{"id":14793,"date":"2024-08-10T10:24:06","date_gmt":"2024-08-10T08:24:06","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14793"},"modified":"2024-08-10T10:24:08","modified_gmt":"2024-08-10T08:24:08","slug":"intifada-der-ruf-nach-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14793","title":{"rendered":"Intifada: Der Ruf nach Freiheit"},"content":{"rendered":"<p><em>Amina Kandil. <\/em><strong>Die Intifada, was im Arabischen \u201esich erheben\u201c oder \u201esich auflehnen\u201c hei\u00dft, ist ein Ausdruck des Widerstandes gegen Unterdr\u00fcckung und Besatzung. Die Aufst\u00e4nde der Pal\u00e4stinenser:innen waren entscheidende Meilensteine des Widerstands gegen die israelische Besatzung und haben internationale Aufmerksamkeit und Solidarit\u00e4t erregt<\/strong><!--more--><strong>. Die Intifada war ein organisierter und friedlicher Aufstand gegen systematische Ungerechtigkeit. Der zivile Ungehorsam, wie Streiks, Boykotts und Demonstrationen, zeigt den entschlossenen Widerstand der Pal\u00e4stinenser:innen gegen die Besatzung.<\/strong><\/p>\n<p>Der Widerstand der Pal\u00e4stinenser:innen gegen die britische Mandatsmacht und die zionistische Bewegung ist tief in der Geschichte verwurzelt. Das beste Beispiel daf\u00fcr ist die arabische Revolte von 1936-1939. Diese Revolte war eine Reaktion auf die zunehmende j\u00fcdische Einwanderung und den damit verbundenen Vertreibungen von pal\u00e4stinensischen Bauern. Die Bev\u00f6lkerung reagierte mit Streiks, Boykotts und bewaffneten Auseinandersetzungen. Trotz der brutalen Niederschlagung durch die britischen Beh\u00f6rden zeigte die Revolte die Entschlossenheit der Pal\u00e4stinenser:innen, ihre Rechte und ihr Land zu verteidigen. Dieser Kampf setzte sich in verschieden Formen fort und erreichte in den Intifadas neue H\u00f6hepunkte.<\/p>\n<p><strong>Die Erste Intifada<\/strong><\/p>\n<p>Die Ursachen der ersten Intifada sind vielf\u00e4ltig. Sie ging mit einer jahrzehntelangen israelische Besatzung, Landenteignung, Siedlungsbau und einer milit\u00e4rischer Pr\u00e4senz einher, welche die Existenz tausender Pal\u00e4stinenser:innen vernichtete. Dazu kamen wirtschaftliche Schwierigkeiten, politische Unterdr\u00fcckung und soziale Ungerechtigkeit. All das gipfelte in einer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Unzufriedenheit und Frustration in der pal\u00e4stinischen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Der ultimative Ausl\u00f6ser f\u00fcr die erste Intifada ereignete sich am 8. Dezember 1987. Ein israelischer Panzer rollte \u00fcber zwei pal\u00e4stinensische Taxis, dabei starben vier Pal\u00e4stinenser (wovon drei aus dem Fl\u00fcchtlingslager Dschabaliya stammten). Dieses Verbrechen l\u00f6ste massenhafte Proteste und spontane Unruhen aus. Die wachsende Wut und das Gef\u00fchl der Ohnmacht gegen\u00fcber der israelischen Besatzungspolitik fanden ihren Ausdruck in einem breiten Aufstand der Bev\u00f6lkerung. Dieser breitete sich rasch und unaufhaltsam aus. T\u00e4glich fanden Demonstrationen statt, doch das erfolgreichste Mittel beim Protest war der kollektive Boykott israeli\u00adscher Produkte. Pal\u00e4stinensische H\u00e4ndler:innen weigerten sich, die Steuer an die israelischen Beh\u00f6rden zu \u00fcberweisen, genauso kauften die Pal\u00e4stinenser:innen keine israelischen Produkte mehr. Das werfen von Steinen auf Panzer (wird auch als \u201eKrieg der Steine\u201c bezeichnet) und das Errichten von Barrikaden wurden zu bedeutungsvollen Handlungen des pal\u00e4stinensischen Widerstandes. Diese Aktionen wurden meist von Kindern und Jugendlichen durchgef\u00fchrt. Die Bilder von israelischen Soldaten, die den Arm eines Kindes wie einen Zweig \u00fcber einen Steinbrocken abbrechen, haben weltweit f\u00fcr Entsetzung gesorgt und die Brutalit\u00e4t der israelischen Besatzung verdeutlicht.<\/p>\n<p>Neben den Protesten organisierten sich die Pal\u00e4stinenser in sogenannten Volkskomitees, die diese Aktionen ausf\u00fchrten, diese spielten eine bedeutsame Rolle bei der Aufrechterhaltung der Mobilisierung.<\/p>\n<p><strong>Das gescheiterte Oslo-Abkommen<\/strong><\/p>\n<p>Am 13. September 1993 unterzeichneten Yasser Arafat und der israelische Ministerpr\u00e4sident Yitzhak Rabin die \u201ePrinzipienerkl\u00e4rung \u00fcber die vor\u00fcbergehende Selbstverwaltung\u201c (Oslo I).<\/p>\n<p>Die Punkte des Abkommens umfassten: Erstens, dass Israel und die PLO sich gegenseitig anerkennen. Zweitens, die Einrichtung einer pal\u00e4stinensischen Selbstverwaltung in Gaza und Jericho. Drittens, die Vereinbarung wirtschaftlicher Kooperationen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Pal\u00e4stinenser:innen.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen und das Abkommen brachten Hoffnung auf eine langfristige L\u00f6sung des Konflikts, doch vergeblich.<\/p>\n<p>Viele Pal\u00e4stinenser:innen f\u00fchlten sich verraten, besonders von der Fatah. Diese oft als korrupt und zu nachgiebig gegen\u00fcber den israelischen und westlichen Interessen angesehene F\u00fchrung hat die Hoffnung vieler Pal\u00e4stinenser:innen entt\u00e4uscht. Der Friedensprozess wurde als Ausverkauf der pal\u00e4stinensischen Rechte und Interessen wahrgenommen.<\/p>\n<p>Viele der Probleme, wie der Status Jerusalems, die Siedlungspolitik und das R\u00fcckkehrrecht der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge wurden in der Vereinbarung nicht gel\u00f6st. Der damalige israelische Chefverhandler Yossi Beilin gab 30 Jahre nach dem Abkommen zu, dass Israel an keiner L\u00f6sung interessiert war.<\/p>\n<p><strong>Al Aqsa Intifada<\/strong><\/p>\n<p>Die zweite Intifada begann im September 2000 und dauerte f\u00fcnf Jahre. Sie war gepr\u00e4gt durch eine intensivere Gewalt als die Erste. Der Ausl\u00f6ser war der Besuch des damaligen israelischen Oppositionsf\u00fchrers Ariel Sharon auf dem Tempelberg in Jerusalem. Der Besuch wurde von den Pal\u00e4stinenser:innen als Provokation empfunden und f\u00fchrte zu massiven Protesten.<\/p>\n<p>Die israelische Antwort auf die zweite Intifada war h\u00e4rter und brutaler; Israel t\u00f6tete gezielt f\u00fchrende pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfer, Politiker und Zivilisten. Sperranlagen und Checkpoints wurden errichtet. Diese Ma\u00dfnahmen gaben vor, die Sicherheit Israels erh\u00f6hen, jedoch f\u00fchrten sie zu erheblichen menschlichen Opfern auf beiden Seiten und versch\u00e4rften die humanit\u00e4re Krise in den besetzten Gebieten.<\/p>\n<p>Die zweite Intifada war gepr\u00e4gt von der Entt\u00e4uschung \u00fcber das Oslo-Abkommen, viele sahen die Verhandlungen als gezielte Ablenkung an, da sie keine Fortschritte bei der Gr\u00fcndung eines unabh\u00e4ngigen pal\u00e4stinensischen Staates erreichten. Sie spiegelte die Frustration und die Wut der Pal\u00e4stinenser:innen wider, die sich durch den weiterhin bestehenden Siedlungsbau, die Zerst\u00f6rung von H\u00e4usern und die Einschr\u00e4nkung ihrer Bewegungsfreiheit bedr\u00e4ngt f\u00fchlten.<\/p>\n<p>Insgesamt war die zweite Intifada ein Ausdruck des tief verwurzelten Konflikts und der andauernden Besatzung, der das Leben der Pal\u00e4stinenser:innen nachhaltig pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Selbstmordattentate waren auch Ausdruck einer zunehmenden Schwermut, und das Ergebnis einer verzweifelten Suche nach internationaler Aufmerksamkeit f\u00fcr ihre unertr\u00e4gliche Notlage.<\/p>\n<p><strong>Aufstand f\u00fcr Gerechtigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Haltung sollte Solidarit\u00e4t und uneingeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Selbstbestimmungsrecht und die Freiheit der Pal\u00e4stinenser sein. Dabei ist es wichtig, die Ursachen des Konflikts, insbesondere den Einfluss des Imperialismus und wirtschaftliche Interessen, die zur Unterdr\u00fcckung beitragen, anzuerkennen und aktiv zu bek\u00e4mpfen. Die Geschichte des pal\u00e4stinensischen Widerstands zeigt, dass Fortschritt und Gerechtigkeit nicht durch Kompromisse mit imperialistischen M\u00e4chten erreicht werden k\u00f6nnen. Die bedingungslose Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Kampf der Pal\u00e4stinenser:innen sind daher unerl\u00e4sslich, um die Wurzeln der Unterdr\u00fcckung zu bek\u00e4mpfen und eine gerechte L\u00f6sung f\u00fcr ein freies Pal\u00e4stina zu erreichen. Dies erfordert eine weltweite Bewegung gegen Kapitalismus und Imperialismus, die als Basis f\u00fcr echte Gerechtigkeit und Befreiung, sowohl f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser als auch f\u00fcr andere unterdr\u00fcckte V\u00f6lker dienen soll.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/linkswende.org\/intifada-der-ruf-nach-freiheit\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. August 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amina Kandil. Die Intifada, was im Arabischen \u201esich erheben\u201c oder \u201esich auflehnen\u201c hei\u00dft, ist ein Ausdruck des Widerstandes gegen Unterdr\u00fcckung und Besatzung. 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