{"id":14351,"date":"2024-03-26T12:36:57","date_gmt":"2024-03-26T10:36:57","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14351"},"modified":"2024-03-26T12:36:59","modified_gmt":"2024-03-26T10:36:59","slug":"terroranschlag-in-moskau-die-ukrainische-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14351","title":{"rendered":"<strong>Terroranschlag in Moskau: Die ukrainische Spur<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em>Vier Tage nach dem furchtbaren Terroranschlag auf ein Rockkonzert in Moskau, der mindestens 137 Todesopfer und \u00fcber 180 Verletzte gefordert hat, ist die westliche Presse weitgehend gleichgeschaltet. Obwohl bisher kaum etwas \u00fcber die T\u00e4ter und die Hintergr\u00fcnde der Tat bekannt ist, behaupten s\u00e4mtliche Kommentare, dass der Islamische Staat (IS) den Anschlag begangen<!--more--> habe und dass dies jede Verantwortung und Mitt\u00e4terschaft der Ukraine und der Nato-M\u00e4chte ausschlie\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Kommentatoren k\u00f6nnen ihre Genugtuung \u00fcber den Anschlag kaum verbergen. \u201eDas Putin-Regime versucht seine Herrschaft mit der Behauptung zu legitimieren, dass es die Bev\u00f6lkerung wirksam vor allen \u00e4u\u00dferen und inneren \u201aFeinden\u2018 sch\u00fctze,\u201c schreibt etwa die <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em>. Nun zeige sich \u201eein eklatantes Versagen\u201c.<\/p>\n<p>Putin mache die Ukraine zum S\u00fcndenbock, um von diesem Versagen abzulenken. \u201eWarum streut Putin also die Ukraine-F\u00e4hrte?\u201c, hei\u00dft es bei <em>t-online<\/em>. \u201eWeil der angeblich so starke Mann im Kreml bei seinem gro\u00dfen Versprechen versagt hat: sein Volk zu besch\u00fctzen. \u2026 Putin missbraucht den Terror in Moskau, um Moskaus Terror in der Ukraine zu rechtfertigen. V\u00f6llig skrupellos.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt Dutzende \u00e4hnliche oder gleichlautende Kommentare. Das zeigt, wie sehr sich die angeblich \u201edemokratischen\u201c Medien in den Dienst der Kriegspropaganda gestellt haben. Tats\u00e4chlich tr\u00e4gt der Anschlag \u201edie Handschrift der CIA und ihrer Stellvertreter in Kiew\u201d, wie die WSWS <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/03\/25\/pers-m25.html\">festgestellt <\/a>hat.<\/p>\n<p>Sollte tats\u00e4chlich der IS oder einer seiner Ableger den Anschlag in Moskau begangen haben, spricht dies nicht gegen, sondern f\u00fcr eine Mitt\u00e4terschaft der Ukraine und der Nato. Seit die CIA in den 1980er Jahren in Afghanistan die Al Qaida Osama bin Ladens aufbaute, um die sowjetischen Truppen zu bek\u00e4mpfen, haben die USA immer wieder islamistische Terrorgruppen benutzt, um ihre imperialistischen Ziele zu erreichen \u2013 auch den IS.<\/p>\n<p>In der Ukraine sind heute hunderte Islamisten aus dem Kaukasus und Zentralasien im Einsatz, die Kamperfahrung im IS gesammelt haben und mit offizieller Deckung von Armee und Geheimdienst ihren Kampf gegen Russland fortsetzen \u2013 auch hinter den Linien.<\/p>\n<p>In den westlichen Medien erf\u00e4hrt man davon kaum etwas. Zu den wenigen Ausnahmen z\u00e4hlt der Artikel \u201eSpuren in die Ukraine?\u201c, den die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> am 23. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte. Ihr langj\u00e4hriger Auslandskorrespondent Tomas Avenarius gelangt darin zum Schluss, die Spekulation, dass die ukrainischen Geheimdienste kaukasische Radikale aus dem IS-Netzwerk benutzt h\u00e4tten, \u201eum Putin wenige Tage nach seiner erneuten Scheinwahl zum Pr\u00e4sidenten vor den Russen und der ganzen Welt blo\u00dfzustellen\u201c, k\u00f6nnte \u201edurchaus Sinn ergeben\u201c.<\/p>\n<p>\u201eIm Krieg gegen die russischen Angriffskrieger k\u00e4mpfen \u201aLegionen\u2018 kaukasisch-muslimischer und russischer Freiwilliger an der Seite der ukrainischen Armee. Es sollen Hunderte sein,\u201c berichtet Avenarius. Sie stammten aus zu Russland geh\u00f6renden Kaukasus-Gebieten wie Tschetschenien, Inguschetien oder Dagestan. Viele h\u00e4tten in Tschetschenien gegen die Russen gek\u00e4mpft und seien \u201edann in den Kriegen und Aufst\u00e4nden in der Arabischen Welt Teil des IS-Terrornetzwerks geworden\u201c.<\/p>\n<p>\u201eZwei Jahrzehnte sp\u00e4ter setzen solche Anti-Putin-K\u00e4mpfer aus dem Kaukasus ihren verlorenen Krieg in der Ukraine fort,\u201c so Avenarius. \u201eViele hatten sich bereits im Tschetschenien-Krieg islamistisch radikalisiert, k\u00e4mpften sp\u00e4ter in Syrien gegen das mit Moskau verb\u00fcndete Assad-Regime. In dieser Zeit schlossen sie sich oft dem IS an.\u201c<\/p>\n<p>Avenarius kennt sich aus. Er war viele Jahre lang Moskau- und Nahostkorrespondent der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> und hatte 2003 eine preisgekr\u00f6nte Reportage \u00fcber den zweiten Tschetschenienkrieg verfasst.<\/p>\n<p>Der Anschlag auf die Crocus City Hall in Moskau kennzeichnet ein neues Stadium des Nato-Krieg gegen Russland. Er erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der ukrainischen Armee eine Niederlage droht und die Nato darauf dr\u00e4ngt, den Krieg zu eskalieren \u2013 einschlie\u00dflich dem Einsatz eigener Bodentruppen und des Vorsto\u00dfens tief ins Innere Russlands hinein.<\/p>\n<p>Wie die <em>WSWS<\/em> erkl\u00e4rt hat, verfolgt der Anschlag in Moskau drei Ziele: \u201eErstens, die Opposition gegen das Putin-Regime innerhalb der Oligarchie und des Staatsapparats zu st\u00e4rken; zweitens, eine milit\u00e4rische Antwort des Kremls zu provozieren, die als Vorwand f\u00fcr eine weitere Eskalation des Krieges durch die NATO dienen kann; und drittens, ethnische und religi\u00f6se Spannungen innerhalb Russlands zu sch\u00fcren, die das Regime destabilisieren und die Aufteilung der gesamten Region durch die imperialistischen M\u00e4chte erleichtern w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<p>Der Anschlag wird von einer Versch\u00e4rfung der westlichen Kriegspropaganda begleitet. Sie schreckt vor keiner \u201eroten Linie\u201c zur\u00fcck und nimmt bewusst das Risiko einer nuklearen Eskalation in Kauf, die ganz Europa und gro\u00dfe Teile der Welt zu zerst\u00f6ren droht.<\/p>\n<p>Typisch ist ein Gastbeitrag von Ben Hodges, dem ehemaligen Kommandeur der US-Landstreitkr\u00e4fte in Europa, den die <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> am Sonntag ver\u00f6ffentlichte. Hodges wirft US-Pr\u00e4sident Joe Biden, einem vehementen Kriegstreiber, vor, er trete nicht entschlossen genug f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Ukraine ein. Die USA und ihre Verb\u00fcndeten m\u00fcssten \u201eden Sieg der Ukraine zu ihrem strategischen Ziel\u201c erkl\u00e4ren, \u201edie annektierte Krim f\u00fcr die Russen unhaltbar machen\u201c und die \u201eWaffenproduktion f\u00fcr die Ukraine\u201c zur Priorit\u00e4t erkl\u00e4ren, verlangt er.<\/p>\n<p>Der Oberkommandierende der Bundeswehr, Generalinspekteur Carsten Breuer, hat seine Forderung wiederholt, Deutschland m\u00fcsse in f\u00fcnf Jahren \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c sein und einen Krieg gegen Russland f\u00fchren k\u00f6nnen. Das Sonderverm\u00f6gen von 100 Milliarden Euro, das vor zwei Jahren beschlossen wurde, sei lediglich eine \u201eAnschubfinanzierung\u201c zur \u201eErt\u00fcchtigung der Bundeswehr\u201c. N\u00f6tig sei eine \u201eVerstetigung der Verteidigungsausgaben\u201c sowie der Aufbau einer wirksamen Raketenabwehr.<\/p>\n<p>Das Bem\u00fchen, Deutschland \u201e<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/11\/12\/mili-n12.html\">kriegst\u00fcchtig<\/a>\u201c zu machen, beschr\u00e4nkt sich nicht auf den milit\u00e4rischen Bereich. Ein Bundesministerium nach dem anderen ordnet seine Arbeit diesem Ziel unter.<\/p>\n<p>Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) will Jugendoffiziere an die Schulen holen und Zivilschutz\u00fcbungen f\u00fcr den Kriegsfall einf\u00fchren. Hochschulen sollen grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/03\/07\/zivi-m07.html\">milit\u00e4rische Forschung<\/a> zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Verteidigungsminister Boris Pistorus (SPD) plant die <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/03\/16\/epuz-m16.html\">Wiederenf\u00fchrung der Wehrpflicht<\/a>.<\/p>\n<p>Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will das deutsche Gesundheitswesen auf \u201emilit\u00e4rische Konflikte\u201c <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/03\/11\/gesu-m11.html\">vorbereiten<\/a>. Er hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf f\u00fcr den Sommer angek\u00fcndigt. \u201eEs w\u00e4re albern zu sagen, wir bereiten uns nicht auf einen milit\u00e4rischen Konflikt vor, und dann wird er auch nicht kommen\u201c, sagte er der <em>Osnabr\u00fccker Zeitung<\/em>. \u201eNichtstun ist keine Option. Es braucht auch eine Zeitenwende f\u00fcr das Gesundheitswesen. Zumal Deutschland im B\u00fcndnisfall zur Drehscheibe bei der Versorgung von Verletzten und Verwundeten auch aus anderen L\u00e4ndern werden k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Wirtschaftsminister Robert Habeck (Gr\u00fcne) erkl\u00e4rte auf einer Konferenz in Berlin, der \u201eLandkrieg\u201c sei nach Europa zur\u00fcckgekehrt. Deshalb m\u00fcssten die R\u00fcstungsproduktion hochgefahren und die Einsatzszenarien zur Landesverteidigung reaktiviert werden. \u201eUnd das wird einen Preis haben. Dar\u00fcber m\u00fcssen wir uns klar sein.\u201c<\/p>\n<p>Innenministerin Nancy Faeser (SPD) verkn\u00fcpft anti-russische Kriegspropaganda mit einer systematischen inneren Aufr\u00fcstung, die darauf abzielt, den Widerstand gegen Krieg und Sozialabbau zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Sie beschuldigt Russland der hybriden Kriegsf\u00fchrung. \u201eWir sehen Einflussnahmeversuche durch L\u00fcgen, durch massive Desinformation,\u201c sagte sie der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em>. Auch die Spionage sei aktiv. Zugleich warf sie dem Kreml vor, Fluchtbewegungen gezielt zu f\u00f6rdern und den Westen mit Migration zu destabilisieren. \u201eWir erleben hier tats\u00e4chlich eine neue Dimension der Bedrohungen durch die russische Aggression.\u201c<\/p>\n<p>Die Bundesregierung werde sich st\u00e4rker gegen den Einfluss Russlands in Westeuropa wappnen. Gegen Desinformationskampagnen solle k\u00fcnstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Eine neue Fr\u00fcherkennungseinheit gegen Fake News im Innenministerium solle L\u00fcgen entlarven, bevor diese \u201ezu einer gro\u00dfen Welle werden und das Netz fluten\u201c, sagte Faeser. In der Praxis l\u00e4uft das auf die Zensur unerw\u00fcnschter Ansichten in den sozialen Medien hinaus.<\/p>\n<p>Unter dem Vorwand, islamistische Anschl\u00e4ge zu verhindern, wird gleichzeitig die \u00f6ffentliche Polizeipr\u00e4senz verst\u00e4rkt. In Frankreich hat die Regierung deshalb am Sonntag sogar die h\u00f6chste Terrorwarnstufe ausgerufen. Nun patrouillieren wieder schwerbewaffnete Soldaten an Bahnh\u00f6fen, Flugh\u00e4fen und anderen \u00f6ffentlichen Orten.<\/p>\n<p>85 Jahre nach dem \u00dcberfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrt die herrschende Klasse Deutschlands wieder zu ihren verbrecherischen, militaristischen Traditionen zur\u00fcck. Dieser Wahnsinn wird von allen im Bundestag vertretenen Parteien unterst\u00fctzt. Er kann nur durch eine unabh\u00e4ngige Bewegung der internationalen Arbeiterklasse gestoppt werden, die die Opposition gegen Krieg mit dem Kampf gegen seine Ursache, den Kapitalismus, verbindet.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Feuerwehreinsatz nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall [Photo by Mosreg.ru \/ wikimedia \/ <\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/\"><em>CC BY 4.0<\/em><\/a><em>]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/03\/25\/terr-m25.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. M\u00e4rz 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. Vier Tage nach dem furchtbaren Terroranschlag auf ein Rockkonzert in Moskau, der mindestens 137 Todesopfer und \u00fcber 180 Verletzte gefordert hat, ist die westliche Presse weitgehend gleichgeschaltet. 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