{"id":14219,"date":"2024-02-20T10:44:17","date_gmt":"2024-02-20T08:44:17","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14219"},"modified":"2024-02-20T10:44:18","modified_gmt":"2024-02-20T08:44:18","slug":"verschaerfung-des-globalen-krieges-treibt-weltwirtschaft-in-tiefe-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14219","title":{"rendered":"<strong>Versch\u00e4rfung des globalen Krieges treibt Weltwirtschaft in tiefe Krise<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Nick Beams. <\/em>W\u00e4hrend die Welt zunehmend von Krieg heimgesucht wird \u2013 das Ergebnis der sich st\u00e4ndig ausweitenden Frontlinien des US-Imperialismus, der seine globale Vormachtstellung aufrechtzuerhalten versucht \u2013 gibt es eindeutige Anzeichen f\u00fcr einen sich anbahnenden Wirtschaftseinbruch.<!--more--><\/p>\n<p>Diese Entwicklung wird die geopolitischen Spannungen versch\u00e4rfen und den Militarismus weiter befeuern, da die kapitalistischen Regierungen weltweit ihre R\u00fcstungsausgaben erh\u00f6hen und gleichzeitig die Angriffe auf die Arbeiterklasse verst\u00e4rken, um sie zu finanzieren.<\/p>\n<p>Die sich verschlechternden globalen Wirtschaftsaussichten wurden letzte Woche durch Daten hervorgehoben, wonach sowohl das Vereinigte K\u00f6nigreich als auch Japan in der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 2023 zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum zu verzeichnen hatten.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission unterstrich diesen Trend durch die Entscheidung, ihre Prognose f\u00fcr das Wirtschaftswachstum in der Europ\u00e4ischen Union in diesem Jahr nach unten zu korrigieren, nachdem 11 der 27 EU-L\u00e4nder im Jahr 2023 von einer Rezession betroffen waren. Dabei fiel der R\u00fcckgang der deutschen Wirtschaft um 0,3 Prozent f\u00fcr das Jahr am deutlichsten aus.<\/p>\n<p>Die Schrumpfung der japanischen Wirtschaft \u2013 ein Produktionsr\u00fcckgang von 0,3 Prozent im letzten Quartal nach einer Schrumpfung von 3,3 Prozent im dritten Quartal \u2013 war f\u00fcr \u00d6konomen ein betr\u00e4chtlicher Schock, da ihre \u201eKonsens\u201c-Prognose stattdessen von einem Wachstum von 1,1 Prozent ausgegangen war.<\/p>\n<p>Die Daten \u00fcber das Vereinigte K\u00f6nigreich zeigen, dass dessen Wirtschaft im letzten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft ist, nachdem sie im dritten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft war. Hinter diesen \u2013 zum jetzigen Zeitpunkt \u2013 relativ geringen Zahlen verbirgt sich jedoch ein tieferer Trend.<\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung des Bev\u00f6lkerungswachstums im Vereinigten K\u00f6nigreich ist die Pro-Kopf-Produktion im Jahr 2023 um 0,7 Prozent gesunken und hat in jedem Quartal abgenommen, nachdem sie seit Anfang 2022 nicht mehr gewachsen ist. Abseits der Auswirkungen von Covid-19 im Jahr 2020 hat das Vereinigte K\u00f6nigreich den ersten R\u00fcckgang der Pro-Kopf-Produktion seit der globalen Finanzkrise von 2008-2009 erlebt. Die Pro-Kopf-Produktion liegt im letzten Quartal 2019 immer noch 1,5 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie.<\/p>\n<p>Seit der Finanzkrise von 2008 wurde das Weltwirtschaftswachstum in erheblichem Ma\u00dfe durch die Expansion der chinesischen Wirtschaft gest\u00fctzt. Jetzt nicht mehr.<\/p>\n<p>China verzeichnete im Jahr 2023 ein Wachstum von 5,2 Prozent \u2013 das niedrigste Niveau in drei Jahrzehnten \u2013 und das Ziel f\u00fcr dieses Jahr, das die Regierung in K\u00fcrze bekannt geben wird, wird wahrscheinlich nicht h\u00f6her liegen. Es bestehen sogar erhebliche Zweifel daran, ob es \u00fcberhaupt 5 Prozent erreichen kann.<\/p>\n<p>Die chinesische Wirtschaft wird von einer Reihe von Problemen geplagt, darunter der Beginn einer deflation\u00e4ren Spirale, in deren Zuge die Preise so schnell fallen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der Aktienmarkt f\u00e4llt weiter, der Stabilisierungsversuche der Regulierungsbeh\u00f6rden zum Trotz, und eine wachsende Zahl internationaler Investoren hat beschlossen, dass das Land \u201euninvestierbar\u201c sei.<\/p>\n<p>Die Immobilienkrise, die zum Konkurs von zwei der gr\u00f6\u00dften Bautr\u00e4gerfirmen gef\u00fchrt hat, bessert sich nicht. In den Jahren nach 2008 wuchs der Anteil des Immobilien- und Bautr\u00e4gerwesens an der Wirtschaft auf rund 25 Prozent. Die Regierung war \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltend, wenn es darum ging, die Wirtschaft anzukurbeln, da sie bef\u00fcrchtete, dass dies die ohnehin schon betr\u00e4chtlichen Schuldenprobleme noch versch\u00e4rfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doch ihre Bem\u00fchungen, einen anderen, auf der Entwicklung von Hochtechnologie beruhenden Wachstumspfad zu entwickeln, kollidieren mit den Verboten und Beschr\u00e4nkungen, die von den USA verh\u00e4ngt wurden. Sie sind Teil der Kampagne der USA, einen immer umfassenderen Wirtschaftskrieg gegen das Land zu f\u00fchren, das sie als ihren wichtigsten wirtschaftlichen Rivalen betrachten.<\/p>\n<p>Die einzige relative Ausnahme von den sich verschlechternden globalen Wirtschaftsaussichten scheinen die Vereinigten Staaten zu sein, wo die Wachstumsrate im letzten Quartal 2023 \u00fcber 3 Prozent lag.<\/p>\n<p>Bei n\u00e4herer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass dieselben grundlegenden Trends am Werk sind, auch wenn sich ihre unmittelbare Erscheinung anders darstellt.<\/p>\n<p>Einer der Schl\u00fcsselaspekte des US-Wachstums ist, dass es sich direkt aus dem Tod und der Zerst\u00f6rung speist, die seine wachsende Kriegsfront verursacht hat.<\/p>\n<p>Wie in einem k\u00fcrzlich erschienenen Artikel des <em>Wall Street Journal<\/em> zu lesen war, bestehen die Bef\u00fcrworter erh\u00f6hter Milit\u00e4rausgaben f\u00fcr den Krieg in der Ukraine darauf, dass dies \u201egut f\u00fcr die Wirtschaft\u201c sei.<\/p>\n<p>Wie Lael Brainard, Direktorin des Nationalen Wirtschaftsrats des Wei\u00dfen Hauses, in einem aktuellen Interview zur Unterst\u00fctzung des neuen Milit\u00e4rpakets der Biden-Regierung sagte: \u201eDas ist eines der Dinge, die missverstanden werden&#8230; wie wichtig diese Finanzierung f\u00fcr Besch\u00e4ftigung und Produktion im ganzen Land ist.\u201c<\/p>\n<p>Nach Angaben der US-Notenbank ist die Produktion in den Bereichen Verteidigung und Raumfahrt in den USA seit Beginn des Ukraine-Kriegs um 17,5 Prozent gestiegen. Das Au\u00dfenministerium gibt an, dass die USA von Jahresanfang bis September 2023 gro\u00dfe R\u00fcstungsgesch\u00e4fte im Wert von mehr als 80 Milliarden Dollar get\u00e4tigt haben, davon etwa 50 Milliarden Dollar mit Europa, mehr als das F\u00fcnffache der historischen Norm.<\/p>\n<p>Und es gab noch weitere \u201eVorteile\u201c. Die Unterbrechung der Gaslieferungen aus Russland nach Europa infolge des Ukrainekrieges und die Preiseskalation haben sich f\u00fcr die USA als Gl\u00fccksfall erwiesen, so dass sie im vergangenen Jahr zum weltweit gr\u00f6\u00dften Exporteur von Fl\u00fcssiggas aufgestiegen sind und ihre Ausfuhren bis 2030 verdoppeln werden.<\/p>\n<p>Die US-Wirtschaft ist gegen die sich entwickelnden rezessiven Tendenzen jedoch nicht immun. W\u00e4hrend sich der globale Kampf um M\u00e4rkte und Gewinne versch\u00e4rft, bauen gro\u00dfe US-Firmen in der Automobilindustrie und anderen Branchen Arbeitspl\u00e4tze ab. Einem Bericht der <em>Financial Times<\/em> zufolge haben allein die Technologieunternehmen im Zuge der Umstellung auf den Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz in diesem Jahr bereits 34.000 Stellen gestrichen.<\/p>\n<p>\u00dcber alledem schwebt die allgegenw\u00e4rtige Bedrohung einer weiteren Finanzkrise, da die von der US-Notenbank initiierten h\u00f6heren Zinss\u00e4tze, mit denen die Lohnforderungen der Arbeiter unterdr\u00fcckt werden sollten, das finanzielle Kartenhaus zum Einsturz zu bringen drohen, das auf dem vorherigen Niedrigzinsregime errichtet wurde.<\/p>\n<p>In einem k\u00fcrzlich erschienenen Kommentar hat der deutsche Finanzminister Christian Lindner eine Warnung an die Arbeiterklasse der ganzen Welt ausgesprochen. Die \u201eFriedensdividende\u201c der Vergangenheit sei demnach zum Ausbau des Sozialstaates genutzt worden. Nun sei ein Richtungswechsel notwendig.<\/p>\n<p>In anderen j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen, die ebenfalls internationale Auswirkungen haben, sagte er, die deutsche Wirtschaft sei nicht in bester Verfassung, weil ihre \u201estrukturellen Defizite\u201c durch niedrige Zinsen, Nachfrage auf dem Weltmarkt und niedrigere Energiekosten gedeckt worden seien. Nun m\u00fcsse man sich auf \u201estrukturelle Probleme\u201c konzentrieren.<\/p>\n<p>Jede gr\u00f6\u00dfere kapitalistische Regierung ist in der einen oder anderen Form mit \u201estrukturellen Problemen\u201c konfrontiert. Wenn sie danach streben, die Milit\u00e4rausgaben zu erh\u00f6hen, tun sie dies unter Bedingungen einer Staatsverschuldung in Rekordh\u00f6he inmitten weltweit fallender Konjunktur. Dies bedeutet verst\u00e4rkte Angriffe auf die Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>Die politischen Implikationen sind klar. Es besteht eine untrennbare Verbindung zwischen dem Kampf gegen den Krieg und der Verteidigung von Arbeitspl\u00e4tzen, L\u00f6hnen und Lebensstandards.<\/p>\n<p>Letztlich ist der imperialistische Krieg keine politische \u201eEntscheidung\u201c, die r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden kann, wenn nur in der einen oder anderen Weise gen\u00fcgend Druck ausge\u00fcbt wird. Er ist in den objektiven Widerspr\u00fcchen des kapitalistischen Profitsystems selbst verwurzelt, genauso wie Konjunktureinbr\u00fcche, Arbeitslosigkeit, Inflation und Finanzkrisen.<\/p>\n<p>Die einzige realistische Perspektive zur L\u00f6sung der sich versch\u00e4rfenden Krise ist deshalb eine, die an ihrer Wurzel ansetzt. Das ist das Programm der internationalen sozialistischen Revolution zum Sturz des Kapitalismus, f\u00fcr das das Internationale Komitee der Vierten Internationale und seine Sektionen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Herstellung gro\u00dfer Fl\u00fcssigerdgastanker (LNG-Tanker) im Werk von Daewoo Shipbuilding and Marine Engineering auf der Insel Geoje in S\u00fcdkorea, 7. Dezember 2018 [AP Photo\/Ahn Young-joon]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/02\/19\/qxed-f19.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. Februar 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nick Beams. 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