{"id":14762,"date":"2024-08-02T10:31:21","date_gmt":"2024-08-02T08:31:21","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14762"},"modified":"2024-08-02T10:31:22","modified_gmt":"2024-08-02T08:31:22","slug":"auf-dem-weg-zum-krieg-israel-bombardiert-beirut-und-teheran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14762","title":{"rendered":"Auf dem Weg zum Krieg: Israel bombardiert Beirut und Teheran"},"content":{"rendered":"<p><em>Enzo Tresso. <\/em><strong>Nachdem Israel Beirut bombardierte, setzte es seinen m\u00f6rderischen Feldzug fort und ermordete den Leiter des politischen B\u00fcros der Hamas, Ismael Haniyeh, in Teheran. Der Doppelangriff droht, die Region in einen Krieg zu st\u00fcrzen. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In einer Nacht versetzte der israelische Staat den Kr\u00e4ften der sogenannten \u201eAchse des Widerstands\u201c einen Doppelschlag. In Beirut bombardierte die IDF am Diensatagabend ein Wohnhaus in einem s\u00fcdlichen Vorort der Stadt und t\u00f6tete Fouad Chokor, einen milit\u00e4rischen F\u00fchrer und Mitglied des Exekutivrats der Hisbollah. Wenige Stunden sp\u00e4ter wurde Ismael Haniyeh, Leiters des politischen B\u00fcros der Hamas und ehemaliger Premierminister von Gaza, durch einen Raketenangriff aus seine Wohnung im Herzen Teherans ermordet. Die Doppelhinrichtung markiert einen bedeutenden Sprung in der Konfrontation zwischen Israel und den pal\u00e4stinensischen und libanesischen Parteien. Innerhalb weniger Stunden hat es damit eine ma\u00dflose Eskalation vollzogen und die regionalen Gleichgewichte kritisch ins Wanken gebracht.<\/p>\n<p><strong>Der Schatten des regionalen Krieges weitet sich aus<\/strong><\/p>\n<p>Die israelischen Luftangriffe, die eine Reaktion auf den tragischen Tod von zw\u00f6lf Teenagern nach einem Beschuss auf den syrischen Golanh\u00f6hen waren, f\u00fcr den Israel die Hisbollah verantwortlich machte, trafen alle westlichen Regierungen, allen voran die USA, v\u00f6llig unvorbereitet. W\u00e4hrend Washington dem Iran mitgeteilt hatte, dass Israel nicht auf Beirut zielen und lediglich ein strategisches Lagerhaus treffen w\u00fcrde, setzte sich Israel \u00fcber die Empfehlungen der US-Regierung hinweg und entschied sich f\u00fcr eine Eskalation mit unvorhersehbaren Folgen. W\u00e4hrend die Appelle zur Diplomatie immer lauter wurden, scheint Israel in den letzten Stunden die Empfehlungen der USA zu ignorieren und treibt die Region in gef\u00e4hrlicher Weise auf einen Krieg zu, in den Washington gezwungen sein wird, einzugreifen.<\/p>\n<p>Nur wenige Stunden nach dem Schlag auf Beirut wurde die Region auf Kriegsbereitschaft eingestellt. Nachdem zwei britische Kriegsschiffe in die N\u00e4he von Zypern entsandt worden waren, schickten die USA eine Flottille vor die israelische K\u00fcste, wobei drei Schiffe (die USS Wasp, die USS Oak Hill und die USS New York) fast 2200 Soldat:innen an Bord hatten. Die Hisbollah versetzte ihre Streitkr\u00e4fte in Alarmbereitschaft und verlagerte ihre Munitionslager, w\u00e4hrend Israel den allgemeinen Mobilmachungszustand ausrief und sich darauf vorbereitete, im Notfall Reservist:innen einzuberufen.<\/p>\n<p>Die Ermordung von Ismael Haniyeh hat den Drang zum Krieg weiter eskaliert. Der Iran schw\u00f6rt Rache, w\u00e4hrend das politische B\u00fcro der Hamas, welche durch den Tod ihres Chefdiplomaten schwer getroffen wurde, erkl\u00e4rte, dass der Tod ihres Anf\u00fchrers \u201eregionale Folgen haben wird\u201c. Wenn die Verhandlungen zwischen dem israelischen Staat und der Hamas \u00fcber einen Waffenstillstand in Gaza durch die israelischen Luftschl\u00e4ge vereitelt werden, war die Region noch nie so nah daran, in den Strudel des Krieges zu geraten. Der Schlag k\u00f6nnte auch im Westjordanland, wo die Hamas eine sehr hohe Popularit\u00e4t genie\u00dft, Aufst\u00e4nde ausl\u00f6sen. Derzeit ist in den besetzten Gebieten ein Generalstreik ausgerufen worden, w\u00e4hrend mehrere Milizen Angriffe in der Umgebung von Hebron koordiniert haben.<\/p>\n<p>Nach zehn Monaten der Gegenwehr bereiten sich die Hisbollah, die Hamas und der Iran erneut auf eine Antwort vor, wobei jedoch die Gefahr besteht, dass ein schlecht kalkulierter Gegenschlag Israel den erhofften <em>casus belli<\/em> (Kriegsfall) beschert. Auch wenn die Hisbollah und der Iran kein Interesse an einem Krieg haben, ist der Schlag Israels zu stark, um ihn unbeantwortet zu lassen. Indem Israel im Herzen Teherans einen f\u00fchrenden Politiker traf, der zur Antrittsfeier des neuen Pr\u00e4sidenten eingeladen war, hat es die Islamische Republik gedem\u00fctigt, deren Sicherheitsdienste den Angriff nicht verhindern konnten. Die Hisbollah und der Iran k\u00f6nnten gezwungen sein, scharf zu reagieren, um ihr Ansehen zu retten. Der Iran kann sich jedoch mehr Zur\u00fcckhaltung leisten, da der in seiner Obhut ermordete F\u00fchrer kein Mitglied des Oberkommandos der Islamischen Republik war. Auch wenn der Schatten eines Krieges immer gr\u00f6\u00dfer wird, ist er noch nicht unvermeidlich.<\/p>\n<p><strong>Ein gef\u00e4hrlicher Gegenschlag<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten zehn Monaten der Konfrontation hat die Hisbollah traditionell auf die Ermordung ihrer Anf\u00fchrer mit einer ebenso kalibrierten wie symbolischen Machtdemonstration reagiert. Nachdem im Juni zwei ihrer Gener\u00e4le, Taleb Abdallah und Mohamed Nasser, get\u00f6tet worden waren, setzte die Partei ihre Streitkr\u00e4fte in Bewegung und veranstaltete ein riesiges Sperrfeuer, bei dem in der Regel zwischen 300 und 400 Raketen und Flugk\u00f6rper auf israelische Milit\u00e4rstellungen abgefeuert wurden. Nach dem Tod einer ihrer wichtigsten Anf\u00fchrer w\u00e4re ein solcher Gegenschlag angesichts des Verlusts, den die Partei erlitten hat, jedoch schwach.<\/p>\n<p>Auch wenn dieses Szenario unwahrscheinlich erscheint, k\u00f6nnte sich die Hisbollah von der Reaktion des Iran auf den Tod von Mohamed Reza inspirieren lassen, der Anfang April bei einem Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus get\u00f6tet wurde. Die Islamische Republik befand sich damals in einem \u00e4hnlichen Dilemma: Sie konnte nicht nicht reagieren, musste aber um jeden Preis einen Krieg verhindern. Als Teheran am Abend des 13. April 300 Raketen und Drohnen von seinem Territorium aus abfeuerte, \u00fcbernahm es zum ersten Mal die Verantwortung f\u00fcr einen direkten Angriff auf Israel, bot Israel und seinen Verb\u00fcndeten jedoch gen\u00fcgend Zeit, um die Geschosse abzufangen. Ein solcher Vergeltungsschlag aus dem Libanon k\u00f6nnte jedoch sehr schnell eskalieren, und es w\u00e4re unm\u00f6glich, ihn so genau zu kalibrieren.<\/p>\n<p>Ein gleichzeitiger Angriff aus Gaza, wo die Hamas einige Stellungen h\u00e4lt, dem Libanon und anderen Gebieten unter iranischer Hegemonie ist ebenfalls nicht auszuschlie\u00dfen. Die Hisbollah hat in der Vergangenheit bereits einige Angriffe an die jemenitische Ansar Allah (Huthis) delegiert, denen es gelang, Tel Aviv mit einer explodierenden Drohne zu treffen. Laut Orient-le-jour berief der Iran heute Morgen den Obersten Rat f\u00fcr Nationale Sicherheit ein und lud General Houssein Salami, den Kommandeur der Al-Quds-Truppen, zur Teilnahme an der Sitzung ein. Als Anf\u00fchrer der iranischen Sto\u00dftruppen ist der General f\u00fcr die Beziehungen zwischen dem Iran und seinen Verb\u00fcndeten zust\u00e4ndig. Wenn die Schlussfolgerungen des Rates noch nicht bekannt sind, k\u00f6nnte er einen koordinierten Angriff beschlie\u00dfen, der eher symbolisch als strategisch ist.<\/p>\n<p>Es ist auch zu bef\u00fcrchten, dass die Hisbollah und der Iran beschlie\u00dfen, ihre Operationen deutlich zu intensivieren. Es scheint, dass ein Teil des Generalstabs der \u201eAchse des Widerstands\u201d beginnt, den Krieg als unvermeidlich zu betrachten und dass es besser w\u00e4re, ihn jetzt zu f\u00fchren, als ihn sp\u00e4ter zu erleiden. Bei dem Gegenschlag im April hatte das iranische milit\u00e4rische Oberkommando in der Tat mit seiner \u00fcblichen Vergeltungsstrategie gebrochen und in den Worten des Generalstabschefs eine \u201eneue Gleichung\u201c durchgesetzt: Der Iran w\u00fcrde nun Zug um Zug auf israelische Aggressionen reagieren und Israel direkt konfrontieren, ohne den Angriff an seine Stellvertreter zu delegieren. Trotz seiner \u00fcblichen Prahlereien hat das Regime immer wieder Ausreden gefunden, um sich nicht an seine eigene Doktrin zu halten. Doch die extreme Volatilit\u00e4t der Situation und der Fanatismus der israelischen Regierung k\u00f6nnten das iranische Milit\u00e4r zu der Einsch\u00e4tzung bringen, dass Tel Avivs Dreistigkeit ein Riegel vorgeschoben werden muss.<\/p>\n<p>Die Frage ist weniger, wie die Komponenten der so genannten \u201eAchse des Widerstands\u201c auf die israelische Eskalation reagieren werden, sondern vielmehr, ob der Kolonialstaat seinerseits eine Offensive starten k\u00f6nnte, die die Region in Brand setzt und die imperialistischen M\u00e4chte hinter sich herzieht. Die M\u00f6glichkeit der Ausweitung des Kolonialkriegs der IDF mit der Komplizenschaft der imperialistischen M\u00e4chte auf den Libanon oder sogar auf die gesamte Region ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Angesichts dieses d\u00fcsteren Szenarios ist der Aufbau einer internationalen antikolonialen und Antikriegsbewegung, von entscheidender Bedeutung. Diese muss sich bedingungslos mit dem Selbstbestimmungsrecht des pal\u00e4stinensischen Volkes solidarisieren und versuchen, die israelische Kriegsmaschinerie zu stoppen. Dabei muss die Arbeiter:innenbewegung eine zentrale Rolle spielen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/auf-dem-weg-zum-krieg-israel-bombardiert-beirut-und-teheran\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. August 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Enzo Tresso. Nachdem Israel Beirut bombardierte, setzte es seinen m\u00f6rderischen Feldzug fort und ermordete den Leiter des politischen B\u00fcros der Hamas, Ismael Haniyeh, in Teheran. 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