{"id":14490,"date":"2024-05-14T12:18:14","date_gmt":"2024-05-14T10:18:14","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14490"},"modified":"2024-05-14T12:18:15","modified_gmt":"2024-05-14T10:18:15","slug":"eurovision-song-contest-2024-united-by-genocide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14490","title":{"rendered":"Eurovision Song Contest 2024 \u2013 United by Genocide?"},"content":{"rendered":"<p><em>Leonie Schmidt. <\/em>Am 11. Mai fand in Malm\u00f6 das Finale des 68. Eurovision Song Contest unter dem Motto \u201eUnited by Music\u201c statt. \u00dcberschattet war es, v\u00f6llig zu Recht, von verschiedenen Protesten gegen die Teilnahme Israels und Boykottaufrufen. In den letzten Jahren hat sich das Schauen des ESCs besonders bei einem j\u00fcngeren und queeren Publikum zu einem festen kulturellen<!--more--> Bestandteil gemausert. J\u00e4hrlich schalten f\u00fcr das Finale um die 162 Mio. Menschen weltweit ein. In diesem Artikel wollen wir die verschiedenen Aktionen, Vorf\u00e4lle und Proteste n\u00e4her beleuchten und auch auf die kulturelle Bedeutung des ESC eingehen.<\/p>\n<p><strong>Der ESC ist nicht unpolitisch!<\/strong><\/p>\n<p>Die erste Frage, die sich stellt, ist f\u00fcr viele sicher erst einmal, warum Israel \u00fcberhaupt beim ESC teilnehmen darf. Immerhin liegt es nicht in Europa und begeht gerade einen Genozid in Gaza. Das l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass es Teil der Europ\u00e4ische Rundfunkunion (EBU) ist. Tats\u00e4chlich sind nicht nur europ\u00e4ische Staaten und ihre Sender vertreten, jedoch ist Israel historisch gesehen das erste Land, was au\u00dferhalb der EU liegt und beim ESC antrat. Allerdings k\u00f6nnte man ja meinen, dass die EBU Kriegsverbrechen sanktioniert, immerhin wurde Russland nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine auch ausgeschlossen. Doch diese Doppelmoral erkl\u00e4rt die EBU mit dem Verh\u00e4ltnis des russischen und israelischen Senders zu ihrer jeweiligen Regierung. Beim israelischen Sender KAN best\u00fcnden keine Verletzungen der Werte des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Seltsam in Anbetracht der Tatsache, dass auf X (vormals Twitter) Videos kursieren, auf denen zu sehen ist, wie der Sender KAN seinen Namen auf Panzergranaten schreiben l\u00e4sst, die dann nach Gaza geschickt werden. So scheint es sich ja doch um eine kriegstreiberische Rundfunkanstalt zu handeln.<\/p>\n<p>Vor allem aber m\u00f6chte sich die EBU darauf ausruhen, dass der ESC unpolitisch sei. Das gelte selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr die israelische Kandidatin Eden Golan, die ihren ESC-Song \u201eOctober Rain\u201c in \u201eHurricane\u201c ab\u00e4ndern musste. Doch beugen wollte sich Israel anfangs nicht direkt, urspr\u00fcnglich wollte es die Teilnahme absagen, wenn das Lied abge\u00e4ndert werden m\u00fcsste. Letztendlich trat Golan doch an, zu symbolisch sei der Auftritt beim ESC. Doch davon sollte man sich nicht t\u00e4uschen lassen: Es handelt sich immer noch um dasselbe Lied, welches inspiriert ist von den Folgen des Angriffs der Hamas f\u00fcr die Israelis im Oktober 2023 und in diesem Kontext auch als Propaganda f\u00fcr den Krieg in Gaza gegen die Pal\u00e4stinenser:innen verstanden werden muss. Interessanterweise gibt es im Allgemeinen gerade in Israel eine Welle an Propagandasongs von jungen K\u00fcnstler:innen, vornehmlich aus dem Bereich Hip-Hop, die den Krieg in Gaza und auch den Genozid glorifizieren und so IDF-Soldat:innen und die gesamte Bev\u00f6lkerung bei der Fahnenstange halten sollen. Ein Beispiel ist der Song \u201eHarbu Darbu\u201c von Ness und Stilla, die Zeilen wie \u201eWait for it to rain on you, whores. Every bad person comes for his punishment in the end\u201c (Deutsch: \u201eWartet, bis es auf euch regnet, Huren. Jeder schlechte Mensch kommt am Ende f\u00fcr seine Strafe auf\u201c) beinhalten. Das Lied von Eden Golan ist zwar sicher nicht derart vulg\u00e4r und gewaltverherrlichend, doch es muss dennoch als Inszenierung der Opferrolle des israelischen Staats verstanden werden. Schlie\u00dflich ist es ein sehr emotionales Lied, was den Anschein erweckt, dass nicht gerade 35 Tausend Pal\u00e4stinenser:innen in Gaza durch die Hand des israelischen Milit\u00e4rs ermordet worden w\u00e4ren, zumal Eden Golan bereits angek\u00fcndigt hat, nach ihrem ESC-Auftritt der IDF beizutreten.<\/p>\n<p>Der diesj\u00e4hrige ESC wurde im \u00dcbrigen auch von einer israelischen Firma massiv gesponsert: Moroccanoil. Die Haarpflegeprodukte, die sie produziert, werden auch teilweise in besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten hergestellt. Sie profitiert also direkt von der Apartheid, und indem sie Teil des ESCs ist, erh\u00e4lt sie mehr Reichweite, Kredibilit\u00e4t und kann so noch mehr Produkte verkaufen.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht das erste Mal, dass Israel die Teilnahme beim ESC nutzt, um sich und seine Apartheid gegen\u00fcber Pal\u00e4stina in ein besseres Licht zu r\u00fccken. 2019 konnte es sich bereits als unfassbar queerfreundliches Land inszenieren, was, wie wir in diesem Artikel ( <a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2024\/03\/08\/queers-in-palaestina-ein-freies-palaestina-bedeutet-befreiung-von-jeglicher-unterdrueckung\/\">https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2024\/03\/08\/queers-in-palaestina-ein-freies-palaestina-bedeutet-befreiung-von-jeglicher-unterdrueckung\/<\/a>) n\u00e4her ausgef\u00fchrt haben, nicht der Realit\u00e4t entspricht. Auch der US-amerikanische Sender CNN best\u00e4tigt die Softpower, die durch die Teilnahme am ESC aufgebaut werden kann, besonders f\u00fcr L\u00e4nder, die Menschenrechtsverletzungen begehen. Der israelische Staatspr\u00e4sident Jitzchak Herzog unterstreicht ebenso die Beweggr\u00fcnde, die hinter der Teilnahme stecken, wie die Times of Israel berichtete: Eine Teilnahme Israels an dem Wettbewerb sei wichtig f\u00fcr das Land und auch ein Statement. Es gebe Juden-\/J\u00fcdinnenhasser:innen, die versuchten, Israel von jeder B\u00fchne zu vertreiben. Selbstverst\u00e4ndlich geht es hier nicht wirklich um Antisemitismus, aber mit dieser Behauptung kann sich Israel eben wieder besser als Staat inszenieren, der ein Recht darauf hat, sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen, um seine proimperialistischen Absichten zu verschleiern. Den Beweis f\u00fcr diese These lieferte Israel gleich selbst: W\u00e4hrend Eden Golan schmerzerf\u00fcllt in Malm\u00f6 ihre Ballade tr\u00e4llerte, bombardierte die IDF den Gazastreifen, schoss auf einen Krankenwagen, der gerade verletzte Pal\u00e4stinenser:innen transportierte.<\/p>\n<p>Der ESC ist also alles andere als unpolitisch. Auch wenn man sich das Abstimmungsverhalten der Vergangenheit anschaut, offenbart sich, dass \u201epolitische Spannungen\u201c keinen unwichtigen Einfluss haben und selten Punkte an L\u00e4nder gehen, mit denen das jeweilige Land aus politischen oder kulturellen Gr\u00fcnden im Zwist bzw. in Konkurrenz steht. Beispielsweise erhielt Gro\u00dfbritannien 2021 0 Punkte sowohl von der Jury als auch Zuschauer:innen als Reaktion auf den Brexit.\u00a0 Auch hinsichtlich des europ\u00e4ischen Imperialismus stellt es keinen unwichtigen Aspekt dar. Immerhin wurde der ESC 1956 gegr\u00fcndet, um die Einheit der teilnehmenden Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg zu f\u00f6rdern. Dahinter steht auch die Idee eines vereinten Europas als Wertegemeinschaft, welches dieselben (imperialistischen) Interessen vertritt. Genau genommen sind das nat\u00fcrlich die der imperialistischen Kernzentren Deutschland und Frankreich, auch wenn ihre Macht innerhalb der EU und des imperialistischen Weltsystems am Br\u00f6ckeln ist. In dem Fall des diesj\u00e4hrigen ESC sollte daher ganz klar unterstrichen werden, dass der europ\u00e4ische Imperialismus hinter Israel steht. Selbstverst\u00e4ndlich f\u00f6rdert der ESC auch nationalistische Gef\u00fchle durch die Konkurrenz der verschiedenen L\u00e4nder und Identifikation mit der \u201eeigenen\u201c k\u00fcnstlerischen Vertretung. In den letzten Jahren wurde das von einem queeren Publikum vermehrt aufgebrochen: Dadurch, dass offen queere Personen antreten und die Show seit jeher extravagant ist, empfinden viele auch abseits von nationalistischen Gef\u00fchlen Spa\u00df an der Show.<\/p>\n<p><strong>Kein Sieg f\u00fcr Israel<\/strong><\/p>\n<p>Gewonnen hat Nemo, Vertretung der Schweiz, mit einem Lied \u00fcber their Nichtbinarit\u00e4t. Dabei waren die Jurypunkte entscheidend. Zus\u00e4tzlich tritt Nemo auch offen f\u00fcr einen Waffenstillstand in Gaza ein. Bei der \u00dcbergabe der Auszeichnung sprach sich they unkonkret f\u00fcr Frieden aus.<\/p>\n<p>Israel hat trotz des Versuchs, viele Leute zu motivieren, f\u00fcr Golan zu stimmen, nicht gewonnen. Immerhin. Der 5. Platz jedoch wurde ihr sicher. Interessanterweise waren die Jurypunkte dabei nicht entscheidend, auch wenn sich Deutschland und Israel gegenseitig damit beschenkten. Stattdessen waren es die Televotes der Zuschauenden, die alle zusammengerechnet werden. Israel erhielt hier 328 Stimmen, 12 Punkte kamen unter anderem aus Deutschland. W\u00e4ren also nur diese ausschlaggebend, h\u00e4tte Israel tats\u00e4chlich gewonnen. Im Kontext der Boykottaufrufe ist es zwar nicht allzu verwunderlich, immerhin haben so Zionist:innen mehr Macht gehabt, wenn Fans, die f\u00fcr Pal\u00e4stina sind, gar nicht erst abstimmen. An diesem Ergebnis zeigt sich aber auch, wie gut die Propagandamasche und die Opferrolle ankommen. Aber es h\u00e4tte eigentlich gar nicht so weit kommen d\u00fcrfen, dass der Apartheidstaat Israel solch einen Auftritt hinlegen darf, um die Sympathien des TV-Publikums zu erheischen.<\/p>\n<p><strong>Gegenstimmen von K\u00fcnstler:innen<\/strong><\/p>\n<p>Vor dem diesj\u00e4hrigen ESC hatten sich 2.000 K\u00fcnstler:innen aus Schweden, Finnland und Island gegen eine Teilnahme Israels ausgesprochen. Auch hat die schwedische Gewinnerin des ESC 2023 Loreen verk\u00fcndet, dass sie nicht Eden Golan den Preis \u00fcberreichen w\u00fcrde, h\u00e4tte diese gewonnen. Statt die vermeintliche politische Neutralit\u00e4t des ESC hinzunehmen, haben au\u00dferdem einige K\u00fcnstler:innen, die am ESC teilnehmen (sollten), sich gegen die unkommentierte Teilnahme Israels ausgesprochen. W\u00e4hrend einer Pressekonferenz zeigten sich Bambi Thug, Irlands Kandidat:in, Joost Klein, niederl\u00e4ndischer Kandidat und Marina Satti, Griechenlands Vertreterin wenig begeistert von Eden Golans Statements gegen\u00fcber der Presse. Des Weiteren unterzeichneten einige von ihnen einen offenen Brief, der f\u00fcr Frieden, einen Waffenstillstand und die Freilassung aller Geiseln pl\u00e4diert und Israel als Apartheidstaat bezeichnet. Nemo, Sieger:in des ESC f\u00fcr die Schweiz, unterschrieb diesen ebenfalls. Auch der vormalige schwedisch-pal\u00e4stinensische ESC-Gewinner von 2011, Eric Saade, setzte ein Statement, indem er bei der Er\u00f6ffnung des Halbfinales eine Kufiya um sein Handgelenk geschlungen trug. Auf Instagram teilte er mit, dass die EBU seinen Auftritt nicht geteilt hatte, er aber keinesfalls schweigen wolle, wenn Kinder abgeschlachtet werden, unabh\u00e4ngig davon, wer die T\u00e4ter:innen seien. Politische Statements und Pal\u00e4stinafahnen wurden von Seiten der EBU untersagt, das Tragen der Kufiya kann dabei allerdings als Grauzone interpretiert werden. Auch Bambi Thug trug sie w\u00e4hrend eines Presseinterviews, they durfte aber nicht mit K\u00f6rperbemalung in mittelalterlicher-keltischer Schrift auftreten, die Freiheit f\u00fcr Pal\u00e4stina und Waffenruhe fordert. Die portugiesische Vertreterin Iolanda zeigte ihre Pal\u00e4stinan\u00e4gel in Kufiyamuster beim Finale, bisher ohne weitere Konsequenzen, au\u00dfer, dass ihre Performance nicht auf Youtube hochgeladen wurde wie alle anderen Songs, sondern stattdessen ihr Auftritt vom Halbfinale. Auch die italienische Vertreterin Angelina Mango setzte laut X ein Zeichen, indem sie bei der Flaggenparade absichtlich die italienische Flagge so mit ihrem Kleid kombinierte, dass es wie eine Pal\u00e4stinafahne aussah.<\/p>\n<p>Konsequenzen scheint es aktuell f\u00fcr Joost Klein zu geben. Dieser wurde ausgeschlossen, wenig ist jedoch bisher bekannt. Nachdem er von der israelischen Delegation massiv bedr\u00e4ngt wurde, die seine toten Eltern, wegen welchen er \u00fcberhaupt erst am ESC teilnehmen wollte, verh\u00f6hnte, wurde nun spekuliert, dass er deswegen verbal ausf\u00e4llig geworden sei. Es wurden polizeiliche Ermittlungen eingeleitet und der niederl\u00e4ndische Broadcaster des Eurovision Song Contest, AVROTROS, schildert den Vorfall wie folgt: Nach seinem Auftritt habe Joost mehrfach zu verstehen gegeben, dass er nicht gefilmt werden m\u00f6chte. Dem wurde nicht nachgegangen, trotz Wiederholung von Joosts Bitte. Daraufhin habe er sich in bedrohlicher Gestik auf die Kamera einer schwedischen Kamerafrau zubewegt, mehr sei jedoch nicht passiert. AVROTROS weigerte sich danach, die niederl\u00e4ndischen Punkte zu \u00fcbermitteln, und bezeichnet den Ausschluss von Joost Klein als v\u00f6llig \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>Es dr\u00e4ngt sich jedenfalls das Gef\u00fchl auf, dass hier mit allen Mitteln versucht wird, die K\u00fcnstler:innen, die sich kritisch zur Teilnahme Israels \u00e4u\u00dfern, unter Druck zu setzen und ihnen notfalls die Plattform zu entziehen. Und das, w\u00e4hrend es der israelischen Delegation erlaubt bleibt, in sozialen Medien zu teilen, dass in ihrer N\u00e4he kein\/e Antisemit:in atmen d\u00fcrfen solle, und Bambi Thugs Nichtbinarit\u00e4t durch den Kommentator des israelischen \u00dcbertragungssenders im Halbfinale durch den Dreck zu ziehen (seltsam, Israel ist wohl doch nicht so queerfreundlich?). Letzteres wird \u00fcbrigens von der EBU mittlerweile als Regelversto\u00df gewertet. Er ist scheinbar jedoch nicht gravierend genug f\u00fcr eine Disqualifikation. Es h\u00e4ufen sich au\u00dferdem auch Berichte von kritischen Journalist:innen und anderen Teilnehmenden, die aussagen, dass sie von der israelischen Delegation ungefragt gefilmt, beleidigt und bedroht wurden.<\/p>\n<p><strong>Manipulation beim ESC?<\/strong><\/p>\n<p>Einen weiteren wichtigen Punkt stellen die Vorw\u00fcrfe gegen verschiedene Aspekte des Wettbewerbs dar. Auf X (vormals Twitter) wurde geteilt, die EBU habe die Buhrufe des Publikums bei Eden Golans Auftritt im Halbfinale mit Applaus ersetzt. Obwohl im Stadion in Malm\u00f6 die ablehnende Haltung klar zu h\u00f6ren war und auch durch Handyaufnahmen nachzupr\u00fcfen ist, schien es im Stream ganz anders: Hier erntete sie stattdessen tosenden Applaus. Auch der deutsche Vertreter f\u00fcr den ESC aus dem Jahr 2021, Jendrik, kritisierte diese Praxis auf X. Beim Finale selbst waren die Buhrufe zumindest deutlich zu h\u00f6ren und wurden auch vom deutschen Kommentator der \u00dcbertragung, Thorsten Schorn, aufgegriffen. Aber auch hier zeigen die Aufnahmen aus dem Stadion eine ganz andere Ger\u00e4uschkulisse als die, die vor dem Fernseher ankam. Eine solche Manipulation der Reaktion von Zuschauer:innen ist nicht hinnehmbar und wird zu einem politischen Akt, auch wenn es im Namen des vermeintlich Unpolitischen durchgesetzt wird.<\/p>\n<p>Die Abstimmungen f\u00fcr die Teilnahme am Finale haben ebenso Spekulationen nach sich gezogen. So ver\u00f6ffentlichte der italienische Broadcaster aufgrund von technischen Fehlern die Abstimmungsergebnisse, was eigentlich nicht erlaubt ist. Zuschauenden fiel auf, dass diese f\u00fcr Israel ungew\u00f6hnlich hoch seien. Auch das Televoting im Finale verwirrte einige \u2013 so h\u00e4tten die Zuschauenden aus Irland 10 Punkte f\u00fcr Israel verteilt. Gerade in Anbetracht der irischen Kolonialgeschichte und des offenen Supports vieler Ir:innen f\u00fcr Pal\u00e4stina wirkt das doch ein bisschen seltsam. Nat\u00fcrlich gibt es nicht nur in Israel Zionist:innen, die f\u00fcr dieses Land abstimmen w\u00fcrden, daher muss nicht gleich von einer Manipulation ausgegangen werden. Jedoch gab es auch in der Vergangenheit Untersuchungen, das letzte Mal nach dem ESC 2022, aufgrund von \u201eUnregelm\u00e4\u00dfigkeiten bei der Stimmabgabe\u201c. Aufzukl\u00e4ren ist das durch Spekulationen jedenfalls nicht, stattdessen sollten die Abstimmungsergebnisse offengelegt und von Arbeiter:innenorganen \u00fcberwacht und ausgewertet werden, um eine bessere Transparenz gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Proteste<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch au\u00dferhalb der Arena in Malm\u00f6 kam es zu massiven Protesten. Auch die Sektion Arbetarmakt der L5I war vor Ort. Laut schwedischer Polizei str\u00f6mten dabei in den vergangenen Tagen bis zu zwanzigtausend Menschen durch die Stra\u00dfen bei Demonstrationen in der schwedischen Stadt, darunter auch Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie bezeichneten den ESC als Genocide Song Contest, forderten ein freies Pal\u00e4stina und einen sofortigen Waffenstillstand. Des Weiteren forderten sie den Boycott des ESC, als Teil der BDS-Kampagne im Bereich des kulturellen Boykotts. Durch den Aufschwung der Pal\u00e4stinasolidarit\u00e4tsbewegung im Rahmen der weltweiten Unibesetzungen wurde auch dem Gegenprotest gegen den ESC eine besondere Aufmerksamkeit zuteil und viele Leute gingen auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Daneben gab es in anderen L\u00e4ndern Aktionen. So schalteten belgische Gewerkschaften beim Halbfinale am Ende und Anfang der \u00dcbertragung eine Texttafel, die #Ceasefirenow und #StopGenocide beinhalteten. Das war nicht abgesprochen mit dem Sender, der in Belgien den ESC \u00fcbertrug, jedoch ist das auch scheinbar nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p><strong>Perspektive<\/strong><\/p>\n<p>Die belgische Gewerkschaft kann man sich jedenfalls definitiv in dieser Hinsicht zum Vorbild nehmen. Genau solche Aktionen w\u00e4ren unter anderem notwendig, um eine noch gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit zu schaffen f\u00fcr den Genozid in Gaza, die Vorkommnisse und Zensur beim ESC sowie Doppelmoral bez\u00fcglich der israelischen Teilnahme. Daf\u00fcr m\u00fcssten sich die Gewerkschaften in der Unterhaltungsbranche der teilnehmenden L\u00e4nder und die Arbeiter:innen dieser zusammentun, k\u00f6nnten auch zusammen mit den K\u00fcnstler:innen die Plattform des ESC nutzen, um ein Zeichen zu setzen und die israelische Teilnahme zu blockieren, wenn die EBU hier schon mit zweierlei Ma\u00df messen will. Im Zusammenhang mit gewerkschaftlicher Aktion kann auch die Boykottkampagne sinnvoll sein. Ebenso w\u00e4re nat\u00fcrlich auch eine komplette Bestreikung des ESCs oder die Besetzung der Arena in Malm\u00f6 eine M\u00f6glichkeit gewesen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen die Strukturen des ESCs transformiert werden. Die Spitzenfunktion\u00e4r:innen der EBU haben bewiesen, dass sie durch ungerechtfertigte Entscheidungen, Ausschl\u00fcsse und Zensur alles versuchen, den Protest verstummen zu lassen. Ein solcher Song Contest, der fair und f\u00fcr K\u00fcnstler:innen ein sicherer Ort ist, w\u00e4hrend imperialistische Staaten keine Plattform f\u00fcr die Legitimierung ihrer Kriegsverbrechen erhalten, kann nur unter Kontrollkomitees von Arbeiter:innen und ihren Gewerkschaften, Zuschauenden und K\u00fcnstler:innen gew\u00e4hrleistet werden! Zus\u00e4tzlich kann man sich \u00fcberlegen, ob die Zentrierung um die Herkunft der antretenden K\u00fcnstler:innen abgeschafft werden kann. Aber erstmal ist klar: Der ESC darf nicht zum Propagandamittel f\u00fcr den Genozid werden! Take back the ESC! Oder um es mit den Worten von Bambie Thug zu sagen: \u201eFuck the EBU, we are what the Eurovision is!\u201c (Deutsch: \u201eSchei\u00dft auf die EBU! Wir sind die Eurovision!\u201c)<\/p>\n<p>Quelle: <em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2024\/05\/12\/eurovision-song-contest-2024-united-by-genocide\/\">arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/a> vom 14. Mai 2024a<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leonie Schmidt. Am 11. Mai fand in Malm\u00f6 das Finale des 68. 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