{"id":14709,"date":"2024-07-17T09:40:06","date_gmt":"2024-07-17T07:40:06","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14709"},"modified":"2024-07-17T09:40:07","modified_gmt":"2024-07-17T07:40:07","slug":"zerstoerung-des-gazastreifens-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14709","title":{"rendered":"Zerst\u00f6rung des Gazastreifens geht weiter"},"content":{"rendered":"<p><em>Thomas Scripps. <\/em><strong>Die <\/strong><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/07\/15\/awwb-j15.html\"><strong>Massaker, die Israel am Wochenende an pal\u00e4stinensischen Zivilisten ver\u00fcbte,<\/strong><\/a><strong> gingen am Montag weiter. Artillerie-, Drohnen- und Luftangriffe wurden gegen die Fl\u00fcchtlingslager Nuseirat, al-Bureij und al-Maghazi, die St\u00e4dte Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens und Rafah im S\u00fcden sowie Gaza-Stadt im Norden eingesetzt.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Zwei Menschen wurden in einem Kraftwerk in der N\u00e4he des Fl\u00fcchtlingslagers Nuseirat verletzt. Am Vortag war die Abu-Araban-Schule in diesem Lager angegriffen worden: Es war der f\u00fcnfte israelische Angriff auf ein Schulgeb\u00e4ude innerhalb von acht Tagen. Dabei wurden 15 Menschen get\u00f6tet und zig weitere verletzt. Das Gesundheitsministerium in Gaza gab am Montag bekannt, dass die Zahl der Todesopfer auf 22 gestiegen sei. In dem Komplex waren Tausende vertriebene Pal\u00e4stinenser untergebracht.<\/p>\n<p>In al-Bureij wurde die Abu-Helu-Schule beschossen und dabei eine Person auf dem Schulhof verletzt.<\/p>\n<p>Das Massaker von Abu Araban folgte auf das Massaker an 92 Menschen am Samstag in al-Mawasi, einer vorgeblich \u201esicheren Zone\u201c. Die drei\u00dfigj\u00e4hrige Aya Mohammad, eine \u00dcberlebende des Angriffs, schilderte am Montag: \u201eUnter meinen F\u00fc\u00dfen bebte der Boden, und Staub und Sand stiegen in den Himmel, und ich sah zerfetzte Leichen\u201c. Und weiter sagte sie: \u201eJeder fragt, wohin er gehen soll, und niemand hat eine Antwort.\u201c<\/p>\n<p>In Rafah wurden mehrere H\u00e4user zerst\u00f6rt, und die israelischen Streitkr\u00e4fte feuerten Raketen aus Hubschraubern ab. Zehn Tote wurden aus den Tr\u00fcmmern geborgen. Hunderttausende von Pal\u00e4stinensern sind in der Stadt untergebracht.<\/p>\n<p>Die Israelischen Verteidigungsstreitkr\u00e4fte (IDF) haben auch das Hauptquartier des Pal\u00e4stinenserhilfswerks der Vereinten Nationen (UNRWA) in Gaza dem Erdboden gleichgemacht. Dies steht im Einklang mit den v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Absichten der israelischen Milit\u00e4rf\u00fchrung. UN-Generalkommissar Philippe Lazzarini postete Bilder der Zerst\u00f6rung mit dem Kommentar: \u201eUNRWA-Hauptquartier in Gaza, in ein Schlachtfeld verwandelt und jetzt dem Erdboden gleichgemacht. Eine weitere Episode in der eklatanten Missachtung des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts.\u201c<\/p>\n<p>Dies geschah nach einer neuen Runde unbegr\u00fcndeter Anschuldigungen Israels, das Hilfswerk beherberge Hunderte von Hamas-Agenten. Schon fr\u00fcher bildeten derartige Anschuldigungen einen Vorwand f\u00fcr die imperialistischen M\u00e4chte, dem UN-Hilfswerk s\u00e4mtliche Mittel zu streichen \u2013 und damit jener Organisation, die f\u00fcr die Versorgung von 5,9 Millionen Pal\u00e4stinensern im gesamten Nahen Osten mit Nahrung, Bildung und medizinischer Versorgung zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Die Leiterin der UNRWA-Au\u00dfenbeziehungen Tamara al-Rifai erkl\u00e4rte gegen\u00fcber<em> Al Jazeera<\/em>, die Bilder seien \u201eschockierend\u201c. Sie und wies darauf hin, dass 190 UNRWA-Einrichtungen, \u201evon denen die meisten als Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Vertriebene dienten\u201c, angegriffen worden seien, wobei 500 Menschen in diesen v\u00f6lkerrechtlich gesch\u00fctzten Einrichtungen get\u00f6tet und 1.600 verwundet worden seien.<\/p>\n<p>Weitere vier Menschen aus dem Gazastreifen wurden bei einem Angriff get\u00f6tet, der ein Haus in der as-Salam-Stra\u00dfe in Deir al-Balah zerst\u00f6rte, f\u00fcnf in al-Maghazi und drei in der al-Mansoura-Stra\u00dfe im Viertel Shujayea in Gaza-Stadt, das in den letzten zwei Wochen durch die anhaltenden Angriffe der israelischen Streitkr\u00e4fte in Tr\u00fcmmer gelegt wurde.<\/p>\n<p>Walid Thabet beschreibt den Angriff in Deir al-Balah so: \u201eMeine Mutter, eine \u00e4ltere Frau, sa\u00df mit mir im ersten Stock. Sie ging die Treppe hinunter, und f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter musste ich sie aus den Tr\u00fcmmern bergen. Wir haben auch meine Schwester und die Kinder meiner Schwester herausgeholt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeine Mutter ist gestorben und so auch meine Schwester und Kinder meiner Schwestern. Kinder! Eines war zweieinhalb Jahre alt, das andere zwei.\u201c<\/p>\n<p>Tareq Abu Azzoum von <em>Al Jazeera <\/em>berichtete von einer \u201eIntensivierung der Bombardierung\u201c in der Stadt, die \u201eeine Spur der Verw\u00fcstung hinterl\u00e4sst und bei den Bewohnern der umliegenden H\u00e4user gro\u00dfe Panik und Frustration ausl\u00f6st. Die Pal\u00e4stinenser wurden aufgefordert, in Deir al-Balah Zuflucht zu suchen.\u201c<\/p>\n<p>Die \u00f6rtliche Stadtverwaltung warnte, dass sie nicht mehr in der Lage ist, 700.000 Menschen in dem Gebiet mit Trinkwasser zu versorgen, da ihr der Treibstoff ausgegangen sei.<\/p>\n<p>Die Wasserversorgung des Gazastreifens, die bereits vor dem Krieg durch die israelische Belagerung eingeschr\u00e4nkt war, ist v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Nach Angaben des UN-B\u00fcros f\u00fcr die Koordinierung humanit\u00e4rer Angelegenheiten waren im vergangenen Monat 67 Prozent des Wasser- und Abwassersystems im Gazastreifen zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Neugeborene und werdende M\u00fctter sind besonders betroffen. Die UNO berichtet, dass 95 Prozent von ihnen nicht genug zu essen haben, und dass die Wahrscheinlichkeit von Fehlgeburten bereits dreimal so hoch ist wie vor dem Krieg im Februar. Dies haben die London School of Hygiene &amp; Tropical Medicine und das Johns Hopkins Center for Humanitarian Health ermittelt.<\/p>\n<p>Mehr als 13.000 Frauen werden im n\u00e4chsten Monat in Gaza entbinden. Sie sind darauf angewiesen, dass die drei der dreizehn verbliebenen Krankenh\u00e4user im Gazastreifen (23 funktionieren nicht mehr) \u00fcberhaupt eine Geburtsbegleitung anbieten.<\/p>\n<p>Madeleine McGivern von Care UK sagte dem <em>Guardian<\/em>: \u201eFrauen geb\u00e4ren ohne jegliche Schmerzlinderung, leben in Angst, haben keinen Zugang zu \u00c4rzten, Hebammen oder Schwangerenvorsorge,. Sie wissen nicht, ob sie in einem kochend hei\u00dfen Zelt entbinden oder, wenn sie ein Krankenhaus aufsuchen k\u00f6nnen, riskieren, auf dem Hin- oder R\u00fcckweg von einer Bombe getroffen oder von einem Scharfsch\u00fctzen erschossen zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Versch\u00e4rft wird die Lebensmittel- und Wasserkrise durch die Verschmutzung, die durch die Berge von Abf\u00e4llen verursacht wird, die sich in der ausgeweideten Gesellschaft des Gazastreifens auft\u00fcrmen: 330.000 Tonnen M\u00fcll im gesamten Gebiet, oft nur wenige Meter von den Zeltst\u00e4dten der Fl\u00fcchtlinge entfernt. Viele Pal\u00e4stinenser sind gezwungen, diese Halden nach Brauchbarem oder Verwertbarem zu durchsuchen.<\/p>\n<p>In einem Gespr\u00e4ch mit der BBC erkl\u00e4rte Dr. Ahmed al-Fari, Leiter der Kinderabteilung des Nasser-Krankenhauses: \u201eEs ist kein Geheimnis, dass die Hauptursache f\u00fcr die derzeit im Gazastreifen auftretenden Darminfektionen die Verunreinigung des Wassers ist, mit dem die Kinder versorgt werden.\u201c<\/p>\n<p>Zu den Abfallhalden gesellen sich Berge von Tr\u00fcmmern und Schutt. Laut einer UN-Sch\u00e4tzung sind bei fast 140.000 zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude im Gazastreifen (65 Prozent davon sind Wohnh\u00e4user) rund 40 Millionen Tonnen Schutt angefallen, mehr als 15 Jahre Arbeit f\u00fcr eine Flotte von 100 Lastwagen, um sie zu beseitigen.<\/p>\n<p>\u201eDie Topographie hat sich ver\u00e4ndert\u201c, sagte ein UN-Vertreter letzte Woche dem <em>Guardian.<\/em> \u201eEs gibt H\u00fcgel, wo es keine gab. Die 2.000-Pfund-Bomben, die [von Israel] abgeworfen wurden, haben die Landschaft tats\u00e4chlich ver\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten haben seit Oktober 14.000 dieser 2.000-Pfund-Bomben nach Israel geliefert.<\/p>\n<p>Nach Angaben von Pehr Lodhammar, dem ehemaligen Leiter des UN-Minenr\u00e4umdienstes f\u00fcr den Irak, explodieren etwa 10 Prozent der auf Gaza abgeworfenen Waffen beim Aufprall nicht, was nach Angaben der Zivilschutzbeh\u00f6rde von Gaza \u201ezu mehr als 10 Explosionen pro Woche\u201c von zuvor nicht explodierten Kampfmitteln f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Inmitten der j\u00fcngsten m\u00f6rderischen Angriffe reiste der Au\u00dfenminister der neuen britischen Labour-Regierung David Lammy nach Israel. Er \u00fcbersch\u00fcttete das rechtsextreme israelische Regime und den v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Krieg mit wohlt\u00f6nende Phrasen \u00fcber \u201eFrieden\u201c und \u201eStabilit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<p>Als er am Sonntag in Israel ankam, sch\u00fcttelte die Hand des obersten M\u00f6rders, des israelischen Ministerpr\u00e4sidenten Benjamin Netanjahu, und sagte: \u201eIch bin hier, um auf einen Waffenstillstand zu dr\u00e4ngen. Der Verlust von Menschenleben in den letzten Monaten ist entsetzlich. Das muss aufh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>Einige weitere Massaker sp\u00e4ter sagte er den Medien vor einem Treffen mit Netanjahus Partner, Pr\u00e4sident Isaac Herzog, am Montag: \u201eEs ist wichtig, dass der Krieg, solange wir uns in einem Krieg befinden, im Einklang mit dem humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrecht gef\u00fchrt wird.\u201c<\/p>\n<p>Herzog sagte auf der Pressekonferenz nach dem Treffen: \u201eDer Au\u00dfenminister hat deutlich gemacht, dass sein Land sich weiterhin f\u00fcr die Freilassung aller Geiseln einsetzen wird (&#8230;) Die Bande zwischen dem britischen und dem israelischen Volk sind ebenso stark und robust wie historisch und einflussreich \u2013 besonders jetzt, angesichts der vor uns liegenden Herausforderungen.\u201c<\/p>\n<p>Lammy sagte Reportern, dass eine \u201eBewertung\u201c der Waffenverk\u00e4ufe an Israel \u201ebegonnen\u201c habe.<\/p>\n<p>Ein Bericht der israelischen Zeitung <em>Maariv <\/em>unterstreicht den zynischen Charakter dieser Pose. Demnach hat Lammy zugesichert, dass Gro\u00dfbritannien seine Einw\u00e4nde gegen den Antrag des Internationalen Strafgerichtshofs auf Haftbefehle gegen Netanyahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant nicht zur\u00fcckzieht. Der Einspruch gegen die Haftbefehle wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wurde erstmals von der fr\u00fcheren britischen Regierung unter Premier Rishi Sunak erhoben. Damals hatte Lammy ge\u00e4u\u00dfert, dass die Labour Party die rechtliche Anfechtung fallen lassen w\u00fcrde. Es wurde berichtet, dass die USA auf die Meinungsbildung in der Labour Party eingewirkt habe, um diese Position zu \u00e4ndern, mit nur allzu erkennbarem Erfolg.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Pal\u00e4stinenser begutachten die Sch\u00e4den eines israelischen Bombenangriffs auf Chan Yunis im s\u00fcdlichen Gazastreifen, 13. Juli 2024 [AP Photo\/Jehad Alshrafi]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/07\/16\/lead-j16.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Juli 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Scripps. Die Massaker, die Israel am Wochenende an pal\u00e4stinensischen Zivilisten ver\u00fcbte, gingen am Montag weiter. 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