{"id":14823,"date":"2024-08-26T09:56:09","date_gmt":"2024-08-26T07:56:09","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14823"},"modified":"2024-08-26T09:56:11","modified_gmt":"2024-08-26T07:56:11","slug":"fruehgeschichte-der-kpoe-wie-der-kampf-um-die-raeterepublik-scheiterte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14823","title":{"rendered":"Fr\u00fchgeschichte der KP\u00d6: Wie der Kampf um die R\u00e4terepublik scheiterte"},"content":{"rendered":"<p><em>David Reisinger.<\/em> \u201eDie ganze Woche \u00fcber Furcht vor der Kommunistenrevolution in Wien\u201c, dieser h\u00fcbsche Satz ist kein mediales Schreckgespenst im Angesicht der aktuellen Wahlsiege der KP\u00d6, sondern stammt aus 1919 vom deutschnationalen Politiker Josef Redlich. Die KP\u00d6 (damals KPD\u00d6) ist eine der \u00e4ltesten kommunistischen Parteien der Welt. Sie entstand im Zuge<!--more--> eines revolution\u00e4ren Umbruchs. Dieser beendete nicht nur die 600 Jahre dauernde Herrschaft der Habsburger \u00fcber weite Teile Mitteleuropas, von November 1918 bis Juni 1919 war die Ausrufung einer R\u00e4terepublik eine reale M\u00f6glichkeit. Die KPD\u00d6 versuchte diese R\u00e4terepublik Realit\u00e4t werden zu lassen und scheiterte an der SDAP (SP\u00d6) und dem eigenen \u00dcbermut.<\/p>\n<p>Auch wenn es heute gerne unterschlagen wird, stand \u00d6sterreich 1919 kurz vor einer sozialistischen Revolution. Dazu die beiden f\u00fchrenden Sozialdemokraten Friedrich Adler \u2013 \u201eEs gibt wohl keinen anderen Staat, wo es seit dem Novemberumsturz f\u00fcr die Arbeiterklasse so leicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, die ganze Macht an sich zu rei\u00dfen, wie gerade in Deutsch\u00f6sterreich\u201c \u2013 und Otto Bauer: \u201eArbeiter und Soldaten h\u00e4tten jeden Tag die Diktatur des Proletariats aufrichten k\u00f6nnen. Es gab keine Gewalt, sie daran zu hindern.\u201c Wie kam es zu dieser revolution\u00e4ren Krise.<\/p>\n<p><strong>Revolution in Russland<\/strong><\/p>\n<p>Den Bolschewiki um Lenin und Trotzki war es in Russland gelungen, vier unterdr\u00fcckte Gruppen zu einer m\u00e4chtigen Einheit zu formen. Sie hatten die Forderung der Bauern und B\u00e4uerinnen nach Land und die Aufteilung des Gro\u00dfgrundbesitzes von Adel und Klerus unterst\u00fctzt. Mit den unterdr\u00fcckten Nationalit\u00e4ten des Zarenreiches k\u00e4mpften sie f\u00fcr deren Unabh\u00e4ngigkeit, und mit der Arbeiter:innenklasse f\u00fcr die Kontrolle \u00fcber die Fabriken. Und \u00fcber allen schwebte die entscheidende Forderung nach sofortigem Friedensschluss im Ersten Weltkrieg. Die russischen Revolutionen waren jedoch nicht das Werk einer kleinen Partei, die \u00fcber keinerlei R\u00fcckhalt innerhalb der Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgte. Selbst der russische Sozialdemokrat und ausgemachte Bolschewikenfeind Martov musste dies anerkennen: \u201eVon milit\u00e4rischer Verschw\u00f6rung statt nationalem Aufstand zu sprechen, obwohl die Partei von der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes unterst\u00fctzt wurde (\u2026) ist absurd.\u201c<\/p>\n<p>Das zentrale Organ der Russischen Revolution waren die R\u00e4te\/Sowjets. In Fabriken, Bauernd\u00f6rfern und Armeeeinheiten hatten sich die Menschen in gro\u00dfen Versammlungen organisiert, um demokratisch ihre Vertreter zu w\u00e4hlen, die im Unterschied zu Parlamentariern kein h\u00f6heres Gehalt bekamen und ihren W\u00e4hler:innen direkt verantwortlich waren. Im Zuge der Oktoberrevolution \u00fcbernahmen die R\u00e4te die gesamte Macht im Staat und in langwierigen Verhandlungen gelang es ihnen, einen Friedensschluss zu erreichen. Die R\u00e4te wurden zum Exportschlager der Russischen Revolution, nicht zuletzt dank heimkehrender Kriegsgefangener.<\/p>\n<p><strong>Zertr\u00fcmmerung des Habsburgerreiches<\/strong><\/p>\n<p>Auch im Habsburgerreich kam es ab 1916 zu Revolten der Soldaten, der nationalen Minderheiten und der Arbeiter:innen. Im Unterschied zu Russland fehlte jedoch eine Partei, die versuchte, diese Bewegungen in eine Einheit zu verwandeln. Die SDAP verhinderte eine Verbindung der Revolten, beispielsweise weigerte sich Victor Adler (Parteichef der SDAP) den Matrosenaufstand in Cattaro 1918 den Arbeiter:innen in Wien bekannt zu machen.<\/p>\n<p>Vollst\u00e4ndig unterdr\u00fccken konnte die SDAP die revolution\u00e4re Stimmung jedoch nicht und so kam es im J\u00e4nner 1918 zum gr\u00f6\u00dften Streik der \u00f6sterreichischen Geschichte, \u00fcber eine halbe Million Arbeiter:innen streikten gegen den Krieg. Ausgel\u00f6st wurde der Streik durch ein Netzwerk aus Linksradikalen um Julius Dickmann, Franz Koritschoner und den Arbeiter:innen in Wiener Neustadt. Inspiriert vom russischen Beispiel w\u00e4hlten die streikenden R\u00e4tedelegierten. Als einzige Arbeiter:innenpartei verf\u00fcgte aber nur die SDAP \u00fcber genug erfahrene Genoss:innen, welche als Delegierte t\u00e4tig werden konnten. Gleichzeitig wurde das Delegierten-Staut an die Mitgliedschaft innerhalb der SDAP gekn\u00fcpft. So gelang es der Partei, die Bewegung in geordnete Bahnen zu lenken und schlussendlich durch eine Abstimmung im halb demokratischen Wiener Arbeiterrat abzudrehen. Die radikale Linke lernte aus ihrer Schw\u00e4che und machte sich an den Aufbau einer neuen Partei.<\/p>\n<p><strong>Revolution in \u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>Die revolution\u00e4re Stimmung ab Oktober 1918 f\u00fchrte dazu, dass das Habsburgerreich viele Gef\u00e4ngnisstrafen f\u00fcr Linksradikale wieder aufheben musste. Einer von ihnen war Friedrich Adler, welcher durch sein Attentat auf den Ministerpr\u00e4sidenten Karl St\u00fcrgkh 1916 zum Helden der radikalisierten Arbeiter:innenklasse geworden war. Koritschoner bot Adler die Gr\u00fcndung einer neuen Partei an \u2013 Adler lehnte ab. Julius Deutsch vermutet in seiner Schrift \u00f6sterreichische Revolution, h\u00e4tte Adler die neue Partei gegr\u00fcndet, ein Gro\u00dfteil der SDAP-Linken w\u00e4re ihm gefolgt.<\/p>\n<p>Elfriede und Paul Friedl\u00e4nder sowie Karl Steinhardt nutzten das Vakuum in der Linken und riefen f\u00fcr den 3. November zu einem Treffen in den Eichens\u00e4len in Wien-Favoriten. Gerade einmal 50 Menschen kamen zu dem Treffen und gr\u00fcndeten die KPD\u00d6. W\u00e4hrend Koritschoner und sein Umfeld der Partei bereits im Dezember beitraten, blieben Dickmann und Co. l\u00e4nger auf Abstand. Sie organisierten sich in der F\u00f6deration revolution\u00e4rer Sozialisten International (F.R.S.I) welche der bolschewistischen Ausrichtung der KPD\u00d6 skeptisch gegen\u00fcberstand und sich eher am R\u00e4tekommunismus orientierten.<\/p>\n<p>Ein erstes Ausrufezeichen setzten KPD\u00d6 und F.R.S.I am 12. November, dem Tag der Republikausrufung als sie versuchten, das Parlament zu st\u00fcrmen, das Wei\u00df aus der \u00f6sterreichischen Fahne rissen und die R\u00e4umlichkeiten der neuen Freien Presse besetzten. Adler und Deutsch spotteten \u00fcber den Umsturzversuch als nette Abwechslung w\u00e4hrend einer ansonsten langweiligen Revolution. Der Ruf, eine putschistische Partei zu sein, haftete der KPD\u00d6 in den Anfangsjahren an. Nicht ganz zu Unrecht, Paul Friedl\u00e4nder erkl\u00e4rte, wir werden \u201enicht eine Partei auf Jahre hinaus sein, sondern eine, die das Proletariat mit raschen Worten zu raschen Handlungen herausruft\u201c. Dieser Logik folgend, boykottierte die KPD\u00d6 die Parlamentswahlen am 16. Februar 1919.<\/p>\n<p><strong>Erster Allgemeiner R\u00e4tekongress<\/strong><\/p>\n<p>Wichtiger als das Parlament waren f\u00fcr die organisierte Arbeiter:innenbewegung in dieser Phase jedoch die R\u00e4te. Sie waren es, die das allt\u00e4gliche Leben organisierten, Essen und Wohnungen kollektivierten und f\u00fcr Sicherheit sorgten. Politisch erkannte die SDAP, wenn die R\u00e4te in den Augen aller Arbeiter:innen Respektabilit\u00e4t genie\u00dfen sollten, dann musste diese auch f\u00fcr die anderen Str\u00f6mungen der Arbeiter:innenbewegung ge\u00f6ffnet werden. Dies tat Friedrich Adler auf der 1. Allgemeinen Reichskonferenz der Arbeiterr\u00e4te am 1. M\u00e4rz 1919. Von nun an waren die R\u00e4te ein echtes Parlament der Arbeiter:innenklasse.<\/p>\n<ol start=\"17\">\n<li><strong> April 1919 Revolution in \u00d6sterreich<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In Anbetracht der sozialen Lage forderten immer mehr Arbeiter:innen die alleinige Herrschaft der R\u00e4te, verst\u00e4rkt wurde diese Forderung von der Ausrufung der ungarischen und bayrischen R\u00e4terepublik. F\u00fcr den 5. April mobilisierte die KPD\u00d6 zu einer Solidarit\u00e4tsdemonstration mit der ungarischen R\u00e4terepublik, tausende Arbeitslose und Soldaten kamen. Einer der Redner forderte, durch die Revolution in \u00d6sterreich \u201eden Anschlu\u00df an Ungarn und Bayern den gro\u00dfen kommunistischen Block in Mitteleuropa den Schlu\u00dfstein einzuf\u00fcgen\u201c.<\/p>\n<p>Am 17. April sollte die Entscheidung fallen. Heimkehrer, Arbeitslose und Invaliden hatten drei getrennte Demonstrationen organisiert, die sich um 16 Uhr vor dem Parlament trafen. Der Kanzler Karl Renner und der Minister f\u00fcr soziale F\u00fcrsorge Ferdinand Hanusch (beide SDAP) versuchten beruhigend auf die Menge einzuwirken, jedoch erfolglos. Mit \u00c4xten, H\u00e4mmern und Pistolen verjagten die aufgebrachten Demonstrant:innen die Polizei. Am Ring wurden Barrikaden errichtet und erste Fackeln flogen ins Parlament. Die Soldatenr\u00e4te, marschierten auf und verbr\u00fcderten sich mit den Demonstrant:innen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Zentralkomitee der KPD\u00d6 \u00fcber die Proklamierung einer R\u00e4terepublik diskutierte, erschien Friedrich Adler. Der genaue Ablauf der Diskussion ist nicht bekannt, ein KP-Mitglied, sehr wahrscheinlich Koritschoner, schilderte die Diskussion: \u201eFriedrich Adler, dem man seiner Haltung und an seiner Sprach anmerken konnte, dass die Sozialdemokratie sowie die Regierung die Bewegung f\u00fcrchtete, erkl\u00e4rte er werde im Falle der eventuellen Proklamierung einer R\u00e4terepublik nichts f\u00fcr und nichts gegen diese unternehmen, sondern sich vollst\u00e4ndig passiv verhalten. Die Sozialdemokratie war in einer Lage, wo sie gegen uns nicht Stellung nehmen konnte, f\u00fcr uns aber nicht eintreten wollte\u201c.<\/p>\n<p>Die KPD\u00d6 fand sich in der seltsamen Lage wieder, dass das B\u00fcrgertum besiegt war und gleichzeitig ein relevanter Teil der Arbeiter:innenklasse die alleinige Macht der R\u00e4te wollte.\u00a0 Dazu schrie die internationale Lage nach Revolution, die KPD\u00d6 verf\u00fcgte aber nicht \u00fcber den organisatorischen R\u00fcckhalt innerhalb der R\u00e4te und der Arbeiter:innenbewegung, die Revolution zu machen. Diesen R\u00fcckhalt hatte nach wie vor die SDAP durch ihre geschickte Position: Wir stellen uns weder gegen die R\u00e4terepublik noch daf\u00fcr, sondern schauen einfach mal, was ihr macht. Das brachte die KPD\u00d6 unter Zugzwang. Aufgrund der eigenen Schw\u00e4che und dem v\u00f6lligen Fehlen eines Plans, was nach der Ausrufung der R\u00e4terepublik zu tun sei, schreckte die KPD\u00d6 davor zur\u00fcck, aufs Ganze zu gehen. \u201eDer 17. April 1919 ist der archimedische Punkt in der Geschichte der \u00f6sterreichischen Arbeiterbewegung: Nie vorher und nie nachher war eine R\u00e4teherrschaft so nahe\u201c, fasst der KP\u00d6-Historiker der \u00f6sterreichischen R\u00e4tebewegung Hans Hautmann zusammen.<\/p>\n<p><strong>Trag\u00f6die zur Farce<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn Staat, Regierung und Sozialdemokratie am 17. April wankten, sie hatten den Tag \u00fcberstanden. Jetzt ging es darum, die Macht zu konsolidieren. Daf\u00fcr setzte die Sozialdemokratie auf eine Doppelstrategie: Einerseits wurden in den kommenden Monaten viele der wichtigsten Sozialreformen der \u00f6sterreichischen Geschichte durchgef\u00fchrt. Der radikalste Schritt war die Ausarbeitung eines Gesetzes zur Sozialisierung der gesamten Schwerindustrie. Gleichzeitig forderte die SDAP von der KPD\u00d6 die Anerkennung davon, dass nur die R\u00e4te das Recht h\u00e4tten, die Regierung zu st\u00fcrzen und keine Partei.\u00a0 Die kommenden R\u00e4tewahlen manifestierten die SDAP-Herrschaft, die KPD\u00d6 erreichte nur 5% der Stimmen. Wenn man bedenkt, dass die Partei keine 6 Monate alt war, zeigt sich jedoch, wie radikal die Stimmung war.<\/p>\n<p>Die KPD\u00d6 war nach dem 17. April eine desorganisierte und zerstrittene Partei. Was es gebraucht h\u00e4tte, w\u00e4re eine konstante Aufbauarbeit der Partei kombiniert mit dem demokratischen Kampf um die R\u00e4te. Unter Einfluss der ungarischen KP und ihres Gesandten Ernst Bettelheim entschied sich die KP jedoch f\u00fcr das Gegenteil; sie wollte ausgestattet mit jeder Menge Geld und Waffen direkt um die Macht k\u00e4mpfen. Bis heute ist umstritten, ob Bettelheim nur im Auftrag der ungarischen KP handelte, oder ob die Komintern (Internationaler Zusammenschluss der kommunistischen Parteien) \u00fcber sein Tun Bescheid wusste. Bettelheim forcierte die Vereinigung von KPD\u00d6 und F.R.S.I und schmiss die vermeintlichen Z\u00f6gerer Friedl\u00e4nder-Steinahrdt aus dem Zentralkomitee. Gleichzeitig konzentrierte er die Agitation fast ausschlie\u00dflich auf Arbeitslose und Soldaten. Das viele Geld und die radikale Agitation f\u00fchrten dazu, dass die KP gigantische Zuw\u00e4chse verzeichnete, bis zu 40.000 Mitglieder, der Gro\u00dfteil davon in Wien.<\/p>\n<p>Als Anfang Juni die Regierung eine Verkleinerung der Armee verk\u00fcndete und es direkt zu Massenprotesten kam, erkannte Bettelheim seine Chance. In der ganzen Stadt wurde zu einer Demonstration am 17. Juni mobilisiert. Am 13. Juni trat der Wiener Kreisarbeiterrat zusammen und Friedrich Adler bekr\u00e4ftigte erneut, nur dieses Gremium habe das Recht, eine Revolution auszurufen. Wertheimer versuchte f\u00fcr die KPD\u00d6 dagegenzuhalten, indem er erkl\u00e4rte, der Arbeiterrat sei durch den Einfluss des Parlamentarismus eine reformistische Organisation und die KPD\u00d6 sei an seine Beschl\u00fcsse nicht gebunden. Mit 235 gegen 27 Stimmen wurde Adlers Resolution gegen den Aufstand angenommen. Unabh\u00e4ngig davon, wie sehr man mit den Kommunisten sympathisiert, Adler war nicht nur intellektuell \u00fcberlegen, sondern seine Argumente, waren besser. Eine Revolution der Arbeiter:innenklasse machen, obwohl das Gremium der Arbeiter:innenklasse, der Arbeiterrat, sie nicht unterst\u00fctzte \u2013 \u00fcberzeugend ist diese Position nicht.\u00a0 Vermutlich sahen dies auch breite Teile der KPD\u00d6-Basis so. Einen Tag danach diskutierte die KPD\u00d6 \u00fcber den Ablauf der Demonstration und wahrscheinlich h\u00e4tte sich die Position \u2013 Demonstration ja, potenziell auch bewaffnet, aber kein direkter Aufstandsversuch \u2013 durchgesetzt. Doch bevor die Entscheidung fallen konnte, st\u00fcrmte die Polizei das Treffen und verhaftete quasi die gesamten F\u00fchrungskr\u00e4fte der KPD\u00d6. Erneut war die Partei desorganisiert und als sich die wenigen Demonstrant:innen am\u00a0 17. Juni trafen, er\u00f6ffnete die Polizei bei der Votivkirche, bevor der Zug das Parlament erreichte, das Feuer.<\/p>\n<p><strong>R\u00e4te keine SDAP Organisationen<\/strong><\/p>\n<p>Die Macht und Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter:innenr\u00e4te wird daran offensichtlich, dass sie nicht nur gegen das Vorgehen der Polizei protestierten, sondern die Enthaftung der Kommunist:innen erreichten. Im August 1919 wurde die ungarische R\u00e4terepublik milit\u00e4risch niedergeschlagen. Ein letztes Mal zeigte sich die Macht der \u00f6sterreichischen Arbeiter:innenr\u00e4te, sie nahmen eine Resolution der KPD\u00d6 nicht der SDAP an, welche einen Solidarit\u00e4tsstreik mit der ungarischen R\u00e4terepublik forderte.<\/p>\n<p>Mit der Niederschlagung der ungarischen R\u00e4terepublik endete die revolution\u00e4re Entwicklung in \u00d6sterreich. Als der Druck der KP abklang, l\u00f6ste die SDAP die Sozialisierungskommission auf und auch die Arbeiter:innenr\u00e4te wurden zusehends entmachtet. Die wirtschaftliche Stabilisierung, die Erfolge der SDAP im Roten Wien sowie der alles andere als l\u00e4ngerfristige Parteiaufbau f\u00fchrten dazu, dass die KPD\u00d6 in den folgenden Jahren in den Winterschlaf fiel. Von den 40.000 Mitgliedern trat die gro\u00dfe Mehrheit wieder aus. Innerhalb der F\u00fchrung lief ein verwirrender Fraktionskampf \u2013 der nur im Kontext der Fraktionierung der Komintern zu verstehen ist \u2013 der damit endete, dass die erste Reihe der Phase 1918-1919 in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wurde. Ihre Wiederauferstehung w\u00fcrde die KP\u00d6 erst im Kampf gegen den Faschismus feiern.<\/p>\n<p>Die Fr\u00fchgeschichte der KP\u00d6 ist die Geschichte des gescheiterten Versuches, die bolschewistische Vision, den Weltkrieg in eine Weltrevolution zu verwandeln, zu verwirklichen. Auch wenn die Revolution scheiterte und die KP\u00d6 aufgrund ihrer Jugend und der scheinbaren Allmacht der SDAP so manchen Fehler beging, \u00e4ndert dies nichts daran, dass es ohne sie niemals eine so tiefgreifende Revolutionierung in \u00d6sterreich gegeben h\u00e4tte. Die radikale Sozialgesetzgebung, selbst das Rote Wien, waren ein direktes Produkt der sozialdemokratischen Angst vor einer Radikalisierung der Arbeiter:innen nach links. H\u00e4tten Koritschoner und Co. nicht versucht, den Arbeiter:innen eine linke Alternative anzubieten, die SDAP h\u00e4tte viel weniger Reformen erzielen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Suppenausgabe kurz nach der Republiksgr\u00fcndung.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/linkswende.org\/fruehgeschichte-der-kpoe-wie-der-kampf-um-die-raeterepublik-scheiterte\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. August 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>David Reisinger. \u201eDie ganze Woche \u00fcber Furcht vor der Kommunistenrevolution in Wien\u201c, dieser h\u00fcbsche Satz ist kein mediales Schreckgespenst im Angesicht der aktuellen Wahlsiege der KP\u00d6, sondern stammt aus 1919 vom deutschnationalen Politiker Josef Redlich. &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14824,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,87,31,26,84,49,42],"class_list":["post-14823","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitswelt","tag-erster-weltkrieg","tag-gewerkschaften","tag-oesterreich","tag-repression","tag-sozialdemokratie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14823"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14823\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14825,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14823\/revisions\/14825"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14824"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}