{"id":14695,"date":"2024-07-12T12:19:32","date_gmt":"2024-07-12T10:19:32","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14695"},"modified":"2024-07-12T12:19:34","modified_gmt":"2024-07-12T10:19:34","slug":"wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14695","title":{"rendered":"Wie stehen wir zur \u201eNeuen Volksfront\u201c in Frankreich? Eine strategische Debatte"},"content":{"rendered":"<p><em>Paul Morao. <\/em><strong>Angesichts der Neuwahlen in Frankreich hat sich eine strategische Debatte \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zur \u201eNeuen Volksfront\u201c er\u00f6ffnet. Eine Antwort auf den franz\u00f6sischen Philosophen Fr\u00e9d\u00e9ric Lordon.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung der Nationalversammlung nach dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Sieg der extremen Rechten bei den Europawahlen in Frankreich ist wie eine Bombe eingeschlagen. In <a href=\"https:\/\/blog.mondediplo.net\/sale-tartine\">einem vielfach zitierten Text<\/a> geht der Philosoph Fr\u00e9d\u00e9ric Lordon auf die beispiellose Situation ein, die sich in dem Land nun er\u00f6ffnet hat. Diese Arbeit h\u00e4tte hilfreich sein k\u00f6nnen, wenn sie Klarheit gegen\u00fcber der neuen Konjunktur geschaffen h\u00e4tte, um \u00fcber reflexhafte Panik hinauszugehen, die Herausforderungen zu betrachten und eine Strategie f\u00fcr \u201eunser soziales Lager\u201c zu diskutieren. Stattdessen verteidigt Fr\u00e9d\u00e9ric Lordon lang und breit die Stimmabgabe f\u00fcr die \u201eNeue Volksfront\u201c (\u201eNouveau Front Populaire\u201c, NFP), wobei er sich auf einen \u201eleninistischen\u201c Ansatz f\u00fcr die Parlamentswahlen und auf den Anspruch, den \u201eprinzipiellen Anti-Elektoralismus\u201c der radikalen Linken zu \u00fcberwinden, beruft. Mit der Metapher eines \u201eButterbrot mit Schei\u00dfe\u201c stellt Lordon die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Zusammenschluss der alten Apparate als die einzige \u201erationale Wahl\u201c dar. Wir sollen die NFP also trotz des Ekels, den sie in uns ausl\u00f6sen kann, unterst\u00fctzen. Weil der Text unseres Genossen, an dessen Seite wir gek\u00e4mpft haben und noch k\u00e4mpfen werden, eine verzerrte Version der Position von R\u00e9volution Permanente verbreitet und au\u00dferdem Teil einer Stimmung ist, die seit dem 9. Juni in der Linken breit geteilt wird, erscheint es uns essenziell, die Debatte fortzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Viel L\u00e4rm um ein Butterbrot?<\/strong><\/p>\n<p>Was auch immer man darauf legt, ein Butterbrot ist nicht viel angesichts der bevorstehenden Ankunft des Faschismus, erkl\u00e4rt Lordon in seinem Artikel. Die Situation w\u00fcrde es also gebieten, sich mit einem ehemaligen Minister Macrons \u2013 Aur\u00e9lien Rousseau, Architekt des neoliberalen Arbeitsgesetzes und der Rentenreform der damaligen Premierministerin Elisabeth Borne \u2013 zusammenzuschlie\u00dfen. Man solle die Augen davor verschlie\u00dfen, dass derart in das franz\u00f6sische Regime integrierte (oder noch zu integrierende) Pers\u00f6nlichkeiten von der NFP unterst\u00fctzt werden wie der gr\u00fcne Senator Yannick Jadot, die Pr\u00e4sidentin des Regionalrats von Okzitanien Carole Delga oder der Spitzenkandidat der sozialdemokratischen Sozialistischen Partei Rapha\u00ebl Glucksmann \u2013 und sogar der ehemalige franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande, der am 15. Juni von der \u201eNeuen Volksfront\u201c als Kandidat best\u00e4tigt wurde. Verr\u00e4ter:innen, die auf der Lauer liegen, um den n\u00e4chsten Verrat vorzubereiten? Nein, \u201egem\u00e4\u00dfigte\u201c Vertreter:innen, die im Rahmen der Parlamentswahlen willkommen sind, um die extreme Rechte zu blockieren, kann man in den sozialen Netzwerken lesen.<\/p>\n<p>Lordons Text ist eine klare Aufforderung, die gleiche Logik anzuwenden: Es sei an der Zeit, aus allen Rohren zu feuern und alle Butterbrote zu essen. Um diejenigen anzugreifen, die diese Auswahl ablehnen und versuchen, eine andere Strategie zu diskutieren, um die Situation zu bew\u00e4ltigen, konstruiert Lordon einen Strohmann: eine radikale Linke, die aus Prinzip \u201egegen die Wahlen\u201c sei.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#15abc7c9-f63b-4fa7-83ed-547743701ab3\"><sup>1<\/sup><\/a> Der Vorwurf dient dazu, die Kritik an der NFP zu entpolitisieren, indem sie auf eine moralische Haltung von \u201eLinken\u201c reduziert wird, die sich weigern w\u00fcrden, sich die H\u00e4nde schmutzig zu machen. Dieser rhetorische Trick verschleiert den Inhalt der \u201elinksradikalen\u201c Kritik an der NFP: n\u00e4mlich auf die gef\u00e4hrliche Rehabilitierung des Mitte-Links-Fl\u00fcgels des Regimes hinzuweisen, der von der Sozialistischen Partei und ihrem historischen Verb\u00fcndeten, den Gr\u00fcnen (\u201eEurope-\u00e9cologie-Les Verts\u201c), verk\u00f6rpert wird, im Namen des Kampfes gegen die extreme Rechte.<\/p>\n<p>Diese Tatsache ist jedoch alles andere als unwichtig. Seit den 1970er Jahren hat die Sozialistische Partei (\u201eParti Socialiste\u201c, PS) dazu gedient, die Radikalit\u00e4t der \u201e1968er\u201c zu kanalisieren und seit ihrem Machtantritt 1981 den \u201epermanenten Staatsstreich\u201c der F\u00fcnften Republik zu festigen. Die PS verriet offen die Arbeiter:innen und die armen Massen und spielte eine zentrale Rolle beim Aufbau der Europ\u00e4ischen Union, die ein Werkzeug der wichtigsten imperialistischen M\u00e4chte des Kontinents ist, allen voran Frankreich und Deutschland. All dies sind Elemente, auf denen die extrem rechte Rassemblement National (RN) und ihre rassistische Demagogie gedeihen kann, wodurch die politischen Spaltungen innerhalb der Arbeiter:innenklasse vertieft werden, was ein zentrales Hindernis f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus darstellt. Die Fokussierung der von Lordon er\u00f6ffneten Diskussion auf die Stimmabgabe und deren Reduzierung auf einen einzelnen Akt ohne Folgen f\u00fchrt zu einer Besch\u00f6nigung dieser Herausforderungen. Der Aufruf, das Butterbrot zu essen, ist eine Aufforderung, den Mund zu \u00f6ffnen, aber auch die Augen zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>All dies ist umso \u00fcberraschender, als Fr\u00e9d\u00e9ric Lordon zu den f\u00fchrenden Akteur:innen im Kampf gegen das Arbeitsgesetz im Jahr 2016 geh\u00f6rte, dessen wichtigste Errungenschaft das Beinahe-Verschwinden der PS war. Nachdem die PS auf sehr breiter Ebene unglaubw\u00fcrdig geworden war, hatte der Zusammenbruch der PS eine Linksverschiebung von Teilen der Massenbewegung erm\u00f6glicht. Diese Dynamik erkl\u00e4rt unter anderem das Entstehen einer neoreformistischen Str\u00f6mung um La France Insoumise (LFI, \u201eUnbeugsames Frankreich\u201c) bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2017, gleichzeitig mit der Vertiefung der organischen Krise des franz\u00f6sischen Kapitalismus, f\u00fcr die der Macronismus nur eine vor\u00fcbergehende L\u00f6sung bot. F\u00fcr diejenigen, die Hollandes f\u00fcnfj\u00e4hrige Amtszeit erlebt haben, sollte die Tatsache, dass die R\u00fcckkehr des ehemaligen Pr\u00e4sidenten als Kandidat f\u00fcr die NFP im D\u00e9partement Cor\u00e8ze einfach so \u201edurchgeht\u201c, wie ein Elektroschock wirken: Der Verantwortliche f\u00fcr historisch brutale Angriffe auf die Arbeiter:innen und die armen Massen und f\u00fcr eine imperialistische Intervention in Mali hat wieder das Recht, in der Linken aufzutreten. Er kann an der Seite von LFI nominiert werden und hat sogar positive Reaktionen von Jean-Luc M\u00e9lenchon oder Philippe Poutou hervorgerufen.<\/p>\n<p>Dennoch fordert Lordon uns auf, sie trotzdem zu unterst\u00fctzen, und liefert selbst denjenigen, die sich \u00fcber diese ausdr\u00fcckliche Rehabilitierung Sorgen machen, ein Autorit\u00e4tsargument: \u201eBei einer Geiselnahme hat man weder den Luxus, sich clever zu benehmen, noch die Wahl, den Kelch an sich vor\u00fcberziehen zu lassen.\u201c Unser Genosse \u00e4u\u00dfert jedoch Zweifel an der Strategie: \u201eDie ganze Frage ist nun, wo das Gravitationszentrum der linken Koalition liegen wird, unter der Dominanz welcher Gruppe sie stehen wird. Wenn die Antwort ist, dass sie auf der Seite der \u201arechten Linken\u2018 oder sogar der extremen Rechten liegt, dann ist das Butterbrot keine rationale Wahl mehr, sondern das Gegenteil\u201c, stellte er am Ende seines Artikels fest. Aber nachdem er die Hypothese aufgestellt hat, dass die \u201eButterbrotwette\u201c genauso gut zur \u201eFaschisierung\u201c beitragen k\u00f6nnte, wird die Frage sofort wieder verdr\u00e4ngt. Dabei liegt hier das zentrale strategische Problem: die m\u00f6gliche R\u00fcckkehr einer Regierungslinken, die es der extremen Rechten erm\u00f6glicht hat, zu gedeihen.<\/p>\n<p>Lassen wir diese Weigerung der Untersuchung der \u201ekonkreten Situation\u201c, die Lordon uns doch beibringen wollte, hinter uns und erweitern wir seine \u00dcberlegungen. Die NFP befindet sich zwar in einer \u201eSituation hegemonialer Instabilit\u00e4t\u201c, <a href=\"https:\/\/www.hors-serie.net\/Aux-Sources-id2\">wie Stathis Kouv\u00e9lakis sie definiert<\/a>. Doch so instabil sie auch sein mag, ist es die brutalste imperialistische und arbeiter:innenfeindliche Komponente der NFP, die in den letzten Wochen einen Aufstieg erlebt hat. Nach 2022 hat die von M\u00e9lenchon konzipierte und umgesetzte NUPES-Front (\u201eNeue \u00f6kologische und soziale Volksunion\u201c) die PS bei den Parlamentswahlen gerettet, die so trotz eines historisch niedrigen Ergebnisses bei den vorigen Pr\u00e4sidentschaftswahlen ihre Parlamentsfraktion erhalten konnte. Dies war f\u00fcr die PS ein Sprungbrett, um wieder in die Offensive zu gehen, indem sie dem Regime immer mehr Geschenke machte und La France Insoumise scharf attackierte. Mit ihren 14 Prozent bei den Europawahlen setzte sich die PS erneut an die Spitze der institutionellen Linken \u2013 nach einer brutalen Kampagne, die den Militarismus und das Projekt, jegliche Radikalit\u00e4t, welche die LFI in den letzten Jahren in der institutionellen Linken verk\u00f6rpern konnte, in den Mittelpunkt stellte<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#0167ff61-1134-4cbb-ad8d-ce509e3bc161\"><sup>2<\/sup><\/a>. Nach den Neuwahlen k\u00f6nnte die Abgeordnetenzahl der PS stark wachsen, nachdem sie 100 Wahlkreise mehr als im NUPES-Abkommen von 2022 ergattern konnte. Auch wenn LFI die gr\u00f6\u00dfte linke Fraktion behalten k\u00f6nnte, k\u00f6nnte die Summe ihrer drei Konkurrenten sie in die Minderheit bringen, wie man bei den Diskussionen um die Methode zur Auswahl des k\u00fcnftigen Premierministers einer m\u00f6glichen NFP-Regierung gesehen hat. Schlie\u00dflich ist bekannt, dass die M\u00f6glichkeit eines Abkommens mit den Mitte-Links-Kr\u00e4ften eine der Pisten Macrons zu seiner Rettung nach dem 7. Juli [dem Tag der Stichwahlen, A.d.\u00dc.] ist. Macrons Koalition ruft bereits jetzt dazu auf, im Falle von Stichwahlen gegen die RN f\u00fcr die Kandidat:innen der PS, der Gr\u00fcnen oder der KPF zu stimmen..<\/p>\n<p>Man ist versucht, sich zu fragen, ob Lordon dem Thema nicht aus Angst davor ausweicht, Verantwortung f\u00fcr die M\u00e4ngel seiner Argumentation und f\u00fcr seine Rolle als \u201eradikaler\u201c B\u00fcrge dieser gro\u00dfen Operation \u00fcbernehmen zu m\u00fcssen, eine Amnestie f\u00fcr die \u201erechte Linke\u201c zu organisieren. 2017 verspottete er noch den \u201eFusionskrampf\u201c, der durch das Duell Macron-Le Pen ausgel\u00f6st wurde, und prangerte die moralischen Aufforderungen zur republikanischen \u201eBrandmauer\u201c an. Nicht alle Kr\u00e4fte der \u201eNeuen Volksfront\u201c k\u00f6nnen mit Macron auf eine Stufe gestellt werden, aber ein Teil von ihnen k\u00f6nnte ihm \u00e4hnlich sein, sobald sie im Falle eines Sieges bei den Parlamentswahlen an der Macht sind. Das stellt beispielsweise der franz\u00f6sische \u00d6konom Bruno Amable fest, der die M\u00f6glichkeit einer Neuzusammensetzung des \u201eb\u00fcrgerlichen Blocks\u201c unter der \u00c4gide eines Teils der institutionellen Linken erw\u00e4hnt. Aber im Gegensatz zu 2017 nimmt Lordon diesmal an der herrschenden Einm\u00fctigkeit teil, indem er sich weigert zu sehen, dass es sich um die gleiche Dynamik handelt, die er damals anprangerte. So unterst\u00fctzt er letztlich die kommende Rehabilitierung von Varianten der \u201erepublikanischen Front\u201c und des \u201ekleineren \u00dcbels\u201c, die stets das Schlimmere vorbereiten.<\/p>\n<p><strong>Panik oder strategische Diskussion?<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefahren im Land und auf internationaler Ebene h\u00e4ufen sich. Um denen, die dagegen k\u00e4mpfen, Orientierung zu bieten, ist es wahrscheinlich nicht das beste Mittel, die Tugenden des Brot-[ oder Kr\u00f6ten-]Schluckens zu preisen und auf eine schematische Rhetorik zur\u00fcckzugreifen, um so gut wie alles m\u00f6gliche zu rechtfertigen. Um seinen Standpunkt zu untermauern, stellt Lordon auf anschauliche Weise dar, was es seiner Meinung nach bedeuten w\u00fcrde, wenn die RN an die Macht k\u00e4me. Die aktuelle Situation k\u00fcndigt in der Tat eine Zeit gro\u00dfer Instabilit\u00e4t und abrupter Wendungen an. Mit seiner gescheiterten Wette hat Emmanuel Macron den Zusammenbruch des Zentrumsblocks beschleunigt und dem \u201eextrem rechten Block\u201c den Weg geebnet. Dieser wird seither unter der \u00c4gide des RN immer mehr vereinheitlicht, nach einer Vereinbarung mit \u00c9ric Ciotti, der bei den traditionell rechten Republikanern (LR) vorerst relativ isoliert bleibt, und mit einigen F\u00fchrungskadern der etrem rechten Reconqu\u00eate (\u201eR\u00fcckeroberung\u201c) von \u00c9ric Zenmour. Auf der anderen Seite sichert die \u201eNeue Volksfront\u201c der Linken eine St\u00e4rkung in der Nationalversammlung, ohne aber einen Sieg zu garantieren. In diesem Bild \u00fcberwiegt die Polarisierung zwischen den beiden Gegenpolen, aber die Wahlen k\u00f6nnten auch dazu f\u00fchren, dass es keine absolute Mehrheit gibt, was den Weg zu einer Situation der Unregierbarkeit, zu einer technischen Regierung oder zu eigent\u00fcmlichen Koalitionen ebnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Anstatt dazu beizutragen, diese komplexe Situation zu beleuchten, konzentriert sich Lordon auf eine einzige M\u00f6glichkeit: n\u00e4mlich diejenige, dass die RN an die Regierung kommt, was er als unmittelbaren Beginn eines faschistischen Regimes beschreibt, in dem Sch\u00fcsse auf Demonstrant:innen, das Verbot von Gewerkschaftsorganisationen und die Entfesselung von Neonazi-Milizen in den Stra\u00dfen vorherrschen w\u00fcrden. Die Beschreibung der angek\u00fcndigten Katastrophe steht in einem umgekehrten Verh\u00e4ltnis zur Entwicklung einer umfassenden Reflexion \u00fcber die Situation. Anstatt einen Abstand zu schaffen, n\u00e4hrt Lordon die panische Angst, die bereits einen gro\u00dfen Teil der Linken erfasst hat, was wenig mit der \u201ekalten, strategischen \u00dcbung\u201c zu tun hat, die Lordon in seinem Text beansprucht.<\/p>\n<p>Zweifellos w\u00fcrde eine Regierungs\u00fcbernahme durch die RN eine Vertiefung der autorit\u00e4ren und rassistischen Politik bedeuten, die sich in den letzten Jahren bereits versch\u00e4rft hat. Das h\u00e4tte unmittelbare Folgen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Menschen und Minderheiten. Demonstrationsverbote, die Aufl\u00f6sung von Organisationen, die Ausweisung von Imamen, die Entfesselung von Polizeibrutalit\u00e4t gegen Demonstrationen oder gegen Aufst\u00e4nde in den Arbeiter:innenvierteln oder in der Kolonie Kanaky \u2013 all das w\u00fcrde sich mit der Macht\u00fcbernahme durch den RN-Vorsitzenden Jordan Bardella verst\u00e4rken, der versuchen wird, ein Zeichen zu setzen, dass er in diesen Bereichen weiter gehen kann als Macron. Die Repression gegen die radikale Linke wird ebenfalls auf der Tagesordnung stehen, da die Sprecher:innen des RN in den letzten Tagen bereits mit gro\u00dfem Tamtam angek\u00fcndigt haben, gegen die \u201eUltralinke\u201c vorgehen zu wollen, und sich so darauf vorbereiten, die von Innenminister Darmanin begonnene Arbeit der Kriminalisierung der Opposition fortzusetzen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu dem, was Lordon und andere Intellektuelle schreiben, w\u00e4re ein solches Regime jedoch nicht faschistisch, sondern entspr\u00e4che einer h\u00e4rteren und gewaltt\u00e4tigeren fremdenfeindlichen Form des \u201eBonapartismus\u201c, das hei\u00dft einem Regime, in dem das Gravitationszentrum der Macht eher beim Staatsapparat, insbesondere bei der Polizei und der Armee, als im Parlament angesiedelt ist. Trotzki betont diese Unterscheidung zwischen \u201eBonapartismus\u201c und Faschismus\u201c in seinen Texten \u00fcber Deutschland in den 1930er Jahren, nicht um die Gefahr des ersteren herunterzuspielen (Trotzki k\u00e4mpft entschieden gegen den blinden Optimismus der F\u00fchrung der Kommunistischen Partei Deutschlands und verteidigt angesichts der immensen Risiken der Situation eine konsequente Einheitsfrontpolitik), sondern um genau zu bestimmen, wie weit der Zerfall der Weimarer Republik und das Vordringen der faschistischen Kr\u00e4fte fortgeschritten ist. Wie Ernest Mandel <a href=\"https:\/\/www.ernestmandel.org\/de\/textes\/txt\/theorien_uber_den_faschismus.htm\">in seiner Brosch\u00fcre \u201e\u00dcber den Faschismus\u201c zusammenfasste<\/a>, ist der Faschismus \u201enicht blo\u00df eine neue Etappe der St\u00e4rkung und Verselbst\u00e4ndigung der Exekutive des b\u00fcrgerlichen Staates. Er ist nicht blo\u00df \u201adie offene Diktatur des Monopolkapitals\u2018. Er ist eine besondere Form der \u2019starken Exekutive\u2018 und der \u201aoffenen Diktatur\u2018, die sich durch v\u00f6llige Zerschlagung s\u00e4mtlicher Arbeiterorganisationen \u2013 auch der gem\u00e4\u00dfigten, sicher der sozialdemokratischen \u2013 kennzeichnet.\u201c<\/p>\n<p>Hier m\u00fcssen zwei Dinge hervorgehoben werden. Erstens stehen Bardella und Le Pen anderen Figuren der zeitgen\u00f6ssischen extremen Rechten wie Trump, Bolsonaro, Orban oder Meloni viel n\u00e4her als Hitler oder Mussolini. Diese \u201erechtsradikalen\u201c Kr\u00e4fte k\u00f6nnen zwar Teil dessen sein, was Enzo Traverso eine \u201efaschistische Matrix\u201c nennt, aber alle haben an der Macht die autorit\u00e4rsten und reaktion\u00e4rsten Hebel ihrer jeweiligen Regime verst\u00e4rkt, ohne einen qualitativen Wandel zu vollziehen. Das bedeutet nicht, dass ihre Regierungen nicht brutal, gewaltt\u00e4tig und t\u00f6dlich sind oder waren, ob man nun \u00fcber die verschiedenen autorit\u00e4ren und fremdenfeindlichen Politiken hinaus an die Umgestaltung des Obersten Gerichtshofs denkt, die den historischen Angriff auf das Recht auf Abtreibung in den USA erm\u00f6glichte, oder an Bolsonaros kriminellen Umgang mit der Pandemie. Diese Art von Macht muss jedoch von faschistischen Regimen unterschieden werden. Solche Regime bleiben Teil des Entwicklungshorizonts des verrottenden Kapitalismus, falls die kapitalistische Krise und die Kriegstendenzen weitere Spr\u00fcnge machen. Aber sie entsprechen noch nicht der Art von Regime, mit der wir in Frankreich nach den Parlamentswahlen konfrontiert sein werden, falls RN eine absolute Mehrheit erreicht. Man k\u00f6nnte dieser Feststellung die Widerspr\u00fcche hinzuf\u00fcgen, die dem Projekt und der zusammengest\u00fcckelten sozialen Basis der RN innewohnen und die sich zuspitzen werden, sobald sie an der Macht ist. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Grenzen ihrer Mobilisierungsf\u00e4higkeit von unten, die nichts mit den paramilit\u00e4rischen Gruppen faschistischer Organisationen zu tun haben, trotz der Existenz und sogar der Dynamik einiger Gruppierungen, die mehr oder weniger geheime, aber nicht konfliktfreie Beziehungen zur RN unterhalten.<\/p>\n<p>Lordon hat Recht, wenn er darauf hinweist, dass der bonapartistische Staat in Frankreich, eine S\u00e4ule des autorit\u00e4rsten Regimes im Westen, nicht der italienische Staat ist und dass er mehr Werkzeuge f\u00fcr eine sehr harte Offensive bietet, falls die extreme Rechte an die Macht kommt. Giorgia Meloni ist zudem ein Grenzfall der totalen Ausrichtung einer extrem rechten Anf\u00fchrerin auf das US-amerikanische und europ\u00e4ische Establishment, untrennbar verbunden mit ihrem pers\u00f6nlichen Werdegang<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#dd6c5b4c-d399-4184-b981-6acc13e56b26\"><sup>3<\/sup><\/a> und der Situation des italienischen Imperialismus, der in Europa und in seiner mediterranen Einflusszone geschw\u00e4cht ist und von schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten betroffen ist. Als eine Art \u201eSyriza f\u00fcr die extreme Rechte\u201c kann das Beispiel der italienischen Anf\u00fchrerin nicht mechanisch \u00fcbertragen werden, um sich die Situation vorzustellen, falls RN an die Macht kommt. Allerdings ist die Dynamik des Klassenkampfes in Frankreich auch nicht dieselbe wie in Italien, wo die Linke dank der neoliberalen und EU-freundlichen Politik der Freunde der PS rund um die Demokratische Partei, die aus der alten KPI hervorgingen, praktisch verschwunden ist und die st\u00e4rkste kommunistische Partei des Westens verschwinden lie\u00df. So w\u00fcrden die Offensiven einer extrem rechten Regierung auf Widerst\u00e4nde sto\u00dfen, die in Frankreich noch lange nicht liquidiert sind. Es sei denn, man erkl\u00e4rt den 2016 er\u00f6ffneten Zyklus der K\u00e4mpfe vorzeitig f\u00fcr beendet und betrachtet einen m\u00f6glichen Sieg von oben am 7. Juli als gleichbedeutend mit einer Zerschlagung der Arbeiter:innenbewegung auf der Stra\u00dfe. Trotz der angeh\u00e4uften Niederlagen ist die Energie der Hunderttausenden, die in den letzten Tagen demonstriert haben, wie auch die der Millionen von Arbeiter:innen, die vor einem Jahr von den Gewerkschaftsf\u00fchrungen mobilisiert wurden, noch lange nicht erloschen.<\/p>\n<p>In einer f\u00fcr das Regime \u00e4u\u00dferst angespannten Situation, in der Macrons bevorzugtes Szenario darin besteht, den \u201eZentrumsblock\u201c wiederzubeleben \u2013 koste es, was es wolle \u2013, w\u00e4re Bardella sicherlich ein Beschleuniger der \u201eFaschisierung\u201c, der auf eine aufgehetzte und verst\u00e4rkte Polizei z\u00e4hlen kann. Bardella w\u00e4re aber keine omnipotente Macht, die keinen Widerspruch duldet, so wie es Lordon sich eher auf der Grundlage eines Gef\u00fchls als auf Grundlage einer Pr\u00fcfung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse vorstellt. Dies zu sagen bedeutet nicht, dass man sich die Taschen voll l\u00fcgt oder dass man es w\u00fcnschenswert f\u00e4nde, dass die extreme Rechte an die Macht kommt, wie diejenigen behaupten, die die kritischen Stimmen der NFP als \u201eAkzelerationismus\u201c bezeichnen. Die zunehmende politische Verwurzelung der extremen Rechten bedeutet jedoch, dass man \u00fcber den Tellerrand hinausblicken muss. Und man muss alle Herausforderungen der Situation ber\u00fccksichtigen, in der der Kampf gegen alle Formen der Kooptation\/Kanalisierung der Massenbewegung eine Schl\u00fcsselfrage ist. Wenn man versucht, die Arbeiter:innenavantgarde zu beruhigen und eine soziale Explosion zu verhindern, k\u00f6nnte eine R\u00fcckkehr der \u201erechten Linken\u201c zu einer tiefen Demoralisierung f\u00fchren und die M\u00f6glichkeiten der extremen Rechten, 2027 an die Macht zu kommen und sich dort zu halten, vervielfachen.<\/p>\n<p><strong>Die \u201ealte\u201c Volksfront und die Herausforderung einer vom Regime und seinen Parteien unabh\u00e4ngigen Politik<\/strong><\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen sind unerl\u00e4sslich, um die zentrale Frage zu beantworten, die vor uns liegt: Wie kann die Dynamik der RN wirklich gebrochen werden, die \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrem Endergebnis am 7. Juli \u2013 seit mehreren Jahren politisch und sozial verwurzelt ist, insbesondere in den armen Schichten? Lordon schl\u00e4gt vor, den \u201eGegensatz von \u201aWahlen\u2018 und \u201aStra\u00dfe&#8217;\u201c zu \u00fcberwinden und schlie\u00dft seinen Text mit dem Aufruf, \u201esich abseits der Institutionen aufzubauen, abseits aller Vermittler, die entweder gescheitert oder in die Logik des institutionellen Gesamtsystems verstrickt sind, offizielle Parteien, Gewerkschaftsb\u00fcnde\u201c. Doch anstatt den Gegensatz zu \u00fcberwinden, breitet unser Genosse einen zerst\u00fcckelten Vorschlag aus, der glauben l\u00e4sst, dass jede Wahlpolitik mit jeder Politik auf dem Gebiet des Klassenkampfes vereinbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Lordon unterschl\u00e4gt die strategischen Auswirkungen seiner Wahltaktik, indem er die Tatsache ausklammert, dass die Dynamik der NFP auf dem Bewusstsein der Avantgarde-Sektoren lastet und ihre Widerstandsf\u00e4higkeit untergraben k\u00f6nnte. Auf der Ebene der Parteikonkurrenz sollte der Kampf auf Leben und Tod zwischen PS-EELV-KPF einerseits und LFI andererseits eine Vorstellung davon vermitteln, warum Wahlpolitik in ihren Auswirkungen nicht neutral ist, so wie die Geschichte der verschiedenen Sequenzen der \u201eEinheit der Linken\u201c uns ihre F\u00e4higkeit lehrt, die Arbeiter:innenrbewegung zu passivieren\/kooptieren. Entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung sind die gro\u00dfen Krisenmomente nicht nur durch den Triumph ultrareaktion\u00e4rer politischer Str\u00f6mungen gekennzeichnet, sondern auch durch verschiedene Versuche, die Impulse der Arbeiter:innen und der Massen zu kanalisieren, was jedoch systematisch den Boden f\u00fcr die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte bereitet.<\/p>\n<p>Eher als aus Hoffnung in die Vereinigung der Linken s\u00fcndigt Lordon hier aus Anhaftung an eine mythisierte Geschichte der Volksfront in Frankreich. In diesem Zusammenhang schreibt er: \u201eDie wahre Geschichte der Volksfront beginnt nicht am 3. Mai 1936 am Abend des zweiten Wahlgangs, sondern am 11. Mai mit den ersten Arbeitsniederlegungen. Es war jedoch ein Programm von bemerkenswerter Weichheit, das an die Macht gebracht wurde. Das war egal: Er hat eine Situation geschaffen\u201c. Somit w\u00e4re das \u201eButterbrot mit Schei\u00dfe\u201c nicht mehr nur ein schlechter Moment, den es zu \u00fcberstehen gilt, sondern k\u00f6nnte potenziell eine Bresche f\u00fcr die Massenbewegung schlagen. Lordon \u00fcbertreibt hier die M\u00f6glichkeiten, die ein Wahlsieg schaffen k\u00f6nnte, und schlie\u00dft sich einer g\u00e4ngigen Idee der \u201eradikalen\u201c Fl\u00fcgel der institutionellen Linken an, wonach die Eroberung der Macht durch Wahlen eine n\u00fctzliche, wenn nicht gar unverzichtbare Voraussetzung f\u00fcr jede revolution\u00e4re Bewegung w\u00e4re. Leider zeigt die \u201ewahre Geschichte\u201c der \u201eVolksfront\u201c genau das Gegenteil.<\/p>\n<p>Diese beginnt weder am 3. noch am 11. Mai 1936, sondern im Februar 1934, als die Arbeitermassen nach faschistischen Unruhen eine Aktionseinheit zwischen der stalinistischen KPF und der sozialdemokratischen SFIO erzwangen. Das Wahlb\u00fcndnis zwischen den beiden gro\u00dfen franz\u00f6sischen Arbeiter:innenparteien und einer St\u00fctze der Dritten Republik, der kleinb\u00fcrgerlichen Radikalen Partei, wurde in der Tat von der Agenda der sowjetischen B\u00fcrokratie diktiert. Diese war darauf bedacht, diplomatische Beziehungen mit Frankreich aufzubauen, um angesichts der Bedrohung durch das Hitler-Regime Verb\u00fcndete zu gewinnen. Die Politik der KPF spielte eine Rolle als Tauschmittel mit dem franz\u00f6sischen Staat, indem sie eine loyale Beziehung zu seinen Institutionen garantierte. Das dr\u00fcckte sich emblematisch in dem Druck der KPF aus, das Volksfrontprogramm abzumildern, ebenso wie in der nationalistischen Wende der Partei oder auch ihrer Verurteilung der Arbeiter:innenmobilisierungen in den Arsenalen von Brest und Toulon im Sommer 1935. Die Arbeiter:innen, die sich den Sparma\u00dfnahmen der Laval-Regierung widersetzten, wurden blutig unterdr\u00fcckt und von der KPF als \u201eProvokateure\u201c beschuldigt. Die Volksfront unterhielt somit von Anfang an ein Verh\u00e4ltnis der Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber den Massen, und das ist auch der Grund, warum die damaligen franz\u00f6sischen trotzkistischen Aktivist:innen, die Anfang der 1930er Jahre an vorderster Front f\u00fcr die Verteidigung der Einheit der Arbeiter:innenorganisationen eintraten, einen intensiven politischen Kampf gegen die Volksfront f\u00fchrten.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#72579b44-2920-43f4-9d90-f92e5810f510\"><sup>4<\/sup><\/a> Und als 1936 die Massen trotz der Wahl der Volksfrontregierung auf die Stra\u00dfen gingen, dann nicht, weil sich \u201eeine Situation er\u00f6ffnet hat\u201c, sondern weil die Volksfront nicht in der Lage war, die bereits existierende Situation, gegen die sie sich in Stellung gebracht hatte, vollst\u00e4ndig zu kanalisieren.<\/p>\n<p>Zwar f\u00fchrte die gro\u00dfe Streikbewegung mit Fabrikbesetzungen zu sozialen Errungenschaften, aber diese waren das Produkt eines gro\u00df angelegten Kampfes und des Willens der Volksfrontregierung, einen Ausweg aus \u201edieser f\u00fcrchterlichen Situation, dieser Situation, die ich nicht als revolution\u00e4r, sondern als quasi-revolution\u00e4r bezeichnet habe\u201c, wie L\u00e9on Blum einige Jahre sp\u00e4ter sagte, zu finden. Diese Politik verhinderte, dass die gro\u00dfen Streiks die Machtverh\u00e4ltnisse im Land dauerhaft umkehren konnten, und f\u00fchrte schnell zu einer R\u00fcckkehr der arbeiter:innenfeindlichen, autorit\u00e4ren und fremdenfeindlichen Politik. Die Volksfrontregierung ging schnell zur Repression \u2013 auch blutiger \u2013 aller Kr\u00e4fte \u00fcber, die sie als zu radikal im Land ansah, ob es sich nun um die Kolonisierten handelte, die \u201eeine Welle von Repressionen, Inhaftierungen, die Aufl\u00f6sung von Bewegungen und Erschie\u00dfungen\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#4cd6e439-5d4d-44fe-98fd-c50ba7054009\"><sup>5<\/sup><\/a> erlebten, um die antifaschistische radikale Linke, wie bei den Sch\u00fcssen in Clichy im M\u00e4rz 1937, oder um Ausl\u00e4nder:innen, die von einer ultra-fremdenfeindlichen Politik betroffen waren, die ab 1938 von der Rechten und der extremen Rechten diktiert wurde.<\/p>\n<p>Der Mythos um die Volksfront blendet diese Fragen aus und suggeriert, dass eine Politik der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Abkommen der Einheit der Linken ein einfacher \u201etaktischer\u201c Moment ohne Konsequenzen w\u00e4re.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#7249116b-cd34-430e-b44d-8d226a17b5f3\"><sup>6<\/sup><\/a> Sie steht im Einklang mit dem \u201ePunkt L\u201c, einer von Lordon definierten strategischen Hypothese, die die Kombination aus einer linken Regierung und einer Massenbewegung zum bevorzugten Szenario f\u00fcr die Entfaltung einer revolution\u00e4ren Bewegung macht. Diese Hypothese \u00fcbersch\u00e4tzt die M\u00f6glichkeiten, die ein Wahlsieg er\u00f6ffnet, und untersch\u00e4tzt umgekehrt die Auswirkungen von Wahlillusionen auf die Avantgarde und die Herausforderung, unabh\u00e4ngige revolution\u00e4re Organisationen aufzubauen. Historisch kritisierten solche Organisationen die verschiedenen \u201eVolksfront\u201c-Auspr\u00e4gungen offen und k\u00e4mpften gegen die charakteristischen Illusionen und Desillusionierungen ihrer Zeit.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#258d6374-b04f-4fa6-a2a1-aa6becd962f8\"><sup>7<\/sup><\/a> Damit verteidigten sie die Bedingungen der M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Art von unabh\u00e4ngiger Politik, die Lordon fordert. Genau in diesem Ansatz liegt die \u201eleninistische\u201c Logik, auf die sich Lordon beruft, w\u00e4hrend er Lenin dennoch auf einen Ultra-Pragmatiker und einen Virtuosen der politischen \u201eTaktik\u201c reduziert.<\/p>\n<p>Lenins strategischer Kompass war jedoch nicht einfach \u201eder Sturz des Kapitalismus\u201c, sondern die entschlossene Verteidigung der Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter:innenmassen und ihrer Institutionen vom Staat und von der b\u00fcrgerlichen Hegemonie. Der Aufbau einer revolution\u00e4ren Partei, die f\u00fcr eine Orientierung der Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter:innenklasse und der Unterdr\u00fcckten von denjenigen Parteien und B\u00fcrokratien, welche sich den herrschenden Klassen unterordnen, k\u00e4mpft, war eine zentrale Aufgabe, ohne die jede revolution\u00e4re Perspektive neutralisiert zu werden drohte. Die Weigerung, sich den verschiedenen Fl\u00fcgeln des Regimes anzupassen, seien sie liberal (die Kadetten), \u201eradikal\u201c (die SR) oder sogar bekennende Sozialist:innen und Arbeiter:innen (die Menschewiki), leitete fast 20 Jahre lang den politischen Kampf der Bolschewiki und f\u00fchrte regelm\u00e4\u00dfig zu Prozessen gegen Lenin wegen \u201eUnnachgiebigkeit\u201c. Es war jedoch diese Logik, die es den russischen Revolution\u00e4r:innen 1917 erm\u00f6glichte, sich der \u201eVolksfront\u201c entgegenzustellen, die von der Provisorischen Regierung unter dem Vertreter der liberalen Bourgeoisie Kerenski verk\u00f6rpert und von den \u201egem\u00e4\u00dfigten\u201c sozialistischen Parteien unterst\u00fctzt wurde. Sie stellten sich den Versuchen entgegen, die Sowjets der Provisorischen Regierung unterzuordnen und waren gleichzeitig bereit, sie gegen die Bedrohung durch faschistische Kr\u00e4fte zu verteidigen, wie beim drohenden Kornilowputsch.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung war f\u00fcr die Dritte Internationale eine strategische Schule und ein kanonisches Beispiel daf\u00fcr, dass Revolution\u00e4r:innen den Kampf sowohl gegen die reaktion\u00e4ren faschistischen Kr\u00e4fte als auch gegen die Agent:innen der Eind\u00e4mmung der Arbeiter:innenbewegung f\u00fchren m\u00fcssen. Die verschiedenen Varianten der Volksfront in Frankreich, Spanien und Chile haben letztlich die Macht\u00fcbernahme des Faschismus vorbereitet, indem sie die Massenk\u00e4mpfe entwaffneten, die die einzige Kraft sind, die sich ihm entschlossen entgegenstellen kann.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine Einheitsfront im Kampf gegen Macron und die extreme Rechte<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Tagen hat das Aufkommen der NFP das Gef\u00fchl der Dringlichkeit des Kampfes gegen die extreme Rechte in eine Unterst\u00fctzung f\u00fcr ein Abkommen zwischen Apparaten verwandelt, das auf eine enge Wahlperspektive beschr\u00e4nkt ist. Die Mobilisierung der linken Gewerkschaftszentrale CGT, die sich f\u00fcr eine Kampagne zur aktiven Unterst\u00fctzung der NFP entschieden hat, ist Teil der gleichen Logik. Die \u201eNeue Volksfront\u201c l\u00e4uft nicht nur Gefahr, einen Teil unserer Klassenfeinde zu st\u00e4rken, wie es immer deutlicher wird (auch f\u00fcr einen Teil derjenigen, die das B\u00fcndnis unterst\u00fctzen), sondern sie l\u00e4sst auch zentrale Fragen aus, um die extreme Rechte zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Das Programm der NFP ist moderater als das der NUPES und will die Linke \u201eglaubw\u00fcrdig\u201c machen, nach dem Vorbild des Auftritts von Eric Coquerel (LFI) und Boris Vallaud (PS) beim franz\u00f6sischen Unternehmerverband Medef. Damit stellt die NFP die R\u00fcckgewinnung der \u201elinken\u201c Entt\u00e4uschten des Macronismus in den Mittelpunkt ihrer Strategie. Diese Politik, die auf die W\u00e4hler:innenschaft der st\u00e4dtischen Mittelschichten ausgerichtet ist, tr\u00e4gt dazu bei, die Spaltung unserer Klasse aufrechtzuerhalten und zu vertiefen, indem sie einen Teil der verarmten Arbeiter:innen und Mittelklassen dem reaktion\u00e4ren Block der RN \u00fcberl\u00e4sst und der Linken erneut das Gesicht einiger der schlimmsten Feinde der Arbeiter:innen wie Fran\u00e7ois Hollande verleiht. Dass Fran\u00e7ois Ruffin, der in den letzten Jahren vorgab, eine Strategie der Vereinigung der Arbeiter:innenklasse zu vertreten, vom Symbol des \u201eNie wieder PS\u201c im Jahr 2016 zum heutigen Hauptarchitekten ihrer Rehabilitierung als Teil der NFP wurde, sagt viel \u00fcber die laufenden Verschiebungen aus.<\/p>\n<p>Gegen diese Absprachen von oben von Wahlapparaten, die mit dem Segen der Gewerkschaftsf\u00fchrungen geschlossen wurden, ist es notwendig, f\u00fcr eine Einheitsfrontpolitik zu k\u00e4mpfen, die einen Kampfcharakter hat und wirklich in der Lage ist, Macron und die extreme Rechte zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Der Kampf um die Renten, der Millionen von Menschen auf die Stra\u00dfe gebracht und die extreme Rechte monatelang zum Schweigen gebracht hat, zeigt, dass Kr\u00e4fte vorhanden und verf\u00fcgbar sind. Das gilt auch f\u00fcr die K\u00e4mpfe, die sich seit 2016 aneinandergereiht haben, vom Kampf gegen das Arbeitsgesetz \u00fcber die Gelbwesten bis hin zum Aufstand in den Arbeiter:innenvierteln 2023 oder den Mobilisierungen in Kanaky in den letzten Wochen. Was diesen Dynamiken fehlt, ist eine F\u00fchrung, die versucht, den Kampf bis zum Ende unerbittlich gegen Macron, die extreme Rechte und ihre Welt zu f\u00fchren. Eine F\u00fchrung, die ein klares Aktionsprogramm tr\u00e4gt, das auf den Forderungen unserer gesamten Klasse beruht, kompromisslos im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist und so versucht, sie im Kampf gegen die Gro\u00dfkapitalist:innen zu vereinen.<\/p>\n<p>Nur eine solche Perspektive kann eine Alternative f\u00fcr die Millionen von Arbeiter:innen aufbauen, die die Deklassierung und die Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen erleben. W\u00e4hrend ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil von ihnen die verschiedenen Figuren des \u201eFremden\u201c zum S\u00fcndenbock f\u00fcr ihre Ressentiments macht, wird es nur im Kampf m\u00f6glich sein, die Dynamik der extremen Rechten zu untergraben und sie zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, indem das Gef\u00fchl der Ohnmacht und die verk\u00fcmmerten Bestrebungen der \u201erassifizierten sozialen Konkurrenzen\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/#15f52851-6a15-41af-bf75-e668ea864651\"><sup>8<\/sup><\/a> \u00fcberwunden werden. Um diese Perspektive zu verteidigen, ist es zwingend notwendig, gegen diejenigen zu k\u00e4mpfen, die von rechts, aus der Mitte oder von links eine Erneuerung des Regimes anstreben und die Kr\u00e4fte neutralisieren, die sich dem entgegenstellen oder entgegenstellen k\u00f6nnten. Diese Herausforderung ist umso grundlegender in einem Moment der Krise, in dem der nationalistische und kriegerische Druck, der bei weitem nicht nur von der RN ausgeht, starke Faktoren f\u00fcr die Liquidierung der Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter:innenklasse sind.<\/p>\n<p>Angesichts der realen Gefahr, die die Verankerung der extremen Rechten darstellt, versucht die von R\u00e9volution Permanente im 2. Wahlkreis von Seine-Saint-Denis initiierte <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/neuwahlen-in-frankreich-ein-revolutionaerer-arbeiter-ins-parlament\/\">Wahlkampagne um Anasse Kazib und Elsa Marcel<\/a> eine andere Logik zu verk\u00f6rpern: Kampf statt Kompromiss, Revolution statt Hoffnung auf die M\u00f6glichkeit, die schlimmsten Ausw\u00fcchse des Regimes auszumerzen. Im Gegensatz zu den Organisationen der radikalen Linken, die beschlossen haben, sich in der \u201eNeuen Volksfront\u201c zu verw\u00e4ssern \u2013 wie die NPA-L\u2019Anticapitaliste von Philippe Poutou, der nun in seinen Interviews erkl\u00e4rt, dass er nicht \u201egegen die Cops\u201c ist und eine \u201eEinheit des gesamten linken Spektrums\u201c bis hin zu Hollande fordert \u2013, \u00fcbernehmen wir die Verantwortung daf\u00fcr, eine Kampagne gegen den Strom zu f\u00fchren. Die R\u00fcckmeldungen aus den Arbeiter:innenvierteln, in denen die Linke stark bleibt, aber die extreme Rechte auf dem Vormarsch ist und die Entt\u00e4uschung \u00fcber die institutionelle Linke eine starke Demoralisierung n\u00e4hrt, best\u00e4rken uns in unserer \u00dcberzeugung, dass es darum geht, einen ganz anderen Diskurs zu f\u00fchren. Denn die Arbeiter:innen und die unteren Schichten in diesem Land haben es allm\u00e4hlich satt, immer wieder neue Brote [oder Kr\u00f6ten] zu schlucken\u2026<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst am <\/em><a href=\"https:\/\/revolutionpermanente.fr\/Tartine-de-merde-attention-a-l-indigestion\"><em>23. Juni 2024 auf Franz\u00f6sisch bei R\u00e9volution Permanente<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>In Frankreich hat die trotzkistische Linke eine lange Tradition, an Wahlen teilzunehmen. Es wird \u00fcbrigens niemandem entgangen sein, dass der Gr\u00fcndungsakt von R\u00e9volution Permanente die Pr\u00e4sidentschaftskampagne von Anasse Kazib war, was nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr die lange Tradition der Beteiligung von Revolution\u00e4r:innen an Wahlen ist. In Argentinien hat die Schwesterorganisation der RP, die PTS, eine linksradikale Wahlkoalition, die FIT-U, initiiert, die nach den letzten Wahlen f\u00fcnf trotzkistische Abgeordnete im nationalen Parlament hat.<\/li>\n<li>Trotz der tiefen strategischen Grenzen der LFI, mit der wir in den letzten Jahren ausf\u00fchrlich diskutiert haben, hat Stathis Kouv\u00e9lakis Recht, wenn er in <em>Hors-S\u00e9rie<\/em> daran erinnert, dass Glucksmanns 14 Prozent bei den Europawahlen nicht mit Yannick Jadots gleichwertigem Ergebnis 2019 gleichgesetzt werden k\u00f6nnen. Die Kampagne von Rapha\u00ebl Glucksmann war in der Tat eine energische Verteidigung einer R\u00fcckkehr zu einer Regierungslinken, die f\u00fcr den Krieg, f\u00fcr europ\u00e4ischen Protektionismus, f\u00fcr die Abschiebung von \u201eillegalen\u201c Migrant:innen und gegen M\u00e9lenchon ist.<\/li>\n<li>Wie Gilles Gressani in <em>Le Figaro<\/em> schrieb, hat Giorgia Meloni im Gegensatz zu Marine Le Pen \u201enach einer militanten Jugend in den Nachfolgegruppen der faschistischen Partei Italiens einen erstklassigen institutionellen Werdegang hingelegt. Sie war die j\u00fcngste Vizepr\u00e4sidentin der Abgeordnetenkammer, die j\u00fcngste Ministerin ohne Gesch\u00e4ftsbereich in der vierten Regierung Berlusconi. Heute ist sie die j\u00fcngste und die erste weibliche Vorsitzende des Ministerrats der Italienischen Republik. (\u2026) Die Vereinigung der Rechten in Italien geht auf die Berlusconi-\u00c4ra zur\u00fcck. Melonis einziger Bruch bestand darin, dass sie das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis innerhalb der \u201aMitte-Rechts\u2018-Koalition ver\u00e4ndert hat.\u201c<\/li>\n<li>Siehe insbesondere \u201eTrotsky et le Front Populaire\u201c von Jean-Paul Joubert und \u201eCritiques de gauche et opposition r\u00e9volutionnaire au front populaire (1936-1938)\u201c von Pierre Brou\u00e9 und Nicole Dorey.<\/li>\n<li>Um Daniel Gu\u00e9rin zu zitieren, der in \u201eFront Populaire, r\u00e9volution manqu\u00e9e\u201c die Kolonialpolitik der Volksfront beschreibt, deren bekanntestes Symbol die Aufl\u00f6sung des Nordafrikanischen Sterns, einer algerischen Unabh\u00e4ngigkeitsorganisation, ist.<\/li>\n<li>1936 polemisierte Trotzki mit der holl\u00e4ndischen Revolution\u00e4ren Sozialistischen Arbeiterpartei (RSAP) \u00fcber die Volksfront in Spanien und Frankreich und stellte fest: \u201eDie allerwichtigste Frage ist gegenw\u00e4rtig die der Volksfront. Die linken Zentristen versuchen, diese Frage als ein taktisches oder gar ein technisches Man\u00f6ver hinzustellen, damit sie mit ihrem Kram im Schatten der Volksfront hausieren gehen k\u00f6nnen. In Wirklichkeit ist die Volksfront die Hauptfrage proletarischer Klassenstrategie in dieser Epoche.\u201c<\/li>\n<li>Zu diesem Thema im Zusammenhang mit der Volksfront in Frankreich siehe \u201eFront populaire, r\u00e9volution manqu\u00e9e\u201c von Daniel Gu\u00e9rin. Als Mitglied des linken Fl\u00fcgels der SFIO, der eine Position der kritischen Unterst\u00fctzung des B\u00fcndnisses einnahm, stellte er zum Beispiel fest: \u201eVon allen begangenen Fehlern war der verh\u00e4ngnisvollste, die Arbeiter glauben zu machen, dass die Volksfrontregierung mit sozialistischer F\u00fchrung und aktiver radikaler Beteiligung irgendwie ihre Regierung sei. Wie Trotzki betonte, waren die Arbeiter nicht in der Lage, den Feind zu erkennen, weil \u201aman ihn als Freund verkleidet hatte\u2018. (\u2026) So wurden die Massen davon abgelenkt, sich selbst zu retten.\u201c<\/li>\n<li>Um den Begriff aus F\u00e9licien Faurys in den letzten Wochen viel diskutiertem Buch \u00fcber die Wahlunterst\u00fctzung f\u00fcr RN, \u201eDes \u00e9lecteurs ordinaires\u201c, zu verwenden. Der Soziologe beleuchtet darin nicht nur die Bedeutung des Rassismus bei der Stimmabgabe f\u00fcr die extreme Rechte, sondern zeigt auch, wie ihr Primat im Bewusstsein der RN-W\u00e4hler:innen untrennbar mit einem Gef\u00fchl der Ohnmacht verbunden ist, etwas anderes als die Kr\u00fcmel zu fordern, die von den \u201eAusl\u00e4ndern\u201c \u201egestohlen\u201c w\u00fcrden. Faury stellt beispielsweise fest: \u201eDer Anstieg der Grundst\u00fcckspreise und die Versch\u00e4rfung der territorialen Konkurrenz, die durch ihre Ansiedlung ausgel\u00f6st werden, sind Ph\u00e4nomene, die in erster Linie als Gegebenheiten betrachtet werden, als Ergebnis wirtschaftlicher Prozesse, von denen man nicht annimmt, dass sie bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnten. Diese Resignation steht im Gegensatz zu der Art und Weise, wie nicht-wei\u00dfe Pr\u00e4senz, die mit Migration in Verbindung gebracht wird, behandelt wird. Sie werden als vermeidbar angesehen. In den Aussagen meiner Gespr\u00e4chspartner wird die Einwanderung zu einer politisierten sozialen Tatsache in dem Sinne, dass es in ihren Augen durchaus m\u00f6glich ist, die Migrationsstr\u00f6me sehr restriktiv zu regulieren, wenn die Politiker dies wirklich wollen w\u00fcrden.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>#Titellbild: Der Philosoph Fr\u00e9d\u00e9ric Lordon bei einer Veranstaltung von R\u00e9volution Permanente. Foto: RP <\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/wie-stehen-wir-zur-neuen-volksfront-in-frankreich-eine-strategische-debatte\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. Juli 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Morao. Angesichts der Neuwahlen in Frankreich hat sich eine strategische Debatte \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zur \u201eNeuen Volksfront\u201c er\u00f6ffnet. Eine Antwort auf den franz\u00f6sischen Philosophen Fr\u00e9d\u00e9ric Lordon.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14696,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,10,61,26,18,4],"class_list":["post-14695","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-breite-parteien","tag-frankreich","tag-gewerkschaften","tag-imperialismus","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14695","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14695"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14695\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14697,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14695\/revisions\/14697"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14695"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14695"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14695"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}