unbedeutend seien. Bei allen kapitalistischen Nationen rei\u00dfe das Proletariat im Gang der kapitalistischen Entwicklung einen immer gr\u00f6\u00dferen Teil der \u00f6konomischen Macht an sich und komme es damit immer n\u00e4her zum Sozialismus; das j\u00fcdische Proletariat habe aber keine Hoffnung, die \u00f6konomische Macht je in seine H\u00e4nde zu bekommen. Wie das Kleinb\u00fcrgertum der L\u00e4nder, wo er wohnt, sagen die zionistischen Sozialisten, so werde auch der j\u00fcdische Kleinb\u00fcrger in den Strudel kapitalistischer Entwicklung gezogen und m\u00fcsse zum Proletarier, zum Lohnarbeiter werden, doch nach der Meinung der zionistischen Sozialismus hat er weder die Kraft, noch die M\u00f6glichkeit dazu. Sein Judentum laste auf ihm wie ein Fluch: die Konkurrenz der nichtj\u00fcdischen Arbeiter, der Antisemitismus der herrschenden Klassen f\u00fchrten dazu, da\u00df der j\u00fcdische Handwerker, der j\u00fcdische Kleinkr\u00e4mer nicht zum Lohnarbeiter werden k\u00f6nne, da\u00df die j\u00fcdischen Ma\u00dfen sich nicht <em>proletarisierten<\/em>. Daher komme nun das ganze Elend der j\u00fcdischen Massen, daher komme es, dass sich bei den Juden <em>keine normale Arbeiterklasse<\/em> bilden k\u00f6nne. Sogar die vorhandenen j\u00fcdischen Lohnarbeiter w\u00e4ren keine wirklichen Proletarier, meinen die zionistischen Sozialisten, weil die Fabrik f\u00fcr sie verschlossen bleibt und nur f\u00fcr die christlichen Arbeiter reserviert ist. In dieser verzweifelten Lage bleibt dem j\u00fcdischen Handwerker nichts anderes \u00fcbrig als zu emigrieren, aber auch die Emigration wird ihm t\u00e4glich immer schwerer gemacht. Die Ursache aller dieser anormalen Erscheinungen sehen nun die zionistischen Sozialisten darin, da\u00df die Juden <em>keine nationale Wirtschaft haben<\/em>; also, um dem \u00dcbel abzuhelfen, m\u00fc\u00dfte eine solche geschaffen werden. Da es aber in den Golusl\u00e4ndern durchaus unm\u00f6glich ist, so bleibt folgerichtig nur ein Ausweg \u00fcbrig: sich ein freies Territorium zu erwerben, wo die Juden die Mehrheit bilden, wo die Bedingungen zu einem freien sozialpolitischen Leben vorhanden sind, wo eine j\u00fcdische Produktion m\u00f6glich ist, die nur mit j\u00fcdischen Kr\u00e4ften betrieben wird. Nur unter diesen Umst\u00e4nden werde sich eine normale j\u00fcdische Arbeiterklasse bilden k\u00f6nnen, die die Kraft h\u00e4tte, den Sozialismus zu verwirklichen. Das Mittel zur Erreichung dieses Zieles w\u00e4re vom Kapitalismus selbst gegeben: die Emigration. Die j\u00fcdischen Massen emigrieren, aber sozusagen unbewusst; Sache der zionistischen Sozialisten sei es nun, der Bewegung ein Ziel zu geben, ein Ideal zu weisen, sie zu organisieren. Aber diese Organisation der Emigration m\u00fcsse in dem Sinne verstanden werden, da\u00df, um sie zu einer f\u00fcr die j\u00fcdischen Massen nutzbringenden zu gestalten, diese Massen schon und Ort und Stelle, das hei\u00dft in den Golusl\u00e4ndern, sich ihren Klasseninteressen gem\u00e4\u00df organisieren m\u00fc\u00dften. Dadurch w\u00fcrden sie, und vor allem das Proletariat, zu einer sozialpolitischen Kraft gemacht, die einerseits den Sozialismus, andererseits den Zionismus w\u00fcrde verwirklichen k\u00f6nnen. Daher k\u00e4me der zwiesp\u00e4ltige Charakter der zionistisch-sozialistischen T\u00e4tigkeit. Als ihr erstes Mittel dabei erkl\u00e4ren die zionistischen Sozialisten den Klassenkampf: bis zur Verwirklichung des Zionismus, sagen sie ganz richtig, werde noch viel Zeit vergehen, und so lange m\u00fc\u00dfte sich das j\u00fcdische Proletariat in den Golusl\u00e4ndern organisieren und gemeinsam mit dem Proletariat anderer Nationen seinen Klassenkampf f\u00fchren \u2013 den Kampf gegen den Kapitalismus, f\u00fcr eine demokratische Ordnung, gegen die \u00dcberreste feudaler Zust\u00e4nde, also in Ru\u00dfland gegen den Absolutismus. Ihr zweites Mittel ist die speziell zionistische Arbeit: hier kommt in erster Reihe in Betracht die Verbreitung des Bewu\u00dftseins unter den j\u00fcdischen Massen, da\u00df ihre Lage in den Golusl\u00e4ndern eine anormale sei. In dasselbe Gebiet zionistischer Arbeit geh\u00f6ren auch \u201efreie Verhandlungen mit den Vertretern von Staaten, die Kolonialpolitik treiben\u201c zur Erwerbung eines freien Territoriums, und selbstverst\u00e4ndlich auch das Beschaffen der n\u00f6tigen Geldmittel.<\/p>\n<p>So ist, kurz skizziert, die Theorie der sozialistischen Zionisten; man mu\u00df aber gestehen, da\u00df in ihren eigenen Reihen eine ziemlich gro\u00dfe Verwirrung herrscht und man infolgedessen grundverschiedener Auslegung derselben Tatsachen und den buntesten Theorien begegnen kann.<\/p>\n<p>Die zionistischen Sozialisten gehen, als historische Materialisten, von der \u00f6konomischen Lage des j\u00fcdischen Volkes aus; aber diese Lage wird von ihnen durchaus unzutreffend geschildert, und deshalb kommen sie zu ganz anderen Schl\u00fcssen, als ein aufmerksamer und unvoreingenommener Beobachter es tun w\u00fcrde. Der springendste Punkt in ihren Ausf\u00fchrungen ist das Fehlen einer normalen j\u00fcdischen Arbeiterklasse und der Mangel notwendiger Vorbedingungen f\u00fcr die normale Proletarisation des j\u00fcdischen Mittelstandes. Auf diesen zwei Behauptungen ruht bei ihnen alles; wenn diese fallen, f\u00e4llt auch das ganze zionistische Geb\u00e4ude. Von der Kritik dieser Thesen wollen wir nun auch ausgehen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Arbeiterklasse, sagen die zionistischen Sozialisten, ist nicht normal; die j\u00fcdischen Arbeiter sind keine \u201erichtigen\u201c Proletarier, sie arbeiten nicht in Fabriken. Hier haben wir eine vollst\u00e4ndige Verwechselung von zwei Begriffen: Proletarier und Fabrikarbeiter. Nach der allgemein angenommenen Theorie ist Proletarier jeder, der nicht im Besitz von Produktionsmittel ist, seine Arbeitskraft verkauft und f\u00fcr den Kapitalisten, der ihn besch\u00e4ftigt, Mehrwert produziert; unter diese wissenschaftliche Definition f\u00e4llt sowohl der Fabrikarbeiter wie auch der Handwerksarbeiter. Bei den zionistischen Sozialisten gilt aber der letztere, weil er nicht an der Maschine arbeitet, als kein wirklicher Proletarier. Dadurch wird eine Menge j\u00fcdischer Lohnarbeiter aus den Reihen des Proletariats gestrichen. Nach der Statistik der J. K. A.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus\/#f3\"><sup>3<\/sup><\/a> gibt es in Ru\u00dfland 500986 j\u00fcdische Handwerker, darunter 259396 Meister, 140528 Gesellen, 101062 Lehrlinge, also beinahe die H\u00e4lfte der Handwerker sind reine Proletarier. Von ihnen sind 38 Prozent in der Konfektion, 11,6 Prozent in der Nahrungsmittelbranche besch\u00e4ftigt, 17 Prozent sind Gerber, also nahezu 67 Prozent geh\u00f6ren solchen Industriezweigen an, wo auch in kapitalistisch vorgeschrittenen L\u00e4ndern die Maschine noch lange nicht ihre Triumphz\u00fcge feiert.<\/p>\n<p>Die zionistischen Sozialisten sagen, das j\u00fcdische Kapital w\u00e4re im Verh\u00e4ltnis zum nichtj\u00fcdischen klein und unbedeutend; aber wiederum haben sie hier nur die Fabrik im Auge. Aber Manufaktur und Hausindustrie z\u00e4hlen auch zu den kapitalistischen Betrieben, wenn auch zu einer niedrigeren Stufe, und gerade diese Produktionsformen sind in der j\u00fcdischen Industrie vorwiegend. Ein schlagender Beweis daf\u00fcr ist der Umstand, da\u00df das j\u00fcdische Handwerk f\u00fcr die entferntesten M\u00e4chte arbeitet, also notwendig mit Aufk\u00e4ufern, Vermittlern, Grossisten [Gro\u00dfh\u00e4ndler, A.d.R.] zu tun und seinen selbstst\u00e4ndigen Charakter in hohem Ma\u00dfe eingeb\u00fc\u00dft hat. Hier seien nur einige Beispiele erw\u00e4hnt. In Radom (Polen) werden j\u00e4hrlich f\u00fcr eine Million Schuhwaren nach allen Ecken Ru\u00dflands versandt. In Brzeziny (Gouvernement Piotrkow, Polen) arbeiten die Schneider f\u00fcr Aufk\u00e4ufer, diese verkaufen die Ware an Grossisten, die zu diesem Zwecke aus S\u00fcdru\u00dfland, dem Kaukasus und sogar Transkaukasien kommen. Grodzisk (Gouvernement Warschau) verkauft mit Hilfe von Vermittlern allj\u00e4hrlich Strumpfwaren nach dem inneren Ru\u00dfland. Witebsk versendet Tischlerarbeiten und gegerbte Felle nach ausw\u00e4rts, in Litauen schicken die Handschuhmacher, Tischler, Drechsler ihre Produkte auf die entferntesten M\u00e4rkte. In S\u00fcdru\u00dfland ist in einer Reihe kleiner St\u00e4dtchen die Produktion einiger Schuhsorten verbreitet, die erfolgreich mit den Fabrikanten bester Warschauer und Petersburger Firmen konkurrieren und sich in ganz Ru\u00dfland einer gro\u00dfen Nachfrage erfreuen. Angesichts aller dieser Tatsachen m\u00fcssen Tausende und aber Tausende solcher, die die zionistischen Sozialisten als selbstst\u00e4ndige Handwerker behandeln, dem Proletariat zuzurechnen, und dazu geh\u00f6ren sie noch seinen elendesten und ausgebeutetsten Schichten an.<\/p>\n<p>Was die Zahl der j\u00fcdischen Fabrikarbeiter anbetrifft, so z\u00e4hlt die J. K. A. deren 34000; aber es ist von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit, hervorzuheben, da\u00df in ihrer Statistik, auf die sich die zionistischen Sozialisten st\u00fctzen, Angaben \u00fcber das Gouvernement Cherson mit Odessa, Angaben \u00fcber ganz Polen mit St\u00e4dten wie Warschau, Lodz, Pabianitzy, Zgierz, Zdonska Wolja und verschiedene andere vollst\u00e4ndig fehlen und somit die wichtigsten Punkte j\u00fcdischer Industrie, wo viele Tausende j\u00fcdischer Fabrikarbeiter an der Maschine stehen, unber\u00fccksichtigt bleiben. Infolgedessen d\u00fcrfte die Zahl der j\u00fcdischen Fabrikarbeiter viel h\u00f6her sein, als die J. K. A. und mit ihr die zionistischen Sozialisten annehmen. Der Prozentsatz der russischen Fabrikarbeiter im Verh\u00e4ltnis zur gesamten russischen Bev\u00f6lkerung betr\u00e4gt 1 \u00bd Prozent (130 Millionen Einwohner und 2 Millionen Arbeiter); die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung betr\u00e4gt in Ru\u00dfland 5 Millionen, dementsprechend m\u00fc\u00dfte sich die Zahl der j\u00fcdischen Fabrikarbeiter auf 75000 belaufen. Wenn man alle die gewaltigen Rechenfehler bedenkt, die in der Statistik der J. K. A. obwalten, so kann man als h\u00f6chst wahrscheinlich annehmen, dass die wirkliche Zahl der j\u00fcdischen Fabrikarbeiter hinter dieser Ziffer nicht zur\u00fcckbleibt, wenn sie nicht \u00fcbersteigt. Jedenfalls ist aber die Zahl der j\u00fcdischen Handwerker absolut und relativ erheblich h\u00f6her als die Zahl der j\u00fcdischen Fabrikarbeiter. Gehen wir zur Untersuchung der Ursache dieser Tatsache \u00fcber.<\/p>\n<p>Die zionistischen Sozialisten behaupten, diese Ursache liege in dem Umstand, da\u00df die j\u00fcdischen Massen, der j\u00fcdische Mittelstand, der kleine Handwerker und Kr\u00e4mer, sich nicht proletarisieren. Ihr Gedankengang ist folgender: Im Laufe der \u00f6konomischen Entwicklung wird das Handwerk von der Maschinenproduktion verdr\u00e4ngt; da aber die Juden in die Fabriken keinen Zutritt haben, so ist f\u00fcr sie der Ausweg der Proletarisation, des \u00dcbergangs zur Fabrikarbeit verschlossen, der Handwerker verlumpt oder emigriert. Die Berufung der zionistischen Sozialisten auf die \u00f6konomische Entwicklung ist jedoch nicht so richtig und jedenfalls nicht so \u201emarxistsich\u201c, wie sie auf den ersten Blick aussehen mag: sie stellen die Sache so vor, als ob das Handwerk <em>unmittelbar<\/em> in die Maschinenindustrie \u00fcberginge, was in Wirklichkeit durchaus nicht der Fall ist; sie ignorieren vollst\u00e4ndig die \u00dcbergangsformen der kapitalistisch ausgebeuteten Hausindustrie und Manufaktur; wie wir aber schon gesehen haben, sind gerade diese Formen besonders stark in der j\u00fcdischen Industrie vertreten. Ferner sagen die zionistischen Sozialisten, die Juden w\u00fcrden vielfach nicht in Fabriken aufgenommen; die Tatsache steht ja fest, aber ihre Erkl\u00e4rung kann eine verschiedene sein; die zionistischen Sozialisten suchen nicht einmal nach einer solchen, sie sagen einfach: \u201eSo ist\u2019s und so wird es immer bleiben in den Golusl\u00e4ndern.\u201c Ihr Mangel an dialektischem Denken springt hier in die Augen. F\u00fcr uns aber liegen diese Ursachen klar auf der Oberfl\u00e4che des j\u00fcdischen Lebens in Ru\u00dfland; sie sind durchweg politischer Art. Vor allem kommt hier die Beschr\u00e4nkung der Freiz\u00fcgigkeit in Betracht, wodurch die Juden in einem beschr\u00e4nkten Ansiedlungsrayon zusammengepfercht werden; in diesem Rayon d\u00fcrfen sie aber nicht auf dem platten Land wohnen und sind somit von allen l\u00e4ndlichen Betrieben, wie Zuckerraffinerien, Schnapsbrennereien, Ziegeleien, S\u00e4gem\u00fchlen und anderen, und der eigentlichen Landwirtschaft ausgeschlossen. Da\u00df sich unter diesen Umst\u00e4nden, bei solcher Zusammendr\u00e4ngung in den St\u00e4dten eine erbitterte Konkurrenz entwickelt und nicht alle in der st\u00e4dtischen Gro\u00dfindustrie Platz finden, ist ja selbstverst\u00e4ndlich, deshalb sind auch so viele Juden aufs Handwerk, auf den Kleinhandel usw. angewiesen. Die Auswanderung des j\u00fcdischen Handwerkers ins innere Ru\u00dfland, die gesetzlich erlaubt ist, hat f\u00fcr ihn praktisch nur geringen Wert, da er beim ersten Zufall, der ihn am Aus\u00fcben seines Handwerkes hindert, wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und dergleichen, stets eine Ausweisung zu bef\u00fcrchten hat: er kann so lange im inneren Ru\u00dfland leben, solange er in seinem Beruf t\u00e4tig ist, und \u00fcberhaupt ist er den kleinlichen Schikanen ausgesetzt, die seine Existenz fortw\u00e4hrend bedrohen.<\/p>\n<p>Die gewichtige Ursache sind auch die Hindernisse, die den Juden in ihren Bildungsbestrebungen entgegengestellt werden: fast in allen Bildungsanstalten werden Juden nur in einem gewissen, sehr sparsam bemessenen Prozentsatz aufgenommen; ganz besonders gilt dies von der technischen Bildung, die den Juden beinahe ganz unzug\u00e4nglich ist. Auch der Staatsdienst, der Semstwo- und Stadtdienst sind ihnen mit nur geringf\u00fcgigen Ausnahmen verschlossen; und dies nicht nur f\u00fcr die freien Berufe, f\u00fcr \u00c4rzte, Rechtsanw\u00e4lte, Lehrer usw., sondern auch f\u00fcr Stellungen in Eisenbahnen, in allen staatlichen Betrieben, im weitaus gr\u00f6\u00dften Teile der st\u00e4dtischen Betriebe usw. Au\u00dferdem kommt noch der Antisemitismus der herrschenden Klassen und \u2013 es mag vielleicht sonderbar scheinen \u2013 der revolution\u00e4re Geist der j\u00fcdischen Arbeitermassen, der dazu f\u00fchrt, da\u00df sogar j\u00fcdische Fabrikanten oft mit Vorliebe christliche Arbeiter heranziehen, da sie in ihnen eine billigere und auch willigere Arbeitskraft haben.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt eine unglaubliche Dosis politischer Kurzsichtigkeit und Unwissenheit dazu, um zu behaupten, da\u00df es immer so bleiben w\u00fcrde. Es ist ja klar wie der Tage, da\u00df alle diese Ursachen, die die Proletarisierung der j\u00fcdischen Massen aufhalten, Produkte der russischen Selbstherrschaft sind und mit ihrem Sturze, mit der Einf\u00fchrung einer demokratischen Ordnung verschwinden werden. Mit der Fortr\u00e4umung des letzten Restes feudal-absolutistischer Zust\u00e4nde fallen auch Ausnahmegesetze gegen Juden, alle Hindernisse, die sich der Entwicklung des russischen Kapitalismus entgegenstellen, er wird mit Riesenfortschritten vorw\u00e4rtseilen und die Massen der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung in seinen Strudel rei\u00dfen; dann werden die zionistischen Sozialisten, wenn sie \u00fcberhaupt bis dahin noch nicht vom Erdboden verschwunden sind, keine Ursache haben, \u00fcber ungen\u00fcgende Proletarisierung des j\u00fcdischen Mittelstandes zu klagen.<\/p>\n<p>Aber f\u00fcr die zionistischen Sozialisten liegen die Ursachen der anormalen Lage der Juden in den Golusl\u00e4ndern (eigentlich in Ru\u00dfland, da ihre ganze Theorie f\u00fcr Ru\u00dfland zurechtgestutzt ist) ganz wo anders, nur nicht in politischen Gr\u00fcnden. Den Ursprung des \u00dcbels suchen sie vielmehr darin, da\u00df die Juden <em>keine nationale Wirtschaft<\/em> haben. Was sie eigentlich unter diesem Worte verstehen, haben sie nirgends deutlich zu erkennen gegeben, deshalb l\u00e4\u00dft es verschiedene Auslegungen zu. Sollte nationale Wirtschaft eine solche bedeuten, die sich selbst gen\u00fcgt, die weder der Aus- noch der Einfuhr bedarf, die sozusagen eine Art geschlossene Naturalwirtschaft bildet, so ist diese Form von der \u00f6konomischen Entwicklung l\u00e4ngst \u00fcberholt; nicht nur kein Volk, sondern auch kein einziger Staat kann jetzt eine derartige geschlossene Wirtschaft aufweisen; wir stehen in der Periode der <em>Weltwirtschaft<\/em>, nicht der Nationalwirtschaft, und die letztere aufbauen wollen, hei\u00dft sein Ideal nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit suchen. Wenn aber die zionistischen Sozialisten unter Nationalwirtschaft eine solche verstehen, die nur von j\u00fcdischen Kr\u00e4ften betrieben wird, die sich nur auf Juden st\u00fctzt, so zeugt dies von einer unglaublichen Naivet\u00e4t [sic] in der politischen \u00d6konomie; das Ideal der zionistischen Sozialisten geht dann dahin, da\u00df der j\u00fcdische Arbeiter nur von einem Kapitalisten geschunden, das \u201efreie Land\u201c nur von j\u00fcdischem Kapital ausgebeutet, nur von j\u00fcdischem Schwei\u00dfe getr\u00e4nkt wird. Wissen denn die sozialistischen Zionisten nicht, da\u00df der Kapitalist das Geld \u00fcberall nimmt, wo er es findet, da\u00df es ihm ganz einerlei ist, welche nationale Farbe das Arbeiterblut tr\u00e4gt, das er trinkt? Oder glauben sie, da\u00df der j\u00fcdische Kapitalist \u201eum der heiligen nationalen Sache willen\u201c in Pal\u00e4stina keine billigeren beduinischen oder eingewanderten Arbeitskr\u00e4fte heranziehen wird, wenn er sich nur Profit davon verspricht? Oder gedenken die zionistischen Sozialisten einen Ansiedlungsbezirk f\u00fcr Beduinen und Ausnahmegesetze gegen einwandernde nichtj\u00fcdische Arbeiter einzuf\u00fchren?<\/p>\n<p>Aber die wahrscheinliche Annahme ist die, da\u00df die Nationalwirtschaft ein Territorium bedeutet, wo das j\u00fcdische Volk, also bei der kapitalistischen Produktionsweise die j\u00fcdische Bourgeoisie, die Mehrheit bildet und die in der Minderheit befindlichen V\u00f6lker wohl ebenso unterdr\u00fcckt, wie sie es bisher selbst gewesen.<\/p>\n<p>Zu diesem Ziele, zur Erwerbung eines freien Territoriums mit einer Nationalwirtschaft, dr\u00e4ngt die kapitalistische Entwicklung selbst, so sagen die zionistischen Sozialisten; sie l\u00e4\u00dft die j\u00fcdischen Massen emigrieren. Aber f\u00fcr uns ist es klar, da\u00df diese Emigration von rein politischen Ursachen abh\u00e4ngt, von der russischen Selbstherrschaft: nach jeder neuen Judenverfolgung schwillt die Emigration bedeutend an, dasselbe ist auch nach den furchtbaren Oktobermetzeleien beobachtet worden. Deshalb k\u00f6nnen wir getrost annehmen, da\u00df mit dem Falle des Absolutismus, mit der Einf\u00fchrung einer demokratischen Ordnung auch die j\u00fcdische Emigration weit unter ihr bisheriges Niveau sinken wird, und also kann sie f\u00fcr uns \u00fcberhaupt als kein Beweis der Notwendigkeit einer nationalen Wirtschaft gelten.<\/p>\n<p>Aber den zionistischen Sozialisten erscheint die nationale Wirtschaft doch unumg\u00e4nglich n\u00f6tig f\u00fcr das j\u00fcdische Volk, das sonst unrettbar dem politischen und \u00f6konomischen Untergang geweiht sei. Zur Erreichung dieses erhabenen Ideals wollen sie die schon vorhandene j\u00fcdische Emigration organisieren, ihr als Ziel, als Ideal ein \u201efreies Territorium\u201c, ein \u201egesichertes Heim\u201c verhei\u00dfen.<\/p>\n<p>Aber sie wollen daneben auch die j\u00fcdischen Massen und insbesondere das j\u00fcdische Proletariat in den Golusl\u00e4ndern selbst organisieren. Einerseits, meinen sie, erw\u00e4chst in ihm dadurch die Kraft zur Verwirklichung des Sozialismus, andererseits zur Erwerbung des \u201efreien Territoriums\u201c. \u201eZum Sozialismus f\u00fchrt der Klassenkampf\u201c, proklamieren die zionistischen Sozialisten, und sie tun so, als w\u00fcrden sie schon durch diese blo\u00dfen Worte zu Sozialdemokraten gestempelt. Aber nicht das <em>Wort<\/em>, sondern die <em>Tat<\/em> beweist den sozialdemokratischen Geist, und wir werden gleich sehen, da\u00df es mit ihren Taten des Klassenkampfes nicht weit her ist.<\/p>\n<p>Wo wollen die zionistischen Sozialisten den Sozialismus verwirklichen? Nat\u00fcrlich nicht in den Golusl\u00e4ndern, dort kann das j\u00fcdische Proletariat die \u00f6konomische Macht nie an sich rei\u00dfen, sondern in seiner \u201egesicherten Heimst\u00e4tte\u201c, in dem freien Territorium. Also soll der Klassenkampf in Ru\u00dfland zur Verwirklichung des Sozialismus in <em>Pal\u00e4stina<\/em> oder in <em>Uganda<\/em> f\u00fchren!<\/p>\n<p>Der Klassenkampf kann nur dort gedeihen und Fr\u00fcchte tragen, wo die Massen selbst leben, er w\u00e4chst nur auf dem Boden der Produktion und kann nur zu ihrer Umgestaltung in eine sozialistische f\u00fchren; ein anderes Ziel, ein anderes Resultat ist ihm fremd; der Klassenkampf in den Golusl\u00e4ndern kann nur zum Sozialismus in diesen L\u00e4ndern f\u00fchren, aber es ist unm\u00f6glich, den Zionismus durch den Klassenkampf zu verwirklichen. Der Zionismus ist ein Ziel, das den Arbeitermassen fremd ist; ihre Interessen wurzeln fest in dem Lande, das ihre gegenw\u00e4rtige Heimat ist, sie wissen, da\u00df ihr Klassenkampf den Sozialismus hier, im Golus, verwirklichen wird, und dann h\u00f6rt der Golus auf, ein Golus zu sein; was brauchen sie sich dann um Zion zu k\u00fcmmern? Und wozu, weshalb sollte man das Proletariat von dem Boden, auf dem es sich eingelebt, auf dem es seine sozialpolitischen Kr\u00e4fte gest\u00e4hlt hat, losrei\u00dfen, in neue Existenzbedingungen verpflanzen, viele Jahre vergehen lassen, ehe es sich ihnen anpa\u00dft und den Klassenkampf aufs neue aufnimmt, damit es dann erst zur Verwirklichung des Sozialismus schreite? Man kann ja den Sozialismus im alten Lande viel eher und mit weniger M\u00fche erringen. Wir sprechen schon nicht davon, da\u00df die zionistischen Sozialisten mit sich selbst in Widerspruch geraten: einmal behaupten sie, das j\u00fcdische Proletariat in den Golusl\u00e4ndern k\u00f6nne nicht zu einer sozialpolitischen Kraft werden, und das andere Mal meinen sie, es erlange so viel Kraft, da\u00df es imstande ist, den Sozialismus sogar im entfernten Pal\u00e4stina zu verwirklichen und nebenbei noch ein \u201efreies Territorium\u201c zu erwerben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend aber die zionistischen Sozialisten der Arbeiterbewegung ein ihrem Wesen fremdes Ziel aufdr\u00e4ngen, verfallen sie, die sich so mit der Reinheit ihrer sozialdemokratischen Lehre br\u00fcsten, in den allergew\u00f6hnlichsten kleinb\u00fcrgerlichen Sozialismus. Das Ziel des Zionismus, das \u201efreie Territorium\u201c, ist ein Ziel, \u201ean dem auch die \u00fcbrigen Klassen des j\u00fcdischen Volkes ein Interesse haben\u201c (\u201eDeklaration\u201c, S. 13). Wie scharf, wie unerbittlich kann denn der Klassenkampf gegen Klassen sein, mit denen das Proletariat ein gemeinschaftliches Ziel, ein gemeinschaftliches Ideal hat, mit denen es, nach Aufforderung der zionistischen Sozialisten, zur Verwirklichung dieses Ideals Hand in Hand gehen soll?! Und mit wem soll sich das Proletariat zur Verwirklichung des Zionismus vereinigen? Mit der allgemeinen zionistischen Organisation, antworten die zionistischen Sozialisten. Wir aber f\u00fcgen hinzu: mit der Organisation von j\u00fcdischen \u201eHandwerkern und kleinen Kr\u00e4mern\u201c, da \u201eder gr\u00f6\u00dfte Teil der Anh\u00e4nger des Zionismus sich gegenw\u00e4rtig aus der Kleinbourgeoisie rekrutiert\u201c (\u201eDeklaration\u201c, S. 9). Da\u00df bei dem Zusammenschluss mit diesen Elementen der Klassenkampf des j\u00fcdischen Proletariats seine Sch\u00e4rfe und R\u00fccksichtslosigkeit einb\u00fc\u00dfen w\u00fcrde, scheint den zionistischen Sozialisten gar nicht zum Bewu\u00dftsein zu kommen.<\/p>\n<p>Welche Mittel soll das Proletariat \u2013 in Einverst\u00e4ndnis mit der Kleinbourgeoisie nat\u00fcrlich \u2013 f\u00fcr die Erwerbung des \u201efreien Territoriums\u201c anwenden? In erster Linie schlagen die zionistischen Sozialisten \u201efreie Verhandlungen mit Vertretern der Staaten vor, die Kolonialpolitik treiben\u201c. Diplomatische Verhandlungen mit den Staaten, mit den b\u00fcrgerlichen Regierungen \u2013 das ist es, was diese \u201eSozialdemokraten\u201c in Vorschlag bringen! Proletariat \u2013 und b\u00fcrgerliche Diplomatie! Proletarischer Kampf, der die ganze bestehende gesellschaftliche Ordnung zu vernichten strebt \u2013 und Feilschen mit b\u00fcrgerlichen Regierungen, um ein St\u00fcckchen Land zu kaufen! Das Proletariat kann sich an eine Regierung nur mit einer <em>Forderung<\/em> wenden, nicht mit einer <em>Bitte<\/em>. \u201eGieb [sic] mir, oder ich nehme selbst\u201c \u2013 nur eine solche Diplomatie steht nicht im Gegensatz zum proletarischen Klassenkampf.<\/p>\n<p>Wir wissen schon, da\u00df \u201edie Erf\u00fcllung der j\u00fcdischen Massen mit dem Bewu\u00dftsein ihrer anormalen Lage in den Golusl\u00e4ndern\u201c zu den vornehmsten Aufgaben der zionistischen Sozialisten geh\u00f6rt. An dieser Aufgabe arbeiten die zionistischen Sozialisten mit wahrem Feuereifer, und sie scheuen keine M\u00fche, um im j\u00fcdischen Proletariat festen Fu\u00df zu fassen, bei ihm politischen Einfluss zu gewinnen. Aber vergebens: das j\u00fcdische Proletariat hat taube Ohren f\u00fcr die Lockrufe der zionistischen Sozialisten; nur vereinzelte Arbeiter, die sich \u00fcber ihre wahren Klasseninteressen noch nicht klar geworden sind, lassen sich von ihnen bet\u00f6ren; die Masse ist und bleibt unter der F\u00fchrung des \u201eBundes\u201c, der aus ihr selbst hervorgegangen ist und eng mit ihr verbunden, der wirklicher Vertreter der Interessen des j\u00fcdischen Proletariats ist. Wie keine andere sozialdemokratische Partei versteht er die inneren Zusammenh\u00e4nge des j\u00fcdischen Lebens, versteht er infolgedessen das kleinb\u00fcrgerliche Wesen der zionistischen Sozialisten, und vom ersten Augenblick ihres Erscheinens an bek\u00e4mpfte er sie mit Nachdruck und stets wachsendem Erfolg. Man mu\u00df gestehen, die zionistischen Sozialisten wehren sich mit Z\u00e4hnen und Klauen, und in ihrer verzweifelten Lage greifen sie zu den unsch\u00f6nsten Mitteln: sie nennen den \u201eBund\u201c eine Partei von \u201eAssimilatoren\u201c, die suchen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den Gang seiner Arbeit zu st\u00f6ren, sie schrecken dabei sogar nicht vor Verleumdungen zur\u00fcck; die in den \u201eLetzten Nachrichten des Bundes\u201c ver\u00f6ffentlichten Korrespondenzen zahlreicher Organisationen sind mit der Beschreibung derartiger Heldentaten der zionistischen Sozialisten \u00fcberf\u00fcllt. In ihrer \u201eaufkl\u00e4renden\u201c T\u00e4tigkeit gehen die zionistischen Sozialisten noch weiter: indem sie ihrem geradezu krankhaften nationalen Gef\u00fchl freien Lauf lassen, f\u00fchren sie in den Massen eine direkt chauvinistische Propaganda: sie rufen in ihnen feindselige Gef\u00fchle gegen die christliche Bev\u00f6lkerung wach, sie fl\u00f6\u00dfen den j\u00fcdischen Arbeitermassen Mi\u00dftrauen zu ihren russischen Genossen ein. Damit unsere Behauptung nicht unbegr\u00fcndet erscheine, lassen wir einige Zitate aus verschiedenen zionistisch-sozialistischen Aufrufen folgen.<\/p>\n<p>Das Grodnoer [Hrodna, Belarus, A.d.R.] Komitee der zionistischen Sozialisten schreibt:<\/p>\n<p><em>Die M\u00f6glichkeit, uns niederzumetzeln, r\u00fchrt daher, da\u00df wir \u00fcber den ganzen Erdball zerstreut sind, wir leben in einer kleinen Zahl unter anderen V\u00f6lkern, die uns als Fremdlinge betrachten. Und solange wir schwach sind, werden sich immer niedertr\u00e4chtige Seelen finden, die unsere Schw\u00e4che ausnutzen werden; wir werden immer der S\u00fcndenbock sein, der f\u00fcr die Missetaten anderer zu leiden hat. Wenn wir die M\u00f6glichkeit abschaffen wollen, m\u00fcssen wir uns an einem Orte konzentrieren und uns ein gesichertes Heim schaffen. Dazu strebt der Zionismus, der die einzige L\u00f6sung der j\u00fcdischen Frage bildet.<\/em><\/p>\n<p>Das Jekaterinoslawer [Dnipro, Ukraine, A.d.R.] Komitee schreibt in seinem Aufruf \u201eAn alle j\u00fcdischen Arbeiter und Arbeiterinnen\u201c:<\/p>\n<p><em>Das j\u00fcdische Proletariat mu\u00df seine eigenen unterdr\u00fcckten Genossen, das Proletariat anderer Nationen, beneiden.<\/em><\/p>\n<p>Wahrlich, eine sonderbare Auslegung des Rufes: \u201eProletarier aller <em>Nationen<\/em>, vereinigt euch!\u201c welche Aufschrift alle Publikationen der zionistischen Sozialisten tragen.<\/p>\n<p>Die Wilnaer [Vilnius, Litauen, A.d.R.] Gruppe studierender zionistischer Sozialisten wendet sich folgenderma\u00dfen an die studierende j\u00fcdische Jugend:<\/p>\n<p><em>Nicht nur die finsteren M\u00e4chte haben benutzt und benutzen die Juden als ein Mittel f\u00fcr ihre Zwecke, nicht nur bei ihnen ist der Jude ein S\u00fcndenbock gewesen, sogar die fortschrittlichen Kr\u00e4fte ma\u00dfen sich bis jetzt das Recht an, die Juden nicht als Selbstzweck, sondern nur als ein Mittel zur Erreichung ihrer (der Fortschrittler) Zwecke zu betrachten. \u2026 Die russischen Revolution\u00e4re der \u201aNarodnaja Wolja\u2018 haben die russischen Massen auf die Juden gehetzt. \u2026 Die Vertreter der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bek\u00e4mpfen den \u201aBund\u2018, weil er die j\u00fcdische Intelligenz von der Arbeit in den russischen Massen ablenkt. \u2026 Nieder mit dem sch\u00e4ndlichen Golus! Es lebe die nationale Freiheit!\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, welches Produkt des zionistisch-sozialistischen Literatengenies wir immer zur Hand nehmen, \u00fcberall wird dem j\u00fcdischen Arbeiter eingepr\u00e4gt, da\u00df die Ursache aller \u00dcbel nicht die kapitalistische Ordnung, nicht die Ausbeutung sei, da\u00df das Fundament aller nationalen Unterdr\u00fcckung wiederum nicht diese bourgeoise Ordnung sei; man schiebt vielmehr die ganze Schuld einem untergeordneten Faktor zu, der j\u00fcdischen Zersplitterung unter fremden V\u00f6lkern, man h\u00f6rt nicht auf, zu erz\u00e4hlen, da\u00df es zwischen den j\u00fcdischen Arbeitern und den Arbeitern anderer Nationalit\u00e4ten keine Einigkeit, keine Solidarit\u00e4t geben k\u00f6nne, weil die j\u00fcdischen Arbeiter \u201eschwach\u201c seien, die nichtj\u00fcdischen seien aber die Mehrheit und unterdr\u00fcckten die j\u00fcdischen.<\/p>\n<p>Kann dann nach alledem ein Zweifel sein, wie auf die Fragen zu antworten: Kl\u00e4ren die zionistischen Sozialisten das Proletariat auf oder verdunkeln sie sein Klassenbewusstsein? Haben sie auch das mindeste Recht auf den Titel \u201eSozialdemokratische Arbeiterpartei\u201c? Dar\u00fcber kann es wohl keine zwei Meinungen geben.<\/p>\n<p>Die zionistischen Sozialisten m\u00f6gen noch so viel zetern und schreien, der zionistische Sozialismus w\u00e4re ein Produkt der anormalen Lage der Juden in der ganzen Welt; einem jeden, der sich die Sache genau ansieht, ist es klar, da\u00df es nur ein Echo des Jammerns der j\u00fcdischen Kleinbourgeoisie in Ru\u00dfland ist. Der revolution\u00e4re Anflug, den der alte Zionismus in letzter Zeit in Ru\u00dfland angenommen hat, verdankt seinen Ursprung der revolution\u00e4ren Stimmung, die jetzt in Ru\u00dfland herrscht. Der alte politische Zionismus ist l\u00e4ngst in Verfall geraten, der Boden unter seinen F\u00fc\u00dfen wankt; er war nur so lange gut genug, als die j\u00fcdischen Massen sich damit begn\u00fcgten, gen Himmel zu sehen und zu seufzen; aber jetzt, wo selbst die Kleinbourgeoisie unter dem Eindruck des heldenhaften Kampfes des Proletariats in gewissem Ma\u00dfe revolution\u00e4r geworden ist, hat auch der Zionismus der Bewegung folgen m\u00fcssen: um seine unsicheren Kantonisten [metaphorisch: Rekruten, die sich der Einberufung zu entziehen versuchen, A.d.R.] nicht zu verlieren und neue Anh\u00e4nger im kraftvoll aufsteigenden Proletariat zu gewinnen, h\u00e4ngt er sich einen Mantel um, zusammengeflickt aus \u201eProletarisation\u201c, \u201eKlasseninteressen\u201c, \u201esozialdemokratischem Standpunkt\u201c, \u201esozialpolitischen Kr\u00e4ften\u201c usw., der den alten, verfaulten und verschimmelten politischen Zionismus verdecken soll.<\/p>\n<p>Der <em>Zionismus<\/em> der zionistischen Sozialisten hat die gedr\u00fcckte \u00f6konomische und politische Lage der Juden in Ru\u00dfland zur Ursache. Der <em>revolution\u00e4re Anstrich<\/em> der zionistischen Sozialisten verdankt seinen Ursprung der freiheitlichen Bewegung in Ru\u00dfland. Mit dem Falle des Absolutismus, wenn die Judenverfolgung aufgeh\u00f6rt und die freiheitliche Bewegung ihr Ziel erreicht hat, wird der Polaei-Zionismus jeder Grundlage entbehren und rettungslos ins Meer der Vergessenheit versinken<\/p>\n<ol start=\"813\">\n<li><em> L. [Chaim Jakow Gelfand]: Der Poalei-Zionismus. Eine neue Str\u00f6mung russischen Judentum, in: Die neue Zeit, Bd. 1, <\/em><a href=\"http:\/\/library.fes.de\/cgi-bin\/nzpdf.pl?dok=190506a&amp;f=801&amp;l=832\"><em>Heft 25<\/em><\/a><em> (1906), S. 804-813.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus\/#f1_text\">1<\/a>. Unsere Ausf\u00fchrungen st\u00fctzen sich in der Hauptsache auf die \u201eDeklaration\u201c, herausgegeben von dem Zentralkomitee der poaleizionistischen Partei.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus\/#f2_text\">2<\/a>. L\u00e4nder, in die sich die Juden nach der Zerst\u00f6rung Jerusalems zerstreut haben. [Jiddisch f\u00fcr Diaspora, A.d.R.]<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus\/#f3_text\">3<\/a>. Allgemeine J\u00fcdische Kolonisationsgesellschaft. Leider gibt es in Ru\u00dfland keine offizielle Statistik der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, und deshalb m\u00fcssten wir uns mit diesen von Privatpersonen durch Umfragen gesammelten Zahlen begn\u00fcgen. [Bezieht sich vermutlich auf die Jewish Colonization Association, JCA, A.d.R.]<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>#Titelbild: David Gr\u00fcn (vorn, Dritter von rechts), der sp\u00e4tere Staatsgr\u00fcnder Israels Ben-Gurion, war Mitglied von Poale Zion, hier 1905 in P\u0142o\u0144sk, Kongresspolen. <\/em><em>Bild: Government Press Office (Israel), CC BY-SA 3.0 DEED<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/aus-den-archiven-des-marxismus-eine-sozialistische-kritik-am-zionismus\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a> <em>vom 1. Januar 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chaim Jakow Gelfand. J\u00fcdische Marxist:innen lehnten den Zionismus stets ab. 1906 ver\u00f6ffentlichte ein f\u00fchrendes Mitglied des \u201eBundes\u201c diese Kritik in der Neuen Zeit, der theoretischen Zeitschrift der deutschen Sozialdemokratie.<br \/>\nOft wird behauptet, dass Zionismus und Judentum &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14083,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7,5],"tags":[25,18,119,27,19,33],"class_list":["post-14082","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-imperialismus","tag-polen","tag-russland","tag-ukraine","tag-zionismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14082"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14082\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14084,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14082\/revisions\/14084"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14083"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}