{"id":14571,"date":"2024-06-11T17:08:25","date_gmt":"2024-06-11T15:08:25","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14571"},"modified":"2024-06-11T17:08:26","modified_gmt":"2024-06-11T15:08:26","slug":"das-bsw-als-multipolarer-fluegel-der-deutschen-arbeiteraristokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14571","title":{"rendered":"Das BSW als multipolarer Fl\u00fcgel der deutschen Arbeiteraristokratie"},"content":{"rendered":"<p>Der lange Weg von der Formierung eines Wagenknecht-Lagers in der Partei Die Linke (PDL) hin zur endg\u00fcltigen Abspaltung und Gr\u00fcndung einer eigenen Partei ist beendet. Die neue Partei ist keine linke Antwort auf den Niedergang und die Rechtsentwicklung der PDL. Die Gr\u00fcndung des BSW ergibt sich aus dem Scheitern der PDL als glaubw\u00fcrdiger linker Kraft, deren F\u00fchrungspersonal<!--more-->, Wagenknecht eingeschlossen, eher auf \u00c4mterjagd war, als dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, parlamentarische Vertreter von Arbeiterinteressen zu sein und sich in den Landesregierungen, in denen sie vertreten war, an Angriffen auf die Arbeiterklasse beteiligte. Mit dabei waren auch Klaus Ernst, Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, die heute wichtige Pers\u00f6nlichkeiten des BSW sind. Wir beschrieben 2011 den realen Charakter der PDL:<\/p>\n<p><em>\u201eDIE LINKE tut alles, damit die [gewerkschaftlichen] Mobilisierungen so klein wie m\u00f6glich bleiben. Massenaktionen gegen Regierungspolitik sieht die Partei ungern. Sie bewirbt sich ja l\u00e4ngst f\u00fcr eine Regierungsbeteiligung in Bund und L\u00e4ndern. Wichtig ist ihr, dass die Gegner des Sozialabbaus sich innerhalb des verfassungsrechtlichen Rahmens bewegen. \u2026 DIE LINKE hat diese Arbeiter als W\u00e4hler f\u00fcr ihre notwendigen Parlamentssitze im Auge, und nicht als Empf\u00e4nger von Mobilisierungsaufrufen f\u00fcr klassenk\u00e4mpferische Aktionen, um den Sozialraub zu bek\u00e4mpfen. Mit derzeit zwei Regierungsbeteiligungen hat DIE LINKE ihren Anteil daran, dass der Sozialabbau so reibungslos wie m\u00f6glich verwirklicht wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bolsheviktendency.org\/2019\/03\/10\/sparsamer-widerstand-gegen-sparpaket\/\"><em>Bolschewik 28<\/em><\/a><em>, 2011<\/em><\/p>\n<p>Die kapitalistische Konterrevolution von 1990 \u00f6ffnete dem deutschen Imperialismus T\u00fcr und Tor f\u00fcr Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiter in Ost- wie auch in Westdeutschland. Sie schuf auch die Voraussetzung daf\u00fcr, dass deutsches Kapital eine gutausgebildete Arbeiterklasse in Osteuropa vorfand und die industrielle Fertigung im gro\u00dfen Stil ins osteurop\u00e4ische Ausland verlagerte. Das Ausspielen des deutlich niedrigen Lohnniveaus im osteurop\u00e4ischen EU-Ausland bei gleichzeitiger Schlie\u00dfung zahlreicher Industrieanlagen erzeugte die Vorlage f\u00fcr die Angriffe auf den Sozialstaat durch die Hartz IV-\u201eReformen\u201c der rot-gr\u00fcnen Schr\u00f6der-Regierung, die eine bedeutende Schicht der Arbeiterklasse verarmen lie\u00dfen. Breite aber erfolglose Gegenproteste m\u00fcndeten damals zun\u00e4chst in der SPD-Linksabspaltung Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG) und deren Fusion mit der PDS zur PDL zu einer zweiten b\u00fcrgerlichen Arbeiterpartei neben der SPD.<\/p>\n<p><strong>Migration und Sozialabbau \u2013 Wagenknecht setzt auf Protektionismus<\/strong><\/p>\n<p>Als die Gro\u00dfe Koalition 2015 \u00fcber eine Millionen Gefl\u00fcchtete aus dem immer noch von imperialistischen Regime Change-Versuch geplagten Syrien und dem kriegsverw\u00fcsteten Afghanistan aufnahm, gewann die rechtspopulistische Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) massiv an Zulauf, zun\u00e4chst unter ehemaligen rassistischen CDU-W\u00e4hlern, die den wirtschaftsliberalen Zuwanderungskurs der CDU ablehnten und in der neu gegr\u00fcndeten AfD ihre neue politische Heimat fanden. In ihrem <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/resource\/blob\/13708\/015be272f8c0098f1537a491676bfc31\/weissbuch2016-barrierefrei-data.pdf\"><em>Wei\u00dfbuch zur Sicherheitspolitik 2016<\/em><\/a>erkl\u00e4rte die Merkel-Regierung:<\/p>\n<p><em>\u201eMigration an sich ist kein Risiko f\u00fcr die Sicherheit Deutschlands. Im Gegenteil: Unser Land ist aufgrund seiner demographischen Entwicklung auf legale, rechtm\u00e4\u00dfige Zuwanderung angewiesen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dabei ging es dem deutschen Kapital vor allem darum, Migration als Sparma\u00dfnahme einzusetzen. Zum einen erhoffte sich die herrschende Klasse, durch einen Braindrain gut ausgebildete Migranten aus wirtschaftlich weniger entwickelten L\u00e4ndern anzuwerben, um damit im eigenen Bildungssystem sparen zu k\u00f6nnen; zum anderen zielte diese Ma\u00dfnahme darauf ab, den gerade auf gesellschaftlichen Druck hin verabschiedeten Mindestlohn zu unterminieren, indem die Merkel-Regierung Neuank\u00f6mmlinge, die Nachqualifizierungen zu absolvieren hatten, vom Mindestlohn ausnahm. Das traf die breite Mehrheit, da Qualifikationen aus Syrien und anderen L\u00e4ndern oft nicht anerkannt wurden. Trotz anf\u00e4nglicher Kritik \u00fcbernahm die SPD diese Ma\u00dfnahmen nach der Formierung einer Gro\u00dfen Koalition mit der CDU. Der DGB stellte 2018 fest, dass das Lohnniveau der in Deutschland Arbeitenden deutlich hinter dem <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++ed43bdf2-46d9-11e8-9026-52540088cada\">Produktivit\u00e4tszuwachs<\/a>hinterherhinkte, was die Profitabilit\u00e4t des deutschen Kapitals st\u00e4rkte. Die Ausnahme vieler Migranten vom Mindestlohn durch die Gro\u00dfe Koalition war Wasser auf die M\u00fchlen der AfD. Insbesondere im Osten, wo das Lohnniveau f\u00fcr gleiche Arbeit auch 25 Jahre nach der kapitalistischen Konterrevolution deutlich unter dem westdeutscher Arbeiter liegt, gewann die AfD deutlichen Zuspruch. Das Nach-Unten-Treten auf Migranten, die angeblich mit luxuri\u00f6sen Sozialleistungen versorgt w\u00fcrden und die man abschieben m\u00fcsse, um Haushaltsl\u00f6cher zu stopfen, erschien diesen r\u00fcckst\u00e4ndigen Schichten plausibler, als die Kluft zwischen der sozialdemokratischen Rhetorik der PDL und ihrer neoliberalen Taten, die sich dort, wo sie mitregierte, an den Angriffen auf die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse beteiligte. Als vielleicht eklatantester Tiefpunkt der sozialen Angriffe, die die PDL mitzuverantworten hatte, war die Ignorierung des Resultats des Berliner Volksentscheids \u201eDeutsche Wohnen und Co enteignen\u201c, der sich gegen die horrenden Mietpreise in Berlin richtete und von dem eine bundesweite Signalwirkung ausging. Als Teil einer Regierungskoalition mit der SPD in Berlin hatte sich die PDL auf die Fahne geschrieben, die parlamentarische Repr\u00e4sentantin des Mehrheitswillens der Mieter zu sein. Als 60% aller Teilnehmer f\u00fcr den Volksentscheid und damit f\u00fcr die Enteignung der Vermietergesellschaften bei gleichzeitiger Entsch\u00e4digung der Investoren \u201edeutlich unter Marktwert\u201c stimmten, verhinderte die PDL einfach mit einer technischen Begr\u00fcndung die Umsetzung des demokratischen Mehrheitswillens.<\/p>\n<p>Die PDL bek\u00e4mpfte den Sozialabbau nicht, der unter der Gro\u00dfen Koalition weitervorangetrieben wurde, w\u00e4hrend die AfD, die rhetorisch ab und zu auch mal Bezug auf \u201edeutsche Arbeiter\u201c nimmt, ihn durchweg unterst\u00fctzte. Wir schrieben 2020:<\/p>\n<p><em>\u201eDas deutsche Kapital nahm gezielt Fl\u00fcchtlinge vom Recht auf den Mindestlohn aus, als die Grenzen ge\u00f6ffnet wurden, um diejenigen aufzunehmen, die vor der durch den deutschen Imperialismus verursachten neokolonialen Ausbeutung, den Umweltkatastrophen und Kriegen fliehen mussten. Marxisten haben die Aufgabe, volle Staatsb\u00fcrgerrechte f\u00fcr alle Migranten und damit auch das Recht auf Arbeit f\u00fcr diese zu fordern. In Gewerkschaften m\u00fcssen sie daf\u00fcr eintreten, Migranten zu organisieren und sich f\u00fcr verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen stark zu machen. Die wachsende Verzweiflung innerhalb der Arbeiterklasse, deutlich zu sehen an den Arbeitskampfma\u00dfnahmen der letzten Monate, zum Beispiel bei Amazon oder in den Pflegeberufen, deutet an, dass gerade im Niedriglohnsektor die Lebensstandards der dort Besch\u00e4ftigten ein unertr\u00e4gliches Ma\u00df erreicht haben.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bolsheviktendency.org\/2019\/06\/03\/liberaler-moralismus-oder-klassenkampf\/\"><em>Bolschewik 37<\/em><\/a><em>, 2020<\/em><\/p>\n<p>Statt glaubhaft daf\u00fcr einzutreten, die K\u00fcrzungen durch Streiks zu bek\u00e4mpfen und sich jeglicher Regierungsteilnahme zu verweigern, die diese fortf\u00fchrt, trat der Wagenknecht-Fl\u00fcgel der PDL f\u00fcr einen Arbeitsmarkt-Protektionismus ein, der bei der Vergabe von Arbeitspl\u00e4tzen und Sozialleistungen in Deutschland lebende Arbeiter Vorzug vor Migranten gibt. Als sie 2018 den Verein #aufstehen gr\u00fcndete, der als Testballon des BSW gelten darf, verglichen wir Wagenknechts Positionen zur Migration mit denen der PDL:<\/p>\n<p><em>\u201eAuf dem letzten Parteitag ist Wagenknecht mit ihrer rechten, b\u00fcrgerlich-moderaten Fl\u00fcchtlingspolitik durchgefallen. Gewonnen haben aber Positionen, die im politischen Alltagsbetrieb der PdL keine Rolle spielen, da sie \u00fcberall wo sie (mit-)regiert, abschiebt und das gleiche mit Fl\u00fcchtlingen macht, was in anderen Bundesl\u00e4ndern auch geschieht. Es ist nicht nur Wagenknecht, die sich nach rechts bewegt: Bodo Ramelow (Ministerpr\u00e4sident in Th\u00fcringen \/PdL) m\u00f6chte auch, wie Union und SPD, dass die Maghreb-Staaten (Tunesien, Algerien, Marokko) in Leugnung der Menschenrechtssituation als sichere Herkunftsstaaten behandelt werden. Als Gegenleistung m\u00f6chte Ramelow bessere und schnellere Asylverfahren.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bolsheviktendency.org\/2019\/04\/15\/aufstehen-wenn-linke-rechtspopulismus-predigen\/\"><em>Bolschewik 36<\/em><\/a><em>, 2019<\/em><\/p>\n<p>Zugleich gab es laut der <em>Zeit <\/em>bundesweit zwischen Anfang 2015 und Ende 2019 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2021-12\/gewalt-gegen-gefluechtete-rassismus-studie-deutschland\">mehr als 10.000 rassistische \u00dcbergriffe<\/a>, davon 267 Brandanschl\u00e4ge. Die linksliberalen Mobilisierungen um #unteilbar, die sich f\u00fcr die Integration der Gefl\u00fcchteten einsetzten und damit ein Zeichen \u201egegen Rechts\u201c bzw. die AfD setzen wollten und die auch Unterst\u00fctzung innerhalb der Mehrheit der PDL fanden, lehnte Wagenknecht ab, weil sie sich f\u00fcr offene Grenzen einsetzten. Trotz der Teilnahme der Basis der PDL an #unteilbar, in der sie sich <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/themen\/flucht-und-migration\/\">zwar unter ferner liefen auch gegen den Ausschluss Gefl\u00fcchteter vom Mindestlohn aussprach<\/a>, aber keine konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Forderung unternahm, beteiligte sich die PDL-F\u00fchrung im Gegensatz zu ihrer \u201esolidarischen\u201c Rhetorik an Abschiebungen \u00fcberall dort, wo sie in Regierungsverantwortung stand. Dem rhetorisch liberalen Kurs der Mehrheits-PDL in der Migrationsfrage stellte Wagenknecht eine deutschnationale Position entgegen. Die Positionen der PDL und Wagenknechts f\u00fchrten aber lediglich dazu, dass weder Opfer rassistischer Gewalt noch die Lebensstandards der Arbeiterklasse verteidigt wurden, sondern die Abw\u00e4rtsspirale des Ausspielens sozialer Frage und Migration sich flei\u00dfig weiterdrehte. Nach wie vor ertrinken Tausende Migranten jedes Jahr im Mittelmeer und finden rassistische \u00dcbergriffe statt, w\u00e4hrend sich die Ausbeutung der Arbeiterklasse weiter versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Wagenknechts n\u00e4chster Streich war die Ver\u00f6ffentlichung von \u201eDie Selbstgerechten\u201c wenige Monate vor der Bundestagswahl, in dem sie mit der Entwicklung der PDL abrechnete und ihr alternatives Programm f\u00fcr ihre Partei vorstellte. Darin formulierte sie eine nationalistische, an konservativen Werten orientierte Sozialpolitik, eine Zur\u00fcckweisung von Solidarit\u00e4t mit Fl\u00fcchtlingen und Migranten, und spielte dieses Themenfeld bewusst gegen die Verarmung der einheimischen Bev\u00f6lkerung aus. Sie \u00fcbernahm verbal das Programm anderer b\u00fcrgerlicher Parteien und machte Zugest\u00e4ndnisse an die AfD. Wagenknecht hoffte, durch diese Zugest\u00e4ndnisse r\u00fcckst\u00e4ndige Arbeiter zur Wahl der PDL zu bewegen und zugleich eine eigene Gefolgschaft um sich herum in der PDL aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>PDL gibt Pazifismus auf <\/strong><\/p>\n<p>Als sich abzeichnete, dass die SPD und die Gr\u00fcnen in den Bundestagswahlen im Herbst 2021 die Mehrheit stellen w\u00fcrden und sich damit eine Gelegenheit f\u00fcr eine Regierungsbeteiligung bot, warf die Mehrheit der PDL-F\u00fchrung auch ihren Pazifismus \u00fcber Bord. Die Evakuierung deutscher Truppen aus Afghanistan nach der Niederlage der 20-j\u00e4hrigen imperialistischen Besatzung, bei der die Imperialisten und ihre lokalen Verb\u00fcndeten <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/04\/24\/world\/asia\/afghanistan-civilian-casualties-united-nations.html\">laut Eingest\u00e4ndnis der <em>New York Times<\/em><\/a>mehr Zivilisten ermordet hatten als die Taliban, kam zu einem kritischen Zeitpunkt des Wahlkampfs, an dem Gr\u00fcne und SPD das Bekenntnis zur NATO zur Gretchenfrage erkl\u00e4rten. Der Mehrheit der PDL war die Aussicht auf eine erste Regierungsbeteiligung auf Bundesebene und die damit verbundenen Posten zu wichtig, um an ihrem halbseidenen Pazifismus festhalten zu wollen. Die Mehrheit der PDL-Parlamentarier enthielt sich bei der Abstimmung \u00fcber einen Bundeswehreinsatz zur \u00a0Evakuierung Deutscher aus Afghanistan oder stimmte sogar zu. In der Parlamentsfraktion der PDL gab es nur <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/so-stimmte-die-linke-uber-den-rettungseinsatz-in-kabul-ab-8001196.html\">sieben Gegenstimmen<\/a>, zwei von ihnen wichtige Pers\u00f6nlichkeiten des zuk\u00fcnftigen BSW, Andrej Hunko und Sevim Da\u011fdelen.<\/p>\n<p>Als Russland auf die imperialistische Umzingelung durch die NATO mit der Sondermilit\u00e4roperation (SMO) in der Ukraine reagierte, gab es dann f\u00fcr die Mehrheits-PDL kein Halten mehr. Auf ihrem Parteitag vom 27. Juni 2022 verabschiedete die PDL unter der neu gew\u00e4hlten Vorsitzenden Janine Wissler, einem ehemaligen Mitglied von Marx21, den deutschen Anh\u00e4ngern Tony Cliffs und dessen Nachfolgern, die folgende Resolution, die so auch von Marx21 selbst h\u00e4tte stammen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><em>\u201eSeit Jahren betreibt Russland eine Politik, die darauf abzielt, den Einflussbereich der alten Sowjetunion wiederherzustellen. Es wird versucht, autorit\u00e4re Vasallen-Regime einzurichten oder \u2013 wo das nicht gelingt \u2013, die Staaten zu destabilisieren, aufzul\u00f6sen oder Territorien mit milit\u00e4rischer Gewalt und Krieg zu okkupieren. Kasachstan, Transnistrien, Georgien und die Niederschlagung der belarussischen Aufst\u00e4nde legen \u00fcber diese Politik deutlich Zeugnis ab. Russland ist eines der geostrategischen Machtzentren im von fossilen Brennstoffen getriebenen Kapitalismus, in dem unterschiedliche Akteure um Zugang zu Ressourcen und Einflusssph\u00e4ren k\u00e4mpfen, auch mit dem Mittel des Krieges. Es wird deutlich, dass Russland eine imperialistische Politik verfolgt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/partei\/parteidemokratie\/parteitag\/erfurter-parteitag-2022\/live\/detail\/leitantrag-l03-kriege-und-aufruestung-stoppen-schritte-zur-abruestung-jetzt-fuer-eine-neue-friedensordnung-und-internationale-soli-daritaet\/\"><em>Die-linke.de<\/em><\/a><em>, 27. Juni 2022<\/em><\/p>\n<p>Der Antrag forderte neben der Einf\u00fchrung eines Preisdeckels f\u00fcr russische Energie auch die imperialistische Bundesregierung auf, den sich in Europa befindlichen Besitz der abh\u00e4ngig-kapitalistischen herrschenden Klasse Russlands zu beschlagnahmen:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Bundesregierung muss ihrer Verantwortung f\u00fcr das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten russischer Oligarchen im nationalen und europ\u00e4ischen Rahmen nachkommen. \u2026 Wir solidarisieren uns mit dem Widerstand der ukrainischen Bev\u00f6lkerung gegen den russischen Angriff.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wagenknecht, die versucht hatte, die Formulierung \u00fcber den russischen Imperialismus streichen zu lassen, scheiterte, was die PDL-Mehrheit n\u00e4her an Bundeskanzler Scholz r\u00fccken lie\u00df, der im September 2022 bei einer <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Scholz-wirft-Putin-blanken-Imperialismus-vor-article23601706.html\">Rede vor den Vereinten Nationen<\/a>der Putin-Regierung \u201eblanken Imperialismus\u201c vorgeworfen hatte. W\u00e4hrend die PDL unter Wissler nur Sanktionen bef\u00fcrwortete, die \u201esich gegen Putins Machtapparat und den milit\u00e4risch-industriellen Komplex und damit gegen die F\u00e4higkeit zur Kriegsf\u00fchrung richten\u201c und solche ablehnte, \u201edie sich vor allem gegen die Bev\u00f6lkerung richten oder zur Verarmung im Globalen S\u00fcden beitragen\u201c, kritisierten Wagenknecht und Klaus Ernst, ein weiterer k\u00fcnftiger BSW-Mitstreiter, die Sanktionen der Bundesregierung durchweg.<\/p>\n<p>Auch den Versuch der PDL des \u201eGreenwashings\u201c der NATO-Umzingelung des abh\u00e4ngig-kapitalistischen Russlands, indem sie Russland vorhielt, moralisch minderwertig zu sein, weil die dortige vergleichsweise schwache Wirtschaft vom Verkauf fossiler Brennstoffe abh\u00e4ngig ist, machte Wagenknecht nicht mit. Das Greenwashing der PDL reflektierte den Einfluss der vergleichsweise starken Umweltbewegung in Deutschland auf die PDL-Jugend solid\u2018, die durch Fridays For Future dominiert wird, deren Anf\u00fchrerin Luisa Neubauer Mitglied bei den Gr\u00fcnen ist. Mit Beginn der SMO spielten die Gr\u00fcnen innerhalb der Ampelkoalition den Einpeitscher f\u00fcr die NATO-Aggression und -Sanktionen gegen Russland. Trotz des Images der Gr\u00fcnen als Umweltpartei demonstrierten ihre Regierungsvertreter, allen voran Wirtschaftsminister Robert Habeck und Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock, dass ihnen der reale Kampf gegen die Klimakatastrophe gleichg\u00fcltig ist, sofern es gel\u00e4nge, \u201eRussland zu ruinieren\u201c wie Baerbock es formulierte. Die Energieausf\u00e4lle und Preissteigerungen, die die Sanktionen gegen preisg\u00fcnstige russische Energie erzeugten, versuchten die Gr\u00fcnen durch die Wiederaufnahme der Braunkohlef\u00f6rderung und durch den Import US-amerikanischen Fracking-Gases zu kompensieren. Auf die Aussicht potentieller Proteste gegen die Preissteigerungen f\u00fcr Energie reagierte Baerbock anl\u00e4sslich eines EU-Au\u00dfenministertreffens in Prag Ende August 2022 folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201e\u201aWenn ich den Menschen in der Ukraine das Versprechen gebe: \u201eWir stehen an eurer Seite, solange ihr uns braucht\u201c, dann werde ich diese Versprechen einhalten. Egal, was meine deutschen W\u00e4hler denken.\u2018\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article240801361\/Baerbock-Regierung-steht-an-der-Seite-der-Ukraine-egal-was-meine-deutschen-Waehler-denken.html\"><em>welt.de<\/em><\/a><em>, 1. September 2022<\/em><\/p>\n<p>Diese Aussage wurde sowohl von der AfD als auch Wagenknecht in einer Rede, garniert mit nationalistisch-populistischen T\u00f6nen, aufgegriffen, in der sie die Ampelkoalition als \u201edie d\u00fcmmste Regierung Europas\u201c bezeichnete, weil die Auswirkungen der Sanktionen insbesondere die Lohnabh\u00e4ngigen und den Mittelstand trafen. Wagenknecht suggerierte, da sowohl die russische aber vor allem die US-Wirtschaft durch die hohen Energiepreise profitierte, dass die Gr\u00fcnen eher Interessenvertreter des US-Imperialismus seien und forderte die Regierung auf, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Ihr ging es dabei prim\u00e4r um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit, die vom fortgesetzten Import g\u00fcnstigen russischen Gases abhing; schlie\u00dflich sind die vier Industriezweige, in denen der deutsche Imperialismus f\u00fchrend ist \u2013 Autoproduktion, Chemikalien, Elektronik und die mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gte Maschinenproduktion \u2013, allesamt energieintensiv. <a href=\"https:\/\/www.deutschland.de\/de\/topic\/wirtschaft\/deutschlands-industrie-die-wichtigsten-zahlen-und-fakten\">Alleine 2021 betrug der Anteil der Industrieproduktion am deutschen Bruttoinlandsprodukt<\/a>26.6%, verglichen mit dem Frankreichs von 16.8%, der USA von 18.4% und Japans von 29% in der imperialistischen Konkurrenz. Die mit den Sanktionen verbundenen Energiepreissteigerungen trafen auch die ausgelagerte Industrieproduktion des deutschen Kapitals in den abh\u00e4ngig-kapitalistischen L\u00e4ndern der EU. Bereits im September 2022 zeichnete das renommierte K\u00f6lner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im branchen\u00fcblichen Jargon ein d\u00fcsteres Bild, das sich seitdem mit zunehmender Geschwindigkeit realisiert hat:<\/p>\n<p><em>\u201eJe schneller es trotz des krisenhaften geopolitischen Umfelds gelingt, die Versorgungsrisiken zu reduzieren und Preisspitzen f\u00fcr Strom und Gas abzubauen, umso schneller k\u00f6nnen positive Erwartungseffekte wirken und Gefahren weiterer Ansteckungseffekte \u2013 etwa Verwerfungen an den internationalen Finanzm\u00e4rkten \u2013 reduziert werden. Mit andauernden Belastungen auf dem gegenw\u00e4rtigen Niveau sind aber langfristige Folgewirkungen f\u00fcr die Wirtschaftsstruktur und den damit verbundenen Lebensstandard zu erwarten. \u2026 Abrupte Unterbrechungen von komplexen Produktionsprozessen und Zuliefernetzwerken k\u00f6nnen diese dauerhaft beeintr\u00e4chtigen und damit Strukturbr\u00fcche ausl\u00f6sen, welche die industrielle Produktion am Standort Deutschland nachhaltig sch\u00e4digen und eine De-Industrialisierung einleiten. Dies wirkt \u00fcber vielf\u00e4ltige Verbundeffekte auch in den unternehmensnahen Dienstleistungssektor hinein.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/Report\/PDF\/2022\/IW-Report_2022-Konjunkturprognose-Herbst.pdf\"><em>IW-Konjunkturprognose Herbst 2022: Konjunktureinbruch in Deutschland<\/em><\/a><em>, 27. September 2022<\/em><\/p>\n<p>Wagenknecht machte sich zudem einen Namen damit, dass sie nach der Zerst\u00f6rung der Nord Stream II-Pipelines durch den US-Imperialismus f\u00fcr Aufkl\u00e4rung durch eine offizielle Anfrage sorgen wollte, was die Bundesregierung aus NATO-B\u00fcndnistreue torpedierte. Die <em>Berliner Zeitung <\/em>berichtete:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Bundesregierung sei \u201anach sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung zu dem Schluss gekommen, dass weitere Ausk\u00fcnfte aus Gr\u00fcnden des Staatswohls nicht \u2013 auch nicht in eingestufter Form \u2013 erteilt werden k\u00f6nnen.\u2018 Grund daf\u00fcr sei die \u201aThird-Party-Rule\u2018 f\u00fcr die internationale Zusammenarbeit der Geheimdienste. Danach unterliegt der internationale Erkenntnisaustausch besonders strengen Geheimhaltungsauflagen. \u201aDie erbetenen Informationen ber\u00fchren somit derart schutzbed\u00fcrftige Geheimhaltungsinteressen, dass das Staatswohl gegen\u00fcber dem parlamentarischen Informationsrecht \u00fcberwiegt und das Fragerecht der Abgeordneten ausnahmsweise gegen\u00fcber dem Geheimhaltungsinteresse der Bundesregierung zur\u00fcckstehen muss.\u2018 Im Klartext: Es gibt vermutlich Erkenntnisse, die die Bundestagsabgeordneten aber nicht erfahren d\u00fcrfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/exklusiv-nord-stream-explosionen-ostsee-linke-politikerin-sahra-wagenknecht-bundesregierung-verweigert-informationen-zu-pipeline-anschlaegen-li.277250\"><em>Berliner-zeitung.de<\/em><\/a><em>, 16. Oktober 2022<\/em><\/p>\n<p>Neben dem Wagenknecht-Fl\u00fcgel innerhalb der PDL machte nur die rechtspopulistische AfD auf die fatalen Auswirkungen der anti-russischen Sanktionen auf die Wirtschaft aufmerksam, die durch den US-Angriff auf Nord Stream II noch einmal versch\u00e4rft wurden. Die deutschen Leitmedien und Polit-Elite versuchten daraus, eine Wesensgleichheit des Wagenknecht-Fl\u00fcgels und der AfD zu konstruieren. In einem Interview mit dem konservativen Magazin <em>Focus <\/em>deutete Wagenknecht an, dass sie wie die AfD explizit um das Kleinb\u00fcrgertum buhlt:<\/p>\n<p><strong><em>\u201eWagenknecht: <\/em><\/strong><em>Gerade Menschen mit wenig Geld sind aktuell oft am Verzweifeln. Selbst viele Familien aus der Mittelschicht k\u00f6nnen die extremen Energiekosten nicht stemmen. Unternehmen stehen vor der Pleite. Wir helfen der Ukraine doch nicht, indem wir unsere Wirtschaft zerst\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>[Focus:] Geht es Ihnen denn \u00fcberhaupt um die Ukraine?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Wagenknecht: <\/em><\/strong><em>Es ist vor allem unsere Verantwortung, die Menschen zu vertreten, die jetzt Angst vor dem sozialen Absturz haben. Die um ihr Lebenswerk f\u00fcrchten. Ich habe eine Mail von einem B\u00e4ckermeister bekommen, der vor dem Aus steht. Die Interessen dieser Menschen m\u00fcssen wir vertreten. Oder sollen wir das der <\/em><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/organisationen\/afd\/\"><em>AfD<\/em><\/a><em>\u00fcberlassen?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/politik-ich-will-die-ampel-stoppen_id_152099865.html\"><em>focus.de<\/em><\/a><em>, 24. September 2022<\/em><\/p>\n<p>Anders als die AfD leugnete Wagenknecht nicht die Existenz des Klimawandels. Sie kritisierte jedoch die sozialen Auswirkungen der Regierungsma\u00dfnahmen gegen den Klimawandel auf die Arbeiterklasse und die Profitabilit\u00e4t des kleinb\u00fcrgerlichen Mittelstands. Die Bundesregierung hatte beispielsweise ein W\u00e4rmepumpengesetz beschlossen, dass zwar lobenswerterweise das Heizen mit fossilen Brennstoffen schrittweise reduzieren will, ohne dabei zun\u00e4chst \u00fcber die Kosten nachzudenken. Wagenknecht griff die Abw\u00e4lzung der Kosten der Klimakatastrophe und ihrer Bek\u00e4mpfung auf die Arbeiterklasse und das Kleinb\u00fcrgertum scharf an, ohne Gegenvorschl\u00e4ge zu machen. Ihr Referenzrahmen des Kapitalismus, der lediglich sozialer gestaltet werden m\u00fcsse, stand ihr hier im Weg.<\/p>\n<p>Dass es Wagenknecht in ihren Auslassungen zur russischen SMO keineswegs um eine Unterst\u00fctzung der russischen SMO ging, sondern lediglich um ein gedeihliches Auskommen mit Russland, um Energie zum Vorteil der deutschen Wirtschaft importieren zu k\u00f6nnen, zeigt ihre Forderung nach Verhandlungen statt Krieg in ihrem \u201eManifest f\u00fcr Frieden\u201c. Das Manifest, das Wagenknecht gemeinsam mit der Feministin Alice Schwarzer verfasste, und mit dem sie zu einer Gro\u00dfdemonstration in Berlin am 25. 2. 2023 aufrief, argumentiert:<\/p>\n<p><em>\u201eDie von Russland brutal \u00fcberfallene ukrainische Bev\u00f6lkerung braucht unsere Solidarit\u00e4t. Aber was w\u00e4re jetzt solidarisch? Wie lange noch soll auf dem Schlachtfeld Ukraine gek\u00e4mpft und gestorben werden? Und was ist jetzt, ein Jahr danach, eigentlich das Ziel dieses Krieges? Die deutsche Au\u00dfenministerin sprach j\u00fcngst davon, dass \u201awir\u2018 einen \u201aKrieg gegen Russland\u2018 f\u00fchren. Im Ernst? \u2026 Verhandeln hei\u00dft nicht kapitulieren. Verhandeln hei\u00dft, Kompromisse machen, auf beiden Seiten. Mit dem Ziel, weitere Hunderttausende Tote und Schlimmeres zu verhindern. Das meinen auch wir, meint auch die H\u00e4lfte der deutschen Bev\u00f6lkerung. Es ist Zeit, uns zuzuh\u00f6ren!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.aliceschwarzer.de\/thema\/manifest-fuer-frieden-340049\"><em>aliceschwarzer.de<\/em><\/a><em>, 10. Februar 2023<\/em><\/p>\n<p>Wie weit sich das politische Klima in Deutschland in der Frage der Unterst\u00fctzung des deutschen Imperialismus nach rechts verschoben hat, zeigt sich in der Verdammung selbst der Forderung nach Verhandlungen mit der russischen Regierung als \u201ePutin-freundlich\u201c. \u00c4u\u00dferungen, die die russische SMO wie kritisch auch immer unterst\u00fctzen, hatte die Bundesregierung in der Zwischenzeit ohnehin f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt, was einigen Personen Geld-, Gef\u00e4ngnisstrafen sowie die Einfrierung der Verm\u00f6genswerte einbrachte, die es gewagt hatten, den regierungsoffiziellen Narrativ infrage zu stellen. Dem Versuch der Leitmedien, eine Wesensgleichheit zwischen Wagenknecht und der AfD zu konstruieren, um dadurch den legitimen, wenn auch pazifistisch verw\u00e4sserten und angepassten Protest gegen die Ukraine-Politik der Bundesregierung zu delegitimieren, begegnete Wagenknecht dadurch, dass sie ein organisiertes Auftreten der AfD und anderer Rechter an der Demonstration vom 25. Februar 2023 untersagte und dies durch Ordner durchsetzen lie\u00df. Dadurch, dass weite Teile der deutschen Linken, beseelt vom Kampf gegen \u201edie b\u00f6sen Autokraten\u201c Russlands vollkommen ins NATO-Regierungslager gewechselt sind oder zumindest ihre Positionen angepasst haben, um im Mainstream nicht als \u201ePutinknechte\u201c diffamiert zu werden, war die Wagenknecht\u2018sche Demonstration ein Schritt nach vorne, was an sich symptomatisch f\u00fcr den gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck ist. Auch zum Genozid an den Pal\u00e4stinensern blinkte Wagenknecht etwas linker als der PDL-Bundesvorstand, der argumentierte:<\/p>\n<p><em>\u201eWir verurteilen den Antisemitismus und die Taten der Hamas. Es gibt keine Rechtfertigung f\u00fcr die Morde und Entf\u00fchrungen, f\u00fcr Angriffe auf die Zivilbev\u00f6lkerung. Aus der Geschichte des Holocaust, des Antisemitismus ist der Staat Israel eine historische Notwendigkeit, die niemals zur Debatte steht. Wir werden weiter jedem Antisemitismus hier entgegentreten, im Land der T\u00e4ter. Das bleibt unsere Verantwortung, gerade in diesen Zeiten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/partei\/parteidemokratie\/parteivorstand\/parteivorstand-2022-2024\/detail-beschluesse-pv\/fuer-ein-ende-der-gewalt-in-israel-und-palaestina\/\"><em>Die-linke.de<\/em><\/a><em>, 11. Oktober 2023<\/em><\/p>\n<p>Auf einer Demonstration unter dem Motto \u201eNein zu Kriegen\u201c am 25. November 2023 bekannte sich Wagenknecht explizit zum Existenzrecht Israels, stellte aber den israelischen V\u00f6lkermord auf eine Stufe mit dem Ghettoausbruch der Hamas:<\/p>\n<p><em>\u201e\u201aWir alle waren am 7. Oktober entsetzt und schockiert \u00fcber die furchtbaren Massaker der islamistischen Hamas, \u00fcber die Morde an unschuldigen Zivilisten, an Frauen und an Kindern.\u2018 Nichts, kein Unrecht dieser Welt, rechtfertige solche Verbrechen. Aber sie finde, \u201awir sollten genauso schockiert sein und genauso entsetzt sein \u00fcber die r\u00fccksichtslosen Bombardements im Gazastreifen\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2023-11\/wagenknecht-berlin-friedensdemonstration\"><em>zeit.de<\/em><\/a><em>, 25. November 2023<\/em><\/p>\n<p>Auch hier zeigte sich, dass Wagenknechts biederer Pazifismus auf keinem wirklichen Verst\u00e4ndnis von nationaler Unterdr\u00fcckung beruht und dennoch waren ihre Bemerkungen links von der offen pro-zionistischen PDL, deren Abgeordneter und Co-Vorsitzende der Rosa Luxemburg-Stiftung, Jan Korte, \u00c4gypten <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1178821.gaza-rafah-zu-oeffnen-ist-keine-loesung-fuer-den-gazakrieg.html\">dazu aufforderte<\/a>, seine Grenzen f\u00fcr die Vertreibung der Bewohner Gazas zu \u00f6ffnen, dessen Territorium sich die Netanyahu-Regierung einverleiben will.<\/p>\n<p><strong>Das BSW formiert sich \u2013 \u201ezu 80 Prozent Gewerkschafter\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Bereits nach der Formierung von #aufstehen hatte sich der national-populistische Wagenknecht-Fl\u00fcgel immer weiter von der zunehmend linksliberal beeinflussten Rest-PDL entfremdet und f\u00fchrte damit in den vergangenen Jahren zu Ger\u00fcchten einer Spaltung. Am 25. Januar 2024 fand dann der Gr\u00fcndungsparteitag des B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht statt. Die Popularit\u00e4t Wagenknechts innerhalb der Friedensbewegung, die bis hinein ins AfD-Milieu und Corona- und Klimawandelleugnern reicht, zwang die BSW-F\u00fchrung zun\u00e4chst dazu, behutsam handverlesene Mitglieder in die Partei zu lassen und begrenzte die Mitgliedschaft zun\u00e4chst auf 440. Laut <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/BSW-mit-starkem-Start-ist-die-Linke-oder-die-AfD-die-Verliererin-article24819050.html\"><em>Ntv<\/em><\/a>hat das BSW aber mittlerweile 8000 Mitgliedsantr\u00e4ge und 17000 registrierte Unterst\u00fctzer. Bereits mit der Gr\u00fcndung von #aufstehen 2018 hatte der zum Faschisten gewandelte ehemalige Linke J\u00fcrgen Els\u00e4sser zu dessen Unterwanderung aufgerufen. Direkte \u00dcbertritte aus der AfD soll ein Riegel vorgeschoben werden wie Wagenknecht der <em>Berliner Zeitung <\/em>gegen\u00fcber betonte:<\/p>\n<p><em>\u201eEs habe bereits F\u00e4lle gegeben, in denen Antr\u00e4ge abgelehnt worden seien. \u201aZum Beispiel, wenn Leute direkt aus der <\/em><a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/afd\"><em>AfD<\/em><\/a><em>zu uns \u00fcbertreten wollen\u2018, sagte sie. In einem Fall sei der Name manipuliert gewesen \u2013 und es habe sich sogar um einen Noch-Funktion\u00e4r bei der AfD gehandelt, sagte die 54-J\u00e4hrige.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/sahra-wagenknecht-8000-mitgliedsantraege-beim-bsw-li.2198194\"><em>Berliner-zeitung.de<\/em><\/a><em>, 20. M\u00e4rz 2024<\/em><\/p>\n<p>Aber es geht bei der Mitgliederbeschr\u00e4nkung keineswegs nur um die Ausgrenzung Rechter. Das Wagenknecht- und gewerkschaftsnahe Onlineportal <em>Nachdenkseiten <\/em>kommentierte die Mitgliederbegrenzung wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eParallel dazu erfolgte die Aufnahme von rund 400 weiteren, streng handverlesenen Mitgliedern nach der Maxime, dass man die junge, noch nicht gefestigte Partei vor \u201aSpinnern\u2018, \u201aGl\u00fccksrittern\u2018, \u201aNarzissten\u2018 und \u201aExtremisten\u2018 sch\u00fctzen m\u00fcsse. Ein Verfahren, dass bei einigen nicht ber\u00fccksichtigten Beitrittswilligen durchaus f\u00fcr Verbitterung sorgte. Darunter auch einige langj\u00e4hrige Mitstreiter der am 8. Januar gew\u00e4hlten Parteivorsitzenden Sahra Wagenknecht, wie der Musikproduzent und ehemalige Bundestagsabgeordnete Diether Dehm und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Pia Zimmermann, die laut Medienberichten \u201aim Namen von 27 Genossen\u2018 in einem Schreiben an Wagenknecht und ihre Ko-Vorsitzende Amira Mohamed Ali gegen ihre Aussperrung aus dem BSW protestierten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110233\"><em>nachdenkseiten.de<\/em><\/a><em>, 29. Januar 2024<\/em><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu diesen Genossinnen und Genossen aus der PDL nahm das BSW den ehemaligen SPD-Oberb\u00fcrgermeister D\u00fcsseldorfs Thomas Geisel auf, der dem Nachrichtensender <em>Ntv<\/em> seine sozialkonservative Sicht der Probleme darlegte, die so durchaus auch von der CDU und der AfD geteilt werden k\u00f6nnten:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Industriestandort werde von sinnlosen Verboten und Symbolpolitik gel\u00e4hmt, der soziale Zusammenhalt sei zunehmend gef\u00e4hrdet, die Politik verstecke sich hinter Identit\u00e4tspolitik und Genderdebatten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Wagenknecht-besetzt-ihren-eigenen-Quadranten-article24647141.html\"><em>N-tv.de<\/em><\/a><em>, 8. Januar 2024<\/em><\/p>\n<p>Trotz Wagenknechts st\u00e4ndiger Betonung des armen Kleinb\u00fcrgers besteht die erste Mitgliederwelle, insbesondere das F\u00fchrungspersonal, aus prominenten ehemaligen Parlamentariern der PDL wie dem ehemaligen Gewerkschaftssekret\u00e4r Klaus Ernst, Sevim Da\u011fdelen, Andrej Hunko, Fabio De Masi, dem einstigen Parlamentarischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der PDL, Alexander Ulrich und dem Unternehmer Ralph Suikat, der ebenfalls zuvor PDL-Parlamentarier war und <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/sahra-wagenknecht-gruendet-neue-partei--das-sind-ihre-mitstreiter--33935770.html\">der sich f\u00fcr eine st\u00e4rkere Besteuerung der Reichen einsetzte<\/a>. Insgesamt ist das BSW zum jetzigen Zeitpunkt mit 10 Sitzen im Bundestag vertreten, die aus ihrer Vorzeit in der PDL stammen. Die Tagesschau berichtete:<\/p>\n<p><em>\u201eTats\u00e4chlich kommt allerdings rund die H\u00e4lfte der Mitglieder aus Wagenknechts und Mohamed Alis alter Partei. Ex-Linke \u00fcbernehmen nahezu alle Pl\u00e4tze in den Parteigremien und in der Organisation des Parteitags. Zwei Europakandidaten waren oder sind zudem Mitarbeiter Wagenknechts, genauso wie der Generalsekret\u00e4r der Bundespartei und der Landeskoordinator f\u00fcr Brandenburg. Menschen, die fr\u00fcher in der SPD, den Gr\u00fcnen oder sogar der FDP waren, finden sich zwar auch, sie sind aber vorerst Einzelf\u00e4lle.<\/em><\/p>\n<p><em>Lars Leopold war noch 2022 Spitzenkandidat der Linken in Niedersachsen. In seinem Wahlwerbespot wetterte er gegen \u201areiche Arschl\u00f6cher\u2018 in der Politik. Leopold, Tattoos, Ohrringe, hochgekrempelte \u00c4rmel, sagt, er habe sich zunehmend von seiner alten Partei entfremdet. Soziale Kernthemen h\u00e4tten nur auf Plakaten eine Rolle gespielte.<\/em><\/p>\n<p><em>Beim BSW sei das anders, zudem stehe man f\u00fcr echte Friedenspolitik. Leopold rechnet damit, dass noch weitere \u00dcbertritte folgen werden.\u201d<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/buendnis-sahra-wagenknecht-102.html\"><em>tagesschau.de<\/em><\/a><em>, 27. Januar 2024<\/em><\/p>\n<p>In einem Interview mit dem <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1179474.treffen-in-muenchen-wagenknecht-partei-umwirbt-gewerkschafter.html\"><em>Neuen Deutschland<\/em><\/a>sch\u00e4tzt der ehemalige Vorsitzende des PDL-Kreisverbands Oberland, Rolf Walther, den Anteil der Gewerkschafter an der BSW-Mitgliedschaft auf 80%. Dass das BSW bewusst versucht, Arbeiter anzuziehen und f\u00fchrende Mitglieder sich positiv auf den Bahnstreik der GDL berufen, der die eigene Anreise zum Gr\u00fcndungsparteitag erschwerte, zeigt ein mittlerweile nicht mehr online verf\u00fcgbarer Bericht auf msn.com, auf den wir am 9. Februar zugriffen:<\/p>\n<p><em>\u201eZimmermann sa\u00df viele Jahre f\u00fcr die Linke im Bundestag, sie ist selbst Gewerkschafterin. Da \u00fcberrascht es nicht, wenn sie betont: \u201aTrotzdem unterst\u00fctzen wir den GDL-Streik. Es kann nicht sein, dass die Bahn sich die gro\u00dfen Kuchenst\u00fccke schnappt und f\u00fcr die Arbeitnehmer nur Kr\u00fcmel bleiben.\u2018<\/em><\/p>\n<p><em>Auch die rund 40 Erstmitglieder aus Bayern kommen in Fahrgemeinschaften zum Parteitag. Dort ist der fr\u00fchere Linke-Chef <\/em><a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/klaus-ernst\"><em>Klaus Ernst<\/em><\/a><em>f\u00fcr die Koordination zust\u00e4ndig. \u201aDer Streik ist wichtig, und es ist unertr\u00e4glich, wenn Demokraten dieses Grundrecht immer gerade dann infrage stellen, wenn es tats\u00e4chlich genutzt wird\u2018, sagt der Bundestagsabgeordnete der Berliner Zeitung. \u2026<\/em><\/p>\n<p><em>\u201aIch kandidiere ganz sicher nicht f\u00fcrs Europaparlament\u2018, sagt Klaus Ernst der Berliner Zeitung. \u201aAber ich freue mich, dass wir mit Dr. Friedrich P\u00fcrner und Patrick Rostek zwei Mitglieder aus Bayern haben, die sich um einen Listenplatz bewerben.\u2018 P\u00fcrner war einst Gesundheitsamtsleiter von Aichach, er machte sich als Kritiker der bayrischen Corona-Politik einen Namen. Rostek ist Gewerkschaftssekret\u00e4r von Verdi Niederbayern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zugleich holte sich das BSW mit Thomas Geisel jemanden ins Boot, der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article249413574\/Buendnis-Sahra-Wagenknecht-Was-nicht-geht-sind-Karrieren-von-Buergergeld-und-Schwarzarbeit.html\">die Agenda 2010 der rot-gr\u00fcnen Schr\u00f6der-Regierung lobte<\/a>, die zur Massenverarmung Arbeitsloser und Gr\u00fcndung der PDL als Reaktion darauf gef\u00fchrt hatte. Das hinderte das BSW nicht daran, Geisel nach Fabio De Masi als zweiten Kandidaten f\u00fcr die Europawahl zu nominieren, was f\u00fcr ein erstes Murren an der Basis sorgte:<\/p>\n<p><em>\u201eDezentes Grummeln an der Basis signalisierte am Sonnabend allerdings das Wahlergebnis f\u00fcr den langj\u00e4hrigen SPD-Funktion\u00e4r und ehemaligen Oberb\u00fcrgermeister von D\u00fcsseldorf, Thomas Geisel, der f\u00fcr den 2. Platz auf der Liste f\u00fcr die EU-Wahlen nominiert wurde. W\u00e4hrend sich der Spitzenkandidat Fabio De Masi und der f\u00fcr Platz 3 aufgestellte fr\u00fchere Top-Diplomat Michael von der Schulenburg \u00fcber Zustimmungswerte von 97,5 bzw. 97,8 Prozent freuen konnten, erhielt Geisel lediglich 77,8 Prozent. Bei aller Parteitagsdisziplin sto\u00dfen Geisels unerm\u00fcdliche Bekenntnisse zu Gerhard Schr\u00f6ders Agenda-2010-Politik vielen dann wohl doch recht sauer auf. Auch bei den Beisitzer-Wahlen f\u00fcr den Parteivorstand erhielt Geisel mit nur 66 Prozent das mit Abstand schlechteste Ergebnis.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110233\"><em>nachdenkseiten.de<\/em><\/a><em>, a. a. O.<\/em><\/p>\n<p>In einer <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GhJpgQbmo_A\">Presseerkl\u00e4rung vom 19. M\u00e4rz (ab ca. 8.45 Minuten)<\/a>machte Wagenknecht aber deutlich, dass sie nach wie vor die Hartz-\u201eReformen\u201c f\u00fcr verwerflich hielt und machte diese f\u00fcr die Entstehung eines gro\u00dfen Niedriglohnsektors verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>Das Europawahlprogramm des BSW \u2013 \u201eWirtschaftliche und sicherheitspolitische Eigenst\u00e4ndigkeit\u201c des deutschen Imperialismus <\/strong><\/p>\n<p>Die Wahlprogramme reflektieren die reformistischen Konzepte des BSW, und werden gepaart mit Sozialkonservatismus. Das Europawahlprogramm des BSW beschreibt die urspr\u00fcngliche Intention der \u201eeurop\u00e4ischen Einigung\u201c wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eDie europ\u00e4ische Idee von Frieden, Wohlstand, sozialer Sicherheit und Freiheit stand am Anfang der europ\u00e4ischen Einigung. Viele Menschen haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg f\u00fcr diese Idee engagiert. Sie wollten die Schrecken des Krieges, Nationalismus und Gewaltherrschaft f\u00fcr immer hinter sich lassen und in eine bessere Zukunft aufbrechen. Sie besannen sich auf die gemeinsamen europ\u00e4ischen Traditionen: Demokratie, Aufkl\u00e4rung, Solidarit\u00e4t. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Menschen in Westeuropa n\u00e4her zusammenger\u00fcckt: auf Reisen, im Studium oder am Arbeitsplatz. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen Millionen Osteurop\u00e4er hinzu. \u00dcber Jahrzehnte ging diese Entwicklung Hand in Hand mit verst\u00e4rkter Kooperation und Integration \u2013 von der Montanunion \u00fcber die Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bis zur Europ\u00e4ischen Union (EU). Wenngleich der Integrationsprozess nie ohne Konflikte verlief, erlebte Europa in der Nachkriegszeit Jahrzehnte des Aufschwungs und des Friedens.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Das Programm f\u00fcr die Europawahl 2024<\/em><\/a><\/p>\n<p>Diese eigenartige Geschichtsschreibung des BSW vergisst dabei sowohl den brutalen imperialistischen \u00dcberfall auf Serbien 1999 als auch, dass die Vorg\u00e4ngerorganisationen der EU in erster Linie als antikommunistisches Bollwerk gegen die deformierten Arbeiterstaaten Osteuropas und die Arbeiterklasse Westeuropas gerichtet war. Um diese effektiv bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen, mussten die Imperialisten Europas versuchen, ihre Interessenkonflikte dem gr\u00f6\u00dferen Ziel der Unterminierung der b\u00fcrokratischen Planwirtschaften unterzuordnen. Dabei waren die Vorg\u00e4ngerorganisationen der EU die wirtschaftspolitischen Werkzeuge, w\u00e4hrend die NATO als eine \u201eimperialistische Einheitsfront\u201c gegen die Staaten des Warschauer Paktes und zur fortgesetzten Unterwerfung semi-kolonialer L\u00e4nder diente. Die europ\u00e4ischen Imperialismen, insbesondere Deutschland, nutzten die Zerschlagung der b\u00fcrokratisch-deformierten Planwirtschaften im Zuge der kapitalistischen Konterrevolutionen von 1989 bis 1991 zu weiteren Angriffen auf die Sozialstandards und L\u00f6hne sowohl der einheimischen wie auch der osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder, in die sie nun ungehindert expandieren konnten. Durch diese Verkl\u00e4rung der eigenen Geschichte kann das BSW sowohl das US-Kapital als auch die \u201eBr\u00fcsseler Institutionen\u201c f\u00fcr die Einf\u00fchrung neoliberaler Deregulierung verantwortlich machen:<\/p>\n<p><em>\u201eViele europ\u00e4ische L\u00e4nder haben in den zur\u00fcckliegenden Jahren wichtige Teile ihrer Industrie verloren, der Anteil Europas an der Weltwirtschaft und am Welthandel schrumpft. Dabei fallen wir nicht nur im Vergleich zu den Wachstumsregionen S\u00fcdostasiens zur\u00fcck, sondern seit einiger Zeit auch im Vergleich zu den USA. Die einst starken europ\u00e4ischen Sozialstaaten wurden in den meisten L\u00e4ndern von einem angels\u00e4chsisch gepr\u00e4gten Blackrock-Kapitalismus abgel\u00f6st, der von gro\u00dfen Finanz- und Digitalkonzernen gesteuert und von b\u00f6rsen-notierten Unternehmen gepr\u00e4gt wird und in dem Mittelstand und Arbeitnehmer unter die R\u00e4der geraten. Die Europ\u00e4ische Union hat sich diesem Prozess nicht entgegengestellt, sondern ihn bef\u00f6rdert und aktiv vorangetrieben.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Das Programm f\u00fcr die Europawahl 2024<\/em><\/a><\/p>\n<p>Es mutet wie ein schlechter Witz an, dass ausgerechnet Geisel der diese Angriffe auf die deutsche Arbeiterklasse bis heute lobt, zu einem f\u00fchrenden Europawahlkandidaten des BSW ernannt wird. Statt anzuerkennen, dass allen voran das deutsche Kapital an dieser Deregulierung und der Zerst\u00f6rung der wohlfahrtsstaatlichen Einrichtungen interessiert war und Industrien in Niedriglohnl\u00e4nder auslagerte, um besseren Zugang zu den M\u00e4rkten der abh\u00e4ngig-kapitalistischen L\u00e4nder zu erlangen, schreibt das BSW die Schuld daran allein dem b\u00f6sen angels\u00e4chsischen Kapital zu.<\/p>\n<p>Abgesehen von den nationalistischen Projektionen des BSW hat der US-Imperialismus den Ukrainekonflikt tats\u00e4chlich dazu genutzt, um auch seinen transatlantischen \u201ePartnern\u201c im internationalen Wettkampf um Marktanteile und Profite in die Suppe zu spucken, wie das Nachrichtenportal <em>German Foreign Policy <\/em>festhielt:<\/p>\n<p><em>\u201eBerlin hat in der Rivalit\u00e4t mit Washington im vergangenen Jahr mehrere schwere R\u00fcckschl\u00e4ge erlitten. Zum einen haben beim Vorgehen des transatlantischen B\u00fcndnisses im Ukraine-Krieg auf milit\u00e4rischer Ebene die NATO und mit ihr die USA klar das Kommando inne. Es kommt hinzu, dass auf \u00f6konomischer Ebene die Abh\u00e4ngigkeit der deutschen Wirtschaft vom US-Gesch\u00e4ft mit dem Abbruch aller \u00f6konomischen Beziehungen zu Russland gestiegen ist; das schlie\u00dft die neue Abh\u00e4ngigkeit von US-Fl\u00fcssiggas ein.[1] Letztere wird durch die Sprengung der Nord Stream-Pipelines, die mittlerweile selbst Berliner Regierungsmitarbeiter in Hintergrundgespr\u00e4chen einer westlichen Macht anlasten, auf Dauer verfestigt.[2] Parallel hat wiederum die Biden-Administration mit ihren Hunderte Milliarden US-Dollar schweren Investitionsprogrammen begonnen, Industrie aus Europa sowie vor allem aus Deutschland im gro\u00dfen Stil abzuwerben; Wirtschaftskreise warnen l\u00e4ngst vor einer Deindustrialisierung der Bundesrepublik.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/9139\"><em>German-foreign-policy.com<\/em><\/a><em>, 23. Januar 2023<\/em><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat der US-Imperialismus begonnen, von seinen NATO-Partnern Gefolgschaft auch im Umgang mit China zu fordern, beispielsweise von Volkswagen und BASF, die mittlerweile einen Gro\u00dfteil ihrer Profite in der Volksrepublik erwirtschaften. Volkswagen erwirtschaftete 2022 laut einem <a href=\"https:\/\/m.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/warum-bmw-mercedes-und-renault-elektroautos-in-china-fertigen-18488333.html\">Bericht<\/a>der <em>Frankfurter Allgemeine <\/em>70% seines Gewinns im Reich der Mitte. Gleichzeitig bereitet der Aufstieg des deformierten Arbeiterstaats China dem deutschen Imperialismus Kopfzerbrechen. J\u00f6rg Kronauer fasste die widerspr\u00fcchliche Lage des deutschen Imperialismus, der sich immer noch einen bedeutenden Anteil gesellschaftlichen Reichtums aus der Volksrepublik aneignet, hinsichtlich Chinas wie folgt zusammen:<\/p>\n<p><em>\u201eDa wird ein Land, auf das die deutsche Wirtschaft f\u00fcr ihr Wachstum und f\u00fcr ihre technologische Entwicklung vielleicht mehr denn je angewiesen ist, zu gef\u00e4hrlicher Konkurrenz, und dies \u00fcbrigens nicht zuletzt dank deutscher Investitionen: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat schon im Januar 2019 versucht, die widerspr\u00fcchlichen Aspekte in einem \u201aGrundsatzpapier\u2018 zusammenzuf\u00fchren und Konsequenzen daraus zu ziehen. Einerseits sei China \u201aals dynamisch wachsender Markt \u2026 einer der wichtigsten wirtschaftlichen Partner\u2018, hei\u00dft es in dem Papier; an allzu heftigen Konflikt oder an einem Decoupling habe \u201adie deutsche Industrie kein Interesse\u2018. Andererseits m\u00fcsse man auch in Rechnung stellen, dass in wachsendem Ma\u00df \u201adeutsche und chinesische Hersteller in direkter Konkurrenz\u2018 zueinander st\u00fcnden; dabei w\u00fcrden sie \u201aauch auf Drittm\u00e4rkten \u2026 immer st\u00e4rker zu Konkurrenten\u2018. An dieser Stelle, urteilte der BDI, komme ein drittes Moment hinzu: dass n\u00e4mlich die starke chinesische Industrie nicht allein \u201aAusdruck eines dynamischen Unternehmertums in China, sondern auch ma\u00dfgeblich durch gezielte staatliche F\u00f6rderung und Lenkung begr\u00fcndet\u2018 sei.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 J\u00f6rg Kronauer, Der Aufmarsch, 2022<\/em><\/p>\n<p>Der auf der b\u00fcrokratisch geplanten Wirtschaft fu\u00dfende, relativ krisenfreie Aufstieg Chinas hat auch regionale Konsequenzen. Denn er er\u00f6ffnet auch anderen L\u00e4ndern der Region Handelsm\u00f6glichkeiten jenseits der alten imperialistischen Zentren, die sich seit der kapitalistischen Weltwirtschaftskrise von 2008 im Gegensatz zur Volksrepublik in relativer Stagnation befinden. Das BSW lehnt allzu aggressives S\u00e4belrasseln gegen\u00fcber Russland und China ab und bekennt sich zur Multipolarit\u00e4t:<\/p>\n<p><em>\u201eWir wollen dazu beitragen, dass die Europ\u00e4ische Union sich auf ihre politische, <strong>wirtschaftspolitische und sicherheitspolitische Eigenst\u00e4ndigkeit<\/strong> besinnt und so prim\u00e4r die Interessen der B\u00fcrger der Mitgliedsstaaten der Union vertritt. Europa muss eigenst\u00e4ndiger Akteur auf der Weltb\u00fchne werden, statt Spielball im Konflikt der Gro\u00dfm\u00e4chte zu sein und sich den Interessen der USA unterzuordnen. Eine multipolare Welt liegt im europ\u00e4ischen Interesse, eine neue Blockkonfrontation mit zunehmenden Handelsbeschr\u00e4nkungen und ausufernden Wirtschaftssanktionen schadet Europa. Wir wollen Sanktionen abbauen, den Zugang zu den Rohstoffen und Energietr\u00e4gern Russlands und Zentralasiens erm\u00f6glichen sowie den Ausbau der \u00dcberland-Handelswege zu den Wachstumsregionen Asiens offenhalten. Auch darf Europa nicht l\u00e4nger eine digitale Kolonie der Vereinigten Staaten sein, sondern muss eine eigenst\u00e4ndige digitale Infrastruktur aufbauen, die die B\u00fcrger vor \u00dcberwachung und Manipulation sch\u00fctzt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Europawahlprogramm<\/em><\/a><em>, a.a.O., Hervorhebung im Original<\/em><\/p>\n<p>Dennoch versucht sich das BSW, dem deutschen Kapital anzudienen, indem es die Bundesrepublik durch den Aufstieg Chinas bedroht sieht und die zunehmend aggressiven imperialistischen Drohgeb\u00e4rden gegen den fortgesetzten Aufstieg Chinas zu einem Konflikt umdichtet, f\u00fcr den Beijing mitverantwortlich ist:<\/p>\n<p><em>\u201eW\u00e4hrend sich das politische Machtzentrum der Welt zunehmend nach Asien und in den globalen S\u00fcden verschiebt, intensiviert sich die Rivalit\u00e4t zwischen China und den USA um die globale Vorherrschaft. Vor diesem Hintergrund d\u00fcrften Spannungen und Konflikte in den kommenden Jahren weiter zunehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Europawahlprogramm<\/em><\/a><em>, a.a.O.<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ns8zQgpmJB4\">meint<\/a>(ab 18.50 Minuten) Thomas Geisel mit seiner Anmerkung auf der Pressekonferenz vom 8. Januar \u00fcber \u201eSozialdemokraten, die sich in der Tradition Willy Brandts und Helmut Schmitts sehen, \u2026 in der SPD heimatlos geworden\u201c sind, neben deren Eintreten f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber den USA unter anderem durch den Beginn des Bezugs preisg\u00fcnstiger Energie aus der Sowjetunion (und bis vor kurzem Russland) auch Brandts konterrevolution\u00e4re Politik des \u201eWandels durch Ann\u00e4herung\u201c im Verh\u00e4ltnis zur Volksrepublik.<\/p>\n<p>Das BSW redet also dem deutschen Imperialismus, der die dominante Kraft in der EU darstellt, das Wort und will ihn weiter gegen\u00fcber der internationalen Konkurrenz st\u00e4rken:<\/p>\n<p><em>\u201eZu den gro\u00dfen Aufgaben, die einer L\u00f6sung harren, geh\u00f6rt eine europ\u00e4ische Digitalstrategie, die uns von den US-Datenkraken ebenso unabh\u00e4ngig macht wie von chinesischen IT-Ausr\u00fcstern. Dazu geh\u00f6rt ein europ\u00e4isches Zahlungssystem, das europ\u00e4ische Souver\u00e4nit\u00e4t gegen\u00fcber Washingtoner Sanktionsdrohungen erm\u00f6glicht. Wir brauchen eine Re-Industrialisierung Europas, die Arbeitspl\u00e4tze und Wohlstand zur\u00fcckbringt, statt einer Energie- und Sanktionspolitik, die Europa weiter zur\u00fcckwirft und dazu f\u00fchrt, dass die Europ\u00e4er im Gro\u00dfkonflikt zwischen den USA und China zerrieben werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Ebd<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p>Mit dieser Melange aus pro-imperialistischem Protektionismus, der die imperialistischen M\u00e4chte Europas, inklusive Deutschlands, zu \u201eSpielb\u00e4llen der Gro\u00dfm\u00e4chte\u201c umdefiniert, versucht sich das BSW dem deutschen Kapital anzudienen, gerade wenn das BSW Deutschland zur \u201edigitalen Kolonie der Vereinigten Staaten\u201c erkl\u00e4rt, ohne zu erw\u00e4hnen, dass die Bundesregierung seit Jahren ebenfalls in gleichem Umfang seine eigenen B\u00fcrger digital ausspioniert. Anders als andere Mitbewerber um Regierungsposten fordert das Wagenknecht-B\u00fcndnis vom deutschen Imperialismus und dem anderer EU-L\u00e4nder, doch bitte etwas diplomatischer zu handeln, statt zu verstehen, dass Kriege nicht vom Kapitalismus in seinem Monopolstadium getrennt werden k\u00f6nnen. So wird auch der Konflikt in der Ukraine zu einem \u201eStellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland\u201c reduziert, ohne dabei Deutschlands Rolle als zweitgr\u00f6\u00dftem Waffenlieferanten der Ukraine zu erw\u00e4hnen, dessen herrschende Klasse in ihrer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit diesen Versuch, \u201eRussland zu ruinieren\u201c, als in ihrem Interesse begreift. Mit der imperialistischen Realit\u00e4t konfrontiert, fallen dem BSW nur pazifistische Floskeln ein:<\/p>\n<p><em>\u201eDie L\u00f6sung von Konflikten mit milit\u00e4rischen Mitteln lehnen wir grunds\u00e4tzlich ab. Wir wehren uns dagegen, dass immer mehr Ressourcen in Waffen und Kriegsger\u00e4t flie\u00dfen, statt in die Bildung unserer Kinder, die Erforschung umweltschonender Technologien oder unsere Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Atomare Aufr\u00fcstung und eskalierende Konflikte zwischen den Atomm\u00e4chten setzen das \u00dcberleben der Menschheit aufs Spiel und m\u00fcssen beendet werden. Wir streben eine neue \u00c4ra der Entspannung und neue Vertr\u00e4ge \u00fcber Abr\u00fcstung und gemeinsame Sicherheit an. Die Bundeswehr hat den Auftrag, unser Land zu verteidigen. F\u00fcr diese Aufgabe muss sie angemessen ausger\u00fcstet sein. Den Einsatz deutscher Soldaten in internationalen Kriegen lehnen wir ebenso ab wie ihre Stationierung an der russischen Grenze oder im S\u00fcdchinesischen Meer. Eine Milit\u00e4rallianz, deren F\u00fchrungsmacht in den zur\u00fcckliegenden Jahren f\u00fcnf L\u00e4nder v\u00f6lkerrechtswidrig \u00fcberfallen und in diesen Kriegen mehr als 1 Million Menschen get\u00f6tet hat, sch\u00fcrt Bedrohungsgef\u00fchle und Abwehrreaktionen und tr\u00e4gt so zu globaler Instabilit\u00e4t bei. Statt eines Machtinstruments f\u00fcr geopolitische Ziele brauchen wir ein defensiv ausgerichtetes Verteidigungsb\u00fcndnis, das die Grunds\u00e4tze der UN-Charta achtet, Abr\u00fcstung anstrebt, statt zu Aufr\u00fcstung zu verpflichten, und in dem sich die Mitglieder auf Augenh\u00f6he begegnen. Europa ben\u00f6tigt eine stabile Sicherheitsarchitektur, die l\u00e4ngerfristig auch Russland einschlie\u00dfen sollte.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/programm\/frieden\/\"><em>Bsw-vg.de<\/em><\/a><em>, ohne Datum<\/em><\/p>\n<p>In dieser Passage zeigen sich die \u201erealpolitischen\u201c Illusionen des BSW, die linker klingen als die Bef\u00fcrworter in allen anderen Gro\u00dfparteien des \u20ac300 Milliarden-schweren Sonderverm\u00f6gens f\u00fcr die Bundeswehr, einschlie\u00dflich der PDL, um den deutschen Imperialismus im Ukrainekonflikt und weiteren Konflikten \u201ekriegstauglich\u201c zu machen. Dass sich aber auch das BSW vorstellen kann, die Finanzierung der Bundeswehr voranzutreiben, deutet der Nebensatz \u00fcber die angemessene Ausr\u00fcstung der Bundeswehr an.<\/p>\n<p>Das BSW fordert eine Re-Industrialisierung Europas in Zeiten fallender Profitraten und wirtschaftlicher Stagnation, die im Kontext niedrigerer L\u00f6hne im Globalen S\u00fcden nichts weiter als eine Utopie bleiben muss; schlie\u00dflich wird sich das deutsche Kapital kaum daf\u00fcr begeistern k\u00f6nnen, Produktionsprozesse nach Deutschland zur\u00fcckzuholen, die es bewusst aufgrund niedrigerer L\u00f6hne und h\u00f6herer Ausbeutungsraten in die semi-koloniale Welt ausgelagert hat. Die Ausbeutung des Globalen S\u00fcdens durch das deutsche Kapital soll laut BSW weitergehen, nur eben sozial vertr\u00e4glich:<\/p>\n<p><em>\u201eImporte aus Drittstaaten, die sich Wettbewerbsvorteile durch Steuer-, Sozial- und Umweltdumping verschaffen wollen, sollten mit angemessenen Importz\u00f6llen belegt werden. Dabei muss eine faire weltweite Arbeitsteilung entwickelt werden, die den L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens eine Perspektive bietet.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Europawahlprogramm<\/em><\/a><em>, a.a.O.<\/em><\/p>\n<p>Aber wie genau diese faire Perspektive in Anbetracht der ungleichen Wirtschaftsmacht des imperialistischen Deutschlands in seinen Beziehungen zu den L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens gestaltet werden soll, bleibt unerw\u00e4hnt, denn sie w\u00fcrde die Profitrate deutscher Gro\u00dfkonzerne aber auch des Mittelstands beschneiden. Allein durch die Leistung eines \u201eBeitrags zur Qualifizierung und Ausbildung von Menschen aus \u00e4rmeren L\u00e4ndern\u201c oder die Aufforderung an Deutschland, doch bitte seine \u201eAbwerbeprogramme in L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens einzustellen\u201c, wie das BSW es fordert, k\u00f6nnen in der semi-kolonialen Welt weder materielle Grundlagen f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung geschaffen noch das Wertgesetz international au\u00dfer Kraft gesetzt werden, mit Hilfe dessen sich das deutsche Kapital am Globalen S\u00fcden bereichert.<\/p>\n<p><strong>Migration und Arbeiterrechte<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch setzt sich das BSW f\u00fcr eine restriktive Einwanderungspolitik ein und fordert sogar von semi-kolonialen Regierungen ein, doch bitte allen Einwohnern eine Perspektive zu bieten, die durch imperialistische Ausbeutung und Krieg systematisch zerst\u00f6rt wurde:<\/p>\n<p><em>\u201eSo verst\u00e4ndlich es ist, dass Menschen in Europa einen Ausweg aus Armut, Unter-entwicklung und \u00f6konomischer Misere suchen, so klar ist auch, dass Migration nicht die L\u00f6sung f\u00fcr das Problem von Armut und Ungleichheit in der Welt ist. Auch wenn es einigen Menschen, dadurch gelingt ihre Lebensumst\u00e4nde zu verbessern, gilt dies nicht f\u00fcr die Mehrzahl der Menschen. \u2026 Es gibt auch ein Recht nicht fliehen zu m\u00fcssen und eine Pflicht dieser Staaten, das ihren B\u00fcrgern zu garantieren. Wir brauchen mehr Ehrlichkeit in der Debatte: Zuwanderung und das Miteinander unterschiedlicher Kulturen k\u00f6nnen eine Bereicherung f\u00fcr die Ziell\u00e4nder sein. Das gilt aber nur, solange die Kapazit\u00e4ten vor Ort nicht \u00fcberfordert werden und Integration gelingt. In Frankreich und anderen L\u00e4ndern, etwas schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt auch in Deutschland sind in den zur\u00fcckliegenden Jahren durch eine v\u00f6llig verfehlte Einwanderungspolitik islamistisch gepr\u00e4gte Parallelgesellschaften entstanden, in denen Recht und Gesetz nur noch eingeschr\u00e4nkt gelten, die Scharia gepredigt wird und Kinder im Hass auf die westliche Kultur aufwachsen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Ebd<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p>Migrationsursachen werden also neben imperialistischen Regime-Change-Versuchen auch semi-kolonialen Regierungen in die Schuhe geschoben, ohne dass das BSW eine realistische L\u00f6sung zur Abschaffung imperialistischer Ausbeutung bietet. Stattdessen befeuert das BSW mit rassistischen Klischees von islamistischen Parallelgesellschaften den Kampf innerhalb der Arbeiterklasse und versucht dadurch, ihre programmatische Inkompetenz zu kaschieren. Innerhalb der EU lehnt das BSW Migration aus dem EU-Ausland nicht ab und setzt sich lobenswerterweise f\u00fcr gleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit ein:<\/p>\n<p><em>\u201eSoziale Grundrechte und sozialer Fortschritt werden den wirtschaftlichen Binnenmarktfreiheiten untergeordnet. Das Ergebnis dieser Politik sind: schlechtere L\u00f6hne, prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung, Abbau gewerkschaftlicher Rechte und schwindende Tarifbindung, Armut, (Jugend-) Arbeitslosigkeit und wachsende Ungleichheit. Verst\u00e4rkt wird dies durch die Folgen der Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit innerhalb der EU und durch Modelle der Arbeitnehmerentsendung. Unternehmen nutzen das Sozial- und Lohngef\u00e4lle innerhalb der EU, um billige Arbeitskr\u00e4fte aus den \u00e4rmeren L\u00e4ndern in Hochlohnl\u00e4nder zu holen. Das setzt hiesige Belegschaften unter Druck. Wir wollen ein Europa, in dem der Zerfall des gesellschaftlichen Zusammenhalts gestoppt und die Politik wieder am Gemeinwohl ausgerichtet wird. Daf\u00fcr brauchen wir eine leistungsf\u00e4hige \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge und deutlich mehr Investitionen in Bildung, Gesundheit und Wohnen. Arbeitnehmer aus verschiedenen EU-L\u00e4ndern d\u00fcrfen nicht gegeneinander ausgespielt werden: Das Prinzip gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit am gleichen Ort ist daf\u00fcr unverzichtbar, weil es hiesige Belegschaften vor Dumping und Arbeitsmigranten vor Ausbeutung sch\u00fctzt.\u201d<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/BSW_Europawahlprogramm_2024.pdf\"><em>Ebd<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p>Doch wie dieser Schutz vor Lohndumping und Ausbeutung durchgesetzt werden soll und wie gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit zu verwirklichen w\u00e4re, erw\u00e4hnt das BSW nicht. Unter dem Punkt \u201eSoziale Gerechtigkeit\u201c fordert das BSW:<\/p>\n<p><em>\u201eUnser Ziel ist eine faire Leistungsgesellschaft mit echter Chancengleichheit und einem hohen Grad an sozialer Sicherheit. Eine hochproduktive Wirtschaft braucht qualifizierte und motivierte Besch\u00e4ftigte. Die Voraussetzung daf\u00fcr sind leistungsgerechte L\u00f6hne, sichere Arbeitspl\u00e4tze und gute Arbeitsbedingungen. \u2026 Um Lohndr\u00fcckerei zu verhindern, sollte die Tarifbindung wieder gest\u00e4rkt und die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifvertr\u00e4gen erleichtert werden. Wir unterst\u00fctzen die Besch\u00e4ftigten, ihre Gewerkschaften und Betriebs- bzw. Personalr\u00e4te in ihrem Einsatz f\u00fcr Arbeitnehmerrechte und gute Arbeit. Zugleich braucht unser Land einen zuverl\u00e4ssigen Sozialstaat, der Zukunfts\u00e4ngste abbaut und vor einem sozialen Absturz im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter sch\u00fctzt. Die Privatisierung und Kommerzialisierung existentieller Dienstleistungen, etwa im Bereich Gesundheit, Pflege oder Wohnen, muss gestoppt werden, gemeinn\u00fctzige Anbieter sollten in diesen Branchen Vorrang haben. Notwendig ist ein gerechtes Steuersystem, das Geringverdiener entlastet und verhindert, dass gro\u00dfe Konzerne und sehr reiche Privatpersonen sich ihrem angemessenen Anteil an der Finanzierung des Gemeinwesens entziehen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/programm\/soziale-gerechtigkeit\/\"><em>Bsw-vg.de<\/em><\/a><em>, ohne Datum<\/em><\/p>\n<p>Statt radikalem Wortgeklingel vom Sozialismus des 21. Jahrhunderts, der sich immer noch im <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/partei\/programm\/\">PDL-Programm<\/a>findet, inklusive Bezug auf Marx, Engels und Luxemburg, mit dem die PDL ihre Angriffe auf die Arbeiterklasse kaschiert, zelebriert das BSW einen offenen Reformismus der Umverteilung des Wohlstands von oben nach unten, der gar nicht mehr so tut, als h\u00e4tte er etwas mit Marxismus zu tun. Wie es die Umverteilung in Zeiten der sich versch\u00e4rfenden Krise des deutschen Imperialismus bewerkstelligen m\u00f6chte, erkl\u00e4rt das BSW nicht. Laut BSW-Programm sind es allein politische Probleme und keine die in der Struktur des Kapitalismus selbst angelegt sind, die f\u00fcr den wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich sind:<\/p>\n<p><em>\u201eNoch hat unser Land eine solide Industrie und einen erfolgreichen, innovativen Mittelstand. Aber die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Unsere \u00f6ffentliche Infrastruktur ist in einer f\u00fcr ein f\u00fchrendes Industrieland blamablen Verfassung. \u2026 Seit durch die Russlandsanktionen und vermeintliche Klimapolitik auch noch Energie schlagartig teurer wurde, droht unserem Land der Verlust wichtiger Industrien und hunderttausender gutbezahlter Arbeitspl\u00e4tze. Viele Unternehmen erw\u00e4gen eine Verlagerung ihrer Produktion ins Ausland. Andere sind in ihrer Existenz bedroht. Von Konzernen beeinflusste und gekaufte Politik und das Versagen der Kartellbeh\u00f6rden haben eine Marktwirtschaft geschaffen, in der viele M\u00e4rkte nicht mehr funktionieren. Es sind marktbeherrschende Gro\u00dfunternehmen, \u00fcberm\u00e4chtige Finanzkonzerne wie Blackrock und \u00fcbergriffige Digitalmonopolisten wie Amazon, Alphabet, Facebook, Microsoft und Apple entstanden, die allen anderen Marktteilnehmern ihren Tribut auferlegen, Wettbewerb untergraben und die Demokratie zerst\u00f6ren. Zu einem beachtlichen Teil ist die aktuelle Inflation auch Ergebnis eines durch zu gro\u00dfe wirtschaftliche Macht verursachten Marktversagens.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/programm\/wirtschaftliche-vernunft\/\"><em>Ebenda<\/em><\/a><\/p>\n<p>Dieses Problem gedenkt das BSW dadurch anzugehen, auf der einen Seite das Rad der kapitalistischen Geschichte durch \u201eMonopolentflechtung\u201c zur\u00fcckdrehen zu wollen, auf der anderen Seite Verstaatlichungen von Gro\u00dfkonzernen in Aussicht zu stellen:<\/p>\n<p><em>\u201eWir streben eine innovative Wirtschaft mit fairem Wettbewerb, gut bezahlten sicheren Arbeitspl\u00e4tzen, einem hohen Anteil industrieller Wertsch\u00f6pfung, einem gerechten Steuersystem und einem starken Mittelstand an. Daf\u00fcr wollen wir Marktmacht begrenzen und marktbeherrschende Konzerne entflechten. Wo Monopole unvermeidlich sind, m\u00fcssen die Aufgaben gemeinn\u00fctzigen Anbietern \u00fcbertragen werden. Die deutsche Industrie ist das R\u00fcckgrat unseres Wohlstands und muss erhalten bleiben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich betrachtet bietet das Wagenknecht-B\u00fcndnis so beiden Zielgruppen, dem durch Monopolmacht bedrohten Kleinb\u00fcrgertum und der Arbeiterklasse etwas. Aber der Einsatz des BSW f\u00fcr Kleinunternehmer und den Mittelstand ist nicht mit diesen arbeiterfreundlichen Programmpunkten kombinierbar, insbesondere in Zeiten akuter Wirtschaftskrisen und Stagnation. Zwar \u00e4u\u00dferte Wagenknecht in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cGVFQiDCxto\">Pressekonferenz vom 12. M\u00e4rz<\/a>(ab 1.20 Minuten) Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Streikenden der Bahn und Luftfahrt und stellte sich im Konflikt auf deren Seite, aber eine gezielt klassenk\u00e4mpferische Strategie findet man beim BSW ebenso wenig, wie bei der PDL. Die widerspruchslose Durchsetzung der Sparma\u00dfnahmen zugunsten des Kapitals auf Kosten der Arbeiterklasse, die Wagenknecht, Ernst und Co. zu PDL-Zeiten in den jeweiligen Regierungskoalitionen im Osten der Republik mitzuverantworten hatten, lassen nicht Gutes f\u00fcr potentielle BSW-Regierungsbeteiligungen erwarten.<\/p>\n<p><strong>Die Klientel des BSW<\/strong><\/p>\n<p>Dieser programmatische Mix, den man vielleicht innenpolitisch als ein \u201eWeiter so\u201c des Sozialprogramms der PDL verstehen kann, positioniert das BSW moderat auf Seite der Streikenden und gegen eine Einschr\u00e4nkung des Streikrechts, leistet aber gleichzeitig mit dem Nach-Unten-Treten gegen Migration ihren eigenen Beitrag zur weiteren Senkung des Klassenbewusstseins. Ironischerweise wirkt diese Mischung selbst f\u00fcr manche migrantische Arbeiter ansprechend:<\/p>\n<p><em>\u201eZu den bayerischen Wagenknecht-Anh\u00e4ngern z\u00e4hlt auch Murat Yilmaz: Der fr\u00fchere Bandarbeiter und heutige Taxifahrer machte als \u201aBetriebsrats-Rebell bei <\/em><a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/organisation\/bmw\/\"><em>BMW<\/em><\/a><em>\u2018 Schlagzeilen. Der fr\u00fchere Chef einer kleinen Bandarbeiter- und Leiharbeitergewerkschaft ist \u00fcberzeugt: \u201aGeringverdiener oder die migrantische Unterschicht sind doch die gro\u00dfen Verlierer der heutigen Politik.\u2018 Yilmaz kritisiert die Fl\u00fcchtlingspolitik scharf. Wenn mehr als zwei Millionen Schutzsuchende in weniger als einem Jahrzehnt nach Deutschland k\u00e4men, w\u00fcrde dies vor allem f\u00fcr Zugewanderte, die schon lange hier leben, massive Konkurrenz um knappe Ressourcen bedeuten. Bei Wohnraum oder Kita-Pl\u00e4tzen etwa.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/politik\/welche-ueberraschende-zielgruppe-die-neue-partei-von-sahra-wagenknecht-ansprechen-moechte-art-947478\"><em>Abendzeitung-muenchen.de<\/em><\/a><em>, 22. Dezember 2023<\/em><\/p>\n<p>Das BSW unter Wagenknecht, die in der DDR aufwuchs und im Fr\u00fchjahr 1989 in die SED eintrat und nach der kapitalistischen Konterrevolution zun\u00e4chst in der stalinistischen Str\u00f6mung \u201eKommunistische Plattform\u201c in der PDS t\u00e4tig war, ist insbesondere in Ostdeutschland popul\u00e4r. Im Gegensatz zu Westdeutschland konnten dort Weniger etwas mit der virulenten russophoben Hysterie anfangen, die die Scholz-Regierung insbesondere nach Beginn der SMO sch\u00fcrte, insbesondere, nachdem die Sanktionen und der Anschlag auf Nordstream II die Energiepreise in die H\u00f6he getrieben hatten. W\u00e4hrend die PDL sich mittlerweile offen auf die Seite des deutschen Imperialismus geschlagen hat in dessen Versuch, die Russische F\u00f6deration zu zerschlagen, um sich die russischen Rohstoffe unter den Nagel zu rei\u00dfen, und den israelischen Genozid in Gaza unterst\u00fctzt, mutet Wagenknechts Pazifismus vergleichsweise progressiv an. Umfragen anl\u00e4sslich der Landtagswahlen in Th\u00fcringen und Sachsen sehen das BSW bei respektive <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/mitte-thueringen\/erfurt\/bsw-wagenknecht-landesverband-gruendung-wolf-100.html\">17 und 27 Prozent<\/a>, was f\u00fcr das BSW ein Riesenerfolg w\u00e4re. Bei einer <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1421757\/umfrage\/waehlerpotenzial-der-wagenknechtt-partei\/\">Umfrage des ZDF-Politbarometers vom Januar 2024<\/a>konnten sich 21 Prozent aller W\u00e4hler vorstellen, das BSW bei der n\u00e4chsten Bundestagswahl zu w\u00e4hlen; die Meisten davon sind W\u00e4hler, die zuvor die PDL oder die AfD gew\u00e4hlt hatten, aber auch die rechten Freien W\u00e4hler und SPD-W\u00e4hler sind dabei. Hatte die PDL die meisten Stimmverluste an die AfD zu verbuchen, scheint ein nicht geringer Teil dieser Protestw\u00e4hlerschicht bereit zu sein, wieder \u201enach links\u201c zu schwenken. \u00c4hnliche Ph\u00e4nomene gab es auch in Britannien nach dem Brexit im Zuge Corbyns kurzlebiger \u00dcbernahme der Labour-F\u00fchrung, die eine R\u00fcckkehr sozialstaatlicher Ma\u00dfnahmen versprach, oder bei den US-Wahlen 2016, in denen die Demokraten Rustbelt-Staaten und damit die Wahl gewonnen h\u00e4tten, w\u00e4re der sich als Sozialdemokrat geb\u00e4rdende Bernie Sanders statt der neoliberalen Technokratin Hillary Clinton als Pr\u00e4sidentschaftskandidat nominiert worden. Trotz aller kurzfristigen Erfolgsaussichten des BSW, die vor allem der PDL schaden werden, ist noch nicht entschieden, ob sich das BSW zur dritten b\u00fcrgerlichen Arbeiterpartei Deutschlands mausern kann. Zwar nutzt das BSW geschickt die unmittelbaren Interessen der Arbeiterklasse und des Kapitals in der Energiepreisfrage, um sich klassen\u00fcbergreifend als Alternative anzubieten. Langfristige Konzepte allerdings fehlen dem BSW mit seiner innenpolitischen Ausrichtung auf Nationalismus und offenen Reformismus, und seiner au\u00dfenpolitischen Orientierung auf st\u00e4rkere Unabh\u00e4ngigkeit des deutschen Imperialismus von den transatlantischen und Freihandelsorganisationen wie der NATO und EU im Stile Willy Brandts genauso, wie der PDL oder SPD. Aber die Krise, in der sich die deutsche Gesellschaft befindet,die durch die Flucht Berlins nach vorn in ihrer aktiven Beteiligung am imperialistischen Abenteuer der NATO gegen Russland zur Kompensation der fallenden Profitraten durch die eigenen Sanktionen und die sich anbahnende milit\u00e4rische Niederlage des NATO-Stellvertreters Ukraine weiter versch\u00e4rft wurde, ist langfristig auch nicht durch die Aufhebung der anti-russischen Sanktionen und mit einem etwas gedeihlicheren Auskommen mit der semi-kolonialen Welt, kombiniert mit biederem Reformismus, beizukommen. Das BSW ist lediglich der deutsche Ausdruck einer Spaltung der Arbeiterklasse in den imperialistischen L\u00e4ndern, wo die verheerenden Folgen der Privatisierungswellen und des Freihandels zu immer lauteren Rufen nach Protektionismus und nationaler Kontrolle \u00fcber die eigene Wirtschaft gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p><strong>SOL und SAV: BSW ist Rechtsabspaltung <\/strong><\/p>\n<p>Die Spaltung des BSW von der PDL sorgt insbesondere bei vorgeblichen Trotzkisten f\u00fcr Verwirrung, die immer noch die Hoffnung hegen, dass sich vielleicht durch irgendeinen objektiven Prozess eine zentristische Str\u00f6mung in der PDL herausbilden k\u00f6nnte, deren F\u00fchrung dann \u00fcbernommen werden kann. Zu nennen sind hier die beiden Spaltprodukte des Komitees f\u00fcr eine Arbeiter*inneninternationale (KAI), die Sozialistische Organisation Solidarit\u00e4t (SOL) sowie die Sozialistische Alternative (SAV). SOL, die jetzigen deutsche KAI-Anh\u00e4nger Taaffes, urteilen:<\/p>\n<p><em>\u201eIm Vergleich zur Linkspartei ist das BSW jedoch ein Schritt nach rechts und weg von sozialistischer Politik und der Idee, dass Ver\u00e4nderungen durch die Selbstaktivit\u00e4t der Millionen Lohnabh\u00e4ngigen erreicht werden muss. Die Linke wird diesem sozialistischen Anspruch nicht gerecht, das BSW hat diesen gar nicht und verbreitet die Illusion, dass sich soziale Verbesserungen dauerhaft im Kapitalismus umsetzen lie\u00dfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/solidaritaet.info\/2024\/01\/wagenknechts-neue-partei-keine-alternative\/\"><em>solidaritaet.info<\/em><\/a><em>, 30. Januar 2024<\/em><\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung teilt die SAV, die sich mittlerweile der Internationalen Sozialistischen Alternative (ISA) angeschlossen hat:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Rechtsabspaltung ist zun\u00e4chst einmal eine Niederlage der LINKEN. Wir haben das Projekt \u201aDIE LINKE\u2018 seit der Gr\u00fcndung der WASG unterst\u00fctzt, alleine, weil die Existenz einer relevanten Partei links von der SPD die Kampfbedingungen f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse verbessert \u2013 ihr Verschwinden w\u00e4re eine Schw\u00e4chung. Die Perspektive, dass aus der LINKEN eine Massenpartei der Arbeiter*innenbewegung wird, ist in weite Ferne ger\u00fcckt. DIE LINKE spielte in den ersten Jahren ihrer Existenz eine wichtige Rolle dabei, eine Gegenstimme zur herrschenden neoliberalen Ideologie zu sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.sozialismus.info\/2023\/10\/wagenknechts-partei-populismus-ueber-alle-klassen-hinweg\/\"><em>sozialismus.info<\/em><\/a><em>, 23. Oktober 2023<\/em><\/p>\n<p>Die Einsch\u00e4tzung, dass die PDL je \u201esozialistische Anspr\u00fcche\u201c, beruhend auf der \u201eSelbstaktivit\u00e4t der Millionen Lohnabh\u00e4ngigen\u201c, hatte, blamiert sich schon daran, dass sich die F\u00fchrung der damals etwas linkeren Komponente der PDL, die WASG, von Beginn an gegen eine linkssozialistische Orientierung und s\u00e4mtliche vorgeblich trotzkistische Organisationen inklusive der SAV mit Ausschlussverfahren \u00fcberzog, wie wir 2005 <a href=\"https:\/\/bolsheviktendency.org\/2021\/09\/05\/keine-stimme-fur-spd-pds-grune-und-wasg\/\">dokumentierten<\/a>. Den wahren Charakter der PDL kannte auch die SAV, die zur Fusion der WASG mit der PDS zur PDL schrieb:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Gr\u00fcndung der WASG f\u00fchrte zu Begeisterung und Aufbruchstimmung. Davon ist nichts \u00fcbrig. Die Begeisterung ist der Unzufriedenheit und Frustration unter vielen Mitgliedern gewichen. Statt Mitgliederzuwachs gibt es Mitgliederverluste. Kein Zufall, denn mit dieser Aufl\u00f6sung der WASG in die Linkspartei.PDS werden die politischen Weichen umgestellt \u2013 in eine falsche Richtung. \u2026 Die Erfahrung der \u201aMitgestaltung\u2018 in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und vielen ostdeutschen Kommunen zeigt: die \u201aVerantwortung\u2018 lastet so schwer auf der Partei, dass von Protest und antikapitalistischer Perspektive nichts \u00fcbrig bleibt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.sozialismus.info\/2007\/03\/12047\/\"><em>sozialismus.info<\/em><\/a><em>, 23. M\u00e4rz 2007<\/em><\/p>\n<p>Dennoch sch\u00e4tzen sowohl die SOL als auch die SAV die Kampfbedingungen innerhalb der PDL als schlechter als vor der BSW-Abspaltung ein, statt in ihr eine Befreiung von rechten Altlasten zu sehen. Die SAV ahnt, dass sie mit ihrer Einsch\u00e4tzung des BSW als Rechtsabspaltung falsch liegt, wenn sie \u00fcber die Auswirkung der Spaltung schreibt:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026die auf Regierungsbeteiligung und Anpassungskurs setzenden Teile der LINKEN sind durch die Spaltung zun\u00e4chst gest\u00e4rkt, auch, weil droht, dass zumindest ein Teil der Parteilinken dem Ruf Wagenknechts folgen werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.sozialismus.info\/2023\/10\/wagenknechts-partei-populismus-ueber-alle-klassen-hinweg\/\"><em>Ebenda<\/em><\/a><\/p>\n<p>Es ist bezeichnend, dass auch die SOL den Eintritt der 2.000 Bewegungslinken, die bewusst erst nach Wagenknechts Austritt PDL-Mitglieder wurden, eher als Risiko, denn als Chance begreift:<\/p>\n<p><em>\u201eWelche Wirkung die 2000 Neumitglieder aus linksradikalen Gruppen und sozialen Bewegungen haben werden, bleibt abzuwarten. Auch wenn diese einige gute Positionen in ihrer Eintrittserkl\u00e4rung vertreten (Opposition gegen Regierungskoalitionen mit SPD und Gr\u00fcnen u.a.), ist zu bef\u00fcrchten, dass durch sie auch identit\u00e4tspolitische Positionen in der Partei gest\u00e4rkt werden und nicht die Orientierung auf die Arbeiter*innenklasse insgesamt gest\u00e4rkt wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/solidaritaet.info\/2023\/12\/eine-neue-aera-kapitalistischer-barbarei-und-der-kampf-fuer-sozialismus\/\"><em>solidaritaet.info<\/em><\/a><em>, 23. Dezember 2023<\/em><\/p>\n<p>20 Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung ist offensichtlich, dass der \u201eMarxismus\u201c der PDL eine schlechte L\u00fcge ist, in die sowohl SOL als auch SAV bis heute investieren \u2013 trotz PDL-Unterst\u00fctzung des deutschen Imperialismus im Kampf gegen das abh\u00e4ngig-kapitalistische Russland und Flankendeckung f\u00fcr den israelischen Genozid in Gaza. Zwar stimmt es, dass das BSW sowohl in der Genderfrage als auch der Migration etwas rechts von der PDL steht; \u00fcber die offene Unterst\u00fctzung des deutschen Imperialismus in seinen Kriegen um die Erhaltung der eigenen westlichen Hegemonie durch die PDL kann das allerdings nicht hinwegt\u00e4uschen. Statt den Austritt Wagenknechts und der Formierung des BSW als St\u00e4rkung des linken Parteifl\u00fcgels zu betrachten \u2013 nur das w\u00e4re die logische Schlussfolgerung aus der Position, die das BSW als Rechtsabspaltung betrachtet \u2013 stehen sowohl SOL als auch SAV vor dem Scherbenhaufen ihres Tiefenentrismus, der es vermied, organisatorische Konsequenzen aus jedem noch so gro\u00dfen Verbrechen der PDL zu ziehen; seien es die Beteiligung an Privatisierungen \u00f6ffentlichen Wohnraums, der Aufr\u00fcstung des Staatsapparats, die Abschiebungen von Migranten und nun auch die Bef\u00fcrwortung von Kriegen des deutschen Imperialismus und des israelischen V\u00f6lkermords in Gaza. In einem <a href=\"https:\/\/bolsheviktendency.org\/2020\/03\/01\/cwi-implodiert\/\">Artikel<\/a> zum Niedergang des KAI bemerkten wir, dass der \u201elangfristige Eintritt in reformistische Massenorganisationen \u2026 zwangsl\u00e4ufig eine politische Anpassung an den Gastgeber\u201c erfordert. Sollte die PDL auseinanderfallen, wird die dem Tiefenentrismus innewohnende Angst vor sozialer Isolation zu einem \u00dcbertritt beider Organisationen in das BSW f\u00fchren \u2013 sofern es die H\u00fcrden zur Mitgliedschaft senkt. In diesem Fall sind programmatische Anpassungen nicht ausgeschlossen. Dass beide Organisationen die Migrationsfrage und nationalistischen Protektionismus nicht als prinzipielles Hindernis betrachten, wurde deutlich, als die britische Schwesterorganisation f\u00fcr einen Arbeiter-Brexit warb und schrieb:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Kontrolle \u00fcber die Entscheidung, ob Asyl gew\u00e4hrt wird, kann nicht den Tories oder den ebenso gef\u00fchllosen Regierungen der \u00fcbrigen EU \u00fcberlassen werden. Die Arbeiterbewegung in ganz Europa sollte fordern, dass gew\u00e4hlte Aussch\u00fcsse gew\u00f6hnlicher arbeitender Menschen, einschlie\u00dflich Vertretern von Migrantenorganisationen, das Recht haben, Asylf\u00e4lle zu pr\u00fcfen und Asyl zu gew\u00e4hren. Viele Menschen aus der Arbeiterklasse \u2013 in Griechenland, aber auch in Gro\u00dfbritannien und anderen L\u00e4ndern \u2013 haben das Gef\u00fchl, dass die \u00f6ffentlichen Dienste und das Wohnungsangebot ihrer L\u00e4nder bei allem Mitgef\u00fchl f\u00fcr das Leid der Fl\u00fcchtlinge die Zahl der Schutzsuchenden nicht bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.socialistparty.org.uk\/articles\/22359\/\"><em>socialistparty.org.uk<\/em><\/a><em>, 9. M\u00e4rz 2016 (\u00dcbersetzung durch die BT)<\/em><\/p>\n<p><strong>Die GAM, die PDL und das BSW<\/strong><\/p>\n<p>Die Gruppe ArbeiterInnenmacht (GAM) als deutsche Sektion der Liga f\u00fcr eine F\u00fcnfte Internationale (L5I) gab der PDL seit ihrer Gr\u00fcndung als linker Massenpartei trotz aller Kritik an deren aktiven Angriffen auf die Arbeiterklasse automatische Wahlunterst\u00fctzung. Wie auch die PDL bezog die GAM, wenn auch mit linker t\u00f6nenden Floskeln, immer dann eine Seite, wenn sie vor die Wahl zwischen den imperialistischen Strategien des liberalem Freihandelskapitalismus oder nationalistischem Protektionismus gestellt wurde. Die britische Sektion der L5I beschrieb die Vorteile des Freihandelsimperialismus der EU anl\u00e4sslich des Brexit-Deals in Worten, die ironischerweise an die Formulierungen des BSW zur \u201eurspr\u00fcnglichen europ\u00e4ischen Idee\u201c erinnert:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Existenz einer international integrierten Wirtschaft und die Freiz\u00fcgigkeit der Arbeiter zwischen den Nationen sind Faktoren, die den Kampf f\u00fcr eine internationale Arbeiterbewegung unterst\u00fctzen, die f\u00fcr eine sozialistische Alternative zu Krieg, Nationalismus und Umweltzerst\u00f6rung durch den Kapitalismus k\u00e4mpft.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/workerspower.uk\/the-march-against-brexit-exposed-the-self-defeating-policy-of-labours-leaders\/\"><em>workerspower.uk<\/em><\/a><em>, 24. M\u00e4rz 2019 (\u00dcbersetzung durch die BT)<\/em><\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung der GAM f\u00fcr die \u201einternational integrierte Wirtschaft\u201c der EU machte auch vor dem westlichen imperialistischen Milit\u00e4rb\u00fcndnis NATO und deren Kriegen zur Durchsetzung optimaler Profitbedingungen in der semi-kolonialen Welt nicht halt. So stellte sich die GAM in den von der NATO mittels \u00f6rtlicher Stellvertreter angezettelten Kriegen und Regime Change-Versuchen im Kosovo 1999 und Libyen 2011 konsequent auf die Seite des Imperialismus. In beiden F\u00e4llen bezog die L5I <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/history\/etol\/newspape\/workers-power-uk\/Workers%20Power%20no232%20April%201999.pdf\">eine Seite mit den NATO-Stellvertretern der KLA<\/a>im Kosovo und den libyschen, vom US-Imperialismus ausgebildeten, Jihadisten, die sie trotz ihrer Koordination mit der NATO zu Vertretern einer \u201eVolksrevolution\u201c gegen das semi-koloniale Gaddafi-Regime <a href=\"https:\/\/bolsheviktendency.org\/2019\/03\/10\/nato-bomben-fur-die-revolution-die-gruppe-arbeitermacht-und-ihre-tragische-illusion\/\">verkl\u00e4rte<\/a>. Das hielt sie aber nicht davon ab, ihre pro-imperialistische Sto\u00dfrichtung durch verbale Verdammung der NATO zu bem\u00e4nteln. Diese rote Linie zieht sich bis zum jetzigen Konflikt in der Ukraine durch:<\/p>\n<p><em>\u201eEs handelt sich daher nicht nur, ja nicht einmal im Kern um den \u00dcberfall einer imperialistischen Macht (Russland) auf eine Halbkolonie (Ukraine), sondern die Einflussnahme der NATO-Staaten bildet selbst ein wesentliches Moment des Krieges. Der innerimperialistische Konflikt \u2013 einschlie\u00dflich der Gefahr eines Weltkriegs \u2013 sind so vorherrschend, dass die Frage der Verteidigung der Ukraine gegen Russland in den Hintergrund ger\u00e4t. Dies hei\u00dft nicht, dass wir den ukrainischen Arbeiter:innen sagen, dass sie die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen und auf die Kapitulation der Ukraine\u00a0warten bzw. deren Niederlage sogar betreiben sollten. Wo es m\u00f6glich ist, unabh\u00e4ngig von ihrer reaktion\u00e4ren proimperialistischen F\u00fchrung Widerstand gegen die Okkupation zu leisten, ist dieser nat\u00fcrlich gerechtfertigt, insbesondere um die \u00dcbergriffe welcher Armee auch immer zu bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2022\/04\/29\/der-krieg-um-die-ukraine-nationale-verteidigung-oder-imperialistischer-krieg\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de<\/em><\/a><em>, 29. April 2022<\/em><\/p>\n<p>Neben vielen richtigen Einw\u00e4nden \u00fcber den Rassismus und der konservativen Haltung des BSW in der Transgenderdebatte ergibt sich die Kritik der GAM am BSW aus seinem \u201ekritischen\u201c Zuspruch f\u00fcr das Freihandelskapital und dessen milit\u00e4rischen Arm. Das Wagenknecht-B\u00fcndnis bezeichnet sie als \u201eProjekt \u2026 [mit] b\u00fcrgerlichem populistischem Charakter\u201c (<a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2024\/01\/31\/partei-buendnis-sahra-wagenknecht-demokratie-nur-fuer-die-anderen\/\"><em>Neue Internationale <\/em>Nr. 280<\/a>). In einem Versuch, von der eigenen Unterst\u00fctzung f\u00fcr den deutschen Imperialismus und seinen Stellvertreter Ukraine im Konflikt mit Russland abzulenken, wirft sich die GAM in ultralinke Pose:<\/p>\n<p><em>\u201eAuch wenn das Gr\u00fcndungsmanifest des BSW zu Recht die Aufr\u00fcstung der NATO anprangert, so bleibt es vollkommen utopisch. Schlie\u00dflich muss auch in der Welt des BSW der Weltfrieden irgendwie garantiert werden. Aber wie? Inmitten des Kampfes um die Neuaufteilung der Welt zwischen imperialistischen M\u00e4chten strebt es eine \u201aneue \u00c4ra der Entspannung und neue Vertr\u00e4ge \u00fcber Abr\u00fcstung und gemeinsame Sicherheit an\u2018. Die imperialistische Ordnung soll \u2013 ganz wie der Kapitalismus \u2013 nicht bek\u00e4mpft, sondern nur reguliert werden \u2013 und zwar vorzugsweise von jenen M\u00e4chten, die heute die Welt dominieren. Deutschland soll dabei aktiv mitmischen, ja voranschreiten. So erfahren wir vom BSW: \u201aEuropa ben\u00f6tigt eine stabile Sicherheitsarchitektur.\u2018 \u2026 Wo der Staat keinen Klassencharakter mehr hat, verschwindet folgerichtig auch der deutsche Imperialismus. Imperialistisch sind allenfalls die anderen \u2013 sicherlich die USA, wohl auch China, vielleicht sogar Russland.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2023\/12\/06\/bsw-populismus-als-alternative\/\"><em>Neue Internationale 279<\/em><\/a><em>, Dezember 2023 \/ Januar 2024<\/em><\/p>\n<p>Zwar stimmt es, dass Wagenknecht den \u201earmen deutschen Imperialismus\u201c vom Konflikt zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten USA und China bedroht sieht, aber es ist unversch\u00e4mt, wenn sich die GAM als Antiimperialistin aufspielt, denn in ihrer Unterst\u00fctzung der Ukraine \u00fcberholt sie selbst den biederen Pazifismus des BSW rechts. So ist es nicht verwunderlich, wenn auch die GAM in der Spaltung zwischen PDL und BSW eine Seite mit der PDL bezieht, die, wie die GAM selbst, eine Politik des Burgfriedens mit der deutschen Bourgeoisie betreibt:<\/p>\n<p><em>\u201eSchlie\u00dflich wird sich DIE LINKE gegen alle anderen Parteien \u2013 einschlie\u00dflich des B\u00fcndnisses Sahra Wagenknecht (BSW) \u2013 als einzige Partei pr\u00e4sentieren, die \u00fcberhaupt den Rechtsruck in Deutschland beim Namen nennt und gegen diesen steht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2023\/11\/20\/europaparteitag-die-linke-vom-abbruch-zum-aufbruch\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de<\/em><\/a><em>, 20. November 2023<\/em><\/p>\n<p>Die GAM nimmt den imperialistischen Krieg, die von ihm verursachte Energiekrise und die Unterst\u00fctzung des zionistischen Genozids in Gaza durch die PDL als wesentliche treibende Faktoren des gesellschaftlichen Rechtsrucks gar nicht wahr, um keinen Bruch mit dem Umfeld zu verursachen, in dem sie rekrutieren m\u00f6chte \u2013 der pro-imperialistischen PDL. Der Niedergang der PDL d\u00fcrfte insofern mit dem der GAM einhergehen.<\/p>\n<p><strong>Revolution\u00e4re Internationalistische Organisation (RIO) \u2013 BSW ist b\u00fcrgerlich<\/strong><\/p>\n<p>Klasse gegen Klasse (KgK), das Organ der RIO, wandelte seine Position zum Ukrainekrieg und Wagenknecht seit 2022 ebenso wie ihre Internationale der Trotzkistischen Fraktion (TF). Im September 2022 argumentierte RIO, dass die Verteidigung der Ukraine notwendig sei \u2013 \u201eunabh\u00e4ngig von der von Selenskyj gepredigten Unterordnung unter die NATO\u201c \u2013, lamentierte, dass die PDL Wagenknecht ausgerechnet f\u00fcr ihre richtigen Argumente gegen die anti-russischen Sanktionen kritisiere und stellte sich damit implizit auf die Seite der PDL im Konflikt mit Wagenknecht, die sie mainstreamtauglich als Wegbereiterin der Rechten bezeichnete:<\/p>\n<p><em>\u201eWagenknecht verurteilt zwar den <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-krieg-in-der-ukraine-und-die-aktualisierung-der-tendenzen-zu-krisen-kriegen-und-revolutionen\/\"><em>Krieg Russlands gegen die Ukraine<\/em><\/a><em>, allerdings lautet ihre Forderung dabei die Aufnahme von diplomatischen Verhandlungen. Doch diese laufen letztendlich nur auf einen Kompromiss zwischen westlichen und russischen Kapitalfraktionen hinaus. Sie stellen keine L\u00f6sung f\u00fcr die ukrainischen Arbeiter:innen dar, denn egal ob Russland oder NATO, beide versuchen die Ukraine in ihre Abh\u00e4ngigkeit zu bringen. Insofern ist die Forderung von Diplomatie eine Anpassung an die Interessen der Machtbl\u00f6cke und kein Garant f\u00fcr Stabilit\u00e4t, Sicherheit und Frieden in der Region. Stattdessen w\u00e4re es notwendig, f\u00fcr eine Anti-Kriegs-Bewegung in Russland zu werben, die der Ausgangspunkt f\u00fcr ein revolution\u00e4res Ende von Putins reaktion\u00e4rer Regierung wird, und zugleich in den NATO-Staaten gegen die Aufr\u00fcstungspolitik und den Militarismus der imperialistischen M\u00e4chte zu k\u00e4mpfen. In der Ukraine selbst braucht der Widerstand gegen die russische Besatzung eine Perspektive, die unabh\u00e4ngig von der von Selenskyj gepredigten Unterordnung unter die NATO ist. Die Linkspartei h\u00e4tte Grund genug, den Kuschelkurs Wagenknechts mit der deutschen Industrie und dem russischen Regime zu kritisieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/das-problem-an-wagenknecht-ist-nicht-die-ablehnung-der-sanktionen\/\"><em>klassegegenklasse.org<\/em><\/a><em>, 15. September 2022<\/em><\/p>\n<p>So brachte RIO das Kunstst\u00fcck fertig, v\u00f6llig wirklichkeitsfern \u201edie Ukraine zu verteidigen\u201c und den Sturz der Putin-Regierung im Konflikt des abh\u00e4ngig-kapitalistischen Russlands mit den NATO-Imperialisten zu fordern \u2013 streng antiimperialistisch nat\u00fcrlich \u2013 aber zugleich den deutschen Militarismus bek\u00e4mpfen zu wollen. Damit stand RIO damals rechts des Pazifismus von Wagenknecht und Co. Im Juli 2023 publizierte RIO dann einen Artikel eines f\u00fchrenden deutschen Genossen, der urspr\u00fcnglich auf Englisch erschien, in dem er eine andere Gruppe zurecht darauf hinwies, was die Verteidigung der Ukraine in der Praxis bedeutete:<\/p>\n<p><em>\u201eDiese Genoss:innen geben vor, dass sie nicht die Regierung Selenskyjs unterst\u00fctzen, sondern einen mythischen \u201aukrainischen Widerstand\u2018, der unabh\u00e4ngig von Selenskyj und der NATO ist. In mehreren Erkl\u00e4rungen konnten sie nicht sagen, wer einen solchen \u201aWiderstand\u2018 bilden k\u00f6nnte. Die einzigen Kr\u00e4fte vor Ort sind die ukrainische Armee und Milizen unter strenger Kontrolle der Regierung \u2013 die einzigen Gruppen, die irgendeine Art von Autonomie haben, sind die Nazis!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-ukraine-ist-nicht-vietnam\/\"><em>klassegegenklasse.org<\/em><\/a><em>, 8. Juli 2023<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht aufgrund dieser versp\u00e4teten Erkenntnis und weil die Appelle an die PDL keine Resultate zeigten, hatte RIO dann im Februar 2023 etwas mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Wagenknecht-Fl\u00fcgel und fasste seine \u201eAttraktivit\u00e4t\u201c zurecht folgenderma\u00dfen zusammen:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Grund, warum weite Teile des ihr nicht zugewandten Rests der Linkspartei gleichzeitig so schlecht auf [Wagenknecht] zu sprechen sind, aber sich nicht in Konfrontation mit ihren Positionen begeben, liegt daran, dass sie der \u201alinkeste\u2018 Teil des deutschen Regimes sein wollen und es auf Landesebene auch zum Teil sind. Es f\u00e4llt nat\u00fcrlich schwer, Wagenknecht f\u00fcr ihren Rassismus anzugreifen, wenn man selbst die <\/em><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/migration-integration\/zahlen-zu-asyl\/265765\/abschiebungen-in-deutschland\/\"><em>h\u00f6chste Abschiebequote Deutschlands <\/em><\/a><em>mitverwaltet in Berlin. Genauso ist auff\u00e4llig, dass mit <\/em><a href=\"https:\/\/www.thueringer-landtag.de\/presse\/pressemitteilungen\/2020\/freundeskreis-israel-konstituiert\/\"><em>Katharina K\u00f6nig-Preuss<\/em><\/a><em>und <\/em><a href=\"https:\/\/conne-island.de\/nf\/157\/23.html\"><em>Jule Nagel <\/em><\/a><em>mit die aggressivsten Zionistinnen der Linkspartei den Ausschluss Wagenknechts fordern. Und auch in der Frage des Krieges steht f\u00fcr weite Teile der Linkspartei die vermeintliche Unterst\u00fctzung der Ukraine durch Sanktionen im Vordergrund, schlie\u00dflich haben sie die Unterst\u00fctzung eben jener auf ihrem letzten Bundesparteitag mehrheitlich beschlossen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/fuehrt-sahra-wagenknecht-einen-rechtsruck-in-der-linkspartei-an\/\"><em>klassegegenklasse.org<\/em><\/a><em>, 23. Februar 2023<\/em><\/p>\n<p>Andernorts schreibt KgK ebenfalls zutreffend:<\/p>\n<p><em>\u201eW\u00e4hrend wir der LINKEN, die in den vergangenen 15 Jahren an \u00fcber ein dutzend Abschiebe-, Zwangsr\u00e4umungs-, Privatisierungs- und Militarisierungs-Regierungen beteiligt war, keine Tr\u00e4ne nachweinen, ist zugleich klar, dass Wagenknecht keine tats\u00e4chliche Antwort f\u00fcr die Arbeiter:innen, die Jugend, Rentner:innen, Frauen, LGBTIQ- Personen und Migrant:innen bieten kann. Wir m\u00fcssen daher zwei falsche Alternativen zur\u00fcckweisen: einerseits die Resignation und den R\u00fcckzug auf die Rest-LINKE, um diesen zerbrechenden Apparat noch irgendwie zu retten, anstatt die notwendigen Schlussfolgerungen aus seinem strategischen Scheitern zu ziehen; und andererseits die Illusion, durch die Anpassung an und Unterst\u00fctzung von Wagenknechts sozialchauvinistischen Programm die Grundlagen f\u00fcr eine \u201aneue Linke\u2018 aufrecht zu erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wagenknechts-populismus-ist-keine-alternative\/\"><em>klassegegenklasse.org<\/em><\/a><em>, 24. Oktober 2023<\/em><\/p>\n<p>Wir teilen diese \u00e4quidistante Zur\u00fcckweisung von PDL und BSW, fragen uns aber, ob RIO mit seiner Charakterisierung des BSW als \u201eb\u00fcrgerlicher Partei\u201c, wie sie auf <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wagenknecht-partei-schuert-nationale-illusionen\/\">klassegegenklasse.org am 19. Januar 2024<\/a>schrieb, auch ihre Stellung f\u00fcr die Arbeiterbewegung als rein b\u00fcrgerlich statt als b\u00fcrgerliche Arbeiterpartei meint. Daf\u00fcr w\u00fcrde jedenfalls <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/haushaltskrise-ausser-wagenknecht-sind-alle-doof\/\">die Betonung der Mitgliedschaft des Million\u00e4rs Ralf Suikat sprechen<\/a>, der allerdings vorher PDL-Parlamentarier war und dessen vorherige Partei <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/zwei-parteien-in-einer\/\">KgK zuvor als b\u00fcrgerliche Arbeiterpartei<\/a>beschrieb. Noch ist das BSW in weiten Teilen der radikalen Linken unpopul\u00e4r. Vermutlich h\u00e4lt sich RIO auch in der Frage des Charakters des BSW alle Optionen offen, um dann \u00e4hnlich wie im Fall der Ukraine unbegr\u00fcndete Positionswechsel vollziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Aller schlechten Dinge sind drei \u2013 f\u00fcr eine revolution\u00e4re Arbeiterpartei!<\/strong><\/p>\n<p>In ihrem <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Wagenknecht-und-Abgeordnete-treten-aus-Linkspartei-aus-Hier-ihre-Erklaerung-9341195.html?seite=all\">Trennungsbrief<\/a>von der PDL betont das BSW \u201edie fehlende Konzentration [der PDL] auf soziale Gerechtigkeit und Frieden\u201c. Aus der bisher bekannten sozialen Zusammensetzung des BSW aus vielen Gewerkschaftern, seiner zum Gro\u00dfteil aus Teilen von PDL-Parlamentariern bestehenden F\u00fchrung und dem bieder-reformistischen \u201eSozialprogramm\u201c des BSW scheint die Reise des BSW in Richtung b\u00fcrgerliche Arbeiterpartei zu gehen. Gerade das erm\u00f6glicht es dem BSW, Illusionen unter sowohl bisherigen PDL- und AfD-w\u00e4hlenden Arbeitern zu erzeugen, wodurch das BSW zu einem gef\u00e4hrlicheren Hindernis f\u00fcr die Erzeugung revolution\u00e4ren Klassenbewusstseins wird. Lenin schrieb seinerzeit \u00fcber b\u00fcrgerliche Arbeiterparteien:<\/p>\n<p><em>\u201eAuf der geschilderten \u00f6konomischen Grundlage haben die politischen Institutionen des neusten Kapitalismus \u2013 Presse, Parlament, Verb\u00e4nde, Kongresse usw. \u2013 die den \u00f6konomischen Privilegien und Almosen entsprechenden politischen Privilegien und Almosen f\u00fcr die respektvollen, braven, reformistischen und patriotischen Angestellten und Arbeiter geschaffen. Eintr\u00e4gliche und ruhige P\u00f6stchen im Ministerium oder im Kriegsindustriekomitee, im Parlament und in verschiedenen Kommissionen, in den Redaktionen der \u201asoliden\u2018 legalen Zeitungen oder in den Vorst\u00e4nden der nicht weniger soliden und \u201ab\u00fcrgerlich-folgsamen\u2018 Arbeiterverb\u00e4nde \u2013 damit lockt und belohnt die imperialistische Bourgeoisie die Vertreter und Anh\u00e4nger der \u201ab\u00fcrgerlichen Arbeiterparteien\u2018\u2026Ohne W\u00e4hlen geht es in unserem Zeitalter nicht; ohne die Massen kommt man nicht aus, die Massen aber k\u00f6nnen im Zeitalter des Buchdrucks und des Parlamentarismus nicht gef\u00fchrt werden ohne ein weitverzweigtes, systematisch angewandtes, solide ausger\u00fcstetes System von Schmeichelei L\u00fcge, Gaunerei, das mit popul\u00e4ren Modeschlagworten jongliert, den Arbeitern alles m\u00f6gliche, beliebige Reformen und beliebige Wohltaten verspricht \u2013 wenn diese nur auf den revolution\u00e4ren Kampf f\u00fcr den Sturz der Bourgeoisie verzichten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 Wladimir Lenin, <\/em><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lenin\/1916\/10\/spaltung.html\"><em>Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus<\/em><\/a><em>, Oktober 1916<\/em><\/p>\n<p>Auch wenn dieser Text 1916 geschrieben wurde, k\u00f6nnte er \u00fcber das jetzige BSW geschrieben sein. Damit w\u00e4re es die dritte, derartige Partei in Deutschland. Eine richtige Einsch\u00e4tzung des BSW und seinem Verh\u00e4ltnis zur Arbeiterbewegung Deutschlands ist unerl\u00e4sslich, um daraus in Situationen, in denen es eine bedeutende Linksentwicklung unter wesentlichen Teilen der Mitglieder gibt, Taktiken wie kritische Wahlunterst\u00fctzung oder Entrismus verfolgen zu k\u00f6nnen, um die Basis hin zu einer revolution\u00e4ren Organisation brechen zu k\u00f6nnen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt verspricht das BSW der Arbeiterklasse nicht mehr, als die PDL oder SPD. Derzeit besteht die Wahl zwischen PDL und BSW allein darin, welche Sektionen der Arbeiterklasse verraten werden sollen \u2013 sollen \u201ebesser\u201c noch mehr Migranten im Mittelmeer ertrinken und durch Folter in ihren Herkunftsl\u00e4ndern sterben oder ist die Unterwerfung der russischen Arbeiterklasse unter das deutsche Kapital nach 1945 mittels ukrainischer Bandera-Anh\u00e4nger sowie der Genozid an den Pal\u00e4stinensern zu \u201ebevorzugen\u201c? W\u00e4hrend die PDL sich immer mehr dem marktliberalen und zunehmend aggressiven Imperialismus verschrieben hat, der international versucht, den Niedergang seiner Profitraten und globalen Hegemonie durch die unbeschr\u00e4nkte milit\u00e4rische \u00d6ffnung der M\u00e4rkte in China und Russland aufrechtzuerhalten, positioniert sich das BSW als Vertreter des au\u00dfenpolitischen Realismus, der die hegemonialen Bestrebungen des deutschen Imperialismus prim\u00e4r durch dessen \u00dcberlegenheit in seinen Au\u00dfenhandelsbeziehungen sichern will. Marx und Engels schrieben im <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/marx-engels\/1848\/manifest\/2-prolkomm.htm\"><em>Kommunistischen Manifest<\/em><\/a>:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Kommunisten unterscheiden sich von den \u00fcbrigen proletarischen Parteien nur dadurch, da\u00df sie einerseits in den verschiedenen nationalen K\u00e4mpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalit\u00e4t unabh\u00e4ngigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, da\u00df sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchl\u00e4uft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten. Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller L\u00e4nder; sie haben theoretisch vor der \u00fcbrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der zunehmende Drang des deutschen Kapitals zum Militarismus und sein verbrecherischer imperialistischer Stellvertreterkrieg gegen das abh\u00e4ngig-kapitalistische Russland mit dem Ziel, Russland zu zerschlagen, um sich seine Rohstoffe unter den Nagel zu rei\u00dfen, sind weitgehend aus den fallenden Profitraten des deutschen Kapitals zu erkl\u00e4ren. Der biedere Pazifismus des BSW beruht auf der falschen Annahme, dass die Krise lediglich politisch herbeigef\u00fchrt sei und nicht im Kapitalismus selbst begr\u00fcndet ist. Kommunisten treten f\u00fcr die Niederlage des deutschen Imperialismus und den milit\u00e4rischen Sieg Russlands ein, ohne dem bonapartistischen Putin-Regime auch nur einen Funken politische Unterst\u00fctzung zu gew\u00e4hren. Dies schlie\u00dft ein Ende der anti-russischen Sanktionen sowie eine Ablehnung jeglicher Aufr\u00fcstung Deutschlands ein. Die Unterordnung unter die Imperialisten in deren Bestreben, \u201eRussland zu ruinieren\u201c, f\u00fcr die Aussicht, dem verbrecherischen NATO-B\u00fcndnis beitreten zu d\u00fcrfen, haben bereits hunderttausende ukrainische Arbeiter mit ihrem Leben bezahlt. Mittlerweile regt sich an der ukrainischen Heimatfront Widerstand gegen die Zwangsmobilisierungen des faschistisch-durchsetzten Selenskij-Regimes.<\/p>\n<p>Die Sparma\u00dfnahmen auf Kosten der Arbeiterklasse bei gleichzeitiger drastischer Zunahme des Reichtums des Gro\u00dfkapitals kann nicht durch die \u201eMonopolentflechtung\u201c und \u201efairen Wettbewerb\u201c beendet werden, die das BSW in Aussicht stellt, sondern nur durch die Verstaatlichung aller Betriebe und demokratische Wirtschaftsplanung, die an den Bed\u00fcrfnissen der Arbeitenden ausgerichtet ist. Diese kann durch die Formierung einer revolution\u00e4r-sozialistischen Massenpartei erreicht werden, die eine betriebliche Verankerung hat und \u00f6konomische K\u00e4mpfe konsequent mit einer revolution\u00e4ren Perspektive verbindet. Eine solche Perspektive beinhaltet das Eintreten f\u00fcr alle Opfer imperialistischer Kriege durch konsequenten Kampf f\u00fcr die Niederlage des deutschen Imperialismus, und den Abzug deutscher Truppen von allen Auslandseins\u00e4tzen. Anders als die \u201eDas Boot ist voll\u201c-Rhetorik Wagenknechts setzen sich Marxisten f\u00fcr volle Staatsb\u00fcrgerrechte f\u00fcr alle Migranten ein und fordern \u201egleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit\u201c. Dieser kann \u00fcber gewerkschaftliche Kontrolle \u00fcber s\u00e4mtliche Einstellungen erreicht werden, um der Taktik der Bosse einen Riegel vorzuschieben, unorganisierte Arbeiter \u2013 migrantisch oder nicht \u2013 zu niedrigeren L\u00f6hnen mit dem Ziel der Senkung des allgemeinen Lohnniveaus zu besch\u00e4ftigen. Kommunisten setzen sich f\u00fcr den Kampf gegen den Klimawandel ein und lehnen s\u00e4mtliche Versuche des Kapitals ab, die Kosten f\u00fcr diesen auf die Arbeiterklasse abzuw\u00e4lzen. Im Gegensatz zum Verst\u00e4ndnis des BSW ist das dem Kapitalismus immanente Profitstreben wesentliche Ursache f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Grundlagen der Menschheit, die nur durch gezielte gesamtwirtschaftliche Planung im Weltma\u00dfstab beendet werden kann. Um diese zu erreichen ist, sind neue Oktoberrevolutionen in allen L\u00e4ndern der Welt von N\u00f6ten, die dem Kapital die Produktionsmittel entrei\u00dfen und seine politische Macht in Form der b\u00fcrgerlichen Repressionsapparate zerschlagen. Nur dann kann es ein friedliches Miteinander aller Menschen geben, dem sich die Bolschewistische Tendenz verschrieben hat. Sowohl die Konzepte der PDL als auch diejenigen Willy Brandts, die das BSW neu aufw\u00e4rmen m\u00f6chte, sind dazu unf\u00e4hig.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/bolsheviktendency.org\/2024\/05\/23\/was-ist-das-bundnis-sahra-wagenknecht-bsw\/\"><em>bolsheviktendency.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. Juni 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der lange Weg von der Formierung eines Wagenknecht-Lagers in der Partei Die Linke (PDL) hin zur endg\u00fcltigen Abspaltung und Gr\u00fcndung einer eigenen Partei ist beendet. Die neue Partei ist keine linke Antwort auf den Niedergang &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14572,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[87,10,39,142,26,22,27,42,4,19,46,17],"class_list":["post-14571","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-international","tag-arbeitswelt","tag-breite-parteien","tag-deutschland","tag-dritter-weltkrieg","tag-gewerkschaften","tag-politische-oekonomie","tag-russland","tag-sozialdemokratie","tag-strategie","tag-ukraine","tag-usa","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14571"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14573,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14571\/revisions\/14573"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14572"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}