{"id":14524,"date":"2024-05-23T11:07:04","date_gmt":"2024-05-23T09:07:04","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14524"},"modified":"2024-05-23T11:07:05","modified_gmt":"2024-05-23T09:07:05","slug":"der-tod-des-iranischen-staatspraesidenten-reaktionen-und-moegliche-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14524","title":{"rendered":"Der Tod des iranischen Staatspr\u00e4sidenten: Reaktionen und m\u00f6gliche Folgen"},"content":{"rendered":"<p><em>Karin Leukefeld.<\/em> Im Iran ist Pr\u00e4sident Ebrahim Raisi bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Mit ihm starben Au\u00dfenminister Hossein Amir Abdollahian, der Leiter des Freitagsgebets in T\u00e4bris Ayatollah Mohammad Ali Al-e-Hashem, der Gouverneur der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan Malek Rahmati, der Leiter des Begleitteams der Pr\u00e4sidentengarde Mehdi Mousavi und<!--more--> vier weitere Begleiter, darunter die Hubschraubercrew. Der Absturz ereignete sich am vergangenen Sonntag (19.05.2024) am sp\u00e4ten Nachmittag bei schwierigem Wetter unweit des Ortes Jolfa, nach der Grenze zu Aserbaidschan, in der nordwestiranischen Provinz Varzaquan. Zwei weitere Hubschrauber des Pr\u00e4sidentenkonvois landeten sicher in T\u00e4bris.<\/p>\n<p>Schnell verbreiteten sich auf Internet-Kan\u00e4len Theorien und Spekulationen dar\u00fcber, was den Absturz verursacht haben mochte. Die Suche von mehr als 40 Rettungsteams des Iranischen Roten Halbmonds blieb wegen Regen, Nebel und einbrechender Nacht in der weit \u00fcber 1.000 Meter hohen gebirgigen Landschaft lange erfolglos. Auf Anfrage des Irans aktivierte die EU das Satellitensystem Copernicus EMS, wie der EU-Kommissar f\u00fcr humanit\u00e4re Angelegenheiten, Janez Lenarcic, per <em>X<\/em> (vormals <em>Twitter<\/em>) <a href=\"https:\/\/x.com\/JanezLenarcic\/status\/1792240959180120305#:~:text=Post,Post%20%C3%BCbersetzen\">mitteilte<\/a>. Das System k\u00f6nne helfen, den Ort zu finden, an dem der Unfall passiert sei.<\/p>\n<p>Copernicus EMS erstellt Kartenmaterial, das auf Satellitendaten basiert, hie\u00df es in einer EU-Erkl\u00e4rung. EU-Ratspr\u00e4sident Charles Michel <a href=\"https:\/\/x.com\/CharlesMichel\/status\/1792215176889983158\">erkl\u00e4rte<\/a>, man verfolge die Entwicklung aufmerksam. Die T\u00fcrkei, Irak, Saudi-Arabien, Aserbaidschan und Russland boten dem Iran Hilfe an. Am n\u00e4chsten Morgen erreichten die Rettungsteams die Absturzstelle. Der Hubschrauber war offenbar bei einer \u201eharten Landung\u201c auseinandergebrochen und in Brand geraten. Keiner der neun Passagiere hatte \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Im Iran wurde eine f\u00fcnft\u00e4gige Trauer erkl\u00e4rt, Fahnen wurden auf Halbmast gesenkt. Nach einer ersten Trauerfeier in T\u00e4bris wurden die sterblichen \u00dcberreste nach Qom gebracht. Am Donnerstag (23.05. 2024) soll Ebrahim Raisi in seiner Geburtsstadt Mashhad beerdigt werden. Tausende nahmen an den offiziellen Trauerfeiern teil.<\/p>\n<p><strong>Einige freuen sich<\/strong><\/p>\n<p>Aus den kurdischen Gebieten im Westen des Landes wurde dagegen von Autokorsos und Freudenfeiern berichtet, \u201eum das Ende des verhassten Herrschers zu feiern\u201c, wie die kurdische Nachrichtenagentur ANF <a href=\"https:\/\/anfdeutsch.com\/aktuelles\/-42255\">berichtete<\/a>. In Berlin feierten iranische Oppositionelle der Volksmujaheddin vor der iranischen Botschaft. \u201eWir freuen sich aus tiefstem Herzen \u00fcber den Tod von Raisi\u201c, wurde eine junge Frau <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/de-de\/nachrichten\/welt\/freuen-uns-aus-tiefstem-herzen-iranischer-widerstand-bejubelt-in-berlin-tod-von-pr%C3%A4sident-raisi\/ar-BB1mHLI4\">in einer Zeitung zitiert<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Die UNO kondoliert<\/strong><\/p>\n<p>Kondolenzschreiben und Trauerbekundungen erreichten den Iran aus aller Welt. Die Staatschefs und K\u00f6nige der arabischen Golfstaaten Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Saudi-Arabien, aus dem Irak, Syrien, Libanon, Jordanien und \u00c4gypten, aus Russland, China, Indien, Pakistan, Malaysia, T\u00fcrkei, Aserbaidschan, Venezuela, Brasilien kondolierten.<\/p>\n<p>Seine Trauer und \u201eN\u00e4he im Gebet\u201c bekundete in r\u00f6mische Papst Franziskus, wie die Vatikan-Nachrichten mitteilten. Beileid sandte der Pr\u00e4sident der nordirakischen Kurdenregion, Nevshirvan Barzani. Neben Hisbollah, Ansar Allah\/Houthis und Hamas trafen Trauerbotschaften auch von der Volksfront zur Befreiung Pal\u00e4stinas und anderen pal\u00e4stinensischen Organisationen ein. F\u00fcr die Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde bekundete Mahmud Abbas sein Beileid.<\/p>\n<p>UN-Generalsekret\u00e4r Antonio Guterres teilte seine Trauer mit, im UN-Sicherheitsrat <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2024\/05\/1149976\">erhoben sich<\/a> die Botschafter zu einer Schweigeminute. Ebenso taten es die Teilnehmer einer Konferenz der Internationalen Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEA) \u00fcber nukleare Sicherheit in Wien. Die UNO senkte die Fahnen auf Halbmast, ein Ritual das im Amt verstorbenen Staatspr\u00e4sidenten zuteil wird. Die Spitzenkandidatin einer deutschen Partei f\u00fcr die EU-Wahlen <a href=\"https:\/\/x.com\/MAStrackZi\/status\/1792871397569478929\">kommentierte<\/a> das mit einer X-Botschaft als \u201eSchweigeminute f\u00fcr einen Massenm\u00f6rder\u201c und als \u201emoralischen Absturz\u201c.<\/p>\n<p>Das US-Au\u00dfenministerium <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/on-the-death-of-iranian-president-raisi-and-others-in-a-helicopter-crash\/\">teilte<\/a> derweil durch einen Sprecher das \u201eoffizielle Beileid\u201c mit und Charles Michel, Pr\u00e4sident des Europarates, sprach f\u00fcr die EU \u201eaufrichtiges Beileid\u201c aus. Die Gedanken seien mit den Familien der Verstorbenen. Auch der EU-Au\u00dfenbeauftragte Josep Borrell kondolierte. Am Dienstagnachmittag fand sich auf der Webseite <a href=\"http:\/\/www.bundeskanzler.de\">bundeskanzler.de<\/a> die <a href=\"https:\/\/www.bundeskanzler.de\/bk-de\/aktuelles\/kondolenz-von-bundeskanzler-scholz-an-den-vizepraesidenten-der-islamischen-republik-iran-herrn-mokhber-2284390\">Pressemitteilung 125<\/a>, ein knappes Schreiben von Bundeskanzler Olaf Scholz.<\/p>\n<p><strong>\u201eEinigen gefallen unsere Treffen und die gemeinsamen Erfolge nicht\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Am Morgen des t\u00f6dlichen Absturzes hatte sich der iranische Pr\u00e4sident an der Grenze zu Aserbaidschan mit dem aserbaidschanischen Pr\u00e4sidenten Ilham Aliyev getroffen. Die etwa 450 km lange Grenze wird vom Grenzfluss Aras markiert, der im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten den Iran auf einer gesamten L\u00e4nge von rund 1.200 km von Aserbaidschan, Armenien und der T\u00fcrkei trennt. Beide Politiker hatten den Qiz-Qalasi-Damm <a href=\"https:\/\/www.tasnimnews.com\/en\/news\/2024\/05\/19\/3088336\/qiz-qalasi-dam-symbol-of-iranian-azeri-people-s-friendship-energy-minister\">eingeweiht<\/a>, ein gemeinsames Infrastrukturprojekt, das von iranischen Ingenieuren gebaut worden war und etwa 220 km nord\u00f6stlich der iranischen Stadt T\u00e4bris liegt.<\/p>\n<p>Der Damm, dessen Bau vor rund 20 Jahren begonnen worden war, gilt als das \u201egr\u00f6\u00dfte gemeinsame Wasserprojekt\u201c zwischen beiden L\u00e4ndern, wie der iranische Energieminister Ali Akbar Mehrabian am Tag der Einweihung vor Journalisten in Teheran sagte. Ein zweiter Damm \u201eKhoda Afarin\u201c wurde schon vor Jahren am Aras-Fluss gebaut. Der Qiz-Qalasi-Damm soll zuk\u00fcnftig rund 2 Milliarden Kubikmeter Wasser regulieren, die beiden iranischen Provinzen Ardabil und Ost-Aserbaidschan auf iranischer Seite sollen zu den Hauptabnehmern des Wassers geh\u00f6ren. Auf beiden Seiten der Grenze soll das Wasser die Landwirtschaft und den Schutz der Umwelt f\u00f6rdern, so Mehrabian. Ein wichtiges Ziel sei auch die Eind\u00e4mmung und Kontrolle von \u00dcberschwemmungen.<\/p>\n<p>Die Nachrichtenagentur <em>IRNA <\/em><a href=\"https:\/\/en.irna.ir\/news\/85481793\/Qiz-Qalasi-Dam-a-block-to-hostile-attempts-against-Iran-Azerbaijan\">schrieb<\/a> in einem Vorab-Bericht \u00fcber die Einweihung am gleichen Tag, der Damm werde \u201ealle feindlichen Versuche blockieren, die iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen zu st\u00f6ren\u201c. Anstrengungen, \u201einsbesondere des zionistischen Regimes, sich in die iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen einzumischen\u201c, h\u00e4tten die Freundschaft zwischen Teheran und Baku erneuert und gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Am Tag der Einweihung des Staudamms erkl\u00e4rten sowohl Raisi als auch Aliyev, dass beide L\u00e4nder von diesem modernen Damm profitieren w\u00fcrden. Ihr Treffen symbolisiere nicht nur den technischen Fortschritt, sondern auch, dass beide L\u00e4nder zum Wohl ihrer jeweiligen Bev\u00f6lkerung bei so wichtigen Entwicklungen zusammenarbeiten k\u00f6nnten. \u201eEinigen gefallen unsere Treffen und unsere gemeinsamen Erfolge nicht\u201c, wird Raisi im Protokoll der aserbaidschanischen Seite <a href=\"https:\/\/president.az\/en\/articles\/view\/65902\">zitiert<\/a>. \u201eDie Hauptsache ist, dass wir gemeinsam umsetzen k\u00f6nnen, was gut f\u00fcr unsere L\u00e4nder, unsere Staaten und unsere V\u00f6lker ist.\u201c<\/p>\n<p>Aliyev sprach von einem \u201esch\u00f6nen und hellen Kapitel in der Geschichte der iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen\u201c. Das Projekt, das eingeweiht werde, sei technisch sehr wichtig und werde \u201ebeide V\u00f6lker und die zwei Staaten noch n\u00e4her zusammenbringen\u201c. Der gemeinsame Erfolg mache \u201eunsere Freunde gl\u00fccklich\u201c, sagte Aliyev, ohne konkret zu werden. \u201eDiejenigen, denen das nicht gef\u00e4llt, sollten sich besser um ihre eigenen Dinge k\u00fcmmern.\u201c Beide Staaten h\u00e4tten einen \u201estarken gemeinsamen politischen Willen\u201c gezeigt, man habe \u201eden Menschen und der ganzen Welt offen erkl\u00e4rt, dass wir zusammen sind und zusammenbleiben\u201c werden. Die iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen seien eine \u201ewichtige Bedingung f\u00fcr die Stabilit\u00e4t in unserer Region\u201c, so Aliyev weiter laut offizieller Mitschrift. \u201eSo werden Arbeitspl\u00e4tze geschaffen und (\u2026) sicherlich wird es weitere, \u00e4hnliche gemeinsame Projekte in der Zukunft geben.\u201c<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet der Tod des iranischen Staatspr\u00e4sidenten f\u00fcr die Region<\/strong><\/p>\n<p><em>Der Tod des iranischen Pr\u00e4sidenten Ebrahim Raisi und von Au\u00dfenminister Hossein Amir-Abdollahian f\u00e4llt in eine Zeit gro\u00dfer politischer Spannungen. Was bedeutet der ungekl\u00e4rte Tod dieser Politiker f\u00fcr die Region? Wird die Au\u00dfenpolitik des Irans sich \u00e4ndern?<\/em><\/p>\n<p>Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik des Irans liegen in den H\u00e4nden von Revolutionsf\u00fchrer Ali Khamenei und den Revolutionsgarden. Die aktuelle Au\u00dfenpolitik ist eine strategische Entscheidung und wird sich kurzfristig nicht \u00e4ndern. Seit der Islamischen Revolution 1979 war die Strategie der iranischen Au\u00dfenpolitik: \u201eWeder Ost noch West\u201c. Der Iran geh\u00f6rte der blockfreien Bewegung an. Schon mit dem Iran-Irak-Krieg (1980-88) r\u00fcckte Iran enger an China heran. Mit Amtsantritt von Ebrahim Raisi (2021) wurde aus den bisherigen Beziehungen beider L\u00e4nder eine strategische Partnerschaft. Der Iran wandte sich dem Osten zu. China und Russland sind heute enge Partner. Sowohl Raisi als auch Au\u00dfenminister Abdollahian waren starke Vertreter dieser Linie und bei der engen Kooperation der regionalen Schwergewichte China, Russland, Iran wird es bleiben. Zu der Strategie geh\u00f6rt auch, die Beziehungen mit den Nachbarl\u00e4ndern Aserbaidschan, Indien, mit den arabischen Golfstaaten zu intensivieren. Seit Juli 2023 <a href=\"https:\/\/www.presstv.ir\/Detail\/2023\/07\/04\/706471\/IRAN-JOINS-SHANGHAI-COOP.-ORG\">ist Iran<\/a> neuntes ordentliches Mitglied der Schanghai Koordination f\u00fcr Zusammenarbeit (Shanghai Coordination of Cooperation).<\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar 2024 <a href=\"https:\/\/www.presstv.ir\/Detail\/2024\/05\/17\/725751\/BRICS-core-of-global-will-to-build-fair-world\">geh\u00f6rt<\/a> Iran dem B\u00fcndnis der BRICS-Staaten an. Zum gleichen Zeitpunkt wurden auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, \u00c4gypten und \u00c4thiopien aufgenommen. Die deutliche Wendung des Iran gen Osten hat auch mit den von den USA (seit 45 Jahren) verh\u00e4ngten Sanktionen gegen Iran und mit den EU-Sanktionen zu tun. Die nationale wirtschaftliche Entwicklung des Iran wird vom Westen blockiert. China, Russland und die internationalen B\u00fcndnisse mit dem \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c weisen dagegen Perspektiven auf.<\/p>\n<p><em>Welche Folgen k\u00f6nnte der Tod von Raisi f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten pro-iranischer Milizen im Libanon, in Syrien und andernorts haben?<\/em><\/p>\n<p>Die sogenannten \u201epro-iranischen Milizen\u201c im Irak, Syrien, Libanon und Jemen werden auch als \u201eAchse des Widerstandes\u201c bezeichnet. Das bedeutet, man widersetzt sich dem Vormarsch, der Infiltration und Einmischung der USA und deren Partnerl\u00e4nder, auch milit\u00e4risch, in die Region des Nahen und Mittleren Ostens, Westasiens. Diese Strategie geht zur\u00fcck auf die Zeit des Dritten Irak-Krieges, auf die Invasion von USA, Gro\u00dfbritannien und einer \u201eKoalition der Willigen\u201c in den Irak wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen. Das war 2003. Es war ein US-gef\u00fchrter Krieg im Rahmen des \u201eKriegs gegen den Terror\u201c (seit 2001) und er wurde ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrates gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die \u201eAchse des Widerstandes\u201c ist f\u00fcr den Iran von strategischer Bedeutung und wird auf absehbare Zeit sicher nicht aufgel\u00f6st werden. Manche sagen, der Iran will seinen Einflussbereich erweitern, und sie sprechen sogar von \u201eBesatzung\u201c. Der Iran selber sagt, sein Engagement mit milit\u00e4rischen Partnern im Irak, Syrien, Libanon ist Teil der nationalen iranischen Sicherheitsstrategie. \u201eSicherheit in Syrien bedeutet Sicherheit im Iran\u201c, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen agieren die bewaffneten Gruppen und Milizen heute weitgehend unabh\u00e4ngig vom Iran. Der Iran \u2013 die Revolutionsgarden \u2013 haben diese Gruppen seit den 1980er-Jahren \u2013 es war die Zeit des Ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak (1980-88) \u2013 unterst\u00fctzt, ausgebildet, bewaffnet. Heute haben diese Organisationen politische Parteien gegr\u00fcndet, sie haben nationale Interessen. Sie nehmen keine Befehle aus Iran an, sie stehen mit Iran im Dialog.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es in den jeweiligen Staaten \u2013 Irak, Syrien, Libanon, Jemen \u2013 auch politische Kr\u00e4fte, die weder Dialog noch Kooperation mit Iran wollen. Sie bezeichnen die bewaffneten Gruppen und deren politische Parteien als Marionetten des Irans. Diese politischen Kr\u00e4fte k\u00f6nnten den Tod von Raisi und Abdollahian f\u00fcr eigene Interessen nutzen. Beide Politiker waren sehr aktiv, reisten viel, suchten den Dialog. Sie hatten Erfahrung, bauten Vertrauen mit alten und neuen B\u00fcndnispartnern auf. Die Gegner des Iran \u2013 besonders ausgepr\u00e4gt findet man sie im Libanon \u2013 k\u00f6nnten Unruhen, Proteste organisieren. Dabei k\u00f6nnten sie \u2013 wie schon h\u00e4ufig zuvor \u2013 vom politischen Westen, von den USA und der EU unterst\u00fctzt werden. Das US-Au\u00dfenministerium beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/on-the-death-of-iranian-president-raisi-and-others-in-a-helicopter-crash\/\">erkl\u00e4rte<\/a> sein Beileid zum Tod von Raisi und der Delegation. In der gleichen Erkl\u00e4rung hei\u00dft es, man versichere dem iranischen Volk, dass man es bei der Wahl eines neuen Pr\u00e4sidenten und in seinem Kampf f\u00fcr Menschenrechte und grundlegende Freiheiten unterst\u00fctzen werde. Das kann man auch als Ank\u00fcndigung von Einmischung verstehen.<\/p>\n<p><em>K\u00f6nnte die Suche eines Nachfolgers f\u00fcr Ali Khamenei, dem religi\u00f6sen F\u00fchrer des Iran, nun zu einem Machtkampf f\u00fchren? Ebrahim Raisi wurde als ein m\u00f6glicher Nachfolger genannt.<\/em><\/p>\n<p>Diese Frage wird in den religi\u00f6sen Kreisen mit allen wichtigen Klerikern besprochen und letztlich entschieden. Regionale Kenner des Landes beschreiben diese religi\u00f6se und politische Elite als stark und gefestigt. Sie sei in der Lage, Widerspr\u00fcche auszutragen und zu begradigen, hei\u00dft es. Spekulationen gibt es diesbez\u00fcglich vor allem au\u00dferhalb des Iran, in ausl\u00e4ndischen Medien. Solche Spekulationen k\u00f6nnen zu Unruhen f\u00fchren, zumal der Iran \u2013 nicht zuletzt wegen der US- und EU-Sanktionen gegen das Land seit Jahrzehnten \u2013 in einer schweren wirtschaftlichen Krise ist. Man hofft, durch die neuen internationalen B\u00fcndnisse einen Ausweg aus der westlichen Drangsalierung zu finden. Ein innerer Machtkampf nutzt nicht dem Iran, sondern den Gegnern eines souver\u00e4nen Staates Iran.<\/p>\n<p><em>Die Beziehungen zwischen dem Iran, dem Westen und Israel sind angespannt. Ist es m\u00f6glich, dass bei dem katastrophalen Hubschrauberabsturz wom\u00f6glich eine Drittpartei eine Rolle gespielt hat? <\/em><\/p>\n<p>Das kann nicht ausgeschlossen werden. Tats\u00e4chlich kursieren schon verschiedene Spekulationen auf Videokan\u00e4len im Internet. Israel, der israelische Geheimdienst, findet bekanntlich viele Wege und Handlanger, direkt oder indirekt seinen Gegnern zu schaden. Aber nichts ist klar. Die iranische Armee hat mit der Untersuchung schon begonnen. Dazu geh\u00f6rt, dass Russland unmittelbar nach Bekanntwerden des Hubschrauberabsturzes gegen\u00fcber dem iranischen Botschafter in Moskau die Unterst\u00fctzung bei der Bergung und auch bei der Untersuchung der Absturzursachen zugesagt hat. Russland ist da sehr erfahren und wird jeden Stein umdrehen. Wir m\u00fcssen das Ergebnis der Untersuchung abwarten.<\/p>\n<p><em>Viele L\u00e4nder haben ihre Solidarit\u00e4t mit dem Iran bekundet, im Westen zeigt sich wenig Mitleid und wenig Beileid f\u00fcr den verstorbenen iranischen Pr\u00e4sidenten. Wie bewerten Sie die Reaktion?<\/em><\/p>\n<p>Sehen wir auf Deutschland, f\u00e4llt auf, dass der deutsche Bundeskanzler Scholz sehr sp\u00e4t, sehr knapp, sehr unpers\u00f6nlich sein Beileid \u00e4u\u00dferte. Anders EU-Ratspr\u00e4sident Charles Michel und auch der EU-Au\u00dfenbeauftragte Josep Borell, die ihr Beileid unmittelbar nach Bekanntgabe des Todes von Raisi und seiner Delegation \u00fcbermittelten. Der EU-Ratspr\u00e4sident stimmte zu, dass das Satellitensystem zur Verf\u00fcgung gestellt wurde, um die Absturzstelle zu finden. Bei schweren Unf\u00e4llen und Katastrophen, wie jetzt mit dem iranischen Staatspr\u00e4sidenten und Au\u00dfenminister, oder auch bei Fluten, Erdbeben usw. bieten Staaten sich gegenseitig Hilfe an. Die T\u00fcrkei, Saudi-Arabien, Russland, Aserbaidschan \u2013 alle haben Iran Hilfe angeboten.<\/p>\n<p>Deutsche Politiker und Politikerinnen verschiedener Parteien haben das Verhalten von EU-Ratspr\u00e4sident Michel und vom EU-Nothilfekoordinator Janez Lenarcic kritisiert. Sein Amt ist allerdings ein humanit\u00e4res Amt. Hilfe, Solidarit\u00e4t ist die Grundlage.<\/p>\n<p>Iran ist ein Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft, der UNO. Die Vereinten Nationen sind ein Instrument der Diplomatie. Hier haben alle Mitglieder die gleichen Rechte und Pflichten. Die Werte, auf die sich deutsche Spitzenpolitiker neuerdings gern berufen und nutzen, um sich \u00fcber andere zu erheben, stehen seit Jahrzehnten in der UN-Charta. Von Spitzenpolitikern, die Deutschland auch noch nach au\u00dfen repr\u00e4sentieren wollen, muss man erwarten k\u00f6nnen, dass sie sich entsprechend verhalten.<\/p>\n<p>Titelbild: lev radin\/shutterstock.com<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115592\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. Mai 2024 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karin Leukefeld. Im Iran ist Pr\u00e4sident Ebrahim Raisi bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. 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