{"id":14470,"date":"2024-05-08T11:43:12","date_gmt":"2024-05-08T09:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14470"},"modified":"2024-05-08T11:43:45","modified_gmt":"2024-05-08T09:43:45","slug":"ukraine-2014-die-erste-phase-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14470","title":{"rendered":"Ukraine 2014 &#8211; Die erste Phase des Krieges"},"content":{"rendered":"<p><em>Arnold Sch\u00f6lzel. <\/em><strong>Im Fr\u00fchjahr 2014 griffen die Kiewer Putschisten den Donbass an. Damit begann der Ukraine-Krieg.<\/strong><\/p>\n<p>Der Band Lothar Schr\u00f6ters \u00bbDer Ukraine-Krieg. Die Wurzeln, die Akteure und die Rolle der NATO\u00ab ist jetzt schon das wahrscheinlich wichtigste Nachschlagewerk zum Ukraine-Krieg und dessen Vorgeschichte<!--more--> (<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/469065.krieg-in-der-ukraine-dass-die-v%C3%B6lker-kriegsm%C3%BCde-werden-ist-nicht-zu-%C3%BCbersehen.html\">siehe auch das Gespr\u00e4ch mit dem Autor in <em>jW<\/em> vom 10. Februar<\/a>). Der Verfasser hat das Buch, das knapp 680 Fu\u00dfnoten mit Quellenbelegen und ein Personenregister enth\u00e4lt, in acht gr\u00f6\u00dfere Abschnitte gegliedert \u2013 vom Zerfall der Sowjetunion bis zur geostrategischen Einordnung des Krieges, bei der die Ostexpansion der NATO seit Mitte der 90er Jahre eine besondere Rolle spielt. Schr\u00f6ter schreibt zu den Intentionen dieser Ausdehnung des Milit\u00e4rpakts: \u00bbSie wollten und wollen die Ukraine als Bollwerk, Rammbock und Aufmarschraum gegen Russland in der ganz gro\u00dfen globalen strategischen Auseinandersetzung mit der alten Weltmacht und dem alten Rivalen Russland und perspektivisch mit der Volksrepublik China.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Die folgende Darstellung der Ereignisse in der Ukraine folgt der Darstellung in dem k\u00fcrzlich erschienenen Band des Milit\u00e4rwissenschaftlers und Historikers Lothar Schr\u00f6ter \u00bbDer Ukraine-Krieg. Die Wurzeln, die Akteure und die Rolle der NATO\u00ab (Edition Ost, Berlin 2024, 348 Seiten, 32 Euro).<\/strong><\/p>\n<p>Den zehnten Jahrestag des Putsches vom Februar 2014 in Kiew begingen die deutschen B\u00fcrgermedien zumeist mit Schweigen. Gleiches gilt f\u00fcr die am 6.\/7. April vom damaligen amtierenden ukrainischen Pr\u00e4sidenten Olexander Turtschinow angeordnete \u00bbantiterroristische Operation\u00ab gegen die russischsprachigen Bewohner des Donbass, erst recht f\u00fcr das Massaker gegen linke und liberale Aktivisten im fr\u00fcheren Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. Mai 2014 \u2013 Ausnahme ist diese Zeitung (<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/474497.ukrainischer-b%C3%BCrgerkrieg-blutige-provokation.html\">siehe <em>jW<\/em> vom 2. Mai 2024<\/a>).<\/p>\n<p>Vorausgegangen war ein beispielloser wirtschaftlicher und sozialer Niedergang der Ukraine. Noch in den 90er Jahren verlief der gesellschaftliche Absturz in der Russischen F\u00f6deration \u00e4hnlich, allerdings war es Wladimir Putin (seit 1999 Ministerpr\u00e4sident, seit 2000 Pr\u00e4sident) und der F\u00fchrungsschicht um ihn gelungen, den Verfall zu stoppen. 1998 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Ukraine bezogen auf das Jahr 1990 auf 40,9 Prozent geschrumpft. Erst 2004 erreichte das BIP mit Hilfe westlicher Unterst\u00fctzung wieder den Stand von 1994. Die demographische Katastrophe des Landes ging aber weiter: Die Zahl der Einwohner sank seit 1994 kontinuierlich von rund 51 Millionen auf etwa 46 Millionen im Jahr 2010 und auf 38Millionen im Jahr 2022. Eine gigantische Inflation sorgte f\u00fcr die Enteignung der Bev\u00f6lkerung bis auf wenige Oligarchen, die in noch gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df als in Russland die Reicht\u00fcmer des Landes an sich rissen und bis heute herrschen.<\/p>\n<p>Die in Kiew Regierenden begegneten der sich ausbreitenden Verelendung seit 1991 mit nationalistischer Demagogie, d.\u2009h. grotesker Geschichtsf\u00e4lschung und Russophobie sowie der Hinwendung zu NATO und EU. Die Anfang 2005 nach der \u00bbOrangenen Revolution\u00ab an die Macht gelangte F\u00fchrung unter Pr\u00e4sident Wiktor Juschtschenko und der Ministerpr\u00e4sidentin Julija Timoschenko steigerte das in neue Dimensionen. Das Wirtschaftswachstum fiel in jenem \u00bbFreiheitsjahr\u00ab von 12,6 Prozent auf 2,6 Prozent, die durchschnittlichen Monatseinkommen lagen umgerechnet bei maximal 160 Euro, ein Drittel der Bev\u00f6lkerung lebte unterhalb der Armutsgrenze, die Ukraine war eines der korruptesten L\u00e4nder der Welt.<\/p>\n<p>Juschtschenko setzte 2007 ein deutliches Zeichen und ernannte den Faschisten Roman Schuchewitsch posthum zum \u00bbHelden der Ukraine\u00ab. Schuchewitsch war vom \u00dcberfall auf die Sowjetunion bis zu seinem Tod 1950 Kommandeur der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) gewesen und f\u00fcr Massenmorde an Juden, Polen und Russen verantwortlich. Gegen die Ehrung schritten zwar Gerichte ein, deren Entscheidungen hob aber Pr\u00e4sident Wolodimir Selenskij im Juli 2019 auf. Helden sind nun auch Schuchewitschs Faschistenkumpane Jaroslaw Stezko und Stepan Bandera.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund kam es zum blutigen Maidan-Putsch am 21. Februar 2014, der in der Ostukraine bereits am Folgetag mit Gegendemonstrationen beantwortet wurde. Am 23. Februar hoben die Putschisten das Gesetz \u00bb\u00dcber die Grundlagen der staatlichen Sprachenpolitik\u00ab vom 8. August 2012 auf, das die Sprachen von Minderheiten sch\u00fctzte, vor allem der russischsprachigen Bev\u00f6lkerung. Daraufhin verst\u00e4rkten sich bis Anfang April die Antiputschdemonstrationen. In St\u00e4dten wie Odessa, Charkiw, Donezk, Lugansk und Mariupol stie\u00dfen Bef\u00fcrworter und Gegner des Putsches gewaltsam aufeinander. Am 13. M\u00e4rz beschloss Kiew f\u00fcr den Kampf gegen die Anti-Maidan-Kr\u00e4fte die Aufstellung einer Ukrainischen Nationalgarde, die zum Teil aus Angeh\u00f6rigen der faschistischen Selbstschutzgruppen auf dem Maidan bestehen sollte. Gleichzeitig wurde die Armee \u00bbges\u00e4ubert\u00ab. Am 16. M\u00e4rz 2014 stimmten die W\u00e4hler der Krim mit fast 97 Prozent f\u00fcr den Beitritt zu Russland, am 24. M\u00e4rz befahl Kiew den R\u00fcckzug der ukrainischen Armee von der Krim.<\/p>\n<p>Der Krieg gegen die eigene Bev\u00f6lkerung begann schlie\u00dflich in der Nacht vom 6. auf den 7. April: Der Vorsitzende des ukrainischen Parlaments und amtierende Pr\u00e4sident der Ukraine Olexander Turtschinow befahl sogenannte Antiterrorma\u00dfnahmen, um die Proteste gegen den Putsch im Donbass niederzuschlagen. Am 13. April f\u00fcgte Turtschinow hinzu, dass die regul\u00e4ren Streitkr\u00e4fte \u2013 erg\u00e4nzt durch den \u00bbRechten Sektor\u00ab und das Regiment \u00bbAsow\u00ab \u2013 eine \u00bbAntiterroroperation\u00ab starten sollten, am 15. April informierte er \u00fcber deren Beginn. In Reaktion auf diese Ma\u00dfnahmen riefen Aktivisten am 7. April im Regionalparlament die Volksrepublik Donbass aus, am 27. April geschah das in Lugansk.<\/p>\n<p>Die Daten besagen: Die milit\u00e4rische Operation der Putschisten begann vor Ausrufung der Volksrepubliken. Der Feldzug wurde seit dem Staatsstreich vorbereitet und war die erste Phase eines Krieges, dessen zweite mit dem Eingreifen Russlands acht Jahre sp\u00e4ter am 22. Februar 2022 begann.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Schutz vor Angriffen: Barrikaden vor der regionalen Staatsverwaltung in Donezk am 7. Mai 2014. Photoagency Interpress\/Russian Look\/imago<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/474937.ukraine-2014-die-erste-phase.html\"><em>jungewelt.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. Mai 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arnold Sch\u00f6lzel. Im Fr\u00fchjahr 2014 griffen die Kiewer Putschisten den Donbass an. Damit begann der Ukraine-Krieg.<br \/>\nDer Band Lothar Schr\u00f6ters \u00bbDer Ukraine-Krieg. 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