{"id":14499,"date":"2024-05-17T12:05:16","date_gmt":"2024-05-17T10:05:16","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14499"},"modified":"2024-05-17T12:05:18","modified_gmt":"2024-05-17T10:05:18","slug":"80-jahre-osaritschi-1944-die-wehrmacht-schlachtet-zivilisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14499","title":{"rendered":"80 Jahre Osaritschi 1944 \u2013 die Wehrmacht schlachtet Zivilisten"},"content":{"rendered":"<p><em>Verena Nees. <\/em>Vor wenigen Wochen j\u00e4hrte sich eines der schlimmsten Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zum 80. Mal, der Massenmord an Tausenden Zivilisten, an Frauen, Alten, Kindern im wei\u00dfrussischen Todeslager Osaritschi (Osarici oder Ozarichi).<\/p>\n<p>Bei ihrem R\u00fcckzug nach der Niederlage von Stalingrad im Februar 1943<!--more--> hinterlie\u00df die deutsche Armee \u00fcberall eine Spur des Todes und der verbrannten Erde. Sie verw\u00fcstete Wirtschaft, Krankenh\u00e4user, Eisenbahnlinien und andere Verkehrswege, brannte D\u00f6rfer nieder, rekrutierte die arbeitsf\u00e4higen Bewohner f\u00fcr Zwangsarbeit und ver\u00fcbte Massaker an der Zivilbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Das Geschehen von Osaritschi im M\u00e4rz 1944 gilt dabei als \u201eeines der schwersten Verbrechen der Wehrmacht gegen Zivilisten \u00fcberhaupt\u201c, wie Dieter Pohl, Historiker am M\u00fcnchner Institut f\u00fcr Zeitgeschichte, schreibt.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Bei diesem Verbrechen sei die \u201eSicherheitspolizei eher peripher beteiligt\u201c gewesen, betont Pohl.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Er tritt damit den L\u00fcgen von der \u201esauberen Wehrmacht\u201c entgegen, die bis zu den Hamburger Wehrmachtsausstellungen von 1995 und 2001 g\u00e4ngige Propaganda war und in rechten Kreisen bis heute vertreten wird.<\/p>\n<p>Ab 12. M\u00e4rz 1944 trieben Wehrmachtseinheiten der 9. Armee bis zu 50.000 Menschen in ein mit Stacheldraht umz\u00e4untes Sumpfgebiet au\u00dferhalb des wei\u00dfrussischen Dorfs Osaritschi, wo sie drei Lager ohne Unterk\u00fcnfte oder sanit\u00e4re Einrichtungen errichtet hatten. Vor allem Frauen mit Kleinkindern, Alte und Kranke wurden dort ohne Wasser und Nahrung unter freiem Himmel eingepfercht. Sie waren K\u00e4lte, Hunger, Seuchen und dem Terror durch Wachsoldaten ausgesetzt.<\/p>\n<p>Es war ihnen verboten, Feuer anzuz\u00fcnden, um sich zu w\u00e4rmen, und Ausbruchsversuche wurden mit Granatwerferfeuer beantwortet, berichtet Christoph Rass, Professor f\u00fcr Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung an der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Rass hat seit vielen Jahren zusammen mit Aliaksandr Dalhouski von der belarussischen Geschichtswerkstatt Minsk die Ereignisse vom M\u00e4rz 1944 erforscht und 2006 gemeinsam mit Studenten den Film \u201eOsaritschi 1944\u201c produziert.<\/p>\n<p>Bis zum 19. M\u00e4rz, in nur sieben Tagen, starben schon mindestens 9000 Zivilisten \u2013 \u201eunn\u00fctze Esser\u201c, wie das Oberkommando der 9. Armee dazu erkl\u00e4rte. Bereits bei der Deportation, die in \u00fcberf\u00fcllten Viehw\u00e4gen, vielfach auch zu Fu\u00df stattfand, wurden mindestens 500 Menschen, darunter Kinder, ermordet, weil sie nicht mehr weiterlaufen konnten. Auch nach der Internierung schossen die Wachmannschaften der 35. Infanterie-Division \u201eoft beim geringsten Anlass oder ganz ohne Grund, auch auf Kinder &#8230;, sogar auf Versuche der Internierten hin, vom Sumpfwasser zu trinken.\u201c<\/p>\n<p>Weitere Tausende starben nach der Befreiung durch die Rote Armee an den Folgen, darunter Typhus und Fleckfieber, die auch sowjetische Soldaten infizierten. Bis zum 31. M\u00e4rz sollen laut einer sowjetischen Untersuchungskommission 1526 Typhusf\u00e4lle bei den \u00dcberlebenden aufgetreten sein. Zahlreichen Menschen mussten H\u00e4nde und Beine amputiert werden. Wei\u00dfrussische Quellen gehen von insgesamt bis zu 20.000 Toten aus.<\/p>\n<p>\u201eEs gab nur den Boden und um uns herum Stacheldraht\u201c, wird sich die damals sechsj\u00e4hrige Larisa Staschkewitsch Jahre sp\u00e4ter gegen\u00fcber der <em>Esslinger Zeitung<\/em> erinnern. Die Gefangenen bekamen weder Nahrung noch Wasser, auch Decken gab es nicht, obwohl die Temperaturen nachts auf bis zu minus 15 Grad sanken. \u201eUm uns gegen die heftigen Fr\u00fchjahrsst\u00fcrme zu sch\u00fctzen, haben wir uns hinter die Leichen gelegt\u201c, so die Schilderung der \u00fcberlebenden Larisa, die auf dem akademischen Blog der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck im Jahr 2014, zum 70. Jahrestag, <a href=\"https:\/\/nghm.hypotheses.org\/21353\">wiedergegeben<\/a> wurde.<\/p>\n<p>In einem detaillierten Forschungsbericht \u201eDie Konzentrationslager bei Ozarichi\u201c zitieren Christoph Rass und Ren\u00e9 Rohrkamp einen Tagebucheintrag eines deutschen Milit\u00e4rgeistlichen, der zu einem der drei Lager gef\u00fchrt wurde, in dem zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 20.000 Zivilisten interniert waren:<\/p>\n<p><em>Ich sp\u00fcrte die Ver\u00e4nderung zuerst an einem seltsamen erregenden Ger\u00e4usch, welches ich nicht n\u00e4her bestimmen konnte, bis ich in der Ferne das Lager entdeckte. Ein ununterbrochenes leises Wehklagen vieler Stimmen stieg daraus zum Himmel auf. Und dann sah ich, wie man gerade vor mir die Leiche eines alten Mannes abschleppte wie ein St\u00fcck Vieh. Man hatte einen Strick um sein Bein gebunden. Eine Greisin lag tot am Wege mit frischer Schusswunde in der Stirn. Ein Posten der Feldgendarmerie belehrte mich weiter. Er wies auf ein paar B\u00fcndel im Dreck hin: Tote Kinder, \u00fcber die er ein Kissen gelegt hatte. Frauen haben ihre Kinder, die sie nicht mehr tragen konnten, am Wege liegen lassen. Auch sie wurden erschossen, wie \u00fcberhaupt alles \u201eumgelegt\u201c wird, was wegen Krankheit, Alter und Schw\u00e4che nicht mehr weiter kann.<\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn4\"><em><sup>[4]<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Ziel der Wehrmachtsoperation sei es gewesen, \u201eSeuchenkranke, Kr\u00fcppel, Greise und Frauen mit mehr als zwei Kindern unter zehn Jahren sowie sonstige Arbeitsunf\u00e4hige loszuwerden bzw. nicht mehr versorgen zu m\u00fcssen\u201c.<\/p>\n<p>Es handelte sich um \u201ekalkulierte Morde\u201c, wie auch der an der Universit\u00e4t Bern lehrende Historiker Christian Gerlach in seiner Dissertation an der TU Berlin 1998 schrieb.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Oberkommando der 9. Armee (\u201eHeeresgruppe Mitte\u201c) hatte sie gezielt geplant und durchgef\u00fchrt. Die \u201earbeitsunf\u00e4hige\u201c Bev\u00f6lkerung sollte als \u201emenschlicher Schutzschild\u201c den Vormarsch der Roten Armee verlangsamen. Vergleichbare Operationen beabsichtigte es \u00fcberall entlang der Front zu wiederholen, was ihm allerdings nicht mehr gelang.<\/p>\n<p>Im Kriegstagebuch der 9. Armee vom 8. M\u00e4rz 1944 hei\u00dft es dazu:<\/p>\n<p><em>Es ist geplant, aus der frontnahen Zone der Armee alle nicht arbeitsf\u00e4higen Einheimischen in den aufzugebenden Raum zu bringen und bei der Frontzur\u00fccknahme dort zur\u00fcckzulassen, insbesondere die zahlreichen Fleckfieberkranken, die bisher in besonderen D\u00f6rfern untergebracht worden sind, um eine gesundheitliche Gef\u00e4hrdung der Truppe nach M\u00f6glichkeit auszuschalten. Der Entschluss, sich von dieser, auch ern\u00e4hrungsm\u00e4\u00dfig erheblichen B\u00fcrde nunmehr auf diese Weise zu befreien, ist vom AOK (Ameeoberkommando) nach genauer Erw\u00e4gung und Pr\u00fcfung aller sich daraus ergebender Folgerungen gefasst worden.<\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn6\"><em><sup>[6]<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Nach Abschluss der Deportation in die Lager wurden die Eing\u00e4nge mit Minen gesperrt. Die Wehrmachtseinheiten zogen ab und lie\u00dfen nur einige kleine Wachkommandos zur\u00fcck. Am 17. M\u00e4rz 1944 zogen sich auch diese letzten verbliebenen Wachen auf die neue Hauptfrontlinie der 35. Infanteriedivision zur\u00fcck, wobei sie die Lager unter Beschuss nahmen, um die Internierten an der Flucht zu hindern. Als die Rote Armee am 19. M\u00e4rz die Lager fand und die Minen r\u00e4umte, konnten sie viele Befreite nicht mehr retten.<\/p>\n<p>Das Kommando der 9. Armee bewertete die Aktion als Erfolg:<\/p>\n<p><em>Die Erfassungsaktion hat f\u00fcr das gesamte Gefechtsgebiet eine wesentliche Erleichterung gebracht. Die Wohngebiete wurden erheblich aufgelockert und f\u00fcr Truppenunterk\u00fcnfte frei. F\u00fcr nutzlose Esser wird keine Verpflegung mehr verbraucht. Durch Abschieben der Seuchenkranken wurden die Infektionsherde bedeutend verringert.<\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn7\"><em><sup>[7]<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>T\u00e4ter nie belangt<\/strong><\/p>\n<p>Nach Ende des Kriegs wurden die hauptverantwortlichen Kommandeure der Wehrmacht und der Leiter des beteiligten SS-Sonderkommandos in Deutschland nie belangt. Nur diejenigen, die in sowjetische Gefangenschaft geraten waren, erhielten ihre Strafe, darunter der Befehlshaber der 35. Division, Generalleutnant Johann-Georg Richert, der in Minsk 1946 zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.<\/p>\n<p>In \u201eDie Konzentrationslager bei Ozarichi\u201c hei\u00dft es dazu:<\/p>\n<p><em>Die meisten T\u00e4ter jedoch, die unmittelbar verantwortlich f\u00fcr die Planung und Ausf\u00fchrung der Deportationen von Ozarichi waren, an erster Stelle Helmut Looss, \u201eF\u00fchrer\u201c des Sonderkommandos 7a, Josef Harpe, Oberbefehlshaber der 9. Armee, Friedrich Ho\u00dfbach, kommandierender General des LVI. Korps und ebenso Werner Bodenstein, der Oberquartiermeister der 9. Armee, wurden f\u00fcr ihre Verbrechen nie zur Verantwortung gezogen.<\/em><\/p>\n<p>Der Oberbefehlshaber der 9. Armee, General Josef Harpe, hatte nach den Verbrechen von Osaritschi den Oberbefehl der ber\u00fcchtigte 4. Panzerarmee in der Nordukraine \u00fcbernommen, die bereits beim \u00dcberfall auf die Sowjetunion 1941 direkte Aufrufe zum Judenmord in die Tat umsetzte.<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html#fn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Mitte April 1945 in US-Kriegsgefangenschaft geraten, wurde er nach drei Jahren 1948 entlassen und lebte unbehelligt in der Bundesrepublik, wo er im Alter von 80 Jahren 1968 in N\u00fcrnberg starb.<\/p>\n<p>Friedrich Ho\u00dfbach, kommandierender General des LVI. Korps der Infanterie, starb 1980 in G\u00f6ttingen. Er wurde noch lange in Bundeswehr- und Vertriebenenverb\u00e4nden f\u00fcr seine \u201eVerdienste\u201c in der Abwehr der Roten Armee verehrt. Er sei ein \u201estrategisch hervorragend begabter General\u201c, der als zeitweiliger Kommandeur der 4. Armee \u201eeinigen 1000 Ost- und Westpreu\u00dfen &#8230; das Joch der roten Soldateska f\u00fcr eine Weile genommen\u201c habe und vielen \u201eunvergessen\u201c sei, so ein Text der <a href=\"https:\/\/kulturstiftung.org\/biographien\/hossbach-friedrich-2\">Kulturstiftung der Vertriebenen<\/a> von 1992.<\/p>\n<p>Helmut Loo\u00df tauchte 1945 unter dem Namen seiner Mutter, Helmut Gessert, in Bremen unter, wurde Grundschullehrer und kandidierte 1961 f\u00fcr die FDP in der Bundestagswahl. Erst Ende der 60er Jahre wurde er zu den Ereignissen an der Ostfront verh\u00f6rt und als Lehrer beurlaubt. Das Landgericht Bremen setzte jedoch die Verfolgung wegen Verj\u00e4hrung aus. Er starb 1988, ohne dass jemals Anklage gegen ihn erhoben worden war.<\/p>\n<p>Werner Bodenstein, Oberst im Generalstab, wurde nach 1945 sogar an leitender Stelle beim Aufbau der Bundeswehr eingesetzt. Ab 1958 war er als \u201e1. Deutscher Bevollm\u00e4chtigter NORD\u201c Kommandeur eines der sechs Wehrbereiche, die ab 1956 aufgestellt wurden, 1960 wurde er zum Brigadegeneral bef\u00f6rdert, und 1964 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Er starb 1983 im rheinland-pf\u00e4lzischen Hirschberg, hochdekoriert und nie f\u00fcr seine Beteiligung am Massenmord Tausender Zivilisten in Osaritschi zur Rechenschaft gezogen.<\/p>\n<p><strong>Zwei Gedenkveranstaltungen<\/strong><\/p>\n<p>Zum 80. Jahrestag erinnerten zwei Gedenkveranstaltungen an das schreckliche Ereignis, am 15. M\u00e4rz im Rathaussaal von Osnabr\u00fcck und am 19. M\u00e4rz im Museum Berlin-Karlshorst, das als \u201eKapitulationsmuseum\u201c bekannt ist, weil an diesem Ort in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht unterzeichnet wurde. Bei beiden Veranstaltungen sprachen Christoph Rass von der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck sowie Aliaksandr Dalhouski von der belarussischen Geschichtswerkstatt Minsk, die mit der IBB (Internationalen Bildungs- und Begegnungsst\u00e4tte) Dortmund zusammenarbeitet.<\/p>\n<p>Doch obwohl die beiden Gedenkveranstaltungen in vielen Medien und Programmzeitschriften angek\u00fcndigt waren, zuletzt am Tag der Berliner Veranstaltung, dem 19. M\u00e4rz, in einem ausf\u00fchrlichen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HmAwj59hr94\">Kalenderblatt<\/a>-Beitrag des Deutschlandfunks, folgten danach bemerkenswerterweise keine Presseberichte!<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass ausgerechnet die Erinnerung an Osaritschi in den Medien \u00fcbergangen wird, ist vielsagend. Nachdem die deutsche herrschende Klasse seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 wieder auf Konfrontation mit Russland setzt, sollen nun die Verbrechen der Wehrmacht ausgeblendet werden.<\/p>\n<p>Tagt\u00e4glich trommelt die Regierungskoalition f\u00fcr die Wiederkehr des deutschen Militarismus, f\u00fcr \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c der Bundeswehr und f\u00fcr Waffenlieferungen im Stellvertreterkrieg der Ukraine gegen Russland. Es ist offensichtlich, dass der deutsche Staat dabei wieder an die Wehrmachtstraditionen ankn\u00fcpft, wie dies der <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/02\/csyx-m02.html\">Osnabr\u00fccker Erlass<\/a> von Verteidigungsminister Boris Pistorius deutlich macht.<\/p>\n<p>Das Museum Berlin-Karlshorst, das im vergangenen Jahr von offiziellen Stellen dazu gedr\u00e4ngt wurde, den Namen \u201eDeutsch-Russisches Museum\u201c aufzugeben, ist das einzige Museum Deutschlands, das an den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion erinnert. Der Tr\u00e4gerverein, der nach der Wiedervereinigung 1990 aufgrund einer v\u00f6lkerrechtlich bindenden Vereinbarung zwischen Russland und Deutschland gebildet wurde und auch Belarus und die Ukraine beteiligt, hatte im Katalog zur Dauerausstellung sein Ziel mit den Worten formuliert, es solle \u201eein Museum gegen den Krieg werden, ein Museum, das am Ort der Kapitulation f\u00fcr den Frieden wirbt\u201c.<\/p>\n<p>Das gilt f\u00fcr die deutschen Eliten jedoch heute nicht mehr. Immer vehementer fordern Vertreter der Regierung das Ende der Zusammenarbeit mit Russland und Belarus, insbesondere die Bundeskulturstaatsministerin Claudia Roth (Gr\u00fcne) und die Verteidigungspolitikerin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sollten sie sich durchsetzen, w\u00e4re dies das Ende dieses Museums.<\/p>\n<p>Die Erinnerung an den Massenmord von Osaritschi passt nicht mehr ins heutige Konzept der kriegsw\u00fctigen Oberschicht und soll daher verschwiegen werden. Doch Fakten sind hartn\u00e4ckig. Die M\u00f6rder von Osaritschi, die ihre Karriere nach 1945 fortsetzten, als sei nichts geschehen, widerlegen das Geschw\u00e4tz von der \u201eStunde Null\u201c und dem angeblichen Neuanfang. Sie machen deutlich, in welch schrecklicher Tradition die Wiederkehr des deutschen Militarismus steht.<\/p>\n<p>Auch die Bilder aus Gaza von sterbenden Frauen, Kindern, alten Menschen, die den Bildern von Osaritschi erschreckend \u00e4hnlich sind, lassen Politprominenz und offizielle Medien vor einer Bekanntmachung der Kriegsverbrechen der deutschen Armee zur\u00fcckschrecken. Ist doch die Ampel-Regierung an dem heutigen V\u00f6lkermord ganz unmittelbar beteiligt, indem sie das rechtsextreme israelische Regime mit Finanzen, Waffen und Propagandal\u00fcgen ausstatten!<\/p>\n<p>Umso bedeutsamer ist es f\u00fcr jeden Arbeiter und Jugendlichen hierzulande, sich das Geschehen in Osaritschi vor 80 Jahren genau vor Augen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Marija Rytschankowa mit ihren drei Kindern nach der Befreiung des Lagers Osaritschi, 19. M\u00e4rz 1944. Der siebenj\u00e4hrige Sohn Iwan \u00fcberlebte, die zweij\u00e4hrige Fenja und die vierj\u00e4hrige Anja starben am 23. und 29. M\u00e4rz 1944 an den Folgen der Lagerhaft. [Photo by Alperin]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/05\/14\/ozar-m14.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Mai 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verena Nees. Vor wenigen Wochen j\u00e4hrte sich eines der schlimmsten Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zum 80. 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