{"id":14250,"date":"2024-02-29T10:22:58","date_gmt":"2024-02-29T08:22:58","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14250"},"modified":"2024-02-29T10:22:59","modified_gmt":"2024-02-29T08:22:59","slug":"die-franzoesische-sackgasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14250","title":{"rendered":"<strong>Die Franz\u00f6sische Sackgasse<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Charlie Kimber. <\/em><strong>In Frankreich tobt seit der Pr\u00e4sidentschaft von Macron der Klassenkampf. Mittlerweile mussten vier Premierminister zur\u00fccktreten, doch Macron selbst h\u00e4lt sich noch als Pr\u00e4sident. Mit der Streikbewegung gegen die Rentenreform und der Ermordung von Nahel durch die Polizei erlebte Frankreich die st\u00e4rksten Massenbewegungen seit Jahrzehnten. Der Artikel<\/strong><!--more--> <strong>stellt die Frage, warum es der Linken trotz der m\u00e4chtigen Bewegungen nicht gelang, einen echten Sieg einzufahren. <\/strong><\/p>\n<p>2023 k\u00e4mpften franz\u00f6sische Arbeiter:innen, Jugendliche, Migrant:innen und Muslim:innen gegen Emmanuel Macrons Regierung in einer Reihe explosiver Schlachten, die zu den heftigsten in Europa seit vielen Jahren geh\u00f6rten.1 Es ist, wie es eine franz\u00f6sische Analyse formulierte, eine Zeit \u201cturbulenter als eine Zuschauertrib\u00fcne mit England-Fans voll mit Guinness\u201d.2 Der bekannte Historiker Pierre Rosanvallon sagte: \u201cWir erleben hier eine Wiederholung der Gelbwestenbewegung (Gilets Jaunes), aber es ist viel ernster. Wir befinden uns in der gr\u00f6\u00dften demokratischen Krise, die Frankreich seit dem Ende des Algerienkonflikts 1962 erlebt hat\u201d.3<\/p>\n<p>Der Kampf gegen Macrons Angriffe auf die Renten bestand aus 14 landesweiten Aktionstagen zwischen Januar und Juni, zu denen die Gewerkschaften aufgerufen hatten und Streiks und Massenmobilisierungen geh\u00f6rten. Das Ausma\u00df dieser Demonstrationen war bis dahin nicht gesehen \u2013 laut der Gewerkschaft CGT (Conf\u00e9d\u00e9ration G\u00e9n\u00e9rale du Travail) nahmen bis zu 3,5 Millionen Menschen sowohl am 07. als auch am 23. M\u00e4rz teil. Obwohl es viel weniger Streiks und Besetzungen gab, waren die Proteste gr\u00f6\u00dfer als im Jahr der Rebellion 1968 und im Jahr der revolution\u00e4ren Erhebung 1936.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaftsf\u00fchrer hatten kaum den Rentenkampf beendet, da brach schon die n\u00e4chste Herausforderung f\u00fcr Macrons Regierung aus. Die Ermordung von Nahel M., eines 17-j\u00e4hrigen Parisers marokkanischer und algerischer Abstammung, durch die Polizei f\u00fchrte zu zehn Tagen heftiger Revolten in den St\u00e4dten.4 Der Aufstand versetzte den franz\u00f6sischen Staat in Angst und Schrecken, der mit massiver Repression antwortete. Von fast 4.000 Menschen, die in acht Tagen eingesperrt wurden, wurden ganze 2.107 danach vor Gericht gef\u00fchrt und 1.989 verurteilt, darunter 1.787, die zu Gef\u00e4ngnisstrafen verurteilt wurden. Das war eine Verurteilungsrate von fast 95 Prozent.<\/p>\n<p>Es war ein F\u00f6rderband der Ungerechtigkeit, das von oben ins Laufen gebracht wurde. Zum Vergleich: Im Jahr der Gelbwesten-Revolte sprach der Staat 3.204 Urteile aus und inhaftierte 440 Demonstrant:innen.<\/p>\n<p>Es folgten die Massendemonstrationen f\u00fcr Pal\u00e4stina, die nach dem Beginn des israelischen Angriffs auf Gaza im Oktober ausbrachen. Sie gingen einher mit Widerstand gegen staatliche Verbote oder viel Druck und Kampagnen, um die Erlaubnis zu erreichen, in letzter Minute losziehen zu d\u00fcrfen. Es gab andere Arten des Widerstands, besonders die Aktionen gef\u00fchrt von Umweltaktivisten in Les Soul\u00e8vements de la Terre (\u201cThe Earth Rising\u201d).5<\/p>\n<p>Doch trotz allem ist Macron noch da. Deshalb braucht es eine Bilanz dieser K\u00e4mpfe \u2014 und die Frage, wie unsere Seite eindeutige Siege erringen kann. Ein wichtiger Aspekt einer solchen Analyse wird darin bestehen, jedes dieser Beispiele von Klassenkampf als miteinander verkn\u00fcpft zu betrachten und nicht nur als eine Serie unverbundener K\u00e4mpfe. Der b\u00fcrgerliche Politiker, ob nun in konservativer oder sozialdemokratischer Farbe, und der Gewerkschaftsb\u00fcrokrat behandeln solche Themen getrennt und sprunghaft. Tats\u00e4chlich verwenden sie viel Zeit darauf, solche Verbindungen abzustreiten.<\/p>\n<p>Ein zentraler Bestandteil der Politik z.B. der franz\u00f6sischen Sozialistischen Partei, ebenso wie der Labour-Partei in Gro\u00dfbritannien, besteht darin, dass sich ihre Vertreter im Parlament politischen Fragen widmen, w\u00e4hrend sich die Gewerkschaften ausschlie\u00dflich auf wirtschaftliche Fragen konzentrieren. Meistens folgen die Gewerkschaftsf\u00fchrer dieser Methode. Marxist:innen sollten einen anderen Ansatz verfolgen \u2014 einen, der die toxische Totalit\u00e4t hinter allen Symptomen der kapitalistischen Gesellschaft versteht. Das hei\u00dft nicht, dass die Teilnehmer:innen von Streiks und antirassistischen Riots dieselben sind. Oft sind sie es nicht. Doch die Wurzel der Angriffe auf die Renten und der schlechten Behandlung schwarzer, asiatischer und arabischer Menschen ist dieselbe: ein kapitalistisches System, das auf Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung beruht.6<\/p>\n<p><strong>Die richtige Schlacht im falschen Krieg?<\/strong><\/p>\n<p>Wie also \u00fcberlebte Macron? F\u00fcr die Gewerkschaftsf\u00fchrer bestand das Problem, dass sie einfach Pech hatten, was ihre Gegner anging; sie hatten die richtige Taktik, aber waren mit der falschen Regierung konfrontiert und am falschen Ort. Laut Sophie Binet, der Vorsitzenden der CGT, die der k\u00e4mpferischste Gewerkschaftsbund ist, \u201ch\u00e4tten wir mit einem anderen Pr\u00e4sidenten, in einem anderen Land gewonnen\u201d.7 Diese lachhafte Vermutung weist keinen Weg vorw\u00e4rts \u2013 au\u00dfer zu hoffen, dass die Bev\u00f6lkerung irgendwann eine angenehmere und sympathischere Regierung w\u00e4hlen w\u00fcrde. Aber das ist einerseits ein viel zu langsamer Ansatz (die n\u00e4chste franz\u00f6sische Pr\u00e4sidentschaftswahl ist nicht vor dem April 2027 vorgesehen) und bedeutet andererseits, dass Arbeiter:innen gegen\u00fcber einer rechten Regierung einfach nur wehrlos w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ernsthafte Studien \u00fcber die Streiks und Proteste sind sich generell einig darin, dass Macron durch den Widerstand Schaden genommen hatte. Er peitschte die \u00c4nderungen bei den Renten durch, aber nur zu dem Preis einer massiven und heftigen Opposition, die von einem einfachen \u00f6konomischen Kampf in einen viel tiefergehenden \u00fcberging. Der Widerstand deckte die Grenzen der b\u00fcrgerlichen Demokratie auf, weil Macron die Attacken durchpeitschte, ohne auch nur eine Abstimmung im Parlament zu erlauben, indem er die Bestimmungen des ber\u00fcchtigten Artikels 49.3 der franz\u00f6sischen Verfassung nutzte. Dann f\u00fchrte die polizeiliche Repression von Protestierenden, die sich gegen die Rentenreform auflehnten, und Streikenden zu einem viel weiter verbreiteten Misstrauen gegen\u00fcber der Polizei und dem \u201cRechtssystem\u201d.<\/p>\n<p>Doch das darf nicht das Ende sein. Unser Ziel ist es, zu gewinnen, und nicht nur unseren Klassenfeind zu ersch\u00fcttern oder zu schw\u00e4chen. Die revolution\u00e4ren Sozialisten in Autonomie de Classe (A2C) geben eine Erkl\u00e4rung, mit der ich weitgehend einverstanden bin. Sie sagen, dass das Resultat nicht unvermeidlich war und verweisen auf die \u201cSackgasse in der Strategie der Gewerkschaftsf\u00fchrung\u201d. Sie argumentieren, dass der Beginn der K\u00e4mpfe die Gewerkschaften so sehr in Anspruch nahm, weil \u201cMacrons Angriff nicht nur die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Millionen von uns infragestellte, sondern auch die gesellschaftliche Position der Gewerkschaftsf\u00fchrung als Verhandlerin zwischen Bossen, Institutionen (insbesondere der Staat) und Besch\u00e4ftigten.\u201d Daraus folgt, dass \u201cdie Infragestellung ihres Platzes am Regierungstisch die Gewerkschaftsf\u00fchrung dazu zwang, zur\u00fcckzuschlagen, um wieder ein Machtgleichgewicht herzustellen. Aber um diese Position zu erhalten, musste die Bewegung unter ihrer Kontrolle und innerhalb des institutionellen Rahmens bleiben.\u201d Das hie\u00df, dass der Schwerpunkt \u201cauf der \u00f6ffentlichen Meinung und Demonstrationen statt auf Streiks\u201d lag: \u201cSogar w\u00e4hrend der Vorbereitungen f\u00fcr den 07. M\u00e4rz, als die Arroganz der M\u00e4chtigen die Gewerkschaftsf\u00fchrung dazu zwang, weiterzugehen, indem sie davon sprach, \u2018das Land stillzulegen\u2019, stritt Laurent Berger, der<\/p>\n<p>Vorsitzende der Franz\u00f6sischen Demokratischen Konf\u00f6deration der Arbeit (CFDT; Conf\u00e9d\u00e9ration Fran\u00e7aise D\u00e9mocratique du Travail), jegliche Absicht ab, mit Streiks das \u2018Land zu blockieren&#8217;\u201d.8<\/p>\n<p>A2C machte auch darauf aufmerksam, wie die Gewerkschaftsf\u00fchrungen den Kampf nur auf die Frage der Renten beschr\u00e4nkten, obwohl eine Ausweitung des Widerstands auf die Rente mit 60, L\u00f6hne, Vertr\u00e4ge, die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und andere Themen m\u00f6glicherweise viel mehr Arbeiter:innen einbezogen h\u00e4tte. Au\u00dferdem verhinderten die Gewerkschaftsf\u00fchrer den Aufbau einer st\u00e4rkeren Klassensolidarit\u00e4t, indem sie sich weigerten, politische K\u00e4mpfe wie Frauenrechte und Antirassismus zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Eine solche Strategie war besonders nach dem 15. April ineffektiv. Das war der Tag, an dem Macron seine Angriffe auf die Renten mit seiner Unterschrift in Gesetzesform goss, nachdem das h\u00f6chste Verfassungsgericht Frankreichs am Tag zuvor den wesentlichen Teil der Gesetzgebung genehmigt hatte. Das beinhaltete die zentrale \u00c4nderung, das Rentenalter von 62 auf 64 Jahre zu erh\u00f6hen. Sobald das geschehen war, schloss es jede L\u00f6sung innerhalb des etablierten institutionellen Rahmens aus. Arbeiter:innen konnten nur gewinnen, indem sie sich von \u201cnormalen\u201d Forderungen an Politiker losrissen und die Personen an der Spitze st\u00fcrzten, um einen Bruch mit den gew\u00f6hnlichen Methoden herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Kraft der Erkl\u00e4rungen, die A2C gibt, liegt darin, dass sie mit der sozialen Stellung der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie beginnt, eine Interpretation, die in dieser Zeitschrift wiederholt ausgef\u00fchrt wurde.9 Doch darauf aufmerksam zu machen, dass die Gewerkschaftsf\u00fchrer so handeln und sie das immer tun werden, ist nur der Anfang. Es ist eine entscheidende Kritik. Aber Revolution\u00e4re m\u00fcssen dann sagen, was sie tun werden, um diese Grenze, die es in Gewerkschaften unter dem Kapitalismus gibt, zu \u00fcberwinden. Man muss fragen, warum die Gewerkschaftsf\u00fchrer nicht zum Generalstreik aufgerufen haben. Aber das reicht nicht. Es ist auch wichtig zu sagen, welche M\u00f6glichkeiten es gab und wie sich Arbeiter:innen an der Basis organisieren k\u00f6nnen, um n\u00e4chstes Mal zu gewinnen, angesichts dessen, dass sich die Gewerkschaftsf\u00fchrer nicht wesentlich anders verhalten werden.<\/p>\n<p>Der Ansatz von A2C wird von vielen anderen Linken bestritten, die denken, dass die Gewerkschaftsf\u00fchrer zwar ein Problem, aber nicht das Hauptproblem gewesen seien, und dass sie nicht wirklich kritisiert werden k\u00f6nnen, weil die gewerkschaftliche Organisierung zu schwach und die Vernetzung an der Basis zu gering sind. In der Zeitschrift der Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA) schreibt Sylvain Pyro \u00fcber die Kritik an der \u201cIntersyndicale\u201d, ein K\u00f6rper, der alle Gewerkschaftsf\u00fchrer vereinigt: Es ist illusion\u00e4r, zu glauben, dass die Intersyndicale einen Generalstreik h\u00e4tte ausrufen k\u00f6nnen. Doch wir hatten einen nie dagewesenen Moment der Unterst\u00fctzung, als alle Gewerkschaften mehrere Wochen zuvor dazu aufriefen, am 07. M\u00e4rz \u201cdas Land lahmzulegen\u201d. An diesem Punkt musste man das als Hebel nutzen, um die Situation zu \u00fcberwinden, anstatt sie anzuprangern. Die konf\u00f6deralen Gewerkschaftsf\u00fchrungen taten vor Ort nichts. Doch sogar in der Basis herrschte quer durch alle politischen Str\u00f6mungen L\u00e4hmung vor. Die Blockaden, von denen es zu wenige gab, wurden weit von den Arbeitsorten durchgef\u00fchrt und entzogen so Aktivisten ihrem eigenen Umfeld. Sie h\u00e4tten sich lieber bei Firmen organisieren sollen, anstatt bei den Zufahrten von Ringstra\u00dfen.10<\/p>\n<p>In derselben Ausgabe schreibt Elsa Collonges, ein Mitglied des Landesweiten Politischen Rats der NPA: \u201cDie Streiks waren zu schwach, um das Land wirklich lahmzulegen. Die Jugend kam zu sp\u00e4t und nicht ausreichend genug in die Bewegung. Die Selbstorganisation der Arbeiter war zu schwach, um eine Beschleunigung der Mobilisierungen in Gang zu bringen.\u201d11 Solche Theorien st\u00fctzen sich auf eine in vielen Kreisen vertretene soziologische Analyse \u00fcber den Zustand der Arbeiterklasse. Nehmen wir beispielsweise ein Interview mit dem Forscher und Autor \u00c9tienne P\u00e9nissat:<\/p>\n<p>Gewerkschaften sind in den letzten zehn Jahren schw\u00e4cher geworden. Erstens fiel die gewerkschaftliche Organisierung von 11 Prozent im Jahr 2013 auf 10 Prozent 2019. Dieser Niedergang der Gewerkschaften geht Hand in Hand mit weniger Beteiligung der Besch\u00e4ftigten an Personalratswahlen und Gewerkschaftsaktivit\u00e4ten (Treffen, Verteilung von Flugbl\u00e4ttern usw.). Die Anwesenheit von Gewerkschaftsaktivisten mit N\u00e4he zu Kollegen am Arbeitsplatz hat deshalb in den letzten Jahren abgenommen, selbst im \u00f6ffentlichen Sektor. Auch wenn sie in wenigen \u201cHochburgen\u201d wichtig bleiben, sind die F\u00e4higkeiten der Gewerkschaften, einen Streik zu organisieren, insgesamt zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>P\u00e9nissat macht diese Schw\u00e4chung der Gewerkschaften an einer wirtschaftlichen Erkl\u00e4rung fest. Entscheidende Faktoren, sagt er, beinhalten:<\/p>\n<p>Den Niedergang industrieller Besch\u00e4ftigung und gro\u00dfer Fabriken, die Atomisierung der Besch\u00e4ftigten an mehreren Standorten und in kleinen und mittleren Unternehmen, die Individualisierung der Arbeit (kontrolliert mit digitaler Technologie, wie bei Amazon), die Pr\u00e4karit\u00e4t der Arbeit (prek\u00e4re Vertr\u00e4ge, Eigenunternehmertum, \u201cUberisierung\u201d) und die Verl\u00e4ngerung von Subunternehmervertragsketten, die Arbeitskollektive destabilisieren und schw\u00e4chen. Das macht gewerkschaftliche Organisierung und den Aufbau aktiver Gewerkschaftsgruppen schwieriger. Au\u00dferdem gab es \u201ceinen sehr klaren politischen Willen unter Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande und dann unter Macron, die Gewerkschaften deutlich zu schw\u00e4chen\u201d. P\u00e9nissat kommt zu der Schlussfolgerung, dass \u201cganze Segmente des Proletariats den Gewerkschaften fernstehen\u201d. Das f\u00fchrt zu seinem Argument:<\/p>\n<p>Ich teile die These von dem \u201cVerrat durch die Gewerkschaftsf\u00fchrung\u201d nicht, weil sie tats\u00e4chlich nicht durch den Anstieg von Streiks und durch dr\u00e4ngende Forderungen von Besch\u00e4ftigten, in den Streik zu gehen, \u201cgetrieben\u201d wurde. Die Generalversammlungen der Streikenden waren relativ schwach\u2026Wir haben uns nicht von der Logik des Stellvertreterstreiks entfernt.12<\/p>\n<p>Das Gegenargument beinhaltet nicht, die hier und an vielen anderen Stellen aufgef\u00fchrten Statistiken \u00fcber die Mitgliedschaft der Gewerkschaften infragezustellen. Stattdessen besteht es darin, dass sie nicht zu diesen politischen Schlussfolgerungen f\u00fchren m\u00fcssen. Die Arbeiterklasse hat w\u00e4hrend der Zeit des Neoliberalismus in vielen L\u00e4ndern Niederlagen und R\u00fcckschl\u00e4ge erlitten. Selbst wenn der Kampf wegen der vielfachen wirtschaftlichen, politischen, sozialen und \u00f6kologischen Krisen eine neue Stufe erreicht, hat er seinen Anfang in einer kleineren Basis und mit geschw\u00e4chten Basisstrukturen genommen. W\u00e4hrend der Kampf stattfindet, besteht die schwierige Aufgabe darin, die Entwicklung der Arbeiterorganisation zu beschleunigen, durch Streikkomitees, Generalversammlungen der Arbeiter:innen, Solidarit\u00e4tsstrukturen usw. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen die Arbeiter:innen anstreben, andere Schichten der Unterdr\u00fcckten davon zu \u00fcberzeugen, dass die Streiks und Proteste um wirtschaftliche Fragen entscheidend sind f\u00fcr einen breiteren Kampf um Befreiung. Der streikende Eisenbahnarbeiter muss alles tun, um die prek\u00e4r besch\u00e4ftigte migrantische Hotelputzkraft f\u00fcr die Ansicht zu gewinnen, dass sie einen gemeinsamen Kampf f\u00fchren \u2014 einen gemeinsamen Kampf um L\u00f6hne und Renten, aber auch gegen Rassismus und Sexismus.<\/p>\n<p>Das kann nur passieren, wenn sich die Streikenden von der Enge befreien, die von der Gewerkschaftsf\u00fchrung gezielt vorangetrieben wird. Gewerkschaftsf\u00fchrer f\u00fchren ungern Kampagnen zu \u00fcbergeordneten Themen, weil sie f\u00fcrchten, dass das ihre Verhandlungsrolle erschweren w\u00fcrde. Der B\u00fcrokrat will eine Auseinandersetzung dieser Art: \u201cWir wollen 10 Prozent, aber der Arbeitgeber oder die Regierung hat 4 Prozent angeboten. Kann ich 6 Prozent haben und es einen Sieg nennen (auch wenn die Inflation bei 8 Prozent liegt)?\u201d. Wenn Linke wie diejenigen der NPA eine so gro\u00dfe Betonung auf den niedrigen Stand der gewerkschaftlichen Mitgliedschaft legen, liefern sie ein Alibi f\u00fcr die Fahnenflucht und den Verrat der Gewerkschaftsf\u00fchrer. Die objektive Realit\u00e4t ist wichtig, aber sie kann sich auch \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Vor allem sollten wir mit der sozialen Rolle der gesamten Vollzeitb\u00fcrokratie der Gewerkschaften beim Aushandeln von Kompromissen beginnen, anstatt uns auf die K\u00e4mpfe zwischen dem linken und dem rechten Fl\u00fcgel an der Spitze der Gewerkschaften zu konzentrieren. Das zu verstehen ist das entscheidende Werkzeug einer Analyse.<\/p>\n<p><strong>\u201cSpr\u00fcnge, Spr\u00fcnge, Spr\u00fcnge!\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Die f\u00fcr den Widerstand der Arbeiter ben\u00f6tigte qualitative Verschiebung wird nicht durch eine schrittweise Anh\u00e4ufung von Selbstvertrauen und Organisationskraft entstehen. Sie beinhaltet Spr\u00fcnge, bei denen Arbeiter:innen schnell von Passivit\u00e4t und Angst hin zu Aktivit\u00e4t und Vertrauen in ihre eigene Kraft \u00fcbergehen. Diese Art, die Dynamik des Widerstands so zu verstehen, wurde von dem franz\u00f6sischen Marxisten Daniel Bensa\u00efd in einem Artikel in dieser Zeitschrift vor 20 Jahren beschrieben:<\/p>\n<p>Die konvulsive Geschichte des letzten Jahrhunderts zeigt, dass wir der gespenstischen Welt der Ware nicht so leicht entfliehen k\u00f6nnen, ihren blutd\u00fcrstigen G\u00f6ttern und ihrer \u201cB\u00fcchse der Wiederholungen\u201d. Aus dieser Beobachtung r\u00fchrt notwendigerweise Lenins zeitlose Relevanz\u2026 Lenins politisches Denken ist das von der Politik als Strategie, von g\u00fcnstigen Momenten und schwachen Gliedern. Die \u201cgleichf\u00f6rmige und leere\u201d Zeit des mechanischen Fortschritts ohne Krisen oder Br\u00fcche ist eine unpolitische Zeit. Zu dieser Art der Zeitlichkeit geh\u00f6rt die von Kautsky gepflegte Idee einer \u201cpassiven Akkumulation der Kr\u00e4fte\u201d\u2026 Dieser Sozialismus \u201cau\u00dferhalb der Zeit\u201d und mit der Geschwindigkeit einer Schildkr\u00f6te l\u00f6st die Unsicherheit des politischen Kampfes zugunsten der proklamierten Gesetze der geschichtlichen Entwicklung auf. Lenin dagegen stellte sich Politik als eine Zeit voller K\u00e4mpfe vor, eine Zeit voller Krisen und Zusammenbr\u00fcche. F\u00fcr ihn dr\u00fcckt sich die Besonderheit der Politik im Konzept der revolution\u00e4ren Krise aus, die nicht die logische Fortsetzung einer \u201cgesellschaftlichen Bewegung\u201d, sondern eine allgemeine Krise der gegenseitigen Beziehungen zwischen allen Klassen der Gesellschaft ist. Sie legt die Kampflinien offen, die durch das mystische Trugbild der Ware verdeckt wurden. Nur dann, und nicht dank eines unvermeidlichen historischen Reifungsprozesses, kann sich das Proletariat ver\u00e4ndern und \u201czu dem werden, was es ist\u201d.13<\/p>\n<p>In diesem Ausschnitt passiert viel. Die wichtigste Idee ist, dass wir eine systematische Konfrontation mit den existierenden F\u00fchrungen der Arbeiterbewegung brauchen, um aus der Zwangsjacke des Kampfs innerhalb des Systems zu entkommen. Die Gewerkschaftsf\u00fchrer behinderten den Kampf um die Renten bewusst, und das in entscheidenden Momenten. Sie hielten die Aktionstage in langen zeitlichen Abst\u00e4nden ab, manchmal Tage, manchmal Wochen. Von dem \u00e4u\u00dferst erfolgreichen ersten Aktionstag, an dem zwei Millionen auf die Stra\u00dfe gingen, waren es 12 Tage bis zum n\u00e4chsten und dann 7 Tage bis zum dritten. Es lagen mehr als zwei Wochen zwischen dem Aktionstag am 13. April und dem n\u00e4chsten am 01. Mai, und dann dauerte es mehr als einen Monat bis zum letzten am 06. Juni. Das hatte nichts zu tun mit dem \u201cniedrigen Stand gewerkschaftlicher Organisierung\u201d. Es war eine Strategie, um Druck auf den Pr\u00e4sidenten und seine Parlamentarier auszu\u00fcben \u2013 eine, die nach der Pfeife des immer weniger angemessenen Zeitplans des Parlaments tanzte. Die Proteste fanden haupts\u00e4chlich an entscheidenden Tagen mit Parlamentsabstimmungen statt, sogar dann, als Millionen zu begreifen begannen, dass das Parlament nicht die Hauptarena ist und nur unter Druck von au\u00dferhalb liefern w\u00fcrde. Der Ansatz der Gewerkschaftsf\u00fchrer st\u00e4rkte den Glauben an die b\u00fcrgerliche Demokratie gerade dann, als sich Leute von ihr losbrachen (zumindest von derjenigen Spielart, die in der Franz\u00f6sischen F\u00fcnften Republik festgeschrieben ist).<\/p>\n<p>Viele Analyst:innen pochen darauf, dass die Streikaktionen nicht an den Sieg der Gewerkschaften \u00fcber die Regierung 1995 herankamen. Doch sie waren nicht nichts. Zu ihnen geh\u00f6rte eine Arbeitsniederlegung von 70 Prozent der Schullehrer:innen, zwischen 70 und 100 Prozent der Raffineriearbeiter:innen, 46 Prozent der SNCF-Eisenbahnarbeiter:innen und fast die H\u00e4lfte der EDF Elektrizit\u00e4tsarbeiter:innen am 19. Januar. Die Tr\u00e4gheit, nach mehr Aktionen zu rufen, f\u00fchrte nicht zu einer \u201causruhen und dann wieder weiter\u201d-Einstellung. Stattdessen signalisierte sie manchen, dass die Gewerkschaften es nicht so ernst meinten. Etwa 3,5 Millionen nahmen an Demonstrationen teil, als die Gewerkschaftsf\u00fchrer f\u00fcr den 07. M\u00e4rz einen Aufruf herausbrachten, \u201cFrankreich lahmzulegen\u201d. Doch das war eine einmalige Aktion und kein Strategiewechsel. Die Gewerkschaftsf\u00fchrer wollen auf den k\u00e4mpferischen Momenten der Basis aufbauen. Die Anzahl der \u201cwiederaufnehmbaren Streiks\u201d (gr\u00e8ves reconductibles) war gering, aber in manchen Sektoren gab es sie: in Teilen des Eisenbahngewerbes, in Energiekonzernen wie EDF, Enedis und Engie, unter manchen Hafenarbeitern und Raffinerie-Arbeitern bei Total und unter Abfallarbeitern in Paris, Le Havre und Rouen.14 Diese Aktionen blieben jedoch weitgehend isoliert und wurden nur von Basisinitiativen am Leben gehalten, anstatt dass die Gewerkschaften selbst ihre Unterst\u00fctzung und Solidarit\u00e4t auf sie konzentrierten und sie sich zum Vorbild nahmen.<\/p>\n<p>Gewerkschaftsf\u00fchrer lieben b\u00fcrokratische Einstimmigkeit, Kompromisse mit ihren Gegen\u00fcbern in anderen Gewerkschaften und die Einwilligung, dass nach dem Tempo der Langsamsten marschiert wird. Zu Beginn des Streiks war die Einheit zwischen den acht Gewerkschaftsverb\u00e4nden des Landes positiv. Jeder dr\u00e4ngte auf Aktionen, selbst die rechtesten Gewerkschaftsf\u00fchrer. Doch sp\u00e4ter wurde diese Einheit zur Fessel. Die F\u00fchrer der CFDT, des gr\u00f6\u00dften Verbandes, suchte immer nach einem schnellen Abkommen. Wenn sich das als unm\u00f6glich herausstellte, dann nach einer M\u00f6glichkeit des R\u00fcckzugs. Schon am 06. April sagte der Vorsitzende der CFDT, Laurent Berger: \u201cEs steht au\u00dfer Frage, die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Verfassungsgerichts anzuzweifeln\u201d.15 Zu diesem Zeitpunkt war gerade diese h\u00f6chste juristische Instanz des Landes dabei, Macrons Angriffe zu bewilligen. Zu diesem Zeitpunkt h\u00e4tten die erkl\u00e4rterma\u00dfen weiter linksstehenden Gewerkschaftsf\u00fchrer offen mit der CFDT brechen m\u00fcssen. Stattdessen machten sie unterw\u00fcrfig mit. Die Gewerkschaftsf\u00fchrer taten nichts, um den Zeitraum zu nutzen, in dem sich Arbeiter:innen von den \u00fcblichen Mitteln des Kampfs lossagten. Sie waren peinlich ber\u00fchrt, als die Arbeiter:innen im Energiesektor den Bossen und den Parlamentariern gesetzeswidrig den Strom abschnitten. Als beispielsweise die Arbeiter:innen der Fos-sur-Mer-Raffinierie in S\u00fcdfrankreich am 23. M\u00e4rz die Bereitschaftspolizei abwehrten, waren sie nicht da.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaftsf\u00fchrungen schafften es auch nicht, sich auf Erfolge zu konzentrieren, beispielsweise als die CGT-Vertretung von Total Normandie Gewerkschafter:innen in der Hafenstadt Le Havre zu einer Kundgebung vor der Raffinerie aufrief. \u00dcber 300 Streikende aus allen regionalen Wirtschaftssektoren \u2013 Hafenarbeiter:innen, Eisenbahnarbeiter:innen, Arbeiter:innen der \u00d6lindustrie bei Chevron und andere \u2013 sowie Studierende nahmen teil. Sie standen die ganze Nacht vor dem Geb\u00e4ude, um jede Wiederaufnahme der Arbeit und Angriffe der Polizei auf die Streikposten zu verhindern. Auf \u00e4hnlicher Weise besetzten Aktivist:innen Kreisverkehre und Stra\u00dfenkreuzungen, um Gebiete in St\u00e4dten wie Lille, Lyon, Chamb\u00e9ry, Lorient und Toulouse von allem Verkehr abzuschneiden, doch diese Aktionen fanden nicht weiter Verbreitung.<\/p>\n<p>Die Basisnetzwerke machten gro\u00dfe Anstrengungen, aber sie waren zu klein, um sich \u00fcber die Gewerkschaftsf\u00fchrungen hinwegzusetzen. Es ist schwer, in wenigen Wochen des Kampfs eine ausreichend starke Organisierung zu schaffen. Die Grundlagen m\u00fcssen im Vorfeld st\u00e4rker geschaffen werden.<\/p>\n<p><strong>Auf der Suche nach Erkl\u00e4rungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Hintergrund der Argumente auf beiden Seiten wird von der linken Akademikerin Sophie B\u00e9roud gut beobachtet, die von einer \u201cgigantischen Volksbewegung\u201d schreibt, aber auch das beschreibt, was man als einschr\u00e4nkende Faktoren betrachtet, vor allem die \u201cstrukturelle Schw\u00e4chung der gewerkschaftlichen Vertretung in den letzten 15 Jahren\u201d. B\u00e9roud hebt besonders die kreativen und inspirierenden Methoden der Arbeiter:innen im Energiesektor hervor. Sie schreibt:<\/p>\n<p>Besonders aktiv waren die vom Ende der Sonderrentenpl\u00e4ne direkt betroffenen Elektrizit\u00e4ts- und Gasarbeiter:innen, die eine weitgehende Senkung der t\u00e4glichen Stromerzeugung organisierten und von denen manche 12 Wochen lang streikten. Sie schnitten auch gezielt St\u00e4dte von der Stromversorgung ab, in denen Regierungsmitglieder oder Parlamentarier der Mehrheit B\u00fcrgermeister sind oder denen Macron w\u00e4hrend seiner Reisen einen Besuch abstattete. Sie stellten Krankenh\u00e4user, kleine Gesch\u00e4fte und Arbeiterviertel auf verg\u00fcnstigte oder kostenlose Vertr\u00e4ge um. Elektriker:innen und Arbeiter:innen von Gaskonzernen f\u00fchrten so die \u201cRobin-Hood\u201d-Aktionen fort, mit denen schon 2004 das erste Mal begonnen wurde und die 2022 zugenommen hatten.16<\/p>\n<p>R\u00e9volution Permanente, eine trotzkistische Gruppe, die sich von der NPA abgespalten hatte, erarbeitete eine gute Kritik an der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie w\u00e4hrend der Streiks und unternahm einige mutige Schritte. Aber ihr fehlt eine vollst\u00e4ndige Untersuchung der Gr\u00fcnde f\u00fcr den Verrat durch die Gewerkschaften. Manche der Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind klar, wenn wir den Ansatz ihrer Unterst\u00fctzer in den USA betrachten, die sich um die Zeitschrift Left Voice gruppieren. Diese Ver\u00f6ffentlichung begann k\u00fcrzlich eine Debatte \u00fcber die Existenz einer \u201cArbeiteraristokratie\u201d in den USA. Das Argument, das auf manchen von Lenin verwendeten Formulierungen beruht, besteht darin, dass diese Arbeiterschicht durch die Profite des Imperialismus gem\u00e4stet wird und daher eine reaktion\u00e4re Rolle in der Arbeiterbewegung spielt. Anschlie\u00dfend wird angenommen, dass dies die soziale Basis f\u00fcr die Gewerkschaftsf\u00fchrung darstellt, die diese d\u00fcnne Arbeiterschicht widerspiegelt, welche mutma\u00dflich ein Interesse am Imperialismus hat (und sich dar\u00fcber bewusst ist, dass sie solch ein Interesse hat). Nach dieser Analyse ist nicht die soziale Rolle der B\u00fcrokratie entscheidend, sondern ihre vermutete soziale Basis. Jason Koslowski erkl\u00e4rte diese Gedanken in Left Voice im August letzten Jahres:<\/p>\n<p>Wir sollten die Arbeiteraristokratie als die h\u00f6here Schicht der US-amerikanischen Arbeiterklasse betrachten, deren Lebensbedingungen im weitesten Sinne am meisten von dem imperialistischen Wohlfahrtsstaat abh\u00e4ngen. Allgemein k\u00f6nnen wir sagen, dass die Aristokratie die Schicht der gutbezahlten Arbeiter:innen ist (vielleicht k\u00f6nnen wir eine Grenze von 60.000 Dollar pro Jahr annehmen?), die wesentliche Verg\u00fcnstigungen wie eine Krankenversicherung, Lebensversicherung, Renten, bezahlten Urlaub usw. bezieht. Dar\u00fcber hinaus haben solche h\u00f6heren Arbeiterschichten Zugang zu \u201ckulturellen Einrichtungen\u201d und \u201cBildungseinrichtungen\u201d, wie Lenin sie nannte (beispielsweise Colleges und Universit\u00e4ten, und im Anschluss vielleicht die Aufnahme ihrer Kinder in die Mittelklasseberufe), die oft durch den Staat finanziert werden \u2013 um nicht die Gewerkschaften zu erw\u00e4hnen, die oft durch imperialistischen Raubzug finanziert werden.17<\/p>\n<p>Koslowski sucht dann nach einem Beispiel f\u00fcr diese erkauften Teile der Arbeiterklasse. Seine Wahl ist sehr merkw\u00fcrdig: Gewerkschaftlich organisierte Autoarbeiter. Zu seinem Ungl\u00fcck wurde der Artikel nur ein paar Wochen ver\u00f6ffentlicht, bevor 150.000 dieser gewerkschaftlich organisierten Autoarbeiter das erste Mal seit der Gr\u00fcndung der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) vor 88 Jahren einen Kampf gegen die \u201cBig Three\u201d (General Motors, Ford und Stellantis) begannen. Viele Streikende verdienten weniger als 60.000 Dollar pro Jahr. Doch es stimmt schlicht nicht, dass diejenigen mit einem niedrigeren Einkommen gek\u00e4mpft hatten und diejenigen mit einem h\u00f6heren nicht. Nachdem die Gewerkschaftsf\u00fchrer der UAW einen Sieg verk\u00fcndet hatten, vermeldete Left Voice tats\u00e4chlich: \u201cDer Streik der UAW war nicht nur ein Sieg f\u00fcr die Autoarbeiter. Er war ein Sieg f\u00fcr die gesamte Arbeiterklasse.\u201d Ein Kampf, in dem laut ihrer eigenen Analyse die Arbeiteraristokratie ma\u00dfgeblich beteiligt war, gab in Wirklichkeit allen Auftrieb. Diese Art der Analyse von Left Voice und ihrer Unterst\u00fctzer und in der Tat die Theorie der Arbeiteraristokratie selbst sind ein \u00e4u\u00dferst schwacher Ratgeber, wenn es um das Verhalten der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie geht.18<\/p>\n<p>Die Antwort auf die st\u00e4dtischen Unruhen nach der Ermordung von Nahel M zeigte auch das Versagen der Gewerkschaften und der Sozialdemokraten. Die bekannteste Pers\u00f6nlichkeit der franz\u00f6sischen Linken, Jean-Luc M\u00e9lenchon, bezeichnete die Polizei als \u201cunkontrolliert\u201d. Das war kaum eine ungez\u00fcgelte Beschreibung nach Monaten t\u00e4tlicher Angriffe auf Rentendemonstrant:innen und den darauffolgenden Versuch der Polizei, die Hinrichtung eines Jugendlichen zu vertuschen. Doch selbst diese Sprache war zu viel f\u00fcr den Vorsitzenden der Sozialistischen Partei (PS; Parti Socialiste), Olivier Faure, der seine \u201ctiefgehenden Meinungsverschiedenheiten\u201d mit M\u00e9lenchon zum Ausdruck brachte. In Lyon sagte Faure: \u201cWir fordern zu Recht Ruhe und eine R\u00fcckkehr zum Zivilfrieden. Wir d\u00fcrfen nicht den Eindruck erwecken, dass wir Gewalt hinnehmen und unterst\u00fctzen.\u201d Die PS ist zusammen mit den Gr\u00fcnen (Les \u00c9cologistes) und der Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei Teil der Wahlallianz NUPES (\u201cNeue \u00f6kologische und soziale Volksunion\u201d) von M\u00e9lenchon. Teile der PS sind gegen diesen Zusammenschluss, obwohl er der Partei, die in den letzten Jahren massiv an Unterst\u00fctzung verlor, das Leben rettet. Diese Stimmen in der PS nutzten M\u00e9lenchons Reaktion auf die Riots als einen weiteren Grund, um zu versuchen, diese Verbindung zu kappen. Auch Fabien Roussel, der Vorsitzende der Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei, griff die Randalierer mehrmals auf schreckliche Weise an. Schon fr\u00fch erkl\u00e4rte er seine \u201cuneingeschr\u00e4nkte Verurteilung der Gewalt, die diese Nacht stattfand\u201d. Er meinte nicht die Polizei. Er f\u00fcgte hinzu: \u201cWenn man links ist, dann verteidigt man die \u00f6ffentlichen Dienstleistungen, nicht ihre Pl\u00fcnderung\u201d. Roussel machte immer wieder Zugest\u00e4ndnisse an Rassismus. Unter anderem kritisierte er die franz\u00f6sischen Grenzen als \u201cSiebe\u201d, die zu viele Menschen hereinlie\u00dfen. Ebenso erb\u00e4rmlich reagierte Lutte Ouvri\u00e8re, eine Gruppe aus der trotzkistischen Tradition. Ihre wichtigste Stellungnahme erkannte die Armut und den Rassismus, mit denen junge schwarze und arabische Menschen konfrontiert sind. Doch sie f\u00e4hrt fort:<\/p>\n<p>Es gibt junge Menschen, Kinder, die mit Wut in ihren Herzen leben. Das bringt einen kleinen Teil von ihnen dazu, nichts zu respektieren. Es war diese Wut, die sich mit Nahels Tod in blinder Gewalt entlud. Das zerst\u00f6rerische W\u00fcten, das manche Viertel trifft, f\u00fchrt zu Best\u00fcrzung, Entsetzen und sogar Wut, und das aus gutem Grund! Es sind nicht die Bourgeois, die ihr Auto, ihr Nobelrestaurant und ihren Tennis- oder Golfplatz in Rauch aufgehen sehen. Es sind die Frauen und M\u00e4nner der Arbeiterklasse, die sich mittellos finden, ohne ein soziales Zentrum, ohne Laden, in dem sie einkaufen k\u00f6nnen, ohne Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu gelangen. Weiter wurden in der Erkl\u00e4rung \u201ckleine Verbrecher und Schieber\u201d angeprangert, \u201cdie kaum ein Problem damit haben, das Leben der Einwohner zu gef\u00e4hrden\u201d.19<\/p>\n<p>Dem folgt Regierungssprecher Olivier V\u00e9ran, der sagte, dass \u201ces hier keine politische Botschaft gibt. Wenn man ein Gesch\u00e4ft von Foot Locker, Lacoste oder Sephora pl\u00fcndert, gibt es keine politische Botschaft. Es ist Pl\u00fcnderung.\u201d Tats\u00e4chlich waren die Riots politisch \u2014 und Pl\u00fcndern ist politisch. Die Riots richteten sich vor allem gegen den Staat und seine repressiven Schl\u00e4gertrupps. Es w\u00e4re gro\u00dfartig, wenn eine soziale Explosion nur die Reichen und ihre Luxusbauten treffen w\u00fcrde. Aber das war nie die Realit\u00e4t. Selbst ein Streik tut das nicht. Eine Arbeitsniederlegung von Krankenpfleger:innen trifft nicht nur Million\u00e4re. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen diese auf ihre private Gesundheitsversorgung z\u00e4hlen. Es kann Leid und Strapazen f\u00fcr Arbeiter:innen bedeuten. Und doch ist es vollkommen richtig, wenn Arbeiter:innen im britischen Gesundheitssektor f\u00fcr bessere L\u00f6hne und die Verteidigung des National Health Service streiken.<\/p>\n<p>Dieselbe Kluft zwischen Teilen der Linken und den K\u00e4mpfen der Unterdr\u00fcckten wurde sichtbar, als die Regierung im August Sch\u00fclerinnen das Tragen der Abaya verbot, ein wallendes Kleid, das von manchen Musliminnen getragen wird. Sophie Binet, die sozialdemokratische B\u00fcrokratin, die Vorsitzende der CGT wurde, hielt es f\u00fcr sehr interessant und n\u00fctzlich, ihre Meinung dazu zu sagen. Frustration, eine linke Online-Publikation, berichtet von ihrem Beitrag zur Debatte:<\/p>\n<p>\u201cDa es ein religi\u00f6ses Symbol ist, muss es nat\u00fcrlich verboten werden.\u201d Ja, nur, dass es allein von Rassisten als religi\u00f6ses Symbol verstanden wird. Wenn sie dar\u00fcber bestimmen, was religi\u00f6s ist und was nicht, sind wir erledigt.<\/p>\n<p>Dann kam Roussel der\u2026sagt, er wolle die \u201cSieb\u201dgrenzen schlie\u00dfen, und in den Medien Positionen vertritt, die sich fast planm\u00e4\u00dfig auf Linie mit den Parolen der extremen Rechten und seines Freundes G\u00e9rald Darmanin befinden. \u201cIch unterst\u00fctze diese Entscheidung. Schulleiter brauchten klare Anweisungen\u201d, verlautbarte er bei Sud Radio.20<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz ist es wichtig, mit der Hoffnung und den M\u00f6glichkeiten zu schlie\u00dfen, die sich mit den K\u00e4mpfen in Frankreich auftun. Der Rentenkampf brachte eine Reihe von Aktivist:innen hervor, die viel radikaler sind als die an der Spitze der Gewerkschaften und der \u201clinken\u201d Parteien. Sie bewirkten eine bessere Reaktion der Gewerkschaften als bei fr\u00fcheren, \u00e4hnlichen Ereignissen. Sie halfen dabei, die Demonstrationen gegen Polizeigewalt und f\u00fcr B\u00fcrgerrechte am 23. September aufzubauen, an denen 80.000 Menschen in ganz Frankreich teilnahmen, auch wenn sich nicht die F\u00fchrer der PS und der Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei unter ihnen befanden.<\/p>\n<p>Die hier dargelegte Gesamtstudie ist wichtig, um solche K\u00e4mpfe voranzutreiben. Sie unterstreicht, dass Revolution\u00e4r:innen st\u00e4ndig nach Wegen suchen m\u00fcssen, solche K\u00e4mpfe zu unterst\u00fctzen und Basisnetzwerke aufbauen m\u00fcssen. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sie diejenigen, die um eine Sache k\u00e4mpfen, mit denjenigen zusammenbringen, die um eine andere k\u00e4mpfen. Die Rentendemonstranten hatten das \u201cUngl\u00fcck, dass ihr Widerstand nicht mit den Riots wenige Wochen sp\u00e4ter zusammenfiel. Doch die Gewerkschaftsf\u00fchrer h\u00e4tten die Streiks Seite an Seite mit den Riots wieder ins Leben rufen k\u00f6nnen \u2013 und das h\u00e4tte Macron wahrscheinlich gebrochen. Sie weigerten sich. Wenn die K\u00e4mpfe zunehmen und effektiver werden, wird das nicht nur die wirtschaftliche Lage der Arbeiter:innen beeinflussen. Es wird auch starke Auswirkungen darauf haben, ob die von Marine Le Pen und Jordan Bardella gef\u00fchrte faschistische Rassemblement National (\u201cNationale Sammlung\u201d, fr\u00fcher bekannt unter dem Namen Front National) weiter von dem Aufruhr in der franz\u00f6sischen Gesellschaft profitieren kann.<\/p>\n<p>Charlie Kimber ist der Herausgeber von Socialist Worker und Mitautor von The Labour Party: A Marxist History (Bookmarks, 2019).<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>1 Diese Analyse sollte zusammen mit dem Artikel von Denis Godard in einer fr\u00fcheren Ausgabe der Zeitschrift gelesen werden \u2013 siehe Godard, 2023. Dank an alle Genoss:innen in Frankreich innerhalb der Internationalen Sozialistischen Tendenz und anderer Organisationen sowie Personen, die mir geholfen haben, \u00fcber Frankreich zu schreiben, auch wenn manche von ihnen mit diesem Artikel nicht einer Meinung sein werden.<\/p>\n<p>2 Frustration, 2023. Und ja, ich wei\u00df, dass die meisten englischen Sportfans lieber Lager trinken.<\/p>\n<p>3 Bourgeois, 2023. Die Gelbwestenbewegung, die 2018 entstand, war eine Protestwelle vorwiegend der Arbeiterklasse, die durch von Macron vorgeschlagene Steuer\u00e4nderungen ausgel\u00f6st wurde. F\u00fcr einen detaillierteren Bericht siehe Bouharoun, 2019. 1962 erreichte Algerien nach einem langen antikolonialen Kampf seine Unabh\u00e4ngigkeit von Frankreich.<\/p>\n<p>4 Der volle Name des Opfers war Nahel Merzouk, doch die Beh\u00f6rden nannten ihn nur Nahel M. Gro\u00dfe Teile der Linken und der antirassistischen Bewegung verwenden diese abgek\u00fcrzte Form auch heute noch, um zu betonen, wie mir eine j\u00fcngere Person algerischer Abstammung in Lyon sagte, dass \u201cer jeder von uns h\u00e4tte sein k\u00f6nnen\u201d.<\/p>\n<p>5 Die Aktivit\u00e4ten von Les Soul\u00e8vements de la Terre werden in Godard, 2023, diskutiert.<\/p>\n<p>6 Zu diesem Punkt siehe z.B. Choonara, 2020.<\/p>\n<p>7 Binet, 2023.<\/p>\n<p>8 Autonomie de Classe, 2023.<\/p>\n<p>9 Siehe z.B. Choonara, 2023.<\/p>\n<p>10 Pyro, 2023. Die Intersyndicale (\u201cIntergewerkschaft\u201d) brachte die Gewerkschaftsf\u00fchrungen zusammen \u2013 von den k\u00e4mpferischsten hin zu den gem\u00e4\u00dfigsten.<\/p>\n<p>11 Collonges, 2023.<\/p>\n<p>12 P\u00e9nissat, 2023. \u201cStellvertreterstreik\u201d bezieht sich auf die Taktik, Streikaktionen nur in \u201cstrategischen\u201d Sektoren wie der Logistik und der Stromerzeugung zu unterst\u00fctzen, wobei man es so betrachtet, dass diese Arbeiter:innen f\u00fcr die gesamte Arbeiterklasse streiken. Er wird oft der Idee der \u201cMassifizierung\u201d, also einen so gro\u00dfen Teil der Arbeiterklasse in Streikaktionen miteinzubeziehen, gegen\u00fcbergestellt. Diskussionen \u00fcber stellvertreterisches Streiken werden manchmal mit der Theorie verbunden, dass die meisten Arbeiter:innen heute \u201cBullshitjobs\u201d aus\u00fcben, die f\u00fcr das Funktionieren des Systems nicht zentral sind, was ihre Streiks demnach ineffektiv macht.<\/p>\n<p>13 Bensa\u00efd, 2002.<\/p>\n<p>14 Bei einem wiederaufnehmbaren Streik treffen sich Streikende jeden Tag, um dar\u00fcber zu entscheiden, ob sie den Streik fortsetzen.<\/p>\n<p>15 Siehe <a href=\"https:\/\/x.com\/BFMTV\/status\/1643933947322089472\">https:\/\/x.com\/BFMTV\/status\/1643933947322089472<\/a>.<\/p>\n<p>16 B\u00e9roud, 2023.<\/p>\n<p>17 Koslowski, 2023. Ein Lohn von 60.000 Dollar entspricht etwa 56.000 Euro.<\/p>\n<p>18 Zu den Problemen der Theorie von der Arbeiteraristokratie im Allgemeinen siehe unter anderem Cliff 1957, Corr und Brown 1993 und Post 2006.<\/p>\n<p>19 Lutte Ouvri\u00e8re, 2023.<\/p>\n<p>20 Grams, 2023. Darmanin ist Macrons reaktion\u00e4rer Innenminister, der eine zentrale Rolle beim Verbot propal\u00e4stinensischer Demonstrationen, neuen Gesetzen gegen Migrant:innen und Restriktionen gegen die Abaya spielte.<\/p>\n<p><strong>Quellenverweise<\/strong><\/p>\n<p>Autonomie de Classe, 2023, \u201cQuestions et hypoth\u00e8ses \u00e0 partir du mouvement\u201d (22 May), <a href=\"http:\/\/www.autonomiedeclasse.org\/crise-politique\/questions-et-hypotheses-a-partir-du-mouvement\">www.autonomiedeclasse.org\/crise-politique\/questions-et-hypotheses-a-partir-du-mouvement<\/a><\/p>\n<p>Bensa\u00efd, Daniel, 2002, \u201c\u2018Leaps, Leaps, Leaps\u2019: Lenin and Politics\u201d, International Socialism 95<\/p>\n<p>(Sommer), <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/archive\/bensaid\/2002\/07\/leaps.htm\">www.marxists.org\/archive\/bensaid\/2002\/07\/leaps.htm<\/a><\/p>\n<p>B\u00e9roud, Sophie, 2023, \u201cThe 2023 Mobilisation Against Pension Reform in France: Some Elements of Analysis\u201d, Notebooks: The Journal for Studies on Power, Band 3.<\/p>\n<p>Binet, Sophie, 2023, \u201cPatronat et gouvernement vont devoir compter avec des syndicats beaucoup plus combatifs\u201d, Alternatives \u00e9conomiques (10. Juni), <a href=\"http:\/\/www.alternatives-economiques.fr\/sophie-%20binet-patronat-gouvernement-devoir-compter-syndic\/00107225\">www.alternatives-economiques.fr\/sophie- binet-patronat-gouvernement-devoir-compter-syndic\/00107225<\/a><\/p>\n<p>Bouharoun, Jad, 2019, \u201cThe French Quagmire\u201d, International Socialism 162 (Fr\u00fchling), <a href=\"https:\/\/isj.org.uk\/the-french-quagmire\">https:\/\/isj.org.uk\/the-french-quagmire<\/a><\/p>\n<p>Bourgeois, Marie-Pierre, 2023, \u201cPour l\u2019historien Pierre Rosanvallon. La France traverse \u2018la crise d\u00e9mocratique la plus grave\u2019 depuis \u2018la fin du conflit Alg\u00e9rien\u2019\u201d, BMFTV (18. April), <a href=\"http:\/\/www.bfmtv.com\/politique\/pour-l-historien-pierre-rosanvallon-la-france-traverse-la-crise\">www.bfmtv.com\/politique\/pour-l-historien-pierre-rosanvallon-la-france-traverse-la-crise<\/a>&#8211; democratique-la-plus-grave-depuis-la-fin-du-conflit-algerien_AN-202304180415.html<\/p>\n<p>Choonara, Esme, 2020, \u201cRacism: Individual, Institutional and Structural\u201d, International Socialism 168 (Herbst), <a href=\"https:\/\/isj.org.uk\/racism-institutional-structural\">https:\/\/isj.org.uk\/racism-institutional-structural<\/a><\/p>\n<p>Choonara, Joseph, 2023, \u201cThe British Labour Movement\u2019s Halting Recovery\u201d, International Socialism 178 (Fr\u00fchling), <a href=\"https:\/\/isj.org.uk\/halting-recovery\">https:\/\/isj.org.uk\/halting-recovery<\/a><\/p>\n<p>Cliff, Tony, 1957, \u201cDie wirtschaftlichen Wurzeln des Reformismus\u201d, Socialist Review, Band 6, Nr. 9 (Juni), <a href=\"http:\/\/www.marxists.de\/theory\/cliff\/wurzref.htm\">http:\/\/www.marxists.de\/theory\/cliff\/wurzref.htm<\/a>.<\/p>\n<p>Collonges, Elsa, 2023, \u201cPas de justice sociale, pas de paix!\u201d, L\u2019Anticapitaliste 146 (Mai), <a href=\"https:\/\/lanticapitaliste.org\/actualite\/politique\/pas-de-justice-sociale-pas-de-paix\">https:\/\/lanticapitaliste.org\/actualite\/politique\/pas-de-justice-sociale-pas-de-paix<\/a><\/p>\n<p>Corr, Kevin und Andy Brown, 1993, \u201cThe Labour Aristocracy and the Roots of Reformism\u201d,<\/p>\n<p>International Socialism 59 (Sommer).<\/p>\n<p>Frustration, 2023, \u201cLutte des classes: retour sur la saison 2023\u201d (24. September), <a href=\"http:\/\/www.frustrationmagazine.fr\/luttes-des-classes-2023\">www.frustrationmagazine.fr\/luttes-des-classes-2023<\/a><\/p>\n<p>Grams, Robert, 2023, \u201cInterdiction de l\u2019abaya: \u00e9ni\u00e8me d\u00e9monstration du \u2018d\u00e9j\u00e0-l\u00e0 fasciste\u2019\u201d, Frustration (30 August), <a href=\"http:\/\/www.frustrationmagazine.fr\/abaya\">www.frustrationmagazine.fr\/abaya<\/a><\/p>\n<p>Godard, Denis, 2023, \u201cWorkers Shake Macron: Snapshots from the Struggle in France\u201d,<\/p>\n<p>International Socialism 179 (Sommer), <a href=\"https:\/\/isj.org.uk\/workers-shake-macron\">https:\/\/isj.org.uk\/workers-shake-macron<\/a><\/p>\n<p>Koslowski, Jason, 2023, \u201cA Labor Aristocracy Exists, and It\u2019s Evolving: A Reply to Charlie Post\u201d, Left Voice (5. August), <a href=\"http:\/\/www.leftvoice.org\/a-labor-aristocracy-exists-and-its-evolving-a-reply-to\">www.leftvoice.org\/a-labor-aristocracy-exists-and-its-evolving-a-reply-to<\/a>&#8211; charlie-post<\/p>\n<p>Lutte Ouvri\u00e8re, 2023, \u201cL\u2019espoir n\u2019est ni dans la r\u00e9signation, ni dans la violence destructrice\u201d (3. Jul1), <a href=\"http:\/\/www.lutte-ouvriere.org\/editoriaux\/lespoir-nest-ni-dans-la-resignation-ni-dans-la-violence\">www.lutte-ouvriere.org\/editoriaux\/lespoir-nest-ni-dans-la-resignation-ni-dans-la-violence<\/a>&#8211;<\/p>\n<p>destructrice-725315.html<\/p>\n<p>P\u00e9nissat, \u00c9tienne, 2023, \u201cFrance. La dynamique des gr\u00e8ves et la faiblesse de l\u2019infrastructure militante\u201d, A L\u2019encontre (1. Mai), <a href=\"http:\/\/alencontre.org\/europe\/france\/france-la-dynamique-des\">http:\/\/alencontre.org\/europe\/france\/france-la-dynamique-des<\/a>&#8211; greves-et-la-faiblesse-de-linfrastructure-militante.html<\/p>\n<p>Post, Charles, 2006, \u201cThe Myth of the Labor Aristocracy\u201d, Against the Current 123 (Juli\/August), <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/history\/etol\/newspape\/atc\/128.html\">www.marxists.org\/history\/etol\/newspape\/atc\/128.html<\/a><\/p>\n<p>Pyro, Sylvain, 2023, \u201cSur le d\u00e9veloppement des luttes des classes en France\u201d, L\u2019Anticapitaliste 146 (Mai), <a href=\"https:\/\/lanticapitaliste.org\/actualite\/politique\/sur-le-developpement-des-luttes-des-classes-en\">https:\/\/lanticapitaliste.org\/actualite\/politique\/sur-le-developpement-des-luttes-des-classes-en<\/a>&#8211; france<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/linkswende.org\/die-franzoesische-sackgasse\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 29. Februar 2024 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charlie Kimber. In Frankreich tobt seit der Pr\u00e4sidentschaft von Macron der Klassenkampf. Mittlerweile mussten vier Premierminister zur\u00fccktreten, doch Macron selbst h\u00e4lt sich noch als Pr\u00e4sident. Mit der Streikbewegung gegen die Rentenreform und der Ermordung von &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14251,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[8,25,10,61,26,45,76,22,42,17],"class_list":["post-14250","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-altersvorsorge","tag-arbeiterbewegung","tag-breite-parteien","tag-frankreich","tag-gewerkschaften","tag-neoliberalismus","tag-neue-rechte","tag-politische-oekonomie","tag-sozialdemokratie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14250","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14250"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14250\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14252,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14250\/revisions\/14252"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}