{"id":14903,"date":"2024-09-18T09:41:13","date_gmt":"2024-09-18T07:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14903"},"modified":"2024-09-18T09:41:15","modified_gmt":"2024-09-18T07:41:15","slug":"katastrophale-ueberschwemmungen-in-mitteleuropa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14903","title":{"rendered":"Katastrophale \u00dcberschwemmungen in Mitteleuropa"},"content":{"rendered":"<p><em>Markus Salzmann. <\/em><strong>Heftiger Dauerregen hat in weiten Teilen Mitteleuropas zu katastrophalen \u00dcberflutungen gef\u00fchrt. \u00d6sterreich, Tschechien, Polen und Rum\u00e4nien sind am heftigsten von den Fluten betroffen. 16 Menschen starben bislang, rund 250.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Tausende mussten evakuiert werden, obwohl<!--more--> die H\u00f6chstst\u00e4nde der Flusspegel erst f\u00fcr Wochenmitte erwartet werden.<\/strong><\/p>\n<p>Besonders heftig betroffen waren Gebiete in <strong>Tschechien<\/strong>. Im Raum der Gro\u00dfstadt Ostrava, nahe der polnischen Grenze, brachen mehrere Deiche. In der rund 285.000 Einwohner z\u00e4hlenden Stadt flie\u00dfen mehrere Fl\u00fcsse, darunter die Oder, zusammen.<\/p>\n<p>Ganze Siedlungen mussten mit Schlauchboten evakuiert werden. Insgesamt mussten im Land \u00fcber 10.000 Menschen evakuiert werden, erkl\u00e4rten offizielle Stellen gegen\u00fcber dem Tschechischen Fernsehen. Der Bahnverkehr von und nach Prag und in Richtung Polen ist vollst\u00e4ndig unterbrochen. Ein Kraftwerk musste abgeschaltet werden. Neben der Strom- und Mobilfunkversorgung brach auch die Trinkwasserversorgung vor\u00fcbergehend zusammen.<\/p>\n<p>Die Stadt Litovel, rund 200 Kilometer \u00f6stlich von Prag, wurde fast vollst\u00e4ndig \u00fcberschwemmt. S\u00e4mtliche Einrichtungen wurden geschlossen und das \u00f6ffentliche Leben kam vollst\u00e4ndig zum Erliegen. Bis zum Montag ertrank ein Mensch in den Fluten, mindestens sieben weitere werden noch vermisst.<\/p>\n<p>Die Regierung in Warschau rief den Katastrophenzustand aus. An mehreren Orten in <strong>Polen<\/strong> ist mehr Regen niedergegangen als bei der sogenannten Jahrtausendflut im Jahr 1997.<\/p>\n<p>Bislang kamen f\u00fcnf Menschen in Polen ums Leben, mehrere weitere gelten als vermisst. Die Stadt Klotzko wurde am Wochenende nach dem Bruch eines Staudamms von einer Flutwelle erfasst. In Teilen der \u00fcberfluteten Gebiete ist die Stromversorgung unterbrochen, der Zugverkehr kam fast im ganzen Land vollst\u00e4ndig zum Erliegen. In der Region Oppeln musste ein Krankenhaus komplett evakuiert werden.<\/p>\n<p>Polens Regierungschef Donald Tusk k\u00fcndigte Soforthilfen in H\u00f6he von einer Milliarde Zloty (230 Millionen Euro) an. Dies ist nicht einmal der sprichw\u00f6rtliche Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein angesichts der immensen Sch\u00e4den, die bei weitem noch nicht beziffert werden k\u00f6nnen. Polen steckt \u00fcber vier Prozent des BIP in milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung. Allein im letzten Jahr flossen 32 Milliarden Euro in milit\u00e4rische Zwecke.<\/p>\n<p>Auch<strong> \u00d6sterreich<\/strong> hat mit den st\u00e4rksten \u00dcberschwemmungen seit Jahrzehnten zu k\u00e4mpfen. Vor allem Nieder\u00f6sterreich, aber auch die Steiermark, Ober\u00f6sterreich und das n\u00f6rdliche Burgenland sind betroffen.<\/p>\n<p>Rund 30.000 Einsatzkr\u00e4fte sind allein in Nieder\u00f6sterreich im Dauereinsatz. F\u00fcr das Bundesland wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Zwei Menschen in den Bezirken St. P\u00f6lten-Land und Korneuburg ertranken, nachdem ihre H\u00e4user von den Wassermassen eingeschlossen wurden. Ein Feuerwehrmann kam in einem Keller bei Abpump-Arbeiten ums Leben.<\/p>\n<p>Am Montagabend mussten hunderte Einwohner von Ortschaften nahe der Hauptstadt Wien evakuiert werden, nachdem D\u00e4mme gebrochen waren. In Wien selbst kam es durch \u00dcberflutungen zu Ausf\u00e4llen der U-Bahn und des Stromnetzes. Nur aufgrund nachlassender Regenf\u00e4lle blieben bislang schlimmere Folgen f\u00fcr die Stadt an der Donau aus.<\/p>\n<p>Aus <strong>Rum\u00e4nien<\/strong> wurden bislang offiziell sieben Todesopfer gemeldet. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst. Betroffen waren vor allem Regionen in den Karpaten im Osten des Landes. Bis Sonntag galt hier die h\u00f6chste Hochwasser-Warnstufe. Mehrere abgelegene D\u00f6rfer waren v\u00f6llig abgeschnitten. Menschen mussten von ihren Hausd\u00e4chern geborgen werden.<\/p>\n<p><strong>Ungarn<\/strong> hat f\u00fcr die Hauptstadt Budapest die h\u00f6chste Hochwasser-Warnstufe ausgerufen. Die Uferstra\u00dfen entlang der Donau wurden f\u00fcr den Verkehr gesperrt. Experten erwarten den h\u00f6chsten Pegelstand in der zweiten Wochenh\u00e4lfte. Ministerpr\u00e4sident Victor Orban sagte aufgrund der angespannten Lage geplante Termine im Ausland ab. Innenminister S\u00e1ndor Pint\u00e9r erkl\u00e4rte, 12.000 Soldaten st\u00fcnden zum Einsatz bereit.<\/p>\n<p>In der slowakischen Hauptstadt Bratislava, rund 70 Kilometer von Wien entfernt, befinden sich ebenfalls Einsatzkr\u00e4fte in h\u00f6chster Alarmbereitschaft, da die Stadt ebenfalls einen Rekordpegel der Donau erwartet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Sturmtief Boris, welches die enormen Niederschl\u00e4ge mit sich brachte, durch das eher ungew\u00f6hnliche Zusammenfallen von polarer Luft und warmer, feuchter Luft aus dem ungew\u00f6hnlich hei\u00dfen Mittelmeerraum verursacht wurde, liegen die tieferen Ursachen in dem dramatisch fortschreitenden Klimawandel.<\/p>\n<p>So zeigten sich Klimaforscher von den Auswirkungen der j\u00fcngsten Ereignisse wenig \u00fcberrascht. \u201e Die katastrophalen Regenf\u00e4lle in Mitteleuropa sind genau das, was Wissenschaftler aufgrund des Klimawandels erwarten,\u201c zitiert der <em>Guardian<\/em> Joyce Kimutai vom Imperial College London Grantham Institute.<\/p>\n<p>Auch Climameter, ein von der Europ\u00e4ischen Union und der franz\u00f6sischen Forschungsorganisation CNRS finanziertes Forschungsprojekt, f\u00fchrt die \u201estarken Niederschl\u00e4ge, die zu den \u00dcberschwemmungen in Mitteleuropa f\u00fchrten\u201c, gr\u00f6\u00dftenteils auf den Klimawandel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die \u00dcberschwemmungen sind Teil der Extremwetterereignisse, die weltweit immer h\u00e4ufiger und schwerer werden. Auch in Zentral- und Westafrika leidet die Bev\u00f6lkerung gegenw\u00e4rtig unter extremen \u00dcberschwemmungen. In Mali, Libera und Nigeria kamen nach offiziellen Angaben rund 1000 Menschen in den Fluten ums Leben, die tats\u00e4chliche Zahl d\u00fcrfte weit h\u00f6her sein. Gleichzeitig leidet der S\u00fcden des Kontinents unter einer historischen D\u00fcrre.<\/p>\n<p>In S\u00fcdostasien hat der Taifun Yagi weite Teile von Vietnam, Laos, Thailand und Myanmar \u00fcberzogen. Hunderte Menschen starben, und die Folgen sind in den von Armut gepr\u00e4gten Regionen noch nicht auszumachen.<\/p>\n<p>Dabei ist der Klimawandel letztlich menschengemacht und einem Wirtschaftssystem geschuldet, das Profitstreben \u00fcber Menschenleben stellt. Obwohl der Klimawandel und die Erderw\u00e4rmung die Wettermuster drastisch ver\u00e4ndern, weigern sich die Regierungen, ernsthafte Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um die verheerenden Auswirkungen dieser schon lange vorhergesagten Katastrophen zu verringern.<\/p>\n<p>Stattdessen k\u00fcrzen alle Regierungen in Europa Gelder f\u00fcr Katastrophen- und Umweltschutz, Infrastruktur und Gesundheitsversorgung und finanzieren damit die milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung f\u00fcr den Krieg gegen Russland. Wenn Bundeskanzler Olaf Scholz die Hochwasser in den Nachbarl\u00e4ndern \u201ebedr\u00fcckend\u201c nennt und Hilfe verspricht, sind das nur zynische Lippenbekenntnisse.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Verteidigungshaushalt enorm aufgebl\u00e4ht wurde, sind im Haushalt 2024 f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe l\u00e4cherliche 550 Millionen Euro veranschlagt, zehn Millionen Euro weniger als im vorherigen Haushalt.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: \u00dcberflutetes Gebiet in der N\u00e4he des Flusses Nysa Klodzka in Nysa, Polen, am 16. September 2024 [AP Photo\/KG PSP Photo]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/09\/16\/hoch-s16.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. September 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Salzmann. 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