{"id":14813,"date":"2024-08-22T09:13:37","date_gmt":"2024-08-22T07:13:37","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14813"},"modified":"2024-08-22T09:13:38","modified_gmt":"2024-08-22T07:13:38","slug":"harris-trump-und-die-rueckkehr-zur-wirtschaftlichen-normalitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14813","title":{"rendered":"Harris, Trump und die R\u00fcckkehr zur wirtschaftlichen \u201eNormalit\u00e4t\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Jason Koslowski. <\/em><strong>Die Kampagnen von Harris und Trump finden in einer Wirtschaft statt, in der die herrschende Klasse versucht, zu \u201enormalen\u201c Bedingungen zur\u00fcckzukehren. Aber diese \u201eNormalit\u00e4t\u201c ist eine Katastrophe f\u00fcr die Arbeiter:innenklasse und den Planeten. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>\u201eWir glauben an eine Zukunft\u201c, <a href=\"https:\/\/x.com\/KamalaHarris\/status\/1818264875627389226\">verk\u00fcndet<\/a> Kamala Harris\u2018 Kampagne, \u201ein der jeder Mensch die M\u00f6glichkeit hat, nicht nur \u00fcber die Runden zu kommen, sondern voranzukommen. [\u2026] Aber Donald Trump will unser Land r\u00fcckw\u00e4rts f\u00fchren. Wir werden nicht zur\u00fcckgehen.\u201c<\/p>\n<p>Lassen wir einmal beiseite, dass Harris einer Regierung angeh\u00f6rt, die Donald Trumps Politik in Bezug auf Einwanderung, China, Z\u00f6lle und Israel fortsetzt und die einen Teil der Steuererleichterungen f\u00fcr Kapitalist:innen der Trump-\u00c4ra kodifiziert hat. Harris pr\u00e4sentiert sich als Alternative zu Trump. Wie Biden, dessen Erbe sie vertritt, bietet sie sich als das geringere \u00dcbel an. Sie wirbt mit dem Versprechen einer neuen \u00c4ra f\u00fcr die amerikanische Wirtschaft: Chancen, Gleichheit, Fortschritt. Der linke Fl\u00fcgel der Partei, darunter Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Summer Lee und Ayanna Pressley, bieten ihre Unterst\u00fctzung an. Trump seinerseits <a href=\"https:\/\/www.marketwatch.com\/story\/trump-blames-strong-dollar-for-u-s-economy-going-to-hell-56d67936\">sagt,<\/a> Amerika stehe vor einem Abgrund, aus dem nur er es retten k\u00f6nne: \u201eUnsere Wirtschaft geht den Bach runter.\u201c Er behauptet, er werde die Inflation stoppen und die Abwanderung der Produktion in andere L\u00e4nder, die seit den 1970er Jahren die Regel ist, r\u00fcckg\u00e4ngig machen.<\/p>\n<p>Beide Kampagnen sind darauf ausgerichtet, die Unterst\u00fctzung und das Geld der herrschenden Klasse zu gewinnen. Sie bieten konkurrierende Visionen, wie die Wirtschaft nach der Pandemiekrise wieder \u201enormal\u201c werden kann.<\/p>\n<p>Aber \u201enormal\u201c <em>ist<\/em> eine Krise. Die Kampagnen werden von einer herrschenden Klasse finanziert, die in einer globalen Wirtschaft gefangen ist, die seit Jahrzehnten um Wachstum und Gewinne k\u00e4mpft. Die Jagd dieser Klasse nach Profiten inmitten tiefer, jahrzehntealter Widerspr\u00fcche des Kapitalismus heizt die <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/livecoverage\/stock-market-today-dow-sp500-nasdaq-global-selloff-08-06-2024?mod=hp_lead_pos1\">Gefahr einer Finanzkrise<\/a> \u2013 der j\u00fcngste Einbruch der M\u00e4rkte ist ein Zeichen f\u00fcr diese Gefahr \u2013 und immer sch\u00e4rferer <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/no-war-with-iran-us-out-of-the-middle-east\/\">imperialistischer Konflikte<\/a> weiter an. All dies geschieht auf einem Planeten, dessen Verbrennung <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2023\/nov\/02\/heating-faster-climate-change-greenhouse-james-hansen\">immer schneller voranschreitet<\/a>. Das ist die \u201eOrdnung\u201c, die Trump und Harris bewahren wollen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Situation zeigt, dass es kein kleineres \u00dcbel gibt. Beide Kandidat:innen werden von den herrschenden Kapitalist:innen finanziert und dienen ihnen. Keines ihrer Versprechen kann die gewaltt\u00e4tigen Krisen l\u00f6sen, mit denen der Kapitalismus konfrontiert ist, denn diese Krisen sind in das System eingebettet, das sie zu retten versuchen. Wir brauchen nicht nur eine Alternative zu diesen Kandidat:innen. Wir m\u00fcssen den Kapitalismus st\u00fcrzen \u2013 und daf\u00fcr brauchen wir eine Partei <em>unserer<\/em> Klasse, <em>f\u00fcr<\/em> unsere Klasse, um uns von der zerst\u00f6rerischen \u201eOrdnung\u201c und den Leuten zu befreien, die sich an ihr bereichern.<\/p>\n<p><strong>Das Kapital erholt sich vom pandemischen Crash<\/strong><\/p>\n<p>Die Pandemiekrise war die schwerste Krise seit dem Finanzcrash von 2008. Als Reaktion darauf haben sich beide Parteien darum bem\u00fcht, die Wirtschaft mit staatlichen Notma\u00dfnahmen \u00fcber Wasser zu halten. Trump <a href=\"https:\/\/www.pandemicoversight.gov\/data-interactive-tools\/data-stories\/update-three-rounds-stimulus-checks-see-how-many-went-out-and\">begann mit<\/a> der Versendung von Konjunkturchecks, ein Programm, das Biden fortsetzte und ausweitete, so dass sich die Summe auf satte 814 Milliarden Dollar belief. Biden legte weitere Ausgabenprogramme auf, unter anderem f\u00fcr die Infrastruktur. Das Ziel war nicht nur die Wiederbelebung und der Wiederaufbau der US-Wirtschaft, sondern vor allem ein <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-democratic-party-and-capitalisms-economic-contradictions\/\">imperialistisches Spiel<\/a>, um die Kapazit\u00e4ten der USA zu erh\u00f6hen, damit sie mit Chinas globaler Produktionsmacht konkurrieren k\u00f6nnen. Andernfalls, so warnte Biden, werde China \u201eunser Mittagessen verspeisen\u201c.<\/p>\n<p>Diese Notma\u00dfnahmen brachten jedoch eine ganze Reihe von Problemen mit sich. Als die US-Wirtschaft wieder in Schwung kam, begannen die Lieferketten einzuknicken und zu brechen. Seit Jahrzehnten ist die Wirtschaft zu einem <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/shortages-and-supply-chain-disruptions-are-about-capitalism-not-covid\/\">\u201eJust-in-Time\u201c-Produktionsmodell<\/a> \u00fcbergegangen, bei dem die Vorr\u00e4te in Lagern oder Fabriken reduziert wurden, um die Lieferung \u201eflexibler\u201c, das hei\u00dft weniger verschwenderisch und schneller zu gestalten. Dies bedeutete jedoch auch, dass die Lieferketten instabiler wurden, was zu enormen Verz\u00f6gerungen, Unterbrechungen und Gewinneinbu\u00dfen f\u00fchrte, da die Waren in Lagern oder auf Schiffen liegen blieben. Das hat die Inflation angeheizt und die Preise in die H\u00f6he getrieben. Gleichzeitig <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/corporate-profits-soar-even-amid-rising-inflation\/\">trieben<\/a> die Unternehmen ihre Preise in die H\u00f6he, was ebenfalls dazu beitrug, die Inflation auf ein 40-Jahres-Hoch zu steigern.<\/p>\n<p>Aber auch die Arbeiter:innenklasse begann sich ihrer Macht zu erinnern und ihre Muskeln spielen zu lassen. Da die Bosse mehr Arbeitskr\u00e4fte brauchten, die Arbeitslosigkeit niedrig war und die Bankkonten mit Konjunkturschecks und erweiterten Arbeitslosenunterst\u00fctzungen gut gef\u00fcllt waren, konnten die Arbeiter:innen w\u00e4hlerischer sein, welche Jobs sie annahmen und welche sie <a href=\"https:\/\/www.census.gov\/library\/stories\/2024\/05\/great-reshuffling.html\">k\u00fcndigten<\/a>. Sie begannen, sich zu organisieren und mehr zu streiken. Eine neue Generation junger Menschen, die sich in historischen Kampagnen wie bei Amazon und Starbucks organisierte, formte eine <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/social-justice-unionism-how-generation-u-is-building-class-solidarity\/\">\u201eGeneration U<\/a>\u201c \u2013 f\u00fcr Union (Gewerkschaft). Einige der spektakul\u00e4rsten Zeichen der Macht in der Gewerkschaftsbewegung waren der Streik der Automobilgewerkschaft UAW <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-uaw-won-big-what-does-it-mean-for-the-u-s-labor-movement\/\">und die damit erzielten gro\u00dfen Erfolge<\/a>. Dies bedeutete eine Verschiebung des Gleichgewichts der Klassenmacht zugunsten der Besch\u00e4ftigten. Die Kapitalist:innenenklasse war gezwungen, die L\u00f6hne zu erh\u00f6hen, und Politiker:innen wie Biden mussten sich st\u00e4rker an Gewerkschaften und Arbeiter:innen <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/bidens-picket-line-visit-doesnt-mean-he-is-on-our-side\/\">wenden<\/a>.<\/p>\n<p>Die Federal Reserve (Zentralbank der USA, Anm. d. Red.) griff zunehmend ein, um die Inflation mit Hilfe der Geldpolitik zu bek\u00e4mpfen: Sie erh\u00f6hte die Zinss\u00e4tze, um die Kreditaufnahme f\u00fcr Menschen und Unternehmen zu verteuern und so die Wirtschaft \u201eabzuk\u00fchlen\u201c. Das Ziel war eindeutig ein Klassenkampf von oben: Die <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/06\/07\/business\/economy\/wage-growth-exceeds-forecasts-potentially-deterring-fed-rate-cuts.html\">Federal Reserve<\/a> (Fed) behauptete, die Hauptursache f\u00fcr die Inflation seien h\u00f6here L\u00f6hne, trotz aller Beweise daf\u00fcr, dass die Inflation durch Lieferprobleme und Preisabsprachen in der Krisenwirtschaft verursacht wurde. H\u00f6here Zinss\u00e4tze, so verk\u00fcndete die Fed, w\u00fcrden die Kreditaufnahme von Unternehmen und Banken eind\u00e4mmen und die Arbeitslosigkeit in die H\u00f6he treiben. Damit w\u00fcrden die Bosse die L\u00f6hne senken oder die Gewerkschaften leichter angreifen k\u00f6nnen. Also trieb sie die Zinss\u00e4tze auf historische H\u00f6chstst\u00e4nde und damit auch die Hypothekenzinsen und Kreditkosten nicht nur f\u00fcr Unternehmen, sondern auch f\u00fcr die breite Masse.<\/p>\n<p>Lange Zeit war \u00fcberhaupt nicht klar, dass die Inflation unter Kontrolle kommen w\u00fcrde; es schien sogar, dass die Geldpolitik der Fed nicht funktionierte. Noch im Juni 2022 lag der <a href=\"https:\/\/www.bls.gov\/opub\/ted\/2024\/consumer-prices-up-3-0-percent-from-june-2023-to-june-2024.htm\">Verbraucherpreisindex<\/a>, der den Preisanstieg bei grundlegenden Konsumg\u00fctern anzeigt, bei 9,1 Prozent; heute ist er auf etwa 3 Prozent gesunken.<\/p>\n<p>Aber wir sehen jetzt, wie schlecht die Fed mit den Problemen umgegangen ist, mit denen sie konfrontiert war. Die Zinss\u00e4tze sind gestiegen, w\u00e4hrend die Inflation, auch wenn sie zur\u00fcckgeht, \u201eklebrig\u201c oder immer noch hartn\u00e4ckig hoch bleibt und weit \u00fcber dem Ziel der Fed von 2 Prozent liegt. Erst vor wenigen Tagen wurde die Fed von einem <a href=\"https:\/\/www.cnn.com\/business\/live-news\/us-jobs-report-july-markets\/index.html#:~:text=The%20US%20economy%20added%20just%20114%2C000%20jobs%20in%20July%2C%20according,for%20it%20to%20stay%20steady.\">pl\u00f6tzlichen R\u00fcckgang der Arbeitslosenzahlen<\/a> \u00fcberrascht, was bei der herrschenden Klasse und ihren Wortf\u00fchrer:innen Panik ausl\u00f6ste, dass die Fed ihre Karten v\u00f6llig <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/stock-market-selloff-japan-u-s-nasdaq-economy-interest-rates-federal-reserve-25554b16?mod=hp_opin_pos_1\">falsch gemischt<\/a> hat.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Wortf\u00fchrer:innen der herrschenden Klasse \u2013 <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/economy\/biden-adviser-says-soft-landing-helped-by-public-spending-boost-6e3a8983\">Biden<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/finance\/stocks\/america-is-still-headed-for-a-soft-landing-97db0be8\"><em>das Wall Street Journal<\/em><\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/078cc92a-015d-4cc3-9c5a-46849f359000\"><em>Financial Times<\/em><\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/02\/02\/business\/economy\/soft-landing-economy-inflation.html\"><em>New York Times<\/em><\/a> \u2013 hatten monatelang gefeiert, dass sich die Inflation zu verlangsamen scheint und dass die Wirtschaft eine \u201eweiche Landung\u201c erreichen, d. h. eine Rezession vermeiden w\u00fcrde. Die j\u00fcngsten Marktturbulenzen sind ein Zeichen daf\u00fcr, dass dies noch lange nicht sicher ist. Aber die Weltbank verk\u00fcndet eine neue \u201e<a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/publication\/global-economic-prospects\">Stabilit\u00e4t<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Und dennoch wurde dies von den Fachleuten der herrschenden Klasse mit Verwirrung aufgenommen. Die Masse der Menschen in den USA steht der Wirtschaft immer noch sehr kritisch gegen\u00fcber. Aber warum, wenn sie doch so eindeutig hervorragend ist?<\/p>\n<p>Was den Expert:innen entgangen ist, ist die wirtschaftliche Realit\u00e4t der armen und arbeitenden Bev\u00f6lkerung. Die Inflation ist zwar r\u00fcckl\u00e4ufig, aber die Preise sind seit <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/politics\/elections\/kamala-harris-economy-policy-election-2024-333a3751\">2019 um 19,5 Prozent<\/a> gestiegen. Die L\u00f6hne sind zwar gestiegen, aber sie werden durch die Inflation geschm\u00e4lert und sind heute <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/06\/19\/a-soft-landing-or-curates-egg\/\"><em>niedriger<\/em> als vor vier Jahren<\/a>. Das Lohnwachstum scheint insgesamt zum Stillstand gekommen zu sein, w\u00e4hrend die Kosten f\u00fcr Kinderbetreuung und Gesundheitsf\u00fcrsorge weiterhin immens hoch sind. Die <a href=\"https:\/\/reuters.com\/world\/us\/us-income-inequality-rose-3-years-through-2022-fed-data-shows-2023-10-18\/\">Ungleichheit<\/a> hat stark zugenommen, insbesondere die Kluft zwischen den reichsten Wei\u00dfen und den rassistisch unterdr\u00fcckten Bev\u00f6lkerungsgruppen. Der Kauf eines Hauses ist f\u00fcr viele Angeh\u00f6rige der Arbeiter:innenklasse mittlerweile unm\u00f6glich: Die durchschnittlichen Hauspreise sind seit 2020 <a href=\"https:\/\/www.fool.com\/the-ascent\/research\/average-house-price-state\/\">um 28 Prozent gestiegen<\/a>. Der \u00d6konom Michael Roberts weist darauf hin, dass die neuen Arbeitspl\u00e4tze, die jetzt geschaffen werden, \u00fcberwiegend Teilzeitarbeitspl\u00e4tze sind. Mehr und mehr bedeutet \u201e\u00fcber die Runden kommen\u201c <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/06\/19\/a-soft-landing-or-curates-egg\/\">in mehreren Jobs <\/a>arbeiten zu m\u00fcssen. In der Zwischenzeit sind die Gewinne <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/econres\/notes\/feds-notes\/corporate-profits-in-the-aftermath-of-covid-19-20230908.html\">in die H\u00f6he geschnellt<\/a>, von etwa 12 Prozent im Jahr 2020 auf 19 Prozent allein im Jahr 2021; der Reichtum der Gro\u00dfbourgeoisie ist in den Jahren der Pandemie <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2024-03-26\/americans-in-top-10-but-not-top-0-1-see-wealth-share-shrink\">sprunghaft angestiegen<\/a>.<\/p>\n<p>Doch die Bef\u00fcrchtungen mehren sich, dass es viel zu fr\u00fch ist, einen Erfolg zu verk\u00fcnden, selbst f\u00fcr die Reichen. Die US-Wirtschaft sendet weiterhin wichtige Rezessionssignale aus. Die Wirtschaft, schreibt die <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/2047fcd6-485b-4279-adac-2cb785efc5e7\"><em>Financial Times<\/em><\/a>, \u201everlangsamt sich nicht auf lineare Weise. Der Verlust der wirtschaftlichen Dynamik, der schon l\u00e4nger andauert und tiefer geht, als vielen bewusst zu sein scheint, kann zu einer sich selbst verst\u00e4rkenden Spirale werden. Arbeitslosigkeit, Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nde und Insolvenzen k\u00f6nnen pl\u00f6tzlich in die H\u00f6he schnellen, und ein Markt, der auf eine sanfte Landung eingestellt ist, k\u00f6nnte sich schnell wieder erholen.\u201c<\/p>\n<p>Der j\u00fcngste <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/livecoverage\/stock-market-today-dow-sp500-nasdaq-global-selloff-08-06-2024?mod=hp_lead_pos1\">Einbruch an den Aktienm\u00e4rkten<\/a> sch\u00fcrt die Bef\u00fcrchtung, dass eine \u201esanfte Landung\u201c \u00fcberhaupt nicht stattgefunden hat \u2013 wir fliegen immer noch durch die Luft.<\/p>\n<p><strong>Die herrschende Klasse fordert eine R\u00fcckkehr zur \u201eNormalit\u00e4t\u201c, und Harris und Trump wetteifern darum, ihr zu helfen<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorfreude der Wall Street auf die Zinssenkung der Fed \u2013 die die Seiten des <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/economy\/central-banking\/inflation-june-cpi-report-interest-rate-437fa772\"><em>Wall Street Journal<\/em><\/a> f\u00fcllte \u2013 l\u00e4sst eine herrschende Klasse erkennen, die eine \u201eR\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t\u201c erwartet: billige Kredite, niedrige Inflation, eine schw\u00e4chere Arbeiter:innenklasse.<\/p>\n<p>Dem Wirtschaftsaufschwung nach der Pandemie <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/business\/americas-post-covid-factory-boom-is-running-out-of-steam-be118b70?mod=mhp\">geht allm\u00e4hlich \u201edie Luft aus\u201c;<\/a> die Arbeitslosigkeit beginnt zu steigen; im Juli gab es Berichte \u00fcber ein stark <a href=\"https:\/\/www.npr.org\/2024\/08\/02\/nx-s1-5060216\/jobs-labor-employers-hiring-economy-recession\">verlangsamtes Besch\u00e4ftigungswachstum<\/a>. Das bedeutet, dass die Arbeiter:innen allm\u00e4hlich einige der Bedingungen verlieren \u2013 wie einen angespannten Arbeitsmarkt und eine niedrige Arbeitslosigkeit \u00a0\u2013, die ihnen mehr Einfluss gegen\u00fcber den Bossen verschafften und dazu beitrugen, die neue Welle von Streik- und Gewerkschaftsaktivit\u00e4ten auszul\u00f6sen. All dies gibt der herrschenden Klasse mehr Spielraum, um mit den Gewerkschaften und der Organisierung von Arbeiter:innen umzugehen. Und da die Inflation zur\u00fcckgeht, scheint die Federal Reserve kurz davor zu stehen, die Zinss\u00e4tze erneut zu senken. Dadurch wird es billiger, Geld zu leihen, und das hilft dem Finanz- und Unternehmenskapital, zu expandieren.<\/p>\n<p>Das sind die Bedingungen \u2013 und die Forderungen der herrschenden Klasse \u2013, die sowohl Harris als auch Trump \u00fcbernommen haben. In der Tat werden ihre Kampagnen durch die Millionen und Abermillionen von Dollar finanziert, die ihnen von den herrschenden Reichen w\u00e4hrend des <a href=\"https:\/\/www.forbes.com\/sites\/anafaguy\/2023\/09\/12\/more-than-10-billion-could-be-spent-on-2024-election-ads-which-would-make-it-the-costliest-cycle-ever\/\">teuersten Wahlzyklus der Geschichte<\/a> zur Verf\u00fcgung gestellt wurden.<\/p>\n<p>Aber Harris und Trump vertreten (obwohl es einige \u00dcberschneidungen gibt) konkurrierende \u201eFl\u00fcgel\u201c der herrschenden Klasse.<\/p>\n<p>Harris tritt Bidens Erbe an, scheint aber bisher f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/finance.yahoo.com\/news\/she-came-to-my-wedding-kamala-harris-tech-ties-complicate-trumps-effort-to-win-over-silicon-valley-130056086.html\">Kapitalist:innen des Silicon Valley<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/07\/31\/technology\/silicon-valley-investors-support-kamala-harris.html\">attraktiver<\/a> zu sein als Biden. Wahrscheinliche Gr\u00fcnde sind ihre Verbindung zu ihnen als Politikerin in Kalifornien und ihr Versprechen, bei der Regulierung <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/b625a0d3-b7e3-4ee7-bca4-f0126425f520\">weniger aggressiv<\/a> vorzugehen als Biden. Auch die Wall Street sieht Harris weitgehend als ihren Liebling an; die <em>Financial Times<\/em> berichtet, dass Geldgeber der Wall Street eine <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/b625a0d3-b7e3-4ee7-bca4-f0126425f520\">entscheidende Rolle<\/a> dabei spielten, Biden aus dem Rennen zu dr\u00e4ngen und die Ernennung von Harris zur Nachfolgerin sicherzustellen. Trump seinerseits hat bei <a href=\"https:\/\/www.vox.com\/politics\/361087\/trump-silicon-valley-fundraising-musk-andreessen-horowitz\">einigen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/07\/31\/us\/politics\/trump-musk-super-pac.html\">Dissidenten aus dem Silicon Valley wie Elon Musk<\/a>, aus Teilen des <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/us\/who-are-mega-rich-donors-backing-trump-2024-04-26\/\">Finanzkapitals<\/a>, aus der <a href=\"https:\/\/www.usatoday.com\/story\/news\/investigations\/2024\/07\/06\/biggest-joe-biden-donald-trump-rfk-donors\/74283755007\/\">Immobilien-, Energie- und Unterhaltungsbranche<\/a> sowie bei einheimischen Produktionsfirmen wie <a href=\"https:\/\/www.ussteel.com\/perspective-detail\/-\/blogs\/u-s-steel-comments-on-president-trump-s-executive-orders-on-trade\">U.S. Steel<\/a> R\u00fcckhalt gefunden.<\/p>\n<p>Und sie bieten unterschiedliche Strategien an, <em>wie<\/em> die Wirtschaft wieder auf eine stabile, sichere Grundlage f\u00fcr die Gewinnerzielung gestellt werden kann.<\/p>\n<p>Harris beerbt Bidens Version des Wirtschaftspopulismus, der versprochen hatte, \u201ewieder besser aufzubauen\u201c (mit <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-democratic-party-and-capitalisms-economic-contradictions\/\">begrenzten Ergebnissen<\/a>). \u201eEtwas Radikales wird sich \u00e4ndern m\u00fcssen\u201c, schreibt die<em> Financial Times<\/em>, \u201ewenn \u2026 Bidenomics den Abgang von Biden nicht \u00fcberlebt.\u201c Sie wird zweifellos Bidens gezielte Z\u00f6lle auf China \u2013 ein Erbe von Trump \u2013 sowie Subventionen f\u00fcr gr\u00fcne Energie fortsetzen, insbesondere um Autoherstellern zu helfen, auf dem Markt f\u00fcr Elektrofahrzeuge mit China konkurrieren zu k\u00f6nnen. Sie <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/politics\/elections\/kamala-harris-economy-policy-election-2024-333a3751\">fordert<\/a> bezahlten Familienurlaub und sagt, dass sie die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede angehen wird \u2013 und setzt damit den Ansatz der Zugest\u00e4ndnisse von Biden fort, um den Klassenkampf und seine St\u00f6rungen, wie Streiks, zu d\u00e4mpfen. Diese Art von Zugest\u00e4ndnissen scheint ein wesentlicher Bestandteil von Harris\u2018 Strategie zu sein, um das Profitstreben zu sch\u00fctzen und zu erhalten.<\/p>\n<p>Aber das Erbe Bidens birgt gro\u00dfe Gefahren. Sein Eintreten f\u00fcr hohe Ausgaben trug zur Inflation bei; seine populistischen Botschaften \u00fcber Steuererh\u00f6hungen f\u00fcr die Wall Street ver\u00e4rgerten genau die Gro\u00dfkapitalist:innen, die dazu beitrugen, ihn aus dem Amt zu dr\u00e4ngen und Harris zu salben. Sie balanciert also zwischen der Beschwichtigung ihrer Spender:innen und den Interessen der herrschenden Klasse, w\u00e4hrend sie gleichzeitig die K\u00e4mpfe der Arbeiter:innen und Unterdr\u00fcckten einschr\u00e4nkt, die f\u00fcr eine immer noch fragile Wirtschaft radikal st\u00f6rend sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Das Gleiche gilt f\u00fcr Trumps wirtschaftliche Versprechen. Er fordert die Art von umfassenden Z\u00f6llen \u2013 vor allem gegen China \u2013, die seine erste Amtszeit kennzeichnete (und die Biden \u00fcbernommen und verbessert hat), eine protektionistische Politik, die ein Angebot an inl\u00e4ndische Unternehmen und ein populistisches Spiel f\u00fcr einen Teil der Arbeiter:innenklasse ist. Und er deutet eine m\u00f6glicherweise <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/economy\/central-banking\/trump-allies-federal-reserve-independence-54423c2f\">aggressive Haltung<\/a> gegen\u00fcber der US-Notenbank und ihrer Zinspolitik an und dr\u00e4ngt vielleicht sogar auf eine st\u00e4rkere Kontrolle der Notenbank durch die Exekutive. Doch all diese Schritte bergen auch gro\u00dfe Gefahren. Ein Eingreifen in die Fed k\u00f6nnte die Marktstabilit\u00e4t f\u00fcr die herrschende Klasse bedrohen, aber auch die Einf\u00fchrung von hohen <a href=\"https:\/\/www.cbsnews.com\/news\/trump-tariffs-proposal-10-percent-1700-cost-per-us-household\/\">Z\u00f6llen<\/a>, die die Inflation anheizen k\u00f6nnten, indem sie die Schleusen f\u00fcr Ausgaben \u00f6ffnen \u2013 Gefahren, die zweifellos dazu beitragen, dass Sektoren der Wall Street sich Harris zuwenden.<\/p>\n<p>Die Strategien unterscheiden sich, aber das Ziel ist das gleiche: die R\u00fcckkehr zu einer \u201enormalen\u201c Wirtschaft, die die Profite der herrschenden Klasse sicherstellt.<\/p>\n<p><strong>\u201eNormal\u201c ist nichts anderes als eine Krise<\/strong><\/p>\n<p>Die Kapitalist:innen haben Recht: Die Weltwirtschaft wird wieder \u201enormal\u201c. Aber diese Normalit\u00e4t ist eine Krise.<\/p>\n<p>Oder, genauer gesagt, die \u201enormale\u201c Wirtschaft existiert am Schnittpunkt zweier ineinandergreifender, untrennbarer Krisen, die sich zu einer Katastrophe f\u00fcr die Arbeiter:innenklasse und den Planeten verbinden.<\/p>\n<p>Das \u201ereale BIP\u201c oder \u201eBruttoinlandsprodukt\u201c der USA ist ein Schl\u00fcsselma\u00df, das b\u00fcrgerliche \u00d6konom:innen verwenden, um die gesamte wirtschaftliche Aktivit\u00e4t und \u201eGesundheit\u201c eines Landes zu messen. Im Moment w\u00e4chst es um etwa 2,8 Prozent. (Zum Vergleich: In den sp\u00e4ten 1960er Jahren lag das BIP-Wachstum im Bereich von 6 Prozent).<\/p>\n<p>Aber der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) \u2013 eines der wichtigsten internationalen Wirtschaftsgremien der Welt, das von den Imperialist:innen dominiert wird \u2013 sagt eine ern\u00fcchternde Verlangsamung voraus.<\/p>\n<p>Lassen wir einmal beiseite, dass die Gefahr einer Rezession noch lange nicht gebannt wurde. Selbst wenn die \u201eweiche Landung\u201c gelingt, prognostiziert der IWF <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Publications\/WEO\/Issues\/2024\/07\/16\/world-economic-outlook-update-july-2024\">in nur einem Jahr<\/a>, 2025, eine reale BIP-Wachstumsrate von etwa 1,9 Prozent, und er scheint mittelfristig ein \u00e4hnliches Wachstumsmuster vorauszusagen. Das durchschnittliche reale BIP-Wachstum in den USA lag in den 1980er Jahren bei 3,36 Prozent; in den 1990er Jahren stieg es auf 3,45 Prozent; im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre (in dem es eine gro\u00dfe Finanzkrise gab) lag es bei 1,78 Prozent und stieg von 2011 bis 2019 wieder auf 2,36 Prozent. Mit anderen Worten: Der IWF sagt voraus, dass das US-Kapital zu einem langsamen Wachstum wie in den fr\u00fchen 2000er Jahren zur\u00fcckfallen wird. F\u00fcr die herrschende Klasse \u2013 f\u00fcr sie ist konstantes Wachstum immer das Ziel (ungeachtet der \u00f6kologischen oder menschlichen Kosten) \u2013 ist dies alarmierend.<\/p>\n<p>Es sind nicht nur die USA, die Verlangsamung ist <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/01\/16\/davos-and-the-melting-world-economy\/\">global<\/a>. Der IWF schreibt in seinem j\u00fcngsten Bericht:<\/p>\n<p><em>Die Weltwirtschaft hat zwar eine bemerkenswerte Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber den j\u00fcngsten Schocks bewiesen, ist aber mit einer ern\u00fcchternden Realit\u00e4t konfrontiert: Die mittelfristigen Wachstumsaussichten wurden seit der globalen Finanzkrise 2008\/09 kontinuierlich nach unten korrigiert. Dies spiegelt einen Abw\u00e4rtstrend des tats\u00e4chlichen globalen Wachstums wider, wobei die Abschw\u00e4chung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Anfang der 2000er Jahre und in den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern nach der Krise begann.<\/em><\/p>\n<p>Allerdings ist das Problem <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/06\/19\/a-soft-landing-or-curates-egg\/\">von Land zu Land<\/a> sehr ungleich verteilt; die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Eurozone, Deutschland, erlebt <a href=\"https:\/\/www.semafor.com\/article\/07\/30\/2024\/europe-economy-gdp-germany-recession-q2-2024\">eine regelrechte Rezession<\/a>; auch Japan erlebt so etwas wie eine Bruchlandung.<\/p>\n<p>Und \u00d6konom:innen sagen voraus, dass die Kluft zwischen ihnen und den \u201eEntwicklungsl\u00e4ndern\u201c, aus denen sie <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/a-labor-aristocracy-exists-and-its-evolving-a-reply-to-charlie-post\/\">gro\u00dfe Mengen an Reichtum sch\u00f6pfen<\/a>, immer gr\u00f6\u00dfer wird. \u201eIn diesem Jahr\u201c, <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2024\/06\/11\/global-economic-prospects-june-2024-press-release\">so die Weltbank<\/a>, \u201ewird voraussichtlich jedes vierte Entwicklungsland \u00e4rmer sein als am Vorabend der Pandemie im Jahr 2019. Dieser Anteil ist f\u00fcr L\u00e4nder in fragilen und konfliktbetroffenen Situationen doppelt so hoch.\u201c<\/p>\n<p>Das liegt zum gro\u00dfen Teil daran, dass <a href=\"https:\/\/brill.com\/view\/journals\/hima\/29\/4\/article-p23_2.xml?language=en\">der Reichtum aus diesen L\u00e4ndern in den imperialistischen Kern flie\u00dft<\/a> und dass das Kapital dieses Kerns den \u201eEntwicklungsl\u00e4ndern\u201c Geld leiht. Dabei zwingt der imperialistische Kern diesen L\u00e4ndern gro\u00dfe strukturelle Ver\u00e4nderungen auf, um sicherzustellen, dass sie ihre Schulden abbezahlen, z. B. Sparma\u00dfnahmen im \u00f6ffentlichen Dienst, die Zerschlagung von Gewerkschaften usw. \u2013 was vor allem die Armen und die Arbeiter:innenklasse bestraft. Indermit Gill, Chefvolkswirt der Weltbank, einer weiteren gro\u00dfen imperialistischen Finanzinstitution der Welt, stellt diese bestrafende Realit\u00e4t fest, auch wenn er auf die Art von Sparma\u00dfnahmen dr\u00e4ngt, <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2023\/10\/09\/imf-world-bank-should-be-demanding-universal-social-security-not-austerity\">auf die sich<\/a> Weltbank und IWF <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2023\/10\/09\/imf-world-bank-should-be-demanding-universal-social-security-not-austerity\">spezialisiert haben<\/a>:<\/p>\n<p><em>Vier Jahre nach den durch die Pandemie, die Konflikte, die Inflation und die Straffung der Geldpolitik verursachten Umw\u00e4lzungen scheint sich das weltweite Wirtschaftswachstum zu stabilisieren. [\u2026] Allerdings liegt das Wachstum auf einem niedrigeren Niveau als vor 2020. Die Aussichten f\u00fcr die \u00e4rmsten Volkswirtschaften der Welt sind sogar noch besorgniserregender. Sie sind mit einem hohen Schuldendienst, eingeschr\u00e4nkten Handelsm\u00f6glichkeiten und kostspieligen Klimaereignissen konfrontiert. Die Entwicklungsl\u00e4nder m\u00fcssen Wege finden, um private Investitionen zu f\u00f6rdern, die Staatsverschuldung abzubauen und die Bildung, das Gesundheitswesen und die grundlegende Infrastruktur zu verbessern.<\/em><\/p>\n<p>Diese Verlangsamung des kapitalistischen Wachstums ist keine Anomalie. Es ist das Ergebnis einer doppelten, dr\u00fcckenden und langfristigen Krise der kapitalistischen Wirtschaft, mit der jeder US-Pr\u00e4sident seit Jahrzehnten konfrontiert ist \u2013 und in der der Anstieg der Gewinne nach der Pandemie nur eine Randerscheinung ist.<\/p>\n<p>Die erste ist der R\u00fcckgang der Rentabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Marx schreibt im <em>Kapital<\/em>, dass im Kapitalismus die Profitrate \u2013 die Rendite der kapitalistischen Investition \u2013 tendenziell sinkt. Das liegt daran, dass der Profit nur aus menschlicher Arbeit entsteht. Die Kapitalist:innen versuchen jedoch \u2013 in ihrem endlosen Wettbewerb miteinander \u2013 die Produktivit\u00e4t der Arbeit zu steigern. Das macht die Produktion einer Ware billiger und kann vor\u00fcbergehend auch die Profite erh\u00f6hen, w\u00e4hrend gleichzeitig die Menge der f\u00fcr die Produktion ben\u00f6tigten Arbeit sinkt. Das ist das Problem: Der Kapitalismus neigt dazu, sich mehr und mehr auf arbeitssparende Techniken und Technologien zu st\u00fctzen, aber relativ weniger auf menschliche Arbeit. Aber wenn der Wettbewerb andere Unternehmen dazu bringt, den gleichen Ansatz zu verfolgen, sinkt die Profitrate; die Menge an gewinnbringender <em>menschlicher<\/em> Arbeit nimmt relativ ab.<\/p>\n<p>F\u00fcr Marx ist dies, wie wir uns erinnern m\u00fcssen, <em>keine<\/em> Weltuntergangsvorhersage und auch kein \u201eNaturgesetz\u201c. Die herrschende Klasse und der Staat bek\u00e4mpfen diesen R\u00fcckgang der Profitrate, wie immer sie k\u00f6nnen; die Tendenz und ihre Ergebnisse werden letztlich durch den Klassenkampf und das Gleichgewicht der Klassenkr\u00e4fte bestimmt. Der Kapitalismus hat kein \u201eVerfallsdatum\u201c und wird nicht eines nat\u00fcrlichen Todes sterben \u2013 er muss get\u00f6tet werden.<\/p>\n<p>Wie Michael Roberts (zusammen mit Carchedi und anderen) argumentiert hat, sehen wir, dass diese strauchelnde Profitrate jetzt tief in die Weltwirtschaft wirkt (siehe z. B. <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/05\/27\/what-went-wrong-with-capitalism\/\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/04\/14\/the-tepid-twenties\/\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2022\/01\/22\/a-world-rate-of-profit-important-new-evidence\/\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Diese Krise der <em>Rentabilit\u00e4t<\/em> kann nicht von der Krise der <em>Produktivit\u00e4t<\/em> getrennt werden. Das Produktivit\u00e4tswachstum war bestenfalls lau und ist zeitweise v\u00f6llig zum Stillstand gekommen. Mit anderen Worten, die Entwicklung wirklich effektiver arbeitssparender Technologien ist nahezu zum Stillstand gekommen, wor\u00fcber ich bereits <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-democratic-party-and-capitalisms-economic-contradictions\/\">ausf\u00fchrlich<\/a> geschrieben habe. Es wird einfach weniger in die Herstellung solcher Technologien investiert, eine R\u00fcckkopplungsschleife zwischen der <em>Produktivit\u00e4tskrise<\/em> und der <em>Rentabilit\u00e4tskrise<\/em>.<\/p>\n<p>Das Produktivit\u00e4tswachstum in den USA hat sich nach den 1970er Jahren stark verlangsamt, und um das Jahr 2000 herum kam es fast zum Stillstand. Selbst die scheinbar enormen technologischen Fortschritte der letzten 30 Jahre haben diesen Trend nicht umkehren k\u00f6nnen. Das Aufkommen von PCs und des Internets in den 1990er Jahren hat das Gewinn- und Produktivit\u00e4tswachstum zwar kurzfristig angekurbelt, aber nur f\u00fcr begrenzte Zeit.<\/p>\n<p>Selbst der neue, viel gepriesene <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/06\/06\/ai-again\/\">Investitionsschub in die K\u00fcnstliche Intelligenz<\/a> scheint keinen nennenswerten Einfluss auf das Produktivit\u00e4tswachstum gehabt zu haben. Zum Teil, weil die Entwicklung und der Betrieb einer solchen Technologie kapital- bzw. zeit- und kostenintensiv sind und weil es darauf ankommt, wo und wie sie eingesetzt werden kann. Auf der einen Seite erscheint dies seltsam, denn die profitabelsten Aktien sind derzeit die der \u201eMagnificent Seven\u201c, also Aktien, die sich mit neuen Technologien besch\u00e4ftigen. Nvidia, ein Pionier der f\u00fcr die KI ben\u00f6tigten Hardware, ist heute das <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/technology\/2024\/06\/27\/nvidia-most-valuable-company-stock-key-moments\/\">wertvollste Unternehmen der Welt<\/a>. Andererseits scheint sich dies nicht in neuen Produktivit\u00e4tsspr\u00fcngen niederzuschlagen, die die doppelte Krise des Kapitalismus \u00fcberwinden k\u00f6nnten. Die Investitionen in neue Infrastrukturen \u2013 \u201eInvestitionsausgaben\u201c (capital expenditures, kurz: capex) \u2013 sind in letzter Zeit <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/series\/BOGZ1FA105050005Q\">kaum gestiegen<\/a> (dies ist zwar eine unvollkommene, indirekte Messung, aber ein hilfreicher erster Hinweis). Von 2022 bis 2024 gab es einen sprunghaften Anstieg der Investitionsausgaben, mit Raten, die denen der 1960er Jahre entsprachen. Doch von 2023 bis 2024 \u2013 als sich die KI-Technologien st\u00e4rker durchsetzten \u2013 brachen diese Ausgaben wieder ein und kehrten damit zur An\u00e4mie der 1980er und 2010er Jahre zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die tats\u00e4chliche L\u00f6sung dieser beiden Krisen des Kapitalismus bedeutet in der Regel massive Zerst\u00f6rungsorgien. Nehmen wir zum Beispiel den letzten gro\u00dfen Sprung in der Produktivit\u00e4t und in der Rentabilit\u00e4t im globalen Kapitalismus \u2013 das \u201egoldene Zeitalter\u201c der 1940er bis 1950er Jahre in den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>Dem ging eine <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-democratic-party-and-capitalisms-economic-contradictions\/\">Periode anhaltender Zerst\u00f6rung<\/a> voraus: ein Weltkrieg, eine Weltwirtschaftskrise, ein weiterer Weltkrieg. Nachdem gro\u00dfe Teile der Infrastruktur wie St\u00e4dte und Fabriken zerst\u00f6rt (und gro\u00dfe Teile des menschlichen Lebens ausgel\u00f6scht) worden waren und gro\u00dfe Teile der Wirtschaft untergegangen waren, konnten die \u00fcberlebenden Monopolunternehmen die untergegangenen Firmen und die Infrastruktur billig aufkaufen. Sie konnten das Kapital effizienter konzentrieren und zentralisieren und in neue Technologien investieren, um die Welt wieder aufzubauen. Hinzu kommt, dass die US-Regierung riesige Mengen an Maschinen in den Fabriken ersetzte \u2013 sie installierte die neuesten, produktivsten Modelle ohne Kosten f\u00fcr Unternehmen wie Ford \u2013, um ihre R\u00fcstung zu bauen. Diese Modelle behielten Kapitalist:innen dann und stellten sie f\u00fcr die zivile Produktion um, als der Krieg vorbei war. <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/marx\/works\/subject\/hist-mat\/capital\/vol1-ch26.htm\">Die Geschichte des Kapitalismus ist mit Blut und Feuer geschrieben<\/a>; seine Zukunft ist von Rauch und Blut umgeben.<\/p>\n<p>Harris und Trump haben keine wirklichen Antworten auf die fundamentalen Krisen des Kapitals, die f\u00fcr die Weltwirtschaft von grundlegender Bedeutung sind. Harris\u2018 Versprechungen, die vom linken Fl\u00fcgel der Demokratischen Partei aufgegriffen werden, \u00e4ndern nichts an dieser Realit\u00e4t. Aber diese Krisen bergen enorme Gefahren in sich.<\/p>\n<p><strong>Aus der Krise k\u00f6nnen wir uns nur selbst retten<\/strong><\/p>\n<p>Diese beiden langen Krisen des Kapitalismus bestimmen die dynamische Realit\u00e4t, in der sich Harris und Trump befinden. Mit anderen Worten sind beide mit den grundlegenden Widerspr\u00fcchen der globalen Wirtschaft konfrontiert.<\/p>\n<p>Diese Krisen h\u00e4ngen zusammen mit der Bedrohung durch noch viel akutere Krisen. Erstens besteht die Gefahr, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abrutscht, w\u00e4hrend die Inflation noch hoch ist. Sollte dies eintreten, wird jede:r neue Pr\u00e4sident:in mit unsicheren Aussichten konfrontiert sein. Umfangreiche \u00f6ffentliche Ausgaben zur Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit oder schleppende Ausgaben w\u00e4ren \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich, da sie die Inflation in die H\u00f6he treiben k\u00f6nnten. Sparma\u00dfnahmen wie die K\u00fcrzung \u00f6ffentlicher Ausgaben zur Steuersenkung k\u00f6nnten die Arbeiter:innen und Unterdr\u00fcckten ermutigen, sich zu wehren \u2013 wir sind in den letzten Jahren des Kampfes auf der Stra\u00dfe und am Arbeitsplatz mutiger und selbstbewusster geworden.<\/p>\n<p>Eine weitere Gefahr, die sich abzeichnet, ist die einer pl\u00f6tzlichen Finanzkrise. Da es nur wenige rentable Investitionsm\u00f6glichkeiten gibt, wenden sich die Unternehmen dem Aktienmarkt und dem \u201efiktiven Kapital\u201c zu, um ihre Gewinne zu steigern, was zu Investitionsblasen f\u00fchrt. Der sprunghafte Anstieg der Kosten f\u00fcr Technologieaktien \u2013 als Ergebnis eines Investitionsrausches in KI \u2013 k\u00f6nnte eine solche Blase sein oder zu einer solchen f\u00fchren, obwohl es noch zu fr\u00fch ist, um das zu sagen; wir sehen bereits einen teilweisen <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2024-07-23\/stock-market-today-dow-s-p-live-updates?srnd=homepage-americas\">Zusammenbruch ihres Wertes<\/a>, nachdem k\u00fcrzlich eine Flut von Geld in sie geflossen ist. Auch <a href=\"https:\/\/ig.ft.com\/private-equity\/\">das Bankensystem<\/a> weist erhebliche <a href=\"https:\/\/ig.ft.com\/private-equity\/\">Schwachstellen<\/a> auf, die von neuen Formen des privaten Beteiligungskapitals herr\u00fchren. Private-Equity-Firmen verwickeln das regionale Bankensystem zunehmend in ein Schuldengeflecht, das die Gefahr einer ausgewachsenen Finanzkrise in sich birgt; bereits im letzten Jahr gab es <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/markets\/us\/regional-banks-face-big-hurdles-year-after-svb-collapse-2024-03-07\/\">Anzeichen von Instabilit\u00e4t<\/a> im mittelgro\u00dfen Bankensystem. Eine solche Krise k\u00f6nnte zum Zusammenbruch von <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2022\/03\/06\/fallen-angels\/\">\u201eZombie\u201c-Unternehmen<\/a> f\u00fchren, die seit langem unter einer enormen Schuldenlast dahinvegetieren.<\/p>\n<p>Und die Langzeitkrisen des Kapitalismus f\u00fchren die herrschenden Klassen der Welt in andere heftige Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Angesichts des sich abzeichnenden geringen Wachstums fordert der IWF <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Publications\/WEO\/Issues\/2024\/04\/16\/world-economic-outlook-april-2024\">die Herrschenden auf<\/a>, mehr soziale Sparma\u00dfnahmen zu ergreifen, das hei\u00dft, die Mittel f\u00fcr \u00f6ffentliche Programme zu k\u00fcrzen, um die Verschuldung im Interesse der \u201efiskalischen Gesundheit\u201c zu reduzieren. Der IWF begr\u00fcndet dies mit der Gefahr, die von den hohen schuldenfinanzierten \u00f6ffentlichen Ausgaben in L\u00e4ndern wie den USA ausgeht: Bei einer weiteren Inflationskrise und steigenden Zinss\u00e4tzen wird die R\u00fcckzahlung solcher Schulden f\u00fcr ein Land sehr viel teurer und problematischer. Mit anderen Worten, die wirtschaftliche Situation macht die gro\u00dfen Ausgabenprogramme der \u201eBidenomics\u201c weit weniger haltbar \u2013 w\u00e4hrend ein aggressiverer Angriff gegen die Arbeiter:innenklasse am Horizont erscheint.<\/p>\n<p>Und wir sehen immer wieder best\u00e4tigt, dass wir in einer Zeit des Krieges leben. Die ungel\u00f6sten globalen Wirtschaftskrisen sch\u00fcren dieses Feuer: Angesichts der geringen Rentabilit\u00e4t werfen die herrschenden Kapitalist:innen der imperialistischen L\u00e4nder besorgte Blicke um den Globus. Wo werden neue Investitionsgebiete erschlossen? Und wer bedroht unser ohnehin d\u00fcnnes Wachstum? Das Gerangel um die Position, der \u201eMan\u00f6verkrieg\u201c zwischen der NATO und Russland, hat bereits einen hei\u00dfen Krieg vor den Toren Europas ausgel\u00f6st, den gr\u00f6\u00dften seit dem Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Die USA versuchen st\u00e4ndig, China zu \u00fcberfl\u00fcgeln und einzud\u00e4mmen. Derweil hat Chinas explosionsartiger Eintritt in den Markt f\u00fcr Elektrofahrzeuge die US-Kapitalist:innen und -Politiker:innen in Angst und Schrecken versetzt. Das st\u00e4ndige Man\u00f6vrieren der imperialen Kriegsmaschinerie ist Teil eines Kampfes zwischen zwei L\u00e4ndern, die sich auf etwas <a href=\"https:\/\/economictimes.indiatimes.com\/news\/international\/us\/us-will-lose-future-war-against-china-russia-says-defense-strategy-commission-here-is-report-in-detail\/articleshow\/112177239.cms?from=mdr\">vorbereiten<\/a>, was <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/national-security\/2024\/03\/29\/us-china-taiwan-marines\/\">zunehmend<\/a> als unvermeidlicher Krieg angesehen wird.<\/p>\n<p>Israels V\u00f6lkermord in Gaza zeigt, wie akut und entsetzlich diese Spannungen werden. Die herrschende Klasse der USA und ihre Politiker:innen sehen sich dazu getrieben, Israel aufgrund ihrer imperialistischen Interessen in der Region zu unterst\u00fctzen. Sie wollen das sichern, was sie als Stabilit\u00e4t in einem Nahen Osten ansehen, der f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/mena\/04econ.htm\">F\u00f6rderung und den Vertrieb<\/a> von \u00d6l und anderen wichtigen Elementen entscheidend ist. Israels gewaltsame Besetzung Pal\u00e4stinas hat jedoch nicht nur zu seinem derzeitigen V\u00f6lkermord gef\u00fchrt, sondern auch zu der sehr realen Aussicht, einen regionalen Krieg auszul\u00f6sen, der den Nahen Osten in ein noch gr\u00f6\u00dferes Chaos st\u00fcrzen und die globalen Versorgungsketten von G\u00fctern wie \u00d6l unterbrechen w\u00fcrde. Die Krisen des Kapitalismus selbst f\u00fchren zu immer neuen, immer gewaltt\u00e4tigeren Br\u00fcchen in seiner Herrschaft.<\/p>\n<p>Und inmitten all dessen bahnt sich die Klimakatastrophe an, die das Ergebnis eines Systems ist, das auf dem Streben nach endlosem Wachstum und Profitmaximierung aufgebaut ist.<\/p>\n<p>Die Demokratische Partei hat lange Zeit eine kapitalistische L\u00f6sung f\u00fcr den Klimawandel proklamiert: einen \u201egr\u00fcnen Kapitalismus\u201c. Dieser Traum ist ins Wanken geraten. Der Grund: <a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/06\/23\/fixing-the-climate-it-just-aint-profitable\/\">Er ist einfach nicht sehr profitabel<\/a> und kann daher keine ausreichenden Investitionssummen anh\u00e4ufen. Selbst wenn Harris in einer alternativen Welt ein gro\u00dfes Ausgabenprogramm wie den \u201eGreen New Deal\u201c, der vom linken Fl\u00fcgel ihrer Partei unterst\u00fctzt wird, bef\u00fcrworten w\u00fcrde \u2013 was weit hergeholt ist \u2013, w\u00e4re die Gefahr eines erneuten Anstiegs der Inflation enorm!<\/p>\n<p>Das imperialistische Streben nach Sicherung der Profite auf der ganzen Welt, nach Steigerung und Sicherung der Profite und des Konsums, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2023\/nov\/02\/heating-faster-climate-change-greenhouse-james-hansen\">beschleunigt<\/a> die Klimakatastrophe nur. Der gr\u00f6\u00dfte Umweltverschmutzer in der Geschichte der Welt ist die US-Milit\u00e4rmaschinerie, die immer mehr Energie und Umweltverschmutzung aufwenden muss, um die Interessen der Herrschenden zu sichern. Der Imperialismus ist die h\u00f6chste Stufe des Kapitalismus, und die Klimakatastrophe ist die h\u00f6chste Stufe des Imperialismus.<\/p>\n<p>Selbst w\u00e4hrend sich die Wirtschaft stabilisiert, lauert hinter den Kulissen ein versch\u00e4rfter Klassenkampf, der auf seine Chance wartet, wieder ins Spiel zu kommen. Die Dynamik der wirtschaftlichen Situation verspricht, der extremen Rechten Auftrieb zu geben. Das hei\u00dft, je mehr die Demokratische Partei Ideen vertritt, die die grundlegenden Widerspr\u00fcche des Kapitalismus nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen, desto mehr kann die extreme Rechte an die bedr\u00e4ngten Kleinunternehmer:innen und Teile der wei\u00dfen Arbeiter:innenklasse appellieren, um sie f\u00fcr ihre eigenen rassistischen, nationalistischen und transphoben \u201eL\u00f6sungen\u201c hinter den Interessen des Gro\u00dfkapitals zu versammeln. Aber gleichzeitig sehen Arbeiter:innen und Jugendliche die Gewerkschaften und den Sozialismus so positiv wie seit Generationen nicht mehr, und das Abschlachten des pal\u00e4stinensischen Volkes treibt junge Menschen und Arbeiter:innen auf die Stra\u00dfe und sogar in den Streik. Sie gehen aus der pandemischen Wirtschaftskrise mit einem st\u00e4rkeren Bewusstsein f\u00fcr ihre Macht \u00fcber die Wirtschaft hervor.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir die strudelnde Maschinerie des Kapitalismus aufhalten? Die Antwort h\u00e4ngt ganz von uns ab, nicht von den kandidierenden Million\u00e4r:innen: Sie h\u00e4ngt davon ab, wie gut wir uns organisieren und auf die Aufgabe vorbereiten.<\/p>\n<p>Trump und Harris wollen die Profitmacherei der Kapitalist:innen sichern, jede:r auf seine\/ihre Weise. Aber auf einem brennenden Planeten gibt es kein kleineres \u00dcbel. Wir m\u00fcssen das System, das sie beide sch\u00fctzen wollen, beenden. Keine b\u00fcrgerliche Partei kann das tun.<\/p>\n<p>Vor allem die Demokratische Partei \u2013 durch Harris und mit Hilfe von Bernie Sanders und des Squad \u2013 will uns hinter den Kapitalist:innen einreihen. Wir m\u00fcssen die Ketten zerschneiden, die uns hinter dem Wagen der herrschenden Klasse herziehen. Das bedeutet, dass wir unsere eigene Partei f\u00fcr und von der Arbeiter:innenklasse aufbauen m\u00fcssen, die <a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/socialism-or-capitalist-despair-a-manifesto-for-a-working-class-party\/\">f\u00fcr uns selbst und f\u00fcr den Sozialismus k\u00e4mpft<\/a>. Es ist an der Zeit, uns ein f\u00fcr alle Mal von unseren Aufseher:innen zu befreien.<\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien zuerst auf Englisch unter dem Originaltitel \u201eThe Economics of Lesser Evilism\u201c am 8. August 2024 auf <\/em><a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-economics-of-lesser-evilism\/\">Left Voice<\/a>.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/harris-trump-und-die-rueckkehr-zur-wirtschaftlichen-normalitaet\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. August 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jason Koslowski. Die Kampagnen von Harris und Trump finden in einer Wirtschaft statt, in der die herrschende Klasse versucht, zu \u201enormalen\u201c Bedingungen zur\u00fcckzukehren. 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