{"id":14337,"date":"2024-03-25T10:32:47","date_gmt":"2024-03-25T08:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14337"},"modified":"2024-03-25T10:32:48","modified_gmt":"2024-03-25T08:32:48","slug":"terroranschlag-in-moskau-mehr-als-130-tote-und-150-verletzte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14337","title":{"rendered":"<strong>Terroranschlag in Moskau: Mehr als 130 Tote und 150 Verletzte<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Clara Weiss. <\/em>Am Freitagabend wurden bei einem Terroranschlag in der beliebten Moskauer Konzerthalle Crocus City Hall mindestens 137 Menschen get\u00f6tet und \u00fcber 180 verletzt, darunter auch mehrere Kinder. Laut den russischen Beh\u00f6rden k\u00f6nnte die Zahl der Toten durchaus noch steigen. Es handelt sich damit um den schwersten Terroranschlag in Russland seit zwei Jahrzehnten. Die<!--more--> afghanische islamistische Fundamentalistengruppe Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Anschlag bekannt.<\/p>\n<p>Kurz vor Beginn eines Konzerts der popul\u00e4ren Rockband \u201ePiknik\u201c begann eine Gruppe von mindestens vier Bewaffneten um 20 Uhr Ortszeit in die fast 6.000-k\u00f6pfige Menschenmenge zu schie\u00dfen. In den sozialen Netzwerken fanden Videoaufnahmen des Anschlags gro\u00dfe Verbreitung. \u00dcberlebende beschrieben gegen\u00fcber den Medien grauenhafte Szenen. Eine Frau namens Ewa erkl\u00e4rte gegen\u00fcber <em>Gazeta.Ru<\/em>: \u201eWir sahen zuerst etwas, das wie ein Feuerwerk aussah, dann h\u00f6rten wir Sch\u00fcsse, und die Leute riefen, wir sollen rennen. Nat\u00fcrlich waren sie in Panik. Die Leute im Crocus bauten Barrikaden und versuchten Fenster einzuschlagen.\u201c<\/p>\n<p>Der russische Geheimdienst FSB und die Nationalgarde st\u00fcrmten das Geb\u00e4ude. Doch laut Berichten dauerte die Rettungsaktion weit \u00fcber eine Stunde. Russischen Medienberichten zufolge halfen Autofahrer, die an dem Geb\u00e4ude vorbeikamen, bei der Evakuierung des Anschlagsorts.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum Maschinengewehrfeuer explodierten auch mehrere Sprengs\u00e4tze, die die Konzerthalle in Brand setzten und zum Einsturz des Dachs f\u00fchrten. Erste russische Medienberichte gingen davon aus, dass sich das Feuer auf eine Fl\u00e4che von fast 13.000 Quadratmetern ausbreiten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bis zum Samstagmorgen dauerten die L\u00f6scharbeiten noch an und die russischen Beh\u00f6rden suchten weiter nach den T\u00e4tern. An den U-Bahnstationen in der Hauptstadt und den Flugh\u00e4fen im Raum Moskau wurden erh\u00f6hte Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Alle f\u00fcr das Wochenende geplanten \u00f6ffentlichen Gro\u00dfveranstaltungen in der Hauptstadt wurden abgesagt. Pr\u00e4sident Wladimir Putin hatte sich zun\u00e4chst nicht \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Vier Angreifer seien festgenommen worden, als \u201esie sich in Richtung Ukraine bewegten\u201c, sagte Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin sp\u00e4ter in einer TV-Ansprache.<\/p>\n<p>Der Terroranschlag ereignete sich, w\u00e4hrend die Spannungen zwischen der Nato und Russland, die sich in der Ukraine einen Stellvertreterkrieg liefern, einen neuen H\u00f6hepunkt erreichen. Nur wenige Tage vor dem Anschlag wurde Wladimir Putin als Sieger der Pr\u00e4sidentschaftswahlen vom vorherigen Wochenende best\u00e4tigt. Vor den Wahlen hatte der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron angek\u00fcndigt, die Nato erw\u00e4ge angesichts der schweren Krise, in der sich die von der Nato unterst\u00fctzte ukrainische Armee befindet, die Stationierung von Truppen in der Ukraine. In den Tagen vor den Wahlen wurden bei einer Serie von Raketenangriffen in der Grenzregion Belgorod mindestens f\u00fcnf Zivilisten get\u00f6tet und Schulen und Einkaufszentren mussten geschlossen werden. W\u00e4hrend der Wahlen waren russische Neonazi-Milizen mit Unterst\u00fctzung der Ukraine und der Nato auf russisches Territorium eingedrungen. Dabei wurde das russische Staatsgebiet zum ersten Mal seit der Niederlage der Nazis gegen die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg mit Panzern angegriffen.<\/p>\n<p>In den vergangenen zwei Jahren des Kriegs sind <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2022\/08\/22\/per1-a22.html\">Terroranschl\u00e4ge<\/a>, die meist auf prominente Unterst\u00fctzer des Kremls im Krieg abzielten, <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/05\/31\/pers-m31.html\">Drohnenangriffe<\/a> auf Moskau sowie auf russische \u00d6lraffinerien und H\u00e4fen zu einer zentralen Komponente der Kriegsstrategie der Ukraine und der Nato geworden. Nur wenige Stunden vor dem Anschlag hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow den russischen Konflikt mit der Nato in der Ukraine erstmals als \u201eKrieg\u201c bezeichnet, statt den offiziellen Begriff \u201emilit\u00e4rische Spezialoperation\u201c zu verwenden. Peskaow erkl\u00e4rte: \u201eJa, es begann als milit\u00e4rische Spezialoperation. Doch sobald sich diese Bande entwickelte und der kollektive Westen begann, sich in dem Konflikt auf der Seite der Ukraine zu beteiligen, ist es f\u00fcr uns ein Krieg geworden.\u201c<\/p>\n<p>Wolodymyr Selenskyj und mehrere seiner Berater beeilten sich, die weit verbreiteten Spekulationen zu dementieren, die Ukraine stecke hinter den Terroranschl\u00e4gen. John Kirby, der Koordinator f\u00fcr strategische Kommunikation des Nationalen Sicherheitsrats der USA, erkl\u00e4rte, die USA w\u00fcrden eine Beteiligung der Ukraine an dem Anschlag ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Am 7. M\u00e4rz hatte die amerikanische Botschaft in Moskau eine Sicherheitswarnung an amerikanische Staatsb\u00fcrger herausgegeben. Sie sollten in den n\u00e4chsten 48 Stunden belebte Pl\u00e4tze in der russischen Hauptstadt meiden, da Terroristen \u201eunmittelbar\u201c planen w\u00fcrden, Anschl\u00e4ge auf gro\u00dfe Menschenansammlungen, einschlie\u00dflich Konzerte, zu ver\u00fcben. Mehrere Botschaften westlicher Staaten wiederholten die Warnung. Am Dienstag wies Putin sie als \u201eprovokante \u00c4u\u00dferungen\u201c und \u201eErpressung\u201c zur\u00fcck, die das Land \u201edestabilisieren\u201c sollten.<\/p>\n<p>Als er auf die Warnung der US-Botschaft vom 7. M\u00e4rz angesprochen wurde, erkl\u00e4rte John Kirby am Freitag: \u201eIch glaube nicht, dass es da einen Zusammenhang zu diesem konkreten Anschlag gab.\u201c<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter \u00fcbernahm die Gruppe Islamischer Staat-Khorasan, ein in Afghanistan operierender Ableger der islamistischen Terrororganisation IS, in den sozialen Netzwerken die Verantwortung f\u00fcr den Anschlag. US-Regierungsvertreter best\u00e4tigten die Behauptung und erkl\u00e4rten gegen\u00fcber der <em>New York Times<\/em>, sie h\u00e4tten im M\u00e4rz Geheimdienstinformationen \u00fcber einen bevorstehenden Anschlag gesammelt. Laut der<em> New York Times<\/em>, die regelm\u00e4\u00dfig als Sprachrohr der US-Geheimdienste agiert, hatten US-Regierungsvertreter \u201erussischen Beamten in Privatgespr\u00e4chen die Informationen mitgeteilt, die auf einen drohenden Anschlag hinwiesen\u201c.<\/p>\n<p>Bis zum Samstagmorgen hatten sich die russischen Beh\u00f6rden noch nicht zu den Behauptungen der USA oder des IS-Khorasan ge\u00e4u\u00dfert. Im Februar gab der russische Geheimdienst FSB bekannt, er habe eine Zelle des IS in der Stadt Kaluga s\u00fcdwestlich von Moskau zerschlagen und zwei IS-Mitglieder aus Zentralasien get\u00f6tet. Anfang M\u00e4rz meldete der FSB, er habe eine weitere IS-Zelle in der Region Kaluga \u201eliquidiert\u201c, die aus militanten Islamisten aus Afghanistan bestanden habe.<\/p>\n<p>Der Anschlag von Freitag war der t\u00f6dlichste in Russland seit dem Angriff islamistischer Fundamentalisten auf eine Schule in Beslan im Jahr 2004. Damals wurden mindestens 334 Menschen get\u00f6tet, etwa die H\u00e4lfte davon Kinder. Es war au\u00dferdem der t\u00f6dlichste Anschlag in der russischen Hauptstadt seit dem Angriff auf ein Moskauer Theater im Jahr 2002, bei dem mehr als 170 Personen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p>Diese Angriffe waren Teil einer Serie von islamistischen Terroranschl\u00e4gen, die Russland vor allem zu Beginn der 2000er-Jahre ersch\u00fctterten. Auch im letzten Jahrzehnt gab es mehrere islamistische Terroranschl\u00e4ge, die jedoch fast alle im \u00fcberwiegend von Muslimen bewohnten Nordkaukasus stattfanden.<\/p>\n<p>Diese Welle von Terroranschl\u00e4gen fand im Kontext von zwei brutalen Kriegen statt, die der Kreml in Tschetschenien und gegen eine islamistisch-separatistische Aufstandsbewegung zwischen 1994 und 2009 gef\u00fchrt hatte. Das Ziel war, die Abspaltung der \u00fcberwiegend muslimischen Nordkaukasus-Republik von der Russischen F\u00f6deration zu verhindern. Laut Sch\u00e4tzungen wurde in diesen Kriegen bis zu einem Zehntel der tschetschenischen Bev\u00f6lkerung get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Vor allem in den 1990er-Jahren wurden die tschetschenischen Separatisten vom US-Imperialismus unterst\u00fctzt, der seit langem versucht hatte, im russischen Vielv\u00f6lkerstaat separatistische, ethnische und religi\u00f6se Spannungen zu sch\u00fcren, um Russland zu destabilisieren und aufzuspalten. In Russland leben etwa 14 Millionen Muslime, die rund zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung ausmachen.<\/p>\n<p>Es ist bekannt, dass islamistische Separatisten aus dem Nordkaukasus enge Beziehungen zu al-Qaida, dem IS und den Taliban, die Afghanistan seit dem Abzug der US-Truppen im Jahr 2021 regieren, aufgebaut haben. Andere radikale Islamisten aus Tschetschenien haben sich den von den USA unterst\u00fctzten islamistischen Milizen angeschlossen, die im B\u00fcrgerkrieg in Syrien gegen die von Russland unterst\u00fctzte Assad-Regierung k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Kreml sind die engen Beziehungen zwischen tschetschenischen islamistischen Separatisten und verschiedenen islamistisch-fundamentalistischen Gruppen in ganz Zentralasien und dem Nahen Osten \u2013 von denen viele Beziehungen zu den USA haben \u2013 seit Jahren von zentraler Bedeutung.<\/p>\n<p>Das <em>Wall Street Journal<\/em> berichtete im Jahr 2021, dass sich US-Geheimdienstmitarbeiter und Elitetruppen zur Aufstandsbek\u00e4mpfung, die w\u00e4hrend der 20-j\u00e4hrigen US-Besatzung Afghanistans von der CIA und dem Pentagon ausgebildet worden waren, dem Islamischen Staat Khorasan angeschlossen \u2013 der Gruppe, die jetzt die Verantwortung f\u00fcr den Anschlag in Moskau \u00fcbernommen hat. Wie die <em>WSWS<\/em> damals erkl\u00e4rte, ist die CIA \u201eeng verbunden mit dem Entstehen des IS\u201c. Die CIA hatte in den 1980er-Jahren auch Osama bin Laden und andere k\u00fcnftige al-Qaida-F\u00fchrer ausgebildet und zwar im Rahmen des von den USA finanzierten <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2004\/07\/beri-j29.html\">Guerilla-Kriegs der Mudschaheddin<\/a> in Afghanistan gegen die Sowjetunion.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wer f\u00fcr den Terroranschlag am Freitag unmittelbar verantwortlich war, steht fest, dass er eindeutig im Kontext des eskalierenden und sich ausweitenden Kriegs der imperialistischen M\u00e4chte gegen Russland stattfand. Dieser Konflikt hat sich bereits von der Ukraine auf den Nahen Osten und andere Teile der Welt ausgedehnt. Er hat die gesamte ehemalige Sowjetunion und gro\u00dfe Teile Zentralasiens und Osteuropas destabilisiert. Zu den Kr\u00e4ften, die durch diesen wachsenden globalen Konflikt entfesselt wurden, geh\u00f6ren nicht nur russische und ukrainische Neonazis, sondern auch islamistische Milizen, die durch die jahrzehntelangen Raubkriege der USA im Nahen Osten herangez\u00fcchtet wurden.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Ein Soldat der russischen Nationalgarde (Rosguardia) sichert ein Gebiet vor dem Hintergrund der brennenden Crocus City Hall am Westrand von Moskau am Freitag, 22. M\u00e4rz 2024. (AP Photo) [AP Photo]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/03\/24\/cxcp-m24.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 25. M\u00e4rz 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Clara Weiss. Am Freitagabend wurden bei einem Terroranschlag in der beliebten Moskauer Konzerthalle Crocus City Hall mindestens 137 Menschen get\u00f6tet und \u00fcber 180 verletzt, darunter auch mehrere Kinder. 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