{"id":14727,"date":"2024-07-21T11:29:49","date_gmt":"2024-07-21T09:29:49","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14727"},"modified":"2024-07-21T11:29:51","modified_gmt":"2024-07-21T09:29:51","slug":"baerbock-habeck-hofreiter-logisch-dass-sie-die-nato-aufruestung-toll-finden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14727","title":{"rendered":"Baerbock? Habeck? Hofreiter? Logisch, dass sie die Nato &amp; Aufr\u00fcstung\u00a0toll finden"},"content":{"rendered":"<p><em>Arno Luik. <\/em><strong>1980 gr\u00fcndeten sich die Gr\u00fcnen \u2013 nicht zuletzt wegen der Aufr\u00fcstung, der Stationierung von US-Langstreckenraketen. Sie wollten die Abschaffung der Nato, eine bessere Welt. Und heute? Heute sind sie so r\u00fccksichts- wie gewissen- und hemmungslos f\u00fcr all das, was sie damals bek\u00e4mpften.\u00a0<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Zu ihrem 25. Geburtstag analysierte Arno Luik die Gr\u00fcnen und\u00a0ihre Gier nach Minister\u00e4mtern, f\u00fcr die sie all ihre Gr\u00fcndungsideale opferten. Aus gegebenem Anlass: Ein Nachruf\u00a0von 2005 auf die Friedenspartei a.D.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Ich gebe es zu: Ich habe mich sehr gefreut, damals, als sich am 12.\/13. Januar 1980 die Gr\u00fcnen gr\u00fcndeten. Ich gebe es zu: Ich habe auch sehr gelacht \u00fcber diese merkw\u00fcrdigen Menschen in der Karlsruher Stadthalle. Diese fast groteske Ansammlung von Schlabberkleidern, wallenden Gew\u00e4ndern, rauschenden B\u00e4rten, langen M\u00e4hnen, Kindern, die auf dem Boden rumkrabbelten, Delegierten, die aus Schlafs\u00e4cken krochen, schmuddelig, mit verquollenen Augen. Es sah so kindisch aus. Doch die B\u00fcrger bekamen einen Schreck.<\/p>\n<p>So eine Parteigr\u00fcndung hatte es in der deutschen Geschichte noch nicht gegeben: Militante Brokdorf-Demonstranten stritten sich mit christlichen Pazifisten, obskure Vogelsch\u00fctzer sich mit Punks, Maoisten mit durchgeknallten Anthroposophen. An den Mikrofonen standen heute fast Vergessene, Petra Kelly, Herbert Gruhl, standen heute fast Verfemte wie Jutta Ditfurth, Thomas Ebermann. Es fehlten die heutigen Helden der Gr\u00fcnen wie Joschka Fischer und Dany Cohn-Bendit. Die spotteten \u00fcber diese bunte Truppe: \u201e\u00d6kospie\u00dfer\u201c seien das, \u201epolitische Nillen\u201c, \u201egr\u00fcne M\u00e4use\u201c, \u201eArschl\u00f6cher\u201c.<\/p>\n<p><strong>Nicht nur die Brezel \u2013 die ganze B\u00e4ckerei wollen wir!<\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb von ein paar Wochen hatten diese Nillen in der Tat ein paar Nullen mehr: \u00fcber 10 000 Mitglieder. Und diese Tage der Gr\u00fcndung waren f\u00fcr fast eine ganze Generation das: Aufbruch. Befreiung aus der bleiernen Zeit der 70er Jahre. Dieser Zeit der Berufsverbote. Der Zeit des Deutschen Herbstes. Die Gr\u00fcnen \u2013 das war eine gro\u00dfe Hoffnung. Es ist heute fast vergessen, kaum mehr vorstellbar, wie Hunderttausende damals das Gef\u00fchl hatten, zerrieben zu werden von einem Staat, der sich nach dem Mord an Arbeitgeberpr\u00e4sident Martin Schleyer immer aggressiver geb\u00e4rdete und der Militanz der RAF-Desperados. Die Gr\u00fcnen \u2013 das war der Traum, eine bessere Welt ist m\u00f6glich, das war der pathetisch-naive Traum, Geschichte ist machbar, zumindest ein bisschen, der Glaube, dass man eingreifen kann in dieses R\u00e4derwerk, das einen zermalmt.<\/p>\n<p>So war das am Anfang der Gr\u00fcnen. Nicht Minister wollten die Gr\u00fcnen damals werden, Sand im Getriebe wollten sie sein, frech und respektlos. Vier Prinzipien hatten sie sich gegeben: basisdemokratisch, \u00f6kologisch, gewaltfrei, sozial wollten sie sein, und ganz viel \u2013 parlamentarisch und au\u00dferparlamentarisch \u2013 wollten sie erreichen: eine bessere Welt. Eine Welt ohne Unterdr\u00fcckung. Ohne Hunger. Ohne Waffen.<\/p>\n<p>Ihre Parolen (es waren die Rufe der Anti-Atombewegung, der Frauen- und Friedensbewegung) brachten Hunderttausende auf die Stra\u00dfen: Sofortiger Atomausstieg, einseitige Abr\u00fcstung, die Aufl\u00f6sung der Nato und des Warschauer Paktes, \u00f6kologische Wirtschaft statt Profitwirtschaft, k\u00fcrzere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich \u2013 und so weiter, ein Graffito brachte den Traum auf den Begriff. \u201eWir wollen nicht nur die Brezel, wir wollen die ganze B\u00e4ckerei!\u201c<\/p>\n<p>Und was heute vergessen ist: Die Gr\u00fcnen hatten, damals, ein abgrundtiefes Misstrauen gegen\u00fcber dem Staat, gegen die Verf\u00fchrung der Macht. Eines war diesen Idealisten klar und trieb sie vorw\u00e4rts: Man wollte nicht so werden wie die Typen in den etablierten Parteien, nein, nicht wie die, das nie! Die meisten von ihnen hatten massenweise kluge B\u00fccher gelesen, jahrelang gegen Korruption und politische Dekadenz agitiert. Wenn schon eine Partei, hie\u00df es nun, dann eine, die dem Drang nach Eitelkeit oder pers\u00f6nlicher Bereicherung abbremste. Deshalb gab es \u2013 ein Novum \u2013 die strikte Trennung von Amt und Mandat, Rotation, Abgabe von Di\u00e4ten (auf das Niveau eines Facharbeiterlohnes!), keinen Vorsitzenden, das Verbot, \u00c4mter anzuh\u00e4ufen, Aufsichtsratsposten und Beratervertr\u00e4ge anzunehmen. Die Gr\u00fcnen, sagte Petra Kelly, und das war keine L\u00fcge, sei eine \u201eAnti-Partei-Partei\u201c.<\/p>\n<p><strong>Wir sind die besseren Menschen!<\/strong><\/p>\n<p>Lange ist das her. Ich bin in die Gr\u00fcnen nie eingetreten, obwohl ich viele ihre politischen Forderungen teilte. Aber von Anfang an nervte mich an den Gr\u00fcnen dieser selbstgef\u00e4llige Gestus: Wir sind die besseren Menschen!<\/p>\n<p>Aber dennoch: Ein paar Jahre lang machte es Spa\u00df zu beobachten, wie die Gr\u00fcnen im Bundestag die \u201eAltparteien\u201c rhetorisch aufmischten, wie Ditfurth oder Ebermann in den TV-Elefantenrunden Franz Josef Strau\u00df, Martin Bangemann, Dietrich Genscher und auch Willy Brandt auseinandernahmen, das war frisch, frech, ungest\u00fcm, und es war angefeuert von dem politischen Willen: Wir wollen eine gerechtere Gesellschaft! Es war auch ein Genuss, als Joschka Fischer Ende der 80er Jahre im Bundestag die Mitglieder des Hohen Hauses verh\u00f6hnte: Das sei eine Versammlung von Alkoholikern, und man lachte auf, als Fischer zum Bundestagspr\u00e4sidenten sagte: \u201eMit Verlaub, Sie sind ein Arschloch.\u201c Das war spektakul\u00e4rer Klamauk, angetrieben von dem Willen: Ich will bekannt werden!<\/p>\n<p>Das war alles sehr sch\u00f6n, wirklich. Nun sind die Gr\u00fcnen 25 Jahre alt, und sie sind m\u00e4chtig alt geworden. \u00dcber 100 Jahre brauchten die Sozialdemokraten, um den Marxismus ihrer Gr\u00fcnderzeit zu entsorgen. Die Gr\u00fcnen schafften es im Schnelldurchlauf, ihre Gr\u00fcndungsideale wegzuwerfen. Aber sie haben verdammt viel erreicht: Sie sitzen in der Bundesregierung, sie stellen den Au\u00dfenminister, und der ist sehr popul\u00e4r, sie sind in Landesregierungen mit an der Macht. Die Gr\u00fcnen \u2013 das ist eine grandiose Erfolgsgeschichte, einmalig, wirklich einmalig, Chapeau und Respekt, diese Partei hat wirklich viel erreicht.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich? Und f\u00fcr wen eigentlich?<\/p>\n<p><strong>Mitmachen. Dabeisein bei jeder Schweinerei<\/strong><\/p>\n<p>Wem fiele es denn auf, wenn er nach l\u00e4ngerer Zeit aus dem Ausland nach Deutschland zur\u00fcckk\u00e4me, dass seit gut sechs Jahren die Gr\u00fcnen in der Berliner Republik mitregieren?<\/p>\n<p>Die LKWs brummen wie noch nie \u00fcber die Stra\u00dfen, die PKWs rasen ohne Tempolimit \u00fcber die deutschen Autobahnen, die AKWs liefern Strom so lange es technisch geht, die Schere zwischen arm und reich ist weiter offen denn je, der deutsche Waffenexport ist h\u00f6her denn je, es werden vor allem mehr todbringende Kleinwaffen ausgef\u00fchrt als jemals zuvor, deutsche Soldaten haben \u2013 erstmals seit 1939 \u2013 wieder Kriege gef\u00fchrt, und die deutsche Sicherheit, sagt der Verteidigungsminister wie der imperiale Kaiser Wilhelm II. klingend, wird \u201eauch am Hindukusch\u201c verteidigt.\u00a0 Es werden mehr Telefongespr\u00e4che abgeh\u00f6rt als fr\u00fcher, \u00fcberall, auf vielen \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen registrieren \u00dcberwachungskameras die Bewegungen der B\u00fcrger, auf den Autobahnen ist mit den Mautstellen eine Technik installiert worden, die nahezu l\u00fcckenlose Bewegungsprofile jedes Einzelnen erm\u00f6glichen, wenn man sie so einsetzen will; bald wird es biometrische Daten und Fingerabdr\u00fccke in P\u00e4ssen geben. Das muss so sein, hei\u00dft es, der Sicherheit wegen. Vor ein paar Jahren h\u00e4tten die die Gr\u00fcnen gegen diesen staatlichen Allmachtsanspruch Diskussionen, Kongresse, Demos organisiert und gesagt: \u201eMit Sicherheit stirbt die Demokratie\u201c.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be 1000 Gr\u00fcnde, eine gr\u00fcne Partei zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Denn die etablierten Gr\u00fcnen sagen heute gar nichts mehr. Und wenn sie etwas sagen, hat es nichts zu sagen. Sie wollen nur noch mitmachen. Dabeisein. Nicht die Macht verlieren. Am 16. November 2001 ging es im Berliner Parlament um die Entsendung deutscher Truppen nach Afghanistan. Die pazifistischen Gr\u00fcnen (bis auf vier, die Kanzlermehrheit nicht gef\u00e4hrdende, gr\u00fcne Parlamentarier) stimmten dem Kriegseinsatz zu: \u201eMein Ja war eigentlich ein Nein\u201c, sagte anschlie\u00dfend die gr\u00fcne Bundestagsvizepr\u00e4sidentin Antje Vollmer. Perfekter oder: zynischer oder: sch\u00e4biger l\u00e4sst sich der Abschied von \u00dcberzeugungen kaum formulieren.<\/p>\n<p><strong>Die Gr\u00fcnen? Fischers pers\u00f6nliches Resozialisierungsprojekt<\/strong><\/p>\n<p>Klaus Kinkel, der als ehemaliger Chef der Umfaller-Partei FDP sich bestens auskennt im Handwerk des politischen Pragmatismus und Opportunismus, hat mal mit einem h\u00fcbschen Bild erkl\u00e4rt, wie solch fundamentale Politikwechsel m\u00f6glich sind: \u201eDie Diskussion mit Vegetariern wird anders, sobald sie eine Wurstfabrik geerbt haben.\u201c<\/p>\n<p>Einer, der sich mit W\u00fcrsten auskennt, ist der Metzgersohn Joschka Fischer.<\/p>\n<p>Ohne die Gr\u00fcnen w\u00e4re Fischer vermutlich ein Nobody, vielleicht abh\u00e4ngig von Sozialhilfe, Entschuldigung, ein Hartz- IV-Empf\u00e4nger. Die Gr\u00fcnen sind Fischers pers\u00f6nliches Resozialisierungsprojekt.<\/p>\n<p>Anfang der 80er Jahre war Fischer ein hoffnungsloser Fall. Er war, wie die Zeitschrift \u201eNatur\u201c schrieb, \u201eein Fuzzi, der am liebsten schwarz mit der Bahn fuhr\u201c. Er war ein in die Jahre gekommener Stra\u00dfenk\u00e4mpfer mit dubioser Vergangenheit und trister Zukunft: Bei einer von Fischer mitorganisierten Demo war ein Polizeiauto gezielt mit Molotow-Cocktails angegriffen, ein Polizist schwer verletzt worden; er war ein Mann ohne Job, ohne Schulabschluss, war einer, der ziemlich viel ziemlich erfolglos versucht hatte: Er fuhr Taxi, war Filmstatist, \u201ebetrieb mit geklauten B\u00fcchern ein Antiquariat\u201c (Parteigr\u00fcnderin Ditfurth \u00fcber Fischer). Er schrieb damals \u00fcber sich: \u201eStalin war also so ein Typ wie wir\u201c, lie\u00df sich \u00fcber seine \u201eLust am Schlagen\u201c, aus: \u201eein tendenziell sadistisches Vergn\u00fcgen\u201c. Er wusste nicht, was er tun sollte, er las Ernst J\u00fcnger, verehrte in ihm erst den \u201eK\u00e4mpfer\u201c, dann den \u201eDrogen-J\u00fcnger\u201c, dann den \u201ekosmischen J\u00fcnger\u201c, sammelte im Wald Fliegenpilze (\u201eWenn Sie Erleuchtung wollen, m\u00fcssen Sie Glockend\u00fcngerling suchen\u201c), schw\u00e4rmte von der \u201eGlaubenskraft\u201c der 1978 im Iran zur Macht gekommen Mullahs und jammerte, ein \u201eVeteran\u201c sei er geworden, dem \u201ees ziemlich dreckig geht\u201c. Er klagte pathetisch \u201esich in einem magischen Kreis verfangen zu haben, aus dem es keinen Ausweg, allerh\u00f6chstens Flucht gibt: Flucht in den Beruf, Flucht in den Untergrund, Flucht in die Droge, Flucht in den Selbstmord.\u201c<\/p>\n<p>Das war Joschka Fischer Anfang der 80er Jahre.<\/p>\n<p><strong>\u201cIch werde noch Minister!\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Und als die Gr\u00fcnen immer gr\u00f6\u00dferen Erfolg hatten, in Parlamente einzogen, erkannten Fischer, Cohn-Bendit und die M\u00e4nner in ihrer sogenannten \u201ePutztruppe\u201c: Da gibt\u2019s Jobs. Gute Jobs. Sehr gute Jobs. Die Gr\u00fcnen als Jobmaschine f\u00fcr verkrachte Existenzen.<\/p>\n<p>Im September 1982 kam Fischer zu den Gr\u00fcnen, und er schaffte Wundersames: Innerhalb k\u00fcrzester Zeit gelang ihm, nicht zuletzt dank der treu ergebenen und schlagstarken \u201ePutztruppe\u201c,\u00a0 so um die 40 Leute waren das, die ein paar Jahre zuvor noch\u00a0 in Frankfurts W\u00e4ldern den Kampf gegen die Polizei trainiert hatten, den Durchmarsch bei den Gr\u00fcnen: Er wischte die gr\u00fcnen Gr\u00fcndungstr\u00e4umer zu Seite, sprach bald von Realpolitik, fing an, auf Bierdeckeln, sein Kabinett zusammenzustellen, verk\u00fcndete seinem SPD-Gegenspieler Karsten Voigt (\u201eFratze der Macht\u201c): \u201eWirst sehen, ich werd noch Minister.\u201c<\/p>\n<p>Das hat er geschafft. Es war ein langer Weg f\u00fcr ihn. Seine Gegenspieler musste er wegbei\u00dfen, fast alle Gr\u00fcndungsmitglieder haben die Partei l\u00e4ngst verlassen, die sanfteren Kritiker hat er mit Posten ruhiggestellt, aber er hat auf der ganzen Linie gesiegt: die ehemals antiautorit\u00e4re Partei ist, so muss man das ausdr\u00fccken \u2013 deutsche Geschichte hin, deutsche Geschichte her: eine F\u00fchrerpartei.<\/p>\n<p>Fischer ist der Star. Er ist der beliebteste Politiker des Landes. Und das ist eine Erfolgsgeschichte der sonderbaren Art: Kein Politiker in Deutschland hat seine Positionen so h\u00e4ufig und so fundamental wie er gewechselt. Doch seine Gr\u00fcnen stehen verdammt gut da: 11 Prozent, sagen die Umfragen, wollen bei der Bundestagswahl diese Partei w\u00e4hlen. Und bei der letzten Wahl in Hamburg kamen die Gr\u00fcnen auf 13 Prozente der Stimmen.<\/p>\n<p>Sensationell ist das, doch wenn man genau hinsieht, f\u00e4llt auf: Diesen Triumph erreichten sie mit weniger Stimmen als bei den Wahlen zuvor. Im Klartext: Die St\u00e4rke der Gr\u00fcnen liegt darin, dass immer weniger Menschen w\u00e4hlen gehen.<\/p>\n<p>Und daran sind, ganz sicherlich, auch die Gr\u00fcnen schuld. Ihre Erfolgsgeschichte ist eine Geschichte des Verrats von Idealen. Was f\u00fcr Ziele, Positionen, Visionen hat denn diese Partei heute noch? Sie will an der Macht bleiben. Aber wof\u00fcr? Und f\u00fcr wen?<\/p>\n<p>Claudia Roth ist die Vorsitzende der Gr\u00fcnen, und das ist gut so, denn sie verk\u00f6rpert aufs Beste die Neuen Gr\u00fcnen. Die Nato-Oliv-Gr\u00fcnen. Die Regierungs-Gr\u00fcnen. Die Gr\u00fcnen, die \u00fcberall dabei sein wollen.<\/p>\n<p><strong>Gaaaanz wichtig: Welcher Schal passt zum B\u00fchnenhintergrund?<\/strong><\/p>\n<p>Politik hat immer etwas mit Symbolen zu tun, und in der Person Roth zeigt sich beispielhaft, wie lammfromm, wie \u00fcberangepasst sich die Gr\u00fcnen haben, die ja mal eine linke, manchmal sogar eine linksradikale Partei war \u2013 die das Establishment vorf\u00fchren wollte. Jetzt f\u00fchren sie sich selber vor: als Gesamtkunstwerk.<\/p>\n<p>Man sieht Claudia Roth im wallenden Escada-Kleid, rot, rosa, aubergine, alles Ton in Ton, von Kopf bis Fu\u00df durchgestylt in Bayreuth zu den Wagner-Festpielen schreiten. \u201eWie ein Eichh\u00f6rnchen auf Exstasy\u201c, h\u00f6hnte Harald Schmidt, \u201edie Blindenhunde im Umkreis von 30 Kilometern knurrten\u201c, spottete Wiglaf Droste.<\/p>\n<p>Und als Claudia Roth im Herbst zur Parteivorsitzenden gew\u00e4hlt wurde, stand sie stundenlang im Hotel vor ihrem Koffer, \u00fcberlegte sich, was sie anziehen sollte, \u00e4rgerte sich, dass sie zu wenige Kleider dabeihatte, und erz\u00e4hlte das alles der \u201eBunten\u201c. \u201eTypisch Claudi\u201c, klagte sie dem Klatschblatt, denn \u201eich wollte zu dem rot noch ein bisschen Glitzer und Glamour kombinieren\u201c. Zwei Semester lang hat Claudia Roth Theaterwissenschaften studiert, und so wei\u00df sie, bekundet sie, was B\u00fchne hei\u00dft, Farbe, Kost\u00fcm und Maske bedeuten. Sie denkt deshalb lange nach, wie die Farbe, das Licht zusammenwirken, stimmt sich mit den Fotografen ab, l\u00e4sst sich von ihnen sagen, welcher Schal zum B\u00fchnenhintergrund passt, achtet darauf, dass sie keine Karohose anzieht, denn dann drehen die Kameraleute durch, und auch der Lippenstift muss zum Kleid zum Schal zu den Haaren passen, ja, und auch die Fingern\u00e4gel sind ganz wichtig.<\/p>\n<p>Mehr Sein durch Schein \u2013 das sind die Gr\u00fcnen im Jahr 2005.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen wollten mal eine Welt ohne Waffen. Ohne Armee. Ohne Nato. Ohne Krisenreaktionsstreitkr\u00e4fte. Ohne Verfassungsschutz. Ohne Baumsterben. Sie wollten mal Tempo 130 auf den Autobahnen.<\/p>\n<p>Sie haben das Dosenpfand bekommen.<\/p>\n<p>Und damit werden sie in die Geschichte eingehen.<\/p>\n<p><em>Aktuelle Erg\u00e4nzung, Juli 2024: Das Dosenpfand bringe sie in die Geschichtsb\u00fccher? Mein Gott, w\u00e4re das sch\u00f6n, wenn es nur das gewesen w\u00e4re.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/hintergrund\/politik\/baerbock-habeck-hofreiter-logisch-dass-sie-die-nato-aufruestung-toll-finden\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 21. Juli 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arno Luik. 1980 gr\u00fcndeten sich die Gr\u00fcnen \u2013 nicht zuletzt wegen der Aufr\u00fcstung, der Stationierung von US-Langstreckenraketen. Sie wollten die Abschaffung der Nato, eine bessere Welt. Und heute? 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